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Posts mit dem Label "Ikkyu" werden angezeigt.

II. Erwachen ohne Meister

„Zunächst erwachst du zu der leeren Welt, doch im letzten Stadium des Erwachens findest du dich in dieser Welt, dieser Zeit, mit diesem Namen, in dieser Familie wieder. Eine solche Art von Erleuchtung zu erfahren, ist sehr schwierig.“ (Sokei-an)* Im siebzehnten Jahrhundert gab es in Japan nicht wenige Zen-Anhänger, die daran glaubten, die authentische Überlieferung sei in den Jahrhunderten zuvor verloren gegangen. Als Gegenbewegung entstand so etwas wie das „Tokugawa Zen“ in der gleichnamigen (auch Edo-Zeit genannten) Periode von 1603-1868. Eines seiner Kennzeichen waren Mönche, die unabhängig von Lehrern ihre Erleuchtung erfuhren, was mushi dokugo genannt wird. Sie hielten andere nicht für in der Lage, sie zum Erwachen zu führen oder dieses zu bestätigen. So wurden sie zu Selbst-Erleuchteten oder Selbst-Zertifizierten (jigo jisho). Die bekanntesten unter ihnen sind Ungo Kiyo (1582-1659), Daigu Sochiku (1584-1669), Isshi Monju (1607-1645) und Bankei Eitaku (1622-1693) aus der R...

Buddhaland-Bullshit: Ikkyu und die Moral

"... obwohl ich denke, dass es mehr oder weniger anerkannt ist, dass unterdrückte Sexualität sich in komplexen, häufig beängstigenden Glaubenssystemen äußert." * "Religion ist ein ritualisierter gemeinschaftlicher Orgasmus." * Ein User im "Buddhaland" trat eine Diskussion über "Amoralismus im Zen" los und warf dazu gleich mal als Stichwort Ikkyu ein. An der Deutung dieser Figur - und der möglichen Motive des Users - lässt sich gut aufzeigen, wie beschränkt die Denke mancher Zennies ist. Zunächst versucht es ein Anhänger von ausgedehntem Zazen mit dem Hinweis, dass auch Ikkyu viel Zazen machte und sich als moralisch zeigte, weil er sich über die amoralische Raffgier des Klerus erboste. Ikkyus Treiben versteht dieser User insgesamt als "Provokation". Wenn es provokativ war, zu den Huren zu gehen, dann war es offenbar auch provokativ, sich gegen den habsüchtigen Klerus zu stellen. Jedoch übersieht der User, dass beide Gruppen, Gei...

Wie die Kritik an Rodrigo Gonzalez Zimmerling im Buddhaland verschwand (und was die dritte Regel bedeutet)

(Aktualisiert 2018) Vorsicht! Der unten kritisierte Lehrer bietet inzwischen als “Dharmacharya Rodrigo“ kostenpflichtige Onlinekurse an. Hier nochmal eine Erklärung der dritten buddhistischen Regel, die auch für Laien gilt: sexuelles Fehlverhalten vermeiden. Sie wird leider immer wieder sehr fantasievoll (über)interpretiert und auf alles Mögliche angewendet. Die Regel spricht sich mit den folgenden Worten gegen "sexuelles Fehlverhalten" aus:  kamesu micchacara - kama: sexuell; cara: Verhalten; miccha: falsch. Davon in Schutz genommen werden laut der Erläuterung des Buddha (siehe Anguttara Nikaya X. 176 und  V. 287-292 ): a) Mädchen, die noch unter der Obhut ihrer Eltern stehen (maturakkhita, piturakkhita) b) Blumengeschmückte, d. h. Verlobte (malaguna-parikkhitta) c) Verheiratete (sassamika) d) Vom Dharma Geschützten, d. h. Nonnen  (dhammarakkhita) d) Strafgefangene (saparidanda) Kurz gefasst also Verlobte (manch einer kennt noch diese ...

Zazen mit krummem Rücken ...

[Nachtrag zur letzten Buddhaland-"Affäre": "Defamation as a criminal act in Thailand is defined by the Thai Criminal Code as a statement made by a person who imputes anything to another in a manner which is likely to impair the reputation of the latter or to expose him to hatred or contempt. Under the same Code, such person is liable for an imprisonment up to two years or he can be ordered by the court to pay a fine of 200,000 Baht or may be both. (...) Under Section 423 of the said Code, any person liable under the same shall compensate the victim for any damages that the latter may suffered."] Got it? *** Diese Doku über das Eiheiji und seinen 104-jährigen Abt Miyazaki Ekiho Zenji lief kürzlich auf ARTE, die deutsche Version wurde auf Youtube leider gelöscht. Dort hörten wir die Worte: "Wenn dein Körper geradlinig ist, wird auch dein Geist geradlinig." Das ist witzig, denn nach über 90 Jahren Sitzmeditation hat sich der Körper des...

Dôgens EIHEI KOROKU (I):
Ist Spaß teuflisch?

[In den kommenden Wochen werde ich Textstellen aus Dôgen Zenjis "Eihei Koroku" kommentieren, das im August zum ersten Mal in deutscher Übersetzung erscheint. Dabei werden sowohl Dôgens Schwächen wie auch Stärken verdeutlicht.] "Was wir Erleuchtung nennen, ist sehr schwer zu verwirklichen. Es liegt jenseits von Denken und Unterscheidung oder Scharfsinn und Klugheit. Dennoch glauben gewöhnliche Menschen, dass sie vollständige Erleuchtung verwirklicht hätten – und sind vom Teufel des Scharfsinnes getäuscht – und dass sie das Verdienst des Dharma erlangt hätten – und leiden doch nur unter der Krankheit von Ruhm und Gewinn. Wie könnten wir behaupten, dass sie nicht in die Irre gehen? Mönche! Ihr müsst sogleich sorgsam den Dharma studieren, diesen Teufel unterwerfen und die Krankheit von Ruhm und Gewinn heilen.    Der ‚Teufel‘ verwandelt sich selbst in Eltern, Lehrer, Brüder, Angehörige, Freunde und Diener und verleitet häufig mit Macht die Übenden, den Weg zu vernachläs...

Wie Ikkyu einen Knaben raubte ...

No-bushi: Ich bin im Grunde auch gar nicht wegen Eurem Geld gekommen. Euren Kopf will ich. (Er ergreift das Langschwert.) (In diesem Augenblick schlägt der Tempeldiener die Augen auf. Er verkriecht sich, außer sich vor Schrecken, unter die Decken.) Ikkyū: Meinen Kopf wollt' Ihr? Könnt Ihr denn irgendetwas mit solch einem Kopf anfangen? No-bushi: Ja, Euren Kopf. Euch leben lassen hieße das ruhig belassen, was das ganze Reich immer weiter in Verderb und Verwirrung bringt. Ikkyū: Wieso? No-bushi: Ehrwürdig Edler werden als der lebende Buddha verehrt. Doch indes Ihr solchen Rang einnehmt, trinkt Ihr Wein, eßt Fleisch, habt Knaben-Umgang, gebt Falsches vor, laßt Euch in Straßenraub ein, dichtet Verse und Bilder der Unzucht; laß ich einen Priester Buddhas wie Ihr am Leben, so drehen sich mir ja die Eingeweide im Leib herum. Ikkyū: Es stimmt, was Ihr sagt. Gleichwohl: wenn ich es für gut erachte Wein zu trinken, so trinke ich Wein; wenn ich es für gut erachte Fleisch zu essen, so...

Pica Pica: Rabenvogel

Ikkyu , der unkonventionelle Mönch, dessen Gedicht "Wenn ihr mich sucht, sucht mich in der Schenke, beim Fischhändler oder im Freudenhaus" einst meinen Anrufbeantworter zierte - dieser Ikkyu soll seinen Namen vom Krächzen der Raben haben, das in Japan offenbar so klingt wie "Ikkyu". Seit ich das weiß, beantworte ich Rabenkrächzen mit "Ikkyu". Nichtsdestotrotz fliegen die Raben, die ich heute bei einem Spaziergang mal wieder in Legionsstärke auf einem Spielplatz rund um einen Gullideckel sah, stets davon, wenn sie mich sehen. Als ich Kind war und auf einem Bauernhof lebte, war das noch anders. Ich hatte meinen eigenen Raben, er hieß natürlich Jakob und fraß mir aus der Hand. Heute las ich, dass Raben sich Gesichter von Leuten merken, die ihnen Böses getan haben. Man machte einen Check mit Masken, und die Gegenprobe (u.a. mit einer unbelasteten Dick Cheney-Fratze - was beweist, dass Raben keine Ahnung von Politik haben). Also, die Fresse von dem, der ihnen...