Samstag, 30. Juni 2012

Donnerstag, 28. Juni 2012

Dienstag, 26. Juni 2012

Sonntag, 24. Juni 2012

Freitag, 22. Juni 2012

Mittwoch, 20. Juni 2012

Samstag, 16. Juni 2012

Donnerstag, 14. Juni 2012

Haiku (I)

[Der Blog geht in eine unbestimmte Pause und klingt allmaehlich mit Haiku aus. Vielleicht geht es, anderswo, literarisch weiter ...]


Schon wieder erholt –
wie viele Leben hat die
Eintagesfliege?

Dienstag, 12. Juni 2012

Einführung in Zazen
von Shodo Harada Roshi

[Die deutschen Untertitel sind etwas gewöhnungsbedürftig, bitte einblenden über den Button "CC". Und gerade gesehen ein Beitrag von PANORAMA ueber Tibet, den Dalai Lama und die CIA.]


Sonntag, 10. Juni 2012

ZEIT ... und RAUM

"Alles, was jetzt zaehlt, ist, dass ich der 'Zeit' neues Leben verliehen habe durch das Abschneiden des Siamesischen Raums und der falschen Zukunft. Mein Ziel war es, eine Art von Novelle in der Form einer Abhandlung ueber die 'Textur der Zeit' zu schreiben, eine Untersuchung ueber ihre schleierhafte Substanz, mit illustrierenden Metaphern, die allmaehlich zunehmen und ganz allmaehlich eine logische Liebesgeschichte aufbauen, vom Vergangenen zum Gegenwaertigen fuehrend, als eine konkrete Geschichte erbluehend und genauso allmaehlich Analogien umkehrend und wieder in reine Abstraktion zerfallend."
   "Ich frage mich", sagte Ada, "ich frage mich, ob der Versuch, jene Dinge zu entdecken, das bunte Glas wert ist. Wir koennen die Zeit wissen, wir koennen eine Zeit wissen. Wir koennen niemals 'Zeit' wissen. Unsere Sinne sind einfach nicht so, dass sie sie wahrnehmen. Es ist wie -"

(Vladimir Nabokov: Ada oder Das Verlangen. Reinbek 1977)

"Die empirische Welt der konkreten Realitaet existiert nur als Idee. Der Begriff des Raumes ist in dieser Vorstellungswelt unbekannt, die Verbindung von Ursache und Wirkung verstuemmelt. Es gibt keine Wahrheiten, sondern nur Ueberraschungen. Unter solchen Umstaenden ist es unsinnig, Disziplinen zu entwickeln, die diese Realitaet interpretieren." 

(J. A. Friedl Zapata im Nachwort zu Jorge Luis Borges "Die Bibliothek von Babel", Stuttgart 1974)

Freitag, 8. Juni 2012

Nicht-Sein

"'Nicht-Sein' enthaelt die einzige 'neue' Art von (Schein-)Zeit: die Zukunft. Ich lehne sie ab. Leben, Liebe, Libri haben keine Zukunft.
   'Zeit' ist alles andere als das beliebte Triptychon: eine nicht mehr existierende Vergangenheit, der dauerlose Punkt der Gegenwart und ein 'Noch-nicht', das vielleicht nie kommt. Nein. Es gibt nur zwei Tafeln. Die 'Vergangenheit' (immer existent in meinem Verstand) und die 'Gegenwart' (der mein Verstand Dauer und folglich Wirklichkeit verleiht). Richten wir eine dritte Abteilung ein der erfuellten Erwartung, des Vorhergesehenen, des Vorherbestimmten, der Faehigkeit zu Voraussicht, zu vollkommener Vorhersage, so wenden wir unseren Verstand immer noch auf die Gegenwart an."

(Vladimir Nabokov: Ada oder Das Verlangen. Reinbek 1977)

Mittwoch, 6. Juni 2012

Hsu Yun (III)

[Aus einem Gespräch mit Meister Lingyuan (1902-1988)]

Hua bedeutet umherwandernde Gedanken, wie in einem Selbstgespräch, während man meditiert. Du musst also den Zustand erhellen, der vor den umherwandernden Gedanken existiert, und untersuchen, was dein ursprüngliches Gesicht ist. Dies wird das Beobachten des Huatou genannt. Wenn bereits umherwandernde Gedanken aufgetaucht sind, musst du immer noch den rechten Gedanken hervorbringen, wodurch die trügerischen Gedanken von selbst verschwinden werden. Wenn du den umherwandernden Gedanken folgst, wird die Sitzmeditation nutzlos sein. Erzeugst du den rechten Gedanken, bist aber nicht ernsthaft genug, wird das Huatou noch machtlos sein und umherwandernde Gedanken werden sicher wieder auftauchen. Beim Üben muss man einen tapferen und standhaften Geist haben, als wären die eigenen Eltern gerade verstorben. Ein Altehrwürdiger sagte: „Es ist wie den Kaiserpalast auf der Spitze der Palastmauer zu bewachen.“ Ein anderer meinte: „Wenn du die klirrende Kälte des Winters noch nicht ertragen hast, wie kannst du da erwarten, den Duft der Pflaumenblüten zu riechen?“ Wenn es weder umherwandernde Gedanken noch das Huatou gibt, dann ist mit leerem Geist sitzen wie ein Fels, der von kaltem Wasser durchdrungen wird. Man kann zahllose Zeitalter lang sitzen und doch nutzlos sein. Wenn du Chan untersuchen willst, dann ist dies der einzige Weg. Man muss diesen kühnen und beharrlichen Geist haben, wie ein Einzelner, der zehntausend Feinde abwehrt, indem er, ohne sich zurückzuziehen und nachzulassen, einfach gerade vorprescht. Auch Buddhas Namen und Mantras zu rezitieren sollte wie dies sein. Die Ernsthaftigkeit deines Bewusstseins von Geburt und Tod wird Tag für Tag anwachsen. Wenn du so sein kannst, wird deine Übung voranschreiten.

Montag, 4. Juni 2012

Hsu Yun (II):
Schwierigkeiten von Fortgeschrittenen in der Übung

Welchen Schwierigkeiten begegnen fortgeschrittene Praktizierende? Auch wenn einige bis zum Auftauchen echten Zweifels geübt haben und sowohl Gewahrsein als auch Erhellen besitzen, sind sie noch von Geburt und Tod gebunden. Wer weder Gewahrsein noch Erhellen besitzt, fällt in falsche Leere. Manche Übende können sich selbst nicht befreien, sie stehen auf der Spitze eines tausend Fuß hohen Pfostens und können nicht voranschreiten. Andere, die bis zu diesem Stadium vorangeschritten und in der Übung erfahren sind, begegnen nichts, was sie nicht klären können, weshalb sie glauben, die grundlegende Unwissenheit bereits abgetrennt zu haben; sie denken, ihre Praxis sei vollendet. Tatsächlich leben solche Menschen in einer Welle der Ignoranz und bemerken es nicht einmal. Wenn sie einem unlösbaren Problem gegenüberstehen, wo sie ihr eigener Meister sein müssen, dann scheitern sie und geben auf. Das ist bedauerlich.
   Andere machen die echte Zweifelserfahrung, gewinnen ein bisschen an Weisheit dazu, weil sie Leere erleben, und verstehen einige der alten Gong-an (Koan), geben dann jedoch die Zweifelserfahrung auf, weil sie sich für vollständig erleuchtet halten. Sie verfassen Verse und Gedichte, verhalten sich arrogant und nennen sich tugendhafte Meister des Weges. So narren sie nicht nur sich selbst, sondern führen sogar andere in die Irre und schaffen übles Karma.
   In anderen Fällen missverstehen manche die Lehre Bodhidharmas: „Sich von äußeren Einflüssen isolieren, innerlich den Geist beruhigen und zu einer Mauer machen, das ist die Methode, den Weg zu betreten.“ Oder auch den Ausspruch des sechsten Patriarchen: „Wenn du nicht an gut oder böse denkst, wo ist in diesem Augenblick dein ursprüngliches Gesicht?“ Solche Menschen glauben, dass wie ein abgestorbener Baum und ein großer Felsbrocken zu meditieren das letztgültige Prinzip sei. Sie halten also die Traumstadt[1] für ihren geschätzten Palast, ein zeitweiliges Gästehaus für ihr Zuhause. Das ist der Anlass für das Gong-an von der alten Frau, die die Hütte niederbrennt, um den Mönch zu ermahnen.[2]
   Was ist also der leichteste Weg für die fortgeschrittenen Übenden? Seid nicht stolz und gebt nie eure Praxis auf. Diese sollte lückenlos sein. Inmitten dieser feinen, ununterbrochenen Übung müsst ihr noch feinsinniger werden. Während ihr vorsichtig und aufmerksam praktiziert, müsst ihr noch sorgsamer werden. Ist die Zeit reif, wird der Boden des Fasses von selbst durchbrechen[3].  Wenn ihr dies nicht tun könnt, findet einen tugendhaften Lehrer, der die Nägel des Fasses herausbricht und die Riegel entfernt.


[1] Eine Anspielung auf Kapitel 7 des Lotussutras, wo der Buddha das Erreichen des Nirwana durch Arhats als Traumstadt bezeichnet und sie ermahnt, auf dem Weg der Bodhisattvas weiterzugehen.
[2] Der Mönch hatte jegliche Regung nach einer Umarmung der Tochter dieser Frau geleugnet.
[3] Ein Sinnbild der Erleuchtung.

Samstag, 2. Juni 2012

Hsu Yun (I):
Schwierigkeiten von Anfängern in der Übung

Die üblichen Symptome der Anfängerkrankheit sind die Unfähigkeit, umherwandernde Gedanken und Gewohnheiten ablegen zu können; die Tiefe ihrer Unwissenheit; das Hindernis von Arroganz und Eifersucht; die Neigung zu Gier, Wut, Dummheit; die Faulheit bei der Arbeit und das Verlangen nach Essen; die Vorliebe für das Schüren von Richtig und Falsch zwischen selbst und anderen. All dies füllt ihre großen Bäuche. Wie können Anfänger da in Einklang mit dem Weg kommen?
   Es gibt andere Arten von Menschen, die in reiche und vornehme Familien geboren werden. Unfähig, ihre Gewohnheiten und weltlichen Makel zu vergessen, können sie nicht die kleinsten Schwierigkeiten und schon gar keine größere Mühsal aushalten. Wie können solche Menschen den Weg praktizieren? Sie haben den Zustand unseres ursprünglichen Lehrers Shakyamuni Buddha nicht bedacht, bevor er das Leben des Haushälters verließ.
   Dann gibt es die Wohlbelesenen, die aber nicht verstehen, dass die Probleme in den Aufzeichnungen der Gespräche unserer Altehrwürdigen dafür gedacht sind, die Verständnisebene von Übenden zu überprüfen. Diese Menschen halten sich für gerissen. Jeden Tag hinterfragen sie die aufgezeichneten Reden und Schriften, formen mit ihrem Mund Worte über Geist und Buddha, interpretieren die Buchstaben der Alten, reden über Nahrung, ohne sie zu essen, zählen die Schätze anderer, ohne solche zu besitzen und denken dabei, außerordentliche Menschen zu sein, wodurch sie ungeheuer arrogant werden. Wenn diese Menschen jedoch ernsthaft erkranken, werden sie nach Hilfe schreien, und am Ende ihres Lebens in Panik geraten und verwirrt sein. Dann ist das, was sie gelernt und verstanden haben, nutzlos, und es wird zu spät sein, dies zu bedauern.
   Dann sind da andere Menschen, die den Ausspruch „Ursprünglich sind wir Buddhas“ missverstehen. Diese Menschen behaupten, das ursprüngliche Selbst sei bereits vollständig, weswegen keine Übung nötig wäre. Den ganzen Tag faulenzen sie, haben nichts zu tun, folgen ihren Launen, verschwenden ihre Zeit. Sie bezeichnen sich selbst als „jenseits von Mustern und Formen“ und folgen nur „Ursachen und Bedingungen“. In der Zukunft werden solche Menschen großes Leid erfahren.
   Dann gibt es Menschen, die ihren Geist auf den Weg ausgerichtet haben, sich selbst aber nicht in der Praxis üben. Sie ängstigen sich vor umherwandernden Gedanken, und weil sie unfähig sind, diese abzulegen, sind sie den ganzen Tag über gereizt und beschweren sich über ihre schweren karmischen Hindernisse. Aus diesem Grund wird ihr auf den Weg gerichteter Geist rückfällig. Manche wollen bis zu ihrem Tod mit ihren umherwandernden Gedanken kämpfen. Wütend verkrampfen sie ihre Fäuste und drücken ihre Brust und ihre Augen heraus. Es scheint, als wären sie in etwas Großes verwickelt. Trotz der Bereitschaft, im Kampf gegen ihr täuschendes Denken zu sterben, gewinnen sie diesen Kampf nicht und enden sogar, indem sie Blut erbrechen oder verrückt werden.
   Dann gibt es solche, die fürchten, der Leere anheimzufallen. Sie wissen nicht, dass in ihrem Geist bereits Dämonen erstanden sind. Sie können ihren Geist nicht leeren und nicht erwachen. Dann sind da diejenigen, die nach Erleuchtung suchen und nicht verstehen, dass diese Suche und der Wunsch, Buddhaschaft zu erlangen, bereits schwer verwirrtes Denken sind. Man kann nicht Sand kochen und hoffen, dann Reis zu essen. Sie können bis zum Jahr des Esels suchen und werden immer noch nicht erleuchtet sein. Manchmal werden sie beschwingt, wenn sie gelegentlich ein paar friedvolle Meditationen gemacht haben. Dies ist wie mit einer blinden Schildkröte, deren Kopf genau durch ein schmales Loch in einem inmitten des Ozeans treibenden Brettes passt. Es ist nicht das Ergebnis wirklicher Übung. In ihrer Freude haben diese Menschen eine weitere Lage Hindernisse geschaffen.
   Es gibt solche, die während der Meditation in falscher Reinheit weilen und sich daran erfreuen. Da sie in der Aktivität keinen friedvollen Geist aufrechterhalten können, vermeiden sie laute Orte und verbringen ihre Tage durchtränkt von abgestandenem Wasser. Dafür gibt es viele Beispiele. Für Anfänger ist es sehr schwer, den Eingang zum Weg zu finden. Wenn da Erhellung ohne Gewahrsein geschieht, dann ist das wie in verdorbenem Wasser zu sitzen und auf den Tod zu warten.
   Selbst wenn diese Übung hart ist – hast du einmal den Eingang zum Weg gefunden, wird sie einfacher. Was ist der einfachste Weg für Anfänger? Da ist nichts Besonderes außer der Fähigkeit, es abzulegen. Was abzulegen? Allen Verdruss, der aus Unwissenheit entsteht. Mitübende, wenn einmal euer Körper zu atmen aufhört, wird er zur Leiche. Der Hauptgrund, warum wir ihn nicht ablegen können, liegt darin, dass wir ihm zu viel Bedeutung beimessen. Dann geben wir dem Gedanken von selbst und anderen, richtig und falsch, Liebe und Hass, Gewinn und Verlust Nahrung. Wenn wir aber einen festen Glauben daran haben, dass dieser unser Körper wie ein Leichnam ist, wenn wir ihn nicht schätzen und nicht für unser halten – was gibt es dann, das wir nicht ablegen könnten? Können wir es jedoch ablegen, dann wird alles kühl und still, mit nichts als dem einzigen Zweifel des Huatou, jederzeit und überall, ob wir gehen, stehen, sitzen oder schlafen, ob in Bewegung oder nicht, ob ruhend oder aktiv, ob innerlich oder äußerlich. Wenn wir friedvoll und ununterbrochen fortfahren, ohne einen unwesentlichen Gedanken, dann wird sich unser Zweifel ohne eine Spur oder einen Ton auflösen, als käme er mit der scharfen Schneide eines langen Schwertes in Kontakt, das sich bis zum Himmel ausdehnt. Warum sollte da Furcht vor umherwandernden Gedanken sein?