Mittwoch, 30. Juni 2010

Würde ein falscher Zen-Meister
sich als schwul outen?

Aus einer Vortragsankündigung der Pagode Phat Hue (Fremdkommentar in eckigen Klammern):

"Schau einmal hoch zum Himmel, er ist ohne Grenze. [nee]
Schau einmal tief in dein Herz, es ist auch grenzenlos. [nee]
Aus Angst engen wir uns ein. [man sollte von sich in Einzahl reden]
Erlauben uns nicht, uns zu entfalten. Man lebt nur einmal!
Wenn du jetzt nicht lebst, wann dann?
Durchbreche deine Grenzen, sei frei!"

Da bleibt mir nur noch zu sagen:
Ja! Hui, wirf schnell die Robe ab
und bekenne dich zu dem, was du bist! 
Wenn du's jetzt nicht tust, wann dann?

Dienstag, 29. Juni 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 70

Der Wächtergott

Meister Kôkei wurde von Meister Fuketsu gefragt: „Wo ist unser Wächtergott hingegangen, als der Buddhismus in China zerstört wurde?“ Kôkei antwortete: „Er war die ganze Zeit auf dem Marktplatz, bloß hat ihn keiner gesehen.“ Fuketsu sagte: „Du hast verstanden.“

Meister Kidô

Fuketsu sollte sagen: „Ich weiß, du bist schwach.“

Meister Hakuin

Wir treffen uns, ohne uns zu kennen.

Montag, 28. Juni 2010

Die Dharani-Zauberformel

Zum Vergrößern bitte draufklicken:



[aus: Kazuo Koike, Goseki Kojima: Path of the Assassin, Vol. 4, Darkhorse 2006]

Sonntag, 27. Juni 2010

Tierjagd in Tibet und andere Bücher

In ihrer Essaysammlung Notizen über Tibet beschreibt Tsering Woeser, wie ihre Cousins auf einer gemeinsamen Fahrt zu einem Nonnenkloster alle möglichen Tiere abknallen, die ihnen vor die Flinte kommen. Wer sich für Literatur aus Tibet interessiert, wird hier fündig.

Zen-Meister Hengchuan sagte: "Wenn Deshan einen Mönch durchs Tor treten sah, ergriff er seinen Stab und schlug diesen damit. Wenn Muzhou einen Mönch durchs Tor treten sah, sprach er unverzüglich: 'Ein offensichtlicher Fall - ich erspare dir dreißig Stockschläge.' Dies geschah, weil die Meister von den Mönchen verlangten, alles vollständig aufzugeben.
   Heutzutage sind die Zen-Gemeinschaften öde und geschmacklos, keiner ist da, der würdig wäre, die Tradition fortzusetzen. Der Grund liegt darin, dass keiner bereit ist, alles vollständig aufzugeben.
   Was ihr alle da vor euch seht - wo werdet ihr es hintun, wenn ihr es aufgebt? Was ihr in euren Herzen hegt - wo werdet ihr es hintun, wenn ihr es aufgebt?"

Samstag, 26. Juni 2010

(Un-)Buddhistische Gedanken
eines schwedischen Autors

"Zugleich wurde mir klar, dass dies ein schwedischer Gedanke war. In Schweden spielten alte ranzige Hassbeziehungen eine eigentümlich große Rolle, besonders im akademischen und bürokratischen Leben. Senegalesen haben fast überhaupt kein Talent zum Hassen. Vielleicht, weil sie religiöse Menschen sind. Mann kann seine Feinde vernichten oder ihnen verzeihen, aber sie zu hassen, ist fast undenkbar. Für einen Diola, fast ausnahmslos im Wald mit seinem zutiefst solidarischen Leben aufgewachsen, ist Hass vermutlich ein viel zu egozentrisches Gefühl."

"Doch der Augenblick selbst war völlig leer.
Es gab keine Möglichkeit, zwischen dem Augenblick und dem Tod zu unterscheiden."

[Lars Gustafsson: Trauermusik (München Wien 1984)]

Freitag, 25. Juni 2010

Wie Buddhisten sich für den Tierschutz
einfangen lassen

Heute erreichte mich eine email, vielleicht unabsichtlich, weil ich im Adressbuch eines Zen-Zentrums bin. Oder hat sich da jemand erhofft, dass ich aus dem Thema einen Blog-Eintrag mache? Wie auch immer, man schaue sich zunächst mal folgende "Bilder des Grauens" an:



In besagter email fanden sich ähnliche Fotos mit der Aufforderung, die email zu unterzeichnen und an Addressaten des eigenen Adressbuches weiterzuleiten. Ich mache das nicht. Wer mich mit Plattheiten wie "Das Meer färbt sich rot" ködern will, löst nur meinen Recherchereflex aus. Und siehe da, bei dem beanstandeten Abschlachten von Delfinen handelt es sich schlicht um die traditionelle Grindwaljagd auf den Faröer Inseln, die dort strengen Bestimmungen unterliegt und kaum noch eine Jagd ist, eher eine Einkesselung der Grindwale, die sich in Küstennähe herumtreiben, und das sind nicht besonders viele. Getötet werden sie üblicherweise auf die schnellstmögliche Art, mittels Durchtrennung des Rückenmarkes und Öffnen der Halsschlagader, so dass sie zügig sterben. Die email will etwas anderes glauben machen. Wenn diese Grindwale, die zur Familie der Delfine gehören, so intelligent wären, wie sie Menschen manchmal machen, dann würden sie natürlich rechtzeitig abhauen und den Braten, nein: Haken, riechen. Tiere, denen die Flucht gelingt, dürfen im Übrigen tatsächlich nicht verfolgt werden. Die Getöteten werden freilich nach einem Schlüssel auf die Haushalte verteilt. Beneiden muss man niemanden um den Delfinfleischgenuss, denn die Tiere sind inzwischen oft hoch mit Quecksilber belastet.
   Das Ganze sieht zweifellos grausam aus. Aber für einen Bauernjungen wie mich, der auch mal beim Schlachten zusah, lässt sich leicht erkennen, was wir auch im Wiki-Eintrag zur Grindadráp lesen können: wie die meisten von uns längst den Notwendigkeiten der Jagd und des Tötens von Tieren zum Nahrungserwerb so entfremdet wurden, dass sie reflexartig etwas ablehnen, was Alltag im Leben der meisten Tiere ist - das Gejagt-, Gefangen- und Getötetwerden. Eine Unterschriftenaktion wird natürlich auch nicht viel bewirken und wird der Komplexität des Themas gar nicht gerecht. Ich möchte den Faröern nicht ihre Tradition absprechen. Am Ende stehen sie noch bei mir auf der Matte, wenn ich meine Lederschuhe anziehe oder irgendwelche Moskitos kille. Wären die so groß wie Grindwale, sähe das noch schrecklicher aus, denn die hätten auch in XXX-Large nichts Attraktives an sich, außer für einen Insektenforscher.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Mach disch nackisch: Buddha Boy



Am einfachsten haben es beim Massenbeschiss durch diejenigen Betrüger, die den Buddhismus für ihre Eitelkeiten und ihre Besitzvermehrung ausbeuten, die Gutaussehenden. Das beste aktuelle Beispiel ist "Buddha Boy" (auch bekannt als Palden Dorje oder Tamang Tulku Rinpoche). In dem unten stehenden Video sitzt er nackt zwischen zwei Lagerfeuern, muss aber ab und zu aufstehen und darauf achten, dass sein ansonsten offenes Haar, das er gern wie eine Frau aus dem Gesicht streicht, trotz Hochstecken kein Feuer fängt. Dass man sich laut Vinaya nicht nackt den Laien zu zeigen hat, kümmert ihn nicht, obwohl er im obigen Video noch behauptet, von sexuellem Fehlverhalten abzustehen (ca. bei Min. 3:30).
   Wie funktioniert es hier, die Massen an sich zu ziehen, abgesehen vom transsexuellen Image? 1) Man bezichtige sich des Wundertuns (2:20). 2) Man behaupte, Wissen zu besitzen, dass andere nicht haben und für das sie nicht reif seien (in diesem Fall das von "Lok und Alok", 3:20). 3) Man belüge die Zuhörer über die eigene Keuschheit (s.o.). 4) Man gebe sich dem grenzenlosen Größenwahn hin, ein Bodhisattvagelübde wörtlich zu interpretieren: "Ich werde ALLE lebenden Wesen mit Bewusstsein verändern" (4:30). 

Nach so vollmundigen Versprechen bleibt einem ja kaum etwas anderes übrig, als in der Versenkung zu verschwinden. Irgendwann soll der Buddha Boy mal geschimpft haben: "Stört mich nicht bei meiner Meditation. Wenn ihr mich stört, wird es 20 Jahre dauern, wenn ihr mich in Ruhe lasst, nur sechs." Offenbar hat ihm sein Lehrer und Manager nicht erklärt, dass die Zeit auf dem buddhistischen Pfad keine Rolle mehr spielt.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Bestes buddhistisches Schimpfwort gesucht

Angeregt durch die Empfindsamkeiten auf einer Mailingliste und anderswo im Netz rufe ich nun einen Wettbewerb aus: Gesucht ist das härteste buddhistische Schimpfwort. 
   Ich geb mir hier in diesem Blog seit Anfang des Jahres Mühe, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen, z.B. auch dem, dass der Buddha nie aus der Haut gefahren wäre oder nie Leute runtergeputzt hätte (was ich  bzw. Bhante Dhammika am 21.02. widerlegte). Immer wieder verfallen Buddhisten in eine Art "Gesinnungsschnüffelei", wenn sie mit dem Hinweis auf die Rechte Rede Diskusssionen abwürgen wollen, die ihnen selbst Unwohlsein bereiten (und damit den Stand ihrer Entwicklung von Gleichmut dokumentieren). Statt nämlich zu begreifen, dass die Gesinnung eines anderen, zumal in Online-Foren, nicht ohne Weiteres erschließbar ist, haften sie am Buchstaben, an den Worten, wie Schriftgelehrte, die den Sinn dieses Satzes nicht verstehen:
   "Was da aber bei einem, der mit heiligem, ungetrübtem Herzen auf dem heiligen Pfade verweilt und den heiligen Pfad entfaltet, an Gedanke besteht, an Gedankenfassung, Denken, Beobachtung und Gerichtetsein der Gedanken, an Zielbewusstsein des Geistes, an sprachlicher Tätigkeit (des Geistes, vací-sankhāra): das ist eine rechte Gesinnung, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört." (M. 117)
   Dies heißt nichts anderes, als dass die Gesinnung über die Worte entscheidet, und nicht umgekehrt. Darum konnte der Buddha jemanden wie Devadatta als "Schleimfresser" bezeichnen. Ich bin jedoch der Meinung, dass icchantika das schlimmste Schimpfwort ist, das man - Buddha zitierend - als Buddhist benutzen könnte. Je nach Version/Überlieferung des Mahaparinirvana-Sutra kann es sich hierbei um einen noch rettbaren oder einen völlig hoffnungslosen und ggf. sogar "karmafrei vernichtbaren" Ungläubigen handeln. Wie auch immer man sich entscheidet, den icchantika wird man nicht aus den Schriften verbannen können, ebensowenig wie den Schleimfresser.
   Wer also Vorschläge für geeignete Schimpfworte aus dem Munde eines Buddhisten hat, der möge sie in den Kommentar schreiben (und dabei auch gleich heilsam ein paar Aggressionen abbauen, wenn gewünscht). Mag sein, dass ich nicht alles freischalte. Was mir am Besten gefällt, gewinnt jedenfalls ein Shrimala-Sutra.  Dort sind übrigens auch die besseren Bodhisattvagelübde drin (als im Brahmanetzsutra).

Dienstag, 22. Juni 2010

Warum das Mahaparinirvana-Sutra auf Deutsch aus dem Netz verschwand ...

Was passiert, wenn sich Übersetzer in Größenwahn steigern, weil sie z.B. von der Buddhist Text Translation Society zu gut bezahlt werden.

Einst hat Dr. Tony Page den Übersetzer Stephen Hodge mit einer Übertragung des Mahaparinirvana-Sutras (MPNS) aus dem Tibetischen ins Englische beauftragt (und dafür bezahlt). Page, der fließend Deutsch kann, hat auf deren Grundlage dann eine Übersetzung ins Deutsche angefertigt und jahrelang auf seiner Website zur Verfügung gestellt (wo sich heute noch die "Langfassung" des Sutras von Kosho Yamamoto in Englisch findet). Dr. Page hat auch zahlreiche Aufsätze zum Sutra publiziert. Im Jahr 2006 schrieb Hodge noch auf Wikipedia:

"Of course, I know Dr Page personally, value his friendship and have produced translations for him on a professional, contractual basis, that he has reproduced on his website -- a website in which I have no direct involvement whatsoever. I also happen to share some of the views which I believe he holds ..."

Irgendwann - wie man mir sagte, nach einem "gesundheitlichen Vorfall" - beschloss der Übersetzer Hodge nach eigener Aussage, keine emails mehr von Dr. Page zu lesen. Und etwas gegen dessen deutsche Übersetzung zu haben. Er schrieb mir im Frühjahr 2010 u.a.:

"iii) Most important, the English translation of the Nirvana-sutra he [Page] used is incomplete and has major errors which will mislead the reader and misrepresent my work.
iv) My [Hodge's] English translation has now literally several thousand essential footnotes added to it. How many notes does his translation of my work have ?"

Major errors? Soll ich daraus schließen, dass Hodge schlampig gearbeitet hat, als er Dr. Page eine bezahlte Übersetzung ablieferte? Und was sollen tausende Fußnoten für die Leserlichkeit bringen?

Ich finde diese Eitelkeit und den Zensorwillen eines Übersetzers derart daneben, dass ich hier in Abständen wenigstens Tony Pages interessanten Essay übers MPNS einstellen werde. Vielleicht finde ich selbst in den nächsten Jahren die Zeit, die Langfassung zu übersetzen. Einstweilen hat Hodge die jahrelange Arbeit von Dr. Page für nur des Deutschen Mächtige kaputt gemacht. Wer die Übersetzung von buddhistischen Sutren primär aus ökonomischen Gründen betreibt, ist freilich verachtenswert. Das gilt offensichtlich für Hodge. Wer aber jahrelang von etwas weiß (wie Pages Website) und es duldet, der hat ganz schlechte Karten, wenn er - und sei es möglicherweise aufgrund einer Unterversorgung mit Sauerstoff - später seine Meinung änderte. Dr. Page hat sehr nachgiebig reagiert und seine Übersetzung aus dem World Wide Web entfernt, ich hätte das anders gehandhabt.

In Bälde also mehr zur Buddha-Natur, die Hodge auch nach Tausenden Fußnoten offenbar erst noch entdecken muss. Wünschen wir ihm Erfolg dabei.

Montag, 21. Juni 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 69

Nur dies!

Meister Beirei sagte: „Nichts geht darüber hinaus.“ Da meinte ein Mönch: „Ich frage mich, was das sein könnte, was durch nichts übertroffen wird.“ Beirei antwortete: „Nur dies!" Später fragte der Mönch Meister Chôkei: „Warum sagte Beirei: ‚Nichts geht darüber hinaus‘?“ Chôkei erwiderte: „Nun, wie würdest du es denn nennen?“

Meister Kidô

Chôkei sollte sagen: „Einer, der den Ton hört,
aber nicht die Bedeutung versteht.“

Meister Hakuin

Die Schmetterlinge kommen und gehen,
fliegen über die Mauer,
lassen mich glauben, dass der Frühling naht.

Samstag, 19. Juni 2010

Donnerstag, 17. Juni 2010

Kopp und Byron Katie ...

Manchmal werden hier Kommentare geschrieben, bei denen ich mich gezwungen sehe, sie bei Veröffentlichung meinerseits zu kommentieren - um nicht irgendwelchen Scharlatanen zuzuspielen. So geschehen beim älteren Beitrag "Mach dir keinen Kopp" (zu finden über die Suche im Blog links oben). Auf meinen kritischen Kommentar zum Kommentar versuchte es der User Marc heute mit diesem Link. Dort berichtet jemand, wie eine andere von Esoterikern gehypte Person mit Fangfragen ihn darauf brachte, dass er seine Ansichten zu Kopp gar nicht klar verifizieren konnte. Ich darf Marc hier helfen, denn ich kann sie eindeutig beantworten und zweifle nicht, wie der Autor des verlinkten Beitrages, Moritz Boerner. Zunächst einmal schreibt dieser, dass Kopp über sich selbst (!) behaupte, ein "Zen-Meister" zu sein. Das wollen wir mal festhalten. Boerner - und dem User Marc - möchte ich hiermit jedoch sagen:

1) Ich kann klar erkennen, dass Kopp nicht erleuchtet ist.
2) Ich kann klar erkennen, dass weder der Osho noch der Laotse in ihn gefahren sind, sondern allein der (Größen)Wahn.
3) Ich hege keinen Groll gegen Kopp, und es "kümmert mich", was er über sich sagt, weil ich das Zen verstanden habe und erkenne, dass er ein Irrlehrer ist, was wiederum einer, der das Zen durchdrungen hat, ganz reflexartig zum Schutz der Lebewesen laut sagt, damit sie nicht mit dem Kopp gemeinsam in die Irre laufen (das ist eines der Bodhisattva-Gelübde, den Wahren Dharma zu schützen).
4) Auf die Frage "Was habe ich davon, an diesem Glauben festzuhalten", stelle ich die Gegenfrage: "Was hat denn der Kopp davon, daran festzuhalten?" Antwort: "Täte er es nicht, wäre er doch viel freier." Ich hingegen nicht. Ich habe nämlich nichts von meiner Meinung. Deshalb kann ich sie auch behalten. Er jedoch hat was von seiner Meinung, ein Zen-Meister zu sein. Darum sollte er sie aufgeben.
5) Ja, und dann kommt eben das, was dem Autor Moritz passieren mag, aber in einer Begegnung der Byron Katie oder des Kopp mit mir diesen geschehen würde - sie würden sich in mir spiegeln, nicht umgekehrt. Und was sie sähen, würde ihnen nicht gefallen.

Dies ist wahr. Dies ist Realität. Hehe.

Capisce, Caprivi, Kapernaum?

Mittwoch, 16. Juni 2010

Gedicht eines Kambodschaners (II)


 WASSERBÜFFEL, KOBRA UND EIN KRIEGSGEFANGENER

Arbeit, Arbeit – Bäume fällen und entwurzeln, Buschwerk beseitigen,
Reis verpflanzen, keine Zeit zum Ausruhen.
Mittags allein; als ich das Bambusdickicht beseitigt habe,
öffnet eine schöne schwarze Kobra

ihre Haube vor mir und stellt ihre Macht zur Schau.
Sie dachte, ich sei ihr Feind.
„Sie ist schön, genau wie in den Indianerfilmen!“,
rief ich mir selbst zu, während meine Knie schlotterten.

„Oh Kobra! Dein Fleisch und Blut sind wahrlich
Buddhas Fleisch und Blut. (1)
Ich bin zwar nur ein Kriegsgefangener,
aber nicht deine Mahlzeit.

Du, Kobra, bist frei,
und wenn mein Fleisch wirklich dein Blut ist,
verteidige mich mit den Geistern dieser Sümpfe,
um mich zu Buddha, Dharma und Sangha zu führen.“

Die Kobra starrte mich mit liebevoller Güte an,
senkte dann ihren Kopf.
Sie glitt in den Morast des Südens (2),
und ich kehrte zu meinem Überlebenswerk zurück.

                                                                              – Konzentrationslager Boh Leav, Kratie, November 1976


[1] In einer Vision wurde mir [U Sam Oeur] gesagt, dass ich Buddha anrufen solle, wenn ich je einer giftigen Schlange gegenüberstünde, da Buddha einst als Schlange namens Phuritatd wiedergeboren wurde.
[2] Buddhistische Schriften besagen, dass Lehrer im Süden wohnen.  

[U Sam Oeur: Träume im Konzentrationslager (Frankfurt 2007); Foto: Keller, Weg der Naga (Schlangen) in Angkor]

Gedicht eines Kambodschaners (I)

ALBTRAUM

Mich im Bett wälzend, verknäult
wie ein Baby im Mutterleib,
wünsche ich mir,
sie würden niemals die Grenze überschreiten.

Orientierungslos finde ich mich irgendwie
am Rande eines Bambusdickichts
im offenen Felde wieder.
Das Poltern der Panzer
und das Trommeln der Soldatenschritte
lässt jeden Bambusdorn erzittern.

Bald schon bringen die Schreie
„Fasst sie!
Fangt sie lebend!“
mein Blut in Wallung
und lassen meine Knie schlottern.

Ich ziehe mein Hemd aus,
verstecke mein Gesicht,
umklammere einen Bambusstängel,
halte den Atem an,
wünsche nochmals:
„Oh Gott, stimme sie um!“

Als sie näher und näher kommen,
werde ich kleiner und kleiner,
klein genug, um in den Bambusstängel einzutreten.
Doch noch immer rezitiere ich mit zitternder Stimme –

„Buddho!“
Ein Grashalm mag Tautropfen tragen,
doch keine Scherben zerbrochenen Glases!

„Dharmo!“
Ein Grashalm mag Tautropfen tragen,
doch keine Schrapnellkugeln!

[U Sam Oeur: Träume im Konzentrationslager (Frankfurt 2007)]

Dienstag, 15. Juni 2010

Kampf gegen brüchige Windmühlen

auf der suche
nach einem Land
wie dem Himmelreich
irren wir hier
umher

Die letzte Entdeckung des Menschen ist, dass der Mensch selbst überhaupt nichts besonderes ist!


Kopf mein Kopf
denkst du 
auch dieses Jahr 
lauter Dinge
undurchführbar
in dieser Gesellschaft

[drei Zitate von Ishikawa Takuboku (1886-1912) aus: Trauriges Spielzeug (Frankfurt und Leipzig 1994); Ishikawa wuchs als Sohn eines Zen-Priesters in Shibutami auf, der Vater "verlor sein Amt als Hauptpriester des Dorftempels, und zwar wegen Unregelmäßigkeiten bei der Abführung von Geldeinnahmen an die Zentrale der Sôtô-Sekte".]

Sonntag, 13. Juni 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 68

Geschwind

Ein Mönch lebte in einer Einsiedelei am Fuße des Berges von Meister Isans Kloster. Meister Kyôzan, der Isans Schüler war, besuchte diesen Mönch und zitierte seinen Lehrer mit den Worten: „Viele Menschen können ruhig arbeiten, aber nicht geschwind. Was bedeutet das?“ Der Mönch bat Kyôzan, dies zu wiederholen. Also wiederholte es Kyôzan, und der Mönch trat ihm in die Brust. Kyôzan ging zurück zu Isan und erzählte ihm davon. Isan lachte aus vollem Herzen.


Meister Kidô

Wenn Kyôzan getreten wird, soll er sagen:
„Ich dachte, du hättest Isan noch nie gesehen.“


Meister Hakuin

Derb!

Samstag, 12. Juni 2010

Die Satzung hinter Phat Hue
und die Manöver "Thich Thien Sons" (alias Thay)

(recycled aus einem Forum, Stand der Recherche: Herbst 2009)

Vorneweg, um meine Angaben zu verifizieren: Man bekommt Infos zu Vereinen unter handelsregister.de. Kosten: 4,50 Euro. Manchmal auch die Satzung. In diesem Fall nicht. Dann bestellt man sie beim zuständigen Amtsgericht, in diesem Fall: AG Frankfurt. Kosten: 12 Euro.
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Es geht um den Verein "Deutsch-Vietnamesische Buddhistische Gemeinde e.V." (VR 12372), der hinter der Frankfurter Pagode Phat Hue steht.

Ich werde nun einige Auffälligkeiten der Satzung mitteilen, auf die sich jeder selbst seinen Reim machen darf.

1) Vorgeschaltet sind der Satzung zwei Blätter mit Präambel zur "Buddhistischen Philosophie" und zum "Buddhistischen Bekenntnis", wo u.a. auch steht: "Ich will mich bemühen, ... keine unheilsamen sexuellen Beziehungen zu pflegen."

2) Die erste Fassung stammt vom 27. Mai 2001. Unterschrieben mit sieben vietnamesischen Namen für den Vorstand.

3) In § 5, Abs. 2 heißt es, der Verein werde durch zwei Mitglieder des Vorstandes vertreten, darunter der Vorsitzende oder Vizevorsitzende. "Sie dürfen eine Summe von 1.000 DM (511,29 €) für jede Aktion verwenden. Bei Ausgaben über 1.000 DM (511,29 €) brauchen sie die Zustimmung aller Vorstandsmitglieder."

4) "Wählbar sind nur Vereinsmitglieder, die an 6 (sechs) theoretischen Religionsunterrichtsstunden des Vereins teilgenommen haben."

5) Unter § 10, Abs.2 Auflösung des Vereines steht: "Bei der Auflösung ... des Vereins fällt das Vermögen des Vereins an die Kongregation der Vereinigten Buddhistischen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland e.V."

6) Bereits am 21.01.2003 wird die Satzung entscheidend geändert, und zwar in Anwesenheit von 7 "Vereinsmitgliedern" (nicht Vorstandsmitgliedern!). § 5, Abs. 2 zur Beschränkung der Rechtsgeschäfte auf 511,29 Euro wird ERSATZLOS GESTRICHEN.

7) Am 19.10.2003 wird Mai Huy Giang Tran alias Thich Thien Son zum "Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit". Und: "Der Ehrenvorsitzende ist zugleich das beratende Organ." (Dies war in der ersten Satzung noch ausgeschlossen!)

8) Folgerichtig wird ein weiterer Passus gestrichen, nämlich der, dass bei vorzeitigem Ausscheiden des Vorsitzenden (also Thich Thien Son) ein neuer gewählt werden müsse. Der kann ja nicht mehr vorzeitig ausscheiden.

9) § 10, Abs. 2 zur gemeinnützigen Verwendung des Geldes bei Auflösung des Vereines wird "ERSATZLOS GESTRICHEN"!

10) Es dauert bis zum 27.Mai 2008, bis das Finanzamt bei einer Steuerprüfung anmerkt, dass dies nicht zulässig sei. § 10 wird wieder geändert:
"Bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins ODER BEI WEGFALL SEINES STEUERBEGÜNSTIGTEN ZWECKES fällt das Vermögen des Vereins an den Vietnamesischen Buddhistischen Flüchtlinge in Nordrhein Westfalen e.V. [SIC!] ..."

11) Interessant vielleicht noch, dass der komplette Gewinn aus 2008 für das Projekt Buddhas Weg zurückgestellt wurde (das Unterrichtshaus im Odenwald, das 1,7 Mio. gekostet haben soll).
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Also, die Manöver waren:
- Wegfall der Beschränkung der Ausgaben;
- unkündbarer Ehrenvorsitz von Thich Thien Son; 
- Verfügungsgewalt über das gesamte Vermögen durch Thich Thien Son und lediglich ein weiteres Vorstandsmitglied, wobei Thich Thien Son zu seinem eigenen Berater gemacht wurde;
- Versuch, die gemeinnützige Verwendung des Vermögens im Falle einer Auflösung des Vereines untern Tisch fallen zu lassen.

Freitag, 11. Juni 2010

Für'n Arsch: Die Pagode Phat Hue und ihr Abt Thich Thien Son (alias Thay)

Ein ehemaliges Pagodenmitglied sandte die folgende email, die ich im Wortlaut unkommentiert wiedergebe, ohne mir deren Inhalt zu eigen zu machen. Darin erhebt der Mönch Hue Gioi, den die Pagode ausgerechnet noch als Teil ihrer Gemeinschaft auf der Website führt, schwere Vorwürfe gegen den Abt von Phat Hue, Thich Thien Son (alias Thay). Sie beziehen sich vor allem auf - nach den Ordensregeln - sexuelles Fehlverhalten (Oralverkehr, Analverkehr), das den lebenslangen Ausschluss von Thien Son (Thay) aus der Mönchsgemeinschaft zur Folge hätte, und u.a. auf Zollvergehen (also auch auf mutmaßliche "weltliche" Straftaten). Hue Gioi spricht davon, dass der Abt vor Hue Giois Ordination  auch mit ihm Sex hatte. Hue Gioi ("William Jackson") ist laut Facebook am 25.08.1982 geboren und stammt aus Westborough, Massachusets. Er hat nach meinen Informationen dem Abt eine hinreichende Frist gegeben, von sich aus zurückzutreten, die dieser ungenutzt verstreichen ließ.

Ich verneige mich vor Hue Giois Entscheidung und seinem Mut, Klartext zu reden.

Weitergeleitete E-Mail (von yogaraum11@web.de, Absender namentlich bekannt)

"Sehr geehrte Damen und Herren,

der betroffene Mönch Hue Gioi (William Jackson) hat seine Erlaubnis gegeben, seinen Erfahrungsbericht weiterzuleiten, damit andere Menschen vor Thich Thien Son gewarnt werden können. Er ist über seine Emailadresse zu erreichen und steht jedem für weitere Fragen zur Verfügung. Diese Information, deren Verbreitung auch von ehemaligen SchülerInnen und ehemaligen MitarbeiterInnen des Abtes gewünscht ist, wird breit gestreut und auch in die Öffentlichkeit gelangen, um andere Menschen zu schützen, die gutgläubig in Thich Thien Son noch einen vollordinierten Mönch sehen, was er auf Grund seiner Taten de fakto nicht mehr ist.


Von: Hue Gioi <huegioi@googlemail.com>
Datum: 8. Juni 2010 16:10:47 MESZ
Betreff: TTS Allegations
 
Dear Venerables,
My name is Thich Hue Gioi. I am an American Bhikshu. I was ordained in the Vietnamese tradition with Thich Thien Son as my teacher in 2005 and fully ordained in 2008. In the time I have spent at Pagoda Phat Hue in Frankfurt I have experience and witnessed much behavior that took me some time to digest.

Before I was ordained as a monk. Thich Thien Son took me under his wing and was seemingly very kind an attentive to my needs. Very open minded. This was something that I felt I needed in my life. I had read much about the Buddhist teaching but he was the first monk I saw who embodied much of what I had been reading and he claimed at the time to be of great practice,realization and spiritual might. I believed it.

I had shared with him I may have some issues with my own sexuality and he told me that I could try them out on him and that he would compassionately go along. Along with tradition teachings in which he added his own spin and the same with practices the sexual "work" continued until I was ordained in 2005 as a samanera.

After being at the Pagoda Phat Hue in Frankfurt for a number of years I began to get a different picture of the Master. I started to realize his faults. It was then I started learning more about different traditions from different masters. I also had the opportunity to visit Burma and see Buddhism from different angles. It was that time as well that I read through the Majjima Nikaya and realized that what my teacher was teaching did not match up. I spend the next year in turmoil making plans on how I was going to leave the temple. As well trying to figure out what was real and what was not in the Temple. During this time I spoke with many different teachers as well as a therapist. It was like I had been blind to all these harmful things that had been happening right in front of me.


Metta and Mudita,
Thich Hue Gioi


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During my stay at Pagoda Phat Hue, I personally witnessed Thich Thien Son's committing numerous Parajika offenses as a fully ordained Bhikkhu. They are as follows:

STEALING: Taking large amounts goods through customs in order to avoid tax on them. He also encouraged his students to do the same.

SEXUAL ACTS: He engaged in sexual acts such as kissing, touching the sexual organs, oral sex, and anal sex. I witnessed these acts occur on at least two people. I also experienced such acts myself, which occurred before I ordained as a monk. Thich Thien Son's explanation for the sexual acts was, “It is a short cut. You need to experience both sides of your sexuality to become a good practitioner.” He told me in confidence that he "has had sexual contact 10 men and with a woman, but was not aroused". As well, he has encouraged minors to kiss him and others. But he justifies this as only touching skin to skin.

CLAIMED ENLIGHTENMENT: He said that he had no sexual desire and that he also had numerous psychic powers, including mind reading, seeing past lives, etc. Due to his behavior, I have reason to doubt this.

I could make a very long list, but instead I will point to what I believe to be the roots of his conduct:
He is very judgmental of his own behavior but believes the way out of this is shamlessness. He as well, expects perfection of himself, but he is unable to live up to these standards. In turn he is very critical to those close to him. He tries to present this perfection to the outside world. Thus, he tries to prove his abilities by accepting many large challenges but often due to his arrogance creates a heavey burden for those around him. He expects others around him to clean up after his mistakes, and blames them for their incompetence to do so which pushes people away. Telling them they are not compassionate, or loyal. To counter-act this abandonment, he assumes the guise of accepting responsibility for the problems of his students and ordained.

He tells his students they are not capable to see as clearly as him, especially women. This would not be a novel issue in its self, but the cycle that follows is to him. Many of his students become dependent on him, and he does not teach them how to solve the problems on their own, but rather presents them the problems to solve. He tells them he knows where their problems come from and can solve them and proceeds to make up likely stories, which are often half-truths. They become dependent on him for each step then he blames them for being too needy (this is called a double bind in psychology). He often tries to get away from his students to do things in private, such as secretly indulging in sexual relationships, and going on trips to different countries without his robe, and other instances.

He does this to escape the trap he has created for himself. It is the cycle that all of us in samsara have, but his, is seemingly very clear. He is lonely and believes that these behaviors will bring him lasting happiness. This behavior then reflects in the way that he teaches his students without clear direction. He helps them to find their problems, but leaves them to their own devices on how to solve them, because the way he solves his own is by indulging in sensual pleasures, but as a Buddhist monk, he cannot openly teach this and I believe, even let himself believe this is the case."
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Donnerstag, 10. Juni 2010

Der ausgegrabene Mönch (II):
nyûjô


"Bisweilen kam es vor, dass der ausgegrabene Mönch grimmig mit den Augen rollte und über dies und jenes seinem Unbehagen Ausdruck gab. Bald fand sich auch ein Name für ihn. Ausgehend von der Tatsache, dass er sich lange Zeit im Zustand des nyûjô* befunden hatte, nannten ihn die Leute Nyûjô no Jôsuke. Nach fünf Jahren wurde er mit einer armen Witwe aus dem Dorf verheiratet, und obwohl er nicht einmal wusste, wie alt er war, schien ihn nichts davon abzuhalten, seinen ehelichen Pflichten aufs eifrigste nachzukommen.
   'Seht, das ist die so viel verheißende Lehre des Buddha', erheiterten sich die Leute (...).'"

* Nyûjô heißt die Praxis im Buddhismus, bei der durch Lebendigbegrabenwerden eine günstige Wiedergeburt erwirkt werden soll.

[Quelle: Ueda Akinari, Erzählungen beim Frühlingsregen (Frankfurt 1990), Erzählung "Die Bande über zwei Leben"; Foto: Keller, Bayon in Angkor; man beachte hier den Effekt des regelmäßig in der Bildmitte meiner Fotos vorkommenden fettigen Fingerabdruckes ...]

Mittwoch, 9. Juni 2010

Der ausgegrabene Mönch (I):
zenjô

"Am nächsten Morgen rief er sogleich einige Männer und befahl ihnen, an diesem Ort zu graben. Nachdem sie ein etwa drei Shaku tiefes Loch ausgehoben hatten, stießen sie auf einen großen Felsen. Diesen entfernten sie und entdeckten darunter zu ihrem Erstaunen einen Sarg, mit einer steinernen Platte verschlossen. Als die Männer auf Geheiß des Landherrn die Platte abhoben, fand sich im Sarg ein seltsames Wesen, das einer Mumie glich. In der Hand hielt es eine Glocke, und diese Glocke schlug es in bestimmten Abständen an. Wohl war es ein Mensch, doch glich das Wesen eher einem getrockneten Lachs, so verschrumpelt war es. Das Haar reichte ihm bis zu den Knien, und als die Männer es aus dem Sarg hoben, staunten sie, wie leicht es war. Während all dieser Handlungen hörte es nicht auf, die Glocke anzuschlagen.
   'Gewiss handelt es sich hier um einen Fall von zenjô, wie es die Lehre des Buddha nennt', sagte der junge Landherr. 'Es ist dies eine heilige Handlung, um die Wiedergeburt in ein besseres Leben zu erwirken.'" (...)

[Quelle: Ueda Akinari, Erzählungen beim Frühlingsregen (Frankfurt 1990); Foto: Keller, Bayon in Angkor]

Dienstag, 8. Juni 2010

Shaolin (II): Roter Schnee

Eines Winterabends meditierte Damo im späteren Damo Pavillon. Ein Mann namens Shen Guang wartete außerhalb des Pavillons, um Damo zu bedienen. Es schneite so stark und der Schnee sammelte sich auf Shen Guang, so dass er ein Schneemann wurde. Aber er bewegte sich ganz und gar nicht und stand da immer weiter.
   Am Morgen des nächsten Tages war Damo fertig mit der Meditation. Er sah Shen Guang im Schnee stehen und fragte, was er wolle. Shen Guang antwortete, dass er von Damo belehrt werden wolle. Damo überlegte und antwortete, dass es roten Schnee geben müsse, ehe Shen Guang die Lehre von ihm vermittelt bekäme. Shen Guang dachte, dass er keinen roten Schnee vom Himmel bekommen kann. Dann schnitt er zweifellos mit einem Messer seinen linken Arm ab. Der Arm fiel auf den Boden mit viel Bluten. Shen Guang hob den Arm auf und ging um den Pavillon herum, so dass der Schnee auf dem Boden rot wurde.
   Damo war damit zufrieden und fragte ihn nochmal, was er wolle. Shen Guang bat Damo, andere Mönche zu belehren. So nahm Damo ihn als bedeutenden Nachfolger an und gab ihm einen neuen Namen Hui Ke. Die Mönche haben später den Namen des Pavillons geändert, von Damo Pavillon zu Schnee Pavillon.

(rührend und kopfschüttelnd aus chinesischem Material übersetzt von Frau Zhang; Foto: Stelenwald im Shaolin)

Shaolin (I): ... und Japan

Der Song Shan ist ein hoher, steiler Berg mit sehr schöner Landschaft. In der Qin-Dynastie ist hier ein Ahnentempel gebaut worden. In der Han-Dynastie ist der Tempel weiter ausgebaut worden. Heute ist er bis zum Zhong Yue Tempel (Tempel auf dem Berg in der Mitte) entwickelt und wird im Taoismus der sechste Xiao Dong Tian (Xiao Dong Tian sind die heiligen Sehenswürdigkeiten) genannt. 495 n. Chr. ist das Shaolinkloster für einen indischen Mönch auf dem Shao Shi Shan gebaut worden. Damo hat im Shaolinkloster Chan-Buddhismus gelehrt. Das war der Anfang des chinesischen Chan-Buddhismus. 
   Zhao Kuang Yin, der Kaiser der Dynastie Song, interessierte sich sehr für die Shaolin Kampfkunst und hat ein Buch über ihren ideellen Gewinn geschrieben.
   Seit langem wurde gesagt, dass das gesamte Kong Fu aus dem Shaolinkloster stammte. Die Lehrbücher über die Kampfkunst sind auch breit überliefert. Und viele Ausländer sind nach China gekommen, um Shaolin Kampfkunst zu lernen, z.B. aus Japan, Singapur, Thailand, Amerika, Kanada usw. Ein japanischer Mönch namens Shao Yuan hat 1329 das Shaolinkloster besucht und dort gelebt. 1347 kehrte er nach Japan zurück und schrieb auf einer Stele über sein Erlebnis. 1936 kam ein anderer japanischer Mönch (chin. Zong Dao Chen) zum Shaolin Kloster und hat nach einer offiziellen Zeremonie den Master Deshan als Lehrer gehabt. Dann hat er Chan Buddhismus und Shaolin Kampfkunst gelernt. Später kehrte er nach Japan zurück und hat in Japan die Shaolin Kampfkunst verbreitet und ist Präsident der Japanische Shaolin Kampfkunst Union  und Rektor einer japanischen Schule der Saholin Kampfkunst gewesen. Am 14.04.1979 ist er wieder ins Shaolin Kloster zurückgefahren. Er hat da eine Stele aufgestellt und darauf über seine Erlebnisse geschrieben und die Verhältnisse zwischen China und Japan gelobt.
   Wu Zetian ist die berühmteste Königin der chinesischen Geschichte. Sie war eine Buddhistin. Nachdem sie den Thron bestiegen hatte, wollte sie auf dem Song Shan eine Zeremonie durchführen. Die Zeremonie heißt auf Chinesisch “Feng Shan“. Feng bedeutet dem Gott danken und Shan bedeutet der Erde danken. Früher haben diese Zeremonien nur auf dem Tai Shan stattgefunden. Wu Zetian ist die Erste, die die Zeremonie auf Song Shan ausgeführt hat.

(übersetzt von Frau Zhang)

Sonntag, 6. Juni 2010

Kidô Goroku Kôan Nr. 67

Links- oder rechtsdrehend?

Meister Shiko fragte die Nonne Ryûtetsuma[1]: „Ich habe schon vor langem von dir gehört, frage mich aber, ob alles wahr ist.“ Ryûtetsuma antwortete: „Es ist bestimmt ein wenig übertrieben.“ Shiko fragte: „Ist es linksdrehend oder rechtsdrehend?“ Ryûtetsuma meinte: „Bringt die Dinge nicht durcheinander.“ Shiko schlug sie.
 

Meister Kidô

Ryûtetsuma sollte sagen:
„Es ist gut, dass andere nichts davon wissen.“
 
Meister Hakuin

Wo Dunkelheit (in) und Licht (yo) nicht hinkommen, dort ist eine gute Aussicht.

   [1] tetsuma: eisernes Mühlrad.

Samstag, 5. Juni 2010

Buddhas Schwanz: Wie die Pali-Kanonen
Krankheiten in heilige Merkmale umdeuten

"Koro ist die Angst südostasiatischer Chinesen, dass der Penis schrumpfen könnte, indem er sich in den Bauch zurückzieht und so schließlich den Tod herbeiführt. 1967 trat diese Angst als Massenphänomen in Singapur auf. Viele Männer hielten deshalb den Penis fest oder versuchten das Geschehen durch hölzerne Zangen an ihrem Penis zu verhindern." Ein Hinweis, der nicht vom in Singapur lebenden Bhante Dhammika stammt, der in seinem Blog aber gerade die 32 ominösen Kennzeichen des Buddha (mahapurisalakkhana) ansprach und dabei auch auf die Fähigkeit von Buddhas Penis einging, sich in den Körper zurückziehen zu können. Heutzutage spricht man da eher von Mikropenis und darf zumindest einen Testosteronmangel dahinter vermuten. Gläubige deuten - früher wie heute - derartige "Mangelerscheinungen" jedoch gerne um. Bhante Dhammika zitiert eine Geschichte aus Laos, nach der der Buddha einer unterstellten Impotenz begegnete, indem er sich kurz zurückzog und dann mit Händen voller Sperma zurückkam. Das warf er in den Mekong, wo gerade die Flussgöttin vorbeischwamm, davon schwanger wurde und schließlich einen Arahat gebar, der sich in Südostasien noch heute einiger Beliebtheit erfreue.
   Was Fische so alles können, ganz abgesehen davon, dass sie erleuchtet sind! Der Nachbar einer Bekannten hat übrigens gerade ein neues Becken für seine Koi gebaut, diese schönen und edlen Streichelfische. Ich fragte meinen Bekannten, was wohl los wäre, wenn er nun seinerseits beschlösse, eine Fischreiherzucht im Garten aufzumachen.

(Foto: Scan eines für SO-Asien typischen Amuletts, das auch von Mönchen geweiht wird: Der Tiger reitet den Penis)

Freitag, 4. Juni 2010

XXY



Früher musste ich auf Filmfestivals, um einige Perlen des Kinos entdecken zu können, heutzutage erleichtern einem die DVDs doch einiges, und nicht zuletzt deren Zusatzmaterial ist oft aufschlussreich (und manchmal interessanter als der eigentliche Film). Gestern sah ich XXY von Lucia Penzo und möchte ihn ausdrücklich empfehlen. Das Thema der Zweigeschlechtlichkeit und der Transsexualität hat mich vor allem bei meinen Thailandaufenthalten immer wieder beschäftigt. Einmal lernte ich jemanden kennen, der bereits durch Hormoneinnahme kleine Brüste hatte und sich sehr weiblich verhielt, aber noch zögerte, sich sein männliches Geschlechtsteil nehmen zu lassen. Einmal traf ich auf Geschwister, die beide - in einem Bauerndorf - ihren Eltern offenbart hatten, dass sie lieber Mädchen sein würden, und von Kindesbeinen an durch ihre Eltern darin bestärkt wurden, die sogar für die Hormonbehandlung aufkamen. XXY handelt vom Sonderfall einer Hermaphroditen und spricht doch ein weit verbreitetes, oft unausgesprochenes Bedürfnis von Menschen an, die Grenzen der eigenen Determinierung durchs Gechlecht zu überwinden. Weder männlich noch weiblich, möchte ich da etwas zennig zusammenfassen.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Absurditäten des Alltags

   1) Seit Tagen versucht ein Sprachcomputer mit ausgiebigem Geschwätz (das sogar die Abschaltautomatik meines Anrufbeantworters überlistete) mich davon zu überzeugen, dass mir 1.800 Euro Gewinnsumme zustünden, wenn ich mich nur unter einer kostenpflichtigen Nummer (2,99 Euro pro Minute) zurückmelden würde. Der Anbieter, das hatte ein anderer Belästigter bereits herausgefunden, sitzt in Holland. Am 30.05. beschloss ich, dass sich jemand um ihn kümmern sollte. Am 31.05. meldete sich noch einmal der Sprachcomputer und sagte die wohl prophetischen Worte: "Das ist mein letzter Anruf."

   2) Mir ist ein sowieso machtloser Bundespräsident (der nichts ändern könnte, selbst wenn er gegen einen Afghanistan-Einsatz wäre), lieber als eine inkompetente Zensurtante, auch wenn sie zum Nageln gut aussieht.

   3) Gestern beantragte ich meinen neuen Reisepass (für den bereits Fingerabdrücke genommen werden, was uns ja beim Perso auch bevorsteht). "Bitte unterschreiben Sie hier oben", sagte der freundliche Herr auf dem Amt zu mir und wies auf ein dickes Rechteck. "Sind Sie nur Deutscher?" - "Häh???" - "Wenn Sie keine andere Staatsangehörigkeit haben, unterschreiben Sie bitte hier nochmal", sagte er dann und deutete auf eine andere Stelle des Blattes, die er mit einem Kreuz selbst markierte. Kurz hatte es mich gejuckt zu antworten: "Ich bin auch Jude. Soll ich noch irgendwo ein Sternchen machen?"

Mittwoch, 2. Juni 2010

Die Haltung des Zen zum Schriftenkanon

Und noch einmal Chan-Meister Zhuxian (1292-1348). Wenn man sich anliest, wie immer wieder gerade im Internet sogar Zen-Schüler sich mit ihren kruden Schriftinterpretationen herumplagen, weiß man, warum die Chan-Lehrer so sprachen:

"Worüber sollen wir reden? Die buddhistischen Schriften? Bodhi und Nirvana? Wahre Soheit und Befreiung? Über all das, worüber Generationen von großen Weltenlehrern bereits auf jede erdenkliche Art gesprochen haben?
   Dies alles sind Essensreste zahlloser Opfergaben, wiedergekauter Brei, der etliche Male hochgewürgt wurde. Nur hungernde Hunde würden davon kosten, Menschen sich aber ihre Nasen zuhalten. 
   Wir sagen, dass dies nicht 'Worte unserer Zeit', dass sie fürs Heute irrelevant und wie Gift seien.
  Wenn ihr wahre Gewissheit habt, dann könnt ihr die Buddhas und Patriarchen den ganzen Tag lang erschlagen, wann immer ihr ihnen begegnet - und wenn ihr euch selbst begegnet, dann erschlagt ihr euch selbst. Erst danach liegt alles an euch, was immer ihr tut. So wie es heißt: 'Um Leben zu erhalten, muss man es (das falsche Selbst) töten. Erst dann kann man in Frieden verweilen.' Wenn ihr es nicht tötet, könnt ihr euch nicht einen Zentimeter bewegen, ein Grashalm wird schwer zu beugen und ein Wassertropfen kaum zu verdauen sein."

Die erleuchteten Fische

Heute las ich den nicht ganz scherzhaft gemeinten Warnhinweis auf dem Cover des Buches Fisch auf Rezept, geschrieben von einem Arzt: "KEINEN Fisch zu essen gefährdet ihre Gesundheit!" Ich selbst esse auch gern Fisch - wenn er keine Gräten mehr hat. Bei Menschen sind mir aber die mit Rückgrat lieber (natürlich nicht auf dem Teller). 

Chan-Meister Zhuxian schrieb:

"Vor Begeisterung singend, reise ich allein an Flüssen und Küsten entlang. Der Fluss ist breit, die Fische schwimmen zahllos in einer wilden Menge darin. Sie scheinen mein Lied zu hören und verdichten sich zu einem Haufen. Ich schmettere eine weitere Zeile, und sie springen vor Freude aus dem Wasser. Da seufze ich vor Verblüffung, dass die Fische so weise und wir Menschen so anhaltend dumm sind. Mein Singen, das Schwimmen der Fische - alles ist von einer Gestalt. Der Geist der Fische, meine Absicht - sie sind nicht zwei. Die Fische lauschen dem Lied und hören meine Worte.

Nun singe ich zwar, manchmal aber bin ich stumm. Die Fische schwammen einfach so herbei - warum sollten sie zurückkommen? Wenn sie genug gehört haben, ziehen sie davon und hören nicht mehr hin.

Ich beobachte die Fische. Sie sind bereits leer, bei ihnen gibt es kein Beobachten."