Freitag, 19. Juni 2015

Jakucho Setouichi: Autorin und buddhistische Nonne

Jakucho (Harumi) Setouchi (瀬戸内 寂聴, geb. 1922) ist eine in Japan mehrfach ausgezeichnete Autorin, die mit 51 Jahren - und nach einigen Affären - beschloss, zur Nonne im Tendai-Buddhismus zu ordinieren, und zwar im Wesentlichen, um ihr Schreiben zu vertiefen! Über ihre psychische Krise in den 60er-Jahren und ihre Begegnung mit dem renommierten Analytiker Heisaku Kosawa gibt der folgende Artikel (auf Englisch) Auskunft. Die Autorin beschreibt, wie kleine Komplimente des Analytikers zum Abschied ihrer Sitzungen - etwa über Details ihrer Kleidung - sie regelmäßig aufbauten. Mich erinnert diese Passage übrigens an das, was Pep Guardiola gerade bei Bayern München leistet, indem er - wenn auch weniger subtil - Spieler wie Götze und Dante (der vor zwei Jahren Messi im Duell gegen Barcelona völlig kaltstellte) zur Überraschung von deren Kritikern immer wieder stark redet.
   Setouichi kritisiert zwar den Shin-Buddhismus, legt aber in ihren Formulierungen Wert auf die "andere Kraft" (nanika), also darauf, dass wir nicht alles selbst erschaffen. Sie spricht davon, dass wir eher "gelebt werden" (ikasareru) als leben (ikiru).
   Nachdem Setouichis frühes Werk dem Pornographie-Verdacht ausgesetzt war, erzählte die über 90-Jährige kürzlich auf dem japanischen TV-Sender NHK, dass sie seit ihrer Ordination gar keinen Sex mehr gehabt hätte. Stattdessen wurde sie als Aktivistin gegen die Todesstrafe, die Atomenergie und den Irakkrieg bekannt, wofür so auch schon mal in Kriegsgebiete reiste oder in den Hungerstreik trat. In hohem Alter verfasste sie eine moderne Fassung der berühmten Erzählungen vom Prinzen Genji, wobei sie feststellte, dass 70 % seiner Geliebten später zu Nonnen wurden. Ihre Fassung verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Ins Deutsche ist die Autorin dennoch meines Wissens bis heute nicht übersetzt. 
   Auf freier Bühne vor Fukushima-Opfern sagte sie einmal: "Das Wichtige ist das Unsichtbare."



Samstag, 6. Juni 2015

Ajahn Brahm (II): Die ungültige Nonnenordination

In dieser Doku über Ajahn Brahm und seine Tätigkeiten wird kurz vor Minute 26 ein seltsames Paar in langärmeliger Thermo-Unterwäsche gezeigt, wie es sich seiner irgendwie schwul aufgeladenen Novizenordination unterzieht. Ab Minute 14 wird über die Ersteigerung des Grundstückes für das Nonnenkloster Dhammasara gesprochen. Bereits 1983 hatte Brahm mit Ajahn Jagaro (John Cianciosi, der 1995 entrobte und kurz darauf eine reiche Thai heiratete!) Land für das davon nicht allzu weit entfernte Männerkloster Bodhinyana organisiert. Dieses Land wollte die Thai-Sangha aus dem Kloster Wat Nong Pah Phong (WPP) seines verstorbenen Lehrers Ajahn Chah ihm nach seinem Ausschluss wegnehmen, da es wesentlich durch Spenden von in Australien lebenden Thais finanziert worden war. Ajahn Brahm wurde sein Status als Ordinierer entzogen und er sowie sein Tempel von der Ajahn Chah-Gemeinschaft getrennt, weil nach deren Meinung (und der des höchsten Mönchsgremiums in Thailand) eine Nonnen(bhikkhuni)-Ordination gegen den Vinaya, den Verhaltenskodex im Buddhismus, verstieße, weil Brahm alias Peter Betts seinen Orden dabei bewusst hintergangen habe und es an der nötigen Einsicht fehlen ließ und auch, weil er Mismanagement betrieben habe. Luang Po Sophorn aus dem WPP sagte deutlich, dass Ajahn Brahm nicht länger als Theravada-Mönch, sondern als Mahayana-Mönch anzusehen sei. Ein Beleg dafür ist, dass Brahm die umständliche Erklärung bemüht, der Dharmaguptaka-Vinaya, nach dem Nonnen im Mahayana, etwa in Taiwan, ordinierten, wäre bis auf die Zeit des Theravada oder davor zurückzuführen (obwohl auch in dieser Schule kein ununterbrochener Nonnenorden existierte) und dehalb die Ordination der Theravadin-Frauen durch Mahayana-Nonnen als rechtens ansah. Jedenfalls kommt dies m. E. einem Ausschluss aus der Theravada-Sangha gleich, der aufgrund des Vergehens (eine Sanghadisesa wegen Zwietrachtsähens in der Gemeinschaft, siehe Punkt 10 hier) unter bestimmten Umständen möglich ist. Es stellt ferner einen Gesetzesverstoß in Thailand dar, wo der König als der höchste aller Buddhisten gilt und ebenfalls einst ordinierte.
   Ajahn Brahms Büro antwortet nicht auf die Frage, welcher Sangha er denn nun eigentlich angehöre. Es bestreitet aber seine Sanghadisesa. Dabei ist der Ausschluss aus einer Sangha natürlich vom Vinaya her zu begründen und nicht beliebig möglich. Dies ist ein erster Hinweis auf die rhetorischen Spielchen der Brahm-Clique.
   Zu erwarten wäre gewesen, dass Ajahn Brahm - auch wenn er die Nonnenordination für richtig hält - seine Verbundenheit mit dem Vinaya zeigt, indem er, wie bei einer Sanghadisesa vorgesehen, Buße tut, also etwa für eine Zeit den untersten Rang in seiner (australischen) Gemeinschaft einnimmt, am ehesten aber entrobt und ggf. neu ordiniert. Wie schon gesagt, ist das bei einem Gesinnungsgenossen von Thich Thien Son (der sich nun Thay nennt), in dessen Missbrauchspagode Phat Hue er trotz Warnung weiter recht kostspielig eine Verantstaltung abhielt, nicht zu erwarten. Man erkennt schnell, wenn man sich mit Ajahn Brahm beschäftigt, dass dahinter ein Unternehmer steckt und er sich da ein kleines buddhistisches Imperium zusammenbaute. Er hat kein Problem damit, Schecks über 250.000 Dollar anzunehmen. Seine Missachtung des Vinaya, etwa des Verbotes, sich am Handel (siehe dort den Abschnitt "Buying and Selling") zu beteiligen, ist allgemein bekannt, kürzlich versteigerte er sich sogar selbst. Sein Fall ist dem von Thich Nhat Hanh sehr ähnlich, der ebenfalls den Vinaya für seine Gemeinschaft umschrieb, die Nähe von Frauen erwünschte, die Robe dabei nicht ablegte und neben riesigen Grundstücken und Immobilien auch ein weltweites Buchgeschäft aufbaute. 
   Was daran stört ist nicht die Kreativität oder der Unternehmergeist von Buddhisten, sondern die Heuchelei, dies in einer Robe zu tun und dabei vorzugeben, einem uralten, strengen Verhaltenskodex zu folgen. Im Falle Ajahn Brahms ist das auch ein Schlag ins Gesicht der thailändischen Waldtradition. Buddhasa Bhikkhus Texte zum Beispiel werden kostenlos vertrieben, Peter Betts alias Ajahn Brahm kann mit seinen Geld verdienen. Der Sinn, das habe ich oft genug betont, liegt darin, in Robe die Leute leichter hinters Licht und zu Spenden führen zu können. Man fällt eben gern auf die Robe rein, ohne diesen Umhang wäre die Wirtschaftsleistung dieser umtriebigen Heuchler wesentlich geringer. Dazu werden dann noch Texte über die überragende Bedeutung der Ordinierten-Sangha verzapft, in denen sich Ajahn Brahm erdreistet, einen Ordinierten als "verlässlicher" zu bezeichnen und von Laien zu behaupten, diese würden nicht tun, was sie predigen. Besonders setzt er hier sexuelle Lust in Verbindung zum Anhäufen von Reichtümern, weil er - wie ich oben andeutete, in meinem Fall vergeblich - darüber hinwegtäuschen will, dass auch das Ordiniertenleben mit seinen Zeremonien erotischen Spielregeln folgt und sich dort Haus und Hof anhäufen. Ich hatte z. B. noch nie einen Wohnwagen zur Verfügung, aber eine seiner Nonnen schon. Dieser überaus anmaßende Text, den man unbedingt neben seinen gerade populären Allerweltsgeschichten lesen sollte, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat, ist schon eine gehörige Frechheit. Niemals würden Ordinierte den Laien was spenden, sondern immer nur umgekehrt. Wie gut, dass ich Laie bin und mich weiter im Geben üben kann. Und: "Es gibt keine größere Frucht als einer Klostergemeinschaft zu spenden." Ich höre hier nur einen Gauner reden, der anderen das Geld aus der Tasche ziehen will. Und ich weiß jetzt schon, dass das kein gutes Ende nehmen wird mit ihm und Perth.
   Brahms Sekretär und Sprachrohr Ajahn Sujato tut in seinem Blog gar so, als hätte man den Frauen in Thailand einen Gefallen getan. Diese historische Chance hat Brahm jedoch verpasst. Tatsächlich wünschen sich in Thailand viele Menschen eine Königin, da die Töchter des amtierenden Königs sich großer Beliebtheit erfreuen. Bis dahin könnte ein Weg über die legalisierte Nonnenordination führen, da auch eine Königin wohl irgendwann einmal ordiniert haben müsste. Das Schicksal der thailändischen Buddhisten geht Sujato und Brahm tatsächlich weitgehend am Arsch vorbei.
   Auch den Vinaya benutzt Brahm nach Belieben. Da der Dharma in Australien verbreiter sein dürfte als in Indien zu Buddhas Lebzeiten, wäre bei einer korrekten Nonnenordination die Anwesenheit von 10 vollordinierten Nonnen nötig gewesen, Brahm begnügte sich mit 8. Ajahn Brahms Nonnenordination ist demnach auch gemäß dem Vinaya ungültig.

Ab etwa Minute 12:30 auf der oben verlinkten Vimeo-Doku erzählt Ajahn Brahm eine Geschichte über unser umständliches Schälen einer Banane - von oben nach unten. Für einen Moment dachte ich, ich hätte etwas Gemeinsames zwischen uns entdeckt, zumal dazu noch ein Affe aus meiner Lieblingsfamilie der Makaken eingeblendet wird. Doch dann erzählt Brahm, die Affen würden Bananen von unten schälen. Tatsache ist: Makaken schälen die Bananen gar nicht, sie halten sie quer, drücken mitten auf die Schale, wodurch sie einreißt und man sie dann aufziehen und, ohne die ganze Schale aufzupulen, rausessen kann, mit einem einzigen Riss, einer einzigen Öffnung. Diese Geschichte steht symbolisch für Ajahn Brahms Irrtümer. "We are teaching by example", meint eine Nonne doch glatt, und das Beispiel, das sie abgeben - auf luxuriösem Grund unbehelligt von den sozialen Problemen etwa der Menschen zu wandeln, die in einem Ghetto leben, und dabei schlau klingende Sprüche zu kloppen -, beweist mir einmal mehr die Dämlichkeit von Spendern.
   Fazit: Peter Betts ist nur ein weiterer Selbstdarsteller, der mit seinen Klöstern und in seiner Robe als Ajahn Brahm nach Geld stinkt. Wer irgendeinen Zweifel daran hat, dass seine Nonnenordinationen gar nichts mit Gleichstellung und Emanzipation zu tun haben, der sollte a) die Hierarchie des Ordens im Vinaya nachlesen, und b) mal als bekennender Transsexueller oder Hermaphrodit in seinen Orden einzutreten suchen.

Da schämt sich selbst der Wald.

[Anm.: Aus mir unerfindlichen Gründen gab es auf diese Seite nach Veröffentlichung des Beitrages zwischen 21 und 22 Uhr deutscher Zeit fast Tausend Zugriffe. Wenn jemand den Grund kennt, möge er ihn mir mitteilen.]
 

Donnerstag, 4. Juni 2015

Ajahn Brahm alias Peter Betts (I):
Der Elefant, der vom Schwanz her stinkt

Wir hatten Ajahn Brahm vor dem Treiben in der vietnamesischen Pagode Phat Hue gewarnt, er schlug die Warnung in den Wind und kam 2012 zu einer keinesfalls billigen Veranstaltung wieder. Nun hat er mit seinem neuen Titel "Der Elefant, der das Glück vergaß" in Deutschland einen Sachbuchbestseller erzielt, den kürzlich Literaturkritiker Dennis Scheck verriss. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als mir den Mann nochmal genauer anzuschauen.
   Der Verlag gibt an, Brahm habe 1983 mit seinem damaligen Mönchsbruder, der später entrobte, ca. 40 Hektar Land bei Perth (Australien) erworben. In einer Doku wird außerdem geschildert, wie der Grund und Boden für das von ihm mitinitiierte Nonnenkloster Dhammasara (unweit des Männerklosters) durch Spenden in Höhe von 650.000 Dollar gesichert wurde. "It is comfortable" verrät der Mönch einmal seine weltlichen Absichten, die sich auch darin zeigen, wie er sich selbst für eine Woche versteigerte. Ein Mönch, der sich für seine Nonnen prostituiert, sozusagen.
   Das ehemalige Kloster Ajahn Chahs, auf den sich Peter Betts alias Ajahn Brahm noch immer bezieht, hatte ihn freilich bereits 2009 offiziell aus der Sangha ausgeschlossen. Eigentlich sollte man also weder von Ajahn Brahm weiter reden, noch sollte er sich in Mönchsrobe zeigen, solange er nicht in einer anderen Sangha neu ordiniert und Reue gezeigt hat. Neben Jack Kornfield - von dem ihn immerhin unterscheidet, dass er seine Reden kostenlos ins Netz stellt - ist dieser Peter also ein weiterer geschickter Vermarkter eines berühmt gewordenen thailändischen Waldmönches, der sich gegen all den Unsinn derer, die sich auf ihn berufen, nicht mehr wehren kann. 
   Zweifellos ist dieser Brahm(ane) ein guter Redner, passabler Erzähler und mit Humor gesegnet. Wie recht aber der Kritiker hatte, ihn zu veralbern, soll eine Geschichte verdeutlichen, die ich einem seiner Werke entnahm.

Das Pferd, das schwänzte

Neulich sah ich in der Zeitung eine Anzeige: "Suche Mann mit Pferdeschwanz. Frisur egal." Ich musste herzhaft lachen. Im Palikanon werden die 32 äußeren Zeichen eines Buddha aufgezählt, wozu auch die Fähigkeit gehört, den Penis in den Körper zurückziehen zu können. Was hat es denn damit bitte auf sich?, werden Sie sich nun fragen, liebe Leser und Leserinnen. Nun, zunächst einmal könnten wir daraus den Schluss ziehen, dass es einem Erwachten gut ansteht, seinem Geschlecht keine Prominenz mehr zuzugestehen. Dann findet sich hier bereits der erste Hinweis darauf, dass es dem Buddha nicht um deine Diskriminierung des weiblichen Geschlechtes ging. Solche Details sind es, die uns klarmachten, wie wichtig ein Nonnenorden dem Buddha heute wäre. 
    Als ich einmal schweißgebadet mit einer Infektion in der Notaufnahme lag und den Tod vor Augen hatte, wurde mir die Erfahrung eines "zurückgezogenen" Penis zuteil. Ich schaute an mir herunter, wo man mir eine Metallschale unter das Genital gelegt hatte, in die ich nach Bedarf pinkeln konnte, da ich zu schwach zum Aufstehen war. Und wahrlich, ich konnte meinen Penis kaum noch sehen. Von daher muss der Ausdruck stammen: Den Schwanz einziehen.
   
Richtig. Die Geschichte stammt natürlich von mir, nicht von Peter Brabbelbrahm. In seinem Buch werden solche Fragen erörtert wie die, was man machen würde, wenn ein wichtiges buddhistisches Buch in der Kloschüssel weggespült würde. Brahm würde den Klempner rufen, ich würde seins noch hinterherwerfen. Oder: Da wird ein Abt ausgeraubt, markiert den Coolen und sagt dem Einbrecher, er solle nur alles mitnehmen, die Spenden seien ja eh für die Armen. Da hat der Ajahn Tran aber vergessen, dass die buddhistische Ethik den Diebstahl untersagt und nicht zu fördern hat, und dass so mancher Einbrecher zu den Reichen gehört.
   Ajahn Brahms "Lizenz zum Glücklichsein", ebenfalls im Buch abgedruckt (und von ihm unterschrieben), ist so viel Wert wie seine Robe - nichts. Jeder kann sich nun eine anziehen, sich Ajahn Münchhausen nennen, einen Transsexuellenorden aufmachen, auf Ajahn Chah berufen, Riesengrundstücke erwerben und blöde Geschichten erzählen.
   In Teil 2 soll es um seine Belebung des Nonnenordens gehen.

[Photograph by Linda Molendijk (2001) Donated to www.bswa.org]