Montag, 6. Februar 2012

Das Sutra der 42 Kapitel

Ich habe gerade einen auch im Zen gelegentlich zitierten Text übersetzt, das "Sutra der 42 Kapitel" 四十二章經 (hier zum Downloaden). Darin finde ich folgende Abschnitte besonders interessant:

Der Buddha sprach: „Meine Lehre besteht darin, den Gedanken zu denken, der undenkbar ist, die Tat zu tun, die nicht getan werden kann, die Sprache zu sprechen, die nicht ausgedrückt werden kann und mich in der Disziplin zu üben, die jenseits der Disziplin ist. Wer dies versteht, ist nah, wer davon verwirrt wird, ist fern. 

Der Buddha sprach: „Der hauslose Cramana schneidet seine Leidenschaften ab, befreit sich vom Anhaften, versteht die Quelle seines eigenen Geistes, durchdringt die tiefgründigste Lehre Buddhas und begreift den Dharma, der immateriell ist. Er trägt kein Vorurteil in seinem Herzen und sehnt sich nach nichts. Er wird nicht vom Gedanken an den Weg behindert, noch ist er in Karma verstrickt. Kein Vorurteil, kein Zwang, keine Disziplin, keine Erleuchtung, kein Aufsteigen auf dem Stufenweg, und doch im Besitz aller Ehren – dies wird der Weg genannt.“

(Keine Disziplin, keine Erleuchtung, kein Stufenweg - schon früh wusste man um die Gefahr von Konzepten und einem Korsett von Regeln.)

Es ist besser, einen Pratyekabuddha zu speisen als eine Milliarde Arhats. Es ist besser, einen der Buddhas zu speisen, ob aus Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, als zehn Milliarden Pratyekabuddhas. Es ist besser, jemanden zu speisen, der jenseits von Wissen, Einseitigkeit, Disziplin und Erwachen steht, als hundert Milliarden Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

(Lasst uns noch über das Buddhasein hinausgehen!)

„Selbst wenn einer den üblen Schöpfungen entkommt, ist es noch ein seltenes Glück, als Mensch geboren zu werden. Ein noch selteneres Glück ist es dann, als Mann und nicht als Frau geboren zu werden. Für den Mann ist es ein noch selteneres Glück, in allen sechs Sinnen vollkommen zu sein. Für den in allen sechs Sinnen Vollkommenen – im mittleren Königreich geboren zu werden. Für den im mitt-leren Königreich Geborenen – in der Zeit eines Buddha geboren zu werden. Für den in der Zeit eines Buddha Geborenen – den Erleuchteten zu treffen. Für den, der den Erleuchteten trifft – das Herz zum Glauben erweckt zu bekommen. Für den zum Glauben Erweckten – das Herz zur Einsicht erweckt zu bekommen. Für den zur Einsicht Erweckten – einen spirituellen Zustand zu verwirklichen, der jenseits von Disziplin und Erlangen ist.“  

(Hier schließt sich zwar der Kreis zu obigen Bemerkungen - etwas enttäuschen mag jedoch, dass Mannsein als etwas Glückhafteres denn Frausein bezeichnet wird ...)

Kommentare:

  1. Namaste!

    Wahrlich etwas endtäuschend, das Zitierte im Nachhinein. Vielleicht hättest Du uns einfach "dumm halten" können und hättest nur die ersten beiden Passagen zitiert .-)

    Dass das "Mann-sein" schon Vorteile hat, stelle ich immer wieder bei meinen Reisen fest, wenn man einfach jede Toilette für das kleine Geschäft benutzen kann (auf manche würde ich mich nicht hinsetzen; und die asiatische "Stelltechnik" auf deren Klos würde bei mir wahrscheinlich "in die Hose gehen" - nicht nur sprichwörtlich. Aber notfalls gibt es für den Mann ja auch noch die "Walachei" .-)

    Dafür haben die Frauen allerdings andere Vorteile, die man(n) bestimmt nicht missen möchte.

    < gasshô >

    Benkei

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  2. Du legst sicher falsch mit dem Urteil, keine Disziplin - hat nichts mit irgend einer Gefahr von Konzepten zu tun! Es beschreibt einfach den Mensch des Weges, der über das Ablehnen der Illusionen und über das Suchen der Erweckung hinaus gegangen ist (siehe z.B. Shodoka)Aber um dahin erst zu gelangen, braucht es wohl Disziplin! Ein Disziplinloser wird kaum jeden Tag sich in Meditation hinsetzen, die Regeln befolgen und Buddhas Schriften befolgen - oder? sanpai Ho Jo

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  3. Genau dies ist auch nicht noetig: sich jeden Tag in Meditation hinzusetzen, Regeln zu befolgen und Buddhas Schriften.

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