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Pico Iyer: Singende Nonnen und Hannya-Dämonen

Pico Iyer ist ein hierzulande noch zu wenig übersetzter, wohl etwas eitler englisch-indischstämmiger Autor vor allem von Reiseberichten. Er verfasste u.a. Bücher über den Dalai Lama (den er recht naiv darstellt) und Kuba. In The Lady and the Monk (Vintage 1992) beschreibt er detaillreich und vor allem mit präziser Wiedergabe und Analyse der Sprachbarrieren seine sich entwickelnde Beziehung zu einer verheirateten Japanerin. Wie der Titel schon andeutet, kam Iyer bei seinem Japanaufenthalt auch mit dem Zen in Berührung und traf einige andere Westler, die dort ihr Heil suchten. Ich erlaube mir, einige der interessantesten Erkenntnisse seiner Figuren ins Deutsche zu übertragen. "Professionelle Frauen waren lange als Daruma bekannt, weil sie wie die beinlosen Daruma-Puppen bei Berührung erst taumelten und dann zurückprallten. Und 'dunkle Weiden, leuchtende Blumen' - eine Zen-Metapher für die Buddha-Natur - war lange ein Euphemismus für die Vergnügungsviertel, wie ich .....

Die Formel des Einsseins

Sie lautet eingedeutscht: V = 2I + 2A = E V: Rechtes Verständnis I: Impermanenz (Unbeständigkeit) und Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit) A: Annehmen und Anerkennen E: Erleuchtetes Leben Die Formel stammt vom Shin-Priester Koyo Kubose , der auch mal bei Uchiyama Roshi saß und in dem Filmchen unten seine Sammlung von Daruma-Puppen und -Utensilien vorführt. Diese Puppen sind in Japan das Pendant zu unserem Stehaufmännchen: siebenmal hinfallen, siebenmal wiederaufstehen (ja, sieben Mal genügt!). Mit dem Shin-Buddhismus werde ich mich hier sicher mal ausgiebiger beschäftigen. Heute, nach einem Tag mit viel Papierkram und Buchhaltung, mag der Hinweis genügen, dass dessen Priester oft einen erfrischenden Predigtstil pflegen, der mich an jenen von Baptisten erinnert. Wie auch immer man dazu steht, Zen und der Shin-Buddhismus sind sich wohl näher, als manche westliche Zen-Adepten glauben wollen.