Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Huineng" werden angezeigt.

Yongjia Xuanjue (665-713)

Yongjia (postum „Großlehrer Nicht-Form“) war ein Schüler des Sechsten Patriarchen Huineng. Er war auch im Tientai-Buddhismus bewandert und verfasste eine eigene Textsammlung, worin er deren zhiguan -Praxis mit dem Zazen verglich.     Yongjia begann als Jugendlicher die buddhistischen Schriften zu studieren. Später begab er sich mit Zen-Meister Dong Yangce auf Reisen und gelangte zum Cao Xi, wo Huineng weilte. Yongjia schlug seinen Stab auf den Boden, umrundete Huineng drei Mal und stand dann aufrecht da. Huineng sagte: „Dieser Mönch besitzt die dreitausend edlen Eigenschaften. Sag, wo kommst du her? Wie ist es dir gelungen, so dein Selbst zu besitzen?“   Yongjia erwiderte: „Die große Angelegenheit von Leben und Tod lässt nicht auf sich warten.“    Huineng fragte: „Warum dann nicht verkörpern, was ungeboren ist, und erlangen, was keine Eile hat?“    Yongjia antwortete: „Was verkörpert wird, ist nicht der Geburt unterworfen. Was erlangt wird...

MOU Zongsan übers Chan: Tathagata-Zen vs. Meister-Zen (+ Corona-Update)

(Corona-Update) Welche Ironie, dass ausgerechnet ein gebürtiger Thailänder, der seit ein paar Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft hat und vom Fach ist, uns nicht nur einen anderen Blick aufs Corona-Virus eröffnet, sondern sich vor allem über unsere althergebrachte duckmäuserische Art entsetzt, mit der wir die Einschränkung unserer Freiheiten hinnehmen. Um es vorwegzunehmen, hier in Thailand herrscht auch draußen nicht nur Maskenzwang (dass Masken in dieser Hitze schnell durchfeuchten und dann beim Betreten von Gebäuden nicht mehr richtig wirken, ist ja bekannt), es sind z.B. Aktivitäten am Strand bei Androhung einer einjährigen Haftstrafe untersagt und ein Normalzustand sei laut Gesundheitsminister erst zu erwarten, wenn die Neuinfektionen einstellig sind (das heißt höchstens bei 9 pro Tag liegen!). Ich als Asthmatiker mit ein paar anderen chronischen Beschwerden bin natürlich vorsichtig, aber was mir auch auffällt, ist, wie erfolgreich die Panikmache bei den Leuten angekommen ...

Das Karma-Verständnis im frühen Chan

Den Philosophieprofessor Robert Zeuschner (geb. 1941) werden einige Leser noch nicht kennen. Er ist u. a. literarischer Nachlassverwalter von Edgar Rice Burroughs, dem Erfinder von „Tarzan“! Im Jahr 2000 erschien seine vergleichende Studie Classical Ethics, East and West. Hier interessiert uns nun aber ein Beitrag aus dem Jahr 1981, auf den ich mit Freuden stieß, weil er schön übersichtlich die Texte der ersten chinesischen Chan-Patriarchen zum Karma zusammenstellt: „The Understanding of Karma in Early Chan Buddhism“, in: Journal of Chinese Philosophy 8 (1981). Zeuschner fiel die recht freie Interpretation des Karma durch japanische Zen-Meister auf, und er fragte sich, ob schon im chinesischen Chan eine solche vorhanden war. Zunächst klärte er deshalb das indische bzw. übliche Verständnis des Begriffes. Wir kommen darauf ggf. vergleichsweise zurück, wenn wir die Unterschiede im Chan benennen. Zeuschner sieht Chan als das einzigartige Ergebnis verschiedener Einflüsse: 1) d...

Das frühe Chan und die besondere Zen-Ethik

[Im Folgenden ein Beitrag, der verschiedene Texte aus diesem Blog verbindet und auf Anfrage eines buddhistischen Magazins zustande kam, das ihn schließlich aber selbst in einer stark vereinfachten Form und ohne die Bezüge zum Machtmissbrauch für zu akademisch befand. Den vierten Teil über tibetisches Zen habe ich hier weggelassen, weil er erst kürzlich in diesem Blog zu lesen war.] Das frühe Chan und die besondere Zen-Ethik Teil I: Die Vorläufer Seng-chao und Chih-i In der jüngeren Zeit sind das Fehlverhalten und der Machtmissbrauch buddhistischer Lehrer in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Dabei fiel mir auf, dass sich bei einigen Schülern (ich bitte die weibliche Form jeweils mitzudenken) auch nach der Aufdeckung von Skandalen eine unrealistische Erwartung hartnäckig hält, die zwei wesentliche Charakteristika hat: Zum einen wird auch der nächste Lehrer als etwas angesehen, der etwas besitzt, was man selbst nicht habe; zum anderen soll auch er wieder exemplarisch ...