Sonntag, 1. April 2012

April, April,
ich bin gar nicht tot!

Wenn ich auf den Seiten von Buddhismus heute der Diamantweg-Sekte (Karma Kagyü) surfe, kommen mir Ideen für eine Glosse nach der anderen. Kürzlich wurde der Tod Tenga Rinpoches vermeldet, und auf der englischen Wiki fand sich folgender Abgesang: "Rinpoche has entered the after-death-meditation, called Thugdam." Der Rinpoche ist also in die Nachtodmeditation namens Thugdam eingetreten. Wie ihr auf obigem Link sehen könnt, erscheint ihm beim Sterben für einen Augenblick die "wahre Natur des Geistes". Halt!, denkt da der Zenbuddhist, was kann denn daran Besonderes sein, wo sie sich bei einem "fortgeschrittenen Praktizierenden", dem allein sich solches offenbaren soll, doch längst im Laufe seines Vorlebens gezeigt haben müsste - sonst wäre er ja nicht erwacht. Ein schönes Beispiel tibetischer Logik, und dafür trainieren die Adepten zwanzig Jahre lang eifrig das Debattieren ... 

Viel lehhreicher ist freilich die Einleitung zur Erklärung von Thugdam. "Der 16. Karmapa war bekannt für seine Beziehung zu Vögeln, insbesondere zu Kanarienvögeln. Wie man zum Beispiel in den Büchern von Lama Ole Nydahl lesen kann, ließ Karmapa sich oft zu Tierhandlungen bringen, um dort Vögel mit besonderen Qualitäten auszuwählen. Diesen Tieren lehrte er Meditation, und zum Zeitpunkt ihres Todes waren diese Vögel fähig, einen tiefen Meditationszustand zu verwirklichen." Dann wird die Todesstarre eines Vogels als Beleg angeführt. Leute, was soll ich euch sagen, schon wieder habe ich die Bestätigung bekommen, dass ich der wahre 17. Karmapa bin. Denn wenig später wird beschrieben, wie ein Kanarienvogel in die Nachtodmeditation eintritt und erst sechs Stunden später erkaltet. Genau wie bei unserem Kanarienvogel! Ja, ich weiß noch genau, es war im Winter, unsere Ölofenheizung ausgefallen, und als das süße Vögelchen gestorben war, setzten wir uns um den Käfig herum und wärmten uns sechs Stunden lang die Hände über seinem Köpfchen. Ich selbst habe mir dabei die Handfläche verbrannt und kann noch heute eine Narbe zum Beweis zeigen. Wie schön, dass wir jetzt alle wissen, wie es dazu kommen konnte. Nun erklärt sich auch, warum, als wir noch auf dem Bauernhof lebten, mein Lieblingsschwein tot auf zwei Beinen stehend gefunden wurde und unsere Milchkuh Berta im Lotussitz verschied. Hätten wir damals mal einen Rinpoche auf dem Hof gehabt, wäre uns allen das nicht so peinlich gewesen. 

[gez. der 17. Karmapa]

Kommentare:

  1. Namaste!

    Karmapa-chenno! [Karmapa erkenne mich!]

    Nee, im Ernst - da gibt es nix zu erkennen. Ich bin außen vor; wir hatten leider nie Kanarienvögel, sondern immer nur Wellen- und Nymphensitiche und Hunde, und letztgenannte haben ja ohnehin keine Buddhanatur - MU!

    Soweit ich das mit dem Augenblick der "wahren Natur des Geistes" verstanden habe, wäre dieser Augenblick der Zeitpunkt, indem man die Möglichkeit hat [entsprechendes Training vorausgesetzt - nee, is klar!] mit dem Klaren Licht [Rigpa; entspricht wohl der "wahren Natur des Geistes"] zu verschmelzen und so künftigen Wiedergeburten [auch als Tulku] eine Absage zu erteilen [=Parinirvana].
    Aber vielleicht habe ich die ganzen Bücher auch falsch gelesen und vergessen, mich nebenbei auch noch im Debattieren zu üben...? Nein, Spass beiseite, dass mit dem Debattieren sind nicht die Kagyüpas, sondern eher die Gelugs [Dalai Lama & Co.].

    Aber was kümmern mich deren Vorstellungen und Konzepte? Es heiß "Dein Denken erzeugt die Welt" und "Der Glaube versetzt Berge". Das mag so sein. Aber wieso sollte ein Westler seine ganzen, teilweise doch recht fundierten, Erkenntnisse über Bord werfen und sich stattdessen alle Überzeugung eines Völkchens aneignen, welches bis Mitte des 20. Jahrhunderts quasi noch im Mittelalter feststeckte? Das ist mir persönlich alles viel zu kompliziert und zu anstrengend - dafür reicht mir der Rest dieses Lebens wohl nicht mehr aus und deshalb versuche ich das auch gar nicht.
    Da ist mir dann die Nicht-Philosophie und Un-Konzeption des Zen doch viel näherstehender, und wenn es ans Sterben geht, dann müssen eben ein paar Nembutsu ausreichen; ansonsten ist dann eben ohnehin "die Hölle als künftiger Aufendhaltsort bestimmt", wie Meister Shinran zu sagen pflegte.

    < gasshô >

    Benkei

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