Montag, 31. Mai 2010

Mit dem Gegenteil rechnen

"Obwohl man heute vorhat, etwas Bestimmtes zu tun, ereignet sich plötzlich etwas anderes, unvorhergesehen Wichtiges, und man muss den ganzen Tag allein damit verbringen. (...) Nicht, was wir hofften, geschieht, und nur das, was wir gar nicht beabsichtigt hatten, gelingt. Heikle Angelegenheiten, die schon viel Kummer bereitet haben, werden oft mit einemmal zu Ende gebracht, während andere, von denen wir glaubten, wir könnten sie spielend schaffen, uns lange beschweren. (...) Rechnet man aber aus diesem Grunde gleich von vornherein mit dem Gegenteil, so zeigt sich, dass auch dies nicht weiterführt (...) Nur die Überzeugung von der Ungewissheit wird in der Wirklichkeit nie enttäuscht werden."

Aus: Yoshida Kenkô, Betrachtungen aus der Stille (Frankfurt 1991)

Sonntag, 30. Mai 2010

Der Weg, nach dem du abermals fragst,
ist der Weg des Nebels

"Du bist gegangen. 
Der Traum ausgeträumt."


"Spiele deine Flöte, 
Blinder,
du durch die Liebe erblindeter Mann!"


[ein paar Zeilen des vom Zen inspirierten Lyrikers und Literatur-Professors Oh Sae-young (geb. 1942), aus: Das ferne Du (Göttingen 1999)]

Samstag, 29. Mai 2010

Die Dankbarkeit der Pflanzen

Es heißt: 'Sieht man Seltames, ohne sich viel zu wundern, hört es gleich auf, seltsam zu sein.'
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Abt Jôshin vom Shinjôin-Kloster nannte einen Mönch, dem er einst irgendwo begegnete, 'shirôri'. Als man ihn fragte, was das bedeuten solle, gab er zur Antwort: "Ich kenne dieses Ding auch nicht; sollte es aber existieren, dann gleicht es bestimmt dem Gesicht dieses Mönchs."
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In Tsukushi lebte einst ein hoher Beamter, der viele Jahre hindurch jeden Morgen ein paar Rettiche rösten ließ und sie verzehrte, da er in ihnen vortreffliche Heilmittel für allerlei Krankheiten sah. Eines Tages umzingelten Übeltäter das Amtshaus in einem Augenblick, als niemand darin war, und versuchten es auszurauben. Da tauchten plötzlich zwei Soldaten in dem Hause auf, kämpften, ohne auf ihr Leben zu achten, und schlugen die Eindringlinge sämtlich in die Flucht. Der Beamte war aufs äußerste überrascht, und er fragte sie: "Ich habe euch hier noch nie gesehen, warum habt ihr so tapfer für mich gekämpft? Wer seid ihr denn?" - "Ihr habt uns viele Jahre hindurch mit Euerm Vertrauen geehrt und habt uns jeden Morgen verspeist", antworteten sie. "Wir sind die großen Erdrettiche." Und schon waren sie verschwunden.
   Schenkt man tiefes Vertrauen, dann bleibt der Lohn nicht aus.
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Aus: Yoshida Kenkô, Betrachtungen aus der Stille (Frankfurt 1991), übersetzt von Oscar Benl. Der Mönch Kenkô lebte wohl von 1283-1352 und erzählt außerdem eine Geschichte, in der ein Buddha-Gläubiger sich von nichts als Kartoffeln ernährte ... Ob auch regelmäßig verspeiste Tierarten sich zu Schutzpatronen entwickeln können, darüber könnte mal Gui Do ein Buch schreiben ...

Freitag, 28. Mai 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 66

Da bist du ja, alte Kuh!

Meister Isan sah die Nonne Ryûtetsuma herannahen und grüßte sie mit den Worten: „Da bist du ja, alte Kuh!“ Ryûtetsuma sagte: „Morgen wird es ein Abendessen auf dem Berg Tai geben. Werdet Ihr hingehen?“ Isan legte sich wie zum Schlafen nieder. Ryûtetsuma ging fort.


Meister Kidô

Ryûtetsuma soll, statt zu gehen, sagen:
„Nichts ist groß genug,
um meinen Meister hinreichend zu belohnen.“

Meister Hakuin

In Schlafhaltung auf dem Bett liegen.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Why are we here now?



"There is no 'now' here."

(Zitat aus Staffel 6, Folge 17 der TV-Serie Lost,
die am letzten Wochenende in den USA zuende ging.)

Mittwoch, 26. Mai 2010

Über Klone und Straßenretreats

Einst wunderte ich mich über das Niveau, auf dem zwei Themen  in der Zeitschrift Lotusblätter diskutiert wurden. Das erste betraf die Entwicklung der Genforschung und Biotechnologie, die die DBU (Deutsche Buddhistische Union) zu einer offiziellen Ablehnung der verbrauchenden Embryonenforschung, Präim- plantationsdiagnostik und des sogenannten therapeutischen Klonens veranlasste. Die Argumente der DBU lesen sich so, als würde bei einer Fortentwicklung dieser Forschung die Lehre des Buddhismus bedroht. Weniger Leiden könnte ja weniger Buddhismus bedeuten. Denn der Sinn der meisten kritisierten Methoden ist eben jener, menschliches Leid zu verringern. Fragen Sie die Eltern von Kindern, die unter Krankheiten leiden, die mithilfe solcher Forschungen heilbar werden können. Wenn die DBU fordert, materielle Verbesserungen dürften nicht die „geistige Befreiung“ des Menschen verhindern, übersieht sie, dass Leiden, d. h. zum Beispiel unsägliche Schmerzen, nicht automatisch geistige Fortschritte bedeuten, sondern spirituelles Wachstum sogar verhindern können. Ich bin davon überzeugt, dass mehr Buddhisten mit Darmkrebs schmerzmittelbetäubt im Bett liegen als mit einer solchen Krankheit im Spätstadium den Lotossitz einzunehmen. Die pauschale Ablehnung der angesprochenen Forschungsmethoden ist somit kontraproduktiv.

Auch die Definition menschlichen Lebens im Sinne des Christentums kann ich nicht nachvollziehen. Im Buddhismus geht es immer wieder ums Bewusstsein. Welches Bewusstsein wird zwei gerade vereinten Zellen unterstellt? Welches einem Embryo? Wollen Sie behaupten, dass ein Embryo bereits ein dualistisches, ein unterscheidendes Bewusstsein besitzt? Das wird alles nicht klar gesagt. Da in einigen Ländern etwa die Präimplantationsdiagnostik erlaubt ist, werden wir mit einer Ablehnung nur das gleiche Problem wie damals mit dem Verbot von Abtreibungen haben – Menschen fallen in fortschrittlichere Länder ein, um die in ihrer Heimat verbotenen Methoden in Anspruch nehmen zu können. Die Stellungnahme der DBU betrachte ich als deutsch und auf christlicher Moral fußend – nicht stringent in ein buddhistisches Weltbild integriert.

Als ich das Foto eines Zen-Lehrers sah, wie sich so sein Knie beim Straßenretreat in die Luft reckte, und kurz danach eine Doku über einen seiner Schüler (An-Shin Thomas) im Fernsehen, da fragte ich mich ebenfalls, was das soll. Ich verstehe durchaus, dass ein Jude sich intensiv mit Auschwitz beschäftigt. Auch, dass ein Vietnamveteran sich mit dem Töten und Gewalt auseinandersetzt. Da Aktionen wie Retreats in Konzentrationslagern und unter Obdachlosen aber eine sozial-politische Dimension annehmen, schaue und höre ich genau hin, was über diese Dinge gesagt wird. Wenn man heute in ehemaligen KZs Deutschlands Retreats macht, ist einem da bewusst, wie sich hier die Dinge gewandelt haben? Ich habe einen Überfall auf offener Straße beobachtet, die Polizei per Telefon verständigt und den Tipp gegeben, einen Streifenwagen zu kontaktieren, den ich drei Minuten zuvor passiert hatte. Der würde die Verfolgung des Täters am schnellsten aufnehmen können, er stünde untätig vor einem  Haus. Als ich sagte, wo, wurde mir geantwortet, dieser Wagen dürfe sich dort nicht fortbewegen, er sei zum Schutz einer Synagoge dort. Vorbeugend gegen imaginäre Anschläge. Der ganz reale Täter, der den Überfall begangen hatte, entkam so. Ich habe also das Gefühl, die Retreater hängen zu sehr an ihrer Vergangenheit.

Was ist nun mit der selbstgewählten Obdachlosigkeit für die Dauer einer Woche? In einer Fernsehdoku wurde klar, dass ein Motiv für viele Teilnehmer war, eigene Ängste und Widerstände, z. B. Ekelgefühle gegen Körpergerüche, zu überwinden. Alle diese Menschen hatten die Wahl – obdachlos zu sein oder nicht. Sie wussten alle, dass sie nach dieser Woche nicht mehr obdachlos sein würden. Sie werden nie wie Obdachlose sein. Schon dort, wo sie bettelten, erkannte man sie als solche, die nicht wirklich obdachlos sind. Folglich wurden sie anders behandelt. Ich habe mit Pennern, Berbern und Trebern (Selbstbezeichnungen) gesprochen und einmal ein kleines Amateurfilmchen gedreht. Hier in Deutschland droht ihnen die größte Gefahr von Gewalttätigen (meist aus den eigenen Reihen) und ihrer eigenen Alkoholsucht (so vorhanden), die sie einschlafen und im Winter erfrieren lässt. Einige sind freiwillig obdachlos, die meisten kennen so viele Stellen für Kostenloses, das sie nicht mal ihre Wäsche waschen müssen – sie werfen sie einfach weg, wenn sie stinkt, Nachschub gibt es immer. Einer bot mir einen Schlafsack kostenlos an, er könne sich einen anderen umsonst abholen. In Deutschland gibt es offenbar doch einige hilfsbereite Menschen.

Jedenfalls bleibt der Penner, der es sein will, ein Penner. Er kann eine Wahl treffen, will aber nicht anders. Der Obdachlose, der keine Wahl hat, der nicht mehr herauskommt aus dieser Lebensweise, obwohl er es will – auch der ist nicht zu vergleichen mit den Retreatern. Denn die wollen weder Penner bleiben noch sind sie wahl-los. Es ist daher unnötig, künstlich einen Zustand von Identifikation zu erzeugen, die nur Illusion sein kann. Was für eine seltsame Art von Buddhismus ist das? Eine Kopfgeburt aus egozentrischen Motiven (Angst und Ekel überwinden etc.), mir gefällt das nicht. Ich halte es auch für falsch so zu tun, als sei es erstrebenswert, sich das Leben unnötig schwer zu machen. 

(recycelt vom alten Rechner; Foto von Keller: "Smokey Mountain", eine Mülldeponie Manilas)

Dienstag, 25. Mai 2010

Brauchen wir buddhistische Ethik?

  Jeder von uns ist wohl schon einmal Menschen begegnet, die moralisch beeindruckend waren. Wenn wir selbst religiös sind, vielleicht Buddhisten, mag uns dabei so manches Mal verwundert haben, dass diese Menschen oft selbst gar nichts mit Religion am Hut hatten. Zumindest nicht aus spirituellen Gründen. Und so sind jene Menschen immer wieder eine Anfrage an die Ansprüche der eigenen, religiös motivierten Ethik. In letzter Zeit habe ich im Rahmen meiner Übersetzerarbeit an buddhistischen Texten einigen Kontakt zu anderen Buddhisten bekommen, die mir zuvor unbekannt waren. Dabei sind mir mehrere Dinge aufgefallen, die ich für falsch halte.

1)      Es gibt einen Hang, bestimmtes Wissen nicht zu verbreiten und dieses statt dessen in Zen-Kreisen „geheim“ zu halten. Man könnte als ein Motiv vermuten, dass all die Lehrer, die kostenpflichtige Veranstaltungen leiten, einen Wissensvorsprung vor ihren Zuhörern behalten wollen. Vielleicht umgeben sie sich auch gern mit einer Aura des Geheimnisvollen. So kam es, dass mich Schüler von Kodo Sawaki-Adepten fragten, warum ich das Shobogenzo übersetzt habe. Kodo Sawaki hielt das Shobogenzo für die wichtigste Schrift überhaupt. Warum sollte es dann nicht möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden?

  2)      Es gibt einen Hang, sich „zen-typisch“ zu verhalten. Wer wird nicht berührt von Geschichten des ewigen Ausharrens vor verschlossenen Tempeltüren oder gar des Abschlagens eines eigenen Armes, um irgendwann mal einem echten Meister begegnen zu können? Diese Zeiten sind vorbei. Die meisten Zen-Äbte, die man mit „Roshi“ anspricht, sind schlicht Erben ihres Amtes. Das ist keine Frage von „Erleuchtung“. Leider ist es heute einfacher, von einem abgeklärten und dennoch engagierten Hochschulprofessor eine gescheite Antwort auf buddhistische Fachfragen zu bekommen – sogar per eMail – als von manchen Zen-Lehrern. Diese erdreisten sich im Gegenzug, auch wenn es ihnen selbst womöglich an Kenntnissen von Sprachen wie Pali, Sanskrit, Chinesisch oder Japanisch mangelt, aber gerne, den Wissenschaftlern und Übersetzern mangelndes Zen-Verständnis vorzuwerfen (ich verweise beispielhaft auf die Kritik an Thomas Cleary, dem wir über 50 Bücher asiatischer Weisheit verdanken).

  3)     Zen-typisch sind auch die üblichen Ausreden für Fehlverhalten. Na klar, man kann einerseits nur noch in der buddhistischen Robe   durch die Welt laufen, aber damit auch hemmungslos Businessclass fliegen. Oder sich teure Autos kaufen. Oder seine Veranstaltungen als „Kontaktundflachlegbörse“ benutzen. Und sich dann auf die Zen-Freiheit des „Ich bin jenseits von Kritik und Darüberhinaus“ berufen. Solche "Zen-Meister" gibt es. Manche schweigen zu Vorwürfen. Das ändert nichts daran, dass eine Robe nichts in der Businessclass verloren hat. So verrät man die Robe. Da ist es besser, nackt zu reisen.

  Nun stelle man sich vor, jemand betrachtet von außen nüchtern dieses Zen-Treiben. Was könnte er daran gut finden? Ich möchte fast behaupten, dass außerhalb von Zen-Kreisen solche Dinge weniger oft schief laufen als innerhalb. Von der Wesensschau ist es offenbar nicht weit bis zum Abbau von ‚außerhalb‘ der Zen-Welt ganz normaler Verhaltensweisen, die das Leben vieler Menschen erleichtern. Und da ich weiß, was einige jetzt denken – „Dem fehlt es halt an Durchblick (Praxis, Erleuchtung, Erweckung, Kensho, Satori usw.)“ – möchte ich mit einem niedlichen Wort schließen, dass man häufig am Telefon hört, wenn Menschen ein eher dienstliches Gespräch beenden, nachdem man sich bei ihnen für eine Auskunft bedankt hat: „Gerne.“ 

(recycelt vom alten Rechner; Foto von Keller: Reiher auf dem Tonle Sap, Kambodscha)

Montag, 24. Mai 2010

Kiye Jilue: Ein Gespräch über die Kunst der Strategie (III)


   Der Gast fragte: „Warum habt Ihr Euer Heerlager dann nicht mit dem Schild ausgestattet?“

  Die Antwort lautete: „Wie könnte sich jemand nur auf den Schild verlassen? Der Langstock des Yu-Klans bezwingt den Schild. Wenn dieser Langstock wechselweise mit Yin- und Yang-Kraft eingesetzt wird, verliert der Schild seine Kraft und kann besiegt werden.“
   Der Gast fragte: „Warum habt Ihr dann nicht euer gesamtes Heerlager mit Langstöcken ausgestattet?“

   Die Antwort lautete: „Wie könnte man sich allein darauf verlassen? Der Speer des Yang-Klans besiegt den Langstock. Da letztlich alle Stöcke kurz sind und der Speer lange, gewinnt der lange Speer stets gegen den kurzen Stock.“

   Der Gast fragte: „Warum habt Ihr dann nicht euer gesamtes Heerlager mit dem Speer des Yang-Klans ausgestattet?“

   Die Antwort lautete: „Der gerade Speer schlägt die mehrspitzige Bambuslanze und den Dreispitz-Speer. Laut der Fünf-Soldaten-Strategie (Ohbyung, 오병) kann die Langwaffe zwar die Kurzwaffe abschneiden, doch kann auch die Kurz- die Langwaffe abwehren, so dass dann niemand gewänne. Benutzt man eine solche Waffe aber mit einem Schild, kann man jede andere schlagen. Der Speer ist in der Schlacht niemals nutzlos.“

   Für das Ausstatten von militärischen Heerlagern bedeutet dies, dass man nichts zu befürchten hat, wenn Feuerwaffen mit herkömmlichen Waffen zusammen benutzt werden und Speere usf. unterstützen. Dabei gibt es eine geheime Methode, der feindlichen Armee den Rückzug abzuschneiden, die nur wenigen führenden Generälen bekannt ist, die andere jedoch später für sich selbst entdecken.

   Nach einiger Überlegung erkannte ich, dass alle Waffen eine zwar verschiedene Handhabung kennen, doch nur ein Ziel: den Feind zu töten. Dies gilt für den Schild ebenso wie für die mehrspitzige Bambuslanze, den Speer, den Dreispitz-Speer, den Langstock, die Feuerwaffen und den Bogen. Eine Waffe mit kurzer Reichweite kann nicht auf weite Entfernung benutzt werden und umgekehrt. Dies liegt am Prinzip der Kraft. Keine der Waffen ragt heraus oder hat einen echten Mangel. Soldaten, die sich in verschiedenen Disziplinen geschult haben, sollten gemischt zusammengestellt werden, sonst entsteht ein Nachteil. Wie könnte die Strategie von Sama [ein chinesischer Militärstratege] mich in die Irre führen? In der Kunst des Bogenschießens gibt es ein besonderes Prinzip beim Schießen, ebenso bei Feuerwaffen und allen anderen – dem Schild, der mehrspitzigen Bambuslanze, dem Dreispitz-Speer, dem Speer, dem Stock (Kon, ) und dem Schwert (Gum, ). Ohne Techniken gibt es keine Meister. Darum lernte Hangwu (ein legendärer chinesischer General) die Handhabung des Schwertes, und General Yang verbrachte zwanzig Jahre mit der Übung des Birnenblüten-Speeres (Ihwachang, 이화창). Will jemand Meisterschaft erlangen, muss er dem Weg folgen.

   Da Korea sich abseits des Kontinentes befindet, ist die Kunst des Bogenschießens lange die einzige gewesen, die von vielen Menschen geübt wurde. Schwert und Speer wurden hingegen nur von wenigen gehandhabt. Es gibt eine Art des Speerkampfes auf Pferden, doch diese wurde noch nicht in ein geordnetes System gebracht und wird deshalb nur probeweise geübt. Die Methoden, mit Schwert und Speer zu kämpfen, wurden jedoch lange für selbstverständlich gehalten. Aufgrund solcher Nachlässigkeit konnten unsere Soldaten, als die Japaner einfielen und furchtlos angriffen, nicht einmal ihre Speere und Schwerter anwenden. Dies lag also vor allem daran, dass die Methoden der rechten Handhabung dieser Waffen nicht mehr gelehrt wurden.

   Alle Dinge im Universum haben ihren eigenen Weg: Beim Bogenschießen muss jemand das Schießen des Pfeils üben, bei Feuerwaffen das Abschießen der Kugeln. Soldaten, die in Heerlagern versammelt sind, sollten nicht erst eine Anweisung zum Üben abwarten, sondern die Techniken von Schwert und Speer praktizieren, wann immer sie Zeit dafür übrig haben.

   Koreaner benutzen Löffel zum Essen, Chinesen hingegen Stäbchen. Wenn die Chinesen einen Löffel in der Hand halten und die Koreaner Stäbchen, ist ihnen allen das unangenehm, weil sie die Handhabung dieser Dinge nicht gewohnt sind. Wenn schon Stäbchen und Löffel solche Schwierigkeiten verursachen können, wie viel mehr dann Speer und Schwert?

   Obwohl Bogenschießen in Korea eine Staatskunst darstellt, eignet es sich nicht zur Staatsverteidigung. Als die chinesische Armee in Korea stationiert war, lernten wir von ihr, Feuerwaffen, den Schild, die mehrspitzige Bambuslanze, den Speer und den Dreispitz-Speer zu nutzen. Wir studierten auch die Zeichnungen im Kihyo Shinsu (기유신서), das die Handhabung von Feuerwaffen, Schild und Speer und eine Reihe von Tötungstechniken darstellt.

   Während ich der Königlichen Militärakademie (Hunlyun Dokam, 현령도감) diente, übersetzte ich die „Umfangreiche Anleitung zur tödlichen Hand“ (Salsu Jebo, 살수제보). Es war nicht einfach, den Inhalt zu ordnen und zu klassifizieren. Diese Anleitung sollte helfen, das Üben der Kampfkünste zu verbreiten und die Japaner von unserer Halbinsel zu vertreiben. Der König hatte einen großen Plan und ich bedauere, dass ich ihm nicht schnell genug dienen konnte.

   Aus dem Kihyo Shinsu lernte ich die Methode, den Dreispitz-Speer zu nutzen und fertigte ein Diagramm an, das in Zukunft durch weitere Techniken ergänzt werden kann. Ich vermute, dass es auch Schaubilder anderer Techniken gibt, doch sind bis heute keine aufgetaucht. Das Kihyo Shinsu enthält lediglich verschiedene Zeichnungen, die jede Stellung erklären. In alten Aufzeichnungen oder Entwürfen werden aber keine genaueren Einzelheiten erläutert.

   Häufig befragte ich die chinesischen Soldaten zur tödlichen Hand (Salsu, 살수). Da ihre Bewegungen wirbelten wie der Wind und sie sich blitzschnell vor- und zurückbewegten, war es äußerst schwierig, einzelne Stellungen und Techniken zu erkennen. Da die chinesischen Soldaten verschiedene Stellungen gemeistert hatten, musste ich sie befragen, um die Techniken zu verstehen. Bei der Handhabung des Langspeeres gibt es viele verschiedene Stellungen, doch nur zwölf wurden aufgezeichnet, also nur die Hälfte von denen, die heutzutage gelehrt werden. Während ich den „Leitfaden für die tödliche Hand“ (Salsubo, 살수보) übersetzte und die Soldaten darin unterwies, ihn ausgiebig zu praktizieren, arbeitete ich an einem Spezialhandbuch (Byulbo, 별보) und habe vor dem Fertigstellen meiner Arbeit noch viele Fragen. Das liegt am Fehlen eines Schaubildes der Techniken. Da Übende dem Geschriebenen wörtlich glauben, verschwinden die orthodoxen Methoden, Interpretationen jedoch überdauern.

   Nach einem Gespräch mit Hu Yu-kyuk im vergangenen Sommer über die Hand des Yin-Yang (Umyangsu, 음양수) und das Große und Kleine Tor (Daesomun, 대소문), berichtigte ich die Theorie und schrieb sie im Detail nieder. Dies ist kein vollständiges Werk, doch möchte ich es mit anderen teilen. Eine Prüfung von Fähigkeiten wird aufgrund dieses Handbuches stattfinden. Wenn es darin falsche Angaben gibt, dann geschah dies nicht aus Absicht. Auch wenn ich niemanden vorsätzlich täuschen will, fürchte ich doch, ich könnte unvollständige Aussagen gemacht haben.

In Demut niedergeschrieben von Han Kyo
Umo Janggun Hangyong Yngwi Sajung
im Oktober 1598

(aus: Muye Tongji, einem koreanischem Kampfkunstklassiker, übersetzt unter Mitarbeit von H.-S. Kim)

Sonntag, 23. Mai 2010

Kiye Jilue: Ein Gespräch über die Kunst der Strategie (II)

   Ich fragte: Ist das, was man kleines (Somun, 소문) und großes Tor (Daemun, 대문) nennt, links und rechts oder vorn und hinten?
   Hu antwortete: Das große Tor ist vorn und das kleine Tor hinten. Vorn ist links und hinten ist rechts.
   Ich erkundigte mich weiter: Was ist die "Hand des Yin-Yang" (Umyangsu, 음양수)?
   Hu antwortete: Eine Waffe wird mit den Händen geführt. Sie nach unten zu halten heißt Yin (kor. um), sie nach oben zu halten heißt Yang. Mit Yang fordert man heraus, mit Yin zerstört und tötet man. So ist es mit allem.
   Darüber wollte ich mehr wissen, und Hu fuhr fort: Wegen des Krieges sind all meine Soldaten besorgt, weil sie um die Sicherheit Koreas fürchten und nicht wissen, wann sie in ihre Heimat zurückkehren können. Darum habe ich dir nur eine ungefähre Antwort gegeben, ohne sie tiefer zu bedenken. Selbst die Cho- und die Je-Dynastie versagen, wenn sich im Land kein Talent findet, und sie erblühen, wenn solches Talent ausreichend vorhanden ist. Da nun plötzlich große Meister das Land verlassen haben und keine Nachfolger in Sicht sind, können wir schlecht erkennen, welche Theorie richtig und welche falsch ist. Selbst wenn ich also das, was ich sage, als Theorie bezeichnete, wäre es nur ein Teil des Ganzen und womöglich in der Zukunft nutzlos. Dennoch können wir das Thema nun gemeinsam untersuchen.
   Ich war zunächst Verwaltungsbeamter und wurde dann Befehlshaber, weshalb ich die Kunst der Strategie studierte. Darin enthalten sind: Handtechniken (Subup, 수법), Fußtechniken (Jokbup, 족법), Körpertechniken (Shinbup, 신법) und Wurftechniken (Tubup, 투법). Sich nur dieser Worte zu erinnern wäre natürlich sinnlos.
   Da das Überleben unseres Landes davon abhing, fertigte ich ein Dokument an, das auf Hus Entwurf beruhte und das er genehmigte. Hu selbst war so besorgt, dass er drei Tage lang nichts essen konnte und nach China zurückkehren wollte. Zu weiteren Erläuterungen war er also nicht in der Lage. [...]
   Im Juhae Jungpyun gibt es einen Vergleich der Vor- und Nachteile von Mo Won-uis alter Kampfkunst. Es wird beschrieben, dass bei der Anwendung der mehrspitzigen Bambuslanze (Nangsun, 낭선) eine Technik entwickelt wurde, bei der sich die Hände bewegten, als spielten sie mit Blumen, die Füße aber niemals nach vorn gingen. Eine weitere Waffe nannte man Speerspitze (Changsun, 창선). Als die Lehrer dieser Waffen gefragt wurden, wer gewänne, wenn ein Mann mit einer mehrspitzigen Lanze gegen einen mit einem Speer (Chang, ) antrete, antworteten sie: Wie könnte ein Speer die mehrspitzige Lanze bezwingen? Diese kennt doch Techniken wie den langen Griff (Daedang, 대당), den kurzen Griff (Sodang, 소당), den harten Druck (Daeap, 대압) und den weichen Druck (Soap, 소압). [...]
   Im "Buch des Schwertes"(Kumkyung, 검경) heißt es: Im Echo eines Schwertstreiches verteilen tausend Goldstücke ihre Kraft und machen eine Verteidigung nutzlos.
   Ich entwickelte zusätzliche Angriffstaktiken und gab sie sowohl an Lehrer der mehrspitzigen Lanze wie auch an die des Speeres weiter. Sie gewannen zehn von zehn Kämpfen. Dann kniete einer der alten Meister nieder und sagte: "Der Ursprung der Technik für die mehrspitzige Lanze war genau so, doch er wurde nicht bis in unsere Zeit übermittelt."
   Ein Gast fragte den Meister: "Warum habt Ihr, als Ihr diese Waffe beherrschtet, nicht Euer ganzes Heerlager damit ausgestattet?"
   Die Antwort lautete: "Wie könnten wir uns allein mit der mehrspitzigen Lanze zufrieden geben? Die Kunst des Schildes (Dungpae, 등패) ist dieser überlegen. Zwar hat jede Schild-Technik ihre eigenen Schwächen in unfertigen und steifen Stellungen, doch wenn jemand mit Schild und unbändiger Kraft angreift, wird auch die mehrspitzige Lanze nutzlos und kann einen Sieg nicht mehr gewährleisten."

(aus: Muye Tongji, einem koreanischem Kampfkunstklassiker, übersetzt unter Mitarbeit von H.-S. Kim)

Samstag, 22. Mai 2010

Kiye Jilue: Ein Gespräch über die Kunst der Strategie (I)

Ich, Han Kyo, fragte Hu Yu-kyuk: "Kann man zum Besonderen der Strategiekunst mittels einer Frage vordringen?"
   Hu Yu-kyuk erwiderte: "Techniken sind von einfacher Art, doch das Prinzip ist tiefgründig. Offiziere und Generäle müssen die Tiefgründigkeit der Hand- (Subup, 수법), Fuß- (Jokbup, 족법) und Körpertechniken (Shinbup, 신법) erlernen, dann können sie die Vorzüge dieser Kunst verstehen. Das Prinzip zu meistern benötigt Zeit. Nur darüber zu reden ist nicht von Nutzen. Obwohl es sich nicht um etwas Geheimes handelt, ist es doch nur schwer in Worte zu fassen."
   Ich erkundigte mich weiter nach dem Besonderen dieser Kunst, konnte jedoch Hus Antwort nicht recht erfassen, da sie sehr komplex war. Als ich nach der Einfachheit fragte, sagte er: "Einfachheit bedeutet zunächst Mut, dann Kraft, dann Kampfgeist und schließlich Geschwindigkeit."
   Ich fragte weiter: "Die Zeichnungen des Chuk Kye-kwang zeigen vierundzwanzig Stellungen. Keine von diesen ist überflüssig, wenn man sich verteidigen oder einen Gegner  töten will. Doch heutzutage sprechen die Lehrer nur noch von zwölf Stellungen, also der Hälfte des Originals. Was ist der Grund dafür?"
   Hu erwiderte: "Die vierundzwanzig Stellungen sind lediglich Varianten einer einzigen Stellung. Wenn man diese eine Stellung im Kampf anwendet, kann sie mehr als einhundert Techniken hervorbringen, nicht nur vierundzwanzig. Wenn du dich also mit starker und sanfter Gewalt vor und zurück bewegst und dabei die zwölf Stellungen anwendest, werden die Varianten zahllos."
   Ich sprach weiter: "Die vierundsechzig Trigramme (Kwe, 괘) des I Ching (Buchs der Wandlungen) sind Abwandlungen eines einzigen Trigrammes. Der Autor machte daraus vierundsechzig, weil man das Besondere des Wandels erfasst, wenn man nicht ein einziges Trigramm außer Acht lässt."
   Hu sagte: "Chuk Kye-kwang fasste traditionelle Lanzentechniken zusammen und ließ die kompliziertesten weg, wodurch er die vierundzwanzig Stellungen verringerte (auf zwölf). Er hatte die Tiefgründigkeit des Prinzips gemeistert, wie können wir da behaupten, dass er das Trigramm des I Ching verworfen oder ergänzt hätte? Ich habe mein eigenes Handbuch (Byulbo, 별보) geschrieben, das die zwölf Stellungen, die seit alters überliefert und geübt wurden, um weitere zwölf Stellungen ergänzt. Die Fassung von Chuk Kye-kwang ist aber an sich schon fehlerlos und ohne Makel."
   Ich fragte: "Wenn die Varianten von einem Prinzip stammen, dann sind doch schon zwölf Stellungen zu viel. Auf Geheiß des Königs zeichnete er vierundzwanzig Stellungen auf, weshalb man von uns erwartet, dass wir sie allesamt üben. Darf ich die bescheidene Frage stellen, ob hier nicht ein logischer Widerspruch vorliegt?"
   Hu erwiderte: "Das ist kein Widerspruch. Das Tao steht für jedes Ding, und ein jedes kann zu Millionen Dingen werden, wenn man es zerstreut. Beim Go-Spiel sind die möglichen Strategien zahllos. Wenn einer das Wissen von hundert Taktiken erlangt, wird er zum Nationalmeister (Kuksu, 국수)."
(aus: Muye Tongji, einem koreanischem Kampfkunstklassiker, übersetzt unter Mitarbeit von H.-S. Kim)

Freitag, 21. Mai 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 65

Katsu!

Der Laie Hôkoji fragte Meister Seihô: „Wie viele Meilen sind es von hier bis zum Gipfel?“ Seihô erwiderte: „Wo warst du?“ Hôkoji antwortete: „Ihr seid wirklich schwer zu beugen. Selbst meine Frage konnte Euch nicht in die Falle locken.“ Seihô sagte: „Wie viele gibt es?“ Hôkoji erwiderte: „Eins, zwei, drei.“ Seihô fuhr fort: „Vier, fünf, sechs.“ Hôkoji fragte: „Warum sagt Ihr nicht sieben?“ Seihô erwiderte: „Im Augenblick, wo man sieben sagt, wird acht folgen.“ Hôkoji meinte: „Gut, gut.“ Seihô sagte: „Du kannst so viel dazutun, wie du willst.“ Da schrie Hôkoji: „Katsu[1]!“ Auch Seihô schrie: „Katsu!“


Meister Kidô

Anstelle von Seihôs Schrei sage:
„Hôkoji war stets von großer Weisheit.“


Meister Hakuin

Auf dem Südberg werden Trommeln gespielt.
Auf dem Nordberg werden Tänze aufgeführt.



   [1] Ein Schrei, der Erleuchtung ausdrücken oder den anderen jenseits dualistischen Denkens führen soll.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Der Zustand buddhistischer Länder und der drohende Bürgerkrieg in Thailand

Wer glaubt, dass man es mit Mönchen, Nonnen und vielen Buddhisten weit bringt, der schaue sich mal in buddhistischen Ländern um. Unter den 13 Staaten mit einem Anteil der Buddhisten an der Gesamtbevölkerung von über 50 % sieht es immerhin bei gut der Hälfte so aus:

Burma: Militärdiktatur
China: Sozialismus
Laos: Sozialismus
Vietnam: Sozialismus
Nordkorea: Sozialismus
Kambodscha: Korruption
Sri Lanka: Gerade erst den 26-jährigen Krieg mit den Tamilen beendet.
Thailand: 6 Regierungswechsel in 5 Jahren und nun ...

... die Straßenschlachten in Bangkok. Mein persönlicher Held ist der Polizeisprecher (Bild links, Copyright: TV5), den man, wenn man seine Satellitenschüssel auf Hotbird dreht, auf dem Militärsender TV5 sehen kann (online ggf. auch hier). Tag für Tag und Nacht für Nacht erklärt er - mit zunehmenden Gesichtszuckungen und schwarzen Ringen unter den Augen ob seines Stresses - unermüdlich, wie die Unruhestifter mit Filmaufnahmen auf youtube die Realität verzerren. Dazu holt er auch schon mal ein Gewehr unter dem Tisch hervor und zeigt anhand des Griffes, dass es sich bei den Polizeiwaffen um Tränengas-, bei einer der Terroristenwaffen jedoch um einen Granatwerfer gehandelt habe. Er betont, dass die Soldaten die Anweisung haben, unterhalb der Gürtellinie zu treffen. Trotzdem hat es viele Tote gegeben, und die Sache der "Rothemden" (red shirts) lässt sich vor allem im armen Nordosten Thailands speisen, wo die Bevölkerung unter dem geschassten Premier Thaksin einst zumindest in der Gesundheitsversorgung (die Familien schnell ruinieren kann) sich besser gestellt fühlen durfte. Wer aber benutzt kleine Kinder als "Schutzschild"? In solchen Bildern erkenne ich das Land kaum wieder, in dem man sich - trotz aller Regierungswechsel - in den vergangenen Jahrzehnten so wohl fühlen konnte wie nirgendwo.

Heute wurde verfügt, dass keiner mehr ohne polizeiliche Genehmigung alte Reifen verscherbeln darf. Die brennenden Teile verpesten seit Wochen die Luft Bangkoks noch zusätzlich, und sie rollen häufig den Soldaten entgegen, um diese auf Abstand zu halten. Insgesamt ist es mal wieder erstaunlich, wie viel Geduld man mit den Protestlern zeigte. Wenn die Dinge in Thailand aber kippen, dann richtig.

Ich habe oben Länder nicht genannt, in denen es besser aussieht (Japan, Bhutan, wohl auch die Mongolei,  Taiwan und Singapur) und ein Land nicht erwähnt, bei dem sich der Anteil von Christen und Buddhisten etwa die Waage hält: Südkorea. Das könnte sich bald ändern, wenn Staatspräsident Lee Myung-bak weiterhin gute Miene zu den bösen Hetztiraden fundamentalistischer Christen macht. Gegen Ende des Videos wird für das Kollabieren buddhistischer Tempel gebetet.




Mittwoch, 19. Mai 2010

Kriegermönche auch in Korea: Hyujŏng

Hier ein Beispiel für freiwilligen militärischen Einsatz von Mönchen aus Korea. Es stammt aus dem bisher noch unveröffentlichten Manuskript von Heinrich Dumoulin über Zen in Korea, das in den Reprint der "Geschichte des Zen-Buddhismus" (erscheint im Juni) einfließen wird.

"Die Biographie erzählt, wie Hyujŏng (1520-1604) nach der Erleuchtung durchs Land wandert, für längere oder kurze Zeit in Klöstern und Einsiedeleien verweilt und „wie im Traum“ das reife Alter von dreißig Jahren erreicht. Inzwischen ist die Wiederherstellung des Sangha unter König Myŏngjŏng im vollen Gang. Hyujŏng wird vom Herrscher ins Richteramt für die Examina des Sutrenbuddhismus (Kyo) und wenig später des Meditationsbuddhismus (Sŏn) berufen. Die Stellung im öffentlichen Leben verschafft ihm Ansehen, doch ihn zieht es in die Einsamkeit. So legt er nach wenigen Jahren die Ämter nieder und sucht ein stilles Bergkloster auf, wo er als Lehrer Sutren erklärt (Kyo) und als Meister Jünger zur Erleuchtung führt (Sŏn). Die Harmonisierung von Kyo und Sŏn liegt ihm vor allem am Herzen.


Im 22. Regierungsjahr des Königs Sŏnjo erregt ein Aufstand, an dem auch buddhistische Mönche beteiligt sind, den Zorn des Königs und bringt Hyujŏng, der von Feinden der Unterstützung der Rebellen beschuldigt wird, für kurze Zeit ins Gefängnis. Der falsche Verdacht wird rasch aufgeklärt und Hyujŏng auf Anordnung des Königs freigelassen. Nun breitet sich sein Ruhm im ganzen Land aus. Er ist, so die Quellen, „die Bewunderung einer Generation“.

Den Höhepunkt erreicht Hyujŏngs Ruf wenig später, als zur Zeit des kriegerischen Einfalls Hideyoshis (1592) der König in äußerster Not seine Hilfe sucht. In einem Aufruf an alle buddhistischen Mönche Koreas mobilisiert Hyujŏng eintausendfünfhundert Mann. Die buddhistischen Mönche – im Ganzen fünftausend Krieger – bewähren sich im Kampf. Der dankbare König spart nicht an Gunsterweisen für den greisen Meister, dessen Lebensende nahe bevorsteht. "

Dienstag, 18. Mai 2010

Die Zukunft des Buddhismus im Westen

In einer Musiksendung auf ARTE erzählte kürzlich der Musiker James Murphy (LCD Soundsystem), dass er nach der Einfuhr von Ecstasy sein Leben änderte - und ganz andere und erfolgreichere Musik machte. Ich muss hingegen nicht auf Drogen sein, um diese Vision für den Buddhismus im Westen zu haben:

In fünf bis zehn Jahren wird ...

1) der Dalai Lama tot sein. Es wird keinen gleichwertigen Nachfolger geben, der so medienwirksam die Interessen der Tibeter und des tibetischen Buddhismus vertritt. In der Folge können esoterische Rituale und der Glaube an die Wiedergeburt eingedämmt werden;

2) Thich Nhat Hanh und seine strategische Beraterin Chan Khong tot sein. Es wird keinen Nachfolger geben, der aufgrund seiner biographischen Anleihen an das Flüchtlingschicksal eines Vietnamesen sozialistischen ("engagiert" genannten) Buddhismus unter dem marketingwirksamen Label "Zen" propagiert. In der Folge kann erkannt werden, dass Achtsamkeit und Atemübung VOR jedem Erwachen liegen und in der authentischen Zen-Tradition gar nicht genügen;

3) Ole Nydahl tot sein. Damit verliert eine zweite große Sekte (nach der von TNH) ihren Einfluss in Europa und insbesondere Deutschland. In der Folge wird die Karma-Lehre nicht mehr als individuelle Allmacht in Verbindung mit Ansprüchen ans Glück betrachtet (eine Krankheit, die auch den DL und TNH befallen hatte).

4) die besonders auf das Einfangen der Jugend spezialisierte Sekte Phat Hue um ihren Abt Thich Thien Son (alias Thay) aufgrund wiederholten sexuellen Fehlverhaltens auseinandergebrochen oder zu einem primär homosexuell orientierten Wellnessclub umformiert worden sein. In der Folge fordern die Vietnamesen selbst, weder von regierungsnahen noch von luxus- oder anderswie geilen Äbten unterrichtet zu werden.

5) Zen-Management-Coaching mit dubiosem buddhistischem Hintergrund (siehe Polenski und Konsorten)  keinen Zulauf mehr haben, weil die Manager selbst nicht mehr so gut bezahlt werden und sich deshalb weniger Sorgen machen müssen, aber klarer denken, bevor sie eine Stange Geld dafür ausgeben, sich auf ihren eigenen Arsch zu hocken. In der Folge bedeutet Zen-Management tatsächlich, alles loslassen zu können - auch Kohle und Macht.

Oder war es nur ein Traum? Wenn ich selbst tot bin, ganz sicher.

Sonntag, 16. Mai 2010

Leben in einer Bergeinsiedelei

Durch diese strohgedeckte Einsiedelei von achtzehn Fuß Durchmesser
fährt ein kühler Herbstwind.
Ich rieche den Duft von Herbstchrysanthemen mit meiner Nase.
Selbst wenn ihr mit Augäpfeln aus Eisen und Kupfer* versehen seid,
werdet ihr nicht wissen, dass ich das Chrysanthemenfest neun Mal gesehen habe.

Auf diesem Berg stehen erhabene Tempel klar in einer Reihe.
Auf seinem Gipfel gibt es eine sechs- oder siebenstöckige Pagode.
In dieser Jahreszeit ist es tagsüber kalt und der Wind bläst stark.
Ich möchte meine Robe Mönchen vermachen, die bis spät in die Nacht Zazen üben.

Wenn die Abendglocke geschlagen
und eine Gartenlaterne gegenüber dem Mond aufgehängt wird,
üben die Schüler Zazen in der Meditationshalle und meditieren ruhig über die Leere.
Glücklicherweise habe ich drei Arten von Schülern** hier,
die nun den Buddha-Samen säen.
Wie angenehm, dass sein Reifen und Ernten in meinem Geist sind!

Höre ich einen Grashüpfer oder eine Zikade zirpen, halte ich das für erlesen.
Eine kühle Brise und ein trüber Mond sind gleichermaßen angenehm.
Wolken über Kiefern und Eichen;
ein erhabenes Haus an einem Teich wirkt alt.
Regentropfen auf einem Paulownia-Blatt; ein Herbsttempel ist einsam.

Ich möchte die Kleider ablegen, hänge eine Laterne auf
und ergreife den Schreibpinsel.
Ich sehne mich nach der Geschichte, in der Kâshyapa
im weit entfernten Indien die Robe übergeben wurde.
Ursprünglich geschieht es im Buddha-Land, dass unser Buddha seine Robe übergibt.
Das Buddha-Land beschränkt sich also nicht
auf den Shaolin-Tempel auf dem Berg Sung im Winter.

In einer strohbedeckten Klause in dieser Bergeinsiedelei,
gibt es kein Ende für eure Konzepte und euer Zazen.


(* dem unbeweglichen Geist; ** Shrâvakas, Pratyeka-Buddhas und Bodhisattvas)

[Dôgen: Eihei Koroku, Verse]

Samstag, 15. Mai 2010

Bodycount: Was taugen eigentlich Meister und Lehrer?

Die Hingabe an den Lehrer ist nicht nur Bestandteil der Zen-Tradition, sondern ständiger Grund für den Missbrauch und die Ausbeutung von Schülern. Es stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, im Buddhismus a) einen Lehrer lediglich im Sinne eines Schullehrers oder Professors zu akzeptieren, als einen, der buddhistische Lehrinhalte vermitteln kann - da könnte man bereits die Spreu vom Weizen trennen, und b) unter den Übrigen nur solche Kontakte zu pflegen, die nicht-hierarchisch, sondern eher wie eine Freundschaft funktionieren oder bestenfalls dem Respekt ähneln, dem man Eltern gegenüber zeigen mag - womit viele Bedürfnisse von Schülern tatsächlich getroffen werden, da sie in ihren Lehrer(inne)n einen Elternersatz suchen. Das käme natürlich einem Bruch mit der Überlieferung gleich. Außerdem entspricht es nicht dem Bedürfnis vieler Schüler, die, das muss man klar sagen, meist aus emotionaler Unsicherheit und seltener aus Wissbegier einen Meister suchen. Wie wichtig ist es dabei doch, den Meister als einen ganz gewöhnlichen, fehlbaren Menschen wie Du und Ich zu sehen. Wer das nicht tut, tappt bereits in die Falle.
   Als Beispiel habe ich mal Maezumi Roshi  (1931-1995) herausgegriffen. Er gilt als sehr einflussreich in den USA und hatte Bestätigung aus mehreren Linien. Ich störe mich daran weniger als Muho, auf dessen Beitrag zur Dharma-Übertragung auf seiner Antaiji-Website ich kürzlich einging. Schließlich rezitiert man auch im Sôtô-Zen mit dem Gojûshichi butsu die Namen der Meister der eigenen Linie, und da steht nach Dôgen (Eihei Dôgen Daioshô) Koun Ejô Daioshô und dann Tettsu Gikai Daioshô vor Keizan Jôkin Daioshô. Tettsu Gikai war aber bereits zuvor von Ekan, dem Haupt der dem Rinzai zuzurechnenden Daruma-Schule, zum Nachfolger ernannt worden, weshalb demnach - würde man mehrere Bestätigungen ablehnen - bereits in der zweiten Generation nach Dôgen die Linie unterbrochen wäre. Mit solchen Gedanken will ich mich also nicht aufhalten, sondern mal die zahlreichen Nachfolger des - nach eigenem Bekennen  - Alkoholikers Maezumi auflisten:
Tetsugen Bernard Glassman
Dennis Genpo Merzel
Charlotte Joko Beck
Jan Chozen Bays
John Daido Loori
Gerry Shishin Wick
John Tesshin Sanderson
Alfred Jitsudo Ancheta
Charles Tenshin Fletcher
Susan Myoyu Andersen
Nicolee Jikyo McMahon
William Nyogen Yeo

Nun frage ich Euch: Wie kann man man den kommerziellen "Big Mind"-Merzel und den Straßenretreater Glassman mit Joko Beck in einen Topf werfen? Wie viele brauchbare Lehrer hat Maezumi also hervorgebracht, und welche von ihnen hatten denn Maezumi tatsächlich nötig, um das zu werden, was sie sind (wenn doch die anderen so ganz anders wurden)? Ohne dass ich Euch beeinflussen will, ist meine Beobachtung folgende: Die Mehrheit der Menschen, die begeistert sich einem (oder mehreren) buddhistischen Lehrer für lange Zeit anvertraute, hat einen an der Erbse. Nun mag das schon vorher so gewesen sein (davon gehe ich aus), aber es wurde ganz offensichtlich durch den engen Kontakt zum Meister (männlich oder weiblich) nicht besser. Was also bringt diese Verehrung des Meisters, wann gilt wirklich das wechselseitige: Meister und Schüler gehen füreinander in den Tod?

Freitag, 14. Mai 2010

Thich Nhat Hanh bei Oprah Winfrey

(Recycled from zen.de)

Dank für den Hinweis aufs Interview, zumal ich anderswo gerade gefragt wurde, was mich an TNHs Lehren störe. An diesem Interview lässt es sich ganz leicht abarbeiten.

"But beneath Nhat Hanh's serene demeanor is a courageous warrior." Meint Oprah. Hehe, schön, wenn man das über Flüchtlinge sagen kann, die keine Waffe in die Hand nehmen wollen.

Und nun O-Ton Thich.
"If you breathe in and are aware that you are alive—that you can touch the miracle of being alive—then that is a kind of enlightenment. Many people are alive but don't touch the miracle of being alive." Dieser Satz ist wichtig. Wie überhaupt das Atemzählen und die Atemübungen. Wenn man verstehen will, warum Thich kein Thien-Meister, der sich auf Linchi, also chinesisches Chan, beruft, sein kann, dann lese man - so man Englisch kann - den Blog von "Dark Zen". Er macht zwar ein Geheimnis um seine Person, steht aber z.B. der Tradition von Hsu Yun nahe. Hier wird immer wieder erklärt, warum das Erwachen unbedingt VOR dem Atmen liegt, oder JENSEITS davon. TNH hat diesen Zustand offensichtlich nie erreicht - weil es eben auch kein authentisches Chan in Vietnam gab. Daran sollte man denken,wenn einem falsche Übungsmethoden gezeigt werden.

Achtet man genau auf das, was TNH sagt, so sind es seine üblichen Sachen: Breathing in, breathing out (das singen die sogar in seiner Sangha), Achtsamkeit (mindfulness), Glück ist das Aufhören von Leiden, Peace is possible, deep listening (ja, das finde sogar ich gut).

Ganz wichtig: "That is the work of a bodhisattva, a buddha, always with compassion and nonviolence." TNH schließt damit offensichtlich aus, dass Soldaten Bodhisattvas sein können. Das ist jedoch m.E. mit der Zen-Lehre nicht vereinbar. Alles ist shunyata, und aus der Leere ist alles möglich, z.B. auch der Tyrannenmord, wenn die Einstellung stimmt.

"And if you continue with your practice of mindfulness, you understand the roots, the nature of the suffering."

Auch das ist Theravada. Tatsächlich ist das entscheidende Glied nicht die Rechte Achtsamkeit, sondern die Rechte Erkenntnis und damit die Weisheit. Sie ist das höchste Gut im Zen. Aus diesem Grund ist es z.B. möglich, ganz bewusst und achtsam seine Wut einzusetzen - im Zen, nicht aber bei TNH. Mit seiner Mindfulness ist - wie bei den Soldaten - eine Unterscheidung, ein Aufteilen in Kategorien verbunden, dass dem tiefen Zen fremd ist.

"When you love someone, the best you can offer is your presence. How can you love if you are not there?"

Na Leute, habt Ihr schon mal jemanden geliebt, der Euch nicht wollte? Na seht Ihr, das Beste, was Ihr dann tun könnt, ist, Euch zu verdünnisieren. Aber TNH predigt Wohlfühlbuddhismus, der merkt gar nicht, dass seine Sätze keine Allgemeingültigkeit haben.

"Do you exercise to stay in shape?

Nhat Hanh: "Yes. We have the ten mindful movements."

Hahaha, hahaha, das ist echt köstlich. Wer die mal im Schneckentempo hat laufen sehen, kann sich den Kalorienverbrauch ausrechnen.

"No egg, no milk, no cheese. Because we know that mindful eating can help save our planet."

Aha. Naja, ich bin ja ein Bauerssohn. Es ist mir echt neu, dass es den Kühen was ausmacht, wenn man sie melkt, oder auch den Schafen. DAS kotzt mich dann echt an. Wie der so im Vorübergehen gleich noch einen Großteil seiner Landsleute abqualifiziert, die Farmer sind, weil er zwischen den Zeilen sagt, das sei nicht die rechte Lebensweise. Dieser Hannes.

Und wow, die brauchen eine Stunde fürs Essen.

"Our nature is the nature of no birth and no death. It is impossible for a cloud to pass from being into nonbeing. And that is true with a beloved person. They have not died. They have continued in many new forms and you can look deeply and recognize them in you and around you."

Es wird ja gern kolportiert, zur Wiedergeburt äußere sich TNH nicht. Aber hier haben wir nochmal den Wohlfühlbuddhismus. Statt zu sagen: Tot heißt Sense, lautet es: "They have not died."

Ich möchte haha sagen, aber das ist echt zum Heulen. TNH lebt in einer Traumwelt.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Shanli - der Shaolin-Mönch aus Leipzig

"Da könne mer uns ja gleich 'en Grabstein in de Gadde mache", so in etwa lautete die Bemerkung meiner Mutter auf meine Ankündigung vor gut 25 Jahren, heimlich über Tibet nach China einzumarschieren, um fortan im Shaolin-Tempel zu leben und zu lernen. Nun, es hat - wenn ich seufzend an mir herunter auf mein Online-Bäuchlein sehe - immerhin für eine starke Affinität zum chinesischen Chan und einiger Kampfkunstübung in jüngeren Jahren gereicht. Heute sehe ich natürlich die Vermarktung des Shaolin-Tempels wie auch die Vermischung des Chan mit Amida-Buddhismus, die sich in Japan über die Jahrhunderte im Übrigen mancherorts fortsetzte, eher kritisch. Und habe die Erfahrung gemacht, dass die mentale Einstellung eines Samurai im westlichen Großstadtalltag tauglicher ist als traditionelles Kung Fu, wie man es im Songshan-Gebirge lehrt. Dennoch neige ich neidlos und erfreut mein Haupt vor denen, die meinen einstigen Traum wahr machten, und dem gebürtigen Leipziger Shanli gebührt hierbei mein besonderer Respekt. 

(Abb.: Steintafel, die über die Begründer des Shaolin Auskunft gibt)

Mittwoch, 12. Mai 2010

Das ehrbare Leben der Bauern

Nachdem der Tsunami Ende 2004 Phuket getroffen hatte, tauchte im TV eine junge Einheimische auf, die klagte und weinte: "Ich habe alles verloren, was ich mir hier aufgebaut habe. Aber zurück zu meinen Eltern will ich nicht, da wartet nur das Farmleben auf mich."
   Wie bedauerlich. Das ehrbare Leben von Land-Wirten so abzuwerten gegen das Touristen-(Be)Wirten. Wie anders sah es noch der Zen-Meister Suzuki Shôsan (1579-1655). Einst trug ihm ein religiös denkender Bauer sein Anliegen vor:

«Das künftige Leben ist die eine große Angelegenheit. Ich bin nicht träge, habe aber, während ich den Acker bebaue, keine Muße. Ich tue die niedrige Arbeit für meinen Unterhalt. Wenn dieses Leben nutzlos verstreicht, muss ich die Leiden der Zukunft ertragen. Das ist höchst bedauerlich. Wie kann ich die Buddha-Frucht erlangen?»

Darauf erhielt er von Suzuki Shôsan die Antwort:

«Die Landarbeit ist buddhistische Übung. Wenn deine Absicht schlecht ist, ist deine Tätigkeit niedrig. Wenn du in gläubiger Hingabe stark bist, so ist sie Bodhisattva-Werk. Es ist ein Irrtum, nach Muße zu verlangen und um Glück im künftigen Leben zu bitten. Solche, die unbedingt die Buddhaschaft erlangen wollen, halten Leib und Geist in Zucht. Solche, die nach Vergnügen verlangen, werden, wenn sie um Glück im künftigen Leben bitten, auch in Zehntausenden von Kalpas die Buddhaschaft nicht erlangen. Tu in äußerster Kälte und in äußerster Hitze deine mühsame Arbeit! Benutze Pflug, Hacke und Sichel! Halte Leib und Geist, in denen die Leidenschaften wuchern, für deinen Feind! Du musst den Grund umgraben, die Ernte einbringen, deinen Geist plagend den Acker bearbeiten! Wenn du müßig bist, wachsen die Leidenschaften. Wenn du harte Arbeit tust und Leib und Geist plagst, entstehen im Geist keine Leidenschaften. So kannst du beständig buddhistische Übung tun. Weshalb sollte ein Landmann noch besondere buddhistische Übung zu tun wünschen?»

(aus: Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus, Band II)

Dienstag, 11. Mai 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 64

Das Nicht-Wissen des Wissens

Meister Shôshinzô sagte: „Das Nicht-Wissen des Wissens ist vom Nicht-Wissen des Nicht-Wissens verschieden.“ Meister Nansen meinte: „Wenn dem so ist, habe ich beim Hören deiner Worte zum ersten Mal die Hälfte verstanden.“


Meister Kidô

Nansen sagt: „Bei sechs Ohren
kann es keine Geheimnisse geben.“


Meister Hakuin

Ja sagen, nein sagen.

Montag, 10. Mai 2010

Kleine Fußnote

Fundstück aus Heinrich Dumoulins Geschichte des Zen-Buddhismus (Band II):

"Die Gegnerschaft vieler japanischer Feudalherren, z.B. des Oda Nobunaga, gegen die Buddhisten hat ihren Grund vorzüglich in der Einmischung buddhistischer Klöster in das politische Zeitgeschehen und in der Neigung buddhistischer Mönche zu kriegerischer Gewalt. Franz Xaver und die christlichen Missionare tadeln besonders die Päderastie in buddhistischen Klöstern, siehe Georg Schurhammer, Franz Xaver. Sein Leben und seine Zeit, Bd. II Asien, 3. Teilband Japan und China, S. 88f., vgl. S. 81f., 152, 154, 170ff., 305, 309 (zitiert: Franz Xaver II,3), ferner Boxer, a.a.O., S. 35. Siehe auch die umfangreiche Geschichte des japanischen Buddhismus (Nihon Bukkyôshi) von Tsuji Zennosuke, Bd. V (Mittelalter), S. 335-337."

Sonntag, 9. Mai 2010

Muslima unverschleiert: Zahia Dehar, Franck Ribéry und die Einheit von Körper und Geist

Nun mal wieder was für die Blog-Quote: Sex. Die gebürtige Algerierin Zahia Dehar wird auf eine Geburtstagsfeier des Bayern-Stars Ribéry eingeladen und steigt mit ihm ins Bett. Er weiß angeblich nicht, dass sie noch keine 18 ist, sie nicht, dass er Frau und Kinder hat. Wir hatten hier ja schon mal so einen  komischen Skandal. Ich habe kein Mitleid mit jemandem, der seine Ehefrau auf diese Weise demütigt. Und dass sie sich gedemütigt fühlt, ist ja sehr wahrscheinlich. Aber wie in den meisten (wenn nicht allen) Fällen bei Tiger Woods ging es auch hier um käuflichen Sex. 2.000 Euro soll die blondierte Nordafrikanerin für eine Nacht verlangen, 500 für die schnellere Nummer. Es war von einem Zuhälter die Rede, auch davon, dass Ribéry nicht gezahlt habe, dann wurde beides dementiert. In manchen Ländern könnte man Frauen ihres Kalibers für einen solchen Nachttarif einen Monat buchen, und das mit natürlicher Haarfarbe und echten Brüsten. Für den Preis hätte man sogar mehrere Schönheiten aus diesen Ländern einfliegen lassen können. Was taugen eigentlich die Berater dieser Fussballstars? 
   Wie auch immer, die Franzosen mögen die Algerier nun mal besonders gern ... Das Video unten lässt dann doch erahnen, dass ich ein kleines bisschen neidisch sein könnte ... nein, was wollte ich sagen ... ach ja, dass nicht der geringste Zweifel daran besteht, hier ein kleines Luder mit Manga-Figur tanzen zu sehen. Und nun kommt der jahrzehntelange, insbesondere aus feministischen und sexualfeindlichen Kreisen vorbereitete, inzwischen auch die Presse infiziert habende Keulenschlag mit der "18" - die neue Grenze der Kindheit: Kein Zweifel, dass wir da unten in dem Video eine unschuldige Minderjährige tanzen sehen, eigentlich noch ein Kind. Keine Frage, dass die nicht entscheiden konnte, ob sie Geld für Sex nimmt oder nicht. Seit ein paar Monaten kann sie's sicher, denn seitdem ist sie 18. Und weil es diese seltsamen Vorstellung von Sittenwächtern gibt (die, so männlich, die Kleine auch alle knallen wollen, und so weiblich - na, was  weiß denn ich), muss der reiche Ribéry sagen, was immer in solchen Situationen gesagt wird: Ich hab nicht gewusst, dass sie noch minderjährig ist. Verdammt, ich kann nicht erkennen, was für eine Rolle das spielen soll. Diese Antwort würde ja nur Sinn machen, wenn sie das bedeutete: "Hätte ich gewusst, dass sie minderjährig ist, hätte ich auch gewusst, dass sie nicht bumsen kann." Doch wie wir wissen, besteht da kein zwingender Zusammenhang. Die richtige Antwort müsste doch lauten: "Was wollt ihr von mir, zahlt sie etwa keine Steuern?"
    Ich finde, wir sollten als Buddhisten aufstehen und schreien: Lasst uns bumsen, wenn wir's können! Wie sonst sollte sich Freiheit verwirklichen? Sollte Zahia ihr Geld aus eigenem Antrieb auf diese Weise verdient haben, ist es geradezu grotesk, den bestrafen zu wollen, der für den Sex bezahlt hat. Prompt hat Ribéry infolge der kleinen Schmuddelkampagne gegen ihn und all diesem Stress ein grobes (echtes) Foul begangen, was nun dazu führt, dass ein Bayernfan wie ich ihn nicht im Championsleague-Endspiel sehen kann. Da hört meine Toleranz auf.  Und wo ist hier der Zusammenhang mit dem Buddhismus? Na, wer von Euch hat nun nicht schon ans Karma gedacht? "Ja, hätte er mal nicht, dann ... Geschieht ihm recht ... Musste ja so kommen ... " Doch ich seh's anders. Zahia verkauft nun ihre Story fürs gleiche Geld wie vorher ihre Muschi, Ribéry erfährt durch den Pressespiegel der Bayern von diesem Blog und dass es auch billiger und diskreter ginge, und all die Verantwortlichen des inzwischen wie ein Grippe-Virus europa-, ja weltweit sich verbreitenden, restriktiven Sexualstrafrechts werden so karmatisch bestraft, dass ihnen nicht nur nie eine Zahia ins Bett hüpft, sondern sie auch per "umgekehrter buddhistischer Verdienstübertragung" allesamt den von ihnen verhinderten Koitus in Form von Potenzstörungen und Frigidität heimgezahlt bekommen. 



Ächz.

Falls es nicht so läuft mit dem Karma, sollte man derartige Angelegenheiten zum Wahlkampfthema machen. Wer die Dualität von Körper und Geist auf seinem spirituellen Pfad aufhebt, wird das verklemmte und geheuchelte Geschwafel der Moralhüter nicht länger ertragen wollen. Aber auch Antworten wie die von Ribéry nicht.

Samstag, 8. Mai 2010

Die Dharma-Übertragung (shihô) im Zen

Muhos aktueller Beitrag zur Dharma-Übertragung (auf Englisch) liest sich zwischen den Zeilen auch wie eine Kritik an Deshimaru Roshi, an Taizan Maezumi und anderen Sanbokyodan-Lehrern. Ich übersetze mal eine Passage: "Du kannst den Dharma nur von einem einzigen Lehrer erben. (...) In Amerika hört man oft, dass einige sich 'sowohl Soto als auch Rinzai' nennen. (...) Tatsächlich sind sie WEDER Soto NOCH Rinzai, sondern machen ihr eigenes Ding. (...) Zu behaupten, die Übertragung von drei Lehrern zu haben, heißt für mich, dass keine dieser Übertragungen wahrhaftig ist. Wenn nämlich nur eine dieser Übertragungen authentisch wäre, warum sollte man sich dann um eine andere bemühen?"
   Später beschreibt Muho, was die Dharma-Übertragung im gemeinsamen Leben ausmacht. Zusammen sitzen, zusammen schwitzen, zusammen frieren. Dem Lehrer das Badewasser einlassen usw. (Das erinnert mich daran, dass ich den "Dharma meines Vaters" erbte.)
   Muho führt auch aus, wie das "Stammbuch" des Shihô aussieht, welche drei  - in Sawakis Linie vier - schriftlichen (!) Dokumente im japanischen (Sôtô-)Zen die Dharma-Übertragung belegen, die ohne Zeugen nächtens nur zwischen Lehrer und Schüler zelebriert wird. (Besonders pikant sind die Hakenkreuze - Swastika - in den Dokumenten, sicher ein gefundenes Fressen für Zollbeamte.)

In Dôgens Eihei Shingi, den Klosterregeln, heißt es: "Wenn du Zazen machst, benutze stets ein Zafu." Doch der Shakyamuni hatte keins, und als man noch nicht auf Stahlbeton und in Hochhäusern oder in japanischen Zen-Klöstern saß, hockte man auf der nackten Erde oder bloß einem Tuch. Wie Muho schreibt, war es der Shakyamuni selbst, der keine Dharma-Übertragung  erhielt. Und folglich gab er sich seine eigenen Regeln. Nach diesem Vorbild wird es natürlich auch weiterhin denen nicht schwerfallen, die kein Shihô haben, sich als Lehrer zu vermarkten. Das Problem ist, dass der Suchende, der meint, einen Lehrer dringend zu benötigen, schon beim Auswahlprozess den Shakyamuni von einem Thich unterscheiden soll. Das hieße nichts anderes, als in diesem Prozess die ursprüngliche Buddha-Natur (und damit Weisheit und Unterscheidungskraft) zu verwirklichen. Dann jedoch hätte der Suchende bereits den Lehrer in sich entdeckt und würde nicht mehr außen suchen. So beißt sich hier auf ewig die Katze in den Schwanz.

Freitag, 7. Mai 2010

Religionen sind ein großes Übel ...

... meint der achtzigjährige Sprachkünstler Gerhard Rühm, "mit Ausnahme des Zen-Buddhismus".
   Chuck Lorre, Erfinder der amerikanischen Sitcoms "The Big Bang Theory", "Two and a Half Men" und "Dharma & Greg", lässt ans Ende jeder Episode seiner Serien "Vanity Cards" einfügen, die seine persönlichen Ansichten und Gedanken enthalten. Man kann sie nur lesen, wenn man rechtzeitig das Bild einfriert bzw. auf DVDs die Pausetaste drückt. Online ist es einfacher. Sein angestammter Sender CBS hat freilich auch schon einige Vanity Cards wegzensiert. Diese, Nr. 210, war nicht dabei.
    "Ich glaube, um Trauer, Furcht, Einsamkeit, Verzweiflung, Verwirrung und Wut durchzustehen, ohne zu Drogen, Alkohol, Völlerei, Sexsucht oder den endlosen dumpfmachenden Ablenkungen der westlichen Kultur Zuflucht zu nehmen, muss jemand ein spiritueller Krieger werden. Ich glaube auch, dass der Lohn für das Erdulden von Leid und das nüchterne Umarmen der unvermeidlichen Perioden emotionalen Schmerzes, die das Leben mit sich bringt, Weisheit und Gelassenheit im Angesicht des Unglückes sind. Doch der Weg des Kriegers ist tückisch und kann nicht allein beschritten werden. Um zu überleben, muss man Waffenbrüder und -schwestern haben, die einen stützen, wenn man zusammenbricht. Als wir noch in kleinen Sippen lebten und starben, war dieses Prinzip der gegenseitigen Hilfe tief in unserem Gruppengeist verankert. Mit dem Aufkommen großer Städte waren wir gezwungen, mit dem täglichen Dilemma des Allein-Seins zu leben und uns doch verzweifelt nach anderen zu sehnen. Darum suchen wir  bewusst stets nach neuen Sippen. Ich möchte einen bescheidenen und einfachen Vorschlag machen, wie man die Wirksamkeit jeder Sippschaft beurteilen kann, der man auf dem Weg, ein spiritueller Krieger zu werden, begegnet: Wenn sie an dein Geld oder an deine Eier wollen, renn weg. Wenn sie dein Geld wollen und dich dabei  noch ständig anlächeln, niemals blinzeln und dir versprechen, dich zu einem Halbgott zu machen, dann genügt es nicht, wegzurennen. Ändere deine Anschrift und zieh nochmal  kurz Drogen, Alkohol, Völlerei, Sex und Fernsehen in Betracht."

[Copyright Foto (zeigt Chuck Lorre): watchwithkristin]

Donnerstag, 6. Mai 2010

Some more nonsense ... von Deepak Chopra und Thich Nhat Hanh

Heute habe ich mir mal einige Beiträge auf Fora TV angeschaut. Sieh an, Stephen Batchelor kam ganz sympathisch rüber, der bügelte die Karma/Wiedergeburts-Theorien als untaugliches Konzept ab, das man mit beliebigen Erklärungen füllen könne, wohingegen der Buddha gelehrt habe, dass man sich ganz konkreter Realität und ganz konkret fassbarem Leiden stelle. Auch Peter Coyote findet sich, wenn man in der Suche "Zen" eingibt, und endlich habe ich mir mal ein Bild von Lama Surya Das machen können, der mir nichts gibt, wie so viele andere nicht. Dafür hat mich Matthieu Ricard überzeugt, dass er all seine messbaren Glückszustände in Taten umsetzt und besonders in Nepal offenbar an etlichen Hilfsprojekten mitwirkt. Und toll fotografieren kann er auch.
   Aber was ist mit dem hochauflagigen Deepak Chopra? Für den Arzt sind 80 % aller Medikamente sinnlos, sie würden dem Patienten nicht mehr helfen, als wenn er sie gar nicht nähme. Er selbst bräuchte keine, er sei nie krank (haha, sieht man sich sein Bäuchlein an, kann man sich schon denken, wie er sich hin und wieder selbst im Schränkchen bedienen muss). Über Tranquilizer sagt er, sie würden wie Alkohol das Träumen abstellen - und dies sei schädlich! Nun, mit Alkohol hat's der Deepak also wirklich nicht, sonst wüsste er's besser, aber was haben sie ihm bloß auf der Hochschule beigebracht? Bestimmt nicht, dass das Bewusstsein, dass er als nicht-lokalisierte Seele ansieht, den Tod überdauere - ein klassisches Beispiel, wie man die atman-Lehre nicht verstehen sollte. Einige seiner Ratschläge, eingefahrene körperliche und seelische Zwänge zu überwinden, klingen knackig, aber ausführen muss er sie nicht, dazu soll man seine Bücher kaufen. Am besten ist, wie er sich auf die Frage nach seiner Einstellung zum Geschäftemachen an die Nase fasst (hehe, ertappt), nachdem er freilich behauptet hat, es sei ihm nie ums Geschäft gegangen. Kaum ist man auf seiner Website, schwabbelt einem aber schon der ganze Wellness-Kram entgegen. Da fehlt dann nur noch unser Thich Nhat Hanh. Der macht sich über Auslandskonten vietnamesicher Kommunisten lustig, wo er doch selbst gern GmbHs gründet und die Welt im Dunkeln über die Eigner seines Plum Village lassen will. Seine Rede ist, wie die des Deepak, natürlich gespickt mit Ausdrücken seiner eigenen Buddhismus-Wellness-Agentur ("deep listening"), und er greift als Rat für den Umgang mit Terroristen auf, was er in "Creating True Peace" schrieb: "“If we kill the terrorist father, the son may become a terrorist; the more we kill, the more terrorists we may create." Dieser Satz macht mir zweifach Kummer. Wie kann man den Vater eines Terroristen töten, wenn der Sohn erst durch den Mord am Vater zum Terroristen würde? Und was ist, wenn man den Terroristen nicht rechtzeitig ausschaltet und er seine Absicht verwirklicht und z.B. hundert Menschen in den Tod reißt? Ich will's mal auf Englisch sagen: "If we don't stop (kill) the terrorist in time, the sons of his victims may all become terrorists." Auf Deutsch: Lieber einen Terroristen-Sohn (des Täters) als hundert (der Opfer).
   Wenn ich diese Geschäftsleute reden höre, mag ich gar nicht glauben, dass sie den Unsinn nicht bemerken, den sie verzapfen. Ich denke mir das so: Sie haben eine einzige Erkenntnis über die Religion gewonnen, nämlich wie sie damit reich werden können. An ihrem persönlichen Konzept gearbeitet und festgestellt, was die Menschen glauben WOLLEN. Deepak und der Thich sind weit von dem entfernt, was Samadhi heißt. Sie tummeln sich auf irgendwelchen Vorstufen, die wenigstens upaya, geschickte Mittel, sein könnten, wenn die zwei nur den Willen hätten, darüber hinaus zu gelangen. So aber wird ihre Art der Erkenntnis zu einer echten Geisteskrankheit.

[Copyright Foto: Mitchell Aidelbaum]

Mittwoch, 5. Mai 2010

Der Schleier als Reizwäsche

Vor vielen Jahren hatte ich eine türkische Freundin. Zuhause und unterwegs sollte sie eigentlich ein Kopftuch tragen, doch wenn sie bei mir oder unter Freunden war und sich von ihren Eltern unbeobachtet wusste, legte sie es ab. Wenn wir telefonierten, kroch sie bei sich unter eine Wolldecke, damit sie niemand in ihrer Wohnung hören konnte.
   Eines Tages überraschte ich sie mit einem schwarzen Tuch. Ich bat sie, es um ihren Kopf zu binden, wie es ihre Tradition vorsah. Dann sagte ich ihr, dass es mich erregte, und wir machten rum. Ein paar Jahre später hatte ich eine andere Freundin. Jemand, der nach Afghanistan ging, fragte mich, ob er mir etwas mitbringen könne. Ich bat um eine Burka, weil ich meine damalige Freundin fragen wollte, ob sie die mal für mich anzöge - um dann mit ihr zu vögeln. Der unter obigem Link abgebildete Nikab, der die Augen freilässt, ist allerdings noch schärfer, und wenn man einmal einer so verschleierten Saudi in die Augen geschaut hat, weiß man um seinen Reiz. Ich lasse mich nicht von der Meinung abbringen, dass der Schleier von Männern erfinden wurde, um sie geil zu machen. Inzwischen tragen auch Türkinnen immer häufiger farbenfrohe und glänzende Kopftücher, die nicht mehr viel mit den langweiligen Fetzen zu tun haben, die wir noch vor 20 Jahren in unserer Großstadt sahen. Insofern ist das kürzlich ausgesprochene Burka-Verbot in Belgien etwas humorlos.

Der "Hotei" von Suiô Genro (1716-1789), 
einem Schüler Hakuins, der es mit dem Zazen 
und Sutrenlesen nicht so ernst meinte, 
aber gern dem Sake zusprach.


Dienstag, 4. Mai 2010

Buddhas ohne Shakyamuni: Die Piraha-Indianer

"Erinnerungen sind Gescheitertes ..." (Dulce Maria Cardoso)
"Wir sind nichts ohne Erinnerung ..." (Manoel de Oliveira)
"Félix Ventura geht einer ungewöhnlichen Tätigkeit nach: Er handelt mit erfundenen Vergangenheiten. Seine Kunden sind Minister, Landbesitzer und Generäle, Menschen der neuen angolanischen Oberschicht. Sie alle blicken in eine gesicherte Zukunft, was ihnen jedoch fehlt, ist eine glanzvolle Vergangenheit. Ventura erstellt neue Stammbäume für sie ..." (aus einer Inhaltsangabe zu Das Lachen des Geckos von José Eduardo Agualusa. 
"Alles ist Träumen." (Fernando Pessoa)

Zitate aus einer Arte-Sendung vom gestrigen Abend über die Literatur Portugals. 

Und dann: Daniel Everett und sein Buch "Das glücklichste Volk". Das sei, so der Sprachwissenschaftler und ehemalige Missionar, ein kleiner Indianerstamm mit seiner ganz eigenen Sprache, Jäger und Sammler, die nicht zählen könnten und die der Tod nicht kratze, die glücklich im Hier und Jetzt lebten und keine Ausdrücke für Vergangenheit und Zukunft kennten. Das ist so ganz und gar un-europäisch. Auf Erklärungen zum Shakyamuni Buddha hätten diese Indianer sicher das gleiche geantwortet wie auf Geschichten über Jesus: "Hast du ihn gesehen? Hat dein Vater ihn gesehen?" Und dann das Interesse verloren.

Das Volk dieser Piraha-Indianer, noch ein paar Hundert Menschen, stellt die wahre Sangha dar.