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Zen als nicht-religiöse Lebensweise (Essay)

[Auch diesen Beitrag habe ich vor einigen Monaten bei einem (Essay-)Wettbewerb eingereicht. In gekürzter Form erscheint er im buddhistischen Magazin "Ursache & Wirkung". Er fasst einige im Lauf der Zeit in diesem Blog verhandelte Ideen zusammen und soll zu einem zukunfttauglichen Zen hinführen.]   Zen als nicht-religiöse Lebensweise   „Weder wasche ich mir die Hände noch schere ich mir das Haupt, ich lese keine Sutren und halte keine Regeln ein, verbrenne keinen Weihrauch, mache keine Sitzmeditation, vollführe keine Gedenkzeremonien für einen Meister oder Buddha.“ Chin’g gak Kuksa Hyesim (1178-1234)   Im Laufe der buddhistischen Geschichte bildete sich eine Tradition namens Zen (chin. Chan) heraus. Üblicherweise wird sie der Schule des „Großen Fahrzeugs“ (Mahayana) zugerechnet, im Unterschied zur älteren Schule des „Kleinen Fahrzeugs“ (Hinayana oder besser: Theravada). Da Religion unter anderem ein Beachten von Vorschriften erfordert, halten einige d...

Der koreanische Mönch Musang (680-756)

Die Geschichte, wie man im 8. Jhd. den Kopf des mumifizierten sechsten Patriarchen Hui-neng nach Korea (Silla) schaffen wollte, unterstreicht, dass dieses Land einen gebührenden Platz in der Überlieferung des Chan (Zen) einzunehmen gedachte. Musang (Wu-hsiang oder "Meister Kim", wörtlich: "formlos") war in einer Zeit in der chinesischen Provinz Szechuan und ihrer damaligen Hauptstadt Ch'eng-tu aktiv, in der die Buddhisten der ostasiatischen Länder sich zwar im Dialog befanden und gegenseitig willkommen hießen, aber durch politische Interessen und Spannungen zunehmend vereinnahmt wurden. Musang soll der dritte Sohn eines Silla-Königs gewesen sein und 728 durch den dortigen Regenten Hsüan-tsung in Chang-an empfangen worden sein. Er begab sich dann nach Szechuan, wo er auf Ch'u-chi (T'ang ho-shang, 669-736) stieß, der die Robe Hui-nengs durch eine Herrscherin empfangen hatte und ihm die Dharma-Übertragung verlieh (wobei Musang sich vorher noch einen Finger...

Meister Wuzhu (714-774)

Im Jahr 1900 fand man in den Mogao-Höhlen nahe der Oase von Dunhuang das Lidai fabao ji, die „Aufzeichnungen des Dharma-Juwels über Generationen hinweg“, das vor allem vom Chan-Meister Wuzhu (714-774) handelt und wohl einige Jahre nach seinem Tod verfasst wurde. Wuzhus Schule der Bao Tang („Schützt die Tang-Dynastie“) war in der Provinz Sichuan beheimatet. Trotz einiger traditioneller Züge fällt Wuzhus Lehre durch fortschrittliche Eigenarten auf, etwa seine „formlose Übung“ (die zugleich den Fortbestand seiner Schule erschwerte) und die Würdigung von weiblichen Praktizierenden. Folglich wurde er von etlichen Chan-Zeitgenossen attackiert und seine Nachfolge des koreanischen Meisters Wuxiang angezweifelt. Wendi L. Adamek hat dem Meister mit The Teachings of Master Wuzhu. Zen and Religion of No-Religion (New York 2011) eine ausführliche Arbeit gewidmet. ***   Meister Kim [Laienname von Wuxiang] benutzte gern Worte aus dem Nirwana-Sutra: „Der Haushund entspricht dem t...