Mittwoch, 7. November 2018

Kazuo Inamori - Manager-Mönch Maximen

"Als Anhänger Buddhas sollten wir uns an seine Lehre erinnern, zu erkennen, 
wann man genug hat."

Kazuo Inamori (geb. 1932) wurde 1997 im Enpukuji zum Priester in der Myoshinji-Linie des Rinzai geweiht, nachdem er den Vorsitz des von ihm begründeten Keramikunternehmens Kyocera abgegeben hatte, das mehr als 60.000 Menschen beschäftigt. 1984 hatte er bereits eine nach ihm benannte Stiftung gegründet, die u.a. den Kyoto-Preis vergibt. Als er schon 77 Jahre alt war, drängte ihn die japanische Regierung noch, die angeschlagene Fluglinie Japan Airlines zu sanieren. 
Ich möchte einige seiner Anschauungen und Arbeitsthesen wiedergeben. Inamori stellte die Fragen, was der Zweck des Lebens sein könne und wie man als Mensch auf die rechte Weise leben könne, in das Zentrum seiner Überlegungen. Er schlug zunächst vor, sich an den von den Eltern vermittelten ethischen Maßstäben zu orientieren, aufrichtig und ehrlich zu sein und Gier zu meiden. Als wichtigstes Ziel sah er die Veredelung der Seele und das Erhöhen des Geistes an. Er riet davon ab, nachtragend zu sein, stattdessen sollten Freude und Dankbarkeit unser Leben bestimmen. Die rechte Einstellung würden mit Talent und Bemühen die eigene Arbeit erfolgreich werden lassen. Dabei würden auch ermüdende und sich wiederholende Tätigkeiten zum Ziel führen. Man solle sich hohe Ziele setzen, stets das Wohl des Gegenübers im Auge behalten, selbstlose Entscheidungen treffen, bescheiden bleiben und nahe beim Kunden sein. In einem Unternehmen müssten die individuellen Einstellungen auf ein gemeinsames Bestreben hin ausgerichtet werden. Das Geschäftsleben sah Inamori freilich auch als Schlachtfeld an, auf dem man unbeirrbaren Siegeswillen beweisen solle. Er glaubte daran, dass die eigenen Gedanken die Realität formen und im Unterbewusstsein die Grundlage dafür schaffen, ein Ziel zu erreichen. Dabei sei stets von unbegrenzten Fähigkeiten auszugehen, um das eigene Potential erweitern zu können ("optimistische Vorstellungskraft, pessimistischer Plan, optimistische Ausführung").
   Vor Kurzem las ich, dass die chinesische Regierung phlegmatischen jungen Leuten Beine machen wollte, die sich nur noch mit sich selbst beschäftigten. Sie benutzte für diese den Ausdruck "Zen-Generation". Auch wenn Inamoris Sichtweise recht wenige Überraschungen bietet, kommt sie wohl näher an das heran, was man sich tatsächlich unter einer Zen-Generation vorstellen könnte.

"Wenn man Erleuchtung finden will, sollte man dies in seiner eigenen Arbeit tun, ohne sich von der Welt zu isolieren. Die finanziellen Aspekte einer Tätigkeit verblassen gegenüber ihrem Potential, den Wert der eigenen Seele zu erhöhen."


Copyright Foto (zeigt Inamori 2011): Science History Institute, Conrad Erb