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Posts mit dem Label "Religion" werden angezeigt.

Shunryu Suzuki: Teisho [Hekiganroku 14, 15] (01.12.62)

Religiöse Tätigkeit Samstag, 01. Dezember 1962 Veröffentlicht im Dezember 1962, Wind Bell #12 Je mehr wir versuchen, religiöse Aktivitäten zu verwalten, desto mehr verlieren wir unseren grundlegenden Weg. Je mehr wir die Lehre des Buddhismus studieren, als wäre sie eine Philosophie, desto mehr verlieren wir die ursprüngliche Lehre.    Der Gründer des Klosters Eihei-ji, Dogen-zenji, respektierte Schüler, die aufrichtig Zazen (Meditation im Lotussitz) praktizierten, mehr als intelligente oder gelehrte Schüler. Dogen betonte die Organisation des täglichen Lebens als Praxis des Zen. Er war der Meinung, dass dies die richtige Tätigkeit für einen Buddhisten sei. Wenn er von der grundlegenden Lehre des Buddhismus, der Vergänglichkeit des Lebens, sprach, betonte er dies als eine tatsächliche Tatsache und nicht als eine Lehre der Sutren.    Dogen Zenji verlor seinen Vater, als er drei Jahre alt war, und seine Mutter, als er acht Jahre alt war. Seine Mutter war eine Fujiwara, ...

Der Dalai Lama ruft zum Appell!
(106 kg)

Im März diesen Jahres schoss der Dalai Lama (DL) einen Friedensappell ab, der offenbar verpuffte. Ich bekam davon erst jetzt mit. Es zeigte sich mal wieder, dass wir teils auf einer Wellenlänge liegen (böse Zungen behaupten sogar, der DL schriebe neuerdings vom "Asso-Blog" ab ), und dann auch wieder nicht. Wie ich hier selbst schon sagte, müssten Religionen überwunden werden und es ginge der Erde im Grunde ohne uns Menschen besser. Allerdings braucht der Dalai Lama für solche Einsichten offenbar vier Stunden Meditation pro Tag und ich nur noch vier Minuten. Wo das doch Binsenweisheiten sind. Und davon ist auch sein Appell voll: Achtsamkeit, Gewaltfreiheit, Mitgefühl. Große Schlagworte des Populärbuddhismus. Es scheint ihm zu entgehen, dass andere Kulturen und Religionen, mit denen er die Versöhnung sucht, nicht unbedingt in diesem Vokabular denken. Was mich auch befremdet ist, warum sich der Dalai Lama überhaupt zu solch einem Appell berufen sieht. Daran an schließt sich ei...

Geburtsfehler der Religion

Fundamentalisten gibt es auch im Buddhismus zuhauf. Nicht nur Theravadins, die am Wortlaut des Palikanon kleben, auch solche, die das Wort ihrer Lehrer und Überlieferungen - welcher Tradition auch immer - wie als gottgegeben ansehen. Stefan Weidner verglich das in seiner Islambetrachtung "Mohammedanische Versuchungen" (Frankfurt 2008) so: "Wie jede Religion die Mängel ihres Anfangs bis zu ihrem Verblühen mit sich herumschleppt und manche an diesen Mängeln verblüht ... Keine Religion ist frei davon, und die Aufgabe der Theologen besteht häufig nur darin, diese Mängel in Vorteile umzudeuten, sie wegzudiskutieren oder auf günstige Weise zu begründen und zu rechtfertigen. Sie gleichen damit den Chirurgen, die Geburtsfehler nachträglich operativ korrigieren, und wie ein Erwachsener nach einer solchen Operation von seinem ursprünglichen Gebrechen kaum etwas spürt und man es ihm nicht ansieht, erkennt der unbefangene Gläubige bei einer theologisch gut verarzteten Religion ...

Ein Leben ohne Religion: Die Piraha

Daniel L. Everett lebte einige Jahre bei den Piraha (sprich: Pidahan)-Indianern am Amazonas. Er kam als Evangelikaler, ohne den Wunsch zu predigen oder zu taufen, jedoch mit der Aufgabe, das Neue Testament in die Sprache dieses Volkes zu übersetzen. Heute ist Everett vom Glauben abgefallen und den Indianern dankbar dafür. Als Linguist kritisiert er die etablierten Auffassungen etwa eines Noam Chomsky und plädiert dafür, Sprache im Zusammenhang mit ihrer Kultur zu begreifen. Denn er entdeckte, dass dieses Volk anders spricht, und dass dies mit seinem Denken und Leben zu tun hat. Die Piraha kennen keine Vergangenheit, reden mit Geistern, ihre Häuser sind offen und keine Statussymbole, weil alle das Gleiche besitzen, ihre Kinder erziehen sie schon ganz früh zur Selbständigkeit und nehmen dabei auch in Kauf, dass diese sich verletzen, ihre Toten begraben sie sitzend, weil sie es so für einfacher halten, ein Grab auszuheben. Everetts Bericht "Das glücklichste Volk" (München 2010)...

Die Unterschiede in Religionen

Heute las ich auf der Facebook-Seite zu "1Q84", dem neuen Roman von Haruki Murakami, dass dieses Buch das meistgeklaute der diesjährigen Buchmesse sein dürfte und auch ansonsten ganz schön am Stand seines deutschen Verlages gerippt wurde. Das hat mich irgendwie amüsiert. Seit Jahren erlebe ich den Verlag DuMont als den unfreundlichsten auf der Buchmesse. Es gab noch Zeiten, da konnte man gar keine Bücher dort kaufen, jetzt schenkten sie einem am verkaufsoffenen Sonntag, dem letzten Messetag, gerade mal 30 Prozent. Ich war aber eigentlich auf Tauschtour und hatte kiloweise Romane aus meinem Verlag dabei (in den letzten Jahren klappte das, in bescheidenerem Umfang, auch mit Sawaki-Büchern). Die Festangestellten bei DuMont hielten gar nix vom Tauschen, eine Praktikantin nahm Reißaus und hatte die gleiche schlechte Laune, und ich musste schließlich feststellen, dass meine Knete nicht für Mariana Leky, sondern "nur" für Michel Houllebecq reichte. Zum Stehlen ließ ich mic...

Schreiben ist Religion

Heute las ich in "On Becoming a Novelist" von John Gardner (1933-1982). Er war Autor und Schreiblehrer, mit Einfluss auf einen meiner Lieblingsautoren, Raymond Carver. Der letzte Absatz seines Ratgebers für Romanautoren zieht eine interessante Parallele zwischen dem religiösen Pfad und dem Weg eines Autors. Ich übersetze:    "Der wahre Romanautor ist einer, der nicht aufgibt. Romane schreiben ist nicht so sehr ein Beruf wie es ein yoga ist, ein 'Weg', eine Alternative zum gewöhnlichen Leben-in-der-Welt. Sein Nutzen ist quasi-religiös: eine veränderte Qualität von Geist und Herz - Befriedigungen, die kein Nicht-Autor verstehen kann; die Härten dieses Lebens bringen im Allgemeinen nur dem Geist (spirit) Gewinn. Wer sich authentisch zu solch einer Tätigkeit berufen sieht, dem genügt dieser spirituelle Gewinn."