Donnerstag, 18. Oktober 2018

Lüge und Heuchelei im tibetischen Buddhismus und bei Thich Nhat Hanh

"(...) die Verwechslung zwischen dem Überbau als allgemeinem Phänomen, d.h. dass bestimmte Gedanken zu einem bestimmten Zeitpunkt notwendig sind, andere unmöglich, und der öffentlichen Lüge. Eine vernünftige Überbautheorie muss bei der Ideologie vollständige Aufrichtigkeit, höchste Anstrengungen und absolute Redlichkeit voraussetzen, bevor eventuell das Gegenteil bewiesen worden ist, Die Philosophen der Aufklärung sind bei Gott keine Heuchler.
   Heuchelei, d.h. öffentliche Lüge, wird erst in dem Moment zu einer Ideologie, wo diese gestorben ist und mit künstlichen Mitteln aufrechterhalten werden muss. Dieser Zustand ist ein Sonderfall, und er fasziniert mich. Man stößt darauf in Gesellschaften, die ausgeprägte Harmonietheorien über sich selbst haben."

(Lars Gustafsson, Jan Myrdal: Die unnötige Gegenwart. Hanser 1975)

Kürzlich hatte ich eine Diskussion auf einem Blog, der sich mit vor allem sexuellem Missbrauch im Buddhismus beschäftigt und von Maß- und Stellungnahmen insbesondere des tibetischen Buddhismus berichtet, die dem abhelfen sollen. In diesem Zusammenhang finde ich obiges Zitat passend, denn bei der Beschäftigung mit konventionellem und populärem Buddhismus fällt auf, dass sein Überbau, also seine Theorie, nicht aufrichtig und redlich ist, sondern dass sich wehrhafte Reflexe in Form der Heuchelei und Lüge zeigen, die Harmonie und Ideologie der Gläubigen aufrechtzuerhalten suchen. Aus diesem Grund wird man das Problem des Missbrauchs durch Lehrer auch nicht innerhalb eines solchen Lügengespinstes beseitigen, also wenn man Geschichten von überdurchschnittlicher Menschenkenntnis und Intuition etwa zu einem Merkmal charakterlicher Reinheit und spirituellem Erwachen verspinnt (siehe etwa die Kommentare 95 ff. hier).
   Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die dogmatischen Vorstellungen buddhistischer Moral und etwa eines Stufenweges nichts oder nicht genug damit zu tun haben, wie klar einer einen anderen versteht, durchschaut und möglicherweise sogar zukünftige Ereignisse erahnt. Die Tatsache, dass dies auch Menschen gelingt, die überhaupt nichts mit Buddhismus am Hut haben, ist ein weiterer Beleg dafür, dass man aufgrund von solch bescheidenen und weiter verbreiteten Fähigkeiten, als man denkt, keinen Lehrerstatus herleiten sollte. Es sind aber die Lehrer selbst, die diese Mythen und Märchen aufrechterhalten, und zu meiner eigenen Überraschung gehört sogar Thubten Chodron dazu, auch wenn ich zugegeben nur einmal in Kontakt mit ihr war und sie dabei als recht vernünftig erlebte. Im unteren Video spricht sie also davon, dass ein spirituell Entwickelter einen Apfel vom Baum fallen lassen und per Gedankenkraft wieder an den Baum zurückzuhängen vermöge. Ich kann gar nicht oft genug an solchen Beispielen wiederholen, wie mich derlei Dummheit abschreckt. Und ich bin sogar davon überzeugt, dass diejenigen, die sie verbreiten, meistens tief im Innern wissen oder deutlich genug ahnen, dass sie hier Lug und Trug Vorschub leisten. Ich möchte hier noch einmal den Schweden Jan Myrdal aus obigem Werk zitieren, auch wenn ich keinesfalls Marxist bin: "Es geht also nicht darum, dass der 'Marxismus' verwirklicht werden soll. Die Theorie wird durch die Notwendigkeit der Praxis geformt; der Kampf ist an und für sich spontan und unausweichlich, er schafft auch spontan und zwangsläufig seine eigenen Vorstellungen." (S. 97) Wenden wir dies einmal auf den Buddhismus an, so wie er mir vorschwebt, so lautet dies: 
   "Es geht also nicht darum, dass der 'Buddhismus' verwirklicht werden soll. Die Theorie wird durch die Notwendigkeit der Praxis (der Besinnung, des Mitempfindens und Teilens) geformt, der Kampf (um die Zerstörung von Illusionen) ist an und für sich unausweichlich, er schafft auch spontan und zwangsläufig seine eigenen Vorstellungen (statt sich der überlieferten zu bedienen und nach ihrer Bestätigung zu suchen)."
   Außer Zauberkünstlern, den ich zum Spaß selbst immer mal wieder zuschaue, hebt also niemand wirklich die Gesetze der Schwerkraft auf, wie es Thubten Chodron uns weiß machen will. Eine solche Art von Religion ist überflüssig, ihr Glaube mittelalterlich und nicht besser als die rückständigen Deutungen des Islam, mit denen sich unsere Welt herumschlägt.

Auch Thich Nhat Hanh ist, wie meine Leser/innen wissen, ein solcher Lügner und Heuchler für mich. TNHs Sektenaufbau ist offenbar viel zu durchdacht, als dass er sich mit Dummheiten über mystische Gedankenkräfte die Blöße gäbe. Dafür hat er viel Wert auf Ländereien und Immobilienerwerb gelegt. In Michael Trigilios Film "Bodhisattva Superstargibt es ab Minute 50 eine kurze Passage, wo der Filmemacher und ein Verleger auf Thich Nhat Hanh eingehen und das bestätigen, was mir einst über die Vergabe des Titels "Acarya" durch TNH an einen deutschen Megaspender gesteckt worden war. TNH habe ab 1999 und 2000 langjährige Schüler zurückgewiesen und Millionäre, die ihm Ländereien spendeten, auf hohe Positionen in seinem "Orden" gehievt. Es wäre nur noch um einen TNH-Fanclub gegangen, die Lehre der Freude sei eine Tarnung fürs Abschotten gewesen, und TNHs Interessen hätten sich zunehmend auf 'Dogwood' konzentriert eine weitere ausgedehnte Liegenschaft für seine Sekte.