Dienstag, 20. März 2012

Der Samen des Meisters
und das Essen von Menschenfleisch

In einem Buch über Yoga Tantra (Theory and Praxis: In the Light of the Hevajra Tantra: A Metaphysical Perspective von Tomy Augustine, Delhi 2008) fanden sich ein paar amüsante Stellen über Praktiken des Vajrayana genannten Buddhismus:

Abhisheka bedeutet "reinigen durch besprengen mit Wasser". In der frühen tantrischen Periode war dies ein Initiationsritus, bei dem Übende in die mystische Bedeutung von Mandalas eingeführt wurden. Dabei gibt es vier Arten von Weihen: Meister-Weihe (ārcāja), Geheime Weihe (guhya), Weisheit-Weihe (prajñā) und die Vierte Weihe (caturham).

Die Meister-Weihe erhalten Schüler mit wenig Einfühlungsvermögen. Das geht so, dass der Meister sich mit einer Weisheitsgefährtin vereint, die ihm durch den Schüler zugeführt wird! Die Geheime Weihe erhalten Schüler mit mittlerem Einfühlungsvermögen. Dabei tropft der Meister etwas von dem Sexualsekret, das entsteht, wenn er sich mit der Weisheitspartnerin vereinigt hat, dem Schüler in den Mund. Geheim heißt diese Weihe, weil sie nicht mit Ausdrücken phänomenaler Konzepte erklärt werden kann. (Wieso nicht? Wie wär's  mit: Schweinerei.)
   Bei der Weisheits-Weihe gibt der Guru mit großen Worten dem Schüler die Weisheitsgefährtin; bei der Vierten Weihe, die nur Schüler mit extrem starkem Einfühlungsvermögen erhalten, leitet der Guru die Vereinigung des Schülers mit der Yogini an.

Härter als das Dschungelcamp mutet auch das "Festmahl" (Bhojana) an. Es soll auf einem Friedhof, einem einsamen Platz, in einer Berghöhle oder einer verlassenen Stadt durchgeführt werden. Die Sitzplätze sollen aus Leichen, Lumpen von einem Friedhof oder Tigerfellen gemacht sein. Die Teilnehmer nehmen Sakramente zu sich, die aus dem Fleisch von Kühen, Hunden, Elefanten, Pferden und Menschen [sic!] bestehen. So sollen Übende lernen, konventionelle Ansichten wie wert-unwert und genießbar-ungenießbar loszulassen.



1 Kommentar:

  1. Namaste!

    Ich bezweifle, dass die vorgenannten Praktiken heute überhaupt noch ausgeübt werden; und wenn ja, dann wahrscheinlich nur von sehr wenigen Nyingmapas (der älteste tibetische Orden deren Lamas nicht die Vinaya-Ordination annehmen müssen) und ggf. diversen Hindu-Sekten.

    Das waren vielleicht Übungen, die im "Goldenen Zeitalter" der indischen Kultur in einigen "Sekten" vom Guru an den Schüler "weitergegeben" wurden, aber ich könnte mir vorstellen, dass derartige Praktiken heute nur noch dazu dienen, "gewisse verblendete Neigungen" unter dem Deckmantel der Spiritualität auszuleben.

    Ansonsten wird wohl längst nicht mehr alles so heiß gegessen, wie es mal gekocht wurde.
    Yabyum kennt man ja heute auch hauptsächlich von Statuen und Thankhas, welche die meisten eher ähnlich wie das Yin-Yang-Symbol deuten.

    < gasshô >

    Benkei

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