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Wollt ihr ewig leben?

Im letzten Kapitel von Julian Barnes Roman "Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln" (Reinbek 2000) führt er einen interessanten Gedanken aus: Was, wenn die Menschen ewig leben könnten? Hier kommen sie alle ins Himmelreich und können sich aussuchen, wie sie es gerne hätten. Am längsten halten auf diese Weise die Religiösen durch, die sich am Gottesdienst ergötzen. Von den Nicht-Religiösen sind es z.B. Gelehrte und Juristen, die so viel zu untersuchen und zu streiten haben, dass sie jahrhundertelang damit beschäftigt sind. Schließlich wollen aber auch sie nicht mehr. Dann genügt es, einfach sterben zu wollen, und es geschieht ...    "Und wie sterben sie? Bringen sie sich selber um? Bringt ihr sie um?" (...)    "Gottes willen, nein. Wie gesagt, heutzutage geht es demokratisch zu. Wenn man wegsterben will, tut man es. Man muss es nur lange genug wollen, dann klappt es schon, es geschieht einfach. Der Tod hat nichts mehr mit Zufall oder düsterer Unvermeidlichk...

Verse des Zen-Mönches Shôtetsu (1381-1459)

Wie natürlich sie einander zur rechten Zeit begegnen: Das Wasser, das nicht denkt: "Komm, nimm dir hier deine Herberge!" Der Mond, der nicht nach einer Unterkunft fragt. *** Da niemand zu Besuch kommt,  habe ich keinen zum Quatschen, was mein Haus zu einem Ort macht, wo ein Mensch ohne Sorgen lebt. *** Mit jedem neuen Frühling sprechen die Blüten kein Wort und legen doch den Dharma dar. Sie wissen um dessen Kern von den sich zerstreuenden Sturmböen. *** Hier bin ich nun, fort von der grausamen Welt, auf einer Insel, und vertraue den Faden meines Lebens einer Leine ohne Haken an! (Steven D. Carter: Unforgotten Dreams. New York 1997)

Der Körper lebt, die Seele stirbt

Die Terasse des Leprakönigs ist ein Bühnenstück von Yukio Mishima (1925-1970), benannt nach dem gleichnamigen Tempelkomplex in Angkor. Am Ende gibt es einen Dialog zwischen der Seele, die stirbt, und dem Körper. Mishima interpretiert den Bayontempel mit seinen Gesichtern des Buddha Avalokiteshvara als quasi ewige, spiegelbildliche Verkörperlichung des Khmer-Königs Jayavarman VII., der den Bau in Auftrag gab. Die Idee, dass nicht die Seele, sondern der Körper unsterblich sei, findet hier ihren in Stein gemeißelten Ausdruck. Der Körper spricht zur Seele in einem zennahen Duktus: "Stirb nun also, verlösche. Der frische Morgenatem, der Morgenwind, in die weiten Lungen inhaliert - auf diese Weise beginnt der Tag für den Körper. Dann badet der Körper, kämpft, rennt, liebt, betrinkt sich mit den besten Weinen der Welt, wetteifert, um zu sehen, welche Form die schönere ist, macht Komplimente usf. - bis er sich am Ende des Tages mit einem anderen Körper zur Ruhe bettet. Der Körper ei...

Verse von Kenji Miyazawa

Wenn du so sehr am Frieden leidest, werde ich dir die Familie ins Haus schicken, die jene Exekution überlebt hat. *** Und es muss sein, dass ich bald sterben werde, doch was auf Erden ist das, was man Ich nennt? Ich dachte, überdachte es mehrere Male, las und las, hörte, es wäre dies, wurde gelehrt, es wäre jenes, doch am Ende ist es noch nicht klar, was Ich genannt wird ... (Kenji Miyazawa, Lyriker, 1896-1933, Anhänger des Nichiren-Buddhismus und der Kokuchûkai .)

Nicht-Gier

So heißt eines der zehn "Gebote" von Jiun Sonja (1718-1804), einem gelehrten Mönch der Shingon-Schule des Buddhismus: "Wenn du mit der Regel der Nicht-Gier lebst und Farben betrachtest, dann sind alle - ob blau, gelb, rot oder weiß - hinreichend, um deine Augen zu nähren; und all die Winde in den Kiefern und das Murmeln des Wassers - wie Saiten- und Flötenmusik - sind deinen Ohren genug."

Wessen Gedicht steckt dahinter?

Den ganzen Tag höre ich die Worte der Freudenmädchen. Es ist, wie alte Bekannte zu treffen. Sag nicht, dass immer wieder Zweifel aufsteigen - jedes Mal, wenn es aufgebracht wird, ist es neu. (Tipp: Gesucht wird eine Frau, die an Ta-hui schrieb. Nur ihre erste Verszeile wurde hier geändert. [Ein Preis war ausgelobt, wurde aber abgelehnt.])

Das Ultrabuch des Zen-Meisters

Der am Ende des Spots zu sehende Phil Jackson war ein bekannter US-Basketballcoach, der mit den Chicago Bulls und Los Angeles Lakers elf Mal den NBA-Titel holte. Sein holistischer Trainingsansatz brachte ihm den Beinamen "Zen-Meister" ein, da er sich nach eigenen Angaben in seinem Leben vor allem an Robert Pirsigs "Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten" orientierte. 

Was Günter Grass gesagt werden muss

Es war eigentlich strategisch falsch, weil gegen einen ehemaligen Waffen-SSler die Vorwürfe nur aus dem Setzbaukasten der politisch Korrekten geholt werden mussten. Aber da Günter Grass ein Literatur-Nobelpreisträger ist und ich nicht, hat man weltweit seine nur lachhaft als Gedicht verkleidete politische Botschaft abgedruckt, und mein nun gleich entstehendes wahres Gedicht wird bloß eine Hundertschar wahrnehmen, obwohl ich nie was mit den Nazis zu tun hatte. Immerhin hat der mich zuvor oft durch eher verwirrte Botschaften nervende Grass für einen erheiternden TV-Abend gesorgt, an dem noch einmal das blödeste Märchen aller Zeiten auf allen Kanälen erzählt werden durfte: Dass ein muslimisches Land wie der Iran, das mit den muslimischen Palästinensern sympathisiert, die - wie wir alle wissen - in Israel Tür an Tür mit den Israelis leben, durch einen atomaren Erstschlag Israel auslöschen könnte. Also seine eigenen Glaubensbrüder notgedrungen gleich mit. Etwas Dümmeres wurde seit der Biow...

Enni Ben'en: Selbsterwachen und Zen

Enni Ben'en (1202-1280) fuhr 1235 nach China und wurde nach sieben Jahren von einem Nachfolger in der Yang-ch'i-Linie des Lin-chi, Wu-chun Shih-fan (1177-1249) authorisiert. In Japan genoss er im Vergleich zu seinem Zeitgenossen Dôgen, der ihn folglich attackierte, einen besseren Ruf in den Herrschaftskreisen. Enni begründete das im chinesischen Stil errichtete Tôfuku-ji-Kloster, in dem er auch Hallen für die Tendai- und Shingon-Praktiken zuließ. Interessant ist seine Sicht auf Bodhidharma, den er als Selbsterwachten bezeichnet und der für ihn offenbar nicht als Metapher für die Sitzmeditation steht. Vielmehr seien nach dem Selbsterwachen das Zazen und direktes Zeigen (auf den eigenen Geist) als (weitere) anleitende Techniken dazugekommen. "Ihr sollt verstehen, dass es Methoden gibt, zu helfen und anzuleiten: eine ist die Technik der Sitzmeditation, die andere die Technik des direkten Zeigens. Sitzmeditation ist die große Ruhe, direktes Zeigen ...

April, April,
ich bin gar nicht tot!

Wenn ich auf den Seiten von Buddhismus heute der Diamantweg-Sekte (Karma Kagyü) surfe, kommen mir Ideen für eine Glosse nach der anderen. Kürzlich wurde der Tod Tenga Rinpoches vermeldet, und auf der englischen Wiki fand sich folgender Abgesang: "Rinpoche has entered the after-death-meditation, called Thugdam." Der Rinpoche ist also in die Nachtodmeditation namens Thugdam eingetreten. Wie ihr auf obigem Link sehen könnt, erscheint ihm beim Sterben für einen Augenblick die "wahre Natur des Geistes". Halt!, denkt da der Zenbuddhist, was kann denn daran Besonderes sein, wo sie sich bei einem "fortgeschrittenen Praktizierenden", dem allein sich solches offenbaren soll, doch längst im Laufe seines Vorlebens gezeigt haben müsste - sonst wäre er ja nicht erwacht. Ein schönes Beispiel tibetischer Logik, und dafür trainieren die Adepten zwanzig Jahre lang eifrig das Debattieren ...  Viel lehhreicher ist freilich die Einleitung zur Erklärung von Thugdam. ...

Kurzer Ausblick
(war: Auf der Suche nach Samurai)

Miyamoto Musashi-Doku (mit Mark Dacascos) Der obige Filmhinweis sollte im Grunde alles für heute sein. Die Beiträge der letzten Wochen wie auch die der folgenden habe ich lange im Voraus zusammengestellt, um mich eine Weile konzentriert meiner nächsten Übersetzung (von Kôan-Antworten) widmen zu können, die demnächst erscheint. Regelmäßigen Lesern wird dies aufgefallen sein. Ein Blog lebt natürlich in erster Linie - neben (gegenseitigen) Verlinkungen - von selbst verfassten Beiträgen, und im Allgemeinen habe ich hier die kürzere Form bevorzugt, um Anregungen zu hinterlassen. Da ich nun jahrelang, erst in Foren, dann vor allem hier im Blog, diverse Themen diskutierte und aufrollte, bin ich an einem Punkt, wo das Wesentliche gesagt ist. Einige buddhistische Foren scheinen mir tatsächlich regelrecht zu erlahmen und stillzustehen. In den vergangenen Monaten sah ich noch einmal einen kleinen Hoffnungsschimmer in den rechts (kürzlich noch) verlinkten Blogs, aber bei näherer Beschäftigung ...

Buddhadasa Bhikkhu

"Alle Aktivitäten sind Dharma." Buddhadasa Bhikkhu: Biography Part 1 Buddhadasa Bhikkhu: Biography Part 2 Buddhadasa Bhikkhu: Biography Part 3 (alles in Englisch, mehr und Copyright Foto hier )

Der Buddhismus wäre ein kleiner Kult geblieben ...

... hätte ihn der König Ashoka nicht schon als Instrument der Macht benutzt. So der wunderbarste Kritiker des Zen ... und zugleich seine Verkörperung (meine Ansicht). Heute ist der fünfte Todestag von Uppaluri Gopala (U.G.) Krishnamurti (9.7.1918-22.3.2007). Hier die Worte, die er nach seinem "Erwachen", seiner "Wandlung" oder "Einsicht", einem offenbar besonders körperlichen Ereignis, mit knapp fünfzig Jahren sprach. Dieser Krishnamurti - nicht zu verwechseln mit dem Jiddu - gab nichts auf besondere Essgewohnheiten, Sport oder Medizin. Im zweiten Video sieht man ihn kurz vor seinem Tod. Als er seine Zeit für den Abgang gekommen sah, nahm er keine Nahrung mehr zu sich. "Ich weiß nicht, was Glück ist. Darum bin ich nie unglücklich."

Der Samen des Meisters
und das Essen von Menschenfleisch

In einem Buch über Yoga Tantra ( Theory and Praxis: In the Light of the Hevajra Tantra: A Metaphysical Perspective von Tomy Augustine, Delhi 2008) fanden sich ein paar amüsante Stellen über Praktiken des Vajrayana genannten Buddhismus: Abhisheka bedeutet "reinigen durch besprengen mit Wasser". In der frühen tantrischen Periode war dies ein Initiationsritus, bei dem Übende in die mystische Bedeutung von Mandalas eingeführt wurden. Dabei gibt es vier Arten von Weihen: Meister-Weihe (ārcāja), Geheime Weihe (guhya), Weisheit-Weihe (prajñā) und die Vierte Weihe (caturham). Die Meister-Weihe erhalten Schüler mit wenig Einfühlungsvermögen. Das geht so, dass der Meister sich mit einer Weisheitsgefährtin vereint, die ihm durch den Schüler zugeführt wird! Die Geheime Weihe erhalten Schüler mit mittlerem Einfühlungsvermögen. Dabei tropft der Meister etwas von dem Sexualsekret, das entsteht, wenn er sich mit der Weisheitspartnerin vereinigt hat, dem Schüler in den Mund. Geheim heißt ...

Der Zen-Priester bei Fukushima

Kurzfilm im Schweizer Fernsehen Genyu Sokyu ist Zen-Priester wie sein Vater - und auch Schriftsteller. Bei dieser Gelegenheit möchte ich einen weiteren Roman eines ehemaligen Zen-Lehrlings empfehlen, der am Klosterleben kein gutes Haar lässt und weniger verkopft wie der obige Autor schreibt: Tsutomo Mizukamis "Im Tempel der Wildgänse".

Gewinnspiel: Wird der Dalai Lama 90?

In einer Verlautbarung vom 24.11.2011 verkündete der Dalai Lama auf seiner Website unter der Überschrift "The next incarnation of the Dalai Lama": " Wenn ich etwa neunzig Jahre alt bin , werde ich mich mit den hohen Lamas der tibetischen Traditionen, der tibetischen Öffentlichkeit und anderen, die dem tibetischen Buddhismus folgen und davon betroffen sind, beraten und neu bewerten, ob die Institution des Dalai Lama fortdauern sollte oder nicht." Mit diesem Satz hat der Dalai Lama noch einmal bewiesen, was ich hier immer wieder betonte: Es ist völlig unnötig, dass er mit Bodyguards und in gepanzerten Fahrzeugen durch die Welt gurkt. Jedenfalls nach seiner eigenen Auffassung - denn er meint ja, 90 zu werden. Außerdem hat er damit auch gesagt, dass es lebenden Menschen frei steht, die Einrichtung Dalai Lama abzuschaffen, dass es also gar nicht der Heilige ist, der wiederkehrt, sondern es sich hier nur um eine Glaubensübereinkunft handelt, keine de facto Inkarnation...

A reply to the Brad Warner Shit

[Brad Warner gab (ursprünglich wohl im buddhistischen Magazin Trycicle) fünf Tipps , um es täglich "aufs Kissen" zu schaffen. Dazu ein bisschen Altes und Neues von mir. Nur in Englisch, aber das könnte hier ein Trend werden. Ich habe festgestellt, dass in der regen englischsprachigen buddhistischen Szene Einiges noch gar nicht bekannt ist, was sich hier auf diesem Blog findet ... Wer sich fragt, warum ich mich überhaupt mit solchen Punks beschäftige - das wird in absehbarer Zeit ein Ende haben.] Five sure-fire tips to get yourself into the dhyana-mode, which means contemplation: 1) Don't believe it must be sitting meditation. Never in the palicanon is dhyana attached to sitting (the "za" in zazen). 2) Don't believe there must be a cushion. The Shakyamuni Buddha didn't have one, so why do you? 3) If you really think you should do zazen, remember the "results" or "goals" that Yasutani Roshi mentioned: concentration (jôriki), sato...

Naikan

Kürzlich wurde mir ein Buch voller amüsanter taoistischer Übungen und sinnlosem Aberglauben geschenkt. Diese Stelle jedoch gefiel mir: "Zu Hause behandelte Wang Liping seine Eltern mit größtem Respekt, der von tiefen und echten Gefühlen getragen war. Beim stillen Sitzen gingen seine Gedanken oft zurück in die Kindheit, als seine Mutter ihn voller Liebe aufgezogen hatte, und vor seinen Augen erschienen Szenen, die ihre Mühe bei der Erziehung von sechs Kindern zeigten. Diese Bilder der Erinnerung waren so klar und wirklich, dass sie Lipings Herz rührten. Wenn Kinder in die Liebe ihrer Eltern eingehüllt sind, so halten sie das für völlig normal und natürlich, wie ins Licht der Sonne eingetaucht zu sein, und nichts kann ihre emotionale Bindung erschüttern. Wenn Menschen sich als Erwachsene der Fürsorge ihrer Eltern erinnern, wie könnten sie beim Gedanken an die elterliche Liebe nicht Rührung empfinden?" (Chen Kaiguo/Zheng Shunchao: Der Meister vom Drachentor. München 2000) Diese...

Essen, schlafen

Zwanzig Jahre untätig auf dem Kissen sitzend erfasse ich das Zen der Patriarchen nicht. Bei der täglichen Praxis weiß ich nichts von Versenkung. Wenn ich hungrig bin, esse ich, wenn ich müde bin, schlafe ich. (Tetsugen Dôkô, 1630-1682)

Best of Shunryu Suzuki (II):
"Praxis"

Praxis bedeutet, sich vollständig dem zu widmen, was man tut. Unsere Praxis besteht darin, das Reich von Gut und Böse zu überschreiten und in die eine absolute Welt einzutreten.  Wer praktiziert, ist ein Mensch in der Wirklichkeit.  Dôgen Zenji sagte: 'Wenn unsere Praxis nicht alles einschließt, ist sie nicht unsere Praxis.' Reden vom 25.8. und 1.9.1969

Best of Shunryu Suzuki (I):
Die Kausalkette

[In dieser Reihe werde ich vor allem interessante Passagen aus den fortlaufenden Veröffentlichungen des San Francisco Zen Centres übersetzen, das auch Originaltonaufnahmen Suzuki Roshis bereithält. Ich tue dies gerafft und ohne besondere Rücksicht auf Suzukis Akzent bzw. falsches Englisch. Es sollen hier keine vollständigen Lehren, sondern Anregungen vermittel werden.] Es gibt zwei Arten des Verständnisses der zwölfgliedrigen Kausalkette. Die eine bezieht sich auf die Ursache des Lebens. Die andere jedoch, die auf den älteren Schriften (âgama) beruht, bezieht sich auf die Ursachen des Leidens. Dort gibt es keine drei Zeiten und im Grunde auch keine zusammenhängenden zwölf Glieder. [Die Geburt als 11. Glied ist die Geburt des Leidens, dass durch die vorhergehenden Glieder erklärt wird; das 12. Glied (Alter und Tod) interpretiert Suzuki so, dass Unwissenheit und falsches Handeln zu Leiden führen, dass wie Alter und Tod sei.] Rede vom 23. August 1969

Antwort auf Seung Sahn

[Der folgende Briefwechsel mit Seung Sahn war natürlich nicht an mich gerichtet, sondern findet sich so ähnlich in "Nur weiß nicht" (Gießen 2010).] "Hallo Meister, (...) Alle Buddha-Statuen sind voller Stein. Alle Zen-Patriarchen sind voller Scheiße. Was kannst Du tun?" "Lieber Guido, wenn Deine Freundin Dich wirklich hundertprozentig liebt, wird sie wahrnehmen, warum Du Zen praktizieren willst und warum töten nicht gut ist. Dann wird sie zu angeln aufhören und wird Dir folgen. (...) Ich schneide Dir die Zunge ab - was kannst Du tun?" Ich lasse sie annähen, gehe aufs Klo und nutze meine Hand. Dann folge ich meiner Freundin an den Teich und erkenne, dass ein Fisch keine blöden Fragen stellt, wenn er an der Angel hängt.

Buddhisten mit Parteibuch

Auch ich könnte politische Feldzüge führen. Was mich befremdet ist, wenn man Parteipolitik mit seinem buddhistisch motivierten Handeln vermengt, ohne dies sich oder anderen bewusst zu machen. Von wie vielen (mir keinesfalls unsympathischen) Vertretern aus dem Umfeld der DBU (Deutschen Buddhistischen Union) habe ich in den letzten Wochen hämische Kommentare zum Versagen der Vorbildfunktion unseres Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff gelesen und gehört? Würden diese Buddhisten sich lieber mal in Presse-Organen und Social Media über die Menschen echauffieren, die tatsächlich noch mit ihrer Vorbildfunktion identifiziert werden (sollten) - nämlich buddhistische Lehrer und Ordinierte (Berobte). Wer zum Teufel nimmt sich schon einen Bundespräsidenten zum Vorbild? Ich will also gar nicht kommentieren, welche Belanglosigkeiten finanzielle Vergünstigungen für einen Karrierepolitiker darstellen im Vergleich zu Luxuskarossen, Designerklamotten und Missbrauch von Schutzbefohlenen durch sich selbst...

Ein Aprilscherz?
Mit Eido nach Istanbul

Der geschasste 80-jährige Eido Shimano soll jetzt Sesshin in der Türkei anbieten (1000 USD für eine Woche). Das reicht aber nicht. Gesucht wird zudem ein Millionenspender, der ihm und seiner Ehefrau die nächsten 40 Lebensjahre finanziert.   (Übertragungslinie, zum Vergrößern bitte anklicken. Quelle: The Book of the Zen Grove. Jacksonville 1996)

Erlösung ohne Versenkung?

Vor einigen Jahren stritt ich mich mal ein wenig mit dem Indologen Hans Gruber in seinem Blog zu einem meiner Lieblingsthemen, der Notwendigkeit für Menschen, töten zu können, um ihr Überleben zu sichern (so fasse ich es nun mal kurz zusammen). Nun habe ich zu meiner Freude entdeckt, wie er am frühen Buddhismus aufzeigt, dass es von Anfang an einen kürzeren Weg zur Befreiung - ohne jhanas (Versenkungen) - gibt, und warum dies im modernen Buddhismus kaum noch zur Geltung kommt - u.a., um Lehrer und Institutionen zu legitimieren und das Bedürfnis von ehemaligen Christen, die zum Buddhismus übertreten, nach einer Wahrheit zu befriedigen. Er findet sich im Satipatthana-Sutta beschrieben und ist in einer Woche (!) gangbar ( ekkayana maggo , der direkte, einzige, allein zu gehende Weg). Zwar bin ich selbst kein Anhänger dieses Weges, jedoch zeigt sich hierin bereits die Vielfalt im frühen Buddhismus.    Gruber zitiert dann auch Frauwallners "Erlösungspragmatismus", also die The...

Zenrin kushû (II)

Schau es an und nimm es,  sonst ist es tausend Jahre lang weg! *** Reite dein Pferd entlang der Klinge eines Schwertes. Versteck dich inmitten von Flammen! *** Jeder einzelne Schritt - das Kloster. [ A Zen Forest. Sayings of the masters. New York 1981]

Wie man Missbrauch im Buddhismus verschleiert

Ein Nachtrag zu meinem Kommentar hier , zu dem der Betreiber des Blogs über buddhistische Sekten etwas zweideutig meint, ich wüsste "alles besser". Mir geht es darum, dass in den vergangenen Jahren mehrfach Betroffene von Missbrauch in Sekten an die DBU verwiesen wurden, wo man dann regelmäßig so auf die Betroffenen einwirkte, dass die Angelegenheiten möglichst diskret unter den Teppich gekehrt werden konnten. Der jüngste Fall betrifft einen Aktiven gegen Dr. Sex/Zernickow, der sich nach eigenem Bekunden an einen Sektenbeauftragten und die DBU wenden wollte. Auch in der Antwort von Tenzin auf seinem Blog wird so getan, als seien nun Eidesstattliche Versicherungen das Mittel der Wahl. Diese wurden übrigens in der Vergangenheit - im Falle Thich Thien Son* - je nach Gutdünken Interessierten zugespielt oder auch nicht. Die Kontrolle wollte sich entweder die DBO oder die DBU vorbehalten - zwei Einrichtungen, die ja bereits hinreichend bewiesen haben, dass sie Scharlatane nich...

Oldies but Goldies:
Thich Nhat Hanh über Bush

Zum Amtsantritt von Obama fragte mich eine Bekannte, wie ich ihn sähe. Ich meinte, er würde wohl den Angriff auf den Iran auch nicht verhindern können. Nun nimmt ihm möglicherweise Israel den Erstschlag ab. Aber ich habe noch eine weitere Vermutung. Dass der Iran bereits die Bombe hat und sich Israel damit bald selbst erledigen könnte. Das ist ein seltsames Gefühl. Man könnte es für ähnlichen Bullshit halten wie diese Aussage meines Lieblings-Zenkomikers Thich Nhat Hanh. Sie stammt aus dem Buch "Ein Lotus im Herzen" (Goldmann 1995, S. 92, zitiert nach einem Beitrag laut Luc im DBU-Forum vom 17.05.2006): "Ich verstand, daß Präsident Bush ein Bodhisattva ist, der auf seine Weise versucht, seinem Volk zu dienen. In der Anfangsphase des Konflikts verhängte er ein Embargo. Weil wir ihn aber nicht ausreichend unterstützt hatten, wurde er ungeduldig, und plötzlich war Krieg [im Irak] unvermeidbar. Als er die Bodenoffensive befahl und sagte: "Gott segne die Vereinigten Sta...

Thich Nhat Hanhs tote Nonne oder:
Wem dient Immolation?

Morgen wäre Nhat Chi Mai 78 Jahre alt geworden. Sie hat sich am 16. Mai 1967 in Saigon selbst verbrannt. Aus Protest gegen den Vietnamkrieg. Soweit kommt uns diese Geschichte bekannt vor. Erst kürzlich haben sich auch in Tibet Ordinierte verbrannt, und die Sache scheint eindeutig zu sein: Wenn sich ein Mönch oder eine Nonne mit Benzin übergießt, dann ist das ein politisches Statement gegen Unterdrückung.    Schauen wir uns nun das Umfeld dieser Nonne etwas genauer an, müssen wir jedoch ins Grübeln kommen. Sie gehörte zur Gruppe um Thich Nhat Hanh, dem es ja trotz seiner Nähe zum militanten Tri Quang später in den USA gelang, sich als Friedensaktivist zu verkaufen (Tri Quang hatte noch den Vietcong in die Hände gespielt, TNHs Lebensgefährtin Chan Khong erzählt ganz unverblümt von dieser Verbindung [Link funktioniert nicht mehr, Jan. 2019].) Wenn man nun unterstellt, dass es in diesem Fall vor allem darum ging, die Einmischung der USA in den Vietnamkrieg zu unterbinden, beko...

Prajna und reines Fühlen

In dem Shin-buddhistischen Klassiker Naturalness von Kenryo Kanamatsu (Bloomington 2002) fand ich folgende interessante Passagen: " Prajna oder Nicht-Denken oder Gedanken-losigkeit unterscheidet nicht, sondern ist jenseits des selbstzentrierten Bewusstseins (vijnana), das die endlosen Verflochtenheiten von Unterscheidungen erzeugt. Als grundlegendes reines Fühlen umfasst prajna das gewöhnliche, sachliche, objektunterscheidende, zeitgebende Bewusstsein. Die gesamte buddhistische Lehre dreht sich um diese zentrale Idee des reinen Fühlens oder des Nicht-Denkens oder der Gedanken-losigkeit und zeigt damit, dass keine spirituelle Wahrheit durch Reflexion oder Demonstration erfasst werden kann. (...) In diesem reinen Fühlen, das sich normalerweise als Glaube an den Wert des Lebens manifestiert und in ekstatischer Form als Intuition des Undenkbaren Zeitlosen Daseins - und nicht in Gedanken, die sich auf spekulative Weise zusammensetzen -, kommt das Bewusstsein dem Ziel der Metaphy...

Nachtrag zum Sutra

Von der Devise "Tue Gutes und sprich darüber" halte ich eigentlich nicht viel. In Kambodscha, wo ich kürzlich weilte, einem Land, das die höchste Dichte an NGOs (Hilfsorganisationen) in der Welt aufweisen soll, bekam ich erschreckend vor Augen geführt, wie sich Hilfswillige in ihre Weltsicht hineinsteigern können. Nicht zuletzt deshalb haben Psychologen den Begriff "Helfersyndrom" kreiert und damit eine schon pathologische Form des Helfenwollens umschrieben. Ich gehe wohl in den nächsten Tagen noch auf einen konkreten Fall ein.     Dennoch möchte ich eine kleine Weihnachtsgeschichte nachreichen, weil sie zu diesem schlichten Abschnitt aus dem "Sutra der 42 Kapitel" passt. Abschnitt 6 lautet nämlich: " Der Buddha sprach: 'Wenn ein Böser dich Gutes tun sieht und dafür übel beschimpft, solltest du dies geduldig ertragen und nicht wütend auf ihn werden, da der Böse sich selbst beschimpft, indem er es bei dir versucht.'"    Als ich meine bette...

Zenrin kushû (I)

Bringt die Toten zurück! Tötet die Lebenden! *** Das Wasser, das eine Kuh schleckt, wird zu Milch. Das Wasser, das eine Schlange leckt, wird zu Gift. *** Die Armut des letzten Jahres: Kein Brett, aber ein Handbohrer. Die Armut dieses Jahres: Kein Brett, kein Handbohrer.   [ A Zen Forest. Sayings of the masters. New York 1981]

Der kleine Unterschied

Die Diskussion, ob die rechte Moral aus dem Erwachen erfolgt oder die Einhaltung der Regeln (sila) eine Voraussetzung fürs Erwachen ist, möchte ich hier nicht führen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied in den Versionen des Mahaparinirvanasutras deutet jedoch an, wie sich die Bedeutung der Regeln verschieben lässt. In der Fassung von Faxian (Taishō 376, 12 Nr. 853-899) heißt es:    "Man sollte den Verhaltenskodex aufrechterhalten, ohne zwischen leichten und schweren Vergehen zu unterscheiden, um des buddha-dhâtu ('Buddha-Natur') willen. Würde jemand behaupten, die neun Kategorien von Schriften sagten nicht, dass alle Wesen buddha-dhâtu haben, ... dann würde er diese Schriften schlechtmachen."    In der Fassung von Dharmakshema (Taishō 374, 12 Nr. 365c-603c) heißt es freilich:    "Wenn jemand den Verhaltenskodex nicht aufrechterhält, wie wird er dann buddha-dhâtu verwirklichen? Auch wenn alle Wesen buddha-dhâtu haben, ist es notwendig, zunächst...

Mönch und Militär:
Ist Dr. Nandamala ein Kollaborateur?

"Like I said, I'm working on a whole book to explain why I think it makes sense to use the word "God" in the context of contemporary Buddhism." (Brad Warner in seinem Hardcore Zen-Blog)    Der Schwachsinn nimmt kein Ende. Und wenn du denkst, dir gehen die Ideen für deinen Blog aus, dann kommt's mal wieder knüppeldick. Auf Anregung einer Bekannten habe ich mich nun auch mit Agganyani beschäftigt, die zehn Jahre lang Geschäftsführerin der DBU war. Und mit ihrem burmesischen Lehrer Nandamala, der von der dortigen Militärregierung einst den Ehrentitel "Agga Maha Pandit Ganthavaca" erhielt und auch im Ausland auftritt. Die Zeitung "New Light of Myanmar" ist von der burmesischen Regierung initiiert. Auf S. 9 dieser Ausgabe findet sich ein Stelldichein von Agganyanis Lehrer mit den Führern dieses Regimes. Offiziell heißen die Vertreter der Mönche, die mit dem Regime kooperieren bzw. von diesem eingesetzt wurden, "Sangha ...

Der Tolle Eckart im DBU-Forum

Ich habe mich köstlich amüsiert, aber an dieser Diskussion im Forum der DBU [gibt es schon länger nicht mehr, Januar 2019] nicht beteiligt. Der User "karmahain" macht sich hier stark für Eckhart Tolle und seine Hauptlehre, im Hier und Jetzt und damit leidensfrei zu sein. Nachem er, diesen zitierend, den Buddhisten auch ihre Konzepte vorhält, bekommt er prompt ein paar japanische Zen-Begriffe um die Ohren geschlagen! Insbesondere die Zen-Buddhisten wehren sich vehement gegen jemanden, der so ganz ohne Zazen zu den wesentlichen Erkenntnissen vorgedrungen sein will, oder sagen wir: insbesondere die Dôgen-Adepten. Dabei sollten sie sich freuen, dass da jemand den Weg fort von Ole Nydahl fand und nicht rettungslos verloren war. Natürlich ist Skepsis angebracht, wenn einer, der eigentlich Ulrich heißt, sich Eckart nennt (hätte er sich mal ein Beispiel an mir genommen - dann wäre er jetzt treffenderweise U.L. Rich). Und wenn man mal die ebenfalls beim gemeinen Volk recht populäre...

Das Sutra der 42 Kapitel

Ich habe gerade einen auch im Zen gelegentlich zitierten Text übersetzt, das "Sutra der 42 Kapitel" 四十二章經 (hier zum Downloaden) . Darin finde ich folgende Abschnitte besonders interessant: Der Buddha sprach: „Meine Lehre besteht darin, den Gedanken zu denken, der undenkbar ist, die Tat zu tun, die nicht getan werden kann, die Sprache zu sprechen, die nicht ausgedrückt werden kann und mich in der Disziplin zu üben, die jenseits der Disziplin ist. Wer dies versteht, ist nah, wer davon verwirrt wird, ist fern. “   Der Buddha sprach: „Der hauslose Cramana schneidet seine Leidenschaften ab, befreit sich vom Anhaften, versteht die Quelle seines eigenen Geistes, durchdringt die tiefgründigste Lehre Buddhas und begreift den Dharma, der immateriell ist. Er trägt kein Vorurteil in seinem Herzen und sehnt sich nach nichts. Er wird nicht vom Gedanken an den Weg behindert, noch ist er in Karma verstrickt. Kein Vorurteil, kein Zwang, keine Disziplin, keine Erleuchtung, kein Aufst...

Ajahn Brahm kapiert nix

Nach Sichtung dieses Filmes zu Ajahn Brahm möchte ich kurz auf ihn eingehen. In den letzten Jahren machte er vor allem Schlagzeilen, weil er die Nonnenordination des Theravada in Australien wieder einführte, wonach ihn Abkömmlinge seines Lehrers Ajahn Chah in Thailand exkommunizierten.    Zunächst kommt Ajan Brahm hier als humorvoller und geerdeter Mönch rüber, was ihn sympathisch macht. Auch wenn man, wie ich, dem Ordensleben kritisch gegenüber steht - versetzte ich mich in seine Lage, würde mir die Reformation oder Wiederbelebung des Nonnenordens auch als überfällig und nötig erscheinen. Nun muss ich mich jedoch fragen, was soll der ganze Terz, wenn man dann mit dem Vinaya nicht ernst macht? Hierzu ein Hinweis zu einer für den Sommer angekündigten Veranstaltung der Pagode Phat Hue bzw. ihres Ablegers "Buddhas Weg" , wo Ajahn Brahm sich offenbar ganz gerne aufhält: 10 Tages-Retreat vom 09. Juli (9.00 Uhr) bis 18. Juli 2012 (15.00 Uhr) Kursgebühr: 351 € ...

Dialog mit einem Zenlehrer
(Sanbokyodan)

(Diese emails gebe ich Euch mit Genehmigung eines Freundes im Geiste; der Name des Sanbokyodan-Lehrers - YYY - wurde unkenntlich gemacht.) Hallo YYY, in einem Prozeß des Aufbrechens verkrusteter Strukturen (nannte sich "Freiheit") bin ich im Internet auf Deine (besser Ihre?) Seite gestoßen. Jahrelang habe ich in Würzburg in der Sanbo Kyodan Schule praktiziert, bei Joan Rieck. Das waren durchaus sehr wichtige und gute Zeiten. Später habe ich mich ganz von diesen japanischen und auch sonstigen westlichen Meistern gelöst und bin einfach meiner Wege gegangen. Heute fühle ich mich, wenn überhaupt, als Schüler von Lin Chi oder als Schüler des Lebens selber. Wichtiger als das "Machen" des Zen (die alten Meister sprachen anscheinend fast nie über "Zazen") ist, wie Du schreibst, der "Hintergrund", aus dem heraus ich handle, nicht handle etc. Und dem komme ich mit Worten nicht wirklich näher. Das hat mich auch immer an Willigis Jäger gestört, diese endlo...

Wie der Jade-Buddha
an Phat Hue zerbrach

  Es ist schon eine Weile her, aber den Gag wollte ich doch noch mit Euch teilen. Im Juni letzten Jahres berichtete die Sektenpagode Phat Hue stolz, dass der Jade Buddha in ihrem Odenwalder Zentrum Station mache (unter dem Link ein Filmchen aus ihrem Sympathisantentempel in Hannover). Tja, und was soll ich sagen, nachdem der Jade-Buddha all diese Mönche und Nonnen, die den Thien Son nicht aus der Sangha werfen, und den "Abt" selbst gesehen hatte, da beschloss der Jade-Buddha offensichtlich, Selbstmord zu begehen. Dazu nutzte er seine heiligen Kräfte und verursachte einen Unfall auf der A9. Risse im Sockel, Kratzer, Stoßspuren, weggeplatzte Farbe - zehn Tage musste um sein Leben gekämpft werden. Und der Zopa Rinpoche, der den Kult um den Jade Buddha praktisch erfunden hat, gerne mal 200 Millionen Dollar für einen Bronzebuddha verschwendet und dazu noch ein Vertrauter des Dalai Lama ist, der konnte es auch nicht vorhersehen - obwohl ich diese Sippschaft schon mal über Thien ...

Die Spuren Seung Sahns
und was Retreats bringen

Letzte Woche überraschte mich eine Pressemitteilung. Der US-Mönch Hyon Gak Sunim, Nachfolger von Seung Sahn und Yale-Absolvent, dem ich selbst mal begegnet bin, sprach an der Uni Regensburg vor angehenden Managern über "Zen und Leadership". Nun hat diese Modephrase also schon unsere Unis erreicht und wird sogar von Zen-Mönchen unterstützt, die sich nachsagen lassen, "drei intensive 100-Tage Solo-Meditations-Klausuren und circa 35 traditionelle 90-Tage Meditations-Klausuren zusammen mit anderen Mönchen" hinter sich zu haben. Wow, denkt sich da der Naive, dann muss da ja wohl was dahinterstecken. Ich hingegen weiß genau, was hundert Tage Einsamkeit so alles bedeuten können, deshalb kann mich das nicht blenden. Dass dann noch so etwas nachgeplappert wird, ist kaum verzeihlich: Der Hyun habe "als erster Westlicher seit der kommunistischen Revolution 1992 in China zum Mönch ordiniert." Und bereits ein Blick auf so etwas wie das folgende Video genügt, um gewar...

Kleiner Exkurs:
Organspende in Zen und Buddhismus

Ich fasse hier kurz den Artikel "Organ transplantation as an act of almsgiving ..." (2006) von Tobias Bauer zusammen, der auch die Stellungnahme der Sôtô-Schule zur Organstransplantation übersetzt hat.    Zunächst wird auf prominente Gegner der Organtransplantation wie eine dem Shintô nahe Beweung namens Ômoto sowie den Ôtani-Zweig der Reine-Land-Schule (Jôdo-shin-shû) hingewiesen.    Argumente PRO Organspende führen sie als Akt des Almosengebens (fusegyô) durch das Opfern des eigenen Körpers (shashin) an (so z.B. Umehara Takeshi, der allerdings den Herzstillstand, nicht den Hirntod als Lebensende ansieht). Spendewillige könnten sich in einer "Gemeinschaft der Bodhisattvas" (bosatsu kyôkai) organisieren. Das Handeln des Bodhisattvas bestehe hier darin, sich und anderen von Nutzen zu sein (jiririta no gyô).    Kajiyama Yûichi argumentiert von der Theorie des Bewusstseinsspeichers (arayashiki) aus, die den Hirntod als Tod des Individuums akzeptieren kann....