Sonntag, 31. Januar 2010

Zur Rente in den Tempel

Neulich sprach ich mit einem Freund aus Jugendtagen. Er meinte, ich hätte mal behauptet, nicht lange zu leben. "So mit 40, 50, hast du damals geglaubt, wär's eh für Dich vorbei." - Hmm. 50? "Dann hab ich ja noch ein paar Jahre", hab ich ihm geantwortet. Und erinnerte mich zum einen an die alte Weisheit (ob aus dem Zen oder nicht), jeden Tag so zu leben, als wäre es der letzte (aber wer tut das eigentlich?). Zum anderen auch an meine Begegnung mit Nishiyama Roshi auf dem Frankfurter Flughafen, als ich schon Mitte 30 war und er sagte: "Oh, you are so young, so young". Das gefiel mir. Also sagte ich meinem (jungen, weil gleichaltrigen) Freund: "Heute denke ich anders. Ich glaube lieber, ich würde alt, dann hab ich noch genug Zeit, alle Bücher zu lesen, die mich interessieren." Das ist natürlich, streng genommen, "Anhaften", aber es entspricht auch dem Rat fürs Zazen, wenn es einem ungemütlich wird: Stell dir einfach vor, es hört nie auf! "Nur keine Hektik", meinte mal ein Übersetzer zu mir. Das ist wohl der Ausgleich für: "Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen." Dazwischen suchen wir die gesunde Balance.

"Und wie sieht es mit der Rente aus?", fragte dann mein Freund. Nun ja, ich bekomme seit ein paar Jahren einen Bescheid, der mich auf dem Laufenden hält. Ich sage: "Wenn ich alt bin, gibt's bestimmt einen Platz in einem asiatischen Tempel für mich." Und dann erzählt er mir von all den Alten in seiner Familie, die sie teils zuhause pflegten, teils in Heime geben mussten, Verwandte soundsovielten Grades, um die sich manchmal nicht einmal die näheren Angehörigen kümmern wollten. In seiner Familie wird man also eher alt. Und das kann teuer werden. Wie man auch an Robert Aitken sieht. Der ist längst ein Pflegefall und kostet mehr als 10.000 US-Dollar im Monat. Ich kann mir nicht helfen, aber da kommt mir etwas ganz verkehrt vor. Mit meinem Kumpel war ich mir einig, dass der Durchschnittsbürger nie so viel beiseite schaffen kann, wie ihn die individuelle oder auch nur Massenpflege im Heim kostet. Dieses System ist selbst krank. Vielleicht muss ja jemand, der zuvor angenehm gelebt hat, das auch im Alter beanspruchen.

Ich hoffe, dass ich so sterben kann, wie ich gelebt habe, in relativ bescheidenen Umständen. Sawaki Roshis Dogma "Jeder wischt sich selbst den Arsch ab" heißt nicht, auf seine alten Tage noch individuelles, handgeschöpftes Büttenpapier mit Blattgold als Klopapier zu verwenden.

Samstag, 30. Januar 2010

Sawakis Dharma-Erbe Sodo Yokoyama (Teil 2)

[Die folgenden Ausschnitte stammen aus Arthur Braverman: Living and Dying in Zazen, mit freundlicher Genehmigung des Autors. Übersetzung: Melanie Lieberknecht. Die Texte waren schon einmal im "Zenforum" zu lesen.]

Uchiyama Roshi schrieb über Yokoyama: „Sodô-san wurde in eine Familie von Bediensteten für den Tomoya-Klan nahe der Stadt Sendai geboren. Von seiner Jugend an war er hervorragend im Schreiben von Haiku, waka, und Liedern. Nun sind sein poetisches Gespür, sein Blattspielen und sein Zazen zusammen zu einem Zauber geworden, der die Herzen der Reisenden hebt. Wie herzerwärmend diese Lebensart in dieser materialistischen Welt ist! Er war sogar im Fernsehen. Ich bin mir sicher, viele Zuschauer, die ihn im Park sitzen sahen, mit den Japanischen Alpen im Hintergrund, erkannten den Blatt spielenden Mönch aus ihrer Kindheit.

Ich habe Sodô-san drei Mal gesehen, seit er Kioto verließ. Es ist schon über zehn Jahre her, seitdem er sein zeitloses Leben in den Japanischen Alpen begann. Meiner Meinung nach hat er diese feinsinnige Art mit dreiundsechzig Jahren zur Perfektion entwickelt. Es freut mich, dass dieser Mensch mein älterer Bruderschüler von Kôdô Sawaki ist – dem Lehrer, den man „Landstreicher Kodo“ nannte.“


Sodô Yokoyamas Zazen

Sodô Yokoyama fing an, Zazen zu üben, nachdem er mit zweiundzwanzig Dôgens Zuimonki gelesen hatte, und vertiefte sein Verständnis unter der Führung Sawaki Roshis. Doch wenn er über Zazen schreibt, bezieht er sich oft auf Einflüsse aus seiner Kindheit, aus der Natur, und von seinem Vater. Er beschreibt sich als die Sorte Kind, die in jedes neue Interesse völlig versunken war, in Geometrie zum Beispiel, im dritten und fünften Schuljahr, und dann in Baseball, als er das Interesse an Mathematik verlor.

„In der dritten Klasse beschloss mein älterer Bruder, mir Arithmetik beizubringen Er wollte mir helfen, das Lernen zu schätzen. Er brachte mir in meinem vierten Jahr Bruchrechnung bei und im nächsten, meinem fünften, sagte er, er würde mir Algebra und Geometrie beibringen. Er packte ein dickes Buch aus und zeigte es mir …

Die Diagramme inspirierten mich, ich fühlte mich erhoben. Ich dachte zu mir: „Ich werde nächstes Jahr lernen, wie wunderbar, welches Glück ich habe!“ … Bis zu diesem Tag kann ich nicht vergessen, wie bewegt ich als Jugendlicher in der vierten Klasse war, als diese Diagramme des Geometriebuches mich so begeisterten. Jedoch wurde mein Bruder während meines vierten Jahres der Grundschule Soldat. In meinem fünften Jahr spielte ich Baseball und verlor jedes Interesse am Lernen. So wie ich in meiner Jugend von den Geometrie-Diagrammen inspiriert wurde, bewegte mich später das „Diagramm“ des Zazen so, dass ich es nie vergessen werde. Mir wurde klar, dass ich das niemals aufgeben würde. (aus: Waga Tatsu Soma [Der Wald, in dem ich stehe], Tokio: Kioin Publishing Company, 1982, 219)


An anderer Stelle spricht Yokoyama über die Rolle seines Vaters dabei, dass er das Interesse am Akademischen verlor. Einmal sah ihn sein Vater, wie er zum Vergnügen in einem Mathematikbuch der Sekundarstufe las, und schimpfte mit ihm, er sagte, dass der einzige Nutzen akademischen Wissens darin läge, in dieser Welt Erfolg zu haben. Ginge es um das Universum, half das Lernen überhaupt nicht. Ob sein Vater nun wirklich das Wort „Universum“ benutzte – jedenfalls benutzte Yokoyama es in seinen Schriften häufig, eher noch als „Buddha Dharma“, um von der Kategorie der Religion zu transzendieren und auf die alles umfassende Natur hinzuweisen, die er dem Zazen zuwies.

Seine Erklärung des Zazen, obwohl recht frei von religiösen Bildern, war nicht ohne Liebe und Leidenschaft für die Übung, und man fühlte diese Leidenschaft, wenn man ihm nahe war, sie auf den vielen Fotos sah, auf denen er Zazen übte, und in seinen Schriften über Zazen und die natürliche Welt antraf. Die Wahrheit über Zazen lernte er vom Sonnenuntergang, von einem Bergfasan und von den vielen Reisenden, die bei seinem „Tempel unter dem Himmel“ in den Japanischen Alpen vorbeikamen.

Er liebte es, in den Bergen herumzulaufen. Seine Fixierung auf die untergehende Sonne in seiner Heimatstadt erklärend, schrieb er: „Wenn der rote Sonnenuntergang für immer angedauert hätte, wäre ich wahnsinnig geworden. Denn die Sonne sank und der lichte Himmel verschwand. Ich konnte in meinem Geist mit Leichtigkeit den Berg hinabsteigen. Eines Abends bekam ich einen Hinweis von der untergehenden Sonne, dass alle Schöpfung über den Gedanken hinausgeht. Die untergehende Sonne weiß nichts über die untergehende Sonne, aber sie ist die untergehende Sonne.“ (ebenda, S. 108 f.)

Dieser Mangel an Selbstbewusstheit war für ihn ein Hinweis, dass alle Schöpfung über das Denken hinausgeht. Als kleines Kind wurde er daran erinnert, als er seinem Vater beim Zazen zusah:

„An einem Frühlingsabend, als ich sieben war, saß mein Vater an den Papierschiebetüren und zeigte mir spielerisch die Zazen-Haltung. ‚So übte der Buddha‘, sagte er. In meinem jungen Geist übte der Buddha wie mein Vater. An jenem Abend blühten Äpfel in unserem Garten.“ (ebenda, S. 107 f.)

Die Geschichte Yokoyamas ist die Geschichte seiner Vorstellung von shikantaza, oder einfach sitzen. Er war Poet, Kalligraf, Komponist und Musiker, doch für ihn beruhten alle diese Talente auf der Grundlage von Zazen. Zazen, so betonte er, war das Universum. Man musste sich nicht ändern, um dieses Zazen zu erfahren; alles, was man tun musste, war zu sitzen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Kein Gewinn, das Endziel vieler Zen-Übenden, war für ihn der Eingangspunkt zum Zazen. Es gab keine Gedanken, obwohl man dachte.

Er glaubte, dass die Zazen-Haltung an sich mysteriös wirksam war, was er von der natürlichen Welt bestätigt sah. In seinen Schriften bezieht er sich ein paar Mal auf ein von ihm verfasstes traditionelles japanisches Gedicht, das das Beobachtetwerden beim Zazen durch einen Fasan in den Bergen beschreibt.

Vor Jahren,
in den Bergen meditierend,
erschien ein Fasan
und starrte
auf mein Zazen.

Die Tatsache, dass der Fasan keine Angst vor einem Menschen hatte, wie es normalerweise der Fall wäre, bestätigte sein Gefühl, dass die Form von Zazen perfekt war. „Hätte ich den Blick gehoben und den Fasan angesehen“, schrieb er, „wäre er davongeflogen. Darum hielt ich den Blick gesenkt, den Blick vier Fuß vor mir, und schaute nicht zu ihm hoch.“ Er erwähnte den Vorfall einem Freund und Ratgeber gegenüber, einem Doktor Saito von Kumamoto, der viele Jahre mit Sawaki geübt hatte. Der Doktor erzählte ihm, dass Tiere aufgrund der Täuschung, die sie dort erkennen, nie in die Augen von Menschen sehen. Yokoyama interpretierte dies als Bestätigung seiner Annahme, dass die Zazen-Haltung, besonders die Blickrichtung, eine Kraft besaß, die den Geist des Sitzenden transzendierte.

„Diese Augen, diese Zen-Haltung, in der der Blick nach vorne fällt, wird jigenshishujô genannt (mitleidige Augen, die alles erblicken; aus einem Vers des Lotus-Sutra, 25. Kapitel, abgeleitet). Zu jener Zeit verstand ich endlich diese Worte. Obwohl ich nicht zu dem Fasan hoch schaute, während ich Zazen machte, war er in meiner peripheren Sicht. Ihn nicht anzusehen, zeigte eine Abwesenheit von bösen Absichten. Das ist das gleiche wie nicht das Schlechte in anderen zu betrachten. Schaust du nicht auf das Böse in anderen, bist du frei. (Waga Tatsu Soma, 228-29)

Freitag, 29. Januar 2010

Die Formel des Einsseins

Sie lautet eingedeutscht: V = 2I + 2A = E

V: Rechtes Verständnis
I: Impermanenz (Unbeständigkeit) und Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit)
A: Annehmen und Anerkennen
E: Erleuchtetes Leben

Die Formel stammt vom Shin-Priester Koyo Kubose, der auch mal bei Uchiyama Roshi saß und in dem Filmchen unten seine Sammlung von Daruma-Puppen und -Utensilien vorführt. Diese Puppen sind in Japan das Pendant zu unserem Stehaufmännchen: siebenmal hinfallen, siebenmal wiederaufstehen (ja, sieben Mal genügt!). Mit dem Shin-Buddhismus werde ich mich hier sicher mal ausgiebiger beschäftigen. Heute, nach einem Tag mit viel Papierkram und Buchhaltung, mag der Hinweis genügen, dass dessen Priester oft einen erfrischenden Predigtstil pflegen, der mich an jenen von Baptisten erinnert. Wie auch immer man dazu steht, Zen und der Shin-Buddhismus sind sich wohl näher, als manche westliche Zen-Adepten glauben wollen.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Pica Pica: Rabenvogel

Ikkyu, der unkonventionelle Mönch, dessen Gedicht "Wenn ihr mich sucht, sucht mich in der Schenke, beim Fischhändler oder im Freudenhaus" einst meinen Anrufbeantworter zierte - dieser Ikkyu soll seinen Namen vom Krächzen der Raben haben, das in Japan offenbar so klingt wie "Ikkyu". Seit ich das weiß, beantworte ich Rabenkrächzen mit "Ikkyu". Nichtsdestotrotz fliegen die Raben, die ich heute bei einem Spaziergang mal wieder in Legionsstärke auf einem Spielplatz rund um einen Gullideckel sah, stets davon, wenn sie mich sehen. Als ich Kind war und auf einem Bauernhof lebte, war das noch anders. Ich hatte meinen eigenen Raben, er hieß natürlich Jakob und fraß mir aus der Hand.

Heute las ich, dass Raben sich Gesichter von Leuten merken, die ihnen Böses getan haben. Man machte einen Check mit Masken, und die Gegenprobe (u.a. mit einer unbelasteten Dick Cheney-Fratze - was beweist, dass Raben keine Ahnung von Politik haben). Also, die Fresse von dem, der ihnen übel mitgespielt hat, die vergessen die nicht und verständigen sich darüber, auch noch Jahre danach. Nun will ich also gefälligst wissen, welcher Rabenflüsterer da irgendeinen Scheiß über mich erzählt hat, dass die immer keifen und wegfliegen, wenn sie mich sehen?

Wenn Schnee liegt, streue ich ein bisschen Fettfutter für Vögel auf und in meinen Balkonkasten, und in einen Aschenbecher, den ich so hinstelle, das er nicht einschneien kann. Zunächst kamen in diesem Winter nur Elstern vorbei, die eine rief die andere, und mit Elstern klappt die Kommunikation besser, wie ich schon anderswo schrieb. Als sie mich um 7 Uhr früh mit ihrem Gekrächze weckten, rief ich: "Ich bin doch nicht Ikkyu, kommt erst um 9", und sie hielten sich dran.


Seit ein paar Tagen kommt nun auch eine Amsel in den dritten Stock, was wohl einige Energie kostet, die sie dann ja auch  kalorienmäßig wieder einfahren muss. Die Amsel hielt stets Ausschau, und wenn die Elstern am Himmel auftauchten, duckte sie sich, und weg war sie. Gestern aber entschloss sie sich, einfach in sicherem Abstand zum Futterhäufchen auf dem Betonblumenkasten hocken zu bleiben und wild zu schimpfen, als sich die eine Elster nebenan niederließ. So zeterte sie also vom Balkon herunter. Im Sommer schimpft sie so die Asso-Kinder aus, die hier regelmäßig schrill rumkreischen, als würde man sie abstechen. Das gefällt mir auch. Was aber macht nun die Elster, dieser Rabenvogel? Man weiß ja, in Japan legen die Krähen bei Ampel-Rot Nüsse auf die Straße, damit die Autos sie platt fahren, und wenn wieder Rot ist, kommen sie zum Fressen runter. Und wenn man ihre Nester zerstört, holen sie sich metallene Kleiderbügel von Wäscheleinen und machen die nächsten Nester so fest in die Bäume rein, dass es den Menschen vergeht. Also, was macht diese Elster? Sie schaut kurz die Amsel an (und ich meine sogar, sie hätte den Kopf geschüttelt), dann  flattert sie nach unten auf den Balkonboden, wo der Ascher mit Futter steht, und kommt ganz nah ans Fensterglas ran, lässt der Amsel  aber ihr Häufchen auf dem Betonkasten.

Ich kann meine Mutter nicht verstehen, die jede Elster aus ihrem Garten wegklatscht: "Diese fiesen Nesträuber. Die fütterst du?". Ich mache keinen Unterschied, Mutter. Wer Hunger hat, der fresse. Aber von Zen erzähl ich ihr lieber nichts.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Wie Dogen seinen Meister verklärte

Auf dem Zennist-Blog, den ich rechts verlinke, ist eine interessante Analyse von Carl Bielefeldt (der u.a. das Übersetzungsprojekt des Shobogenzo in Stanford betreut) zusammengefasst. Ich erlaube mir, diese hier kurz auf Deutsch wiederzugeben.

Dogen erwähnt vor 1240 seinen chinesischen Lehrer Ju-ching nur spärlich. Sein Tsao-tung (jap. Sôtô)-Erbe beanspruche auch keine besondere Stellung im Chan (Zen). Das "Shôbôgenzô" sei hingegen - als überlieferte Lehre - Bestandteil aller Chan-Traditionen.

Nach 1240 versuchte Dôgen offenbar, seine eigenen Anschauungen durch Rekurieren auf Ju-ching zu legitimieren. (Das ist ein bisschen so, wie wenn manche Zen-Lehrer heute beiläufig erwähnen, dass sie bei Sawaki Roshi waren und von dem und dem die Dharma-Übertragung bekamen - schwupp, schon identifiziert man das, was sie sagen, mit allen Genannten).

Bielefeldt stellt fest, dass Ju-ching in China jedoch kein herausragender Meister gewesen sein kann. Außer Dogens Zeugnissen gibt es nur zwei weitere kürze von chinesischen Schülern Ju-chings, die erst Jahrhunderte später in Japan auftauchten. Dieser Ju-ching hat demnach weder je von einem Äquivalent zu shikantaza (Nur-Sitzen) oder shinjin-datsuraku (Körper und Geist abfallen lassen) gesprochen noch das Zazen so betont wie Dôgen. Auch findet sich kein Hinweis darauf, dass Ju-ching etwa Lin-chi oder andere Meister wie Yuen-men abgelehnt habe.

Derart sind die Unterschiede zwischen chinesischem Chan und japanischem Zen. Nachzulesen komplett in Dogen Studies von W.R. La Fleur.

Dienstag, 26. Januar 2010

Vervollkommnen Sie für die Frau in Ihrem Leben!

Einige Jahre, bevor mein Vater wegen seiner Krebserkrankung immer weniger körperlich aktiv sein konnte, tapezierte er mit mir meine Wohnung (der Vermieter hatte dazu aufgefordert). Für ihn, den ehemaligen Landwirt, einen Schaffer, Handwerker und späteren Hobbygärtner, war das Routine, für mich, einen Leser, Studenten und Träumer schon eine kleine Herausforderung. So ließ ich mich nicht lumpen und machte des Nachts einfach weiter, als er nach Hause zurückgekehrt war. Am folgenden Morgen präsentierte ich stolz meine kleinen Flur, ganz alleine tapeziert. Eine bläuliche Tapete mit weißen Vögeln drauf. "Warum fliegen die denn nach unten", fragte mein Vater und deutete auf einen Streifen, den ich anders als die anderen angeklebt hatte.

Heute habe ich über ein Stück vergilbter und braun gewordener Rauh- fasertapete, die ich zwischen die Vogeltapete geschaltet hatte, weil von der nicht genug übrig war, endlich etwas Schöneres geklebt, direkt über eine Tür. Es handelt sich um einen Enso, den typischen Zen-Kreis, den so viele Meister hinterließen. (Diesen von Torei Enji gibt es übrigens zu kaufen.) Er stellte mich vor ein Rätsel, bis ich unten ganz klein einen Herstellervermerk entdeckte. Ah, so rum ist es also richtig. Aber irgendwas schien noch immer nicht zu stimmen. In Gedanken nahm ich einen Pinsel in die Hand und malte den Kreis nach. Unmöglich. Was für eine Sauklaue, grinste ich in mich rein. Und kurz juckte es mich in den Fingern, den Kreis auf den Kopf zu stellen.

Ich glaube, heute habe ich mir diese Krawatte redlich verdient. Vorsicht: Der Werbetext wurde  "von Robotern übersetzt" ...

"Dieser entzückende Entwurf ist für das Baby oder das Kind in Ihrem Leben perfekt, aber er ist auch für gewachsen ups groß! Ein rosa Enso Symbol mit den Wörtern "Zen-Baby" in der Mitte schaut auf allen T-Stücken ehrfürchtig und schwitzt angeboten. Klicken Sie an "besonders anfertigen es!" zu es auf einigen Arten versuchen."

Montag, 25. Januar 2010

Kidô Goroku Koan Nr. 54

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Lumpen und Besen


Meister Suibi fragte Meister Tanka: „Wie ist es, ein Lehrer Buddhas zu sein?“ Tanka erwiderte: „Du bist selbst der Lehrer Buddhas, nimm das nicht auf die leichte Schulter. Was tust du, wenn du Lumpen und Besen in den Händen hältst?“ Suibi trat drei Schritte zurück. Tanka kommentierte: „Falsch!“ Suibi trat nach vorn. Tanka meinte: „Falsch!“ Suibi hob einen Fuß an, schwang sich herum und verschwand. Tanka sagte: „Es ist zwar soweit gut, doch einem Lehrer Buddhas nicht angemessen.“

Meister Kidô:

Falsch! Falsch!

Meister Hakuin:

Glaub nicht, dass du im Vorteil bist.

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Und hier noch was Lustiges aus einem anderen Blog.



Sonntag, 24. Januar 2010

Die Nonne Rengetsu

"Ich fürchte, meine Vergangenheit könnte
dem Mond offenbar werden,
und blicke heute Nacht
zu Boden."

Ôtagaki Tôdô (1791-1875) entstammte einem Samurai-Clan und gilt bis heute als eine der bedeutendsten japanischen Dichterinnen des 19. Jahrhunderts. Nachdem sie zwei Ehemänner und  mehrere Kinder verloren hatte, trat sie in den Tempel Chion ein, den heutigen Hauptsitz der Jodoshu, der 1198 durch Hônen begründeten "Schule des Reinen Landes". Sie erhielt den buddhistischen Namen Rengetsu ("Lotosmond") und übte sich in vielerlei Künsten, darunter auch die Teezeremonie und Töpferei. Nebenstehend eine ihrer bekannten Kalligrafien aus der National Gallery of Australia, die ein anschauliches Buch über ihr Werk herausge- bracht hat.

"Von einem Fels in einem alten Tempel
tröpfelt spärlich das Wasser:
                Nachhallende Stimme des Dharma."

Samstag, 23. Januar 2010

Haiti und MTV


Ich bin nicht mehr so leicht für Spendenaktionen zu haben, auf die ich nicht selbst ein gutes Auge werfen kann. Und ich kann mir gut vorstellen, wie schnell Haiti wieder vergessen wird. Als ich in Kambodscha mal mit einer Ärztin sprach, wie sie mit den dortigen Zuständen klarkäme, sagte sie mir, es gäbe Schlimmeres, und auf meine Frage: wo?, kam die Antwort: Haiti.

Vielleicht haben die überlebenden Haitianer nun noch etwas von der ganzen Aufmerksamkeit und Spendenbereitschaft der Welt. Selbst in Ruanda soll man gesammelt haben für das - wie ich eben hörte - "first free black country of the world". Die US-Sendung, die ich gerade auf MTV live verfolge, wird heute abend (Samstag) um 21.00 Uhr auf dem gleichen Kanal wiederholt. Ein sagenhaftes Livekonzert. Allein dafür könnte man schon bereit sein, Geld zu geben.

Und ganz im Unterschied zu dem unsäglichen Gefasel von Gottschalk, der nichtsdestotrotz wohl ein Garant für Quoten und Kohle im ZDF ist, haben die Amerikaner ein ganz vorbildliches TV-Ereignis hinbekommen, mit einmaligen Performances (Bono neben Jay-Z und Rihanna), dem stummen Muhammad Ali mit tödlichem Blick, George Clooney und Brad Pitt bärtig, Jack Nicholson kaum zu erkennen in letzter Reihe am Telefon - und außer, wenn man etwa Steven Spielberg mal mit einer Spenderin reden hörte und sie sich artig einander vorstellten, lief da nicht ein Spendername über den Bildschirm, wurde nicht ein Großspender, nicht ein Unternehmen genannt. Stattdessen Liveschaltungen nach Haiti, wo es bereits dunkel war, zu sprachlosen Kindern, die nach Tagen aus Trümmern gerettet worden waren und nun zwischen Lächeln und Unverständnis schwankten.

In einer Doku sah ich erst vor ein paar Monaten, wovon sich viele Haitianer ernähren. Sie kaufen und kauen etwas, das wie Brötchen aussieht, aber nur zum Teil aus Mehl, zu einem anderen Teil aus Schlamm gebacken wird. 

...

"Als einmal Gönner und Spender in der Meditationshalle des Tempels weilten, sagte Meister Hengchuan: 'Überall taucht das ewige Licht auf, wie eine meterhohe Wand, durch und durch klar. Morgens, mittags und in der Nacht nutzt es unzählige Körper, um Almosen zu geben.'"

Freitag, 22. Januar 2010

Verdienst durch Kriege: Buddhismus und Gewalt

Heute wies mich Muho auf ein aktuelles Buch hin. "Buddhist Warfare" ist gerade bei Oxford University Press erschienen und versammelt Aufsätze, die belegen, dass in verschiedenen buddhistischen Ländern und Traditionen Buddhismus und Gewalt eine Allianz eingingen. Es handelt z.B. vom 5. Dalai Lama, der es guthieß, dass ein mongolischer Herrscher seine Rivalen aus dem Weg räumen ließ; es wird von buddhistisch motivierter Gewalt im heutigen Südthailand geschrieben; Brian Victoria darf noch mal über den Faschismus in Japan herziehen u.v.m. Am Interessantesten verspricht die Auseinandersetzung von Stephen Jenkins mit dem Arya-Bodhisattva-gocara-upayavisaya-vikurvana-nirdesa Sutra zu sein, in dem geschrieben steht, wie man durch Kriege Verdienst gewinnt. Ja, so etwas gibt es im Buddhismus.

Da fällt mir die Geschichte von Dasui ein, der in der Tang-Dynastie unter Meister Guishan Lingyou  (771-853) übte, seinerseits Begründer einer der "Fünf Häuser" des Zen, und den wir aus dem 29. Fall des Biyänlu (Hekiganroku) kennen.

Einst machte Dasui ein Feld bereit, indem er es abbrannte.  Da kroch eine Schlange durchs Gras. Dasui ergriff seinen Stab und schnickte sie damit ins Feuer. Dann grummelte er: "Diesen Körper verschone ich nicht".

Ein Kommentar lautet: "Wenn du so stirbst, ist es, als fändest du ein Licht in der Dunkelheit. Du wirst in der Welt sein wie in leerem Raum, der Lotusblüte gleich, die vom Schlamm, in dem sie wächst, nicht berührt wird. Ist der Geist rein und klar, dann geht er darüber hinaus."


Donnerstag, 21. Januar 2010

Aufruf zur Organspende

Ich habe einen Traum.
   Unter einer Million Bundesbürger sind angeblich nur 15 Organspender. Ich möchte helfen, diesen Anteil zu verdoppeln. Meine Hoffnung ist, dass unter den Buddhisten, die  man über Blogs und Foren erreichen kann, wenigstens jeder Zehnte sich entschließt, Organspender zu werden.*
   Warum? In Deutschland warten 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Jeden Tag sterben drei davon, weil es nicht genug Spender gibt. Wir selbst könnten einmal zu den Betroffenen gehören. Die Wartezeit für eine Niere beträgt im Schnitt 6 bis 8 Jahre, eine transplantierte Niere ist jedoch nach einem Jahr bei 88 % der Empfänger, nach fünf Jahren bei 74 % funktionsfähig. Bei anderen Organen sind die Erfolgsquoten ähnlich, noch höher zum Beispiel bei Hornhautverpflanzungen.
   Am Besten ist, einen Organspende-Ausweis zu beantragen (unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 / 90 40 400), diesen auszufüllen, nahe stehende Menschen über den eigenen Wunsch, im Todesfall Spender sein zu wollen, zu informieren und den Ausweis bei sich zu tragen, günstigerweise in der Nähe des Personalausweises. Der Organspende-Ausweis bietet verschiedene Ausschluss- möglichkeiten für Organe, er kann auch jederzeit vernichtet werden, wenn man seine Meinung ändert. Man kann ihn bereits ab 16 Jahren beantragen.
   Manche Bürger befürchten, Sie könnten zu früh für tot erklärt werden oder dem Organhandel zum Opfer fallen. Dies ist in Deutschland nicht möglich. Als Kriterium gilt der Hirntod. Die Feststellung des Hirntods erfolgt durch mindestens zwei unabhängige Ärzte, die über eine mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen verfügen müssen und nicht dem Entnahme- oder Transplantationsteam angehören dürfen. Desweiteren bekommt ein Alkoholiker nur dann eine Leber, wenn er mindestens sechs Monate und ggf. die gesamte Wartezeit auf das Spenderorgan abstinent war. Lebendspenden (von Niere oder einem Teil der Leber) unterliegen gesonderten Richtlinien und werden durch den Spenderausweis nicht abgedeckt. Zu bedenken ist, dass man durch eine vorzeitige, klare Aussage zur Organspende den Druck von Angehörigen nimmt, die im Todesfall ja oft unter Schock stehen und ausgerechnet dann vom medizinischen Personal eine Entscheidung abverlangt bekommen. Denn in Deutschland bedarf die Organentnahme der Zustimmung – entweder des Verstorbenen oder der Angehörigen, die im Falle einer vorigen Entscheidung des Verstorbenen daran gebunden sind.
   In den unterschiedlichen Schulen des Buddhismus gibt es zwar keine einheitliche Anschauung zur Seelenwanderung, doch dass dabei der tote Körper nicht vonnöten ist, dürfte von allen unterschrieben werden können. Eine Organspende kann somit als „dana“, als Gabe im Sinne der buddhistischen Tugenden aufgefasst werden. Und die Bereitschaft zur Organspende könnte zeigen, dass wir als Buddhisten tatsächlich „loslassen“.

[* Wenn wenigstens 12.000 Buddhisten übers Internet erreicht werden, wäre die Rechnung so: 10 % von 12.000 macht 1.200 zusätzliche Spender – bei 80 Millionen Bundesbürgern also weitere 15 potentielle Spender pro Million (80 x 15 = 1.200).]

Mittwoch, 20. Januar 2010

Antaiji - ein japanischer Zen-Tempel unter deutscher Leitung


Etwa in der Mitte der Antaiji-Videoseite findet Ihr den Beitrag "Zenkloster ohne Grenzen" (ihn hier einzubetten war nicht möglich). Im Folgenden die deutsche Übersetzung für alle, die sich mal ein Bild vom Alltag in diesem Tempel der Tradition von Kodo Sawaki und Kosho Uchiyama Roshi machen wollen. Dank an Susanne König.

Sprecher: Der Zen-Priester, der hier meditiert, ist in der Tat in Deutschland geboren und der Abt dieses Tempels.

Muhô: Ich hatte den Traum, Zen-Priester zu werden.

Sprecher: Da der Abt Ausländer ist, sind auch unter seinen Schülern viele Ausländer. Sie meditieren nicht nur, sondern bereiten auch die Fastenspeisen zu. Das ganze Leben ist auf die Ausbildung ausgerichtet. Sie beten sogar.
Dieser ausländische Abt ist mit einer Japanerin verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder. Der Zen-Tempel dieses Ausländers liegt in den Bergen. Wie ist das Leben dort?

In der Präfektur Hyôgo am Japanischen Meer liegt die Stadt Shinonsen, wo es überall heiße Quellen gibt. Von der Stadtmitte Shinonsens fahren wir mit dem Auto dreißig Minuten, dann einen Bergweg hinauf, wo nach etwa vier Kilometern 180 Steinstufen vor uns liegen. Hat man diese alle erklommen, befindet sich an deren Ende der Antaiji-Tempel der Sôtô-Schule, der eine Geschichte von 85 Jahren aufweist.
Seit 16 Jahren lebt dort der 9. Abt des Antaiji, Nölke Muhô. Seine Heimat ist Deutschland und er ist 38 Jahre alt.
Wenn die Messe beginnt, berührt der Abt mit beiden Armen, Beinen und dem Kopf den Boden, was gotaitôchi heißt. Damit überlässt man sich ganz dem Buddha.
Schaut man sich hier einmal um, so sind hier außer dem Abt noch acht weitere Ausländer, Männer und Frauen aus Europa (Deutschland, Frankreich, Polen), Amerika, Australien und aus Israel.
Da so viele Ausländer in den Antaiji kommen, haben die Ausländer mit römischen Schriftzeichen geschriebene Sutrenbücher in den Händen. Doch es gibt auch Ausländer, deren Sutrenbücher auf Japanisch geschrieben sind.

Auf der ganzen Welt gibt es Zen-Zentren. In Europa sind es etwa 300 und in Nordamerika ungefähr 200. Daher ist die Zahl der Ausländer, die sich für den Zen-Buddhismus interessieren und zu ihrer Ausbildung hierher kommen, nicht gerade gering.
Ausschlaggebend für den Abt, Mönch werden zu wollen, war der Zazen-Zirkel an seinem Gymnasium in Deutschland.

Muhô: Mir gefiel Zazen und mit 17 kam ich schon nach Japan. Ich hatte den Traum, Zen-Priester zu werden.

Sprecher: Seit der Universität lernte Nölke Japanisch, machte einen Homestay in Japan und gleichzeitig mit seinem Abschluss wurde er Schüler im Antaiji. Dort hatte er mit Vorurteilen gegenüber Ausländern zu kämpfen.

Muhô: Was ziemlich schwierig war, das war der Küchendienst. Da hieß es dann: „Die dashi-Brühe ist nicht stark genug.“ oder „Die Nudeln sind zu hart, zu weich.“ und letzten Endes „Da du halt Ausländer bist, kann man nichts machen.“

Sprecher: Trotzdem hielt er durch. Seine Ausbildung, die er 1990 begann, dauerte acht Jahre. Als dann der 8. Abt Miyaura Shinyû, sein Vorgänger, der Nölke zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, plötzlich verstarb, wurde Nölke vor vier Jahren zum Abt.

Ein Tag im Antaiji beginnt morgens um vier Uhr. Der zwei Meter große und einhundert Kilo schwere deutsche Mönch läuft eine Glocke läutend durch die Flure und gibt so allen Bescheid, dass die Übung beginnt.
Die Mönche, die sich in der Haupthalle versammeln, auch die ausländischen, tragen eine Schärpe, alle anderen nehmen in Zivil teil.
Sowohl morgens als auch am Abend üben sie sich zwei Stunden im Zazen. Dabei bewegt sich niemand oder sagt auch nur irgendetwas.

Derweil hat die Amerikanerin Mary Graham (30) Küchendienst und bereitet das Essen vor.

Mary: Da ich mein wahres Selbst erkennen wollte, habe ich mal Zazen gemacht. Aus diesem Grund bin ich in den Antaiji gekommen.

Sprecher: Da es kein Gas gibt, wird mit Brennholz Feuer gemacht. Das Wasser kommt über ein eigenes Wasserleitungssystem aus einem nahe gelegenen Bach.

Reporter: Gibt es in Amerika Holzherde?

Mary: Keine Ahnung. Für mich ist es das erste Mal.

Reporter: Haben Sie so etwas zum ersten Mal hier im Antaiji kennen gelernt?

Mary: Ja, natürlich.

Sprecher: Das Frühstück besteht aus gebratenen Bohnen und Gemüse, miso-Suppe mit Kürbis, Vollkornreis … es gibt sogar Pudding. Derjenige, der Küchendienst hat, legt die Speisen fest.

Reporter: Wirst du rechtzeitig fertig?

Mary: Weiß ich nicht.

Sprecher: Dann teilt sie allein für zwölf Personen das Essen aus. Die anderen haben derweil ihre Zazen-Übung beendet. Der Küchendienst ist eine der wichtigsten Übungen.
Vor dem Essen drückt man den Speisen gegenüber seinen Dank aus und hält eine Andacht, indem man sorgfältig Sutren rezitiert. Wenn das Essen beginnt, gibt es nicht eine einzige Unterhaltung. Nach dem Essen wird mit den tsukemono, dem eingelegten Gemüse, der Teller sauber gewischt und auch das tsukemono aufgegessen. Denn Buddha sagt, man soll nichts auf dem Teller übrig lassen, da das Verschwendung wäre.

Muhô: Den ganzen Reis, den wir essen, bauen wir auf unseren Feldern an. Auch mit Gemüse versorgen wir uns selbst.

Sprecher: Eine Übung ist die Erledigung verschiedener Arbeiten im Tempel, samu genannt. Auf den 50 Hektar der Tempelanlage, was mehr als der zehnfachen Fläche des Tokyo-Doms entspricht, gibt es Felder mit taro-Kartoffeln, Rettich, Auberginen uvm.
Damit stellt der Tempel mit den ausländischen Schülern verschiedenes selbst her. Im Antaiji gilt, es sei angemessen, sich selbst zu versorgen.
Ein deutscher Mönch namens Daishin (39) (auf verschiedene Eimer deutend): Miso-Paste, Auberginen-tsukemono, Melonen-tsukemono, Gurken-tsukemono.

Reporter: Wer hat das alles hergestellt?

Daishin: Ich.

Sprecher: Das Miso und auch die tsukemono für die Essensbeilagen hat der ausländische Mönch selbst gemacht.

Daishin: Das ist takuan, eingesalzener getrockneter Rettich.

Sprecher: Zur Selbstversorgung gehört nicht nur das Essen. Heute fällt der Mönch Daidô diese zehn Meter lange Zeder.

Der polnische Mönch Daidô (33): Das Holz verwenden wir im Winter für Brennholz.

Sprecher: Auch das gesamte Material, das für die Errichtung einer neuen Zazen-Halle gebraucht wird, stammt aus eigenen Mitteln. Das Holz wird zu Stützpfeilern und für das Bereiten von Warmwasser verwendet. Das heiße Bad ist nach der Kälte draußen eine Wohltat.
Vor dem Baden knien die Mönche vor Buddha nieder.

Daidô: Wie heißt dieser Bodhisattva?

Mönch: Batsudabara.

Daidô: Auch der Bodhisattva Batsudabara hat Opfer gebracht.

Reporter: Ein Bodhisattva für das heiße Bad?

Daidô: Genau.

Sprecher: Daidô, der vorhin die Zeder gefällt hat, kommt aus Polen. Sein gebürtiger Name ist Piotr Bazan (33).

Diesen Oktober gibt es eine hossen-Zeremonie, wobei der erste Mönch, der anstelle des Abtes die Gesetze des Buddhismus erklärt, vor allen ein Gespräch in Frage und Antwort führt.

(Der deutsche Mönch Daishin mit dem polnischen Mönch Daidô im Frage-und-Antwort-Gespräch.)

Sprecher: Diese Zeremonie ist wichtig, um im Rang aufzusteigen.

Daidô hat uns sein Zimmer gezeigt. Die Schüler bewohnen allein oder zu zweit ein Zimmer, das eine Fläche von etwa sechs tatami-Matten hat. Im Wandschrank sind Filme, auch auf DVD. Die mag er. Der in Polen geborene Daidô hört sich aufmerksam buddhistische Reden an, während er aufrecht sitzt.

Auch im Ausbildungstempel Antaiji gibt es jeden Monat sechs bis sieben Tage frei, was hôsan heißt. Hier ist ein ausländischer Schüler, der seine Sachen näht.

Wir waren in der Wohnung, in der Abt Nölke Wurzeln gefasst hat.

Tochter: Papa, Megu hat eine Schürze mit ‚Hello Kitty‘ drauf.

Nölke: Dann hat sie eine niedliche Schürze. Sie hilft Mama, nicht wahr?

Reporter: Zu Hause werden Sie ‚Papa’ genannt?

Muhô: Genau.

Sprecher: Hier ist das Zuhause des Abtes. Nölke hat zwei Kinder, mit seiner Frau Tomomi (29) ist er seit vier Jahren verheiratet. Die kleine Megumi (3) und ihr jüngerer Bruder Hikaru (1) sind die Kinder.

Reporter: Wann haben Sie sich zum ersten Mal kennen gelernt?

Muhô: Vor genau fünf Jahren, im November.

Reporter: Und wo?

Tomomi: Im Schlosspark von Ôsaka. Das war eigentlich das erste Mal, dass wir uns trafen.

Sprecher: Nölke hatte, bevor er im Antaiji Abt wurde, im Schlosspark von Ôsaka eine Zen-Gruppe gegründet. Zu den Teilnehmern gehörte auch seine Frau.

Seine Familie ist ihm wichtig. Im onsen kann er gut mit den Kindern spielen.

Reporter. Wenn Sie unter dem Wasserfall stehen, ist das doch wie eine Übung.

Muhô: (lacht)

Reporter: Hat seine Frau Tomomi keine Angst, wenn er sich um die Kinder kümmert?

Tomomi: Er macht das doch gut, oder?

Reporter: Und wie sieht es zwischen Ihnen beiden aus?

Tomomi: Natürlich streiten wir uns auch heftig.

Sprecher: Zuhause zur Essenszeit. Der Abt isst nichts. Denn ein Grundsatz ist, dass er mit seinen Schülern isst. Nur in den Ferien kann er zusammen mit seiner Familie zu Abend essen.
Währenddessen legt er seine Schärpe an. Am Abend ist auch noch eine Zazen-Übung, weswegen er in den Tempel zurückgeht. Er ist nah und doch fern. Wie denkt seine Frau darüber?

Tomomi: Manchmal denke ich, ob es nicht vielleicht besser wäre, wenn er keine Frau und Kinder hätte, wenn er uns nicht hätte.

Sprecher: Die gegenwärtige Situation des Antaiji sieht so aus.

Muhô: Einkünfte habe ich als Abt nicht, da ich keinen Unterstützer des Tempels habe. In der Tat, wenn man älter wird, da die Familie und die Kinder größer werden – daran muss ich auch denken.

Sprecher: Die jährlichen Einnahmen des Antaiji ohne Spenden betragen etwa eine Million Yen [knapp 8.000 Euro]. Die Schüler, die in den Tempel kommen, geben nur Spenden.

Muhô: Auch meine Familie zu ernähren ist eine Übung. Den Tempel zu bewahren ist eine weitere.

Sprecher: In jener Nacht werden im Antaiji Äste und Holz, das nicht mehr gebraucht werden, zusammengetragen.

Reporter: Was wird das?

Muhô: Ein Lagerfeuer. Wir machen ein Lagerfeuer. Wir müssen das Holz verbrennen, weil wir die daraus gewonnene Asche auf die Felder streuen. Die wirkt dann wie Dünger.

Sprecher: An diesem Abend wird dies auch mit der Abschiedsfeier für den Schüler aus Israel verbunden.

Der Schüler aus Israel: In der Zeit, die ich im Antaiji verbracht habe, gab es gutes, aber auch unangenehme Dinge. Aber dass ich mich mit dem Leben aller befassen konnte, dafür bin ich wirklich dankbar.

Sprecher: Auch die Familie des Abtes nimmt teil. Es kommt im Antaiji oft vor, dass alle zusammen feiern.

Muhô: Nicht jeden Tag, das steht ganz frei. Dies ist ein Ort, an dem man sich frei fühlen soll. Es gibt auch Zazen oder Zeiten, die hart sind. Wenn man keinen Spaß hat, halten wahrscheinlich alle nicht lange durch. Wenn es wiederum nur Spaß wäre, versteht man nicht, warum man überhaupt als Schüler hierher gekommen ist.

Sprecher: Der deutsche Abt widmet sich stets seiner Familie und seinen Schülern. Um die Lehre dieses Abtes zu erfahren, besuchen ihn in einem fremden Land, in den Bergen, Schüler aus der ganzen Welt im Antaiji.

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Dienstag, 19. Januar 2010

Happy Birthday, Dogen und Hakuin!

Heute eine kleine Verbeugung vor unseren Geburtstagskindern. Hakuin (geb. 1689) verlinke ich mal mit "Die mündlich übermittelten geheimen Lehren dessen, der auf dem Berg To lebte" zu unserem fleißigen SoGen.

Und von Dogen (geb. 1200) habe ich hier was Humorvolles aus seinem Eiheiji Goroku:

"Meine Nase ist höher als ein Berg, meine Augen sind klarer als ein Juwel. Mein Kopf ist so offen wie ein Fächer, meine Füße ähneln denen eines Esels. Wenn ich das Zimmer meines Meisters betrete, erhebe ich gern meine verschwitzte Faust; gehe ich in die Vortragshalle, stütze ich mich auf meinen Stock; bittet mich jemand um Wasser, deute ich auf einen Brunnen da draußen; bittet mich jemand um Reis, dann gebe ich ihm eine Schale voll. Früher hielt ich die Gebote ein, indem ich Hähne und Hunde nachahmte; so habe ich den Buddhas und Patriarchen ihre feine Robe gestohlen. Genervt nehme ich an einem irrigen Gespräch unter Bäumen teil und lache über jenen Augenblick auf dem Geierberg."

Montag, 18. Januar 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 53

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Der Taoist

Einst besuchte ein taoistischer Priester einen buddhistischen Tempel und setzte sich mit dem Rücken zur Buddhastatue. Ein Mönch meinte: „Heh, Taoist, kehr dem Buddha nicht deinen Rücken zu!“ Der Taoist erwiderte: „Der tugendhafte Buddha existiert überall. Sag mir, wo ich sitzen kann.“

Meister Kidô:

Ich vergaß, dass du einer anderen Religion angehörst.

Meister Hakuin:

Sind Buddha und Miroku* nicht genau dort?

[*Miroku: ein Buddha der Zukunft]

Sonntag, 17. Januar 2010

Muslime im buddhistischen Tempel


In den vergangenen Tagen bin ich in einige finanzielle Härten eines burmesischen Tempels eingeweiht worden, und in die Zerstrittenheit der Gemeinde. So etwas gäbe es auf der ganzen Welt nicht unter Burmesen, nur hier in Deutschland, sagte man mir. Auf meine Frage nach dem Warum meinte man, es läge wohl "am Stress" hierzulande. Ja, in Deutschland lernt man das Neiden und Intrigieren schnell.


Das Gebäude, das vor ein paar Jahren zu ihrem Tempel geworden war, sollte eigentlich von den Burmesen gekauft werden, der Eigentümer will es loswerden. Nun ist die Frage, ob rechtzeitig die Kohle zusammenkommt. Als ich vom Vermittler (V.) in dieser Sache angerufen und gefragt wurde, ob ich ihn nicht als Zeuge für ein dringendes Gespräch mit dem Abt begleiten wolle, dachte ich an die Liste mit all meinen geplanten Buchprojekten für dieses Jahr, die ich gerade fertiggestellt hatte, damit ich keines vergesse (ich muss mir ja nur selbst in den Arsch treten). Hmm, hatte ich dafür denn überhaupt Zeit? Schließlich meinte V. am Telefon, wenn das Gebäude nicht von der burmesischen Gemeinde gekauft würde, dann nähmen es die Muslime. Da zog ich meine Jacke an und machte mich mit gespannten Muskeln auf den Weg.

So hockten wir uns dann vor den Theravada-Mönchen hin. Es ist immer wieder befremdlich, denn sie sitzen da so erhöht. Ich hab trotzdem den Lotussitz eingenommen, wenn auch nur den halben, ein anständiger Kompromiss, fand ich, und wusste ja auch nicht, wie lange die Sache dauern würde. Mit der Zeit kam ich dann mit anderen anwesenden Burmesen ins Gespräch, und die erzählten doch, dass auch Christen und Muslime unter ihnen seien, die den Tempel aufsuchten. Ich fragte, ob die nur zum Essen bei den Festen kämen, aber es hieß, sie würden teils sogar spenden und auch das persönliche Gespräch mit den Mönchen suchen. Nur bei den rein buddhistischen Zeremonien seien sie nicht anwesend. Das fand ich sehr interessant.

Heute krakeelte dann wieder einer der minderjährigen Türken bei mir im Haus im Flur herum. Neurdings macht er das auch schon mal nach Mitternacht. Kurz danach schrie eine kleine Türkin aus einer anderen Familie durchs ganze Treppenhaus, obwohl ihr schon mehrfach gesagt worden war, das solle sie lassen. "Ja, ja", sagt die Mutter dann. Und kurz darauf schickt sie ihre Tochter wieder in den Flur, um zu krakeelen. (Ach übrigens, Aiko, bezugnehmend auf Deinen Kommentar: Wo ist da das charakteristische menschliche "Wir"-Gefühl, wo die Empathie?)

Das ist der Grund, warum mich V. gern anrufen kann, wenn es darum geht, den Muslimen ein potentielles Gebetshaus vor der Nase wegzuschnappen - äh, so Gott will. Ich habe begriffen, dass recht viele Angehörige dieser Kultur (sofern sie aus dem Nahen Osten stammen) ein besonderes Bedürfnis haben, wahrgenommen zu werden - und das geht nur, indem sie in möglichst vielen Siedlungen als Störer auffallen und nicht, wenn sie in Gebetshäusern unsichtbar werden und sich am Ende noch benehmen müssen. Allah ist (nämlich) groß!

Samstag, 16. Januar 2010

Sind Tiere erleuchtet? (Teil 2)



Gampopa wird dieser Satz zugeschrieben: „Tiere sind einer vorherrschenden und weitreichenden Verwirrung unterworfen.“ Hätte Gampopa nicht in den Bergen, sondern auf Phuket gelebt, dann wäre ihm nicht entgangen, dass es genau umgekehrt sein kann: Als der Tsunami kam, suchten Tiere instinktiv Anhöhen auf, während tumbe Menschen den Fluten entgegengafften.

Wikipedia.org geht im Eintrag „Animals in Buddhism“ noch weiter. Ich übersetze zusammenfassend: Von Tieren glaubte man, sie seien durch ihren Geisteszustand vom Menschen getrennt, ihre Welt wurde auf Pali „Tiracchānayoni“ genannt. Unter ihren zahlreichen Leiden wird z.B. aufgeführt, dass sie von anderen Tieren angegriffen und gefressen würden und in ständiger Furcht vor ihnen leben müssten. Abgesehen davon, dass auch Menschen in Kriegszeiten in ständiger Furcht leben, muss ich gerade an den Elefanten, Nilpferde und Nashörner denken. Die erwachsenen Tiere haben kaum noch natürliche Feinde, die Jungtiere vielleicht so viele wie Menschenkinder im Straßenverkehr. Ganz abgesehen davon funktioniert die Analogie nicht. Denn als ich gerade heute den achten Tag hintereinander durch Schnee stapfte, konnte ich mir plötzlich gut vorstellen, in Grönland zu leben und mich daran zu gewöhnen. Da das Tier eben nicht wie wir denkt, ist dieses „Leiden“ von uns in das Tier hineinprojiziert und gibt gar nicht dessen Erfahrungswelt wieder. So lange wir nicht die Sprache der Tiere sprechen, wissen wir darüber nichts.


Als weiterer Nachteil des tierischen Daseins wird genannt: keine Sicherheit bezüglich einer „Wohnstätte.“ Na herzlichen Glückwunsch, ihr Kanarienvögel, Wellensittiche und Zootiere, ihr habt’s geschafft! Bei so viel Unverständnis für das eigentliche Wesen des Tieres, das wie wir nach Freiheit strebt, auch wenn es diese anders (oder gar nicht) benennen oder empfinden mag, sträuben sich mir die Haarstoppel.

Das witzigste Argument kommt zum Schluss. Tiere kapierten in ihrer Unwissenheit nicht, wie ihnen geschieht, sie könnten nicht viel dagegen tun und handelten primär instinktiv. (Was Letzteres bedeutet, siehe oben.) Ich finde, da haben wir viel gemeinsam. Bis heute ist es uns nicht überzeugend gelungen, das Mysterium des Lebens und Sterbens allgemeinverbindlich und überzeugend für alle Menschen zu lösen. Auch der Buddhismus schafft das nur für einen Teil der Menschheit, das heißt dieser Teil bildet sich ein, nun für sich eine Lösung gefunden zu haben. Am Ende ist dieser Teil der Menschheit genauso tot wie Muslime, Juden, Christen – und das Tier (das heißt, nicht ganz, wie ich gleich noch erwähne). Und ob die so genannte Klarheit nicht nur eine Illusion war, das erweist sich womöglich erst zum Schluss. Wer will den Menschen denn wirklich darum beneiden, dass er sich auch noch in die Irre führen kann? Laut Wiki ist es jedoch Tradition (das beruht mal wieder auf dem Geschreibsel einiger weniger talentierter Pali-Kanonisten), das Menschenleben als besondere Gnade anzusehen, weil man nun der buddhistischen Lehre begegnen könne.



Wenn wir also zusammenfassen, geht es im Grunde darum, dass die Gnade der menschlichen Geburt nur dann gegeben ist, wenn a) das Menschenwesen geistig in der Lage ist, den Buddha-Dharma zu erfassen, b) es im Rahmen dieses Erfassens völlige „Klarheit“ über seine Existenz gewinnt. Die Voraussetzung ist also neben einem Bewusstsein, das qualitativ über dem Instinkt angesiedelt wird, eine hinreichende Lebensdauer. Ist nun aber schon der Schreiber des Wikipedia-Artikels nicht in der Lage, den Buddha-Dharma zu erfassen, und selbst Zen-Lehrer behaupten, ein Menschenleben in Zazen würde nicht unbedingt ausreichen, nun, dann frage ich mich doch, ob Quallen dieses Problem nicht viel besser gelöst haben, weil’s für sie nämlich keines ist. Einerseits mangelt es ihnen nämlich an Hirn, also können sie auch nichts „erfassen“ - nicht mal die Idee, dass es etwas zu erfassen gäbe (!) Andererseits haben sie alle Zeit der Welt, sie können nämlich quasi ewig leben. Als wäre das nicht genug, können sie auch problemlos Diät halten und bei Bedarf sogar ihre eigenen Geschlechtsteile verspeisen, brauchen also weder Almased noch einen Vinaya (Ordensregeln), um klarzukommen bzw. sich zu verwirren. Und damit ist dann endgültig der Beweis erbracht, dass Tiere unsere Träume bereits verwirklichen.

[Copyright Foto 2 (Spiegeleiqualle): T. Friedrich; Foto 3 (Pallau stingless jellyfish): Profberger.]

Freitag, 15. Januar 2010

Vegetarisches Festessen?

Hengchuan (1222-1289) sagte:

"Als sein Meister Yunmen starb, gab Baling weder ein vegetarisches Festessen noch irgendwelche Erklärungen; er beließ es bei drei Wendeworten*. Heute, am Jahrestag des Todes meines Meisters Tianmu, gibt es auch bei mir kein vegetarisches Essen; und ich habe nicht mal drei Wendeworte. Wisst ihr, warum? - Als Tianmu noch am Leben war, begegneten wir uns von Angesicht zu Angesicht, und irgendwelche Tricks waren völlig nutzlos. So war es, als er lebte, und so soll es nun sein, wo er tot ist."


[* mehrdeutige Aussagen, die zum Erwachen verhelfen sollen]

Donnerstag, 14. Januar 2010

Der Laie Pang (I)

[Yün P'ang lebte von ca. 740-808]

"Die Menschen besitzen ein Einrollen-Sutra
ohne Form und ohne Namen.
Kein Mensch ist in der Lage, es zu entrollen und zu lesen,
keiner von uns kann es hören.
Bist du fähig, es zu entrollen und zu lesen,
dann trittst du in den Urgrund ein
und bist im Einklang mit dem Geburtlosen.
Keine Rede mehr davon, ein Bodhisattva zu werden -
du musst nicht mal ein Buddha werden."

Buddhadasa Bhikkhu - ein geschätzter thailändischer Mönch

Zunächst: Bitte lest Heinos Kommentar zu dem TV-Beitrag übers "Fake-Kloster" bei Kaiserslautern, das zu Shaolin gehören will, wie uns nicht nur deren "Abt", sondern auch "Spiegel TV" weismachen wollen, und diesen Link zum authorisierten Shaolin Tempel in Berlin.

Noch mehr Ärgerliches hat sich der Kristkeitz Verlag geleistet. Eigentlich ein "Konkurrent", deshalb muss ich ein bisschen vorsichtig sein, wie ich es ausdrücke. Jedenfalls hab ich selbst noch Bücher von ihm mit an meinen letzten Buchmessestand genommen (der gesponsert war), immerhin freiwillig. Nun hat er ein Buch von Buddhadasa Bhikkhu herausgebracht, für das sich ein gewisser Ernst Christen, der einst nach Thailand radelte und da jetzt wohl in einem Tempel lebt, das Copyright besorgt haben will.

Das kam mir ziemlich spanisch, äh thailändisch vor, hatte ich doch bereits von Viriya (Manfred Wiesberger) erfahren, genau dieser Titel sei bereits übersetzt und würde wie die anderen Werke von Buddhadasa Bhikkhu kostenlos als PDF-Datei im Rahmen des Dhamma Dana-Projektes der Buddhistischen Gesellschaft München e.V. (BGM) zur Verfügung gestellt. Herr Christen hat nun offenbar behauptet, die Rechte in Suan Mokh, Buddhadasa Bhikkhus ehemaligem Tempel, organisiert zu haben. Dieser besitzt jedoch gar keine Rechte für die englische Übersetzung von Santikaro.

Damit ich hier auch für die werbe, die es tatsächlich verdient haben, nun der Link auf das kostenfreie Buddhistische ABC: Dhamma-Prinzipien für kluge Leute.

Und, lieber Herbert von der DBU, damit ist auch klar, dass ich unter meinem Verlagsnamen keine Hinweise von Kristkeitz aufnehme und keine Bücher von ihm mehr in meine Messe-Regale kommen.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Die Vier Edlen Wahrheiten Redux

Dies sind die Vier Edlen Wahrheiten, die ich erkannt habe:

1) Das Leben ist Freude.
2) Die Ursachen der Freude sind: Begehren, Abneigung und Unwissenheit.
3) Erlöschen die Ursachen, erlischt auch die Freude.
4) Der Weg dorthin ist der „Edle Achtfache Pfad“.

Dienstag, 12. Januar 2010

Die Kommerzialisierung der Shaolin

Am Samstag Abend lief unter "Spiegel TV" (d.h.: besserer Boulevardjournalismus) ein mehrstündiges Porträt über einen engagierten jungen Mann, der sich dem "Shaolin-Tempel" in Kaiserslautern angeschlossen hat. Sein Werdegang wurde über einen längeren Zeitraum verfolgt, Ausschnitte dieser Sendung hatte ich schon mal gesehen. Keine Frage, der junge Mann meinte es ernst und war sympathisch.

Wie ein freundlicher, harmloser Herbergsvater kam dann sogar der Abt rüber, Shi Heng Zong genannt, oder auch: der Sitaigung. Da macht einen ja schon mal stutzig, dass ein bärtiger Deutscher nur noch mit chinesischen Namen tituliert wird. Dabei hat er die buddhistischen Essensgebete durchaus eingedeutscht, und auch die Aufnahmezeremonie des jungen Mannes als Mönch lief ganz verständlich und routiniert auf Deutsch ab. Man muss den Leuten hinter dem Tempel auch ihre Ehrlichkeit (oder Naivität?) lassen, mit der sie den Werdegang des Abtes beschreiben, den wir natürlich - bei seiner Leibesfülle kaum verwunderlich - nie beim körperlichen Training sehen (mit der Meditation hat man's in dem Tempel wohl eh nicht so). Er ist laut Website Jahrgang 1966, kam 1993 zu den Kampfkünsten, also erst mit 27 Jahren, betrieb ab 1995 die Gründung des Tempels in Kaiserslautern, der 1997 ins Leben gerufen wurde - wo er dann bereits Lehrer für Kampfkunst war. "Bei der Gründung wurde er von ranghohen Vertretern des Shaolin Tempels zum Sitaigung auf Lebenszeit bestimmt und diese Ernennung später vom jetzigen Abt Shi Yong Xin [des Shaolin-Tempels in China] bestätigt. Seit dieser Zeit hat er das Erbamt inne." Seit 2001 fungiere er auch als "buddhistischer Lehrer". Seit 2004 sei sein Tempel auch offizielle Novizen-Ausbildungsstätte der Shaolin.

Wenn wir nun bedenken, dass Shi Yong Xin, der 30. Abt von Shaolin, selbst erst 1999 ins Amt kam, wissen wir auch, dass der Tempel in Kaiserslautern von Anfang an eine fragwürdige Shaolin-Institution gewesen sein muss. Wer soll den bärtigen Deutschen denn davor bitteschön zu irgendetwas ernannt haben? Mit Shi Yong Xin, der sich gern neben politischer Prominenz ablichten lässt und ein gutes Kadermitglied zu sein scheint, zog der Kommerz und Managerdenken in den chinesischen Shaolin-Tempel ein. Allein mit Ticketverkäufen an Besucher werden jedes Jahr umgerechnet Millionen Euro in wessen Kassen auch immer gespült.

Während der ganzen Doku fragte man sich, wieso von den Reportern nicht die entscheidenden Fragen gestellt wurden. Z.B. an den Abt: "Was können Sie eigentlich? Können Sie mal was vorführen? Wie steht's denn mit ihrer buddhistischen Ausbildung?"

Ich kenne mich nicht so aus mit Autos, aber ein größeres fuhr er schon, wenn auch wohl keinen Lexus wie das Freundchen aus Phat Hue. Offenbar drücken die Neulinge, die zur Probezeit in den Tempel kommen, 700 Euro ab (und geben meist ob der Strapazen auf). Ich denke mir, wenn man da einen kontinuierlichen Fluss an Probanten hat, kommt finanziell ganz schön was rein, und man bewahrt sich den Nimbus des Elitären.

Befremdlich war die eine - auch in der Sendung Galileo einst von chinesischen Mönchen aus dem Berliner Shaolin-Tempel gezeigte - Übung, bei der eine Nadel mit hoher Geschwindigkeit eine Glasscheibe durchtrennen soll, um einen dahinter befindlichen Ballon zum Platzen zu bringen. Solche Gags sind Show-Shaolin. Aber den faulen Reportern fällt auch da nichts auf. Immerhin ganz witzig die Doku danach, wo ein paar junge Deutsche direkt in die Umgebung von Shaolin gingen und ausgerechnet die Vermarktung des Klosters kritisierten. Sie zeigten, dass sich praktisch jeder Eisenfeilen auf seinem Schädel zertrümmern kann - wenn er nur weiß, wo er treffen muss.

Ich ziehe meinen Hut vor all diesen jungen Menschen. Einst ging ein zwölfjähriger deutscher Knabe ins chinesische Kloster und blieb einige Jahre dort, die Doku hab ich noch irgendwo auf Video. Kürzlich wurde ein junger Mann aus Leipzig im TV porträtiert, der schon länger in Shaolin lebt. Und nun muss man  nur noch nach Berlin reisen, um Shaolin-Mönchen zu begegnen. Waren das noch Zeiten, als ich davon träumte, in den 80er-Jahren über Tibet illegal in den gerade wieder geöffneten Shaolin-Tempel im Songshan-Gebirge einzuwandern, was meine Eltern zu der Bemerkung veranlasste: "Da können wir uns ja gleich nen Grabstein in den Garten machen."

Als die Markenrechte an Shaolin noch nicht so umkämpft waren (und ich, wäre ich schlau gewesen, sie mir selbst gesichert hätte, um nun alle, wirklich alle, auch Shi Yong Xin, alt aussehen zu lassen), war ich einer der ersten Bühnentruppen der Shaolin in Frankfurt begegnet. Mit einer Dolmetscherin überzeugte ich mich davon, dass ihr Ältester ein echter buddhistischer Mönch war (UND Kung Fu konnte!). Ein jüngerer Mann, Deding, damaliger "Deputy Director & Chief Master of Songshan Shaolin", drückte mir etwas verlegen seine Visitenkarte in die Hand. Er hat sich inzwischen abgesetzt und betreut in den USA Bühnenshows, wo er auch eine Familie gründete. Anfragen zu seiner Person beantwortet der Tempel nicht. Ich bekam von lächelnd-muskulösen Mönchen zwei kleine Glücksbringer aus Jade geschenkt, die man am Hals tragen kann, und ein Buch über den Luohan-Faustkampfstil (mit unsäglich schlechten Fotos). Das war alles sehr bewegend. Es führte immerhin zu ein paar Semestern ostasiatischer Philologie, neben meiner damaligen Begeisterung für den Hung Gar-Stil.

Bei der Wiedereröffnung des Tempels 1983 hatte ausgerechnet der Spiegel, das Printmagazin, eine wirklich fundierte Reportage publiziert, in der auch der Mönchsälteste, den man zeitweilig zu Zwangsarbeit verdonnert hatte, zu Wort kam. Er war über 80 Jahre alt, zeigte ein paar Körperübungen und meinte dann: "Ein Shaolin-Mönch zu sein und kein Kung Fu zu können, galt immer als Schande."

Mir ist jetzt klar geworden, wie der Satz auch zu verstehen ist. Nämlich so: "Kung Fu zu können und kein echter Mönch zu sein, ist eine Schande für jeden Shaolin."

Montag, 11. Januar 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 52

---52---

Nicht erleuchtet?

Ein gewisses Gemeindemitglied bat einen Obermönch, die Eröffnungszeremonie für einen anderen Tempel zu halten. Meister Shintetsu hörte davon und sagte: „In Ordnung. Es ist nur schade, dass er nicht erleuchtet ist.“ Der Obermönch bekam das mit, legte sein Gewand an und begab sich zum anderen Tempel. Shintetsu, der sich bereits dort befand, vertrieb ihn mit seinem Stock.


Meister Kidô:

Wie konnte ich es wagen,
mich gegen meinen Meister zu stellen?

Meister Hakuin:

„Probier mal das!“
So sprechen und mit dem Stock vertreiben.

Samstag, 9. Januar 2010

Sind Tiere erleuchtet?

Über Mongens Kommentar (weiter unten) stieß ich auf seinen Ravenzen Blog und von dort auf seinen Lehrer Jundo Cohen Roshi. Der bietet online an, mit Fragen oder Problemen zu ihm zu kommen. Also stellte ich ihm die Frage: "Are animals enlightened/awakened (and what about plants)? Sind Tiere erleuchtet/erwacht - und wie steht's mit Pflanzen?" Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, und ich möchte sie Euch nicht vorenthalten:

"Perhaps you should ask the dogs and plants? I would think that they may not think about such things, and do not need to, in the ways we do. I once interviewed a rock who told me so ... [Anm. Gui Do - das Filmchen auf der Site geht leider im Rauschen unter.]

Does a dog have Buddha Nature? Master Dogen often wrote that the trees, mountains, tiles, stones (and dogs and cats) preach the Dharma.

Wondrous! Marvelous!
The teachings of the insentient are inconceivable.
If you listen with the ears, you won't understand.
When you hear with the eyes, then you will know

in writings such as Mujo Seppo he wrote such words as ..

“Just what is a sentient being? Just what is a nonsentient being?” ... For the moment, you should reflect on whether or not there are grasses and trees and forests in the realm of the nonsentient, and whether or not the realm of the nonsentient is intersecting, or mingling with, that of the sentient. At the same time, to take such things as grasses and trees or tiles and stones to be nonsentient is to be less than fully educated. And to believe that being nonsentient means being grass and trees or tiles and stones is to tire of exploring the Matter."

Soweit Jundo. Er zitiert also erwartungsgemäß Dogen: "Was ist ein fühlendes Wesen? Was ein nicht-fühlendes Wesen?" Und: "Die Lehren der empfindungslosen Dinge sind unbegreiflich. Wenn du mit den Ohren hörst, verstehst du nicht. Hörst du aber mit den Augen, dann begreifst du."

Ich glaube, wir sind da auf einer Wellenlänge, wenn Jundo rät, sich nicht damit zu begnügen, Gräser, Bäume oder Steine als empfindungslos oder nicht-fühlend anzusehen. Ich möchte jedoch noch weiter gehen (und die Roshis, die ich wohl auch in Zukunft mit Fragen dieser Art belästige, können ja nicht wissen, wo ich stehe) und die Frage eindeutiger beantworten.

Ja, Tiere sind erwacht. Das Erwachtsein ist das Einssein mit der Buddha-Natur. Wer damit eins ist, muss es nicht erst werden.

Kürzlich definierte eine Bekannte, die den Nyingma nahesteht, das erwachte Tier so ähnlich, wie es der Abt eines burmesischen Tempels mir gegenüber tat: Es sei ein Tier, das anderen (z.B. Menschen) hilft, das Gutes tut. Ich fragte sie, was dann mit dem Floh sei, und ich sagte, dass manche Bakterien, etwa unsere Darmbakterien, ja genau das täten und uns hilfreich sind.

Der Buddha-Weg, ein Weg auch des ethischen Handelns, ist jedoch nicht für diese Tiere gemacht, sondern für uns Menschen - oder wenn man so will, nur für "das schlimmste Tier von allen" (wer weiß, wer das sagte?).

Wir sollten uns verneigen vor all den Wesen, die schon so viel länger auf der Erde weilen als wir. Selbst vor einer Amöbe sollten wir Gasshô machen, denn sie verwirklichte die Buddha-Natur bereits, als es noch gar keinen Buddha gab.

Freitag, 8. Januar 2010

Sawakis Dharma-Erbe Sodo Yokoyama (Teil 1)

[Die folgenden Ausschnitte stammen aus Arthur Braverman: Living and Dying in Zazen, mit freundlicher Genehmigung des Autors. Übersetzung: Melanie Lieberknecht. Die Texte waren schon einmal im "Zenforum" zu lesen.]

Sodo Yokoyama: „Ich ging von Kyoto nach Kaikoen in die Stadt Komoro, um für vorbeiziehende Reisende auf einem Blatt zu spielen, das war im April 1958, als ich zweiundfünfzig Jahre alt war. Zehn Jahre später begannen einige Reisende, mich Opa zu nennen. Jetzt nennen mich Alt und Jung so. Dennoch sehe ich mich nicht mal in meinen Träumen als Opa. Auf dem Blatt zu blasen, ist eine Beschäftigung, der Kinder nachgehen. Erwachsene und ältere Leute blasen nie auf einem Blatt. Aber die Leute heutzutage wissen das nicht, deswegen nennen sie mich den „auf dem Blatt spielenden Opa“. Der auf einem Blatt blasende Geist ist ein kindlicher Geist. Weil ich auf einem Blatt spiele, kann ich den Leuten erzählen, ich sei vierzehn Jahre alt.

[Anm. von Gui Do: Achtung, vor Benutzung des Youtube-Videos die Lautstärke runterdrehen ;-)]



Ich werde oft nach meinem Alter gefragt. Es würde sich merkwürdig anhören, wenn ich vierzehn sagen würde, darum sage ich neunzehn. Urlaubsreisen sind in den letzten Jahren beliebt geworden. In Kaikoen kam auch eine Gruppe älterer Männer und Frauen zu Besuch und hörte mir beim Spiel zu. Es bleibt nie aus, dass mich wenigstens einer nach meinem Alter fragt. Ich antworte immer 'Neunzehn'. Diese Antwort macht die älteren Leute glücklich.

Alte Menschen wollen sich jung fühlen. Darum sage ich ihnen, sie müssen alle neunzehn werden. Einmal kamen drei Frauen in ihren Sechzigern in dieses Bambuswäldchen. Nachdem sie meinem Spiel zugehört hatten, waren sie extrem glücklich. Sie meinten, sie würden reisen, weil die Tatsache, dass sie alt wurden, sie einsam mache. Sie waren auf eine Reise aufgebrochen in der Hoffnung, sie würde ihren Lebensgeist stärken. Sie seien froh, hierher gekommen zu sein.“

Etwa acht Jahre wohnten Yokoyama und Uchiyama, als ihr Lehrer Kôdô Sawaki noch am Leben war, zusammen im Antaiji. Sawaki war in ganz Japan als gebildeter Mönch bekannt, der Zen lehrte und Zazen auf eine Art übte, die man als „nur sitzen“ beschreiben kann. Dôgen Zenji, der Begründer der Sôtô-Zen-Schule in Japan, nannte diese Art zu sitzen shikan taza. Sawaki reiste durch Japan, hielt Lehrreden, leitete sesshins in verschiedenen Tempeln und lehrte in der Komazawa-Universität, der führenden Sôtô-Zen-Universität. Aufgrund seines ungewöhnlichen Lebensstils nannte man ihn „Landstreicher Kôdô“, ein Beiname, den er zu genießen schien. Er betrachtete Zazen als das Wichtigste im Leben und gleichzeitig als nichts Besonderes. In seinen Worten: „Wir üben Zazen nicht, um Erleuchtung zu erlangen, sondern wir üben und werden von der Erleuchtung in alle Richtungen gezogen.“

Das Einzige, was er deutlich an seine zwei älteren Schüler weitergegeben hat, scheint die Wichtigkeit von Zazen in ihrem Leben zu sein. Beide waren sich darüber einig, und sie respektierten sich gegenseitig besonders für ihre Hingabe an das Praktizieren. Sie lebten acht Jahre lang im Antaiji, die meiste Zeit für sich. Es war ein großer Tempel für zwei Menschen, ihre Zimmer waren so weit voneinander entfernt, wie sie nur sein konnten und trotzdem unter demselben Dach. Auch ihre Weltanschauungen schienen sich ziemlich zu unterscheiden.

Yokoyama war wie Ryôkan , er konnte ein Kind sehen, ganz darin aufgehen, mit ihm zu spielen und ganz vergessen, wozu er überhaupt hinausgegangen war. Wenn er nicht mit Kindern spielte, war er mit Poesie, Kalligraphie oder dem Spielen auf einem Blatt beschäftigt: Tätigkeiten, die neben Zazen einen großen Teil seines Lebens ausmachten. Praktische Pflichten, wie sich um Antais Grundstück zu kümmern, standen auf seiner Prioritätenliste nicht weit oben. Aus Uchiyamas Sicht schien er recht verantwortungslos – und im Hinblick auf zu erledigende Dinge war er es auch. Uchiyama fühlte sich dafür verantwortlich, den Tempel in Stand zu halten. Selbst ein Origami-Künstler, konnte Uchiyama die Liebe seines älteren Mitbruders zu den Künsten sicher nachempfinden; doch Antaiji musste instand gehalten werden, und ohne Zweifel war er etwas verärgert, dass die meiste Arbeit ihm zufiel, während Yokoyama mit Kindern spielte. Obwohl Uchiyama abfällige Bemerkungen über seinen Bruderschüler machte, wenn Yokoyama nicht da war, zeigten sie, wenn sie zusammen waren, eine Wärme füreinander, die andere ansteckte.

Als ich [Braverman] der Gedächtnisfeier zum Jahrestag von Sawakis Tod in den frühen 1970ern beiwohnte, genoss ich es, die beiden alten Mönche zu beobachten, wie sie sich gegenseitig neckten. Uchiyama nahm ein Schlückchen Sake, sein Gesicht glühte rot auf und er schien entspannt. Yokoyama rührte keinen Sake an, aber er war so verspielt wie immer. Sie erzählten alte Geschichten vom Leben im Antai und zeigten richtige Zuneigung füreinander. Yokoyama spielte auf dem Blatt und sang ein paar Lieder, und irgendwann am Abend holte Uchiyama sein letztes Origami hervor. Er zog sich früh zurück, gegen neun, und Yokoyama blieb ein wenig länger auf, um mit den Mönchen zu singen. Dann zog auch er sich zurück und die anderen Mönche betranken sich und wurden laut, bevor die Party zu Ende war.

Yokoyama und Uchiyama trugen Artikel zu einem Magazin namens Tsukumo bei. Uchiyamas Artikel über Yokoyama, „Der auf einem Blatt spielende Kamerad“, zeugt von tiefer Wärme:

„Ein einsamer Mönch, der in Kiotos Straßen von 1949 bis 1957 bettelte, nahm plötzlich ein Blatt von einem Baum und legte es sich in den Mund. Dann hörte man den Beginn einer unvorstellbar schönen Melodie. Vielleicht sah man ihn an der Spitze einer Schar Kinder, alle nach der Melodie seines Spiels hüpfend – genau wie beim Rattenfänger von Hameln. Ich bin mir sicher dass sich noch viele Leute in Kioto daran erinnern.

Während sich die Kinder fröhlich um den Mönch scharten, wie es die Kinder vor hundertfünfzig Jahren um Ryôkan taten, bedeckte er plötzlich seinen Kopf mit dem weiten schwarzen Ärmel seiner Mönchsrobe und die Kinder liefen schreiend und in süßem Schrecken davon. Diese Kinder müssen heute um die dreißig Jahre alt sein. Dieser Mönch wurde in ganz Kioto der ‚Blattpfeifende Spieler‘ genannt. Er ist mein älterer Bruderschüler, Sodô Yokoyama. 1957 verließ Sodô-san Kyoto und zog an den Kaikoen-Park in der Stadt Komoro in Shishû (den japanischen Alpen), den Ort, den er am meisten liebte. Dort stürzte er sich wirklich in seine einzigartige Lebensweise und übte Zazen im Wald, spielte auf dem Blatt und erfand und spielte Lieder wie ‚Nahe des alten Schlosses in Komoro‘.“

Yakuza als Bettelmönche

Vor drei Jahren strahlte Fuji TV einen Bericht über falsche Mönche beim Betteln aus. Zu Beginn kommt auch kurz Muho, der (echte) Abt des Antaiji, zu Wort, der den Fakes auf seinen Bettelgängen zur Tag- und Nachtgleiche schon begegnet ist. Susanne König hat dankenswerterweise den Beitrag ins Deutsche übersetzt.

[Der Film auf Youtube wurde inzwischen leider entfernt.]

VERFOLGT!!! RÄTSELHAFTE GRUPPE VON BETTELMÖNCHEN

Sprecher: Vor den Tempeltoren sieht man manchmal Mönche, die um Almosen bitten.

Definition des Wortes Takuhatsu (um milde Gaben bitten) eingeblendet: Mönche in der Ausbildung gehen von Tür zu Tür und bitten um ein Almosen mit ihren metallenen Schälchen.

Sprecher: Sie stehen in den Tempeln oder laufen durch die Straßen und erhalten Opfergeld. Aber es heißt, darunter seien auch einige schwarze Schafe.

Ein Mann, der oft als Mönch auftaucht: Wir lesen Handlinien, schreiben auf den Handrücken Sanskritzeichen. Solche Sachen machen wir. Normalerweise machen Bettelmönche so etwas nicht. Gelegentlich gibt es da auch schon einmal Ärger.

Sprecher: Vor 16 Jahren kam dieser Deutsche nach Japan und ist heute in diesem Tempel der Hauptpriester. Er sagt zu den Bettelmönchen Folgendes.

Muhô (Hauptpriester des Antaiji-Tempels): Mönche, die um Almosen bitten, gehen eigentlich den Weg Buddhas. Obwohl man sie dabei unterstützen sollte, gibt es etwa gewisse rivalisierende Reviere nach dem Motto „Das ist hier mein Platz. Also geh weg!“. Es kommt dann zu Streitereien. Darunter sind auch Personen, bei denen man sich fragt, ob diese Leute wirklich echt sind.

Sprecher: Was für Mönche sind das eigentlich? Wenn man einen Ort wie diesen beobachtet, an dem oft Mönche stehen, so fällt auf, dass diese Frauen und Männer im Mönchsgewand einen Rucksack auf dem Rücken tragen. Sie scheinen sich untereinander zu kennen. Sieht man sich den einen Mönch hier von der Nähe einmal an, fällt auf…

Reporter: Er kaut Kaugummi.

Sprecher: … dass er Kaugummi kaut während er bettelt. Der andere Mönch von vorhin ging auf einen nahe gelegenen Parkplatz zu. Was macht er denn da, verdeckt von den Autos? Er zieht sich um. Dann steigt er in ein Auto ein (zusammen mit drei weiteren Männern). Gehören diese Männer wohl zusammen?
Wir konnten am Wochenende den Mann, der den Wagen fuhr, vor einem Schrein wieder finden. Eifrig spricht er die Schreinbesucher an.

Bettelmönch: Dies ist die Lebenslinie. Der Wahrsager achtet hierauf.

Sprecher: Er scheint aus der Hand zu lesen.

Bettelmönch: Wenn sich dieses Zeichen verlängert…

Sprecher: Er sagt, dass er die Lebenslinie verlängern kann.

Bettelmönch: Sehen Sie! Sie verlängert sich. Das ist die esoterische Lehre des Buddhismus.

Sprecher: Als nächstes untersucht er die Augen.

Bettelmönch: Bei Ihnen beginnt der grüne Star. Wenn Sie eine Augenmedizin nehmen, wird das wieder.

Schreinbesucher: Ich hatte einmal eine Operation wegen grauen Stars.

Bettelmönch: Wegen des grauen Stars gibt es keine Probleme. Der ist weg.

Schreinbesucher: Ich habe keinen grünen Star, wie Sie sagen. Ich gehe doch jeden Monat zum Arzt.

Bettelmönch: Warum sagt es der Arzt Ihnen nicht?

Schreinbesucher: Sie sagen, ich soll zum Arzt.

Bettelmönch: Das heißt grüner Star.

Sprecher: Dies ist weit entfernt von dem allgemeinen Bild eines Bettelmönches. Wir haben hier eine Kopie des Zettels, den der Mönch öfters den Schreinbesuchern aushändigt. Darauf stand sogar eine Adresse.
Offiziell gemeldet ist hier niemand. Am Eingang steht „Wohnheim“ und an der Wand ist eine Sicherheitskamera angebracht.
Als wir das Gebäude beobachteten sahen wir doch tatsächlich unseren Mönch. Dann folgten Männer und Frauen, alle mit großen Taschen, die fort gingen. Einer darunter ging zu einem Tempel im Stadtzentrum von Osaka und bat dort unbemerkt um Almosen. An der gleichen Stelle daneben steht nun auch eine Frau.

Reporter: Die Frau hat Geld bekommen. Sie hat wieder etwas bekommen.

Sprecher: An diesem Tag wimmelt es von Tempelbesuchern. Innerhalb von zehn Minuten hat die Frau von fünf Leuten eine Spende erhalten.
Die Mitglieder dieser Gruppe hier stehen anstelle von Mönchen und betteln. Obwohl sie keine rechtmäßigen Mönche sind, stehen sie zwischen den richtigen Mönchen und bitten um Almosen. Wir fragen einmal bei den Tempelbesuchern nach, die ein Almosen gegeben haben.

Reporter: Wenn Sie etwas Geld hätten, würden sie ein Almosen geben?

Ein Tempelbesucher, der ein Almosen gegeben hat: Ich gebe gar nichts.

Reporter: Was glauben Sie, wofür das Geld verwendet wird?

Eine ältere Frau: Wird das nicht für die Kosten des Tempels verwendet?

Sprecher: Sie sagen, da es Mönche des Tempels sind, haben wir ein Almosen gegeben. Doch wie sieht es aus, wenn jemand, der kein Mönch ist, bettelt? Der Rechtsanwalt Herr Asai, der sich gut mit der Problematik auskennt, sagt dazu Folgendes.

Herr Asai: Ich denke, hier handelt es sich um ein Betrugsvergehen. Sich als Mönch auszugeben, ist bereits eine Tat, und das getäuschte Opfer hat Geld ausgehändigt, und dieses Geld wird zum Schadensbetrag.

Sprecher: Aber sind diese Leute Mönche?
An diesem Tag fragten wir auf der Straße zu einem Tempel direkt einen bettelnden Mönch aus dieser Gruppe.

Reporterin: Sagen Sie mir doch nur, aus welchem Tempel Sie sind!

Bettelmönch 1: Das geht Sie nichts an.

Reporterin: Was geht mich nichts an?

Bettelmönch 1: Das brauche ich doch nicht zu sagen.

Reporterin: Ich glaube, es gibt Leute, die so tun, als wären sie Mönche.

Bettelmönch 1: Das reicht jetzt! Sie stören mein Geschäft!

Reporterin: Was heißt hier Geschäft?

Bettelmönch 1: Kein Geschäft in dem Sinne. Aber Sie stören!

Reporterin: Sagen Sie mir nur Ihren gesetzlichen Namen!

Bettelmönch 1: Das brauche ich euch nicht zu sagen.

Reporterin: Gibt es Leute, die sich als Mönche ausgeben?

Bettelmönch 1: Das geht Sie nichts an. Das geht Sie nichts an.

Sprecher: Und abermals …

Reporterin: Entschuldigen Sie, aus welchem Tempel sind Sie?

Bettelmönch 2: …

Reporterin: Haben Sie in einem Tempel die Befähigung als Mönch erhalten? Sie haben sie nicht eigens erhalten?

Bettelmönch 2: …

Sprecher: So der Inhalt ihrer Antworten. Doch dieser Mann hier ist weitaus offener.

Reporter: Machen Sie das allein?

Bettelmönch 3: Ja.

Reporter: Sind Sie Mönch?

Bettelmönch 3: Genau.

Reporter: Aus welchem Tempel sind Sie?

Bettelmönch 3: Diejenigen, die sich in der Ausbildung befinden, sagen das nicht.

Reporter: Warum ist das so?

Bettelmönch 3: Normalerweise sagt man das nicht.

Reporter: Gibt es Gründe, dass Sie es nicht sagen können?

Bettelmönch 3: Einen Grund gibt es nicht.

Reporter: Wohnen Sie nicht an dem gleichen Ort wie die Frau gegenüber?

Bettelmönch 3: Nein, das stimmt nicht.

Reporter: Aber Sie wohnen doch in der Stadt X an der gleichen Adresse, nicht wahr?

Bettelmönch 3: Hm, diese Person … ich kenne sie nicht.

Sprecher: Warum verheimlicht er, dass er den anderen Mönch kennt?

Reporter: Diese Person …

Bettelmönch 3: Die kenne ich nicht. Kenne ich nicht.

Reporter (an Bettelmönch 4 gewandt): Kennen Sie diesen Herrn?

Bettelmönch 4: Ich kenne ihn nicht.

Sprecher: Wir konnten einen Mönch interviewen.

Bettelmönch 3: Das wird getrennt gemacht.

Reporter: Du machst das aus freiem Willen?

Bettelmönch 3: Ja, genau. Wenn ich Sorgen hatte, konnte ich kommen. Es gibt Leute mit Problemen, die gar keinen Ort haben, wohin sie gehen können. Diese Leute finden nur eine Bleibe.

Sprecher: Der Mann sagt, dass es sich um eine Gruppe handelt, in der sich diese Bettelmönche zusammen mit einem Wohnungsbesitzer für eine Miete von 42.000 Yen zusammentun.

Bettelmönch: Ich denke, jeder wohnt für sich allein. Wonach ich mich sehne, ist Verantwortung.

Reporter: Warum beenden das nicht diejenigen, die zum geistlichen Stand gehören?

Bettelmönch: Ich kann das nicht beenden. Das ist eben Religionsfreiheit.

Reporter: Dann darf ich also gleich ab morgen um Almosen betteln?

Bettelmönch: Das ist schwer zu sagen.

Sprecher: Als letztes telefonierte unser Reporter an seinem Arbeitsplatz mit dem Tempel.

Herr Nakamura (Verwaltungschef des Tempels): Bis Anfang 1991 haben wir Genehmigungen für das Betteln erteilt. Danach haben wir das nicht mehr getan. Wenn dies wirklich weiter betrieben wird, gibt es in der Tat ein Problem. Religiöses Handeln weicht ab von der Denkart einer Ausbildung an sich, bei der man um Almosen bettelt.

Sprecher: Danach rief unser Reporter beim Japanischen Verband des Buddhismus an (zennihon bukkyôkai).

Herr Eguchi (Abteilungsleiter der Informations- und Kulturabteilung): Das ist schlimm. Man braucht doch eine Erlaubnis zum Betteln oder etwas Entsprechendes. Darüber hinaus, wenn man sich als Mönch ausgibt, heißt das doch, dass jemand gewiss ein buddhistischer Geistlicher ist, nicht wahr. Was ich Ihnen hier nicht beantworten kann, das ist, ob man Geistliche lediglich betrügt. Ich denke keinesfalls, dass so etwas einfach erlaubt wird.

Sprecher: Natürlich gibt es Religionsfreiheit. Doch viele Leute sind hiermit wohl nicht einverstanden.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Nächster Blog

Ich muss schon wieder bloggen. Faszinierend. Habe gerade mal diese Seite angeschaut und dachte: "Heh, da ist ja oben in der Leiste ein Link 'Missbrauch melden', da kann ich ja gleich mal diesen vietnamesischen Abt aus der Pagode zum Goldenen Schwanz ..." So einfach ist es dann doch nicht.

Umso erstaunter war ich über den Link rechts daneben, der den Namen "Nächster Blog" trägt. Ich weiß ja nicht, was passiert, wenn Ihr den jetzt anklickt, ich jedenfalls kam von einer Seite mit Hochzeitsfotos auf die nächste. Entweder waren die Blogs privater Natur oder - meist - kommerziell. Mann, was es alles gibt! Und weil meistens noch schöne Asiatinnen abgelichtet waren, für die ich ja eine Schwäche habe, klickte ich weiter und weiter. Bis mir der Gedanke kam, es sollte neben den Hochzeitsfotografen auch die Scheidungsfotografen geben. Ja, wie sehen wohl all diese Websites in zehn, fünfzehn Jahren aus? Immerhin scheint eine was zu ahnen, denn sie besitzt den Humor, ein Zählwerk auf ihrem Blog zu installieren, auf dem Tag, Stunden, Minuten und gar Sekunden gezählt werden, die seit der Heirat vergangen sind. Wie viele solcher Uhren blieben wohl schon stehen?

Übrigens ist das Filmchen, das die Trauungszeremonie und -feier der beiden Verliebten zeigt, so professionell wie ein Hollywood-Spielfilm. Ich habe mich mehrmals gefragt: "Ist das echt?" Diese Frage sollte man sich eigentlich nicht stellen, wenn zwei Menschen den 'Bund fürs Leben' schließen. Da fällt mir der Deutsche ein, den ich in Bangkok am Flughafen traf, mit seiner gerade Angetrauten. "Und", meinte ich, "wie viel hast du an die Eltern gezahlt?" Denn in Thailand heiratet man bekanntlich die ganze Familie mit. "Nix", meinte er, "sie ist Vollwaise."

Thank you, thank you, my parents, for feeding me. Habt Ihr gewusst, dass Ihr alle weit über hunderttausend Euro wert seid, wenn Euch Eure Eltern bis ins Erwachsenenalter durchgefüttert haben? Und das Ende wird meist noch teurer als der Anfang. Vergesst also nicht, das Leben aus dem Sarg zu betrachten, das ist die luxuriöseste Einstellung, die man haben kann.

Kidô Goroku Kôan Nr. 51

[Beim "Kidôgoroku" handelt es sich um eine Sammlung von Aussprüchen Meister Kidôs - kurze Kommentare zu Kôan, von denen einige uns noch unbekannt sein dürften. Hakuin ergänzte diese Sammlung mit ebenso prägnanten Bemerkungen. Sie stellen den letzten Teil des "Gendai Sôjizen Hyôron" dar, einem Buch, das einst für Aufsehen sorgte, weil es die üblicherweise von Zen-Lehrern anerkannten Antworten auf klassische Kôan preisgab. Der chinesische Meister Kidô Chigu (eigentlich Hsü-t'ang chih-yü) lebte in der Sung-Dynastie, Hakuin von 1685-1768. - Einige Kôan werden hier in den nächsten Monaten veröffentlicht, schon bald wird ein kleines Büchlein daraus.]

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Wie alt ist Monju Buddha?

Einst besuchte ein Wohltäter einen Tempel und schenkte jedem Mönch gemäß seinem Alter Geld. Der Tempelvorsteher bat ihn: „Bitte legt einen Teil Eurer Spende vor die heilige Monju-Statue.“ Der Wohltäter fragte: „Wie alt ist Monju Buddha?“ Der Tempelvorsteher wusste keine Antwort.


Meister Kidô:

Die Finger krümmen, um die Zahl zu zeigen.

Meister Hakuin:

Frag mal Monjus Gehilfen.

Mach Dir keinen Kopp ...

Schon wieder ist mir das Wasser aus dem abgedeckelten mittelgroßen Mikrowellen-Gefäß gespritzt, als ich mit dem dafür vorgesehenen Programm "A-5" meine Spaghetti kochte. Die ganze Mikrowelle ist von innen nass. Muss ich nun erst den Stecker ziehen, ehe ich sie trocken reibe?

Apropos Stecker ziehen ... Es gibt ja Foren, wie buddhaland.de, die glauben, wenn sie zensieren - und andere Foren zur Zensur treiben -, könnten sie die Wahrheit unterdrücken. Drum schreibe ich es hier nochmal:

Wolfgang Zensho Kopp ist kein authorisierter Zen-Meister. Er beruft sich auf Soji Enku - das ist aber nichts anderes als der Mönchs (Ordinations)-Name von Francois Viallet, den er von Uchiyama Roshi bekam. Viallet war selbst ein guter Übersetzer und Schüler, aber kein authorisierter Meister, konnte demnach niemanden wie Kopp zu einem Lehrer ernennen. Da Viallet auch in meiner Heimatstadt Frankfurt aktiv war (und 1977 im Zendo starb, wie man mir erzählte), sollte ich dies mal wiederholen. Sein Sohn, ein weitgereister Kinderarzt, hat mir mal ganz problemlos die Genehmigung für den Reprint von Uchiyama Roshis Kommentaren zum Tenzo Kyokun gegeben (Deutsch: "Zen für Küche und Leben".) Das ist der Zen-Geist. Und nicht sich aufs Sofa lümmeln, wenn die Schüler meditieren, oder irgendwen zur Zensur anstiften. (P.S.: Arnold Grunwald aus Lüneburg, dessen Uchiyama-Buch laut Amazon-Rezension "beim Lesen zerfiel", bitte bei mir melden, ich schicke kostenlosen Ersatz - bei mir klebt's noch).

Und jetzt frag ich mich, ob dieser Kopp mit ihm verwandt ist: "Zen-Meister" Johannes Kopp. Einer seiner Schüler sagt (etwa bei Minute 2): "Ich arbeite mit dem Koan Mu." Darauf der Kopp: "Du bist erkältet."

Ja, da spricht der Seelsorger. Obacht, wenn man Zen und Christentum mischt. Der Zen-Meister fragt: "Wer ist erkältet?"

Wie auch immer, als ich heute beim Arzt Schlange stand, um meine Überweisungen abzuholen, und vor mir eine hübsche Frau hüstelte, da bin ich gleich ein bisschen zurückgetreten. Obwohl ich kein Ich habe, will da was nicht erkältet sein ...

Dienstag, 5. Januar 2010

Zen ist ganz einfach!


Ein paar deutsche Worte von Professor und Zen-Meister Hirata (Abb. links) aus dem Tenryuchi-Tempel. Der von ihm ordinierter Schüler Ulrich Haas (Sôshiki Seizen) bietet Unterricht auf dem Teeweg (Urasenke-Schule) und Zazen an: Wer schon mal da war, kann gern im Kommentar seine Eindrücke schildern.

Wie man die Werbetrommel für seine eigenen Erfindungen rührt, zeigt ein anderes Interview auf Youtube mit Genpo Merzel, der - nach etwa 7 Minuten - behauptet, man könne beim Anschauen seiner "Big Mind"-DVDs erwachen. Hehe. Ich empfehle "Apocalypse Now" von Coppola oder "This Is Love" von Matthias Glasner, denn wenn man Genpos Rat folgt und nicht "zu verkopft" an diese Filme herangeht, dann führen sie auch zum Erwachen. Und das Beste - ich verdiene keinen Cent daran! Genpo erhielt "inka shômei", die Dharma-Übertragung, von Bernie Glassman. Ich mache mir da so meine Gedanken ... Später werde ich mal die Körpersprache einiger buddhistischer Leute analysieren, dann wird's hier noch komischer.

So, ich kann das auch. Und weil ich meine Rübe nicht vor jede Kamera halte, kann man mir auch nicht so leicht auf die Schliche kommen. Hier also ein bisschen Werbung für einen Zen-Lehrer, der ebenfalls von einem "huge, clear, liberated mind" - einem großen, klaren, befreiten Geist - spricht, ohne allerdings ein Copyright darauf zu beanspruchen: Shodo Harada Roshi (Abb. links). Ein interessantes Porträt aus den USA (englisch) findet sich - in 7 Teilen - hier. (Ich frage mich jetzt schon, wie lange diese Links funktionieren werden.)
Harada Roshi erzählt einiges aus seinem Leben, z.B. wie er seinem Meister Yamada Mumon begegnete (den wir ebenfalls in älteren Filmaufnahmen lächeln sehen), und verbindet es mit der Zen-Lehre und den Schwierigkeiten des modernen Lebens. Wer seine Kommentare zu Bodhidharmas Überlieferung lesen will, besorge sich das.

[Foto Harada Roshi: Felipe Naranjo, Seattle/Washington (USA); Foto Hirata Roshi: zuern.org.]