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Kyong Ho (1849-1912): Die große Angelegenheit von Leben und Tod (Auszüge)

Kyong Ho (Gyeogheo) gilt als ein Begründer des modernen koreanischen Seon (Zen) und dessen 75. Patriarch. Nach einem Leben im Kloster, als Eremit und unter Laien zog er sich angeblich 1903 in ein Fischerdorf zurück, wo er arbeitete und Kinder unterrichtete. Ich übersetze hier einen gerafften Ausschnitt eines Textes, der mich amüsierte, weil er andeutet, wie man als Vogel oder Schmetterling wiedergeboren werden könnte (wäre das nicht schön?). Offenbar entgeht dem Meister hier der Dualismus, der einer Abwertung solcher Existenzformen zugrunde liegt (man beachte hierzu auch den letzten Absatz). Neben seinen offensichtlich brauchbaren Hinweisen zur Konzentration auf "Schlüsselfragen" ist er noch in der buddhistischen Kosmologie befangen - ein Phänomen, das man bis in unsere Zeit antrifft. Kyong Hos Sterbegedicht ist so überliefert:  "Das Mondlicht des klaren Geistes  verschluckt die ganze Welt. Wenn Geist und Licht verlöschen:  Was ist dies?"   ***   "Um Buddhascha
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Enni Ben'nen (1202-1280), der wie Dogen nach China ging

Enni Ben’en (1202-1280) studierte zunächst den Tendai-Buddhismus, ging dann nach China, um Chan bei einem Lehrer in der Nachfolge Yüan-wus zu üben. Nach sieben Jahren wurde er zum Dharma-Erben von Wu-chun Shih-fan (1177-1249), zurück in Japan zum Abt des im chinesischen Stil erbauten Tofukuji, in dem zunächst auch Tendai und Shingon praktiziert wurde. Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Dogen war er mit einer Synthese aus Zen, Taoismus und Konfuzianismus einverstanden.   An den Ehrwürdigen Kumyo In den unmittelbaren Lehren unserer alten Meister gibt es keine speziellen Techniken außer, einfach alle Verwicklungen abzulegen, alle Bedenken ruhen zu lassen und die eigene Nasenspitze sechs Stunden am Tag und sechs Stunden in der Nacht zu beobachten. Wann immer du zwischen den Dingen zu unterscheiden beginnst, erinnere dich an einen Spruch, aber nicht im Sinn eines Weges zur Erleuchtung oder der Reinigung. Suche weder voreiliges Verständnis noch erzeuge Zweifel oder gar Verzweiflung, son

Weitere Kategorien von Koan + Zitate

Eine Ergänzung zu einem alten Eintrag  über verschieden Kategorien von Koan: 6. nenrô : spielerische Worte; traditionelle Ausdrücke oder Verse, die ein Licht auf ein Koan werfen. 7. sego : landessprachliche Worte; Ausdrücke, die eher in Japan als in China entstanden und im Werk „Anthologie von Zen-Sprüchen auf Japanisch“ (Zenrin segoshû) gesammelt wurden. 8. heigo : einfache Worte; gewöhnliche japanische Ausdrücke aus dem Alltagsleben. 9. zengo : vorläufige Worte; eine Redewendung, die nur einen Aspekt eines Koans ausdrückt. 10. hongo : Hauptworte; ein Ausspruch, der ein Koan zusammenfasst. So genannte“Worte der Vorderseite“ (omote no go) und „Worte der Hinterseite“ (ura no go) kommentieren von einem absoluten Standpunkt; „kombinierte Worte“ (sôgo) drücken die Verbindung von Letztgültigem und Konventionellem aus. (siehe Kenneth Kraft: Eloquent Zen. Hawaii 1992.) *** Und hier mal wieder ein paar amüsante und/oder tiefsinnige Zitate: "Aber ich lege keinen so großen

Daikaku alias Lan-chi Tao-lung (1213-1279): Die ganze Welt ist dein eigenes Selbst

Daikaku (Lan-ch’i Tao-lung, 1213-1279) war einer der Meister, die im 13. Jh. von China nach Japan reisten. Er übte u.a. unter Enni Bennens Lehrer Wu-chun. In Kioto wurde er zum Abt des Kencho-ji. Wenn bei der Meditation die Gedanken in Aufruhr sind, suche genau mit diesem aufgewühlten Geist nach dessen Ursprung, und frage dich, wer sich seiner bewusst ist. Treibe die Suche nach dem Ort, an dem die Störung entstand, immer weiter, dann wirst du herausfinden, dass sie gar keinen Ort hat und derjenige, der sich ihrer bewusst ist, ebenfalls leer ist. Dies nennt man: die Suche umkehren. Zen-Praxis bedeutet nicht, konzeptuelle Unterschiede zu klären, sondern die eigenen vorgefassten Ansichten wie auch heilige Texte aufzugeben und durch die Schichten zu dringen, die die dahinterliegende Quelle des Selbst bedecken. Alle Heiligen haben sich nach innen gewendet und im Selbst gesucht, und so haben sie ihre Zweifel überwunden. Sich nach innen wenden heißt, rund um die Uhr und in jeder Situation

So Sahn (1560-1604): Der Spiegel des Zen II

7 Ich würde gern  nur eins sagen: Alles Denken abschneiden, alle Bedingungen vergessen, während ich hier sitze und nichts zu tun habe: Und doch kommt der Frühling und überall wächst das Gras von selbst. Kommentar: Alles Denken abschneiden und von allen Bedingungen, von Ursache und Wirkung lassen: Dies bedeutet, die Wahrheit in deinem eigenen Geist zu erlangen. Dann kannst du ein wahrer Mensch des Weges genannt werden, der nichts mehr verwirklichen muss. So einer ist ungehindert und erschafft von Augenblick zu Augenblick nichts: Wenn er hungrig ist, isst er, wenn er müde ist, schläft er. Er wandert frei zwischen den klaren Flüssen und blauen Bergen umher. Er mischt sich gelassen und ohne Hindernis unter die Geschäftigen in Häfen und Wirtshäusern. Das Auf und Ab der Zeiten interessiert ihn nicht, und doch kommt der Frühling und die Gräser sprießen, wie ehedem.  Wann immer Denken aufkommt, sollte man nach innen und nach seinem eigenen wahren Geisteslicht Ausschau halten.  Gatha Ich fragte

Bukko alias Mugaku Sogen (1226-1286), Zen-Meister der Samurai

Bukko (Wuxue Zuyuan, jap. auch Mugaku Sogen, 1226-1286) wurde vom Shogun Hôjô Tokimune nach Japan eingeladen, dann zu dessen Berater und zum Abt des Engakuji. Besonderen Einfluss hatte er auf die Kriegerkaste in der Kamakura-Zeit. Der Weg aus Leben-und-Tod ist kein besonderer Trick. Wesentlich ist, zur Wurzel von Leben-und-Tod vorzudringen. Sie befindet sich im Zentrum jedes Menschen, der sein Leben lebt, seinen Tod stirbt, zum Buddha oder Patriarchen wird. Was Zen genannt wird, ist keine Handlung, die man vollziehen muss. Es bedeutet einfach, zu erkennen, was das eigene wahre Herz wirklich ist, und sich diesem zu verpflichten. Es bedeutet, seine ursprüngliche Natur zu erkennen. Dabei ist es wesentlich, zu erfassen, was man noch vor der Geburt der eigenen Eltern war. Wir sagen, dass das Selbst das Selbst zu erfassen sucht, doch tatsächlich ist es schon das Selbst, warum sollte es sich also selbst erfassen wollen? In der Masse von Wissen, Wahrnehmungen und Wertungen ist es freilich

So Sahn (1520-1604): Der Spiegel des Zen I

So Sahn war ein einflussreicher koreanischer Seon(Zen)-Mönch, dessen "Spiegel des Zen" noch heute in Klöstern gelehrt wird. Er fasste darin mit 86 Abschnitten wesentliche Lehren der Tradition zusammen, die er kommentierte und mit Versen versah. Im Gegensatz zu Hakuin hatte er große Sympathien für den Buddhismus des Reinen Landes. Leider insistiert er in mehreren Kapiteln z.B. auf einem Verständnis der Gebote, wie ich es schon desöfteren kritisierte, und schließt Shen-hui als Erben Hui-nengs aus; darum will ich mich auf ein paar Highlights seiner Schrift beschränken.   2  Das Erscheinen der Buddhas und Patriarachen in dieser Welt kann mit Wellen verglichen werden, die plötzlich in einem windstillen Ozean auftauchen. Kommentar: Das Wort "Buddha" verweist auf Shakyamuni Buddha, "Patriarch" auf den Ehrwürdigen Mahakashyapa. Ihr Kommen in die Welt gilt als große Freundlichkeit und Mitempfinden, denn es sollte dem Erretten aller Lebewesen vom Leiden dienen.  Was