Donnerstag, 31. Mai 2012

Meister Ippen (III)

Neuer japanischer Film über Ippen

Kurz vor Ippens Geburt im Reinen Land wurde berichtet, lila Wolken hätten sich am Himmel zusammengeballt. Ippen sagte: "Also brauche ich meinen Tod heute oder morgen noch nicht zu erwarten. Denn am Ende sollte es keine Spuren solcher Zeichen geben."

Dienstag, 29. Mai 2012

Meister Ippen (II): Sterben, Selbsttötung, Tugend

Geburt ist der erste Gedankenmoment an die Zufluchtnahme (in den Namen). Der Ausdruck 'erster Gedankenmoment' beinhaltet jedoch noch die Perspektive des Übenden. Namu-amida-butsu ist von Beginn an selbst Geburt. Diese Geburt ist Nicht-Geburt. Der Punkt, an dem ein Mensch dieser Lehre des Namu-amida-butsu begegnet, wird behelfsweise ein Gedankenmoment genannt. Wenn ein Mensch zum Namen zurück- und in ihn eingekehrt ist, der jede Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft abschneidet, dann ist Geburt ohne Anfang und ohne Ende.
   Die Abgrenzung zwischen dem Augenblick des Sterbens und gewöhnlichem, fortdauerndem Leben wird wiederum im Hinblick auf Übende gelehrt, die in falscher Unterscheidung feststecken. Im Namu-amida-butsu gibt es weder einen Augenblick des Sterbens noch gewöhnliches Leben. Es ist stetiges Dharma in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Da ein ausgehauchter Atemzug keine Gewähr bietet, dass ein Einatmen folgt, kann es keinen anderen Zeitpunkt geben, dem Tod ins Auge zu schauen, als den einzigen Gedankenmoment hier und jetzt. Jeden Augenblick sieht man dem Tod ins Auge, jeden Moment geschieht Geburt. Darum heißt es: 'Das Herz vollständig auf den Kopf stellend, werde Augenblick für Augenblick im Land des Friedens geboren.' Die Lehre Buddhas spricht von nichts anderem als dem einzigen Gedankenmoment hier und jetzt. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als solche - dieser eine Gedankenmoment.

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Es gibt die Angelegenheit von 'Gedanken an etwas, was danach kommt' und 'Gedanken an nichts, was danach kommt'. Das Fehlen jeglicher Erwartungen bezüglich allem, was jenseits dieses einen Gedankenmomentes hier und jetzt liegt, ist 'Gedanken an nichts, was danach kommt'. Kurz gesagt, wir müssen die zahllosen Erwartungen in unserem Herzen loswerden.
   
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Oft denken Menschen, dass sie es nur erwarten müssten, dann erschiene der Buddha im Augenblick ihres Sterbens, um sie im Reinen Land willkommen zu heißen. Würdet ihr aber nach langem Warten und Hoffen tatsächlich Amidas Kommen erleben, so geschähe das noch innerhalb der drei Reiche samsarischer Existenz. Den Namen selbst zu rezitieren ist das Kommen Buddhas. Wenn ihr dies verstanden habt, dann ist Amidas Kommen beschlossen, und im Gegenteil seid nun ihr erwartet. Alle Dinge außer dem Namen sind Phantasmen.

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Bei der Praxis des Buddha-Dharma gibt es 'direkte Behandlung' und 'Behandlung durch Beseitigen'. Direkte Behandlung meint, den rechten Geist im Augenblick des Sterbens zu erlangen, wobei falsches Denken überwunden und ein konzentrierter Geist ohne Verwirrung erlangt wird. Behandlung durch Beseitigen bedeutet, dass der nach Erleuchtung Strebende jede üble Verstrickung schon im Voraus beendet hat, so dass keine zurückbleibt. 
   Es ist uns unmöglich, solche Verstrickungen zum ersten Mal ausgerechnet am Lebensende abzuwerfen. Unsere Alltagshandlungen werden auftauchen und sich im Sterben manifestieren. Darum meinte Shan-tao: 'Die Qual der Unbeständigkeit wird dann plötzlich über euch kommen, und zum ersten Mal wird euer Geist ernsthaft verwirrt und verängstigt sein. Befreit euch jetzt selbst von allen Dingen und allen Sorgen und erwacht zu eurem Streben gen Westen (Reines Land).'

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Nachdem ich ins Reine Land geboren wurde, könnten einige von euch sich in die Tiefen des Ozeans stürzen. Wenn euer Geist beruhigt ist, ist eure Geburt sicher, was auch immer ihr tut. Wenn eure Selbstanhaftung jedoch noch nicht erschöpft ist, dürft ihr euch nicht das Leben nehmen. Es ist selten und schwer, eine Existenz zu empfangen, in der man dem Buddhaweg begegnen kann. Wie bedauerlich wäre es, diese Gelegenheit zu verschwenden!

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Auch wenn im Sutra vom 'Verweilen in den Samâdhis der Leere, Formlosigkeit und Wunschlosigkeit' gesprochen wird - dies ist nichts anderes als der Name. Wir selbst können die Meditationen der Formlosigkeit und die Freiheit von Begriffsbildung nicht erfüllen, noch können wir die Selbstnatur als rein und von Nicht-Gedanken verwirklichen. Dennoch können wir als die unwissendsten und an Narretei gebundenen Wesen Körper und Geist abwerfen und uns dem Ursprünglichen Gelübde anvertrauen, indem wir von ganzem Herzen den Namen rezitieren, denn dies ist selbst die Meditation der Selbstnatur als Nicht-Gedanke, die Erkenntnis der Formlosigkeit und die Freiheit von Begriffsbildung. 
   Wenn wir Zuflucht in den Namen genommen haben, gibt es keinen Mangel an Tugend. Zuflucht nehmen ist die höchste Tugend, es ist die 'Praxis der Anderkraft (tariki)'.

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Es ist törichten Wesen von seichter Erkenntnis völlig unmöglich, zwischen 'Bösem' und 'Tugend' zu unterscheiden. (...) Die Törichten mögen eine Handlung für tugendhaft halten, die für den Weisen bösartig ist, und eine andere mögen sie für übel halten, die der Weise wiederum für tugendhaft hält. (...) Offensichtlich können die beiden Wege von Gut und Böse kaum der entscheidende Weg zur Befreiung für uns sein, denn sie lehren nur, dass wir ernsthaft leiden, wenn wir Schlechtes tun, und dass wir in angenehmen Umständen geboren werden, wenn wir Verdienst angesammelt haben, so dass wir deshalb vom Bösen abstehen und Gutes tun sollten. Darum rät Shan-tao: 'Sprecht das Nembutsu, ohne die Größe oder den Mangel von Tugend und Bösartigkeit zum Thema zu machen.' Ich ergänze: auch ohne euch an eurer eigenen eingebildeten Weisheit festzuhalten und ohne euch an euer Leben zu klammern. Darüber hinaus gibt es keine Befreiung.


Sonntag, 27. Mai 2012

Meister Ippen (I)

Meister Ippen (1239-1289) war ein wandernder Hijiri-Mönch des Reine-Land-Buddhismus. In vielen seiner Texte und Gedichte des Ippen Shônin Goroku taucht daher das "Namu-amida-butsu" auf. Wenn man als Zen-Buddhist etwaige Berührungsängste mit dieser Schule überwunden hat, gibt es immer wieder Schönes zu entdecken. Wer Englisch kann, wird in Dennis Hirotas "No Abode. The Record of Ippen" (Berkeley, Kyoto 1986) auf seine Kosten kommen. Das zweite Zitat könnte auch als Motto hinter diesem Blog stehen ...

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"Ihr müsst sorgsam zwischen den beiden Toren des Dharma unterscheiden, dem Weg der Weisen und dem Weg des Reinen Landes. Der Weg der Weisen sagt: 'Blinde Leidenschaften sind selbst Erleuchtung', 'Geburt-und-Tod sind Nirwana'. Auch ich hätte zweifellos diese Lehre weitergeben können, doch liegt sie jenseits der Auffassungsgabe heutiger Menschen, die doch nur wieder zum grundlegenden Anhaften an die Wurzel blinder Leidenschaften zurückkehren würden, und das wäre schädlich.
   Auf dem Weg des Reinen Landes wirft man Körper und Geist ab, und ohne nach irgendeinem Ort in den drei Reichen und auf den sechs Pfaden zu verlangen, strebt man nach der Geburt im Reinen Land. Ihr dürft nicht ein Ding auf der Welt für unverzichtbar halten. Sich von Geburt-und-Tod zu trennen, ohne das Haften an dieser Existenz aufzugeben, ist nicht machbar."

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"Shan-tao lehrt: 'Ich fürchte, es ist schwer, die Geburt durch das Verrichten zahlreicher guter Taten gemäß der eigenen Möglichkeiten und Umstände zu erlangen.' Hier bedeutet 'gemäß der eigenen Möglichkeiten und Umstände' eine objektivierte Situation unabhängig vom eigenen Geist zu schaffen und diese zu praktizieren. Ihr verwickelt euch in äußerliche Gegebenheiten, um euren Geist zu kultivieren. Wenn die Situation vergeht, entdeckt ihr, dass nichts erreicht ist. Solche Übung ist beim Anhaften ans Selbst und die Eigenmacht hilfreich. Das bedeutet 'das Verrichten zahlreicher guter Taten gemäß der eigenen Möglichkeiten und Umstände'."

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"Wahre 'Anderkraft' (tariki) bedeutet, vollständig die eigenen Standpunkte von selbst und anderen abzuwerfen und einfach die Buddhaschaft in einem Gedankenmoment zu erlangen."

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"Alle Dinge entstehen aus dem Nichts, blinde Leidenschaften aus dem Selbst."

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"In China gibt es einen Bergtempel namens Ching. Es ist ein Zentempel. Am Fuße des Berges steht eine Stupa mit der Inschrift: 'Das Entstehen von Gedanken ist Krankheit; das Unterbrechen von Gedanken ist Heilung.' Mittels dieses Kôan erlangte Shinchi-bô aus Yura die Verwirklichung."

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"'Geburt-und-Tod' ist täuschendes Denken. Irriges Anhaften und blinde Leidenschaften haben keine Wirklichkeit. Dennoch zu versuchen, sich von Geburt-und-Tod durch unterscheidendes Reflektieren über Gut und Böse zu befreien ist völlig absurd, da es diesen Geist der Anhaftungen und Verdrehtheiten zur Grundlage nimmt. Es ist das Denken, das der Befreiung entgegensteht. Darum heißt es auch: 'Denken ist selbst Geburt-und-Tod.' Sich von Geburt-und-Tod zu befreien heißt also, sich von Gedanken zu befreien. Solange euer Geist sich nicht zu seinem ursprünglichen Zustand wendet, ist diese Befreiung nicht möglich."

Samstag, 26. Mai 2012

Frühes Chan zu Angst, Karma, Nicht-Denken und Nirwana

"Dieser Weg ist vollständig von falschen Gedanken geschaffen. Wie sieht die Schöpfung durch falsche Gedanken aus?"
   "Der Dharma kennt kein groß oder klein, kein hoch oder niedrig, keine Formen und Charakteristika. Es ist, als gäbe es an deiner Wohnstätte einen großen Stein im Garten; würdest du auf diesem einschlafen oder sitzen, hättest du dabei doch keinerlei Angst. Plötzlich bekommst du die Idee, ein Bild zu erzeugen. Du heuerst jemanden an, ein Buddhabild auf den Stein zu malen. Nun hat dein Geist eine Deutung Buddhas erschaffen und du fürchtest, eine 'Sünde' zu begehen, und kannst nicht länger auf dem Stein sitzen. Da ist noch der ursprüngliche Stein, doch die Buddha-Deutung wurde von deinem Geist erschaffen. Wie ist dieser Geist? Es ist stets der Pinsel deines Geist-Bewusstseins, der solche Deutungen schafft. Du bringst selbst Furcht über dich. In Wirklichkeit gibt es im Stein weder 'Sünde' noch Verdienst."

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"Wie kann das Karma abgeschnitten werden, das vom Geist geschaffen wurde?"
   "Da es keinen Geist gibt, ist es unnötig, etwas abzuschneiden. Dieser Geist hat keinen Ort des Entstehens und keinen des Auslöschens, nur falsche Gedanken lassen die dharmas entstehen. In einem Sutra heißt es: 'Die 'Sünde' karmischer Hindernisse kommt weder aus den vier Richtungen noch von oben oder unten. Sie entsteht aus verdrehten Ansichten.'"

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Dhyana-Meister Chüeh sagte: "Wenn du zu der Erkenntnis erwachst, dass der Geist nichts hat, woran er sich binden kann, dann hast du Fußspuren auf dem Weg erlangt. Warum? Augen sehen jede Form, doch sind sie nicht an irgendeine Form gebunden. Augen sind also wirklich befreit. Ohren hören jeden Ton, doch sie sind nicht daran gebunden. Der Geist durchstreift alle dharmas, doch ist an keines gebunden. Er ist wirklich befreit. Ein Sutra sagt: 'Es ist so, weil die dharmas miteinander unverbunden sind.'"

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"Auch wenn du sagst, dharmas bänden das Ego, so hat die Essenz der dharmas doch weder Binden noch Befreien. Würden fühlende Wesen dies von sich aus erkennen, dann wäre da Nirwana, selbst wenn ihre Gefühle in Bewegung sind. Verstehen sie dies jedoch nicht, dann gibt es kein Nirwana, ob ihre Gefühle in Aufruhr sind oder nicht."

"Wenn du recht verstehst, dann sind die fünf skandha hier und jetzt das vollständige, reine Nirwana, und dieser Körper und Geist ist mit den zehntausend Übungen ausgestattet."

[aus Jeffrey L. Broughton: The Bodhidharma Anthology. University of California Press 1999]

Donnerstag, 24. Mai 2012

Der Zen-Wald: Auszüge aus dem Zenrin Kushu

In diesem Buch finden sich aus dem Chinesischen überlieferte Redewendungen. Sie dienen Zen-Schülern als mögliche Antworten auf die von ihren Lehrern in Form von Koan gestellten Aufgaben, werden im Japanischen jakugo genannt und entstammen dem Zenrin Kushu. Zenrin Lewis hat sie ins Englische übersetzt und durch die literarische Übersetzung ins Japanische (bungo) sowie Kommentare von Zenkei Shibayama Roshi ergänzt. Wir haben hier seine zunächst als „The Book of the Zen Grove“ erschienene Auswahl zum größten Teil ins Deutsche übertragen. Erhältlich im Buchhandel, auch online und als eBook. Auszug:

路逢劒客須呈劒不是詩人莫獻詩 
585.  Michi-ni kenkaku-ni awaba subekaraku ken-o tei-subeshi, kore shijin-ni [arazumba] shi-o kenzuru-koto nakare.
Wenn du auf dem Weg einen Schwertkämpfer triffst, musst du ihn dein Schwert schmecken lassen; solange es kein Dichter ist, darfst du ihm kein Gedicht anbieten.

Wenn man jemanden trifft, der den Dharma darlegt, kann man sich frei mit ihm unterhalten; doch bei einem gefühllosen Besucher bleibe man reserviert.

Montag, 21. Mai 2012

Warum frühes Chan den säkularen Buddhismus vorwegnimmt

"Ein Sutra sagt: 'Schneide alles Böse ab, kultiviere das Gute, dann wirst du zum Buddha.' 
Das sind falsche Gedanken, die dein eigener Geist erzeugt."

Ich möchte nun die versprochene Entgegnung auf einige neuere Blogs und Bewegungen formulieren, in der Hoffnung, dass diese auf ihrem Weg davon inspiriert sein mögen. Der Einfachheit halber fasse ich unter dem "Säkularem Buddhismus" der Überschrift hier mal all die Bestrebungen zusammen, abseits von etabliertem Buddhismus (ob er nun vornehmlich Religion oder Spiritualität ist) eine moderne, aufgeklärte, kritische Praxis der Buddha-Lehre zu etablieren. Ich werde natürlich den erheblichen Unterschieden in Blogs, die ich zeitweise hier verlinkt hatte, so nicht gerecht. Aktiv sind vor allem Stephen Batchelors "Secular Buddhism", in Deutschland etwa "Der Unbuddhist", dann international Glen Wallis "Speculative Non-Buddhism" und weitere, die sich - meist mit akademischem Hintergrund - von verschiedenen Warten dem Phänomen Buddhismus nähern und insbesondere seine Grundannahmen und sein Vokabular hinterfragen und dekonstruieren. 

Nachdem ich mich dort eine Weile umgeschaut hatte (und weiterhin Abstecher mache), fiel mir auf, dass sich einige Unzufriedenheit mit dem tradierten Buddhismus direkt aus der im Westen etablierten und vorherrschenden Lehre der Theravadins, der Tibeter und eines späten Zen erklären lässt. Ich halte diese Gegenbewegung für sehr wichtig, möchte jedoch hier einmal aufzeigen, warum sich einem im frühen Zen (Chan) der Chinesen Verwurzelten manches Problem nicht stellt, wie also bereits mit dem Entstehen des Zen das Heilmittel für zahlreiche kopflastige Erwägungen der Moderne angeboten wurde. Alle Zitate stammen aus den Tun-huang-Manuskripten, die als "Bodhidharma-Anthologie" bekannt wurden, ohne diesem Bodhidharma selbst zugeschrieben werden zu können (siehe Jeffrey L. Broughton: The Bodhidharma Anthology, Berkeley 1999):

1) "Wenn jemand den Geist des Kultivierens des Weges kräftigen will, sollte er den Geist jenseits der Grenzen von Normen schicken."

"Verlangt jemand nicht nach Verständnis und sucht nicht nach Weisheit, dann wird er die Irrungen und Wirrungen der Dharma- und Dhyana(Versenkungs)-Meister vermeiden."

Im Grunde könnte dies das Schlachtmotto der "Unbuddhisten" sein. Von Anfang an ruft das Zen zur Sprengung jedes Althergebrachten auf. Zen, so man es überhaupt als Buddhismus verstehen mag, ist seit jeher eine permanente Revolution.

2) "Wer, ohne sich auf die Lehre eines Meisters zu verlassen, den Dharma aus den Ereignissen herleitet, wird einer mit scharfem Verstand genannt. Wer nur aus der gesprochenen Lehre eines Meisters versteht, ist dumm."

Hier wird die Offenheit gegenüber empirischer Wissenschaft und eigener Erfahrung letztlich der Schriftüberlieferung vorgezogen.

3) "Der Bodhisattva sieht das Dharma-Reich als sein Zuhause an und die vier unermesslichen Bewusstseinszustände* als Ort der Vorschriften. Frage: Gibt es im Dharma-Reich ein Einhalten oder Brechen der Vorschriften? Antwort: In der Essenz des Dharma-Reiches gibt es weder gewöhnlich noch heilig."

"Jeder Ort schlechten Karmas wird vom Bodhisattva zu einem Buddha-Geschehen gemacht."

"Den weglosen Weg gehen heißt, den Buddha-Weg zu verstehen. So einer lehnt weder Eifersucht noch Verlangen ab. Denn wer verstanden hat, für den ist Eifersucht eifersuchtslos und Verlangen ohne Verlangen."

Die Vorschriften, Gebote, Gelübde sind hier auf *Freundlichkeit, Mitempfinden, (Mit)Freude und Gleichmut beschränkt. Eine ausgedehnte Liste von Gelübden und Forderungen an den Praktzierienden existiert nicht, drei Charaktereigenschaften, die das Miteinander erleichtern und eine, die einem selbst besonders gut tut und kein Phänomen ablehnen muss, also ein- und nicht ausschließt, sind die Grundausstattung des Bodhisattva. Buddhismus (Zen) war einmal ganz einfach. Und er umfasste das ganze Spektrum des Lebens, ohne schwarz-weiß zu malen.

4) "Alle Sutren und Abhandlungen erzeugen Geist. Wenn kein Geist erzeugt wird, welchen Nutzen hat dann die Sitzmeditation? Wenn keine schlauen Kunstgriffe aufkommen, muss man sich auch nicht mit rechter Achtsamkeit abquälen."

"Die Erkenntnis der Buddhas kann den Menschen nicht durch Sprache gezeigt noch kann sie verborgen werden, und auch durch meditative Versenkung kannst du sie nicht ausloten."

Dieser Satz ist wichtig für alle, die an jedweder Methode der Meditation und des Sitzens haften. Selbst eine zwingende Korrelation von Erkenntnis und Sitzen, ja sogar von Erkenntnis und Versenken wurde im frühen Chan abgelehnt!

5) "Als Mensch in die Hölle zu fallen bedeutet, im Geist ein Ego zu erschaffen. Wenn die Menschen sagen: 'Ich tue Schlechtes, also erfahre ich Bestrafung; ich tue Gutes, also empfange ich Belohnung', dann ist dies übles Karma. Von vornherein haben solche Dinge nicht existiert, doch die Menschen unterscheiden und behaupten willkürlich, es gäbe sie. Genau darin liegt das üble Karma."

"Gewöhnliche Menschen bestehen auf der Unterscheidung: 'Ich begehre, ich bin wütend.' Solche Ignoranten werden in die drei üblen Wiedergeburten fallen."

Karma ist die fiktive Unterscheidung im Geist, das moralinsaure, dualistische Denken. Üble Folgen entstehen genau dann, wenn Menschen meinen, wütend und begehrlich zu sein an sich würde dieses Karma schaffen.

6) "Zahllose gewöhnliche Menschen auf der ganzen Welt sind von Begriffen und geschriebenen Worten gebunden."

"Sie benutzen Geist, um Geist loszuwerden ..."

"Wenn du intellektuelles Verstehen benutzt, um einen passenden Namen zu finden, werden geistreiche Entwürfe entstehen. Willst du solche gewitzten Tricks beenden, dann erzeuge keinen Gedanken an Erleuchtung und berufe dich nicht auf das Wissen der Sutren und Abhandlungen."

Wenn sich der Gedankenapparat immer weiter dreht, auf der Suche nach einer modernen Form des Buddhismus, wird die Lösung nur provisorisch sein. Frühes Zen (Chan) fordert: 

"Wenn Bewusstsein und Gedanke beruhigt sind, so dass kein einziger Gedankenimpuls mehr da ist, dann kann man von vollständigem Erwachen sprechen. Gleichermaßen ist alles an Gedanken und Bewusstsein, was nicht zur Ruhe kommt, ein Traum."


Samstag, 19. Mai 2012

Der Chan-Meister Ching-hung (II)

Meister Ching-hung hat uns wirklich einige überraschende Sprüche hinterlassen. Im ersten Zitat stellt sich mal wieder die Frage, die für einige Leser derjenigen ähneln mag, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Ist moralisches Verhalten die Voraussetzung für Meditation und Weisheit, oder entsteht rechtes Verhalten erst aus der Weisheit?

„Wie ist das, Tao zu kultivieren und Zen zu üben, wenn du noch nicht deinen Geist ergründet, deine Augen geöffnet, dich von deiner Leidenschaft befreit und dein Anhaften am Leben abgeschnitten hast? Es ist wie mit einem, der sehen kann und einen Raum betritt, der tausend Jahre lang dunkel war. Auch wenn alle Arten von Dingen vor ihm auftauchen, er hat keine Ahnung, ob sie blau oder gelb, rot oder weiß, lang oder kurz, eckig oder rund sind. Er ist sich dessen überhaupt nicht bewusst. Wenn so jemand eine Mönchsrobe trägt, verdient er die Unterstützung von Göttern und Menschen nicht.“

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„Wer andere lobt, erntet ein gewisses Maß an Verdienst. Wer andere verleumdet, erntet das gleiche Maß an Verdienst!“

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„Hier in diesem ärmlichen Kloster, wo wir zusammenleben, sollt ihr seltene und gewagte Gedanken hegen!“

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„Seht, wie ein kaiserlicher Wind bläst, ohne sich um Grenzen zu scheren!“

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„Darum sagen wir, dass sich nichts bewegt und nichts existiert und niemand einen anderen versteht. Doch selbst wenn wir einander nicht verstehen, ist nichts vom anderen getrennt. Darum wenden wir uns von Frohsinn und Sorge, Zustimmung und Ablehnung ab und wählen den Mittleren Weg.“

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„Der Weise hat kein geteiltes Herz. Für ihn sind die Menschen sein einziges Kind.“

Donnerstag, 17. Mai 2012

Der Chan-Meister Ching-hung (I)

Ching-hung (1272-1352) wurde vor allem durch seine "Gedichte aus den Bergen" und Gathas bekannt. Red Pine alias Bill Porter hat diese in seinem Buch "The Zen Works of Stonehouse" (Berkeley 1999) ausgiebig gewürdigt. Ich möchte hier Auszüge aus den Reden des chinesischen Eremiten vorstellen. Im ersten Text kann man auch eine Spitze gegen Theravada-Mönche lesen, deren Ordensregeln (Vinaya) ihnen jeglichen Ackerbau untersagen.

„Wenn ihr nur schlummernd und selbstvergessen sitzt und so eure Zeit verschwendet, seit ihr nicht einmal dem gewöhnlichsten Farmer im ärmsten Dorf gleich. Hackend und pflanzend versorgt er sich wenigstens selbst und macht nichts falsch. Doch ihr Mönche und Söhne Shakyamunis nutzt den Schutz des Tathagata aus. Ihr esst Nahrung, ohne den Acker zu bestellen, tragt Kleidung, ohne Seidenraupen zu züchten. Ihr lebt in großen Hallen und riesigen Tempeln, eure Finger berühren niemals Dreck, alltägliche Angelegenheiten kümmern euch nicht. Für alles ist gesorgt, alles wird euch bereitgestellt. Aber weil dies so ist, gebt ihr euch der Faulheit und Gier hin. Ihr handelt nicht wie Mönche und befolgt nicht die Gelübde. Ihr versteht Ursache und Wirkung nicht und fürchtet keine Vergeltung. So häuft ihr unzählige Schulden auf und sät die Samen der Hölle.“

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„Bis ihr nicht vollständig den Geist losgeworden seid, werdet ihr drei Erklärungen für jeden haben, den ihr trefft.“

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„Warum geht ihr nicht einfach voran? Warum um alles in der Welt belästigt ihr andere Menschen? Haben Buddhas etwas, das sie besser als gewöhnliche Menschen macht? Haben gewöhnliche Menschen etwas, das sie Buddhas unterlegen sein lässt? Sie alle sind Menschen, genau wie ihr. Warum macht ihr euch selbst klein und handelt wie Diener?“

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„Ein Gast zu sein ist in Ordnung. Es kann aber nicht damit verglichen werden, arm und daheim zu sein.“

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„Wenn Körper, Mund und Geist eines Menschen rein werden, sagen wir, ein Buddha erscheine in der Welt. Wenn sein Körper, Mund und Geist unrein werden, sagen wir, ein Buddha trete in Nirwana ein!“

Dienstag, 15. Mai 2012

Han Shan über Erleuchtung und Übung

Meister Hanshan (1546-1623) schrieb[1]:
   „Es gibt Übende, die zuerst erleuchtet werden und dann mit der Kultivierung beginnen, und andere, die zunächst üben und dann Erleuchtung erfahren. Dabei gibt es zwei Arten von „Erleuchtung“: die eine durchs Verstehen, die andere durch Erfahrung. Wenn jemand den Geist erkennt, indem er den Lehren Buddhas und der Patriarchen folgt, wird dies Einsicht durch Verständnis genannt. Diese führt nur zu einem konzeptionellen Verständnis, der Übende wird machtlos sein, da sein Geist nicht mit der Umwelt eins wurde, und er wird vielen Hindernissen begegnen. Dies wird simulierte Weisheit  genannt und entstammt nicht echter Übung.
   Andererseits halten diejenigen, die durch Übung erleuchtet werden, geradlinig an ihren Methoden fest, bis sie sich an einen Ort getrieben haben, wo „Berge und Flüsse vollständig erschöpft sind“. Plötzlich fällt ihr letzter Gedanke ab und sie erkennen gründlich den Geist. Es ist, wie wenn man seinen Vater an der Kreuzung sieht – es gibt keinen Zweifel, wer es ist. Oder wie beim Wassertrinken – nur der Trinkende weiß, ob es warm oder kalt ist. Es gibt keinen Weg, es anderen gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Dies ist wahres Üben und wahre Erleuchtung. Danach muss der Übende auf der Grundlage seiner Erfahrung seinen Geist mit der äußeren Umwelt verschmelzen. Er muss die starken karmischen Hindernisse seines Lebens, täuschendes Denken und emotionales Anhaften loswerden, damit nur der Wahre Geist des einen Geschmacks[2] übrigbleibt. Dies ist die Erleuchtung durch Erfahrung.
   Was echte Erleuchtungserlebnisse betrifft, so gibt es tiefe und seichte. Wenn jemand an der Wurzel des Problems arbeitet, das Nest des achten Bewusstseins und die dunklen Höhlen der Unwissenheit zerstört, dann geht er direkt auf die Erleuchtung zu, ohne sich auf irgendeine andere Lehre zu stützen. Wer dies erreicht, hat besonders ausgeprägte karmische Wurzeln und erfährt tiefe Erleuchtung. Am schlimmsten ist, wenn jemand nur wenig erlangt und sich damit begnügt. Man sollte Illusionen, die vom Licht erzeugtem Schatten ähneln, nicht für Erleuchtung halten. Wer dies tut, hat nicht die Wurzel des achten Bewusstseins vernichtet, seine Handlungen werden gekünstelt sein. Solch eine Erfahrung ist nur eine Manifestation des eigenen Bewusstseins. Sie als wahr anzusehen ist, wie einen Dieb für den eigenen Sohn zu halten. Ein Altehrwürdiger sagte: „Weil Übende des Weges nicht das Wahre erkennen und ihr altes Bewusstsein dafür halten, durchwandern sie unzählige Zeitalter von Geburt und Tod. Unwissende halten ihr Bewusstsein für ihr wahres Selbst.“ Darum: Überschreitet diese Grenze.
   Andererseits gibt es solche, die plötzliche Erleuchtung erfahren und diese dann fortdauernd kultivieren. Obwohl sie tiefe Erleuchtung erlebt haben, haben sie nicht plötzlich ihre Gewohnheiten und Neigungen abgelegt. Es ist nötig, auf Grundlage der eigenen Erleuchtungserfahrung die Kraft selbstbeobachtender Erhellung zu erzeugen, um die Umwelt zu erfahren und mit dem Geist abzugleichen. Wenn man mit einem Prozent der äußeren Erscheinungen verschmelzen kann, dann hat man ein Prozent des Dharmakaya[3] erlangt. Wenn man ein Prozent der täuschenden Gedanken getilgt hat, wird sich ein Prozent der grundlegenden Weisheit manifestieren. All dies hängt von der Stärke der Übung ab, die naht- und lückenlos sein muss. Inmitten von Geschäftigkeit zu üben bedeutet, der Übung Kraft zu entziehen.


[1] Xuzang Jing (Erweiterter buddhistischer Kanon) Nr. 1456, 73: 469b08.
[2] Im Lotussutra heißt es, der Dharma sei von einem Geschmack – dem der Befreiung. Das ganze Leben wird dann als Dharma erfahren.
[3] Dharma-Körper, steht für die ursprüngliche erleuchtete Natur des Geistes, die allumfassende Einheit und Leerheit des Geistes; hier: der transzendente Körper aller Buddhas, frei von Eigenschaften.

Sonntag, 13. Mai 2012

Der große Zweifel und die Nachfolge

Zu den wichtigen Eigenschaften eines guten Zen-Lehrers gehört, den "Großen Zweifel" zu wecken. Damit ist die allgemein unter Menschen verbreitete Frage gemeint, die uns nach dem Woher und Wohin unserer Existenz suchen lässt: Was war ich vor meiner Geburt, wie wird es nach meinem Tod sein? Dem Zweifel wird in einer Schule des Zen durch Kôan oder Huatou Rechnung getragen, Geschichten, Aussprüche oder Worte, die über ein rein logisches Antworten auf eine existentielle oder Sinn-Krise hinaushelfen sollen, hin zum Vorgedanklichen. Bleibt man jedoch dabei stehen, sich moralisch "einwandfrei"  zu verhalten, Gedankenaufruhr zu beherrschen und nicht mehr ständig unterscheidend zu werten, kann man doch noch wie "ein Toter auf Bodenhöhe" sein: Die Meditationsmethode hat sich nicht restlos der "Großen Angelegenheit von Leben und Tod" hingegeben, und im Dornengestrüpp des Daseins, wenn echte Prüfungen kommen, kann ein so Übender zu Fall kommen. Chanmeister Yuanyun Jiexian (1610-1672) hat davor gewarnt.

In einem seiner letzten Beiträge zur "Adult Practice" hat Muho darauf hingewiesen, dass es anderen möglich sei, ihre eigene Zen-Linie zu begründen, und Beispiele dafür genannt. Er hält es offenbar auch für wahrscheinlich, dass solche Linien bald wieder "aussterben". In der Geschichte des Zen haben wir bereits Beispiele für das Aussterben selbst von starken Zenlinien. Müssen wir das eigentlich fürchten, wo es heute noch sicherer als je zuvor Möglichkeiten der "Überlieferung" einer solchen Linie gibt? Im Grunde kann alles, was einmal war, wieder neu aufflammen.

Meister Yuanyun beschrieb ausführlich, wie gewissenhaft ein Meister bei der Bestätigung seiner Dharmanachfolge sein sollte, und wie bedeutsam es sei, dass diese gesichert wird. Für ein Zeitalter des Verfalls der Lehre beschrieb er jedoch auch diese Alternative: "In einer solchen Situation ließen echte erleuchtete Meister die Übertragungslinie lieber abreißen und zogen sich in erhabene Einsamkeit zurück. Dies betrachteten sie als den Weg, die Lehre gerade zu rücken und zu retten. Obwohl sie keinen Dharma-Erben hinterließen, leuchtet ihr Licht hundert Generationen lang. Kann man dann wirklich sagen, sie hätten die Linie enden lassen?

In so genannten Übungszentren, wo man sich nicht an die angemessenen Richtlinien hält, ernennt ein Meister zahlreiche Schüler zu seinen Nachfolgern und erreicht doch nichts, denn wenn man Melonenreben am Mittag wässert, werden sie keine Früchte tragen. Nicht lange danach wird eine solche Linie ruiniert sein und ein schreckliches Durcheinander hinterlassen. Kann man das etwa ein Fortführen der Übertragung nennen?"

Freitag, 11. Mai 2012

Weisheiten Suzuki Roshis (III)


Ein völlig aufgelöster, weinender Schüler fragte: "Warum gibt es so viel Leid?" Shunryu Suzuki erwiderte: "Kein Grund."

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Als sich ein Schüler in der Tempelhalle des Sokoji aufhielt, näherte sich Suzuki Roshi und sagte: "Nur am Leben zu sein ist genug." Dann drehte er sich um und ging weg.

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Ein Schüler fragte: "Ist die Erleuchtung ein umfassendes Heilmittel?" Suzuki Roshi sagte: "Nein."

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Ein Schüler gestand Suzuki Roshi, er würde während des Zazen ständig denken. Der Roshi fragte: "Ist Denken denn ein Problem?"

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"Die Hölle ist keine Strafe. Sie ist ein Übungsort."

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"Wenn es nicht paradox ist, ist es nicht wahr."

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Die Rechtmäßigung eines Mönches wurde angezweifelt, weil er nicht die üblichen Zeremonien und Bettelgänge mitgemacht und nicht sein Haar geschoren hatte noch Roben trug. "Bin ich nun ein Mönch oder nicht?", fragte er Suzuki Roshi. Der sagte: "Diese Dinge richten sich nach deinem Geist. Wenn du denkst, du bist ein Mönch, dann bist du einer. Wenn nicht, dann eben nicht."

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Wenn du kein Buddhist bist, denkst du, es gäbe Buddhisten und Nicht-Buddhisten. Als Buddhist erkennst du, dass jeder ein Buddhist ist - selbst die Wanzen.

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"Meister, esst Ihr Fleisch?" - "Ja." - "Buddha aß keines." - "Buddha war ein sehr frommer Mensch."

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"Wenn du die Übung fortsetzt, wird die Erleuchtung kommen. Aber selbst wenn sie nicht kommt, ist es fast das Gleiche, solange deine Übung tüchtig ist."


Mittwoch, 9. Mai 2012

Tang Hoi und
Thich Nhat Hanhs Entstellungen

Auf der Suche nach interessanten buddhistischen Fundstücken bin ich in meinem Regal auf "Master Tang Hoi" von Thich Nhat Hanh (Berkeley 2001) gestoßen. Hier lässt sich noch einmal im Detail aufzeigen, was von Neulingen auf dem Weg gern übersehen wird, wie nämlich TNH unnötige Dualismen schafft und sich alles für sein eigenes Sektenverständnis zurechtbiegt. In den Fußnoten finden sich außer Querverweisen auf den Palikanon praktisch nur Hinweise auf ca. ein Dutzend weiterer Bücher TNHs. So dreht sich da alles im Kreis.

Zunächst versucht TNH aufzuzeigen, dass der Buddhismus in Vietnam ankam, bevor er in China Fuß fasste. Dann führt er Tang Hoi, der im 3. Jh. n. Chr. lebte, als Meditationsmeister ein und widmet sich dessen Schrift "Sammlung über die sechs Paramita" (T 152), die zunächst übersetzt wird. Bereits in dieser Vorlage zeigen sich einige Auffälligkeiten: 

   - Es wird von einer Meditation gesprochen, die sich damit beschäftigt, wie Menschen in die Welt der Götter geboren werden, weil sie die Vorschriften einhielten und Vegetarismus praktizierten. 
   - Der Ausdruck "breathing in - breathing out" (einatmend-ausatmend), den TNH ja sogar in Singsangs bekannt machte, taucht in den sechzehn Methoden achtsamen Atmens regelmäßig auf. 
   - Wenn ein Übender auf der ersten Stufe meditativer Konzentration verstürbe, würde er im siebenten Himmel wiedergeboren und dort eine Lebensspanne verbringen. 
    - Meditiert ein Bodhisattva über Hunger, Krieg und soziale Ungerechtigkeit, empfindet er Mitleid und denkt, wenn er nicht meditieren würde, wäre auch er in Revolten verwickelt, um sich gegen die Missstände aufzulehnen. 

Gerade beim letzten Punkt erahnen wir TNHs Heuchelei, denn nachdem er in Vietnam noch selbst in aktiven Widerstand war, begann er, an seiner eigenen Hagiographie im Ausland zu stricken, die fortan anderen ein passives Erdulden von Unbill nahelegte. Tang Hoi interpretiert er dann auch so: "Wenn wir wissen, wie wir atmen und Gehmeditation praktizieren sollten und wie wir uns selbst mit Gefühlen der Freude nähren können, dann wird sich unser Gesicht verändern." Dieses Wohlfühlbedürfnis ist das zweite, dass TNH neben der Sehnsucht nach Frieden und Gewaltlosigkeit bedient. Schließlich kommt er auf Plum Village, seinen Großbesitz in Frankreich, zu sprechen, wo man "das Speicherbewusstsein beobachtet und die Samen in unserem Speicherbewusstsein". Von da leitet er unmittelbar auf seine wiederholt geäußerte Abneigung gegen das Fernsehen über und beschreibt Kinder, die in Plum Village fröhlicher seien als solche, die von außen dazukommen und vom Fernsehkonsum verstört wären.

Montag, 7. Mai 2012

Was ist Meditation im Chan?

Verehrte Zuhörer, Meditation (ding) und Weisheit (hui) sind die Grundlagen meiner Lehre. Zunächst denkt nicht, dass Meditation und Weisheit verschieden seien. Sie sind von gleicher Gestalt, d. h. Meditation ist der Körper der Weisheit und Weisheit ist die Anwendung der Meditation. Wenn Weisheit gegenwärtig ist, dann ist darin Meditation; wenn Meditation gegenwärtig ist, dann ist darin Weisheit.

Der Kampfkunstlehrer Wong Kiew Kit schreibt in seinem "Complete Book of Zen" (Cosmospress 2010)  zu diesen Sätzen des sechsten Patriarchen Huineng etwas Interessantes: "Viele missverstehen dies, weil sie denken, ding müsse etwas anderes als Meditation sein, da es ja schon die Ausdrücke chan (dhyana) und jing-zuo (schweigendes Sitzen) dafür gäbe. Professor Wing-Tsit Chan hat das Wort beispielsweise mit "Seelenruhe" (calmness) übersetzt. Ding steht hier jedoch als Kurzform von chan ding (dhyana-samadhi). Die üblichen chinesischen Ausdrücke für die drei buddhistischen Disziplinen von moralischer Reinheit (sila), Meditation (dhyana) und Weisheit (prajna) sind jie, ding und hui. (...)
   Warum ist Meditation nicht verschieden von Weisheit? Weisheit ist die Erkenntnis, dass die kosmische Wirklichkeit transzendent ist - dies ist das Erlangen der Buddhaschaft. Sie geschieht in einem Zustand tiefer Meditation, wo das Bewusstsein jeglichen Dualismus überwindet."

Hui-neng selbst drückt es im Plattformsutra deutlicher aus: "In dieser meiner Lehre bedeutet 'Sitzen', überall ohne Hindernis zu sein und unter allen Umständen keine Gedanken zu aktivieren." (T 48:339a4-5)

Sitzen alias Meditation alias Versenkung ist also bei Huineng keine formale Sitzmeditation, sondern ein im gesamten Alltag aufrechzuerhaltender Geisteszustand.

Samstag, 5. Mai 2012

Der Zen-Meister Taego (III)

Wie man Zen studieren soll

"Tage und Monate vergehen wie ein Blitz, beachtet die Vergänglichkeit. Wir gehen vom Leben in den Tod über in der Zeit, die es benötigt, ein- und auszuatmen. Es ist schwer, sich auch nur eines Morgens oder Abends sicher zu sein. Ob ihr geht, steht, sitzt oder liegt - verschwendet nicht eine Minute. Werdet immer mutiger und unerschrockener. Seid wie unser ursprünglicher Lehrer Shakyamuni, der energisch voranschritt. 
   Ist der Geistgrund gleichmütig, wach und still, werdet ihr tiefgründige Gewissheit über die Absicht der Buddhas und Patriarchen gewinnen. Ihr müsst dies auf die rechte Weise erreichen. Geist ist der natürliche Buddha, warum also woanders danach suchen? Legt eure zahllosen Angelegenheiten ab und erwacht. Am Ende des Weges ist es wie vor einer Eisenwand. Falsche Gedanken sind ausgelöscht, und sogar das Auslöschen ist fortgewischt. Körper und Geist scheinen in der Leere zu ruhen. In der Stille reicht das Strahlen eines Lichtes überall hin. 
    Das ursprüngliche Gesicht: Wer ist es? Sobald es erwähnt wird, versinkt der Pfeil im Stein. Wenn die Zweifelsmasse inmitten aller Phänomene erschüttert wird, bedeckt ein Ding den blauen Himmel. Sprich darüber nicht mit Menschen ohne Weisheit. Gib dich nicht übermäßiger Freude hin. Du solltest Zenlehrer aufsuchen und ihnen zeigen, wie dein Geist arbeitetet, und sie nach ihrer Lehre fragen. Danach kannst du als einer bezeichnet werden, der die Tradition der alten Patriarchen fortführt.
   Unser Familienstil ist nicht unnahbar. Wenn wir müde sind, strecken wir die Beine aus und schlafen. Wenn wir hungrig sind, lassen wir unseren Mund essen. Wie nennt man im Menschenreich eine solche Schule? Schläge und Schreie fallen nieder wie Regentropfen."

Freitag, 4. Mai 2012

Der Reichtum der Ole Nydahl-Sekte

Auf Seite 3 (ehemals Seite 4) der Satzung der "Stiftung Diamantweg" wird uns offenkundig die Alleinverfügungsgewalt Ole Nydahls erklärt. Ist ganz ähnlich gemacht wie bei der Sekte Phat Hue, wo auch in Sachen Geldausgeben gewisse große Freiheiten herrschen (heißt bei Ole "unverhältnismäßig hohe Vergütungen", was auch immer das sei - Aktualisierung vom 11.08.2014: Dieser Passus wurde in der Fassung der Satzung vom Dezember 2012 nicht mehr gefunden!).

... amtiert auf Lebenszeit, allein weisungsbefugt, benennt/ernennt und entlässt Geschäftsführer und Beiratsmitglieder ...

In den Vorstand hatte er zunächst nur noch seine zwei Lebensgefährtinnen aufgenommen.

Eine solche Struktur stinkt natürlich zum Himmel.

Auf Seite 18 eines Jahresberichtes (Aktualisierung vom 11.8.2014: Seite 18 ist nicht [mehr] vorhanden, siehe also Seite 11)  finden wir das Kapital, über das Nydahl verfügen kann (Stand 2009): 12,5 Millionen Euro!

Wichtig ist der Passus, dass die Arbeit in der Stiftung "ehrenamtlich" ist, also unbezahlt (deshalb auch Null Euro bei Personalkosten!), jedoch den ehrenamtlichen "Sklaven" praktisch keine Macht zugestanden wird, da der Ole ja alle rausschmeißen kann, die ihm nicht passen.

Ah, und dann das noch auf S. 16 bzw. 30, der Nachsatz zur Satzung, eingeleitet mit den Worten "Rührend bescheiden ..." Wirklich rührend. Ehemalige oder aktive Nydahl-Schüler findet man überall. Sie wehren sich in den meisten buddhistischen Foren, zum Teil als Moderatoren, vehement und sensibel gegen Kritik an dem Blender, sie unterlaufen einen buddhistischen Dachverband (obwohl sie ihren eigenen haben) und machen sich im Internet dick (z. B. auf www.buddhismus.de). Mit ihrer kruden Sprache wollen sie sogar in Schulen einziehen. Lasst das nicht zu!

Dienstag, 1. Mai 2012

Der Zen-Meister Taego (II)


Wieder und wieder schau dir an, welche Form es hat. Plötzlich wirst du die Schranke der Buddhas und alten Patriarchen überwinden: Sie ist nur ein Lachen wert.

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Der Augenblick, bevor ein Gedanke geboren wird, ist bereits falsch. Versuchen, mehr darüber zu sagen, ist verfänglich.

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Wenn du auf natürliche Weise eins mit dem Geistgrund geworden bist, erreichst du den Ort, an dem du nichts weißt, nichts verstehst. Versuch nicht darüber nachzudenken, was dies ist, sei einfach aufmerksam und klar und halte dies allzeit aufrecht, was immer du tust, ob du dich bewegst oder stillstehst, redest oder schweigst. 

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Dieses Reich hat mich geboren, so wie in einem Senfkorn zehn Milliarden Länder verborgen sind. Pah! Wie roh und derb dieser Dorfmönch ist! Dem Herrscherwillen folgend, enthülle ich überflüssigerweise die Hässlichkeit meiner Familie. Die Buddhas und Patriarchen tadelnd, schaffe ich karmisches Leiden. Ha ha ha!
   Von nun an werde ich nicht mehr so handeln. Ich werde schnurstracks in die Berge gehen und mit den Affen und Tigern leben.

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Als wir uns trafen, gab es für mich kein Dharma, über das man reden konnte, und für dich kein Wort zu hören. Ein wahrhaftiges Sichbegegnen! Besteht nur der kleinste Vorwand zum Reden, wird alles zu Dornen von Meinungen. Dies ist das wahre Muster aller Treffen der Alten.