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Posts mit dem Label "Hui-neng" werden angezeigt.

Huinengs Plattform-Sutra

Meditation und Weisheit sind von einer Essenz und nicht verschieden. Meditation ist die Essenz von Weisheit, und Weisheit ist die Wirkung von Meditation. Zur Zeit von Weisheit existiert Meditation in dieser Weisheit, zur Zeit von Meditation existiert Weisheit in dieser Meditation. Versteht diese Doktrin vom gleichgestellten Studium von Meditation und Weisheit. Ihr, die ihr den Weg studiert, dürft nicht behaupten, sie seien verschieden, oder dass zuerst die Meditation käme und Weisheit erzeuge oder umgekehrt. Was also ist Sitzmeditation (zuochan)? Wenn alles Anhaften an äußere Dinge abgeworfen wird, alles Aktivieren von Gedanken an gut und böse, dann heißt dies ‚sitzen‘ (zuo). Innerlich die Bewegungslosigkeit der Selbst-Natur zu erkennen heißt ‚Meditation‘ (chan). ***   Auf die Frage, ob er der Süd- oder Nordschule des Chan (Zen) angehöre, antwortete einst ein Vertreter der Ochsenkopf-Schule: "Weder noch. Der Geist ist meine Schule."   Wie ich hier...

Warum es viele sechste Patriarchen gab

Beschäftigen wir uns nun mit einigen Aspekten des chinesischen Chan, die die frühe Übertragungshagiographie und den etwas künstlichen Streit um plötzliche oder allmähliche Erleuchtung kennzeichnen. Ich fand einen alten Aufsatz von Hu Shih (1891-1962), einem chinesischen Philosophen und Diplomaten, der zeitweise Präsident der Peking Universität war und sich besonders für die Verwendung von Umgangssprache in der Literatur einsetzte. In “Is Chan (Zen) beyond our understanding?” ( Philosophy East and West , Vol. 3, No 1, 1953) geht es ihm zum einen darum, im Gegensatz zu D. T. Suzuki aufzuzeigen, dass Zen durchaus gewissen Logiken folgt. Zum anderen gelingt es Hu Shih, uns die Bedeutung von Shen-hsiu zu verdeutlichen, der im Alter von über neunzig Jahren von der Kaiserin Wu in die Hauptstadt Changan eingeladen wurde. Er hatte bis dahin ein zurückgezogenes Leben in den Wutang-Bergen verbracht und wurde nun im Jahre 701 buchstäblich an den Hof getragen, wo man ihn bis zu seinem Tod im Ja...

Zum Disput über allmähliche und plötzliche Erleuchtung

John McRae* weist darauf hin, dass es unmöglich ist, die Lehren Hui-nengs (638-713), der als der sechste Patriarch gilt, mit Gewissheit zu bestimmen. Sein Schüler Shen-hui (684-754) zitierte ihn in seinen umfangreichen Schriften nicht, und das Plattform-Sutra stammt aus der Ochsenkopf-Schule und weist mehr Übereinstimmung mit deren Lehre auf als mit der Shen-huis. Die berühmte Zeile aus Hui-nengs Erweckungsversen „Ursprünglich gibt es da nicht ein einziges Ding“ kommt so tatsächlich in Texten der Nordschule Shen-hsius vor (eine informell organisierte Gruppe in den damaligen Hauptstädten Loyang und Ch’ang-an seit Beginn des 8. Jh.s, die von sich als der „Lankavatara-Schule“ und der „Lehre vom Ostberg“ sprach), so dass deren Ideen sich folglich auch im Plattform-Sutra finden. McRae weist anhand verschiedener Texte nach, dass Shen-hui zunächst selbst den Lehren der Nordschule anhing und sich auch in deren Überlieferung Kritik an Punkten findet, die Shen-hui anspricht, darunter auch an de...

Wie Dôgens Zen sich von Hui-nengs unterscheidet
(Auszüge von Carl Bielefeldt)

Carl Bielefeldt ist ein Dôgen-Experte, der einige der Ansichten vertritt, die ich hier schon äußerte. Zum Beispiel die, dass Dôgen ein "politcal manqué" gewesen sei, ein "verhinderter Politiker" (eigentlich ist manqué ja jemand, der eine bestimmte Erwartung oder Ambition nicht erfüllt). Er sagt das im Band "Dogen Studies" von William LaFleur (S. 41). In seinem Buch "Dogen's Manual of Zen Meditation" (Berkeley, London 1988) schreibt Bielefeldt über Hui-neng und die drei attributlosen Schulungen ("three attributeless disciplines", wu hsiang san hsüeh ): Der Unterschied, sagt Huineng, zwischen seiner eigenen Lehre von der spontanen Erleuchtung und der des graduellen Erwachens seines Rivalen aus der Nördlichen Schule, Shen-hsiu, sei der, dass Letzterer noch dem konventionellen Verständnis anhafte und Ethik, Meditation und Weisheit als etwas präsentiere, dass in die Praxis umzusetzen sei. Hui-neng sagt...

Hui-neng vs. Eihei Dôgen

Es wird gerne vergessen, dass der Analphabet Hui-neng (638-713, sechster chinesischer Patriarch im Zen/Chan) bei der ersten Begegnung mit seinem Meister zwar bereits Einsicht in die Buddha-Natur zeigte ("Wie könnten sich die Menschen aus dem Norden und dem Süden in ihrer Buddha-Natur unterscheiden?"), doch zunächst in die Küche abgeschoben wurde. Die hatte zu seiner Zeit noch nicht die Bedeutung, die ihr später Dôgen Zenji im Klosterleben zuwies. So ganz durchschaute ihn also sein Meister wohl noch nicht, zumal Hui-neng dann auch noch immer nicht ordiniert, also Laie war, als er das ihm vorgelesene Gedicht eines Bruderschülers verbesserte und damit endlich auch seinen Meister von seinem Erwachen überzeugte. Dieser riet ihm sogleich, den Tempel zu verlassen. Die Ordination holte Hui-neng zwar später nach, aber als ihm seine Verfolger die Robe klauen wollten, da riefen sie ihn noch "Laie! Laie!". Hui-neng selbst unterschied sich noch weiter von Dôgen, auch wenn der un...

Dôgen, Hui-neng und das Nirvana-Sutra

[Aus Anlass der Kommentare zu den letzten Blog-Beiträgen hier noch mehr von Dumoulin über Hui-neng. Die Frage, inwiefern das Hochsitzsutra und die hier zitierten Stellen daraus Hui-neng zugewiesen werden dürfen, bleibt offen.] Zahlreiche Ausdrücke im Hochsitzsutra des Sechsten Patriarchen sprechen von der «Natur». Außer von der Natur schlechthin, wie im Kernwort vom «Sehen der Natur» (kenshô) , ist die Rede von der «Eigennatur» oder «Selbstna­tur» (jishô), der «ursprünglichen Natur» (honshô), der «Weisheitsnatur» (chieshô), der «Dharma-Natur» (hosshô) und der «Buddha-Natur» (busshô). Der plötzliche Erleuchtungsweg Hui-nengs fügt sich, indem er die Lehre von der Buddha-Natur integriert, allseitig in das Mahâyâna-Denken ein. Die Lehre von der Buddha-Natur aller Lebewesen ist die Zentralbotschaft des wichtigen Nirvâṇa-Sutras, dem Hui-neng gemäß der «Besonderen Überlieferung» als erster Mahâyâna-Schrift begegnet sein soll. Das Hochsitzsutra spricht diesen Vorzug dem Diamantsutra zu, ...

Wenn Zen-Meister irren

Wie amüsant, einen verehrten Meister bei  einem Irrtum zu ertappen.  Vor mir liegen Deshimaru Roshis Kommentare zum Plattform-Sutra, die er im Dojo Paris kurz vor dem legendären Sesshin in Val d'Isère gab: Frage: "Das Plattform-Sutra des 6. Patriarchen, das für das Verständnis von Zen im Westen wesentlich wurde, wurde so interpretiert, dass der 6. Patriarch Eno [Hui-neng] gelehrt hätte, der wahre Weg würde durch die rechte Haltung des Geistes gefunden, nicht durch die des Körpers - also nicht durch die Praxis des Zazen. Können Sie das bitte kommentieren?" [Hier kündigte Deshimaru an, am folgenden Morgen einen ausführlichen Kommentar abzugeben, was er dann tat.] Deshimaru: "Das Dankyo [Plattform-Sutra] enthält viele erfundene Geschichten ohne ein Körnchen Wahrheit (...) Sie wurden für Professoren und Intellektuelle erfunden. (...) Eno (638-718) erhielt die Robe und die Schalen von seinem Meister Konin, als er noch nicht Mönch war. Er wurde erst im...