Donnerstag, 31. März 2011

Die Wiedergeburtslehre stammt aus dem Hinduismus

""Es stimmt", bestätigte Teddy. "Ich lernte eine Damen kennen, und irgendwie hörte ich mit den Meditationen auf." Er nahm die Arme von den Seitenlehnen und stopfte die Hände, wie um sie warmzuhalten, unter die Oberschenkel. "Ich hätte auf jeden Fall einen anderen Körper annehmen und nochmals auf die Erde kommen müssen - ich meine, ich war geistig noch nicht so weit vorgeschritten, daß ich, wenn ich die Dame nicht kennengelernt hätte, nach meinem Tod schnurstracks zu Brahma hätte gehen können, ohne je wieder auf die Erde zurück zu müssen. Aber wenn ich die Dame nicht kennengelernt hätte, brauchte ich nicht in einem amerikanischen Leib wiedergeboren zu werden. Ich meine, es ist sehr schwer, in Amerika zu meditieren und ein geistiges Leben zu führen. Die Leute glauben, man sei eine Mißgeburt, wenn man's versuchen wollte. Mein Vater glaubt ohnehin, ich sei eine Art Mißgeburt. Und meine Mutter - ja, die glaubt eben nicht, daß es gut für mich ist, die ganze Zeit an Gott zu denken. Sie glaubt, es sei schlecht für meine Gesundheit.""

[J.D. Salinger: "Teddy", in: Neun Erzählungen (Reinbek 2005)]

Dienstag, 29. März 2011

Lösen Thich Nhat Hanhs Gebete
eine Kernschmelze aus?

Ja, auch ich habe mich gefragt, wie ich auf die jüngsten Ereignisse in Japan eingehen sollte. Zunächst denke ich an die mir vermittelte Zen-Lehre, die mich das Naheliegende und Alltägliche tun lässt - nicht, als wäre nichts gewesen, sondern so, wie es eben ist. Die Presse verfolge ich sehr aufmerksam, und wie sich die Experten, auch Japanologen und Japaner selbst, gegenseitig Missverständnisse, Klischees und Vorurteile gegenüber den Japanern vorwerfen - um sie dann gleich wieder zu bestätigen. Man könnte aus all diesen Statements eine moderne Koan-Sammlung machen. Gut, dass heute einer dieser Experten die Geschmacklosigkeit der jenigen Deutschen betonte, die entweder aus Strahlenangst schon nach einer Woche ihre Hilfsdienste abbrachen oder aber vorschnell betroffenen Japanern hierzulande Wohnraum zur Verfügung stellen, sie also quasi evakuieren wollten. Wäre ich Japaner, würde ich mir das mehr als zweimal überlegen, in ein emotional und kulturell so stockblindes Land zu fliehen.
    Den Vogel schoss mal wieder Thich Nhat Hanh ab, immer schnell bei der Sache mit empathischen Schreiben, wenn es irgendwo ein großes Unglück gab. Hier ein paar seiner Schmonzetten aus Facebook:
   "we may feel very strongly that we ourselves, in some part or manner, also have died." Alles, was dem Ertrinken nahekam, wenn ich nicht im Schwimmbad oder Meer mal Wasser schluckte, waren bei mir ein paar heftige Asthma-Anfälle. Wie aber sollte ich sterben, wenn ich nicht wirklich sterbe? TNH versucht in diesem Beitrag mehrfach, etwas offensichtlich Getrenntes (individuelles Schicksal und Erfahrung) zu ver-einen. Was mich angeht, ich weiß lediglich, wie lächerlich die Hämorrhoiden sind, die mich gerade wieder plagen, allein z.B. gegenüber erdbebenbedingter Obdachlosigkeit. Ich fühle mich hier und jetzt  zwar besonders lebendig und dankbar. Doch machen wir uns nichts vor, so geht es auch den meisten Überlebenden - sie sind dankbar und froh, dass es nicht sie erwischt hat. Das haben wir gemeinsam. Schon das Ausmaß ihrer Trauer kann ich nicht ermessen. Auch TNH kann dies nicht. Denn wie sagte einst ein echter Zen-Meister: Ich bin nicht andere.
   "The pain of one part of humankind is the pain of the whole of humankind." Eine Hungersnot in der Sahel-Zone ist auch Hungersnot in Deutschland? Ah, das ist Gesülze auf Esoterik-Niveau.
   "This is the best that we can do for those who have died: we can live in such a way that they continue, beautifully, in us." Wie könnten Tote "auf schöne Weise" in uns weiterleben? Was soll diese unerträgliche Poesie im Angesicht von Tränen? Welcher Japaner wollte verdammt noch mal in Thich Nhat Hanh weiterleben? "For those who have died", für die, die umgekommen sind, können wir nichts tun als sie ggf. anständig zu begraben. 
   "Here in France and at our practice centers all over the world, our brothers and sisters will continue to chant for you, sending you the energy of peace, healing and protection." Ja, und da haben wir's. Nun verstehe ich, wieso alles eins ist und miteinander zusammenhängt. In Plum Village wird gebetet, und in Fukushima setzt die Kernschmelze ein. 
   Das ist nun der endgültige Beweis, dass TNHs Dharma-Praxis Schaden anrichtet und das Gegenteil von dem erreicht, was sie behauptet.

Samstag, 26. März 2011

Licht aus! Earth Hour heute ab 20.30 Uhr

Tokusan übte Zazen unter Ryutan. Eines Nachts ging er zum Meister und stellte viele Fragen.  Schließlich sagte Ryutan: "Es ist Nacht. Warum legst du dich nicht nieder?" Tokusan verneigte sich und meinte beim Hinausgehen: "Es ist sehr dunkel draußen." Ryutan bot ihm eine brennende Kerze an. Gerade als Tokusan sie in Empfang nahm, blies Ryutan sie aus.

(Mumonkan, Fall 28)

Donnerstag, 24. März 2011

Asubhâ: Die Meditation in Präsenz eines Leichnams

"Als er ein Jahr zuvor gespürt hatte, dass es ihm immer schwerer fiel, den Anblick von Leichen am Tatort zu ertragen, hatte er das buddhistische Zentrum in Vincennes aufgesucht, um sich zu erkundigen, ob es möglich sei, dort Asubhâ zu praktizieren, die Meditation in Präsenz eines Leichnams. Der diensthabende Lama hatte zunächst versucht, ihn davon abzubringen: Diese Art von Meditation, meinte er, sei schwierig und kaum mit westlicher Mentalität in Einklang zu bringen. Doch als Jasselin ihm seinen Beruf verriet, besann er sich und bat um Bedenkzeit. (...) In Europa werde es zwar nicht praktiziert, (...) aber er könne ihm die Adresse eines Klosters in Sri Lanka geben (...)
   Während seine Frau an den Strand ging, begab er sich jeden Morgen auf einen Totenplatz, auf dem die Leichen von vor kurzem verstorbenen Menschen niedergelegt wurden, um sie vor Raubtieren oder Insekten zu schützen. Und so konnte er bei äußerster Konzentration all seiner geistigen Fähigkeiten und unter Beachtung der Lehre, die Buddha in seiner Rede über das Erwecken der Achtsamkeit auf den Körper zum Ausdruck gebracht hat, achtsam den aufgedunsenen Leichnam betrachten, achtsam den eitrigen Leichnam betrachten, achtsam den zerhackten und zerstreuten Leichnam betrachten, achtsam den madigen Leichnam betrachten. In jedem Stadium musste er achtundvierzig Mal wiederholen: 'Dies ist mein Schicksal, das Schicksal der gesamten Menschheit, dem kann ich nicht entgehen.'
   Wie ihm jetzt bewusst wurde, war die Asubhâ-Methode ein voller Erfolg gewesen, und zwar in einem solchen Maß, dass er sie ohne zu zögern jedem Polizeibeamten empfohlen hätte."

[Michel Houellebecq: Karte und Gebiet (Köln 2011);
Das Foto zeigt den Autor und ist von Mariusz Kubik]

Dienstag, 22. März 2011

Mufti-Gemuffel

Hier kann man gut erkennen, dass Textkenntnis rhetorisch hilfreich sein kann ...



Und ein Artikel (auf Englisch) über das Leiden in Japan von einem meiner Lieblingsautoren, Paul Theroux (dem man vor 30 Jahren in Nagasaki sagte, als er dort zu weinen anfing: "Aber hätten wir die Atombombe gehabt, hätten wir sie auf euch geworfen.")

Samstag, 19. März 2011

Falscher "Shaolin-Mönch" aufgeflogen

Heute, Samstag den 19.03., ist in der Süddeutschen Zeitung ein größerer Artikel über den Fake-Abt (Shi Heng Zong alias Monroe Coulombe) aus Kaiserslautern erschienen - Seite 11: "Der Shaolin-Schwindel". Wir hatten bereits im Januar 2010 das Thema aufgegriffen. (Dank an Heino für den Tipp.)

Wird Claude Anshin Thomas
den Thich Thien Son (Thay) retten?

Es gibt schwache Zen-Linien. In denen verbrät einer das Gelernte zu einem "Big Mind"-Geschäft (und muss dann wegen Sexskandalen entroben), ein anderer macht Zazen in verlassenen Konzentra- tionslagern statt in Israel und Palästina. Dessen Schüler, Claude Anshin Thomas - zudem vom Mischmasch-Thich Nhat Hanh gesegnet - schiebt gern sein Vietnamtrauma vor sich her. Deshalb dürfte er eine besondere Nähe zu einer irgendwie vietnamesischen Pagode empfinden und ist nun für Juni in deren Ableger "Buddhas Weg" angekündigt. Das veranlasste mich, die vom ihm begründete Zaltho Foundation anzuschreiben, um sicher zu gehen, dass er auch weiß, worauf er sich einlässt. Ich informierte sie über Thich Thien Sons (Thays) Ausschluss aus der DBO und seine teils kruden Lehren. Hier die erste Antwort von Zaltho:
   "Thank you for your email and I hope my response finds you well. Claude AnShin Thomas is aware of the information that you are presenting in your email regarding the Vietnamese Zen Teacher Thich Thien Son.
   Let me respond in short that in the face of deep suffering it is those who are authorized and certified to teach to visit with those who are deemed 'unfit' or 'immoral'. It is in these critical times that it becomes quite necessary to not isolate this community but to see what can be done to provide the support necessary to those within the community who may be in need."
   (Anshin Thomas seien diese Informationen bewusst. Im Angesicht tiefen Leidens sollten jene, die AUTHORISIERT und ZERTIFIZIERT seien, zu lehren, diejenigen aufsuchen, die für 'unfähig' oder 'unmoralisch' gehalten würden. In solch schwierigen Zeiten dürfe man diese Gemeinschaft nicht isolieren, sondern müsse schauen, welche Unterstützung für diejenigen in der Gemeinschaft nötig sei, die solcher bedürften.)

Daraufhin fragte ich (auf Englisch) zurück, wie Anshin das bewerkstelligen wolle und woher er wüsste, wer "in need" (hilfsbedürftig) sei. Dies sei doch zuerst einmal der Abt selbst, der aber nicht hören wolle. Dann schlug ich vor, Anshin solle doch, gewissermaßen als Protest, lieber VOR der Pagode Phat Hue meditieren, wie es seinem Stil zu entsprechen scheint, als IN dem Ableger "Buddhas Weg" - und so vermeiden, sich mit deren Ideen und Profit gemein zu machen. Hier ein Auszug aus der Antwort der gleichen Mitarbeiterin von Zaltho:
   "As you may or may not be aware of, Claude AnShin Thomas works extensively in prisons and on the streets. In this capacity he works with rapists, pedophiles, killers, gang members, petty thieves, prostitutes, junkies and alike. So it is not difficult, if one is rooted in a disciplined spiritual practice, to see who needs help."
   (Anshin arbeite ausgiebig in Gefängnissen und auf der Straße. Dabei begegne er Vergewaltigern, Pädophilen, Mördern, Gangmitgliedern, Dieben, Prostituierten, Junkies und dergleichen. Deshalb sei es  für einen, der in einer disziplinierten spirituellen Praxis verankert sei, nicht schwer, zu erkennen, wer der Hilfe bedürfe.)
   Dann wurde ich noch zu der Veranstaltung eingeladen, um mich von Anshins Können zu überzeugen. (Ich nehme natürlich an, dass mir die 215 Euro für zwei Übernachtungen im Einzelzimmer erlassen werden -, davon bekommt Anshin übrigens nichts - schließlich bin ich eingeladen.)

Tja, wer braucht hier nun eigentlich noch alles Hilfe?

(Foto: Gakuro, wikipedia.de, ohne Verbindung zu diesem Blog)

Mittwoch, 16. März 2011

Ein Leben ohne Religion: Die Piraha

Daniel L. Everett lebte einige Jahre bei den Piraha (sprich: Pidahan)-Indianern am Amazonas. Er kam als Evangelikaler, ohne den Wunsch zu predigen oder zu taufen, jedoch mit der Aufgabe, das Neue Testament in die Sprache dieses Volkes zu übersetzen. Heute ist Everett vom Glauben abgefallen und den Indianern dankbar dafür. Als Linguist kritisiert er die etablierten Auffassungen etwa eines Noam Chomsky und plädiert dafür, Sprache im Zusammenhang mit ihrer Kultur zu begreifen. Denn er entdeckte, dass dieses Volk anders spricht, und dass dies mit seinem Denken und Leben zu tun hat. Die Piraha kennen keine Vergangenheit, reden mit Geistern, ihre Häuser sind offen und keine Statussymbole, weil alle das Gleiche besitzen, ihre Kinder erziehen sie schon ganz früh zur Selbständigkeit und nehmen dabei auch in Kauf, dass diese sich verletzen, ihre Toten begraben sie sitzend, weil sie es so für einfacher halten, ein Grab auszuheben. Everetts Bericht "Das glücklichste Volk" (München 2010) ist voller erstaunlicher Beobachtungen. Die wichtigste und vielleicht witzigste möchte ich hier zitieren. Zunächst scheinen die Piraha die wahren Absichten vieler "Heiliger" in dieser Vision zu durchschauen:

""Die Frauen haben Angst vor Jesus. Wir wollen ihn nicht."
    "Warum nicht?", erkundigte ich mich, wobei ich darüber nachdachte, was der Auslöser für diese Mitteilung sein mochte.
    "Letzte Nacht ist er in unser Dorf gekommen und wollte Sex mit unseren Frauen haben. Er hat sie durchs Dorf gejagt und versucht, ihnen seinen großen Penis reinzustecken."
    Dann zeigte mir Kaaxaóoi mit den Händen, wie lang Jesus' Penis war: fast einen Meter."

Die Piraha hatten zuvor Everett gefragt, ob er denn Jesus begegnet sei, und als dieser verneinte, ob denn einer seiner Bekannten ... Als Everett auch dies verneinte, war das Thema für sie erledigt. Keine lebenden Zeugen hieß für sie: bedeutungslos. Mit einem seltsamen Humor begegneten sie auch Everetts Schilderung vom Selbstmord einer Verwandten, die ihn zum Glauben gebracht hatte. Sie lachten sich darüber schlapp und konnten einen Menschen, der sich selbst umbrachte, nur als dumm ansehen.

"Die Piraha sorgten dafür, dass ich einen Wahrheitsbegriff in Frage stellte, den ich lange geschätzt und als Richtschnur für mein Leben benutzt hatte ... Tatsächlich gelangte ich zu dem Schluss, dass ich mit einer Wahnvorstellung lebte - der Illusion der Wahrheit. Gott und Wahrheit sind zwei Seiten derselben Medaille. Beide behindern das Leben und das geistige Wohlbefinden, zumindest wenn die Piraha recht haben. (...)
    Die Piraha sind ganz und gar dem pragmatischen Konzept der praktischen Relevanz verhaftet. Sie glauben nicht an ... irgendeine abstrakte Sache, für die zu sterben sich lohnt. Damit verschaffen sie uns die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie ein Leben ohne absolute Werte, ohne Rechtschaffenheit, Heiligkeit und Sünde aussehen könnte. Es ist eine reizvolle Vision. (...)
    Ist es möglich, ein Leben ohne die Krücken von Religion und Wahrheit zu führen? Die Piraha machen es uns vor. (...) Sie kennen nicht das Streben nach Wahrheit als transzendenter Realität. (...) Für die Piraha besteht Wahrheit darin, einen Fisch zu fangen, ein Kanu zu rudern, mit den Kindern zu lachen ..."

Sonntag, 13. März 2011

Fukushima und die Selbstdarstellung des
Thich Thien Son (alias Thay)

Natürlich gibt es gerade Wichtigeres. Ich habe mit einigen Menschen in Japan Kontakt gehabt, zeitweise war es per email leichter als per Telefon. In Tokio zählte eine Bekannte am Freitag 27 Nachbeben. Ein Übersetzer aus Kobe, der mir mal sehr geholfen hat und durch den ich regelmäßig von seiner Tochter gezeichnete Neujahrskarten bekomme, in die sie sein Aussehen einarbeitet (siehe unten), meinte: "Wir sind verschont geblieben, es kann uns doch auch nicht zweimal treffen, nicht wahr?" [Kobe war 1995 von einem starken Beben erschüttert worden, bei dem über 6.000 Menschen starben und mehr als 300.000 obdachlos wurden.] Als ich von den "atomic plants" sprach, machte ich eine interessante Entdeckung - er nannte sie nur "electric plants" (Stromanlagen). Die Sensibilität der Japaner bei diesem Thema ist verständlich. Dennoch ließ er sich zu einer sarkastischen Bemerkung hinreißen, als ich fragte, warum denn, bei all der Erdbeben- und Tsunami-Gefahr, die Anlagen wie Fukushima I und andere direkt an der Küste gebaut worden seien. Seine Antwort: "Damit ein Romanschriftsteller eine tolle Geschichte erfinden kann, in der Invasoren die Küste Japans erreichen und sogleich seine ganze Energieversorgung in die Hand bekommen."

Und nun zum Unwichtigen. Thich Thien Son (Thay) hat mal wieder eine seiner Selbstdarstellungen online, in einem gerade gestarteten Blog  [Anmerkung: Am 16.03.11 war dieser Blog - wohl infolge dieses Beitrages - abgeschaltet. Der gleiche Text findet sich jedoch auf der Seite seines Zentrums Buddhas Weg.] Gehen wir sie mal kommentierend durch.

"Der Abt von Buddhas Weg und der Pagode Phat Hue in Frankfurt am Main, Zen-Meister Thich Thien Son,"
   Nein, kein "Zen-Meister", dazu müsste er in einer japanischen Tradition stehen und ein charakterlich reifer Mensch sein.

"wurde 1967 in Saigon/Vietnam geboren. Er wurde bereits im Alter von acht Jahren in den Lin-Chi-Tradition zum Mönch ordiniert und erhielt dort die traditionelle buddhistische Schulung."
   Geboren wurde er als Mai Huy Gian Trang in der zweiten Märzhälfte 1967. Wenn er mit acht Jahren "ordiniert" wurde, dann bestenfalls zum Novizen, und war das also frühestens im März 1975. Knaben werden in Südostasien häufig für nur kurze Zeit in Tempel gegeben,  wo sie die Tonsur erhalten, das hat nichts weiter zu sagen, entspricht beinahe unserer Konfirmationszeit. Wie ich anderswo schon sagte, gibt es außerdem keine Lin-Chi-Tradition in Vietnam mehr (siehe Cuong Tu Nguyen: Zen in Medieval Vietnam).

"Während des Vietnamkriegs gelang seiner Familie die Flucht nach Deutschland,"
   Der Vietnamkrieg war am 30. April 1975 offiziell beendet. D.h., Thien Son (Thay) könnte gerade mal etwa fünf Wochen im Tempel gewesen sein, wenn überhaupt.

"wo er in der Nähe Hannovers aufwuchs und eine westliche Ausbildung abschloss. Nach dem Abitur setzte er seine Studien in Sri Lanka, Taiwan und China fort"
   Wohnort von Huy (Thien Son alias Thay) bei der Vereinsgründung rund um Phat Hue war Barntrup (Kreis Lippe, NRW). Als ein ihm nahestehender Schüler bei einem Taiwan-Aufenthalt mal Thien Sons (Thays) Ausbildungskloster sehen wollte, hatte der Abt stets Ausreden parat, dazu kam es nicht. Ich habe bei der bedeutendsten Chan(Zen)-Schule Taiwans nachgefragt, wo man ihn nicht kennt.

"und ließ sich in Traditioneller Chinesischer Medizin ausbilden."
   Aha, so soll er sich also die Zeit vertrieben haben. Das erklärt seine mangelhafte Kenntnis des Zen.

"1998 erhielt er vom Hochehrwürdigen Zen-Meister Thien Dinh seine Lehr-Ermächtigung."
   Der ist tot, aber wir haben schon vor Jahren in Marseille, wo er wirkte, nachgefragt, und keine Bestätigung erhalten. In Vien Giac, der vietnamesischen Pagode in Hannover, sagte mir mal jemand sinngemäß: Er war kurz bei uns, dann war er eine Weile verschwunden, und dann kam er wieder und wollte plötzlich ein Lehrer sein; niemand weiß, was in der Zwischenzeit genau passiert ist.

"2002 wurde er von der vietnamesisch-buddhistischen Kongregation beauftragt, die Gemeinde in Frankfurt am Main zu gründen."
   Was ist denn das für eine "Kongregation"? Nebulöse Begriffe sind ja Thien Sons (Thays) Markenzeichen. Er meint wahrscheinlich seine Familie und "Bekannte", seine Mischpoke.



Freitag, 11. März 2011

Die Erde bebt

Eben erzählte eine Expertin auf CNN (während sie auf NHK die vom Tsunami gefährdeten Präfekturen in mehreren Sprachen runterbeteten), dass die Japaner zunehmend die Bauweise ihrer Häuser an buddhistischen Tempeln ausrichteten, weil man festgestellt hatte, dass diese den Erdbeben häufig widerstanden, ja sich mit ihnen quasi mitbewegten.  
   Heute morgen war ich mal wieder besonders dankbar, in einer Region zu leben, die von Naturkatastrophen weitgehen verschont bleibt. Und doch fühle ich mich auch körperlich dem Wandel etwa des Wetters zunehmend verbunden: Ist es bewölkt, steigt die Anzahl meiner Migräneattacken. Bei Sonnenschein geht's mir besser. Eine seltsame Form von Einheit mit der Natur, zumal es kein Gut und Böse darin zu finden gibt ... 
   Das sind vielleicht Problemchen, mag da einer kopfschüttelnd denken ...

Das Leben ist ein einziger Widerspruch: „Hast du gesehen, was der da angestellt hat?“ Dabei hättest du es am liebsten selbst getan! (Kôdô Sawaki Rôshi [Foto])

"Ihrer Meinung nach ging es im Eheleben nur um möglichst effektive Sabotage. Und das Leben insgesamt sei ein endloses, deprimierendes Amalgam von öffentlich zur Schau gestellter Integrität und privater Hemmungslosigkeit." (Stefan Merrill Block: Wie ich mich einmal in alles verliebte. Köln 2008)

Ich habe festgestellt, dass die meisten Besucher wegen der Sexskandale auf diese Seite kommen. Wir sollten bei der Lektüre innehalten und uns anhand der obigen Zitate auch mal selbst befragen.

Mittwoch, 9. März 2011

Fragen an einen Lehrer: Zenforum International

Ach herrlich, ich habe mich mal ein Weilchen im Zenforum International getummelt. Etwa 8 Stunden waren meine Antworten auf Fragen von Usern online, ehe ich ausgeloggt wurde und nicht mehr reinkam. Mein Thread wurde gelöscht, eine Begründung der Betreiber gab es nicht. Stattdessen kamen automatisierte Antworten in diesem Wortlaut: "The following reason was given for the disapproval: Attacks another user rather than sticking to the subject." (Grund der Ablehnung: Angriff auf einen User, statt beim Thema zu bleiben.) Doch was hatte ich getan? Hier ein Beispiel. Ein User fragt: "How can s.th. be verified?" (Wie kann etwas bestätigt werden?) Und ich antworte: "By the example of your life." (Durch das Beispiel deines Lebens.)
   Was steckt also wirklich dahinter? Zunächst hatte ich nach Mitternacht fröhlich meine Antworten auf fast zwei Dutzend Fragen eingetippt, bis mir dämmerte, mal die Bedingungen für das Posten in der "Ask a Teacher"-Sektion zu checken - und die waren dann doch etwas komplexer. Es wurde allerdings die Möglichkeit eingeräumt, mit den anderen Usern die Fragen in anderen Foren zu diskutieren. Dies tat ich, indem ich die meisten Fragen und Antworten in einem Posting zusammenfasste. Ihr könnt es unten lesen, bitte verzeiht, dass ich es nicht übersetze. Nachdem die erste Zustimmung von Usern zu lesen war, dürfte sich irgendeiner der "offiziellen" Lehrer (Ihr könnt dort selbst sehen, wer das ist) über so manches aufgeregt haben, was ich zu sagen hatte. Das war aber auch der Zweck der Übung. Über einige Beiträge konnte ich nur den Kopf schütteln, einer meinte z.B., man bekäme vom vielen Sitzen keine Hämorrhoiden (wie viel der wohl gesessen hat?). Nun, ich hoffe, Ihr vergnügt Euch. Das Ganze hat so viel Spaß gemacht, dass ich mir überlege, hier eine regelmäßige Kolumne "Frag den Zen-Rüpel" einzurichten, wenn Ihr wollt. Und nun die Beiträge:
----
This is a couple of answers that I wrote spontaneously last night. I give the topics of the questions first, than the answers, and hope they help. It might be useful to read the answers of the "official" teachers in the "Ask a Teacher"-section in comparison.

1) "What is disenchantment?"

Disenchantment: "Oh, that's all there is to it?" Yes, nothing special to gain.
This sort of disenchantment will make you laugh: Hahaha.

2) "Someone calling at 3 in the night"

If someone calls me at 3 in the night, it must be important to him/her. I'd be curious.

Once, I tried to contact a teacher in the US (I am in Germany). I googled his address and first found an old one in the east. There, it was early morning, and I guessed as a zen teacher he'd be up early. It turned out to be the wrong number. So I called the second one that I had found - but overlooked that it was Californian. There, it was still night. "Do you know what time it is" his wife mumbled. I correctly read her the time from my watch.

3) "Why so many traditions?"

Emptiness manifests in unlimited ways. It is its potential.

4) "Real purpose of a teacher"

To give an example how to live the Buddha Dharma.
To make you unattached, even from him/her.

5) "Hate the sin and not the sinner"

The precepts just tell you what you already know, don't they? Probably your parents taught you not to kill, not to steal, not to drink too much etc., or you found out by yourself that it is harmful to do otherwise. In zen, there is no easy Ghandi-way out of this - sin and sinner are one. You are responsible. Who else could be?

The traditional oxherd pictures may give you a hint to what happens with your moral judgement. Don't be misled. From your common view of right and wrong you will go through doubts and throw them overboard, but in the end you will be "just a normal person" with a sense to differentiate between right and wrong again - but deeper. Your clearness is the fruit of Buddha-practice.

6) "Should anyone be called a master in Buddhism?"

Yes. You.

7) "Separating crap from roses"

Isn't this a beautiful eye behind a curtain?
Give your master a kiss at first sight. If you detect that he wants you - run away and look for another one.

8) "More about life and death"

"Live every moment as if it is your last, for it is.
So, for the record: I have not arrived at such a realization through practice (as of yet), so I can only 'accept' it, but I still cannot directly see it."

Oh yes, you have arrived there - because those moments are gone, and you lived them, right? Why fear the fear of death? It will just be another moment. In the time frame of your life, a rather tiny one.

Ah, someone thinks he has overcome the fear of death. That may be because in zen we speak of "dying on the cushion", dying in zazen, i.e. letting go of our ego. Or: The death of our ego. Actually, no one knows if he has overcome this fear until he dies. Let me tell you, there were zen masters who peed in their pants when the time came. Don't underestimate another zen teaching: Each moment exists in itself. Don't project what you feel now into the future.

And the famous Vietnamese monk - I am sorry to say that some people in Vietnam believe he was heavily drugged before his self-immolation.
The vinaya, the monk's rules which are popular in SE-Asia (though not as much in Japanese zen) prohibit suicide. Please be careful when trusting pictures.

9) "Direct experience or self verification"

How can s.th. be verified?
By the example of your life.

10) "The cycle of life and death"

Free from the cycle of life and death: getting rid of this concept.
You will be freed eventually. Don't think there is more to it. You had no choice when born, you will have no choice to avoid death.
Freeing yourself from the cycle of life and death is living in the moment - the only freedom you have.

11) "Non-attachment"

Holy shoes - your problem can be solved quite easily. Buy good shoes (I recommend Jack Wolfskin.) This is the zen way: finding an easy, pragmatic solution. You may detect that very often it is just what other people do: If their shoes are broken, they buy new ones. Don't be shocked not to stand out in buying and wearing good shoes. In zen, you honour your shoes by placing them orderly down - or on your head to answer questions by a teacher ;-)

12) "Zen teacher"

Whoever you make your teacher, is your teacher. It's in your mind. So it cannot be a question of some formality.

13) "Fear of Death" (can't find the original topic)

You are misled. A popular image of Buddhism is that it should destroy your fear of death. Instead, accept what is and go right through it! If there is fear, look it in the eye! Try to find its inherent nature. Hopefully, you will find it is emptiness (shunyata), like the other feelings you had in life. Don't judge fear to be anything bad. Just face it. Your example in doing so will be the biggest gift for your daughter.

14) "Practical issues with zazen - sitting pain"

Yes, one reason for hemorrhoids is too much sitting. It doesn't matter how you sit. The best treatment is atrophy. Then there are effective creams numbing the pain (like "Anaesthesin" in Germany). Don't worry if you can't sit too much, your practice is everyday life. You might extend kinhin, the walking meditation, as many Theravada monks do.

By the way, you might also try Buddha's curing hemorrhoid sutra. I once found it here: http://www.fodian.net/world/1325.html
It's a mystery.

15) "Parinirvana"

So you can't believe it, uh? To quote a different post: disenchantment.
Paranirvana is an idea more prominent in Theravada. You are right to see it as such from a Mahayana point of view: There it is eternal, bliss, pure. But be aware of concepts. If you want to go to paradise, join the Amida-sect. Zen offers you no hope for afterlife.
.
.
.
.
.
(Did you just have the slightest feeling this could really free you for the here and now?)

16) "Can I/Self be enlightened?"

You mean like that Vietnamese monk? No, no, no - you already are.

17) "Regarding obscuration"

Pemako - there is nothing imperfect with you besides the thought that you are not already Buddha.

18) "How long should one meditate for?"

Dear klgv (this is easier to type than to say): "over the long term" - there are two questions implied here.
If you are looking for intensive zazen periods, you may for example join Antaiji, the former temple of Kodo Sawaki Roshi. I just read they sit 1800 hours per year.

Another way is to sit with this attitude: "It will never end."

19) "Buddha nature"

In the Tathagatagarbha-sutras the view on atman corrects the common view of the non-self, an-atman. Because atman is eternal (nitya), blissful and pure. Nevertheless, it is not a self like an ego. This atman was explicitly introduced in the Mahayana Mahaparinirvana sutra which contains the Buddha Shakyamuni's last words. He was afraid that a sole belief in an-atman would lead to a kind of nihilism (you can actually detect that in the form of passiveness in a lot of Zen Buddhists today). I recommend the shorter Shrimala-sutra if you just want a glimpse into that idea, this sutra also consists of alternative and down-to-earth Bodhisattva vows. Remember that the basic line is: Our original (Buddha)nature is eternal and pure - although (or while) we are empty of any ego/self/substance.

Dienstag, 8. März 2011

Freisinger Spielchen

Auch Theravada-Mönche können ganz schön intrigant sein. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass sie ganze Vorstände verkraulen und sich schließlich selbst als 1. und 2. Vorsitzende installieren (wobei der 2. nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung genießen soll)? So geschehen im Bodhi Vihara, dem buddhistischen Kloster auf dem Freisinger Domberg. Der unten stehende Auszug aus dem Vereinsregister gibt Aufschluss (zum Vergrößern bitte anklicken, Geburtsdaten unkenntlich gemacht). Nun hat also Bhikkhu Thitadhammo (Philipp Jenning) das Sagen, wenn es darum geht, ein größeres Grundstück im Namen des Trägervereins zu erwerben, auf dem ein neues Kloster mit Mönchshütten entstehen soll. Wie war das nochmal mit Mönchen und Immobilien? Na, wird schon klappen, zumal thailändische  Unterstützer zur Hand sind, und die bringen ihr Geld gerne mal in Tempeln ein ...
   P.S.: Soeben erfahre ich, der Revisor sei Thitadhammos Bruder. 

Samstag, 5. März 2011

Dr. Sex oder: Warum der Buddhismus nicht staatlich anerkannt werden sollte

Wenn man sich allein die Beiträge der letzten Wochen in diesem Blog reinpfeift, wird einem klar, wie nötig es wäre, mit einem überdimensionalen Wischlappen über den Buddhismus in Deutschland zu gehen. Die Deutsche Buddhistische Union (DBU), die sich als sein Dachverband versteht, ist dazu nicht in der Lage. Darum ist zu verhindern, dass der Buddhismus in seinem gegenwärtigen Zustand eine besondere staatliche Anerkennung (als Körperschaft des öffentlichen Rechtes) erlangt. Führt man sich mal das Ausmaß des Missbrauches von Kindern in kirchlichen Institutionen vor Augen, braucht es nicht viel Fantasie, bei all dem sexuellen Machtmissbrauch gegenüber Erwachsenen im Buddhismus sich vorzustellen, was dort erst abginge, wenn man ihn so institutionalisiert, dass halbgare Charakterschweine, die sich als Lehrer betätigen, auch noch auf Kinder losgelassen werden.
   Ich gebe mal ein konkretes Beispiel (und erweise mich damit selbst als Charakterschwein, weil ich es eigentlich nicht ausplaudern soll): Die DBU hat eine eigene Zeitschrift, Buddhismus Aktuell. In der kommenden Ausgabe soll der Ausschluss Thich Thien Sons aus der Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft (DBO) vermeldet werden. Angeblich habe man sich fachmännischen Rat geholt, wonach der Name nicht genannt werden soll und stattdessen eine Formulierung  wie "ein Abt aus Frankfurt" oder Ähnliches zu benutzen sei. --- Na, lacht Ihr schon? Tatsächlich ist es umgekehrt: Da das Verfahren der DBO abgeschlossen ist, sollte im guten Journalismus auch der volle Name genannt werden. So lange bei der DBU ein solcher Geist der Vertuschung herrscht, gehört auch sie unter den Wischlappen.

[Der folgende Abschnitt wurde am 29.04.2011 von mir bearbeitet, um den Wünschen von Betroffenen entgegenzukommen; mehr dazu bald aktuell.]


Und nun zu einer wirklich interessanten Website, einem Blog über Buddhistische Sekten.  In den bis zumindest 29.04.2011  dort noch zu lesenden Beiträgen "Einstieg und Ausstieg: Die Geschichte meiner Sektenerfahrung" und "Episoden" hat ein Betroffener geschildert, wie ein "Dr. Sex" in seiner buddhistischen Gemeinschaft sich Teilnehmerinnen näherte, wie er sich seine Schüler als Arbeitskräfte und Geldspender dienstbar machte und es sich dabei gut gehen ließ. Dieser Bericht ist nicht nur amüsant und selbstkritisch geschrieben, er deckt auch genau die Mechanismen auf, die etwa in Phat Hue und anderswo wirken (tatsächlich gehen sie bis ins Beiprogramm Akupunktur etc.). [Ich habe den Bericht gesichert, falls der Link nicht mehr funktioniert.]
   Nach meinen Recherchen und email- sowie Brief-Belegen ist mit "Dr. Sex" ein Dr. Zernickow alias Sotetsu Yuzen in Berlin gemeint, der der Gemeinschaft "Mumon-kai" vorsteht. Zernickow selbst behauptet auf seiner Website, einst zum "shika" ernannt worden zu sein; leider vergisst er zu erläutern, dass dies lediglich der Gästemanager eines Klosters ist.

Also, schreibt da mal munter mit, sofern Ihr betroffen seid, und vergesst auch nicht Eure Erfahrungen beim Zensho W. Kopp aus Wiesbaden, einem anderen Selbsternannten, zu erwähnen.

Freitag, 4. März 2011

Genro Koudela Osho (1924-2010)

Mein erstes Sesshin (das ich übrigens abbrach), fand vor langer, langer Zeit bei Genro Koudela Osho statt (und an ihm lag es nicht). Bevor er im letzten Jahr verschied, hat Peter Riedl, der Herausgeber des Magazins Ursache & Wirkung, ein interessantes Gespräch auf Video mit dem erkrankten Zen-Lehrer geführt, der ein Schüler von Joshu Sasaki Roshi war.

Donnerstag, 3. März 2011

Phat Hue will nicht mehr in DBU

Wohl um der endgültigen Ablehnung zuvorzukommen, hat die "Deutsch-Vietnamesische Buddhistische Gemeinde e.V.", also die Gemeinschaft um Thich Thien Son (alias Thay) in der Pagode Phat Hue, Frankfurt am Main, ihren Antrag zwecks Aufnahme in die Deutsche Buddhistische Union (DBU)  mit einem Schreiben vom 24.02. zurückgezogen. Ein Auszug:

"Der Angriff auf unseren Ehrw. Abt Thich Thien Son stellt die Hingabe und Tradition von über 20.000 Buddhisten überwiegend vietnamesischer, chinesischer, taiwanesischer und auch europäischer Herkunft in Frage und entzweit und schädigt den interreligiösen und interkulturellen Austausch zwischen asiatischen und westlichen Buddhisten. 

Die Tradition unseres Abtes ist die Lin Chi Tradition. Eine Tradition die, wie auch die Überlieferung zeigt, mitunter mit extremen Mitteln den Schülern ihren Geist zeigt. Als Schüler Buddhas haben wir viele harte Prüfungen zu bestehen. Jede Gruppe, aber auch jeder Einzelne von uns, bekommt seine Prüfung vom Leben, wo sich die Früchte seiner authentischen Praxis zeigen."

1) Man beachte den Größenwahn: "20.000 Buddhisten" (und die Taiwanesen werden ihnen was husten).
2) Der interreligiöse Dialog wird durch Scharlatane erschwert, die unter dem Deckmantel der Robe Unsinn verzapfen und - im Gegensatz zu ihren Gelübden - an ihnen anvertrauten Schülern herumfummeln.
3) Die Tradition des Abtes ist bis heute nicht belegt. Tatsache ist, dass in der Linchi-Linie zuweilen mit Schreien und Schlägen gearbeitet wird, sexuelle Übergriffe eines Abtes jedoch nicht zum Überlieferungsgut zählen. 
   Einem Dharma-Gefecht, der traditionellen Methode der Feststellung von Kompetenz bei einem Mönch, hat sich Thich Thien Son (Thay) nicht gestellt.
4) Auch Aus-der-Hand-lesen, Gesichterdeuten, Familienaufstellungen und anderer Firlefanz wie Chakra-Kanäle öffnen usf. gehören nicht zum Zen-Buddhismus, werden aber in Phat Hue vom Abt in seinen so genannten Zen-Kursen vollzogen.

Mittwoch, 2. März 2011

Vietnam: Der Klang der Fremde

Wer sich literarisch mit Vietnam auseinandersetzen möchte, findet in Kim Thuys Roman "Der Klang der Fremde" (München 2010) poetische Reminiszenzen an eine freud- und leidvolle Zeit in Südostasien, zu der sich auch so mancher prominente Buddhist Illusionen und Utopien hingab. Ein Auszug (S. 148):
    "Meine Cousins waren erst zehn Jahre alt. Aber sie hatten schon eine Vergangenheit, weil sie in einem erloschenen Saigon zur Welt gekommen und in der schwärzesten Zeit Vietnams aufgewachsen waren. Lachend erzählten sie davon, wie sie damals für eine Schale Suppe zu zweitausend Dông Männer masturbierten. Ungeniert und freimütig schilderten sie diese sexuelle Praktik, mit der Unbefangenheit und Reinheit von fünf- oder sechsjährigen Kindern, für die Prostitution ausschließlich mit Erwachsenen und Geld zu tun hatte und sie und ihresgleichen, die sie für ein Essen zu fünfzehn Cent ausübten, nicht betraf. Ich hörte ihnen zu, ohne Kommentar, ohne mich umzudrehen, ohne im Nähen innezuhalten, ich wollte ihre naiven Worte, ihre Unschuld nicht durch meinen Blick besudeln."

Dienstag, 1. März 2011

E.L. Doctorow

"Zwanzig Stunden am Tag sitzt er mit gekreuzten Beinen in einem zugigen Farmhaus, sie meditieren nämlich wirklich in diesen Zen-Klöstern, es wird da mitnichten herumgevögelt. Und Angel hat zur Abwehr nichts anderes aufzufahren vermocht, als dass sie am Zen-Buddhismus schon immer einen egoistischen Zug herausgespürt habe, aber darauf gibt es wahrscheinlich eine Antwort, wenn ich Zen nur richtig verstehe, was ich nicht tue, was bedeutet, dass ich es tue."
(E.L. Doctorow: Das Leben der Dichter, Köln 1995)

"Wir hatten so einen Scherz, Langley und ich: Jemand liegt im Sterben und fragt, ob es ein Leben nach dem Tode gibt. Ja, lautet die Antwort, nur nicht deins."

"... wie furchtbar dieses Bewusstsein ist, dass sich unabänderlich seiner selbst bewusst ist."
(E.L. Doctorow: Homer & Langley, Köln 2011)