Mittwoch, 15. Februar 2012

Nachtrag zum Sutra

Von der Devise "Tue Gutes und sprich darüber" halte ich eigentlich nicht viel. In Kambodscha, wo ich kürzlich weilte, einem Land, das die höchste Dichte an NGOs (Hilfsorganisationen) in der Welt aufweisen soll, bekam ich erschreckend vor Augen geführt, wie sich Hilfswillige in ihre Weltsicht hineinsteigern können. Nicht zuletzt deshalb haben Psychologen den Begriff "Helfersyndrom" kreiert und damit eine schon pathologische Form des Helfenwollens umschrieben. Ich gehe wohl in den nächsten Tagen noch auf einen konkreten Fall ein. 
   Dennoch möchte ich eine kleine Weihnachtsgeschichte nachreichen, weil sie zu diesem schlichten Abschnitt aus dem "Sutra der 42 Kapitel" passt. Abschnitt 6 lautet nämlich: "Der Buddha sprach: 'Wenn ein Böser dich Gutes tun sieht und dafür übel beschimpft, solltest du dies geduldig ertragen und nicht wütend auf ihn werden, da der Böse sich selbst beschimpft, indem er es bei dir versucht.'"
   Als ich meine bettelnden Straßenbekannten, die zwischen den Jahren in Pattaya in der Nähe des größten Kaufhauses Südostasiens (Central) auf dem Bordstein hockten, mit in die Spielzeugabteilung nahm, um sie für einen zuvor festgelegten Betrag etwas aussuchen zu lassen, staunte nicht nur die Mutter zunächst nicht schlecht über die Preise für Originalware. Mir fiel z.B. ein kleiner Snoopy auf, weil meine Schwester drauf steht, der nichts weiter machte, als - batteriebetrieben - mit dem Kopf zu nicken, während ihn Woodstock (der gelbe Specht aus den Peanuts) dabei anschaute. Das Teil sollte über 20 Euro kosten ...
   Den Kindern gingen natürlich die Augen über, am Ende reichte es aber gerade mal für ein paar Kleinigkeiten und die Mutter versuchte sie zu überzeugen, es sei doch besser, mit dem Geld einen DVD-Player zu kaufen, dann könnten sie in ihrer Absteige, wo sich ein kleiner Fernseher befand, in der Nacht Filme sehen (die man wiederum recht billig an der Straße bekommt). Den Player hatte ich aber auch noch übrig, der stand in meinem Zimmer. Als wir dann wieder an der Straße hockten, kam ein Westler vorbei, sah die Geschenke der Kleinen und meinte (übersetzt): "Die Frau hat doch einen Mann, der sie zum Betteln schickt, der gibt man doch nix." Meine Bekannte konnte sein Englisch nicht verstehen, also versuchte ich es radebrechend zu übersetzen. Solche Momente können einen dann an das Obige erinnern. 
   

1 Kommentar:

  1. Namaste!

    Ach, das ist doch immer dieselbe Art von Leuten.

    Diese Typen suchen einen Grund um rechtfertigen zu können, dass sie selbst üble Geizkragen sind. Machen wir uns nichts vor!
    Wer anderen gute Taten madig macht, ist noch weitaus schlimmer als jemand, der selbst einfach Abstand davon nimmt.

    Ich kann dieses Vorgehen nur Verurteilen.
    Sicher soll es gewisse Regeln geben, wie man seine Mildtätigkeit denn "an den Mann zu bringen hat", aber irgendwie spielen solche Verhaltensnormen den Geizkragen absolut in die Hände.

    Manchmal ist einfach "der richtige Zeitpunkt" da, um Dana zu üben - die Umstände passen (das Kleingeld muss es natürlich auch).

    Dann wird einfach gegeben - kein Unterschied zwischen Geber Empfänger und Gabe.

    Drum hütet Euch, Ihr miesen Knauser!

    < gasshô >

    Benkei

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