Sonntag, 27. Februar 2011

Die verkorksten Lehren des Lama Ole Nydahl

(recycelt aus dem Forum der DBU, 2007; Foto: Vajraspanner, wikipedia.de)

Ich hatte Nydahl vor Jahren mal im Fernsehen bei Alfred Biolek gesehen, aber nie persönlich getroffen, also schaute ich mir neugierig einige Beiträge auf youtube.com an. Da wurde ich erst mal stutzig über Lehrer und Schüler 2. (In Klammern im Folgenden die Minutenangabe, auf die sich meine Kommentare beziehen. (Aktualisierung vom 11.08.2014: Das Video war wohl jemandem peinlich und wurde unter diesem Link inzwischen gelöscht.)

Ole Nydahl spricht von Mönchen und Nonnen, die nichts mit Sex zu tun haben wollten "oder damit BEIM Lehrer auch nichts zu tun haben wollen" (1:45). Diese Formulierung ist psychologisch interessant, ich erspare mir jedoch eine Deutung und überlasse sie dem Zuschauer. Es ist jedenfalls meist so, dass sich bei mangelnder Erkenntnis über das menschliche Dasein (was mangelnder Schulung entsprechen kann) folgende Irrtümer einschleichen: "Ein Yogi muss immer die Kraft haben, sonst ist er nicht verwendbar." Die entscheidende Frage sei: Schafft er ein Leben "ohne Durchhängephase" (4:00) Meine Güte: 1) Jeder Mensch hat Schwächen, auch ein "Yogi". 2) Was ist das für eine Wortwahl, wenn es um Menschen geht: "verwendbar"?

Und nun war es nicht weiter verwunderlich, dass bei den wirklich wichtigen Inhalten (die obigen sollten einen aber schon stutzig machen, wenn man sich Nydahl als Schüler anvertrauen will) außenstehenden Buddhisten das Grausen kommen kann.

Die Karma-Rede:

Nydahl behauptet, dass alles, was noch nicht geschehen sei, verändert werden könne (1:50). WO wird das in den Schriften behauptet? Ich frage Euch einfach: Habt Ihr auch das Gefühl, dass es so ist? Ehe ich die Karma-Lehre, wie ich sie kenne, hier wiedergebe (sie umfasst änderbare wie UNveränderbare Geschehnisse), nenne ich einfach mal das Sterben. Niemand kann, auch wenn er noch nicht gerade stirbt, dem Sterben entgehen. Ein solcher Satz ist also Unsinn, und jemand, der nicht gerade Agnostiker ist, möchte förmlich beten, dass die buddhistische Lehre solchen Unsinn nicht enthält. Es ist aber klar, warum Nydahl so redet: Weil es ein Traum der Menschen ist, wirklich ALLES in Form einer Allmacht beeinflussen zu können. Dabei scheitern sie natürlich jeden Tag: Beim Bäcker sind die Brötchen alle, der Zug kommt zu spät usf. Dauernd gibt es Dinge, die eben nicht zu ändern sind. Der Mensch ist, was äußere Bedingungen angeht, durchaus auch ein Spielball von Kräften, die sich seinem Einfluss entziehen.

Ab 4:45 definiert Nydahl Karma ("the full badge that makes out karma") mit vier Kennzeichen: die Situation erkennen, den Wunsch zum Handeln verspüren, Handeln und - BEFRIEDIGUNG ("satisfaction") über das Ergebnis erfahren. Es geht darum, welches Karma "negative" wirkt. Interessanterweise fängt er ab 13:00 vom Töten an, um diese vier Kennzeichen zu erläutern. Schon bei 13:20 nennt er "abortion", eine Abtreibung als Beispiel - und verzettelt sich hoffnungslos, ohne es recht zu bemerken. Denn er sagt zwar, es sei besser, Kinder zu adoptieren, zugleich aber bestätigt er, dass hier eine BEFRIEDIGUNG fehle (was ja nun genau bedeuten würde, dass das Karma gar nicht vollständig erzeugt würde). Hieran wird bereits deutlich, dass "Befriedigung" nicht taugt, um das Konzept von Karma zu erklären. Nehmen wir eine Frau, die vergewaltigt wurde und das Kind abtreibt. Stellen wir eine andere dagegen, die das Kind abtreibt, weil sie ihre Freiheiten nicht aufgeben will. Nehmen wir an, beide seien irgendwie am Ende der Abtreibung zufrieden ("happy"). Denkt Ihr wirklich, sie würden das gleiche Karma schaffen, nur weil die vier von Nydahl genannten Eigenschaften vorhanden sind? Ein weiteres Beispiel erinnere ich aus der Befragung eines Mafia-Paten, über die in der Presse geschrieben worden war. Dieser Mörder konnte glaubhaft machen, dass er keinerlei schlechtes Gewissen und keinerlei Reue empfand. Er empfand überhaupt nichts, erledigte einfach seinen Job, spürte also auch keine Befriedigung. Nun, soll das laut Nydahl heißen, er hat kein besonderes Karma geschaffen?

Bei 20:00 behauptet Nydahl, es gäbe kein kollektives Karma, individuelles Karma bringe Menschen in Lebensumständen mit solchen Menschen, die ähnliches Karma hätten. Ich frage Euch: Wieso wurden dann in der Menschheitsgeschichte große Teile von Volkgsruppen (Juden, Armenier, Tutsi usf.) vernichtet - also mit anderen Worten: Kollektive? Heißt das für all die Menschen, die im Dritten Reich starben oder unter Pol Pot, die hätten es wegen ihres schlechten Karmas getan? Hatte Anne Frank also so ein mieses Karma? Da aber (siehe oben) alles, was noch nicht geschehen ist, verändert werden kann, warum konnte sie ihrem Schicksal nicht entfliehen? Schon wieder ein logischer Widerspruch, und welcher Außenstehende müsste nun nicht glauben, dass der Buddhismus eine ganz verkommene Ethik haben muss, wenn er meint, die Täter hätten ein besseres Karma als die Opfer gehabt. Wenn man als Buddhist die Karma-Lehre so einengt, darf man von all denen, die gute Menschen aufgrund verblendeter Machtgier verloren (wie in vielen Diktaturen) bespuckt werden.

WO steht in der Überlieferung, dass es nur INDIVIDUELLES Karma gibt, wenn doch das Individuum und Ego leer sind?

Doch Nydahl sagt: "the moment we die everybody's MIND is out there experiencing its own fruits" (21:15). WAS ist JEDERMANNS (individueller) Geist? Dies ist übrigens die einzige der kritischen Fragen, die nicht aus dem youtube-Kommentar-Forum unterhalb des Filmbeitrages gelöscht wurde. Ein Nydahl-Anhänger antwortet auf die Frage - ganz im Duktus Nydhals -, was denn wiedergeboren würde, wenn es kein Ego gibt: Ja, das Ego sei der Grund für Wiedergeburten, aber es gäbe auch die, die Versprechen abgäben und anderen helfen wollen und deshalb wiedergeboren würden.

Und da haben wir den letzten, entscheidenden Widerspruch: Kein Versprechen, kein Wunsch zu helfen existiert ohne Ego. Man könnte nun witzeln: Klar, muss ja so sein, weil ohne Ego keine Wiedergeburt. Andererseits: Daraus dürfen wir schließen, dass alle, die wiedergeboren werden wollen, ihr Ego eben nicht überwunden haben. Wieso sollte man diese als buddhistische Lehrer akzeptieren? Sie haben den Kern der Lehre nicht verstanden: das Loslassen von allem, das Nicht-Anhaften. Darum werden sie aus den gleichen Gründen wiedergeboren wie alle anderen (sofern man daran glaubt).

Freitag, 25. Februar 2011

CIA: Thich Nhat Hanh militanter Buddhist?

Das folgende Dokument deutet an, wem die Aktivitäten einiger vietnamesischer Buddhisten, inclusive Thich Nhat Hanh, zugespielt haben könnten - nämlich den kommunistischen Vietcong (VC). Die Sache ist nicht einfach zu verstehen, wenn man sich nicht etwas intensiver mit moderner vietnamesischer Geschichte beschäftigt. Im Wesentlichen läuft sie darauf hinaus, dass von Seiten Thich Tri Quangs, des Rädelsführers der militanten Buddhisten (dem TNH offenbar nahe stand), NICHT Nguyen Cao Ky unterstützt wurde, der von 1965-1967 Premier und von 1967-1971 Vize Vietnams war und die Rückendeckung der Amerikaner und des moderaten Buddhistenführers Tam Chau genoss. Auszug aus der pdf:

"CONTROL OF THE BUDDHIST DISSIDENT MOVEMENT AS A POLITICAL FORCE CONTINUES TO REST IN THE HANDS OF A ,VERY SMALL NUMBER OF BUDDHIST MONKS. THICH TRI QUANG, THICH HUYEN QUANG, THICH THIEN HOA, THICH P'HAP TRI, THICH PHAP SIEU, THICH TRI THU, THICH THANH VAN,THICH MINH 'CHAU, THICH HO GIAC, THICH DON HAU, THICH'THIEU MINH, AND THICH NHAT HANH. (S. 5, ...)

WHILE IT CAN BE ASSUMED THAT THE BUDDHIST CHURCH LIKE MANY OTHER SOUTH VIETNAMESE INSTITUTIONS IS PENETRATED BY THE VC,  THERE IS NO HARD EVIDENCE THAT THE BUDDHISTS ARE DOMINATED OR CONTROLLED BY THEM. YET, IT IS TRUE THAT THE BUDDHISTS' ATTITUDE TOWARD THE EXISTING ORDER, AS MANIFESTED IN THEIR ELECTION BOYCOTT FROM JULY TO SEPTEMBER 1965, OFTEN HAS BEEN CONSISTENT WITH VC POLICIES. THE FACT THAT THE RADICAL BUDDHISTS, IN THEIR OPPOSTION TO THE GVN, SEEM AT TIMES TO PLAY RIGHT INTO THE HANDS OF THE VC STRENGTHENS THE SUSPICION OF VC PENETRATION OR CONTROL. NEUTRALIST SPEECHES BY SUCH TRI QUANG "BRAIN TRUSTERS" AS THICH NHAT HANH ADD TO THIS SUSPICION." (S. 11f.)

Weitere Informationen zum buddhistischen Widerstand in Vietnam hier.

(Foto: Thich Nhat Hanh in Vietnam during his 2007 trip |Source=[http://www.flickr.com/photos/mettabebe/449146303/ Thich Nhat Hanh at festival in Da Nang] |Date=April 5, 2007 |Author=[http://www.flickr.com/people/mettabebe/ mettabebe], von wikipedia.de )

Donnerstag, 24. Februar 2011

Wie das Zen in China lebt

Bill Porter alias Red Pine, den die Älteren unter uns noch als Übersetzer einiger dem Bodhidharma einst zugeschriebener Texte kennen, hat nicht nur wichtige Sutren übertragen und kommentiert. Nach einem längeren Aufenthalt in einem Fo Guang-Shan-Tempel Taiwans und Lehrtätigkeiten in den USA begab er sich auf ausgedehnte Reisen durch China und entdeckte dabei ackerbauende Zen-Bergasketen (wovon sich Edward A. Burger zu seiner Doku "Amongst White Clouds" inspirieren ließ, die man hier in voller Länge mit engl. Untertiteln sehen kann). Auf einer Pilgerreise zu den Tempeln und Übungsstätten der ersten sechs Zen-Patriarchen Chinas begegnete er einer überaus lebendigen Tradition des Zen (die sich überraschenderweise sogar so - und nicht Chan - nenne), faszinierenden Meistern, Schülern, Nonnen (viele von ihnen steinalt) und wandelte auch auf den Spuren des legendären Hsu Yun, dessen einer Dharma-Erbe Ching-hui eine Schlüsselfigur im chinesischen Zen darstellt und von ihm besonders liebe- und respektvoll porträtiert wird. Überraschendes erfährt man auch über das Shaolin-Kloster und die dort eingezogene Besinnung aufs Meditative (erst kürzlich wurde eine große Meditationshalle errichtet) sowie deren Verstrickung ins politische Geschäft. Doch ZEN BAGGAGE ist mehr als ein Reisebericht, denn sein Autor nutzt die Gelegenheit, wesentliche Lehren der Patriarchen (die er teils neu übersetzt) einfließen zu lassen und so an die Wurzeln des Zen zu erinnern. Ich war nicht wenig erstaunt über das Ausmaß der Zen-Aktivitäten in China. Selbst Thich Nhat Hanh wurde schon dorthin eingeladen, um zu unterweisen. Ein chinesischer Zen-Adept, der ihm gelauscht hatte, kommentierte dies so: TNH würde in Begriffen des Dualismus lehren und an eine stufenweise Erleuchtung glauben - und läge damit völlig falsch.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Ich, der Pascha

Im Blog-Kommentar eines ehemaligen Schülers von Dainin Katagiri (einst u.a. rechte Hand von Suzuki Roshi) fand ich folgenden bedenkenswerten Satz als Antwort auf die Gerüchte um eine Affäre Katagiris mit einer seiner Schülerinnen (die erst nach seinem Tod bekannt und von einer anderen Schülerin, der Autorin Natalie Goldberg, aufgegriffen wurde). Der Satz lautet: "rely on the teaching not the teacher" - Stütz dich auf die Lehre, nicht auf den Lehrer.

So wie die Zen-Schulung für gewöhnlich strukturiert ist, kann das kaum funktionieren. Und irgendwie ist dieses Bild auch schräg. Da könnte man ja auch sagen: "Wenn du Vitamine brauchst, verlass dich auf die Medizin, nicht auf den Apotheker." Und wenn der einem dann Zyankali unters Vitamin C-Pulver mischt? Wozu brauche ich ihn denn, wenn er seinen Job nicht beherrscht? Nein, so einfach ist es nicht. Es ist nämlich noch einfacher: Wer sich nicht im Griff hat, sollte nicht lehren. Und wenn er es doch tut und seine eigene Lehre Lügen straft - dann taugt also auch seine Lehre nichts (denn ganz offensichtlich ist sie nicht mehr als ein Lippenbekenntnis). 

Wo sind also die Lehrer, die an ihren eigenen Ansprüchen (oder denen des Dharma) nicht scheitern? Wo ist der lebende Beweis für die Wahrhaftigkeit eines Dharma (oder genauer: seiner Sittenlehre)?

Und hier noch ein paar Fundstücke aus einem Roman.

"Die Köpfe jener, die sich selbst Mönche nennen, sind glatt geschoren und schimmern stets bläulich. Ist es heiß, spannen sie über ihren kahlen Schädel Sonnenschirme. Ist es kalt, wird der Schädel in eine Kapuze gehüllt. Wozu also rasieren sie ihre Köpfe? Spottet dies nicht jeder Vernunft?"

"Als vor langer Zeit ein in jenen Tagen berühmter Zenmeister gefragt wurde, wie man denn zur Erleuchtung gelangen könne, soll dieser geantwortet haben: 'Verhaltet euch wie eine Katze, die auf eine Ratte losgeht.'"

(Natsume Soseki: Ich, der Kater, Insel Verlag 1996; der Roman ist aus der Sicht eines Katers erzählt)

Dienstag, 22. Februar 2011

Schlafen, reden, lachen

Ein weiterer Dharma-Nachfolger Soen Nakagawa Roshis (neben dem kürzlich erwähnten Eido Shimano) ist der weniger bekannte Kyudo Nakagawa. Ich surfte bei den kürzlichen Recherchen auf diese englischsprachige Website, die ein Interview mit ihm enthält. Die besten Stellen möchte ich übersetzen. Und bei dieser Gelegenheit sagen: Mir ist klar, dass nicht alle Leser fremdsprachige, hier verlinkte Seiten lesen können, mir fehlt es nur oft an der Zeit, sie zusammenzufassen (was im Falle des Shimano-Archivs wohl beinahe den Aufwand einer Dissertation erforderte).
   Und nun Kyudo Nakagawa Roshi:

   ["Was ist Zen?"] - "Schlafen, reden, lachen - das ist alles."
   "Lehrer können nur zur Wahrheit hinführen, sie aber nicht lehren."
   "Zen ist Religion ohne dualistische Sichtweise."
   "Erst wenn man den rechten Blickwinkel hat, wird das Lesen eines Buches, Teetrinken oder das Sprechen über Zen zu Zen."
   "Wenn du von allem befreit bist, dann bist du ein Buddha."
   "Von Anfang bis Ende: KEIN ZIEL!"
   ["Was ist die Bedeutung von Zazen?"] - "Zazen ist dafür da, die Wahrheit zu erkennen."
   "Außer mir ist alles ein Lehrer."
   "Das ursprüngliche Koan ist dein tägliches Leben."

Montag, 21. Februar 2011

Die sexfeindlichen Buddhisten

Nanu, fragt sich der herumgekommene Buddhist, was meint er denn? Habe ich etwa nicht erst neulich geile Meditierende auf dem Sesshin in XY getroffen?
   Fürwahr, im Sex vergisst der Mensch am ehesten seine Vergänglichkeit. Und vielleicht  gibt uns Sex tatsächlich das schönste, intensivste konzentrierte Gefühl des Lebens. Wer jedoch in die Schriften schaut, wird nicht nur anhand der Ordensregeln feststellen, wie verklemmt wesentliche Teile der buddhistischen Überlieferung daherkommen. Dazu ein kurzer Einschub. 
   Ursprünglich hatte ich hier mal einige Blogs gelistet, mit etwas mehr Platz, als sie die einfachen Links in der rechten Spalte bekamen. Nach und nach habe ich Blogs gelöscht, die mir thematisch zu weit vom Dharma abschweiften (auch wenn sie mir lieb sind) oder, und das macht mir Kummer, irgendwann ihre lächerlich-rückständige dogmatische Haltung nicht mehr verbergen konnten. Üblicherweise geschieht das beim Thema Sexualität. Darum wurde der Blog von Bhante Dhammika zu einem Link "degradiert", und nun ist es auch mit "Dark Zen" so weit, und zwar weil er die Ablehnung der Wiedergeburts-Hypothese kürzlich als "hogwash" (Unsinn) bezeichnete und dies mit nichts anderem als dem Verweis auf den Pali-Kanon zu begründen wusste (obwohl er sonst zu den pfiffigsten Interpreten der wesentlichen Mahayana- und Zen-Sutren zählt). Diese beiden Autoren verzichten bezeichnenderweise ihrerseits auf dauerhafte Verlinkung zu anderen Blogs. So kommt's, wenn man profilierte Ansichten vertritt.
   Dass man nicht einfach mit dem Pali-Kanon wedeln kann, wenn man selbst einen gewissen Erkenntnisstand in Sachen Sexualität nicht erreicht hat, soll folgende Passage verdeutlichen - zugegeben, ebenso thesenhaft wie bei Dark Zen, doch ich bin darauf ja schon öfter eingegangen. Der entscheidende Punkt ist, mit wem man Sex hat, wie und mit welchen Mitteln. Ein Lehrer sollte sich seine Gespiel(inn)en nicht unter Schüler(inne)n suchen. Ganz besonders dann nicht, wenn es zum erklärten Ehrenkodex in der Sangha gehört. Ich danke Aiko für die Anregungen in Ihrem Blog, wobei ich nun auf einen Beitrag vom 5. Februar 2010 eingehe, statt dort verspätet einen Kommentar zu hinterlassen.

Digha Nikaya 16.5.4
Anandas Frage bezüglich Frauen

«Wie sollen wir, o Herr, mit den Frauen uns verhalten?»
«Nicht sehn, Anando.»
«Und wenn, Erhabener, gesehen, soll man sich wie verhalten?»
«Nicht ansprechen, Anando.»
«Wenn aber eins anspricht, o Herr, soll man sich wie verhalten?»
«Achtsamkeit, Anando, bewahren.»

Buddhas Gespräch mit Ananda gehört zum Dümmsten, was ihm in den Mund gelegt wird. Jeder Mann, der sich schon so gegenüber einer Frau verhalten hat - und vergleichsweise auch mal ganz gegenteilig - wird dies unterschreiben können. Man kann seinen Körper (und die damit verbundenen Gefühle) nicht verarschen. Es tut einem Mann z.B. gut, wenn er eine (schöne) Frau ansieht - Glückshormonausschüttung. Das ist gesund. Wegsehen ist also ungesund. Auch den Klang einer Stimme zu hören kann gut tun. Und was die Antwort "Achtsamkeit üben" im Falle des Ansprechens durch die Frau angeht - diese Achtsamkeit könnte auch darin bestehen, die Bedürfnisse der Frau zu erkennen und ggf. darauf einzugehen (selbst wenn sie sexueller Natur sind). So ist das im Normalfall. Darum ist Mönchs- und Nonnensein, dass sich an schlechten alten Schriftstellern wie denen des Pali-Kanon orientieren will, auch unmenschlich. Und darum wurde einst auch der Zen-Mönch gescholten, der in seiner einsamen Hütte die junge Frau verschmähte, die ihm eine Alte immer wieder vorbeischickte. Man tue also vielmehr das Naheliegende - und das ist eben längst nicht in allen Fällen: nicht sehen, nicht ansprechen. Manchmal besteht die Achtsamkeit schlicht im Mitführen eines Kondoms.

Wie man die Robe ablegt ... oder auch nicht ...

... macht gerade Genpo Merzel vor - und im Gegensatz zu unserem novizengeilen Vietnamesen ist der ja sogar mal authentisch in eine Traditionslinie aufgenommen worden. Gestolpert ist er über außerehelichen Sex. Brad Warner meinte dazu treffend: Dieser Kram schert mich wenig, aber wie er mit seinem "Big Mind" den Leuten vorgebliche Zen-Weisheiten für teures Geld verkauft. Und ganz richtig vermutet Warner, dass es nun noch schlimmer mit dem Merzel kommen könne, denn dieses Mind-Business will er keineswegs aufgeben - ist ja auch klar, erst kommt die Erkenntnis (wie man mit dem Zen Geld scheffeln kann) und dann die Praxis (das Scheffeln) -, doch wer wird ihm wohl dann noch Contra geben? Ginge es wirklich um Zen, würde er freilich andere Prioritäten setzen. Das Gleiche blüht uns natürlich mit jenem Vietnamesen, der in Frankfurt und im Odenwald seine Geschäfte betreibt - selbst wenn er entrobt, wird er weiter Unsinn verzapfen, sich dafür gut bezahlen lassen und den Eindruck erwecken, das habe was mit tiefer Erkenntnis im Buddhismus zu tun.
   Wie lange es dauern kann, bis einer endlich abtritt, der durch sexuelles Fehlverhalten (in diesem Fall mit von ihm "abhängigen" Schülerinnen) aufgefallen ist, zeigt exemplarisch die Biografie von Eido Shimano , die durchzogen ist von Sexskandalen. Ende letzten Jahres trat er wegen der jüngsten Affäre als Abt der Zen Studies Society zurück. Mit 78 Jahren. Vor einiger Zeit hat ein anderer Roshi, Robert Aitken, sein Shimano Archive freigegeben, in dem sich interessante Briefwechsel u.a. mit Shimanos Meister Soen Nakagawa Roshi befinden, den er immer wieder auf Shimanos Fehlverhalten aufmerksam machte. Die darauf folgenden Beschwichtigungen, Ignoranzien und kulturell bedingten Missverständnisse lassen sich leicht auf aktuelle Geschehnisse in Deutschland übertragen. Natürlich kann man diese Dinge auch anders beleuchten, und sogar von Shimano werden ein paar Leistungen bleiben, auf die ich bei Gelegenheit ausführlicher zurückkommen werde, da ich erst kürzlich Kontakt zu einem seiner Schüler hatte.

(Foto: Genpo 1980, von "Hogen0014", wikipedia.org)

Donnerstag, 10. Februar 2011

Der Streit um Ruinen

Wo habe ich denn schon mal meinen Besuch in Preah Vihear geschildert? Ich hoffe, es war nicht hier im Blog. Zur Zeit geht es dort wieder rund. Thailändische und kambodschanische Soldaten stehen in der Grenzregion bereit, Tote gab es auch schon (selbst unter Zivilisten), und das alles, weil der Tempel einst  vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag den Kambodschanern zugeschlagen wurde und seit ein paar Jahren UNESCO-Weltkulturerbe ist. Freilich, schon als letzteres noch keine beschlossene Sache war, nutzten thailändische "Kräfte" immer mal wieder den alten Streit, um von landesinternen politischen Problemen abzulenken. Einmal sprach mich sogar in einem Family Mart (einer Art rund um die Uhr geöffneten Mini-REWE) an der Kasse ein angetrunkener Thai an, wie ich das denn fände, jetzt ginge es den Khmer in Preah Vihear an den Kragen, nicht wahr (das Fernsehen hatte von der Zuspitzung des Konfliktes gesprochen, nachdem ein paar Thais, u.a. ein Mönch, illegal die Grenze übertreten hatten und in einen Sitzstreik getreten waren). Schon damals war dicke Luft, ich hatte nämlich kurz zuvor in einem Restaurant den Besitzern ein paar Satellitenaufnahmen der Grenzregion gezeigt, die aus dem Internet stammten, und Partei für die Kambodschaner ergriffen. Der ausschlaggebende Grund war jedoch ein ganz anderer, denn rein formal kann man die Klagen der Thais nachvollziehen. Der Grund liegt in der unvergleich größeren Armut der Khmer, deren Lebenserwartung 15 Jahre niedriger ist als die der Thais. Im Grunde zeigt sich nirgendwo der Weltöffentlichkeit deutlicher (drastischer noch als im Bargewerbe), zu welch unsäglicher Gier dieses Volk aufgeputscht werden kann.

Ich wünsche mir sehnlich ein Machtwort des Königs, des Einzigen, den ich für fähig und stark genug halte, mit einer großen Geste alle zum Schweigen zu bringen. Diese Geste möge im Los- und Ablassen von Preah Vihear bestehen, denn es gibt keine andere, die auf einen Schlag ein tieferes Gefühl nachbarschaftlicher Verbundenheit auslösen könnte. Heute sind die Khmer in Thailand billige Arbeitskräfte, die etwa beim Bau von Gebäuden eingesetzt werden. Auch aus Nachbarländern wie Burma und Laos stammen viele der schlechter bezahlten Arbeiter(innen). In einem buddhistischen Staat wie Thailand ist es an der Zeit, sich aus Dankbarkeit für ein Dana nationalen Ausmaßes einzusetzen.

Als man noch von thailändischer Seite nach Preah Vihear kam (von kambodschanischer Seite aus ist es unwegsam und  man muss in der Regel an bettelnden Soldaten vorbei, die am Aufstieg ihr Lager haben), zahlten wir eine Gebühr für den von den schlauen Thais auf ihrer Seite ausgerufenen Nationalpark. Hinter einem Schlagbaum warteten vor allem kambodschanische Kinder, um einem den Schirm über die Rübe zu halten oder sich als Guides anzubieten usw. Wir hatten privat einen Pickup gemietet, auf dem sich ein paar Koffer vor allem mit gut erhaltener Kleidung meines verstorbenen Vaters und Schulmaterialen befanden. Ich fragte die Thai-Grenzpolizisten, ob wir das Ganze verteilen dürften. Sie hatten die hervorragende Idee, die Kinder in Reih und Glied zu stellen, um für eine faire Verteilung zu sorgen. Doch zunächst musste ich die Koffer öffnen, und die Grenzpolizisten nahmen sich die beiden besten Kleidungsstücke heraus.

Damals konnte man noch Scherze treiben wie auf dem kleinen Foto, das in Preah Vihear entstand. Damals ging es noch um Plastikpistolen.

(Fotos: Keller; weitere Aufnahmen anderer Fotografen hier)

Dienstag, 8. Februar 2011

"Die Egotheorie sollte durch eine Bündeltheorie ersetzt werden."

Und: "Die Religion tendiert zum Autoritarismus wie der Kapitalismus zum Monopol." So Julian Barnes in seiner autobiografischen Reflexion über den Tod, "Nichts, was man fürchten müsste". Ich komme darauf zurück.

Bhante Dhammika hat in seinem Blog im Beitrag "The 5 Regrets of Dying" Erkenntnisse aus seiner Hospizarbeit zusammengefasst. Was Sterbende am meisten bedauerten, sei

- nicht ein Leben getreu den eigenen Vorstellungen geführt, sondern sich nach anderen gerichtet zu haben,
- zu hart gearbeitet (und die Familie vernachlässigt) zu haben,
- ihre Gefühle nicht genügend ausgedrückt zu haben,
- Freundschaften vernachlässigt zu haben,
- sich zu wenig echte Zufriedenheit gegönnt zu haben.

Die große Überraschung - und einen Selbstbetrug - erkannte ich nicht in diesen Aussagen, sondern in Bhante Dhammikas Einleitung, wo er betont, dass wirklich jeder Patient ("every one of them") sich schließlich mit dem Sterben ausgesöhnt habe. Dies widerspricht nicht nur meinen Beobachtungen, sondern auch denen von zahlreichen Ärzten. Julian Barnes zitiert einen davon in seinem Buch. Vielleicht ist diese Blindheit des Bhante der Hospizarbeit geschuldet oder soll deren Wert unterstreichen. Ich stehe - im Gegensatz zu vielen sozial engagierten Buddhisten - Hospizen recht kritisch gegenüber, da man dort Gefahr läuft, Illusionen und "billigen" Trost zu schaffen. Was erzählen denn Buddhisten dort den Sterbenden? Was machen sie mit ihnen?

Das Buch von Barnes jedenfalls beleuchtet verschiedene Aspekte des Sterbens und unserer Ängste davor, es zitiert letzte Worte und philosophiert humorvoll über das Unvermeidliche. Das Ich sei nur ein Konstrukt der Gedanken, der freie Wille eine Illusion, so gibt es den Stand der Hirnforschung wieder. Ohne den Bezug auf Aristoteles zu vergessen, liefert es eine dem Zen ähnliche, jedoch ganz rationale Erkenntnis: "Die Vorstellung von einem zerebralen U-Bootkapitän, der alle Ereignisse im Leben des Menschen souverän organisiert, muss der Vorstellung weichen, dass wir nichts als eine Abfolge von Gehirnereignissen sind, die von gewissen Kausalverbindungen zusammengehalten werden (...) Das 'Ich', das wir so lieben, ist eigentlich nur eine grammatische Kategorie."

Montag, 7. Februar 2011

Und ein Kommentar zu Thich Nhu Dien ...

[Wieder, aus rechtlichen Gründen, leicht gekürzt und - weil diese Bearbeitung in der Kommentarfunktion nicht möglich ist - hier eingestellt. Der Beitrag ist zwei Tage alt.]

"hallo, gui do,
danke für die aufklährungskampagne bezüglich "thich" thien son, hoffentlich verbreitet sie die wahrheit unter vietnamesen und deutschen schnell.

ich habe für sie auch einige informationen über thich nhu dien, alt-abt der pagode vien giac in hannover :

1)tnd fliegt ausschlieslich erste klasse während andere mönche zb 17 std mit dem bus fahren müssen,
2) buddhistische bücher werden von ihm falsch übersetzt
3) schikanierung von bildungsfernen mönchen und nonnen
4) auch tnd muss tägl. massage bekommen, wenn nicht lässt er es am nächsten morgen gerne an anderen aus
5) luxuszimmer mit massage stuhl, fernsehr, luxus bad während alle anderen mönche u nonnen ins gemeinschafts bad müssen
6) er soll spenden-geld ausgegeben haben um gefälschte [..., aus rechtl. Gründen gekürzt] zu kaufen
7) politische hetzte und ausgrenzung gegen nord vietnamesen,

diese sachen können auch von anderen bestätigt werden"

Sonntag, 6. Februar 2011

Die Millionärs-Karmapas

Ach ja, das Karma ... Wenn Du einen hochrangigen Mönch siehst, frage Dich sogleich, warum er es ist - ob wegen des Geldes, der Macht ... Der so genannte Karmapa-Streit, die Tatsache, dass man sich nicht auf einen aktuellen 17. Karmapa einigen konnte, geht nun in eine wohl entscheidende Runde. Beteiligt sind offenbar auch chinesische und indische Geheimdienste, die die beiden gegeneinander ausspielen könnten. Bei Ogyen Trinley Dorje, dem Liebling des Dalai Lama, hat man nun eine Million US-Dollar in bar gefunden, angeblich für den Landkauf zum späteren Bau eines Klosters. Die indischen Behörden äußerten offiziell den Verdacht, der einst auch von China als Karmapa bestätigte Twen würde als Agent der Chinesen arbeiten. Dass es gute Gründe gibt, den durch eine Erbschaft des schönen Hongkong-Stars Anita Mui begünstigten und noch reicheren anderen Karmapa, Trinley Thaye Dorje (Foto), für einen Chinatreuen zu halten, hat "Tenpa Rinpoche" in seinem englischsprachigen Blog pointiert aufgedröselt.
   Apropos Rinpoche - ich fand hier noch Folgendes: "Nach seinem Tod geht jeder Karmapa in das reine Land ein und dann durch das Beibehalten seiner Ziele kehrt er in diese Welt zurück."
   Aha. Es ist schon schwer genug für einen Sterbenden, seinen Urin bei(sich)zubehalten, aber dass ein Toter noch seine "Ziele" mit sich rumschleppt, ist mehr Balast, als ihn irgendein Buddhist verdient.

Samstag, 5. Februar 2011

Thich Thien Son ("Thay") aus DBO ausgeschlossen

Die DBO (Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft) hat meine Achtung teilweise wiedergewonnen. An Heilig Abend letzten Jahres hat sie Thich Thien Son aus ihren Reihen verbannt. Ich fasse von deren Website und der Tenzin Peljors zusammen:
   Demnach liegen der DBO fünf Eidesstattliche Versicherungen von ehemaligen Schülern Thich Thien Sons vor, denen zufolge Thich Thien Son (alias Thay) sexuelle Beziehungen zu einigen seiner Schüler unterhalten habe. 
   Unter "Details" geht auf der DBO-Site ein Fenster auf, das Einzelheiten aus ihrer Entscheidung zitiert und TTS nahelegt, die Robe niederzulegen.

Es ist meines Erachtens u.a. das Versäumnis eines anderen vietnamesischen Abtes, nämlich Thich Nhu Diens von der Pagode Vien Giac in Hannover, dass TTS nicht schon längst aus der Ordiniertensangha ausgeschlossen wurde. Da der DBO die Details der Eidesstattlichen Versicherungen bekannt sind, sollte sie diesen Ausschluss auch von sich aus forcieren. Wenn ein Ordinierter Sex mit Penetration hat, wird er lebenslang aus der Sangha ausgeschlossen, so die Ordensregeln.

Freitag, 4. Februar 2011

Neues aus dem Hause Thich Thien Son (alias Thay)

(Dieser Beitrag wurde soeben als Kommentar zum Blogeintrag "Canisius und Phat Hue" vom 12.02.2010 verfasst. Er wird stattdessen, aus rechtlichen Gründen leicht gekürzt, hier eingestellt. Eine Bearbeitung innerhalb der Kommentarfunktion ist leider nicht möglich.)

"Es ist interessant zu lesen, dass meine Einschätzung gegenüber den Abt Thich Thien Son und seine Familienschar sich bewahrheitet haben. Den Abt kenne ich schon als kleines Kind. Bin so wie er als Boatpeople damals nach  Deutschland gekommen. Als ich ihn kennenlernte,war er noch nicht mal Mönch. Ich war eins von vielen kleinen Kindern, die in seiner Familie ein und aus gingen.
   Da ich weiblich bin, habe ich diese sex. Übergriffe selber nicht erleben müssen. Dafür aber mein Bruder,der Andeutungen damals gemacht hatte, aber aus Scham nicht ins Detail gehen wollte. Ich kenne seine Familie gut, so dass ich sagen kann, dass Homosexualität als Thema in diese Familie tabu war. Viele männl. Verwandte von ihm sind homo oder bi. Es sind keine Behauptungen, sondern Tatsachen, weil ich die Betroffenen kenne und sie teilweise meine Angehörige sind. Ich möchte daher nicht so ins Detail gehen und meine Identität angeben, um andere zu schützen. Aber eins muss ich nach all so langer Zeit sagen, dass in der Familie des Abts nicht 'sauber' mit Spendengelder umgegangen wird, besonders seine leibl. Mutter, die ihre Position schon damals ausgenutzt hatte, um Leute erst zu manipulieren und dann zu schikanieren. Eine fromme Nonne ist sie nicht und wird es auch nie werden,da sie den Glauben der budd. Menschen aussnutzt,um sich und ihre Familienangehörigen zu bereichern. Das war damals schon so, nur erkannten viele es zu spät und schweigen nun, weil sie ärgerlich, so getäuscht worden zu sein. Damals hatte die Familie Geldspenden schon  (..., aus rechtlichen Gründen gekürzt). Bsp. ein schickes Auto für den ältesten Sohn, der natürlich mit seinem Gehalt als Krankenpfleger sich das nicht leisten konnte. Im Gegensatz zu Thich Thien Son ist er hetero. Und da ich weibl. bin, wurde ich 'auch' damals nur so durchgekitzelt aus Spass. Nur war es sehr unangenehm gewesen,da manche Körperstellen für ihn als einen verheirateten Mann tabu sein sollten. Auch wurden in dieser Familie angebl. nur vegetarisch gegessen. Dennoch hatte die Mutter als Küchenhilfe in einem Altenheim regelmässig Wurst mit nach Hause gebracht.Für die Tiere. Sie hatten gar keine Haustiere. Wahrscheinlich für Nachbars Kätzchen/Hunde.
   Ich weiss nicht wie lange diese Leute die gläubigen Buddisten noch 'ausnehmen' und ihre Positionen missbrauchen können. Es gibt ja noch so viele Menschen, die nach Lebensglück/-inhalt/-halt streben. Ich muss sagen, ich bin froh, dass ich mit dieser Familie nichts mehr tun habe. Wer noch kann,sollte sich davon befreien."

HEREAFTER - Das Leben danach

Einem 80-Jährigen verzeiht man so einiges. Im Allgemeinen hat die Filmkritik darum Clint Eastwoods HEREAFTER, der gerade in deutschen Kinos läuft, als eine nicht-wertende Darstellung der menschlichen Sehnsucht nach einem jenseitigen Leben gelesen, d.h. als den Ausdruck eines Wunsches nach quasi ewigem Kontakt zu geliebten Menschen. Matt Damon spielt ein "Medium", das beim Berühren der Hände eines anderen Menschen dessen Biografie und Leiden erkennt - und nach welchem Verstorbenen der Betroffene sich sehnt. Dann gibt es da eine Frau, die in einem Tsunami beinahe ertrinkt und dabei offenbar Kontakt zu Verstorbenen hat, fortan aber von ihren Bekannten nicht mehr ernst genommen wird - bis sie auf  Medium Matt trifft. Vermittelt wird dieser Kontakt schliesslich von einem kleinen Jungen, der seinen Zwillingsbruder verloren hat. Und genau hier zeigt sich die Inkonsequenz des Drehbuchs, dessen Autor Peter Morgan angeblich nicht mal an ein Leben danach glaubt (was womöglich seine unfreiwillige Satire erklärt): In einer Szene bläst es dem Jungen die Basecap seines verstorbenen Bruders vom Kopf und er entgeht so einem Bombenattentat in der U-Bahn (jaja, so dick wird da aufgetragen). Verantwortlich war - laut Medium - sein Bruder, der ihm ein letztes Mal aus dem Jenseits half. Ich fragte mich sogleich, wieso dann nicht auch irgendwelche üblen Burschen aus dem Jenseits Kontakt mit den Lebenden aufnehmen - das freilich bebilderte dieser Film nicht. Stattdessen peinliche Flashs von undeutlich wankenden Schattengestalten.
    Dieser Tage erinnerte mich jemand an ein Gespräch über meine einstige als todesnah empfundene Erfahrung. Ich bedauerte, dass die damit verbundene, richtungsweisende bzw. -ändernde Energie, die mein Leben in eine andere Bahn brachte, sich inzwischen etwas abgenutzt hatte. Meines Erachtens kann sie sich nicht dauerhaft aus Schlüsselerlebnissen speisen, sondern sollte sich letztlich in dem verankern, was keinen Anker zulässt - der meditativ erfahrenen Leere oder dem, wie kürzlich schon buchstabiert, "Todlosen". Oder "Sterbenslosen". Es ist mit keinerlei Hoffnung verbunden. Auch wenn ich, solange ich atme, gerne einer Frau sage: Ich habe dich schon viele Leben lang gesucht. Diese Art der Illusion bezieht sich nur auf den Augenblick der Liebe.
    Dennoch möchte ich meinen eigenen Thesen gegenüber skeptisch bleiben. Ich verfolge den Blog eines an einem Glioblastom erkrankten Autors, Wolfgang Herrndorf. Bei seiner Erkrankung, einer Art Hirntumor, bestehen kaum Überlebenschancen über mehrere Jahre. Nun, wo ihm die Hoffnung schwindet, so schreibt Herrndorf, vergehe auch die Angst vor dem Sterben, ja, er sehne sich den Tod herbei. Ein Leben ohne Hoffnung, so scheint es, ist schwer zu ertragen. Dabei quält sich Herrndorf nicht mal mit der üblichen Frage: Warum gerade ich?
   Wie ist es also möglich, dass wir keine Hoffnung über das Hier und Jetzt hinaus hegen?

[Copyright Poster: Warner Bros.]

Mittwoch, 2. Februar 2011

Zurück aus Thailand

Nach einem mehrmonatigen Thailandaufenthalt fragte ich mich, wie es mit dem Blog hier weiter gehen soll. Im letzten Jahr hatte ich den Wunsch, nicht nur verschiedene buddhistische Themen anzusprechen und die Kritik an irrigen Mönchen - insbesondere des vietnamesischen Buddhismus - zu forcieren, sondern auch einige Textauszüge und Übersetzungen zur Verfügung zu stellen. Das reichte dann für einen Beitrag pro Tag. Mit dieser Regelmäßigkeit kann ich im laufenden Jahr nicht weitermachen. Stattdessen möchte ich zunehmend anhand buddhistischer Begriffe über das Leben meditieren und dafür zunächst auch Beobachtungen von meiner Reise heranziehen. Zwischendurch wird es Einträge in der Art des letzten Jahres geben, und natürlich soll weiterhin kritisch die buddhistische Szene im Auge behalten werden. Im Moment übersetze ich Dogens Eihei Koroku und kann gelegentlich daraus zitieren. Ein Buch von Ludger Tenryu Tenbreul steht kurz vor der Veröffentlichung in meinem kleinen Verlag.

Was mich in Thailand besonders irritierte, war eine seltsame Massenbewegung. Sie heißt "Dhammakaya" und betreibt einen buddhistischen TV-Sender namens DMC, in dem ein bebrillter Mönch Dauerreden im Stile von Baptisten hält - Sätze aus dem Pali-Kanon werden wörtlich genommen, Briefe von Thais schon mal so beantwortet, dass ihnen bei Fehlverhalten diverse Höllen drohen. Diese werden dann auch bildlich dargestellt. Das ist unsäglich primitiver und dummer Buddhismus, der einem zuweilen auch in Alltagsgesprächen entgegenschlägt. Ich habe dafür nach wie vor kein Verständnis und kann mich nicht an der bunten Vielfalt des Buddhismus erfreuen, wenn unter diesem Namen Menschen verarscht werden. Jeden Tag läuft auf DMC zu einem Cartoon auch ein Popsong im Stile des Isaan, mit englischen Untertiteln, in dem ein (gezeichnetes) Mädchen davon singt, wie es gern an den Bars sich Ausländer angelt und dabei einen Schnapp machen will. Der Song ist tatsächlich so angelegt, dass man beim Hereinzappen lange an eine Werbung fürs horizontale Geschäft glaubt, fast möchte man mitsingen, so eingängig ist das. Nur schwer erschließt sich diese Ironie, gehören doch auch Barfrauen zu den Versorgern der Mönche. Ich traf eine Dame, die nach einem kleinen Motorradunfall und heftigem Zwist in ihrer Familie (ihr Schwager verbot ihr, sein Haus zu betreten, da sie an der Bar arbeite, obgleich er selbst  seine Frau, also ihre Schwester, an der Bar kennengelernt hatte) davon sprach, nur noch Pech zu haben und darum am folgenden Morgen mal in den Tempel zu müssen, um "tambun" zu machen, also Spenden dort zu lassen. Ich sagte ihr, sie könne die Spenden auch mir geben, dann würde es sicher wieder bergauf mit ihr gehen ...

Luangta Maha Bua ist tot

Vor zwei Tagen starb der in Thailand als Arahant angesehene Mönch Maha Bua. Er war fast 100 Jahre alt und gilt als einer der herausragenden thailändischen Mönche der Waldtradition. Vor einigen Jahren wurde er durch seine harsche Kritik am damaligen Premier Thaksin bekannt, die diesen zu einer Klage gegen eine Zeitung veranlasste, in der Maha Buas Reden erschienen war. Als der König einschritt, wurde die Klage zurückgezogen - die sich aufgrund einer gewissen Unantastbarkeit von Mönchen nie gegen Maha Bua selbst gerichtet hatte. Im Video unten kann man sich von seiner jovial-humorvollen, direkten und kritischen Art überzeugen, zuweilen mag jedoch auch etwas Arroganz durchschimmern (siehe Teil 2 auf youtube). Am neuen Flughafen Bangkoks, der nicht zuletzt auf Thaksins Initiative hin entstand, bekam ich zwar wieder keine Bangkok Post, aber eine Masseuse war nicht die einzige, die Thaksin dafür lobte, die medizinische Versorgung bei Unfällen zeitweilig verbessert zu haben. Wie auch immer, Mönche, die sich in die Politik einmischen, begeben sich natürlich auf Glatteis. Was mich wundert, das ist, wie ganz banale Thesen von der Gier der Mächtigen, die wohl jeder zweite meiner schlichten Nachbarn von sich geben könnte, aus dem Munde eines Waldmönches plötzlich eine so große Bedeutung erlangen. Viel wichtiger, und dafür schätze ich ihn, ist sein Verständnis des Dhamma. Eine zentrale Aussage Maha Buas, eines Schülers Ajahn Muns, lautet: Citta, der strahlend-klare und gewahre Herz-Geist, sei nicht der Zerstörung unterworfen wie das Unbeständige (anicca), Leiden (dukkha) und Nicht-Selbst (anatta), Citta sei "todlos" und von unabhängiger Wirklichkeit.