Dienstag, 31. Januar 2012

Wie der Jade-Buddha
an Phat Hue zerbrach

 
Es ist schon eine Weile her, aber den Gag wollte ich doch noch mit Euch teilen. Im Juni letzten Jahres berichtete die Sektenpagode Phat Hue stolz, dass der Jade Buddha in ihrem Odenwalder Zentrum Station mache (unter dem Link ein Filmchen aus ihrem Sympathisantentempel in Hannover). Tja, und was soll ich sagen, nachdem der Jade-Buddha all diese Mönche und Nonnen, die den Thien Son nicht aus der Sangha werfen, und den "Abt" selbst gesehen hatte, da beschloss der Jade-Buddha offensichtlich, Selbstmord zu begehen. Dazu nutzte er seine heiligen Kräfte und verursachte einen Unfall auf der A9. Risse im Sockel, Kratzer, Stoßspuren, weggeplatzte Farbe - zehn Tage musste um sein Leben gekämpft werden. Und der Zopa Rinpoche, der den Kult um den Jade Buddha praktisch erfunden hat, gerne mal 200 Millionen Dollar für einen Bronzebuddha verschwendet und dazu noch ein Vertrauter des Dalai Lama ist, der konnte es auch nicht vorhersehen - obwohl ich diese Sippschaft schon mal über Thien Son aufgeklärt hatte und die eigentlich was vom Karma verstehen müsste ...

Wie auch immer, vergesst nicht, den Dharma ernst zu nehmen.
Und Euch anzuschnallen.



[Copyright Foto Jade Buddha: Douglas Jay Benson;  Buddha mit Gurt: Gabriele P./pixelio.de]

Samstag, 28. Januar 2012

Die Spuren Seung Sahns
und was Retreats bringen

Letzte Woche überraschte mich eine Pressemitteilung. Der US-Mönch Hyon Gak Sunim, Nachfolger von Seung Sahn und Yale-Absolvent, dem ich selbst mal begegnet bin, sprach an der Uni Regensburg vor angehenden Managern über "Zen und Leadership". Nun hat diese Modephrase also schon unsere Unis erreicht und wird sogar von Zen-Mönchen unterstützt, die sich nachsagen lassen, "drei intensive 100-Tage Solo-Meditations-Klausuren und circa 35 traditionelle 90-Tage Meditations-Klausuren zusammen mit anderen Mönchen" hinter sich zu haben. Wow, denkt sich da der Naive, dann muss da ja wohl was dahinterstecken. Ich hingegen weiß genau, was hundert Tage Einsamkeit so alles bedeuten können, deshalb kann mich das nicht blenden. Dass dann noch so etwas nachgeplappert wird, ist kaum verzeihlich: Der Hyun habe "als erster Westlicher seit der kommunistischen Revolution 1992 in China zum Mönch ordiniert." Und bereits ein Blick auf so etwas wie das folgende Video genügt, um gewarnt zu sein: Ein Mönch, der nicht kapiert, dass ein Stuhl zum Sitzen da ist und nicht der Tisch. Solche Showkünstler sind also dann auch fürs Leadership gefragt, obwohl jeder, der mal in einem Zenkloster war (insbesondere in der Rinzai-Koan-Hwadu-Schulung) bestätigen wird, dass man ein Unternehmen heutzutage nicht mit jahrhundertealten Vorstellungen von Hierarchie, Disziplin und Anpassung führen kann. Ganz abgesehen davon, dass man sich fragen muss, wie Produktwerbung für den überwiegenden Teil unserer Konsumgüter wohl aussehen (und funktionieren) würde, müssten Leader und Werber sich an die Regel des Nicht-Lügens halten. 

Im zweiten Video beachte man die Körpersprache. Zum Beispiel nach Minute 8, wo der Hyun sich an die Nase fasst - ausgerechnet als er den Zen-Standardsatz erklären möchte, dass mit dem eigenen Erwachen alle als erwacht erfahren werden. Ja, so kommt's, wenn man sich in unreflektierter Zen-Terminologie verstrickt. Lasst euch also sagen, wie es ist. Wenn man erwacht, erkennt man, dass zwar der Hund bereits erwacht ist, der Hyun jedoch noch schläft.

Vielleicht hilft ein 1000-Tage-Retreat.




Donnerstag, 26. Januar 2012

Kleiner Exkurs:
Organspende in Zen und Buddhismus

Ich fasse hier kurz den Artikel "Organ transplantation as an act of almsgiving ..." (2006) von Tobias Bauer zusammen, der auch die Stellungnahme der Sôtô-Schule zur Organstransplantation übersetzt hat.
   Zunächst wird auf prominente Gegner der Organtransplantation wie eine dem Shintô nahe Beweung namens Ômoto sowie den Ôtani-Zweig der Reine-Land-Schule (Jôdo-shin-shû) hingewiesen.
   Argumente PRO Organspende führen sie als Akt des Almosengebens (fusegyô) durch das Opfern des eigenen Körpers (shashin) an (so z.B. Umehara Takeshi, der allerdings den Herzstillstand, nicht den Hirntod als Lebensende ansieht). Spendewillige könnten sich in einer "Gemeinschaft der Bodhisattvas" (bosatsu kyôkai) organisieren. Das Handeln des Bodhisattvas bestehe hier darin, sich und anderen von Nutzen zu sein (jiririta no gyô).
   Kajiyama Yûichi argumentiert von der Theorie des Bewusstseinsspeichers (arayashiki) aus, die den Hirntod als Tod des Individuums akzeptieren kann. Organspende sei eine pâramitâ-Tugend (haramitsu), würde den erwachten Zustand des Spenders bezeugen, sein Verständnis der Selbstlosigkeit (muga) und der Einheit von Leben und Tod (shôji ichinyo). 
   Auf der anderen Seite kritisiert Fujii Masao das Anhaften am Leben beim Empfänger eines Organes, der dadurch ja seine Lebenszeit zu verlängern trachtet. Gemäß des Konzeptes der "dreifachen Reinheit" (sanrin shôjô) sollten Spender wie Empfänger und das Almosen selbst rein sein, dürfe also der Empfänger nicht "anhaften". [Hier liegt m.E. eine unzulässige Perspektivverschiebung vor, da es beim Almosengeben dem Spender nicht obliegt, die wahre Absicht des Empfängers zu durchschauen, zumal bei der Organspende in der Regel der Empfänger dem Spender gar nicht bekannt ist.]
   Ogawa Ichijô sieht das Opfern des eigenen Körpers zwar als mögliches buddhistisches Handeln an, die Organspende jedoch eher als eine Art von Selbstmord, da sie nicht dem Buddhaweg selbst diene. 
   Dies wiederum kritisiert [m.E. zurecht] Okada Mamiko, der das Opfern des Körpers (der Organe) nicht nur durch buddhistische Lehren (guhô shashin) motiviert sieht, sondern auch durch den Wunsch, Buddha zu ehren (kuyô shashin) [der sich der Überlieferung nach in einer früheren Existenz ja Tigern zum Fraße opferte] und vor allem sein Leben anderen zu geben (kyûnan shashin). 

(Die einzelnen Meinungen konnten aufgrund des Artikels nicht konkret buddhistischen Schulen zugeordnet werden.)
   

Mittwoch, 25. Januar 2012

Die Bodhidharma-Legenden

Wiki hat sie schön chronologisch zusammengestellt. Erst zur Zeit Dôgens wurde aus dem Sitzen Bodhidharmas vor der Wand ein neunjähriges. Dieses exzessive Zazen allerdings war hier der Ausdruck oder die Angewohnheit eines bereits Erleuchteten, denn Bodhidharma war ja bereits ein "bestätigt Erwachter", als er zum Shaolintempel kam (der Rückschluss, man müsse ausdauernd vor einer Wand hocken, um zu erwachen, ist auch deshalb unlogisch, weil ja schon Bodhidharmas Nachfolger Huike schlichtweg nach einem Dialog mit seinem Lehrer erwachte).

Interessant ist auch, dass zunächst das Lankavatara-Sutra, später dann (auch) das Diamantsutra von Bodhidharma an seinen Nachfolger weitergegeben worden sein soll. Es gibt einige umtriebige Buddhisten, wie Thich Nhat Hanh und den Macher von "Dark Zen", die nicht zuletzt deshalb dem Lankavatara-Sutra eine große Bedeutung beimessen (und zum Beispiel einen ständigen Streitpunkt, den Vegetarismus, damit begründen). Tatsächlich kann man sagen, welche wesentlichen Lehren, die dem historisch - auch in seiner bevorzugten Meditationsart - gar nicht dingfest machbaren Bodhidharma zugeschrieben werden, im Zen noch von Bedeutung sind. Red Pines Übersetzung (englisch) dieser klassischen Aussagen war hier wegweisend. Ein paar wesentliche Punkte, die dieser Bodhidharma herausstellt: Nicht äußeres Werk, sondern innere Entwicklung bringt weiter; wo die Sprache hinreicht, da ist nicht der (wahre) Geist; weder existiert der eigene Geist noch existiert er nicht.

Allein an diesen Thesen lässt sich schon aufzeigen, dass Bodhidharma das Lankavatarasutra lediglich als von ihm bereits überschrittene Spaßlektüre weitergegeben haben kann, denn darin finden sich solche unglaublich doktrinären Irrtümer wie diese (Übersetzung nach Golzin): "Wenn jemand schamlos Fleisch isst, wird er als Verrückter wiedergeboren" (oder sollten wir nun feststellen, dass also der Großteil der Menschheit verrückt ist?) und: "Der Fleischesser ist übelriechend, verächtlich und verrückt."

Man muss also zunächst den Unterschied in der spirituellen Erkenntnis eines legendären Bodhidharma und einer vom Palikanon infizierten Schrift erkennen. Im Zen des Westens werden immer wieder vergebliche Versuche gemacht, diese Einflüsse miteinander zu versöhnen. Diese geistig-geistlichen Rückschritte selbst von ansonsten intelligenten Menschen lassen mich immer wieder erblassen. Eine Wahrheit, die außerhalb von Schriften ist, kann nicht in demagogische Sätze gegossen werden. Und wenn es schon nicht einleuchtet, so wird spätestens die Erfahrung eines authentischen Erwachens den (engen) Rahmen eines solchen Sutras sprengen, so dass man selbst nicht mehr in der Lage ist, in eigenen Schriften einen solch dogmatischen Tenor weiterzugeben. Die zahllosen Wiederkäuer im Buddhismus tun jedoch genau dies. Um im Bild zu bleiben: Sie verdauen ihre buddhistische (Papierfaser-)Nahrung besonders gründlich, doch weil sie kein Fleisch vertragen, mangelt es ihnen an Bodhidharmas Mark.

Dienstag, 24. Januar 2012

Antwort auf Sogens "Offenen Brief"

Da ist noch ein Nachtrag nötig, da Sogen in seinem Blog einen offenen Brief an mich richtet, in dem er auch auf meinen Kommentar unter dem letzten Blogeintrag hier eingeht. Ich will einzelne Punkte herausgreifen.

1) Wie man Druck erzeugt. Die DBU kann Pressemitteilungen und ebenfalls offene Briefe nutzen. Sie kann wirklich alle ihr bekannten Ordinierten der betreffenden Tradition zusammentrommeln usw. Ich hätte noch einige andere Tipps, aber ich sitze da nicht im Boot und müsste schon dafür bezahlt werden, in diesem Laden aufzuräumen. Es ist schlichtweg unmöglich, in der DBU diese Kräfte zu bündeln, weil sie - wie ich in meinem letzten Blogeintrag aufzeigte - unterwandert ist von Gruppen, bei denen das sexuelle Fehlverhalten ihrer Begründer schon geradezu legendär ist. Insbesondere die Anhänger der Ole Nydahl-Fraktion haben sich zudem jahrelang in DBU-Foren stets als ausgesprochen aktive "Bremser" jedweder Aktivitäten gegen Missbraucher gezeigt. Das lässt psychologisch naheliegende Rückschlüsse zu.

2) Ich habe niemanden einer Straftat bezichtigt, wie auch das von Sogen genannte Zitat zeigt. Sogen ist einfach ein bisschen übermoralisch und überängstlich, vorauseilender Gehorsam wird so was auch genannt. Da war nix zu bremsen, weil ich mich im Griff habe und das im Gegensatz zu Sogen auch weiß.
   Ich stelle allerdings die richtigen Fragen. Sogen nicht. Im Unterschied zu mir hat er auch mal in Phat Hue meditiert. Ich bin gegangen, nachdem ich mich dort zehn Minuten aufgehalten hatte, weil ich merkte, das was nicht stimmt (genau diese Aussage von mir hat damals Manuel im DBU-Forum veranlasst, seine Erlebnisse mit dem Abt zu berichten). Diese Fähigkeit hat nicht jeder, und darum wäre es für Sogen besser, an solchen Stellen die Klappe zu halten.

3) Das führt auch zu dem alten Vorwurf an die DBU und Vajramala, von der ein Video mit dem Abt von Phat Hue im Internet zu finden ist. Auch sie hat diese Fähigkeit nicht. Das heißt, natürlich hätte man sich bei der Großveranstaltung mit dem Dalai Lama ausklinken und die 10.000 Euro oder mehr in den Sand setzen können (die werden auch in etwa jedes Jahr für den Buchmessestand versemmelt, auf dem ich ja auch schon zu Gast sein durfte). Denn man muss für seine Fehler, auch mangelnde Menschenkenntnis, büßen oder besser: Reue zeigen. Umso mehr, wenn man jahrzehntelang praktiziert hat und die Szene kennt - und trotzdem eine zu lange Leitung hat, um Phat Hue und seinen Abt zu durchschauen.

Fehler sind menschlich, und ich habe meine ebenfalls zu bereuen und meinen Preis zu zahlen.

4) "Dass im Übrigen der "Abt" vom Rat der DBU gedrängt wurde, sich bis zur Klärung der Vorwürfe mit öffentlichen Auftritten bei der Veranstaltung zurückzuhalten, sei hier noch angemerkt. Ebenso, dass er diesem Wunsch nicht entsprach und es auch keine Möglichkeit gab, ihn dazu zu zwingen."

Wenn einer von jemandem "gedrängt" wird, der keine Power hat, kratzt ihn das nicht. Das ist doch ganz einfach. Man spricht zu ihm: "Hör mal zu, Junge, entweder du trollst dich oder wir sagen einem Reporter hier, was du mit deinen jungen Mönchen machst." Ja Sogen, so geht das, wenn man Prioritäten setzt und flexibel bleibt und nicht am Buchstaben klebt. Ich weiß schon, du bist ein Gefangener deiner Gelübde. Prajna ist etwas anderes. Das Bodhisattva-Ideal auch. Es bedeutet, seine eigenen Grenzen aufzugeben, wenn es darum geht, andere zu schützen.

5) "Sexueller Nötigung im strafrechtlichen Sinne werden "Dr. Zen" und auch der "Abt" weder explizit noch implizit beschuldigt - auch nicht von ihren Opfern."

Hier kommt schon wieder diese Besserwisserei durch. Woher will Sogen denn wissen, was ich weiß? Ich weiß jedenfalls genau, was ich sage. Ich bin auch sehr vorsichtig mit dem Begriff "Opfer".

Der folgende Strafrechtkommentar beschreibt eine mir von einem/r Betroffenen geschilderte Situation.

"Ahnungslos" ist, wer nicht versteht, dass nicht entscheidend ist, was als strafbar gilt, sondern was möglichst zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass mir immer wieder, auch von Herbert und Genpo, gesagt wurde, wie lange schon andere Missstände, etwa um den Berliner Abt, bekannt waren. Und wie lange nix dagegen gemacht wurde. Die diesbezügliche Passivität hat Tradition in der DBU. Gründe siehe unter 1).

Wesentlich ist auch, dass man die Redakteurin des BR zwar auf den vietnamesischen Abt, der das eindeutig größere Problem auch für die Zukunft darstellt, hinweist, aber die Chance verpasst, diese Sendung auf ihn statt auf Dr. Zen zu konzentrieren. Dabei spielt eine Rolle, dass nicht die sichtbaren und zweifelsfreien Fehler und Verstöße gegen den Dharma (wie etwa die Luxusgeilheit) betont werden. Das allein auf die mediale Funktionsweise zurückzuführen, wäre falsch, denn es kennzeichnet auch die DBU selbst. Aufgestört wird man erst durch Sexskandale, nicht durch ganz offensichtliche Kommerzialisierung - bei gleichzeitiger Verwässerung - des Dharma. Auch das kann nicht anders sein, weil etliche Rädelsführer der DBU in der gleichen Vermarktungsschiene des Buddhismus ihr Geld verdienen. Die Leute geben sich auf Kongressen und bei Vorträgen die Klinke in die Hand und sind aufeinander angewiesen. Darum ist man mit Kritik an Wellnessbetrieben wie Phat Hue zurückhaltend. Ganz und gar nicht zurückhaltend ist man jedoch damit, immer wieder die Notwendigkeit des ethischen buddhistischen Pfades zu betonen.

Leute, das könnt Ihr vergessen. Noch in diesem Jahr werdet Ihr wieder von einem der Typen Marke Thien Son einen Artikel in Buddhismus Aktuell lesen, und bei irgendeiner Veranstaltung sitzen wieder Räte der DBU mit den genannten Rinpoches im Boot. Dann findet ihr irgendwo Bilder vom Vietnamesen, wie er den Dalai Lama trifft (Wiesbaden 2011; man beachte, dass nur der Mann links im Hintergrund eine Ahnung hat). Wie war das also nochmal mit "gedrängt, sich zurückzuhalten"? Aber halt, der DL kann ja schlicht auf sein Thesenpapier zum Umgang mit unkoscheren Lehrern verweisen, und die Anhänger des Stufenweges sollten sich ja sowieso stets in Geduld üben.

Da "bedingtes Entstehen" zur Folge haben sollte, dass man ein Übel an der Wurzel beseitigt, erkennen wir auch, wo der Buddhismus in der Theorie steckenbleibt.

Sonntag, 22. Januar 2012

Zen-Buddhismus und Missbrauch:
Die DBU, Thich Thien Son (Thay)
und Sotetsu Yuzen

Und nun der nötige Nachschlag zu der genannten Sendung "Erleuchtung - nicht garantiert" auf BR 2 (hier der Podcast).

Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet die DBU, die in ihrer Zeitschrift "Buddhismus Aktuell" gerade wieder Sogyal Rinpoche hofiert hat, und deren erster Vorsitzender ganz offensichtlich ein Anhänger eines anderen Sexbesessenen, nämlich Chögyam Trungpa ist, als Gegengewicht zu den Zen-Scharlatanen herhalten darf. Sogen, der stellvertretend interviewt wird, hat mich damals im DBU-Forum noch bremsen wollen, als ich dabei war, Thich Thien Son (alias Thay) zu outen, und mir dabei sogar vorgeworfen, schmutzige Literatur zu publizieren (vor allem ein Werk, das Nabokov zu Lolita inspiriert haben soll und nur deshalb aus meinem Programm verschwand, weil es sich nicht verkaufte). Wenn ein Moralapostel den anderen kritisiert, hat das schon was Groteskes. Namen wurden natürlich in der Sendung wieder nicht genannt, diese Kneifer. Das deutet dann auch die Grenzen der DBU an, die in den letzten Jahren sogar Großveranstaltungen mit Fummlern machte, die sich ansonsten gern als weise ausgeben. Und die es in mehreren Jahren nicht fertigbrachte - genausowenig wie die DBO, in der sich Ordinierte versammeln - den nach dem Vinaya fälligen Ausschluss von Thich Thien Son (Thay) aus der Sangha festzulegen. Für diese Untätigkeit, vielmehr Unfähigkeit, als Dachverband für eine gewisse Ordnung in den Reihen des Buddhismus zu sorgen, werden gleich in meiner Kommentarfunktion wieder diverse Ausreden angeführt, das ist mir klar. Dabei muss man nur einen kleinen Haufen älterer Ordinierter zusammentrommeln, die den Ordensverweis festlegen. Und wenn man die nicht bekommt, kann man folglich laut sagen, wer so alles mit wem unter einer Decke steckt (z. B. der vietnamesische Abt aus der Pagode Vien Giac mit TTS alias Thay). All das würde zur gesunden Selbstbereinigung einer Organisation gehören, die leider alles andere im Sinn hat.

Zu allem Überfluss folgt die Redakteurin der Sendung dann auch noch Sogen in der Meinung "Das Problem: Diese Taten sind strafrechtlich nicht relevant, so lange die Schüler nicht minderjährig oder unzurechnungsfähig sind." Das hat nämlich er so ähnlich schon mal von sich gegeben, und es ist falsch, da auch Erwachsene wegen sexueller Nötigung klagen können - sie müssen nur selbst aktiv werden.

Außerdem ist mir [geändert] bekannt, dass es durchaus einen minderjährigen Beschwerdeführer gibt. Hier wird also gleich wieder ein Hintertürchen aufgemacht, statt den Riegel konsequent vorzuschieben.

Was will man aber auch erwarten von der DBU? Ich habe mir eben mal die aktuelle Zusammensetzung des Rates angeschaut. Sicher, es könnte schlimmer sein. Aber nicht im Hinblick auf das längst fällige Aufräumen mit Lehrern, die ihren Job nur machen, um leichter Sex zu bekommen. Chögyam Trungpa war so einer. Er zwang Gäste einer Party, sich auszuziehen, hatte zahlreiche Beziehungen zu seinen Schülerinnen, soff wie ein Loch, pfiff sich Kokain rein. Was bedeutet es also, wenn der DBU jemand vorsitzt (von Rössing), der Trungpas Hinterlassenschaft, die Shambala-Zentren, vertritt?

Dann haben wir da noch einen Vertreter von Thich Nhat Hanh (Folkers), über den ich mich hier schon ausgiebig äußerte; die frühere 1. Vorsitzende Vajramala, die offenbar mit einem Ordiniertennamen herumläuft, der von einem stammt, der keine vergeben konnte (Anagarika Govinda); einen Vertreter der "rechten" Ole Nydahl-Sekte (nämlich Herrn Hechler), deren Leiter ins Schema Trungpa passt, nur dass er sich noch die Biografie einer authentischen Lehrbefugnis zurechtschummelte; und einen Anhänger von Kalu Rinpoche, über dessen unkontrollierte Lust sich seine ehemalige Vertraute June Campbell ausließ.

Da kann man der Redakteurin Christine Gaupp nur wünschen, dass sie von selbst drauf kommt, auch mal die DBU selbst genau unter die Lupe zu nehmen. Und sich alsbald besagtem Vietnamesen aus Frankfurt zuzuwenden, dessen Wirkungsradius weitaus bedeutender zu werden droht als es der des alten Gynäkologen-Gästemanagers aus Berlin je war.

Samstag, 21. Januar 2012

Freitag, 20. Januar 2012

Dienstag, 17. Januar 2012

Der Zen-Schleimi

(Ein Kommentar brachte mich drauf, ich kann es Euch nicht vorenthalten ... Preisfrage: Wo hat er das Vimalakirti-Zitat - "Die Sehnsucht nach sich selbst wecken" - her? Wie auch immer, er trennt Mönchsein und Alltagsleben, er hat nichts begriffen.)


Zen und Leadership from Ursache&Wirkung on Vimeo.

Samstag, 14. Januar 2012

Hui-neng vs. Eihei Dôgen

Es wird gerne vergessen, dass der Analphabet Hui-neng (638-713, sechster chinesischer Patriarch im Zen/Chan) bei der ersten Begegnung mit seinem Meister zwar bereits Einsicht in die Buddha-Natur zeigte ("Wie könnten sich die Menschen aus dem Norden und dem Süden in ihrer Buddha-Natur unterscheiden?"), doch zunächst in die Küche abgeschoben wurde. Die hatte zu seiner Zeit noch nicht die Bedeutung, die ihr später Dôgen Zenji im Klosterleben zuwies. So ganz durchschaute ihn also sein Meister wohl noch nicht, zumal Hui-neng dann auch noch immer nicht ordiniert, also Laie war, als er das ihm vorgelesene Gedicht eines Bruderschülers verbesserte und damit endlich auch seinen Meister von seinem Erwachen überzeugte. Dieser riet ihm sogleich, den Tempel zu verlassen. Die Ordination holte Hui-neng zwar später nach, aber als ihm seine Verfolger die Robe klauen wollten, da riefen sie ihn noch "Laie! Laie!". Hui-neng selbst unterschied sich noch weiter von Dôgen, auch wenn der und dessen Adepten ihn gern mal für sich reklamieren: Im Plattformsutra spricht er davon, dass es keinen Unterschied zwischen Klerus und Laien gebe und der Mönchsstatus bedeutungslos sei, da nur die Praxis zähle.* Bei dem ganzen Aufwand, den Dôgen mit dem Klosterleben und seinen Regularien betrieb, ist es kein Wunder, dass er sich immer mehr darauf versteifte, die Laien könnten es nicht so weit bringen wie die Mönche.

*[Komazawa Daigaku Zenshûshi kenkyûkai 1978, 323 und 328; Yampolsky (1967), 111, 157, 159]

Freitag, 13. Januar 2012

Hsu-Yun (1840-1959) übers Zazen

"Im Grunde ist eine Zenhalle fehl am Platz. Zudem bedeutet Chan (Zen) nicht Sitzen (in Meditation). Die so genannte Zenhalle und das so genannte Zen-Sitzen werden nur denen zur Verfügung gestellt, die sich unüberwindbaren (eigenen) Hindernissen gegenübersehen und die in diesem Zeitalter der Dekadenz nur begrenzte Weisheit besitzen."

[aus: Lu K’uan Yü, Ch’an and Zen Teaching (1970), S. 35]

Mittwoch, 11. Januar 2012

Monk-eee

"Schließlich bist du in der Lage, Affen zum Weinen zu bringen, indem du nur eine Augenbraue anhebst ..." (Zenmeister Tetsugen Dôkô in einem Brief an den Meisterbogenschützen Hoshino Kanzaemon)



Wer mehr wissen will: Makaken und Männerfreundschaften.

Samstag, 7. Januar 2012

Meine Übertragungslinie

Kürzlich wurde ich auf eine leidige Diskussion um authentische Nachfolger eines so genannten Zen-Meisters hingewiesen. Ich habe dazu folgende Ansicht: Mit religionskritischen und historischen Mitteln lässt sich praktisch jede Zenlinie aufbrechen bzw. als nicht konsistent aufzeigen. Es ist also faktisch nicht möglich, einen heutigen Zenmeister nahtlos in seiner "Übertragung" (des Dharma, des "von meinem Herzen zu deinem Herzen") auf den Shakyamuni Buddha zurückzuführen. Dieses Konstrukt ist nichts weiter als eine Idee, eine Fiktion. Mit der gleichen Berechtigung kann sich jemand, der heute im Geiste Hui-nengs, des 6. (chinesischen) Patriarchen, lebt, natürlich auch in dessen "Linie" sehen. So wie einer behaupten kann, im Geiste eines Nietzsche, Sokrates oder Epikur zu leben.

Wenn ich mir anschaue, wer sich so alles auf Hui-neng zurückführt (und vor allem, dass natürlich schon ein Bodhidharma sich von der Lehre des Palikanon und damit des Shakyamuni Buddha entfernt hat und auch diese Verbindung nur eine angenommene ist), dann frage ich mich: Was hätte wohl Hui-neng dazu gesagt? Er hätte einige aus Linien gekickt, die sich auf ihn berufen, wahrscheinlich sogar den Dôgen Zenji. Da müsste doch echt mal ein Maitreya-Buddha her, der rückwirkend die Dinge geraderückt.

Ich finde es also richtiger, sich in eine Linie mit den Meistern zu stellen, denen man praktisch aus der Hand frisst. Die dazwischen sagen mir oft gar nichts, und ein Patriarch wie der Aryadeva (Kanadeva, jap. Kanadaiba), dessen Verse ich mal übersetzte, hat an ein paar Stellen so dummes Zeug geredet, dass ich mir auch keinen abbrechen muss, seinen Namen in der Rezitation der Meister (Gojûshichi butsu) zu singen. Wenn ihr mir nicht glaubt, hier ist eine offizielle Wiedergeburt von Aryadeva zu beglotzen, ein Tibeter mit Mikrofilmgebete-Rassel.

Meine Linie ist also die "Ideal-Linie". Sie besteht nur aus den Meistern, die mir tatsächlich was geben konnten, die mich weiterbrachten. Ob tot oder lebendig. Mein Vater ist auch darin. Darum ist meine Linie auch nur meine. Ich überlege gerade, ob ich mir dafür von einem gescheiten Japanologen mal ein Ketsumyaku machen lasse. Damit könnte ich allerlei Unfug treiben, so wie die anderen. Oder wie der Tibeter in dem Film, der meint, Liebe sei die Ursache für Glück, und sich natürlich auch auf eine Linie beruft, und das selbstverständlich ausnutzt, um allen zu zeigen, dass der Guru und der Schüler nicht gleich sind. Eine Wahnsinnshow, die da abläuft. Könnte natürlich auch einfach mal schauen, ob der Dalai Lama erkennen kann, dass ich die Wiedergeburt von Ikkyu bin ;-)

Freitag, 6. Januar 2012

Zurück in Deutschland:
Der Schulterschluss von Kirche und Phat Hue

Wenn ich mich hier so umschaue, ist alles beim Alten geblieben. Bei einem Spirituellen Filmfest wurden die üblichen Verdächtigen porträtiert (etwa der Theravada-Anhänger Thich Nhat Hanh) und diverse kirchliche Einrichtungen kooperierten u.a. mit der Pagode Phat Hue (jaja, und das Tibethaus war auch im Boot, obwohl die doch gar nix mehr mit denen zu tun haben wollten). Kirche und Phat Hue - was waren da noch mal die Gemeinsamkeiten? Ja, richtig. 

Wenn ein Bundespräsident nicht bei seinen Freunden übernachten darf (eine blöde Fernsehtante meinte, er könne schließlich dafür bezahlen), dann braucht ein eitler Abt auch keinen Lexus, das ist klar. Aber ich will ja nicht auch noch beim "Alten" stehenbleiben. In Foren kämpft weiter die Dogen-Fraktion um ihr spezifisch japanisches Verständnis des Zen und des Klosterlebens mit seinen Ritualen und Gelübden, ohne dass die Zen-Mönche eigentlich als solche gelten können. Manche User sind da zuletzt recht still geworden, ob das daran liegt, dass ich selbst in den letzten Monaten keine Einwürfe mehr machte? Hinnerk Polenski bekommt für sein Führungskräfte-Zen ein paar Seiten im Magazin Ursache & Wirkung, ohne dass die den von ihm genannten japanischen Lehrer genauer beleuchten, und Buddhismus Aktuell, die Zeitschrift der DBU (wo man, wie üblich hintenrum, den Herbert aus dem Rat mobbte), weiß noch immer nicht, dass nicht jeder, der zum Nachfolger ernannt wurde, ein Zen-Meister ist (siehe Brad Warner). 

Da scanne ich halt mal ein Bild vom Tempel auf dem Phnom Bokor in Kambodscha ein. Dort konnte ich mit einem kleinen Affen spielen, den meine Bekannte furchtlos herbeigetragen hatte, während amerikanische Backpacker was vom Tollwutrisiko faselten. Die blinde Affenmutter ließ sich ebenfalls kraulen. Wirklich witzig war, dass das kleine Äffchen einer nervigen Auslandskhmer in den Arm biss, die zuvor beim Essen meinem Kumpel auf die Frage, was ein Handy koste, völlig überzogene Preise genannt hatte.

Als ich an einem Gebäude mit vielen geschlossenen Fensterläden vorbeiging, hörte ich von drinnen Frauengestöhne. Ich fragte unseren Guide, wer in dem Haus wohne. Mönche, sagte er. Naja, meinte ich, bleibt nur noch die Frage, ob die eine Frau drin haben oder nur einen Porno. Jedenfalls hatten die anderen Mönche unterdessen den Großteil der restlichen Affen in einen Käfig gesteckt. Diese Theravadins, lauter Unsinn im Kopf! Einst hatten hier sogar zwei Ex-Mönche den Kommunismus aus Vietnam nach Kambodscha gebracht, und mit ihm nicht selten eine gehörige Portion Gewalt.