Mittwoch, 31. Juli 2013

Weisheiten des Bogenschuetzenmeisters AWA KENZO (II)


Statt Mitleid bei einer Situation zu empfinden, handle lieber!

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Um welche Kunst es sich auch dreht, das Wesentliche dabei ist, zu begruenden, wer du wirklich bist. Dies bedeutet, sich vom ego-zentrierten Selbst zum absoluten Selbst zu bewegen.

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Schmiede deine Tatkraft durch Uebung und Erfahrung. 
Dein Geist ist nicht dein Sklave. Er benoetigt Nahrung.

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Verschwinde, Eitelkeit - und da bist Du!

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Wenn du das Ziel als deinen Feind betrachtest, wirst du keine Fortschritte machen. 
Das Ziel ist nur ein Bezugspunkt, nicht dein Gegner.

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Menschen haengen sich stets an Dinge. Uebung beginnt, wenn du mit diesem Anhaften aufhoerst.

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Die Probleme der Gesellschaft gruenden nicht auf fehlgeleiteten Ideen.
Sie folgen aus Krankheiten des Gemuets.

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Schiesse mit Geheimnis, Gleichmut, Tiefe und Klarheit.

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Harmonisiere Waerme, Staerke, Vornehmheit, Ausgedehntheit, Weisheit und Stille, wenn du schiesst.

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Unser Weg ist letztlich ein einsames Streben. Es geht darum, dein wahres Selbst zu begruenden, und das kannst nur du tun. Du musst selbst aus deiner Schale ausbrechen. 
Wir trachten danach, gerade heraus zu schiessen, frei von Ablenkungen.

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Wenn du gewinnen willst, uebe dich in Tugend. Wenn du durch Tugend gewinnst, begraebt sich dein Gegner selbst. Das ist wahrer Sieg. Sich auf Technik zu verlassen ist ein grosser Fehler. 

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Wir sind Soldaten des Geistes - selbst unsere Gegner. Wenn du dich Widerstand entgegensiehst, leite ihn dorthin, wo du ihn haben willst und gewinne so die Kontrolle.

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Erwecke den Geist, ohne ihn irgendwo niederzulassen. Dies ist der Schluessel zu allen Kuensten. 
Es sind die Tiefen und Mysterien einer Kunst, die es so interessant machen, sie zu praktizieren.

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Der wirkliche Fortschritt liegt darin, dich von Anhaften, sexueller Abhaengigkeit, dem Wunsch nach Ruhm, von Sorgen, Wettstreit und dergleichen zu befreien. Dies wird dir erlauben, dein wahres Selbst zu erkennen. Danach kannst du dazu beitragen, die Welt zu retten.

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Unsere hoechste Lehre lautet: Feure den Grossen Bogen in allem ab, was du tust!

Mittwoch, 24. Juli 2013

Weisheiten des Bogenschuetzenmeisters AWA KENZO (I)

(Awa Kenzo (1880-1939) war der Lehrer, der durch Eugen Herrigel bekannt wurde.)


Dankbarkeit wird dich mutig machen.

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Wenn du schiesst, dann schiesst du fuer Tausende. Es ist nicht einfach ein Wettbewerb. 
Deine Uebung besteht darin, dich mit dem gesamten Universum zu konfrontieren. 
Deine Gegener sind zahllos.

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Schiesse mit deinem Charakter.

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Mache weiter Fortschritte, bleibe nicht stehen. Denke an einen Kreisel: 
Er bewegt sich um ein stabiles Zentrum, dreht und dreht sich, bis er schliesslich erschoepft umkippt.

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Mache jeden Schuss zu etwas Neuem.

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Jeder Mensch ist anders. Druecke diesen Unterschied aus, wenn du schiesst. 
Schiesse in einem Stadium der Reinheit, in Harmonie mit Himmel und Erde.

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Der Tod mag nahe oder fern sein. Transzendiere ihn durch Nicht-Denken, Nicht-Gedanken. 
Tue, was du tun musst, ohne Bedauern.

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Nehme das Ziel mit deinem Bauch ins Visier.

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Selbstbetrachtung naehrt grossen Mut.
Rationalisierungen sind dein groesster Feind.

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Den Geist zu naehren ist schmerzhafte, harte Arbeit. 
Schiesse jedes Mal so, als wuerde dein Leben davon abhaengen.

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Wo immer du bist, ist die Uebungshalle. 
Du hast die Wahl, als Weiser oder Narr zu leben.

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Offenbare grosse Taten, indem du die Regeln brichst.

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Die Essenz des Buddhismus ist nicht Meditation oder die Befreiung aus Samsara. 
Es ist Kensho, der Einblick in das eigene Wesen.

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Die beiden groessten Tugenden sind Selbstkontrolle und erwidernde Dankbarkeit.

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Lass dich von nichts binden. Transzendiere Richtig und Falsch, Gut und Boese.
Schreite wie ein einsamer Loewe voran. Mache Himmel und Erde zu deinem Zuhause.
Erneuere! Erneuere!

Mittwoch, 17. Juli 2013

Skandal! Buddhisten protestieren gegen liegenden Buddha!

Ziehen in Deutschland nicht etwa nur "mittelalte Maenner mit asiatischen Frauen", sondern vielleicht gar alte Maenner mit ehemaligen Freudenmaedchen auf dem Viktualienmarkt eine Protestaktion gegen eine wie umgestuerzt wirkende Buddhastatue ab, die auf dem Sockelboden den Vermerk "Made in Dresden" traegt? Was an einem liegenden Buddha tatsaechlich aufregen sollte (der sich in Asien durchaus mit nach oben gewandtem Gesicht finden laesst, jedenfalls, wenn man den rechten Blickwinkel hat), ist bei der Muenchner Kunstaktion, dass er sogar die ideale Meditationshaltung des Lotussitzes beibehaelt. Jeder, der seine Freude am buddhistischen Sitzen hat, wird wohl frueher oder spaeter selbst mal derart mit verschraenkten Beinen auf den Ruecken kullern, ob nun gewollt oder unfreiwillig (etwa nach dem Einschlafen bei einem Rohatsu-Sesshin). Im Buddhismus gibt es kein Bilderverbot, und gerade im Zen ist die Erkenntnis, dass alles die Buddha-Natur besitzt, die Grundlage einer Ethik der Toleranz und des Nicht-Ausgrenzens. 

Leider haben einige Interessengruppen, allen voran Vertreter der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), gefaehrliche thailaendische Sekten wie DMC (ueber die ich hier schon schrieb) und so etwas wie die seltsame "Interessengemeinschaft Muenchen" stattdessen die Munition fuer den ueblichen Religionskrieg geliefert. In einem Flyer der Letzteren wird gefragt: "Was waere, wenn ein Kruzifix mit dem Gesicht auf dem Boden liegen wuerde???? Wenn Allah mit Koran im Dreck liegen wuerde?" Ja, bitte, was waere denn dann, probiert es doch einfach mal aus und legt das Kruzifix und einen verdreckten Koran daneben (den Zusatz Allah nehme ich mal als Dummheit aus). Ich haette ja beides zur Hand, bin aber gerade nicht in der Naehe. Wahrscheinlich wuerde jemand die Dinge einfach aufheben. Ob das mit dem liegenden Buddha (vom Gewicht her) funktioniert, weiss ich nicht, faende ich aber auch langweilig. Haut ihm doch lieber eine Axt rein mit der Aufschrift: "Wenn du den Buddha triffst, toete ihn!" Das duerfte dem Kuenstler gefallen. Oder setzt Euch im Lotossitz daneben, mit auf die Stirn gepinseltem "Made in ... (Heimatort)." Oder legt euch hin und schreibt es auf Euren Arsch. Denn: "Was ist Buddha? - Die Spachtel zum Scheisse abwischen." (frei nach Ummon) Herbert Achternbusch hat das in seinem (mit oeffentlichen Mitteln gefoerderten) Film "Das Gespenst" uebrigens einst auf Jesus uebertragen, als er diesen mit "Scheisse" anreden liess (was zu Zensurmassnahmen und weitreichenden Reformen bei der Filmfoerderung fuehrte, nichtsdestotrotz wurde der Film gemacht).

Tan-hsia (Tanka, 739-824) haette die Buddhastatue auf dem Viktualienmarkt verbrannt - wenn ihm kalt geworden waere.

Besonders entlarvend ist folgende Stellungnahme aus Kreisen der DBU: "Es geht nicht um die Installation, die nach Auffassung vieler Buddhisten ein zentrales Symbol buddhistischer Religiosität herabwürdigt, sondern darum, dass diese Installation von einer kommunalen Behörde, also einer staatlichen Stelle, in Auftrag gegeben und bezahlt wurde. Nach Auffassung der DBU ist dies rechtswidrig; die Buddhisten, die sich durch die Installation in ihren religiösen Empfindungen verletzt sehen, werden in ihren verfassungsmäßigen Recht auf religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates und seiner Organe beeinträchtigt." (im Kommentarteil)

"Nach Auffassung der DBU" ist hier wohl "nach Auffassung des Autors Sogen" zu lesen (dessen Rechtsverstaendnis ich anderswo im Blog bereits kommentierte). Eine Klage wird dann aber als sinnlos bezeichnet, weil das Kunstobjekt ja bald enfernt wuerde. Wie aber, liebe aufgeregte Buddhisten, steht es dann mit einer Verfassungsklage gegen das Verbot der freien Verwendung eines anderen "zentralen Symbols buddhistischer Religiositaet", naemlich der Swastika, die der bloede Adolf einst als Hakenkreuz verwendete und die seither hier mit einem Tabu belegt ist? Wo bitteschoen ist da euer juristisches Aufbegehren gegen deren pauschale "Herabwuerdigung"? Die Nicht-Neutralitaet des Staates in religioes-weltanschaulichen Fragen ist hier also sogar per Gesetz festgeschrieben. Wenn ich eine Swastika-Fahne von einem deutschen Balkon wehen liesse, wuerde sie mir jemand runternehmen, selbst wenn ich nichts mit den Nazis am Hut haette. Die obige Argumentation ist also vorgeschoben. In Wahrheit gibt es ueberhaupt keine "Symbole buddhistischer Religiositaet", die irgendeiner Aufregung beduerften, wenn einer mit der buddhistischen Uebung (des Loslassens von falschen Konzepten und Ideen) ernst macht. Deshalb muesste man nicht einmal die Rekonstruktion einer von den Taliban gesprengten Buddhafigur in Afghanistan fo(e)rdern. Stattdessen koennte man in offenen Briefen die permanente Errichtung neuer, teurer Buddhafiguren hinterfragen, fuer die etliche Glaeubige lieber ihr Geld geben als fuer Hungernde und Kranke. Auch das ist "symbolisch", oder einfach: bezeichnend.

Wenn Buddha "keine Kunst" ist, wie auf einem Plakat von Protestlern vor der deutschen Botschaft in Bangkok zu sehen war, warum reissen die asiatischen Buddhisten dann nicht all die vergoldeten Statuen aus ihren Tempeln, machen sie zu Geld und bauen damit z. B. das Gesundheitssystem fuer die aermere Bevoelkerung aus? Was ist denn der Unterschied zwischen einem "Emerald Buddha" in Bangkok, der wohl die Aufschrift "Made in Thailand" tragen koennte, und einer Rosaplastik-Buddhastatue aus dem Lifestyle-Shop fuer einen, der die buddhistische Uebung ernst nimmt und weiss, dass Weisheit von jedem Abbild unabhaengig macht und doch auch alles und jedes zur Inspiration der eigenen Erkenntnis dienen kann? Ist es nicht witzig, wie viele Buddhisten nun zur Schau stellen, dass sie den Kern der Buddhalehre, die wesentliche Substanzlosigkeit hinter beiden Phaenomenen, nicht erkannt haben?

Mittwoch, 10. Juli 2013

Schmidtchen Schleicher

Aufs Detail sehen, Achtsamkeit. Das ist praktizierter Buddhismus. Zum Beispiel wenn der Ex-Kanzler Helmut Schmidt mal wieder selbstherrlich im oeffentlichen Fernsehen rauchen darf. Also Obacht, was sagt er nun? Er konnte kuerzlich noch mal seinen verehrten Freund Lee Kuan Yew, den dekadenlangen Chef Singapurs, besuchen. Lee hat zweifellos seinen Loewenanteil daran, dass aus einem Stadtstaat der so genannten Dritten Welt eine moderne Wohlstandsgesellschaft werden konnte, vor allem dank der Offenheit fuer Einwanderer (und deren Arbeitskraft) und einem strengen Regiment ueber abwegiges Verhalten. 

Doch Schmidt sieht nur, was er sehen will, denn dass es dort den Menschen so gut gehe, stimmt laengst fuer einige nicht mehr. Die Lebenhaltungskosten, insbesondere die Mieten, haben mich selbst bisher davon abgehalten, in Singapur einen Zwischenstopp zu machen. Vor allem aber auch ein Regelwerk, das sogar Urinieren in der Oeffentlichkeit mit knapp 100 Euro in Rechnung stellt, neuerdings plus Aushang eines Fotos des Uebeltaeters. Woher das kommt, ist klar, denn in einer Zitatensammlung Lees schwadroniert dieser, wie geschockt die Buerger Singapurs seien, wenn sie in westliche Laender reisten und dort die pissenden Leute saehen, die ganzen Drogenabhaengigen, von den zahlreichen Vergewaltigungen erfuehren usf. Wie gut, dass am Ende dieses Buches Lee noch kurz zugibt, Menschen schon mal ohne Gerichtsverfahren eingesperrt zu haben (moegen ihn andere nun dafuer richten). 

Mich erinnerte das daran, wie ich einmal meinem Blasendruck im Frankfurter Bahnhofsviertel nachgeben musste und dazu in eine Ecke pisste, die zuvor schon von Junkies benutzt worden war, sinnigerweise in einem Nichtwohngebiet, wo sich nur Pelzhandlungen befanden. Sofort war ein Security-Mann da und meinte, das ginge aber nicht. Da sagte ich: "Dann stellt halt genug oeffentliche Toiletten auf." Der Security-Mann zeigte jedenfalls mehr Verstaendnis als Herr Lee. Was nutzt also die ganze Eloquenz, wenn man auf einem Auge blind bleibt? 

Also nun, sollte es doch noch dazu kommen, dass man einen urinierenden GuiDo eines Tages auf einem Plakat in Singapur sieht, dann seid gewiss, dass ich zum Ausgleich irgendwo Plakate aufhaengen lasse, die Helmut Schmidt qualmend im TV zeigen, mit der Ueberschrift: "Was scheren mich denn Gesetze?" und seinen laechelnden Freund Lee Kuan Yew mit den Worten: "Ich musste schon mal Menschen ohne Gerichtsverhandlung wegsperren, aber es geschah zum Wohle des Volkes." Oder einfach eine Ansicht Singapurs aus der Vogelperspektive mit der Frage: "Welche bedeutsame Kunst ist in den letzten 50 Jahren aus dieser Stadt gekommen?" Denn dafuer beduerte es einer anderen Geisteshaltung.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Warum Reichsein nicht mit Weisheit einhergeht


In Thailand gab es kuerzlich wieder einige Aufregung um Moenche, die zu Geld gekommen sind. Der erste Fall handelt von Berobten, die - sonnenbebrillt und mit iPods hantierend - in einem Privatjet gefilmt wurden. Keine Frage, das geht auch der thailaendischen Bevoelkerung zu weit.

Etwas komplizierter lag die Sache bei den beiden Lottogewinnern aus einem Tempel in Pattaya, die zusammen umgerechnet etwa eine Million Euro einsackten. Vom ersten Gewinner, dem der Loewenanteil zustand, hoerte man zunaechst, er sei ueber 80 Jahre alt und sofort nach Bekanntgabe seines Glueckes "verschwunden". Der zweite Gewinner war gerade erst (fuer die Dauer von zwei Wochen) ordiniert worden, hatte das Los aber vor der Ordination gekauft und scheint so aus dem Schneider zu sein, zumal seine Geschichte die Herzen des Volkes anruehrte: Er wuerde das Geld seiner Mutter geben, ansaessigen Waisenhaeusern spenden und fuer die Suche nach seinem in den USA verorteten Vater verwenden. Weiter hiess es (entgegen dem oben verlinkten Artikel), der aeltere Moench habe sein Los von dem juengeren geschenkt bekommen und sich somit ebenfalls ordensgemaess verhalten.

Solche Faelle sind nicht neu. Erst Ende 2012 gewann ein 60-jaehriger Moench noch mehr und wurde fortan gar von den Losverkaeufern selbst (!) gedraengt, seinen Gewinn mit ihnen zu teilen, was ihn Zuflucht zu einem Anwalt nehmen liess. Sich von Geld zu trennen ist offenbar nicht so leicht.

Ich machte mal einen Tag lang die Probe aufs Exempel und goennte mir jenseits meines bescheidenen Tageslimits ein Shoppingbudget, mit dem ich so einiges kaufen konnte. Ein geiles Gefuehl ist das, zweifellos, wenn man mal aus dem Vollen schoepfen kann. Was mir aber viel mehr Spass machte war, mir vorzustellen, wem ich in dieser Welt mit den erworbenen Dingen eine Freude machen konnte. So wurde das meiste schliesslich verschenkt und in alle Welt verschickt. Gegen Mitternacht sann ich darueber nach. Auch hier im Blog wurde gelegentlich bei meinen kritischen Anmerkungen zur Besitzgier von buddhistischen Raedelsfuehrern die Neidfrage aufgeworfen. 

Meine Lektuere in den vergangenen Tagen bestand aus diversen leicht verdaulichen Buechern von Kreativen aus der Werbebranche wie Paul Arden, Charles Saatchi, Dave Trott und George Lois. Die Titel sind in der Buchhandlung neben solchen von Motivationskuenstlern, Rhetorikern und Boersengurus eingereiht. Im Grunde haben auch die Werber einiges erkannt, was zum Kern buddhistischer Weisheit gehoeren kann, naemlich dass das Leben vor allem aus Niederlagen bestehen kann, von denen man sich nicht unterkriegen lassen sollte, um ein paar grandiose "Siege" zu feiern. Und dass man schon den Arsch hochkriegen muss, wenn man was veraendern will, und kreative Kraft die Dinge und Geschehnisse um einen herum tatsaechlich veraendern kann (okay, das glauben die traditionellen Buddhisten wohl eher nicht und suhlen sich lieber in Textstellen, die ihre Untaetigkeit legitimieren). 

Was jedoch bei den Werberweisheiten ebenfalls durchschien war in beinahe allen Faellen, dass ohne die Chance auf Luxus und Reichtum die Motivation zur kreativen Kunst womoeglich nicht hingereicht haette. Und so ist es auch oft im Buddhismus. Ohne die Hoffnung auf Reichtum wollen viele gar nicht erst Moenche werden, erst recht nicht Laienmoenche. Es muss immer noch ein Weg offen bleiben, am geilen Luxus dieser Welt auch dann teilhaben zu koennen, wenn man sich zeitweise in eher asketischen Uebungen ergeht und der Welt als Lehrer vorgaukelt, man sei unabhaengig, frei und losgeloest. Den Buechern solcher Lehrer fehlt es dann, wie denen der Werber, an entscheidender Tiefe. Dort, wo der Zenmeister raet: "Gehe weiter, immer weiter", sind sie stehen geblieben, selbst wenn sie wie Lois fuer die Freilassung eines Death Rowers auf die Strasse gingen oder wie der Ole aus einem Flugzeug sprangen. Der Ole Nydahl erkennt dann eben nur: "Wenn man die Leerheit des Geistes verstanden hat, so wird man fuchtlos. (...) Ich habe es ausprobiert, und es stimmt." Angst dagegen ist situationsspezifisch. Wer weiss, ob der Lama nicht mit den Thichs in den Himalaya fluechten wuerde, wenn nur genug Leute engergisch etwas von deren Besitz abhaben wollten.

Ich habe mir so eine Art Profiling fuer Buddhisten angewoehnt. An ihrer geistigen DNA kann ich sie sozusagen identifizieren, naemlich am Anteil ihrer Gier. Die Regel, dass einer, der nicht vom Besitz lassen kann, kein "erwachter" Weiser ist, hat so fuer mich im Lauf des Lebens immer wieder Bestaetigung erfahren. Auch die Spendefreudigkeit von Reichen wie Warren Buffet (ueber den ich gerade ein Buch las) und Bill Gates kann darueber nicht hinwegtaeuschen, so vielen Menschen sie helfen mag (in den armen Gebieten, die ich bereise, hat man von deren Hilfsfond freilich noch nie was gehoert). Man schaue sich einfach mal an, was diese Halunken alles brauchen, ehe sie mal auf den Gedanken kommen zu teilen. Ein gutes Beispiel ist auch der verstorbene Steve Jobs, dessen Naehe zum Buddhismus uebertriebene Sympathien unter manchen meiner Glaubensbrueder ausloeste, die sich mit den u. a. von Noam Chomsky benannten Produktionbedingungen fuer Apple ebensowenig vereinbaren lassen wie mit dem staendigen Beduerfnisschaffen nach weiteren noch nicht ausgereiften i-Geraeten, die mit Sicherheit schon in einem Jahr nicht mehr aktuell sind.

Ja, Noergeln ist eine Eltern- und deutsche Tugend. Ich war mal in Thailand, nachdem ein anderer Boersenguru namens George Soros, auch sehr spendenfreudig vor allem in Osteuropa, die hiesige Waehrung durch Spekulationen selbstherrlich in den Keller getrieben hatte. Es geht diesen Grossmaeulern darum, nach Belieben zu entscheiden, wo sie das Geld gerne hinverschieben, stets auf Kosten anderer natuerlich.

Zurueck zum Buddhismus. Neues zum Drogenhandel von Moenchen findet sich hier.