Dienstag, 18. März 2014

Das Ende von Thich Thien Son/Thay (II)
... und was das mit Edathy zu tun hat

Der Mönch Tenzin Peljor beschreibt auf seiner Website über buddhistische Sekten den "Fall des Zen-Meisters Thich Thien Son" (alias "Thay"), der auch heißen könnte: Der Fall des Möchtegern-Zenlehrers Mai Huy Giang Tran. Was gibt es hierin interessantes Neues, das für den Fortgang der Ereignisse von Bedeutung sein könnte?

Zunächst könnte das schlechte Timing der Veröffentlichung eine Verhaftung verhindert haben.

Nachtrag vom 12.4.2014: Tenzin hat es offenbar das Hirn vernebelt, was schnell passieren kann, wenn man sich bei "Wildwasser" Rat holt ... In einem Update zu seinem Beitrag zitierte er den Bhante Punnaratana, man habe TTS (Thay) bei seiner Reise nach Sri Lanka eine temporäre Ordination nach dem Theravada gewährt. Wie man auf den Fotos erkennen kann, trägt TTS (Thay) jedoch weiter seine angestammte dunkle Robe und nicht die orangene, die er nach dem Theravada tragen müsste. Ich schrieb das Tenzin in seiner Kommentarfunktion und sagte, der Bhante habe sich demnach als Lügner entlarvt.  Nun steht es hier, denn anderswo ist für solche Aussagen offenbar kein Platz. Gehabt's euch wohl, ihr Ordinierten und Scheinordinierten!

Doch der Reihe nach:

1) Tenzin hat wiederholt die Staatsanwaltschaft auf TTS (Thay) hingewiesen, zuletzt mit einer weiteren eidesstattlichen Versicherung eines Minderjährigen, so dass nun endlich ermittelt werde.

2) Der frühere Polizeipräsident soll ein Schüler von TTS (Thay) gewesen sein. 

3) Der junge Novize Hue Bao, der zwischenzeitlich in einen Tempel der tibetischen Tradition (!) ins Ausland abgeschoben worden sein soll, hat sich offenbar als Replik auf eine Kritik von TTS (Thay) auf seiner Facebookseite über nächtliche Sexgeräusche aus TTS (Thays) Zimmer beklagt, wo dieser sich mit einem jungen Lover vergnügt haben soll.

4) Der Mönch Tenzin kontaktierte zwecks Beratung in dieser Sache u.a. auch den Verein "Wildwasser e.V.".

5) TTS (Thay) soll, vor seiner Gemeinschaft zur Rede gestellt und mit Beweisen konfrontiert, den sexuellen Missbrauch eines "12/13jährigen Jungen" zugegeben haben.

6) Mönche seiner Gemeinschaft wandten sich an Thich Nhat Hanh um Rat.

Einige der o.g. Geschehnisse werden der Sache m.E. abträglich sein. Zum einen ist der Verein Wildwasser bei meinen jahrelangen Recherchen zu einschlägigen Themen als besonders paranoid und zahlenverstellend aufgefallen. Wenn sich das bis zur StA durchgesprochen hat, ist das ggf. ein Minuspunkt, auch wenn zeitweise solche Vereine als erste Infoquelle für Polizei und Justiz dienten und diese mit ihrem unwissenschaftlichen Material infizierten. 
   Wie man TNH um Rat fragen kann, wenn es um das Verletzen des Vinaya, der Ordensregeln geht, ist mir schleierhaft. TNH lebt offensichtlich seit Jahren selbst Seite an Seite mit einer Nonne, er verstößt gegen Besitzrechte und ordiniert gegen die einschlägigen Regeln des Vinaya Nonnen, die das dann für gültig halten. TNH war offensichtlich auch nicht in der Lage, TTS selbst beizeiten zu durchschauen.
   Für die Presse sollte Punkt 2, das mögliche Involviertsein eines früheren Polizeipräsidenten, Anlass für weitere Recherchen sein. Ich freue mich zwar, dass sich ein solcher für Zen interessiert, nicht jedoch über die Auswahl seines Lehrers. Was hatte das ggf. für Folgen auf die vorherige Einstellung der Ermittlungen (man erinnere sich, auch ich hatte - neben Tenzin - schon vor Jahren Anzeige erstattet, nachdem sich im damaligen DBU-Forum ein betroffener junger Erwachsener geäußert hatte) oder die mangelnde Durchsetzungskraft des Jugendamtes? Es ist kaum vorstellbar, dass in irgendeiner privaten Einrichtung Kinder ein und aus gehen und bei nichtverwandten Erwachsenen nächtigen, ohne dass sich dafür ein Amt hinreichend interessiert. Es sei denn vielleicht, die vom Amt bestellten Betreuer hatten etwas davon.


***

Nun der Schwenk zu Edathy. Über seinen Fall wollte ich schon lange schreiben, und er bietet hier die Möglichkeit eines Kontrastprogrammes. Gerade meldete sich Edathy, dem man den Besitz von Nacktbildern Minderjähriger nachsagt, aus Südeuropa mit der intelligenten Bemerkung, solche Bilder seien schon seit jeher auch im Sinne der Kunst von Menschen genossen worden. Ergänzend sagt er, bei den von ihm bestellten Aufnahmen sei auszuschließen, dass die Abgebildeten für härtere Abbildungen missbraucht worden seien. 
   Ich weiß nicht, was auf den Abbildungen zu sehen ist, vieles deutet darauf hin, dass es sich entweder um FKK-Aufnahmen oder um eher künstlerisch inspirierte Aktaufnahmen handelt. Edathy hat nun das Hauptargument, das ich hier bringen wollte, selbst formuliert: Ein Anfangsverdacht, der aus einer legalen Handlung sich herleitet (dem Bestellen von Aktaufnahmen), sei absurd und würde den Rechtsstaat aushebeln. Hierzu ist wichtig, was kürzlich sowohl von Anwälten wie auch Sexualwissenschaftlern bestätigt wurde, dass nämlich die Behauptung, man fände bei Besitzern solcher Aufnahmen meist harte illegale Pornografie falsch ist. Es ist eine reine Schutzbehauptung der Justiz, mit der sie z.B. die Unverletzlichkeit der Wohnung aufhebt. Statistiken liefert sie nicht. In der allgemeinen Berichterstattung tauchen häufig Funde von Tausenden pornografischen Abbildungen auf Rechnern auf, doch wird in aller Regel nicht differenziert, ob es sich dabei bloß um die üblichen Erwachsenenpornos handelt oder zumindest um legales Material.
   Im Grunde könnte der Fall Edathy damit zu einer Chance werden, die Grundrechte zu stärken. Ich bin dem Mann schon deshalb dankbar, weil Politiker wie Gabriel und Bosbach, die auf mich lange einen vernünftigen Eindruck machen konnten, nun ihr wahres Gesicht (oder zumindest einen wahren riesigen Pickel darin) zeigen. Sie nämlich halten offenkundig jemanden, der ein bestimmtes ästhetisches (und wahrscheinlich auch erotisches) Interesse hat, das nicht mehrheitsfähig ist, und der nicht nur für die Vorratssdatenspeicherung war (ergo sich ggf. selbst ins Knie geschossen hätte), sondern sich quasi als talentierter Nazijäger zeigte, allein aufgrund einer solchen Neigung plötzlich für untragbar und unfähig, etwa weiter die Vorgänge um Rechtsradikale zu untersuchen. Dieses widerliche, beifallheischende Ausgrenzen bezöge sich, nimmt man das zur Grundlage, was jene Politiker Edathy unterstellen (ein Interesse an nackten Jungens), also auf eine sexuelle Minderheit und ist nur deshalb machbar, weil man deren Anteil an der Gesamtbevölkerung auf bloß ein Prozent schätzt (während die tatsächlich schädlichen Übergriffe auf Kinder wohl eher von mind. 10 Prozent der Bevölkerung zu erwarten sind, wenn man ein gesundes Mittelmaß zwischen dämonisierenden Dunkelziffern und dem Anteil schärmerischer "Boy- und Girllover" zugrunde legt). Man kann heute hierzulande wahrscheinlich keine Wahl mehr gewinnen, wenn man auf die gleiche Art Homosexuelle basht. Vor einigen Dekaden haben noch Freudianer und Analytiker, die heute daran festhalten, in einem amerikanischen Fachkatalog die Pädophilie als sexuelle Störung zu bezeichnen (statt als legitime sexuelle Identität), die Homosexualität als Neurose angesehen. Sowohl, wenn man in die Vergangenheit schaut, als auch wenn man hier gewisse Parallelen erkennt und die Zukunft prognostiziert, kann man nur zum Schluss kommen, dass in absehbarer Zeit ein Paradigmenwechsel anstehen müsste, und Edathy könnte helfen, diesen ausulösen.
   Schon stehen natürlich die einschlägigen Hilfsorganisationen, Medien und Polit-Schleimer bereit, um stattdessen jedwede auch von Experten geforderte Toleranz gegenüber Bildern zu tilgen. Behauptet wird, man wolle nun den Handel mit Nacktfotos untersagen, was zunächst moralisch korrekt klingt. Gemeint ist wohl, dass man versuchen wird, diese möglichst flächendeckend zu verbannen. Denn von einem kostenlosen Zurverfügungstellen als Alternative wird ebenso wenig geredet wie von den Profis, die warten, bis ihre Models erwachsen sind, dann deren Einverständnis einholen und erst danach die einmal gemachten Fotos veröffentlichen. Die Hysterie geht so weit, dass kürzlich Polaroids von Balthus' Nacktkindermodell nicht in einer Ausstellung gezeigt werden konnten. Weitere lächerliche Skandale rangten sich etwa um die Arbeiten von Jock Sturges und Sally Mann.   
   Im Grunde wird angestrebt, den Menschen mit pädophilen oder pädosexuellen Neigungen zu kastrieren. Selbst gescheite Therapeuten wie der oben im Link interviewte Ahlers reden stets von der chemischen Keule als Alternative, und die anderen wollen sogar das Wichsen der Pädos erschweren, indem sie ihnen die Vorlagen entziehen. Wie schon Ernest Borneman(n) erkannte, steckt dahinter eine kollektive Verdrängung der eigenen Sexualität als Kind, ein völlig unverdautes Haudrauf auf eine kleinstmögliche Minderheit, auf die man außerdem seinen eigenen Sadismus projezieren kann wie sonst eben z.B. auf Juden oder Homos.

Damit kein Missverständnis aufkommt - man kann diejenigen, die keine Alternativen haben, nicht mit denen in einen Topf werfen, die wie TTS (Thay) auch mit erwachsenen Männern offenbar sexuelle Erfüllung erfahren. Bei den Erstgenannten sollte es darum gehen, ein menschenwürdiges Leben auf der Grundlage der allgemeinen Menschen- und Grundrechte möglich zu machen. Dazu sollte auch eine akzeptable Möglichkeit der Triebabfuhr gehören, und jede Beschneidung des nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gerade nicht zu Übergriffen führenden Konsums von erotischem oder pornographischem Material wird sich als untauglich erweisen. Der Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung ist die eine Seite, die andere Frage bleibt, wie wir eine angeborene (?) oder frühkindlich geprägte* sexuelle Präferenz für "normal" halten können, um ihr dann einen Lebensrahmen zu ermöglichen, in dem möglichst niemand zu Schaden kommt.

[* am viel versprechendsten erscheint mir die Forschung zu olefaktorischer, also Geruchsprägung.]


"Es gab aber einmal eine Zeit, in der Menschen, die allgemein anerkannte Wahrheiten in Frage stellten, von Ochsen oder Pferden buchstäblich zerrissen wurden. Die Psyche des modernen Menschen wird dagegen, im übertragenen Sinne, zerrissen von seelischen Zwangslagen, die sich in dem Ringen um Befreiung von unbewussten Verboten und Tabus äußern, wie sie von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden." - "Sexuelle Tabus?" (...) - "Natürlich - sexuelle, spirituelle, intellektuelle, welche auch immer."

(Donald Antrim: Die Beschießung des Botanischen Gartens. Edition Epoca 1999)

Mittwoch, 12. März 2014

Die "professionelle Freundin" in Südostasien

"Sex work is work - defend our right to livelihood!"

"Save Us From Our Saviours!"

(Slogans des 'Women Network for Unity' in Kambodscha)

[Foto: Keller/Pattaya]

Eine der erfrischendsten Lektüren der vergangenen Wochen (neben belletristischen Werken Richard Brautigams) war die gut lesbare, wissenschaftliche Studie Heidi Hoefingers "Sex, Love and Money in Cambodia: Professional girlfriends and transactional relationships" (Routledge 2013, teuer, aber über die Fernleihe zu bekommen). Ausgiebige Erfahrungen mit solchen "Freundinnen" habe ich selbst gemacht, wenn auch in Thailand. Tatsächlich sprengten diese jedes Klischee über die Prostitution, in der die Frauen arbeiten. So kroch schon eine kurzfristig mit ihrem Kind bei mir unter, als sich ihr Thai-Lebensgefährte eine Nebenfrau nahm ("Ich kann ihn im Moment nicht mehr sehen. Meinst du vielleicht, es ist okay, wenn ich mir nun auch einen Nebenmann nehme?"), andere lud ich gemeinsam mit ihrem Thai-Lebenspartner zum Essen ein ("Ich habe schon einmal eine Freundin verloren, weil ein Ausländer (farang) sie mir wegnahm" - "Keine Sorge ..."), mit einer weiteren besuchte ich ihre Mutter auf dem Land, durfte im besten Bett des Hauses schlafen und bekam zum Essen das ganze Fleisch auf den Teller. Mit einer Bisexuellen ging ich auf "Brautschau" (sie war zu schüchtern, nach einer Partnerin zu suchen, und ihre Eltern sollten nichts von ihrer Neigung wissen), mit einer fuhr ich von Pattaya nach Koh Samui, um zu verstehen, warum sie nur einem dortigen Zahnarzt die monatliche Ausrichtung und Kontrolle ihrer Spange überlassen wollte, wo doch in jeder anderen Großstadt hinreichend Spezialisten zu finden waren ... Es gab unzählige vertraute Gespräche - und amüsante Überraschungen, z. B. als eine Masseuse permanent die Stellung wechselte und auf Nachfrage sagte, sie habe das in einem Buch gelesen und würde mir nun zeigen wollen, was sie kann. Nirgendwo habe ich in kurzer Zeit so oft "Danke!"  gehört (und gesagt) wie in Thailand. Einmal verbrachte ich den Geburtstag einer "käuflichen" Frau in Südostasiens wohl größtem botanischen Garten Nong Nooch (er ist viel schöner als diese Website!), und sie verknallte sich in mich, weil ihr noch niemand einen solchen Geburtstag bereitet hatte. Wie erfreulich, dass Heidi Hoefinger, die u. a. an der Universität von Chiang Mai "Gender and Sexuality Studies" lehrt, nun mit Klischees über asiatische Freudenmädchen aufräumt und den Begriff "professionelle Freundin" in der Wissenschaft zu etablieren sucht.
    Eine "professionelle Freundin" (in Khmer: srey sangsar achip), die "transactional sex" betreibt, knüpft mehrere Beziehungen zu Männern aus vornehmlich materiellen Gründen (von denen laut Hoefinger aber die jeweiligen Freier meist nichts wüssten) und zeigt dabei Intimität im ganzen Spektrum von vorgetäuscht bis authentisch (inklusive sexueller, romantischer oder respektvoller Zuneigung). Dabei wird auf das Problem verwiesen, dass im südostasiatischen Kulturkreis oft die materielle Versorgung mit Liebe verknüpft ist, während Männer aus dem Westen bevorzugt dann von Liebe sprächen, wenn sie unabhängig von materieller Zuwendung besteht (und dabei das "Persönliche" vom "Politischen" trennten, also von der Tatsache, dass auch in westlichen Beziehungen monetäre Aspekte eine Rolle spielen). Die Autorin folgt der Soziologin Viviana Zelizer, für die Intimität mit ökonomischer Aktivität zu vereinbaren bedeutet, Leben zu verbinden; sie spricht daher von solchen Beziehungen als "connected lives".
   Hoefinger sammelte ihr Material in persönlichen Begegnungen über einen Zeitraum von sieben Jahren und widmet den ethischen Fragen ihrer Arbeit ein eigenes Kapitel. Obwohl sie auch einige verwerfliche NGOs zitiert, ist ihr Blick auf diese kritisch. Mit Laura Augustin, die über die internationale "Rettungsindustrie" schrieb (Sex at the Margins, London 2007), betrachtet sie sowohl das Stigmatisieren von Prostituierten zu prinzipiell machtlosen Opfern als auch das Selbstbild "gütiger Helfer" als unrechtmäßig pauschalisierende Fortsetzung des eurozentrischen Kolonialblickes.

Mittwoch, 5. März 2014

Was bedeutet Ethik im Zen (II)?


Harada Daiun Sogaku Roshi (1871-1961)




Wonyo: Regelbruch als Regeleinhalten

Der Koreaner Wonyo (617-686) steht für die Tradition der verrückten Mönche. Wie der Laie Vimalakirti brach er Regeln, zeugte als Mönch mit einer Prinzessin einen Sohn (der ihn später als angesehener Gelehrter in Ehren hielt), wurde entrobt und zog singend und predigend durch die Lande - und das, obwohl von ihm mehrere Schriften überliefert sind, in denen er das Einhalten der Gebote betont (siehe etwa Palsim suhaeng jang). Dies kann man als Widerspruch der Hagiographie sehen, oder - wie hier in diesem Blog empfohlen - als die Möglichkeit zu einer tieferen Einsicht, die alle großen Zenlehrer ihren Schülern neben ihrer traditionellen Schriftauslegung exemplarisch aufzeigten. Regeln sind für Wonyo vorübergehender Natur, letztgültige gibt es nicht, sie zeichnen sich vielmehr durch bedingtes Entstehen und Leere aus. Dies heiße jedoch nicht, dass es keine Gebote gäbe, jedoch würde einer, der diesen Aspekt übersieht und nur auf ihr Befolgen Wert lege, tatsächlich die Gebote verletzen. Individuelle Einheiten des Daseins seien vom Ganzen (Indras "Netz") nicht zu trennen und stünden miteinander in nicht-hierarchischer Beziehung. Einen speziellen Weg zum "Ursprung" könne es deshalb nicht geben. Wonyo scheint einen konsequentalistischen Standpunkt einzunehmen, da er die Resultate einer Tat für moralisch relevant hält (im Gegensatz zur Deontologie), doch eigentlich sei seine Ansicht "nicht-substantialistisch", denn bei der Beachtung der Bodhisattva-Gebote gäbe es drei Stufen: zunächst werde das Leichte und Schwere von Vergehen erkannt, dann das oberflächliche und tiefe Einhalten und Verletzen der Regeln, schließlich das "letztgültige Beachten und Verletzen" der Gebote (kugyong chibom). 

Dôgen: Ethik als natürlicher Ausdruck des Erwachens

Dôgen (1200-1253) lehnte den transzendenten Beiklang eines "noch nicht" ab und stellte Bodhisattvas und Buddhas auf eine Stufe. Erwachen verwirkliche sich im gegenwärtigen Moment als Buddhaschaft. Buddha-Natur sei nicht als Samen und Potential in Wesen vorhanden, sondern als das ganze Sein umfassend (shitsû busshô) die gegenseitige Abhängigkeit allen Seins in jedem Augenblick: Soheit (tathâta). Erwachen sei das Erkennen der bewussten Geistestätigkeit als solche. In jeder Situation bestehe eine ethische Chance, jede würde für sich eine ethische Antwort erbringen können, ohne dass man sich an ein Regelwerk halten müsse. Ethisches Handeln wird zum natürlichen Ausdruck des Erwachens (siehe Kap. "Shoaku Makusa" im Shôbôgenzô).


[Die für den 5. März angekündigte Replik auf den "Unbuddhisten" wurde wegen Entgleisungen desselbigen im Forum Buddhaland - und "Ichlastigkeit" der Replik - auf den 2. April verschoben.]