Sonntag, 31. Juli 2011

Von Tieren und Menschen

Ich sollte mal mehr fotografieren, dann würde mein folgender Beitrag anschaulicher. Zunächst brüteten Amseln unter dem Schuppendach meiner Mutter vier Eier aus. Wie ich las, kommt aus einem Gelege von Amseln in der Regel statistisch nur "ein halbes" Junges durch. Eines Tages fiel das erste aus dem Nest, und es kam mir noch etwas klein vor, wobei es natürlich auch im Nest schon recht eng zugehen musste. Ich legte es also zurück, zumal ich mich von dem Ammenmärchen, dass die Jungen - erst einmal von Menschen angefasst - verstoßen würden, verabschiedet hatte. Der Vogel reckte allerdings schon da auffällig seinen Kopf in die Höhe. Kurz danach flog er wieder raus (oder wurde herausgedrängt). Bald darauf ein weiteres Junges. Es hüpfte gleich frech in einen offenen Schuppen und platzierte sich irgendwie auf einer Leitersprosse. Um das behinderte Junge, das wie spastisch den Kopf bewegte, kümmerten sich beide Eltern geradezu rührend. In den folgenden Tagen deuteten seine vergeblichen Flugversuche, bei denen er sich im Kreis drehte, auf die "Dreherkrankheit", wobei natürlich auch Hirnschäden aufgrund des Sturzes aus dem Nest in Frage kamen. Es gab eine kleine Chance durch Vitamin B-Gaben, falls die Diagnose stimmte, aber noch ehe der Gang zu einer Fasanerie zustande kam, die den Vogel vielleicht hätte aufpäppeln können, lag er mit Kopfwunden tot auf der Wiese. Meine Mutter und meine Nichte begruben ihn. Etwa zehn Tage später sah ich im Park hinter dem Garten zwei erwachsen wirkende Amseln mit drei jüngeren auf der Wiese nach Futter picken. 

Währenddessen geschahen zwei weitere tierische Begegnungen. Des Nachts kruschelte es in Nebenzimmer meiner Wohnung, das ich als Lagerraum für Kartons usf. nutze. Ich konnte nichts finden, wann immer ich mit der Taschenlampe umherleuchtete, verstummten die Geräusche. In den Folgetagen war jedoch ein leichter Verwesungsgeruch in diesem Zimmer auffällig. Schließlich entdeckte ich hinter einem Karton eine kleine, dunkle tote Maus. Sie hatte sich offenbar am Heizungsrohr entlang durch den Teppichboden gefressen. 

Inzwischen hatte meine Mutter in ihrem Garten unter lockeren Gehwegplatten ein Kaninchenloch entdeckt und mit einem Sack Blumenerde abgedeckt. Ein paar Tage später tummelte sich ein Tier, das sie zunächst für ein Kaninchen hielt, auf ihrer Wiese und der der Nachbarin. Wenn man ihm zu nahe kam, lief es zwar mittelschnell zum Zaun, ging man jedoch hinterher, kehrte es stets mitten in den Garten zurück (statt in den Park zu flüchten). Wie ich lernte, sind Kaninchen Rudeltiere. Doch auch Hasen, und um einen solchen musste es sich hier handeln, gelten als nachtaktiv. Dieser hier hielt sich nun ein paar Tage bei uns auf, verschmähte jedoch Karotten und anderes Kraut und begnügte sich mit Gras. Meine Bemerkung: "Der wartet drauf, dass du den Eingang von seinem Bau freimachst, das ist ein stiller Protest" machte natürlich wenig Sinn, da Hasen in Mulden (Sassen) schlafen. In der Folgezeit umrundete der Feldhase das Haus und graste auf einer öffentlichen Wiese weiter. Als ich ihn mit einer Karotte anlocken wollte, fragte meine Mutter, ob ich denn wirklich glaubte, er würde mir aus der Hand fressen. Ich sagte, wenn ich erst seinen Namen wüsste, vielleicht schon. Ich nenne ihn den Mondhasen.

Samstag, 30. Juli 2011

Dôgens EIHEI KOROKU (VI):
Das Abwerfen von Sutren und Geboten

Dôgen sprach in der Vortragshalle: "Einige sind herausragend genug, um Mitternacht in Schuhe zu steigen und Bodhidharma seiner Augäpfel zu berauben; einige sind bedeutend genug, bei Tagesanbruch unter einer Kapuze Hsi-tang an der Nase zu ziehen. Sie kommen und gehen wie der Klang von Frühling und Herbst. Ihr Kommen ist für ihr Gehen, was die Sonne für den Mond ist. Ihr gesamter Körper zeigt ein freies Wirken wie einer, der des Nachts mit dem Handrücken nach seinem Kissen sucht. Manche sind überragend genug, sich einen Arm abzuschneiden, ihn Bodhidharma darzubringen und später selbst dessen Dharma zu übermitteln, nachdem sie dessen Mark erfasst haben. Dennoch ist es nicht zu erlangen, bis man das Tor des Dharma jenseits des Buddha entriegelt hat. Was ist dieser Riegel?
         Er bedeutet, Sutren, Vinayas und Abhidharmas des Gautama abzuwerfen und die Melodie von fallenden Pflaumenblüten auf einer Eisenflöte zu spielen."

Freitag, 29. Juli 2011

Dôgens EIHEI KOROKU (V):
Die Buddha-Natur des Hundes

      "Ein Mönch sprach zu Chao-chou: ‚Hat ein Hund die Buddha-Natur?‘ Chao-chou antwortete: ‚Ja.‘ Als ein anderer Mönch die gleiche Frage stellte, verneinte Chao-chu jedoch. Wenn wir diese herausragende Geschichte studieren, entdecken wir das Prinzip von Sein und Nicht-Sein. Wollt ihr dies vollständig verstehen?
         Die Buddha-Natur hat eine Nase zum Dranziehen. Ein Hund hat keinen Kopf und keinen Schwanz, den man ergreifen könnte. Doch die Buddha-Natur dringt stets in den Hundekörper ein, und eine Katze wirft Kätzchen."

Donnerstag, 28. Juli 2011

Dôgens EIHEI KOROKU (IV):
Das Anpassen der Lehre

"Ein herausragender Lehrer legt frei die unzähligen Lehren dar und nimmt je nach Auffassungsgabe der Zuhörer verschiedene Formen an. Zen-Übende bezweifeln dies, doch können sie es nicht erkunden. Warum nicht? Könnt ihr es verstehen? Ihr solltet den Geist eines alten Zen-Meisters vollständig verwirklichen, und zwar nicht in Worten, sondern durch euren Körper."

Diese Stelle birgt ein Problem. Es ist das der selbstreferentiellen Zen-Sprache und des damit einhergehenden geschlossenen Gedankensystems - der "herausragende" Zen-Meister (den wir uns natürlich wünschen) lehrt stets je nach Auffassungsgabe der Zuhörer, mit anderen Worten: Er sagt und tut ("durch den Körper") stets das Richtige. Es würde sich dann folglich nicht geziemen, ihn zu kritisieren. Der herausragende Lehrer wird so schier unantastbar. Das sollte jedoch nicht sein. Dôgens Denken ist hier idealistisch.

Das Lehren "je nach Auffassungsgabe" impliziert zudem a) eine homogene Zuhörerschaft, wie wir sie selten finden, b) die Fähigkeit eines Lehrers, anderen in ihre Köpfe zu schauen und ihre Auffassungsgabe richtig einzuschätzen. Dies ist natürlich, insbesondere bei Vorträgen vor Unbekannten, kaum möglich. Wie ich schon desöfteren betonte, sollte es einen Kern der Zen-Lehre geben, den  (ob mit Worten oder Taten) weitgehend unabhängig von der Auffassungsgabe darzustellen die Aufgabe des Zen-Adepten sein sollte. Natürlich kann man man versuchen, die Sprache dem Bildungsgrad von Zuhöreren anzupassen, richtiger wäre jedoch, so einfach und klar zu sein, dass auch eine zu erwartende gemischte Sangha verstehen kann. Tatsächlich war dies von Anfang an nicht anders. Darum konnten auch Analphabeten zu Zen-Patriarchen werden. Das, was "von meinem Herzen zu deinem Herzen" übertragen wird, ist das, was vom Einzelnen "erkannt" oder "verwirklicht" wird - und es nimmt gar keine Form an, weil es formlos ist. Die Zen-Lehre soll darum immer ihren eigenen Rahmen, der sich in Dôgens Lehrerverherrlichung andeutet, sprengen können. So zitiert er auch später: 
   Chao-chou sagte: ‚Seit ich einst einen großen Mönch gesehen habe, ist mir klar, dass er niemand anderes als ich selbst ist.‘

Montag, 25. Juli 2011

Dôgens EIHEI KOROKU (III):
Die Dinge sehen, wie sie sind

          Am 15. Tag des zehnten Monats im Jahre 1236 verbrannte Dôgen bei der Eröffnungszeremonie der Vortragshalle im Tempel Kôsho-ji[1] Weihrauch und betete für den Frieden aller Seelen. Später sagte er: „Ich habe mich nicht in vielen Klöstern aufgehalten. Sobald ich Ju-ching[2] sah, erkannte ich klar, dass meine Augen horizontal und meine Nase vertikal angeordnet sind.[3] Ohne von anderen getäuscht worden zu sein, kehrte ich mit leeren Händen nach Japan zurück. Darum bin ich nun ohne Buddhismus. Ich habe mich eine Weile dem Lauf der Dinge überlassen. Am Morgen geht die Sonne im Osten auf, in der Nacht zeigt sich der Mond im Westen. Wolken haben sich zerstreut und die Berge zeigen sich deutlich. Der Regen hat aufgehört, und die benachbarten Berge erscheinen niedrig. Was bedeutet dies?“

Nach einer Weile fuhr er fort: „Alle vier Jahre ist ein Schaltjahr. Ein Hahn kräht früh am Morgen.“ Dann erhob er sich für eine kurze Zeit auf dem Podium und stieg schließlich herab.

So beginnt das Eihei Koroku. Das ist authentisches chinesisches Chan. Die Dinge sind, wie sie sind - die Dinge sehen, wie sie sind. Der Mensch ist eingebunden in den Kreislauf der Natur. Erwacht, verziehen sich die Dunstschleier vor seinem Geist. Er lässt sich nicht von anderen täuschen und weiß, dass er nichts festhalten kann. "Darum bin ich nun ohne Buddhismus" heißt: Zen ist ein eigener Weg jenseits des traditionellen Buddhismus und seiner Dogmen.


   [1]   Gegründet von Dôgen in Uji nahe Kioto.
   [2]   T’ien-tung Ju-ching (1163–1228), Dôgens Meister und Abt der Ching-tê-ssu und Ching-tsu-ssu-Tempel.
   [3]   D.h., die buddhistische Lehre verweist auf die Realität der Dinge.

Montag, 18. Juli 2011

Dôgens EIHEI KOROKU (II):
Ist Kausalität erblich?

"Der zwanzigste indische Patriarch Jayata sagte einst zum Ehrwürdigen Kumâralabdha: ‚Obgleich meine Eltern üblicherweise Zuflucht zu den Drei Schätzen nehmen, waren sie oft Krankheiten und finanziellem Unglück ausgesetzt. Unser Nachbar wiederum, der ein candâla[1] ist, erfreut sich bester Gesundheit und Reichtum. Welches Glück hat er – und welches Unglück ich?‘ Der Ehrwürdige antwortete: ‚Dein Zweifel kann leicht zerstreut werden. Die karmische Vergeltung von Gut und Böse geschieht in drei Zeitabschnitten. Gewöhnliche Menschen, die Gütige jung sterben und Gewalttätige lange leben oder Heimtückische glücklich und Aufrichtige unglücklich sehen, denken, dass Kausalität nicht existiert und Glück und Unglück folglich nicht damit in Verbindung stünden. Sie sind sich nicht dessen bewusst, dass ein Schatten seiner Form so folgt wie ein Ton seiner Stimme. Das Gesetz der Kausalität wird selbst im Verlaufe von einer Milliarde Kalpas nicht vergehen!‘ Als er diese Worte hörte, wurde Jayata unmittelbar von seinem Zweifel hinsichtlich karmischer Vergeltung befreit." (aus Kapitel VII)

So einfach soll das also mal gewesen sein. Einer behauptet, erfahrenes Glück und Unglück im gegenwärtig überprüfbaren Leben seien die "Vergeltung von Gut und Böse ... (aus) drei Zeitabschnitten". Dies finden wir auch so im Shôbôgenzô. Hier wird also nicht hinterfragt, was denn überhaupt "Glück" und "Unglück" an (falschen, fragwürdigen) gedanklichen Konzeptionen zugrundeliegt, sondern es wird der common sense der Menschen angesprochen, der ihnen eine klare Unterscheidung von Leidvollem und Nicht-Leidvollem eingibt. Wir dürfen uns jedoch hier nicht herausreden: Dôgen sprach zu seinen Mönchen, nicht zum gemeinen Volk. Wie kann es sein, dass er nicht die VORSTELLUNG von Glück und Unglück, sondern tatsächlich Krankheiten und Reichtum gegeneinander ausspielt (ganz wie der Normalbürger)? Wenn wir mit ähnlichem common sense knapp achthundert Jahre später antworten, dann werden wir Dôgen sagen: Leider können wir uns nicht an Existenzen in den drei Zeitabschnitten erinnern, und im Allgemeinen nehmen wir die Menschen auch nicht für voll, die das zu können behaupten. Ein solch billiger Trost ist uns nicht möglich. Und schon gar nicht überzeugt uns jemand, der etwas nur behauptet. Auch im Erwachen erkennen wir dies nicht. 

Wir hören also auf, dies nachzuplappern, und sind uns einfach der Verbundenheit der Phänomene im Universum bewusst. Wir unterscheiden nicht (wie es Dôgen anderswo ja selbst nahelegt), sondern hinterfragen die Begriffe von "gut" und "böse". Und wenn wir durch die Fähigkeit zur Nicht-Unterscheidung Sicherheit im Unterscheiden gewonnen haben und in den Rummel des menschlichen Martkplatzes zurückkehren, wo ein Kind tot geboren wird oder nur eine Woche zu leben hat, dann können wir zugeben: "Ich weiß nicht."


[1] Angehöriger der niedersten Klasse des indischen Kastensystems.

Freitag, 15. Juli 2011

Klischees über Klischees:
Buddhismus Aktuell zum Fleischkonsum

Da packte mich schon bei der Sichtung der Beiträge zum aktuellen Heft 3/2011 von "Buddhismus Aktuell", gewissermaßen das Sprachrohr der DBU, der Zen-Zorn. Thema: leben & essen.

1) "Auf Fleisch zu verzichten bedeutet, Leben zu erhalten." (S. 22)
Das mag für den Amazonas-Indianer im Urwald gelten, der ohne Fleisch an Mangelerscheinungen erkranken dürfte. Für den Westler ist das Gegenteil richtig. Kühe, Schweine und Hühner werden gemeinhin gezielt für den Fleischkonsum gezeugt, die Milchkuh und die Legehenne erfüllen ihren eigenen Zweck. Die anderen Tiere gäbe es praktisch nicht, wenn man sie nicht essen könnte, sie würden dann also erst gar nicht leben. Ergo bedeutet auf Fleisch zu verzichten, Leben zu verhindern. Nun bleibt die Frage, ob ein Leben prinzipiell lebenswert ist, auch wenn es nur im Stall oder in engen Käfigen stattfindet. Zumindest für die frei laufenden Haustiere mag man das bejahen. Der nahe liegende Vergleich zu ihrem Leben wäre der mit einem Wildtier - auch dieses ist in der Regel Gefahren des Gefressenwerdens ausgesetzt.

(P.S.: Das Zitat stammt aus einem Artikel von Kyabje Thuksey Rinpoche, der auf der Folgeseite mit einem Hund an der Leine abgebildet ist. Ich sagte schon einmal, dass Argumente von Hundehaltern in diese Richtung besonders grotesk sind - denn sie füttern ihren Haustieren andere Haustiere, da Hundefutter aus getöteten Tieren besteht.)

2) Im Fortgang des Artikels wird auf das in Asien längst kommerzialisierte "Tiere befreien" abgehoben. So kann man in Thailand Kindern mit Vogelkäfigen Geld geben, damit sie die Vögelchen freilassen (die dann u.U. sogar wieder zu ihnen zurückkehren, um erneut gegen Geld freigelassen zu werden, diese pfiffigen Gefieder). Leider wird hier nicht verstanden, dass das Tier bereits "befreit" ist. Es handelt sich also um eine eigentlich herablassende Haltung dem Tier gegenüber, das diesem unterstellt, es habe einen menschlichen Eingriff nötig, um sein zu können, was es ist.

3) Ab S. 26 darf der kadergeschulte Kommunist Thich Nhat Hanh aus seinem Buch "Diet for a Mindful Society" zitiert werden, mit seiner üblichen Kapitalismusschelte: "Fernsehen vergiftet uns und unsere Kinder genauso wie viele Zeitschriften, Nachrichtenbilder und so weiter." Wie wahr, sicher meint er damit auch Buddhismus Aktuell. Selbst mit der Werbung hat es TNH nicht - umso seltsamer, dass seine Bücher zu den meistbeworbenen der buddhistischen Szene gehören.

Dass TNHs Bilder nicht stimmen, zeigt sich hier: "Wenn wir für einige Zeit nicht praktiziert haben, mag unsere Achtsamkeit von schlechter Qualität sein. Sie mag nur die Kraft einer 15-Watt-Glühbirne haben. Aber wenn wir für einige Wochen praktizieren, wird sie zu einer 100-Watt-Glühbirne werden." (S. 28). Aha. Und achtsam wie wir sind, erkennen wir, welche der beiden Birnen mehr Strom verbraucht ;-)

TNH hat auch die Grundlagen des Buddhismus nicht verstanden. Auf S. 30 meint er: "Der beste Weg, einen Krieg zu verhindern, ist die Veränderung unseres kollektiven Bewusstseins." Diese Art von Bewusstsein, von der er hier spricht, ist ein skandha. Sie existiert nicht kollektiv, sondern immer individuell. Darum ist eine Wellness-Vereinheitlichung im Sinne TNHs unmöglich und Illusionen erzeugend. Was "kollektiv" ist, steht jenseits eines veränderbaren Bewusstseins.

4) Auf S. 36 behauptet mal wieder so eine "Auch im Zen geht alles auf den historischen Buddha zurück"-Anhängerin, Oryoki, das in Japan "verfeinerte" rituelle Essen aus Schalen ginge auf den Buddha zurück. Belege bleiben aus. Warum haben eigentlich insbesondere Sôtô-Buddhisten solche Probleme, klar zu erkennen, was auf ihrem eigenen Schulmist gewachsen ist? Folglich wird in diesem Artikel auch fälschlich behauptet, die "Zen-Variante" der traditionellen japanischen Küche sei vegetarisch. Dass dem nicht so ist, das geht dann tatsächlich auf den Buddha zurück.

5) An anderer Stelle im Blog zeigte ich schon auf, dass der Buddha laut Palikanon eindeutig KEIN Fleischverbot erteilte (dies kann man hingegen im Mahayana-Buddhismus vor allem aus dem Lankavatara- und Mahaparinirvana-Sutra herauslesen). Vielmehr untersagte er den Genuss bestimmter Fleischarten (wie Schlange und Pferd), was im Umkehrschluss sogar bedeutet, dass er dem Fleischgenuss von Haustieren ausdrücklich zustimmte. Die Apologeten des Buddhimus für den Westen wissen es besser. Paul Köppler kennt zwar diese Einschränkung, leitet seine Position jedoch, wie üblich, ab S. 40 vom Tötungsverbot ab.

Vor allem rekurriert er auf des Buddhas Aussage, man dürfe Fleisch auch als Spende nicht annehmen, wenn man wüsste, dass es für einen selbst getötet worden sei. Diese durchaus spitzfindige Regel für Mönche steht jedoch tatsächlich im Widerspruch mit dem Verbot des Erdeumgrabens und Erntens von Pflanzen, wie wir es im Vinaya finden. Dort nämlich wird dem Mönch auch der willentliche Schaden an pflanzlichem Leben untersagt. Mit anderen Worten, es kann hier kein logisch einwandfreier Zusammenhang zum Tötungsverbot hergestellt werden, da im Vinaya a) das menschliche Leben über das tierische gestellt wird, b) pflanzliches wie tierisches Leben gleichermaßen vom Mönch zu schonen sind.

Folglich dürfte der Mönch auch keine nicht-fleischlichen Gerichte annehmen, wenn er wüsste, dass sie für ihn geerntet worden seien. Da dies zum Verhungern der Mönche führen würde, finden wir eine solche Textstelle nicht, durchschauen aber die Schwächen der Schreiber der Palimärchen. Von solch dogmatischem Denken gilt es sich zu befreien. Die immer wiedergekaute Verbindung zum Gebot des Nicht-Tötens ist in diesem Falle unschlüssig und unzulässig.

6) Mit Vajramala, der Vorsitzenden der DBU, habe ich mich schon telefonisch unterhalten. Irgendwann kam die Rede auf die Leidensfähigkeit von Tieren, und sie sah diese in ihrem Umgang mit Tieren bestätigt. Kein Wunder, dass ich auf S. 65 von ihr lesen muss: "Wer andere Wesen quält, die auch nach Wohlsein streben wie er selbst, der hat kein Glück im nächsten Leben." (Dhamapada 131)

Soso. Wer strebt dann nach Wohlsein? Wer sitzt denn der Illusion eines nächsten Lebens auf? Das ist nicht der buddhistischen Weisheit letzter Schluss. Tiere jedenfalls streben nicht nach Wohlsein wie ich, womit dieses Zitat geradezu sinnlos wird. Tiere wollen keine Gesetze, kein Sky mit Fußball-Bundesliga, keine Zentralheizung und in der Regel auch keine schöne Frau, die ihnen einen bläst. Und überhaupt - man kann Tiere ohne Qualen zu Nahrungsmitteln machen. Z. B. mit einem Bolzenschussgerät. Das geht ungefähr so schnell wie bei Budd Dwyer.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Dôgens EIHEI KOROKU (I):
Ist Spaß teuflisch?

[In den kommenden Wochen werde ich Textstellen aus Dôgen Zenjis "Eihei Koroku" kommentieren, das im August zum ersten Mal in deutscher Übersetzung erscheint. Dabei werden sowohl Dôgens Schwächen wie auch Stärken verdeutlicht.]

"Was wir Erleuchtung nennen, ist sehr schwer zu verwirklichen. Es liegt jenseits von Denken und Unterscheidung oder Scharfsinn und Klugheit. Dennoch glauben gewöhnliche Menschen, dass sie vollständige Erleuchtung verwirklicht hätten – und sind vom Teufel des Scharfsinnes getäuscht – und dass sie das Verdienst des Dharma erlangt hätten – und leiden doch nur unter der Krankheit von Ruhm und Gewinn. Wie könnten wir behaupten, dass sie nicht in die Irre gehen? Mönche! Ihr müsst sogleich sorgsam den Dharma studieren, diesen Teufel unterwerfen und die Krankheit von Ruhm und Gewinn heilen.
   Der ‚Teufel‘ verwandelt sich selbst in Eltern, Lehrer, Brüder, Angehörige, Freunde und Diener und verleitet häufig mit Macht die Übenden, den Weg zu vernachlässigen. Oder er manifestiert sich als Buddhas, Bodhisattvas, Himmelswesen und Arhats und spricht zu einem Übenden: ‚Die buddhistische Praxis erfordert eine lange und arbeitsame Anstrengung. Darum müsst ihr euch selbst mäßigen. Das heißt, es ist natürlich, wenn ihr euch um eure Gesundheit kümmert, ein stilles Leben in üppigen Gewändern und mit reichen Mahlzeiten genießt, euch den Vergnügen der fünf Begierden hingebt und den Weg verwirklicht. Der große Weg hat nichts mit Schwierigkeiten zu tun. Eure täglichen Bedürfnisse werden allesamt auf die Buddha-Natur reduziert.‘ Oder er verleitete einen Übenden dazu, den Weg zu vernachlässigen, indem er ihm eine anziehende weltliche Geschichte erzählt. Ein Übender muss darauf achten, nicht darauf zu hören." (aus Kap. VII)

Diese Passage ist ein gutes Beispiel für Dôgens meist humorlosen klösterlichen Lehrstil, in dem sich seine Affinität zum Theravada-Buddhismus und den Ordensregeln (Vinaya) widerspiegelt. Im Umkehrschluss bedeutet sein Rat: Esst nicht genussvoll, bumst nicht genussvoll, und wenn doch, dann vergesst nicht, dass dies nicht der Weg ist. Dieser Text lässt erheblich daran zweifeln, ob Dôgen ernst macht mit der Erkenntnis "Übung und Erleuchtung sind eins", denn die Übung ist immer das gegenwärtige Tun ohne Unterscheidung, und wenn sie im genussvollen Essen und im Ausleben von Sinnesbegierden besteht, ist sie auch nur genau dies - die Einheit von Tun und Sein. 

Man kommt nicht umhin, in Dôgens Worten einen Dualismus zu erkennen: Nur das klösterlich-asketische, sinnenfeindliche Leben sei "Übung". Glücklicherweise sind uns Zen-Mönche wie Ikkyu bekannt, die das Gegenteil lebten. Wir werden noch mehr solchen Aussagen Dôgens begegnen, die seine im Alter zunehmende "Verhärtung" und sein Insistieren auf der kargen Klosterausbildung belegen. In Philosophen- wie in Zenkreisen wird gemeinhin nur das "Best of Dôgen" aus dem Shôbôgenzô zitiert, um eine möglichst widerspruchsfreie Annäherung an den alten Meister zu ermöglichen. Mir jedoch stellt sich Dôgen in solchen Passagen als zerrissener und verbitterter Mensch dar. Wenn nur so Erkenntnisse möglich waren, wie er sie im Kapitel "Uji" (Raumzeit) des Shôbôgenzô erläutert, mag man dies im Werdegang eines großen Denkers in Kauf nehmen. Ich sehe darin jedoch auch eine der Ursachen des "Patriarchen-Geschwürs", von dem ich gestern sprach. Es ist anzunehmen, dass es Dôgen nicht besser wusste, weil er es nicht anders gelebt und darum nie erfahren hat.

Mittwoch, 13. Juli 2011

"Das Patriarchen-Zen ist ein Geschwür ..."

... und es wird vergehen. So hörte ich mich selbst vor ein paar Tagen reden. Als ich abends darüber nachdachte, wollte ich diesen Ausspruch noch der auf meinen Kopf brutzelnden Sonne anhängen, doch dann wurde mir klar, wie gut er die heutigen Probleme insbesondere des Zen zusammenfasst. Hier sind meine Beobachtungen und Erkenntnisse:

1) Wer eine "Laufbahn" im Zen anstrebt, hängt sich an einen "Meister". Das System Meister-Schüler wird in der Lehre begründet, und eine Klosterausbildung mit jahrhundertealten Vorschriften wird selbstreferentiell aurecht erhalten: Man werde erst verstehen, dass alles so recht ist, wenn man sich diesem verschreibt.

2) Wer das nicht machen will und trotzdem ein "Meister" oder "Lehrer" sein, der dichtet sich in der Regel eine Ausbildung und die Zugehörigkeit zu einer "Linie" zusammen (wie Thich Nhat Hanh, Thich Thien Son, Zensho Kopp usf.). Selbst die Fakes unter den angeblichen Zen-Meistern achten also regelmäßig darauf, dass sie sich lückenlos auf jemanden berufen können. Auch sie sind in diesem Patriarchen-Zen-Gebäude gefangen. Das ist durchaus interessant, weil sie darin den unter 1) Genannten (freiwillig) ähneln wollen.

3) Es gibt eine berechtigte Hoffnung, dass Ausbildungsnachweise, die einer Kontrolle unterliegen, zu besserer Lehr(er/innen)qualität führt, weswegen ein einigermaßen strukturierter Weg zum "Lehrer" oder "Meister" Sinn machen könnte.

4) Die zahlreichen Skandale, die im Grunde die menschliche Unreife oder doch einfach Fehlbarkeit, um nicht zu sagen: die grundlegende Menschlichkeit vieler offiziell abgesegneter Lehrer belegen, lassen jedoch den Rückschluss zu, dass dieses System so schlecht funktioniert, dass es nichts mehr taugt. Sehr wahrscheinlich lässt sich in der Szene der "Selbsternannten" ein höherer Grad ethischen Fehlverhaltens feststellen als in der "strukturierten" Szene. Dass es jedoch auch dieser an Verlässlichkeit mangelt, dürfte seinen Grund vor allem in fehlender Reife der Lehrer haben: Besäßen sie hinreichend Menschenkenntnis, könnten sie die unbegabten Schüler fortschicken, statt sie zu Lehrern zu ernennen; besäßen sie hinreichend Vorbildkraft, würden ihre Schüler ihnen nacheifern. Dies hat in der Zen-Überlieferung zumindest hagiografisch lange funktioniert - d.h., es wurde zumindest glaubhaft weitererzählt, dass es solche "tugendhaften" Meister und Schüler gab, und mit der Weitergabe des Dharma, so hat man den Eindruck, wurden "gestandene Kerle" (da es meist Männer waren) geschaffen, das Gegenteil der Weicheier, die man heute bei ethischen Fragen ins Schwimmen geraten und auf die offensichtlichste Weise dem Materiellen nachlechzen sieht.

5) Es ist im Grunde ganz einfach: Erkennt jemand einen anderen auch als Meister/Lehrer, wenn dieser keine Robe anhat? Erkennt er ihn/sie auch, wenn er/sie keinen Titel und kein religiöses Amt bekleidet? Denken wir uns den Dalai Lama, TNH und TTS ("Thay") ohne Robe und Sangha, welchen Eindruck könnten sie noch auf uns machen? Welche Kraft haben ihre Schriften verglichen mit denen eines Hui-neng, Huang-po oder Hakuin, wenn wir diese Alten wie die Lebenden gedanklich ihres Amtes entheben und nur noch wirken lassen, was sie uns (bisher) hinterlassen haben. Ist es nicht offensichtlich, dass zwischen den Alten und den Neuen ein Universum liegt? 

Mein Vater erzählte mal, wie auf dem kleinen Dorf, aus dem er stammt, drei Personen stets aufgrund ihres Berufes den höchsten Respekt genossen: Der Pfarrer, der Lehrer und der Polizist (vielleicht war der dritte auch der Arzt). Dieses Denken ist genau das Gegenteil von dem, was die Zen-Übung macht: Auf eine Sicht ohne Ansehen von Rang und Namen ausrichten. Wir müssen die Robe und die Hagiografie durchschauen und erkennen, wo der wahre Lehrer sich verbirgt. Dieser Weg ist ernüchternd und wirft uns auf uns selbst zurück. Es wird vollkommen klar, dass der wahre Meister keine Bestätigung von außen benötigt, dass er keiner Robe, keiner Linie noch einer Hagiografie bedarf.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Ein paar Zwischenmeldungen ...

Wer sich schon immer mal mit dem Bhagwan-Hype beschäftigen wollte, könnte bald seine Freude an diesem Film haben: Sommer in Orange. Marcus Rosenmüller, der den urkomischen "Wer früher stirbt, ist länger tot" drehte, hat ihn wieder im tiefen Bayern angesiedelt. 

Kürzlich spekulierte ich hier über die Folgen des Atomausstiegswahns, der die weltweit bekannte "German Angst" aufs Neue vor Augen führte. In der Zeitschrift "Wirtschaftswoche" (Nr. 23/2011) wurde eine deutlich andere Prognose gemacht. Dort wird der Anteil an der Energieversorgung im Jahr 2020 so gesehen:

Geothermie: 2-5 %
Wasserkraft: 6 %
Fotovoltaik (Sonne): 7-9 %
Biomasse: 10-12 %
Windkraft: 17-25 %
Konventionelle Kraftwerke: 30-60 %

Das heißt: etwa zur Hälfte dreckige Kohle und teures Erdgas. Darüber mag ich mich nicht freuen. Genauso wenig wie über dies:

"(...) Migrationsbeauftragter von Neukölln, rechnet so: Von den 204 jugendlichen Serienstraftätern im Bezirk hat fast die Hälfte einen arabischen Namen.
   Deutlicher noch fällt die Bilanz des Landeskriminalamtes Bremen aus: Von 2600 'Mhallamiye-Kurden' sind 1100 straffällig geworden (...)"  (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 3.7.2011)

(Anm.: Neukölln liegt in Berlin, die genannten Kurden sind arabischen Ursprungs und kommen aus dem Kurdengebiet der Türkei.)

Freitag, 1. Juli 2011

Die Stümper von SKY und ALICE

Nun ist es an der Zeit, mal ein bisschen über die Konsorten von SKY und ALICE zu schreiben. Weil mir ein ALICE-Mitarbeiter einst unaufgefordert deren Filmangebot mit entsprechendem Receiver aufschwatzen wollte und dann der Vertrag nicht so aussah wie am Telefon zugesagt und deshalb der Receiver gleich zurücking und die Sache schließlich meinen Anwalt beschäftigte, hatte ich mich auf die kürzliche  Bestellung meines SKY-Receivers  entsprechend vorbereitet (P.S.: Bin Fußballfan und will eine Serie sehen, die es nur dort gibt). 

Normalerweise heißt es, wenn man die Bestellhotlines dieser Unternehmen anruft, Gespräche könnten zu Schlungszwecken mitgehört oder aufgezeichnet werden. Ich sage nun meinerseits manchmal: "Haben Sie etwas dagegen, wenn ich dieses Gespräch aufzeichne?" Und beim letzten Mal hatte ich jemanden bei mir, der mithörte, wie ich mehrfach sagte, ich würde mich auf das Angebot des HD-FESTPLATTEN-Receivers in einer Tageszeitung beziehen - was die SKY-Tante auch mehrfach bestätigte. In der Folge wurde aber, wie  zu befürchten stand, der billige Receiver OHNE Festplatte geliefert. Die Online-Bestellung zu diesem Angebot war damals, trotz Verweis in der Print-Anzeige auf die sky.de-Website, noch nicht möglich, das hätte womöglich Ärger erspart. Ich bin mal gespannt, wie viele Beschwerden dieser Art sich schon in der Verbraucherzentrale häufen. Hinter SKY steckt natürlich ein in (freien) Journalistenkreisen weithin anerkanntes Arschloch. Aber  da ich Marcel Reif wieder kommentieren hören will, war ich bereit, Opfer zu bringen ... 

Bei ALICE kläre ich gerade, ob ich den um ein Drittel billigeren Einstiegstarif bekommen kann (19,90 Euro statt 29,90 Euro für Internet- und Telefonflat, wie ich sie zahle) und ob es so etwas wie eine Urlaubspause gibt, wenn man mal ein paar Monate nicht da ist. Geht man ins Menü zum Wechseln, werden einem als Bestandskunden nur die teureren Optionen angeboten. Auch diese Unsitte hat, wie der Telefonbeschiss, seit Jahren um sich gegriffen. Methoden dieser Art sind in meinen Augen nicht verschieden von denen billigster Ganoven und Trickbetrüger, nur im Grunde um einiges dämlicher. Was die Internet- und Telefonanbieter angeht, hat mein Anwalt zumindest immer häufiger mit solchen Problemen zu tun und das Fazit gezogen: Egal, wo man hingeht, überall die gleiche Schlamperei!