Mittwoch, 15. Oktober 2014

Weitere Torheiten von Thich Nhat Hanh

Ein Foto, das Thich Nhat Hanh (TNH) 1974 in informeller Kleidung zeigt: Ein angeblich nach dem Vinaya ordinierter Mönch, der sich nicht die Haare schnitt ...
   Nun fand ich noch das unten stehende Video von einer Frage-Antwort-Sitzung einer anderen TNH-Veranstaltung aus dem Jahre 2012. Diese hat es wirklich in sich. Man beachte zunächst das nach dem anfänglichen Singsang neben TNH auf einem Podest platzierte junge Mädchen, das er "beautiful flower" nennt und das später gegen eine andere ausgetauscht wird. Während der Sitzung verfällt TNH mehrmals in den Befehlston gegenüber Kindern, so wenn er ein Mädchen, dem er seine Pastillchen gegen Heiserkeit aus der eigenen Hand reichen ließ, auffordert, diese vollständig und sofort in den Mund zu tun. Solche Dinge berühren mich seltsam: Wie TNH plötzlich aus seinem gefühlvollen Duktus herausfällt. 
   Bitte schaut Euch das Video ab etwa Min. 32:30 an, wo ein Junge auf der Bühne die kurze und bündige Frage stellt:  "Warum ist es falsch zu töten, wenn es gar keinen Tod gibt?" An der Antwort TNHs lässt sich verdeutlichen, warum er allein von der Einsicht her kein Zen-Meister sein kann. 
   Die erste Antwort von TNH lautet: "Wenn du töten willst, hast du die falsche Perspektive." Sofort danach verfällt er auf ein völlig untaugliches Bild ("Stell dir vor, du wolltest eine Wolke töten?" - heh, wer will das?), um die Sinnlosigkeit des Unterfangens zu unterstreichen - die Wolke würde zu Schnee oder Regen. Dann behauptet er, die "Energie zum Töten" enstpränge der Unwissenheit, und führt die üblichen anderen Schlagworte an: Ärger als Motivation und die Tatsache, dass bereits die Absicht zu töten falsch sei. Schließlich führe das Töten zu viel Leiden. Und das bezieht TNH konkret in einer Ursache-Wirkungs-Kette auf den Tötenden, indem er die Mörder von Prominenten anführt, die von Martin Luther King, Mahatma Gandhi, John F. Kennedy und Jesus. Mit den großen Namen hat er es ja gerne, aber er muss sich nicht sorgen, ich glaube nicht, dass irgendjemand TNH umbringen will, und seine Bedeutung in der Geschichte ist verschwindend gering im Vergleich zu den anderen vier Genannten.
   Es lohnt eine genaue Betrachtung von deren Mörder Schicksal, denn was TNH macht, ähnelt dem, was der Ole Nydahl tut, und man findet eine solche Ausdrucksweise und Denke dann auch immer wieder bei deren Schülern, sie entlarven sich regelmäßig auf diese Weise in anonymen Foren: Es wird auf simple Weise propapiert, dass jeder, der etwas im buddhistischen Sinn Übles tut, dafür schwer leiden und seine Strafe bekommen wird. Das kann man leicht tun, da viele Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später sowieso erkranken oder in irgendwelche persönlichen oder beruflichen Schwierigkeiten geraten; eine solche Prognose hat also den Wert eines Horoskops.
   Der Mörder von King hieß James Earl Ray. Er wurde 70 Jahre alt und starb im Gefängnis an Hepatitis C. Schon wenige Tage nach seinem Geständnis, dass er auf Anraten seines damaligen Anwaltes ablegte, um der Todesstrafe zu entgehen, widerrief er. Bis heute gibt es Menschen, die daran glauben, dass ein anderer den Mord selbst begangen hat. Hinsichtlich der Mörder von Kennedy ist dies ähnlich.
   Der mutmaßliche Mörder von John F. Kennedy, Lee Harvey Oswald, wurde tatsächlich zwei Tage nach der Tat selbst erschossen, vom ehemaligen Nachtklubbesitzer Jack Ruby, der nur ein paar Jahre später im Gefängnis den Folgen seines Lungenkrebses erlag. Auch um diese Morde ranken sich Ungereimtheiten und Verschwörungstheorien.
   Der Mörder Mahatma Gandhis ist nun ein besonders pikanter Fall in Hinsicht auf TNHs simple Vergeltungsthesen. Er hieß Nathuram Godse und handelte wohl aus nationalistischen Motiven (Gandhi war in einen Hungerstreik getreten, weil seine Regierung eine Riesensumme nicht an Pakistan auszahlen wollte). Nathuram Godse wurde zum Tode verurteilt und knapp zwei Jahre nach seiner Tat gehängt. 
   Es ist schwer möglich, das Schicksal all dieser Mörder in einem Atemzug gleichzuschalten. Ray wurde im Gefängnis alt, ein möglicherweise geisteskranker Mörder (Oswald) von einem anderen Geisteskranken (Ruby) vielleicht aufgrund eines Geheimdienstkomplottes getötet, wobei Letzterer wohl sowieso an Lungenkrebs gestorben wäre. Gandhis Mörder jedoch wurde offiziell hingerichtet, und da sich TNHs These ja gegen jedes Töten richtet, hätte er in diesem Fall eigentlich weiterdenken und -fragen müssen: Was passierte denn mit Godses Henkern? Führten sie womöglich ein angenehmes Leben in Saus und Braus? Und was ist aus Pakistan geworden? Hat Godse vielleicht mehr Weitsicht besessen als Gandhi? Handelte er tatsächlich aus Unwissenheit (ignorance)?

Hunderte von Jahren an Tradition stecken in der ostasiatischen Kampfkunstlehre, die ein System entwarf, ein notwendiges Töten (aus Notwehr oder Nothilfe, wie wir es gerade bei der Bekämpfung der ISIS-Rebellen benötigen) so zu erlernen, dass es gerade nicht aus Ärger oder Hass geschieht. Dies ist auch eine der Voraussetzungen, um spätere Kriegstraumata zu vermeiden. TNH kommt natürlich nicht aus der japanischen Zen-Tradition, wie wir schon daran erkennen, dass er auch noch anmerkt, heutzutage würden viele sogar versuchen, den Buddha zu töten (was wir ja nach Meinung Linjis sogar tun sollten). Doch kann man auf der Basis der Gleichsetzung eines Menschenlebens mit einer Wolke keinen brauchbaren Humanismus bauen. Stattdessen postuliert TNH wie üblich Dualismen: Das eine (töten) sei nun mal nicht ohne das andere (Leiden) zu haben. Obgleich wir doch wissen, dass Nicht-Töten (von Aggressoren) in der Folge ebenso Leiden auslösen kann.
   Was TNH nie erkannt hat ist, dass es - wie ich übernächste Woche beispielhaft aus Joshu Sasakis Nachlass zitieren werde - beim Töten um das Bewusstsein geht, dass ich damit auch mich (mein Selbst) töte. Dies fängt damit an, dass wir Pflanzen zum Essen töten (ein peinliches Problem, dass selbst von buddhistischen Veganern oder Vegetariern gern ausgespart wird) und hin und wieder Ungeziefer beseitigen. Wir sollten zunächst verstehen, was wir da tun und wie wir das "richtig" tun können, damit wir erkennen, dass es auch eine Notwendigkeit geben kann, das Töten auf Menschen auszuweiten. Die Folgen des Leidens, die TNH anspricht, sind Wohlstandsleiden, solche des Geistes, und in nebulösen (und sachlich teils falschen) Andeutungen macht er seinen Zuhörern natürlich noch Angst vor möglichen körperlichen Leiden. Dass genau diese etwa nun die Opfer in Syrien und im Irak erleiden, gerade weil es ihnen nicht gelang, die Aggressoren zu töten, das fällt ihm nicht ein. 
   Es gibt Leiden für TNH nur deshalb ausschließlich und zwangsläufig, weil ER SELBST nicht in der Lage ist, sein Selbst zu töten, wenn er z.B. ein Tier tötet. Darum lässt er es lieber. Dies sagt nichts über die Dimension unserer Zen-Übung aus, sondern nur, dass TNH an einem bestimmten Punkt stehengeblieben und am Zen gescheitert ist. Ich gehe davon aus, dass seine Antwort nicht mal den vorpubertären Jungen überzeugen konnte, der ihm die Frage stellte.

Der Moment, wo Martin Luther King tatsächlich lebte, kommt nach Min. 29, wo das Mädchen ihren Stuhl räumen und das schwarze Kleinkind Platz nehmen möchte. Doch TNH fordert sie scharf auf, sich wieder zu setzen.



[P.S.: Michael Trigilio geht in seinem Film "Bodhisattva Superstar" (2010) offenbar auch auf unangenehme Erfahrungen ein, die er als ein im Orden TNHs Ordinierter machte. Die DVD könnt Ihr hier bestellen. Ein etwas dröger längerer Auszug findet sich hier.]

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Mord an einem tibetischen Mönch:
Reinkarnation entdeckt

"Haha, der wahre Buddha ist irgendwo da draußen
die Welt der Zukunft
so beginnt sie.
Irgendwo, da ist sein Haus, sein Haus, das ist das Draußen.


Ho ho, einen langen, langen Tag fleht der Kuckuck Buddha an."

(Ko Un: Zen-Gedichte, was'n das?)

Als ich kürzlich mal nachschaute, was aus dem Prozess gegen die Mörder von Akong Rinpoche geworden ist, las ich, dass die Verhandlung gegen sie läuft. Unmittelbar nach dem Mord gab es diverse Thesen, etwa die Chinesen könnten ihn in Auftrag gegeben haben (Akong war tief in das tibetische Reinkarnationsgefüge involviert und hatte beim Auffinden des 17. Karmapa geholfen - wir erinnern uns, der 16. litt offenbar unter einer "Schizosubtilie", einer Spaltung seiner subtilsten Energien, weswegen er sich gleich zwei Mal reinkarnieren musste). Andererseits waren Akong oft seine tollen Kontakte nach China vorgeworfen worden, wo man ihm sogar den Titel "Living Buddha" verliehen hatte. Von Seiten des mutmaßlichen Mörders hieß es sogleich, Akong habe ihm Geld für seine Arbeit an Skulpturen geschuldet. Die Summe, knapp 280.000 Pfund für 5 Jahre Dienste, wirkt enorm. Die Gegenseite behauptet, der Künstler habe sich bereit erklärt, nur gegen Kost und Logis zu arbeiten. Nun kommt eine interessante Aussage des persönlichen Assistenten von Akong: "Ich bin ein Mönch, wir bekommen kein Gehalt." Schon in der Biografie von Akong können wir lesen, dass er sich einst, gesponsert nach England ausgewandert, als Krankenpfleger verdingen musste. Später lehrte er den Buddhismus, sammelte Geld und gründete mit Chögyam Trungpa in Schottland ein beachtliches Kloster mit allem Drum und Dran. Außerdem soll er mit "Rokpa" für die größte Hilfsorganisation, die sich um Tibet kümmert, verantwortlich gewesen sein. Offenbar mit einem Haufen Geld unterwegs, das angeblich zur Verteilung auf solche Hilfsprojekte gedacht war, stellte ihn dann sein Mörder in China. 
   Was befremdet an dieser Geschichte? Es gibt auffallende Parallelen zu einem hiesigen Lehrer. Nach der Klostergründung kommt die Hilfsorganisation. Mit einer solchen finanzieren sich Mönche, die gern behaupten, kein Gehalt zu bekommen, gern ihre Reisen, das lässt sich in der Regel ganz einfach und legal über die Satzung regeln. Warum nun Geld nicht auch an Künstler, die für diese Mönche arbeiten, verteilt werden soll, ist mir schleierhaft. Aber der Sinn der Gründung eigener Hilfsorganisationen ist ja meist auch, dass der Gründer selbst den Daumen drauf hat und die Gelderverteilung nach seinem Gutdünken betreibt. 
   Akong, eigentlich in tibetischer Medizin ausgebildet, entwickelte dann "Tara Rokpa" aus "Philosophie, Psychologie und Meditationserfahrung des Buddhismus" (Wiki), wozu man sich als "Therapeut" ausbilden lassen und bei den Erfindern für Umsatz sorgen kann, 4 Jahre lang. Erinnert euch das an was? In den Kursen wird dann z. B. gegenseitig massiert oder freies Malen geübt - nicht gerade besonders originell. Die vielen Standbeine zur Geldeintreibung sind jedenfalls bemerkenswert, während auch der Akong weiterhin als Mönch abgebildet und verehrt wurde. Für einen wie diesen Assistenten, der meint, Mönche würden kein Gehalt beziehen, könnte sein Boss bei seinem Tod eine ganze Menge davon in den Händen gehalten haben.
    Da ein Jahr seit dem Mord an Akong vergangen ist, machte ich mich auf die Suche nach seiner Reinkarnation. Ich fand sie schließlich an diesem Ort: 18_10_0.68_N_99_13_59.71_E_. 

Es war einmal ... Ein geistig und körperlich behindertes Kind, das ständig seine Arme nach mir ausgestreckt hatte, pickte bei seiner Prüfung aus meinem Fotoalbum mit 108 unterschiedlichen Aufnahmen die des Rinpoche heraus.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Neueste Torheiten von Thich Nhat Hanh

Der Economist kritisierte vor einem Jahr als "lächerlich", dass sich 300 Mitarbeiter der Weltbank, allen voran ihr Präsident und TNH-Fan Jim Kim, zu einem Tag achtsamer Meditation mit dem Thich zusammentaten. Der Thich erzählte ihnen was von der "Kraft der Ziellosigkeit" und von "gefräßigem" Wirtschaftswachstum. Einen Zusammenhang mit der zielgerichteten, weltweiten Aktivität von Parallax Press, die die zahlreichen unter seinem Namen erschienenen Bücher vermarkten, dabei ganze Regale in Buchhandlungen "fressen" und gleichzeitig Spendengelder für TNHs "Unified Buddhist Church, Inc." sammeln, stellte er offensichtlich nicht her. Das alles geschieht angeblich ja auch "non-profit", in einem kruden Mix aus bezahlten Arbeitsplätzen, Umsätzen und dem Bedürfnis nach "Freiwilligen", auf die man angewiesen wäre.
   Warum ich mich damit überhaupt beschäftige? Es ist immer wieder witzig, den Flachheiten bekannter buddhistischer Lehrer zu lauschen. Plumvillageonline stellte Videos von einem Retreat vom August 2014 auf Youtube ins Netz, mit dem Hinweis, dies sei nicht ohne Spenden möglich, und einem Link zu einer Spendenseite (dort wird neben den Währungen Euro, Dollar und Pfund interessanterweise auch der Singapur-Dollar angeboten - Singapur ist beliebte Zwischenstation für Geld, das in südostasiatische Länder geschleust wird). Keine Bange, es wird noch peinlicher. Da ich dieses Gerede, das dann auch noch zweisprachig das Tempo verschleppt, nur bedingt aushalte, nehme ich mal die Metapher vom Samenkorn aus diesem Video. Um seinen Zuhörern zu erläutern, dass das Leben nicht endlich sei, hält TNH ein Topfpflänzchen hoch und fragt, ob denn das Samenkorn, aus dem dieses erwuchs, etwa nicht mehr da sei.    
   Nun denken wir mal einen Augenblick nach. Hat das Samenkorn wirklich so viel mit uns zu tun? Denkt das Samenkorn vielleicht: "Oh Scheisse, wenn mich jetzt jemand in Salzsäure auflösen würde und ich mit der Salzsäure eins würde und auf diese Weise weiterexistieren müsste?" Wie auch immer, die Pflanze wird irgendwann verrecken, und so ist es auch mit uns. Die Produkte unserer Samenverteilung werden ebenfalls verrecken. Es würde uns auch nicht helfen, wenn man uns stattdessen in einem Topf einpflanzt. Das, was verreckt, sind natürlich nicht wir. Hier hätten wir dann eine buddhistische Lehre. Das, was da leidhaft verreckt, wäre die Illusion von uns. Aber dann wäre da - sobald wir das durchschauen - ja auch keine Notwendigkeit mehr, irgendeine andere Illusion nicht verrecken zu lassen (die Pflanze, ein anderer Zustand). Mit seinen Trostmetaphern wendet sich Thich Nhat Hanh also an den - buddhistisch gesprochen - verwirrten Geist, der nicht loslassen will, statt ihn in seiner Täuschung zu packen (die bei TNH darin besteht, die Zustände Samenkorn, Pflanze und Mensch zu verwechseln).

Ich habe mir lieber die Frage-Antworten-Sektion angeschaut. Da zeigt sich gleich bei der ersten Frage eines schüchternen Mädchens, wie unausgegoren noch immer Thichs Ansichten sind. Auf die Frage, warum Mönche und Nonnen keine Familie haben dürften, antwortet er zunächst, die Sangha sei eine solche, Brüder und Schwestern usf. Dann begründet er den Zölibat jedoch damit, man müsse sich in einer Ehe um die Familie kümmern und arbeiten. Um in der Analogie zu bleiben - was anderes bitteschön hat denn der Mönch mit seiner Dharma-Familie zu tun? "Und dann haben sie nicht mehr genug Zeit zu praktizieren." Hier ist er wieder, TNHs Dualismus, als gäbe es einen Widerspruch zwischen Alltags- und Familienleben und davon zu trennender Übung. 

Auf die zweite Frage, ob er unglücklich sei, nicht in Vietnam zu sein, antwortet TNH: Körperlich sei er nicht da, spirituell jedoch sehr. Dies ist womöglich eine Freudsche Metapher für seine ideologische Herkunft aus dem dortigen historischen Kommunismus, und es sagt auch etwas über die Art aus, wie er neben den oft zitierten Wohlfühlworten "Friede", "Glück" und "Freude" seinen eigenen Mystizismus pflegt. In Vietnam könnten die Menschen immer noch seine Bücher lesen, sagt TNH, aber wir wissen ja, dass da nichts drin steht, was den Kommunismus überwindet. 

Dem dritten Fragesteller will TNH weiß machen, dass Nonnen nach der Tonsur schöner aussehen. Nun verstehen wir wenigstens, warum er darauf besteht. TNH sieht das Abrasieren der Gesichts- und Kopfhaare als Botschaft an die anderen, man könne nicht mehr Ehemann oder Ehefrau werden. Mit keinem Wort erwähnt er, dass dies gar nicht für alle buddhistischen Traditionen gilt. Dagegen sollte man sich an seinen Rat halten: "Wir sind Mönche und Nonnen. Lauft uns nicht nach!"

(Vor den Fragen ertönt stets ein Gong. Haha! Das ist Showtalent!)

4. Fragesteller: Warum sollten wir Veganer und nicht Vegetarier sein. Antwort: "ICH will keine Eier, keinen Käse essen und keine Milch trinken, weil das Aufziehen der Tiere viel Leid hervorbringt." Stimmt nicht, habe kürzlich der Schafsmilchproduktion beigewohnt. Stimmt nicht, man kann sich auch direkt unter einen Euter legen. Stimmt nicht, man kann Vögeln auch Eier aus dem Nest klauen. Es ist halt alles eine Frage, wie man es anstellt. Man kann das alles genießen, ohne Teil der kommerziellen Verwertungskette zu sein, falls einen das stört. Es gibt daher keinen Grund, ein Dogma daraus zu machen. Dann springt TNH noch vom Fleisch zum Alkohol, ohne dass sich darin eine Logik erschließt. Es ginge jedenfalls darum, dass mangelndes Mitgefühl auch mangelndes Glücklichsein zur Folge habe. Interessant, das Mitgefühl wird hier also für die Glücksindustrie instrumentalisiert, im Sinne einer Ursache-Wirkungskette. Auch das ist kein Zen, weil das Individuum in diesem Fall nicht grund-los nach seiner tiefen Moral strebt, sondern im Sinne eines konventionellen Belohnungssystems.

(Ich unterbreche einen Augenblick. Muss meinem Atem folgen, ganz im Sinne TNHs. Ah, da ist sie ja, die Magensäure! Und nun wieder zurück, an der Rotze vorbei, raus!)

Es kommen noch die üblichen Klischees ("... dann wirst du alle Angst verlieren", "die vier edlen Wahrheiten, der achtfache Pfad", "ich lese keine Nachrichten mehr" usf.), schließlich wurde mir meine Zeit dafür zu schade. Bei einigen Fragen dachte ich mir noch selbst aus, was TNH wohl antworten würde, und dann kam es auch manchmal so. In geringfügiger Abwandlung seiner Ratschläge möchte ich Euch mit auf den Weg geben: "Es kann sehr hilfreich sein, die Tür zu schließen und nicht länger Thich Nhat Hanh zuzuhören. Auch ein Dharma-Vortrag kann Gift sein."

[P.S.: Die Preise dieses Retreats konnte ich gerade nicht finden, aber noch 2010 kostete eine knappe Woche in Waldbröl im Einzelzimmer incl. Vollpension ca. 500 Euro. Hochgerechnet auf einen Monat wären das 2.500 Euro, also mehr, als ein Bundesbürger im Schnitt von seinem Monatsgehalt übrig behält.  Hier ein kritischer Erfahrungsbericht aus Plum Village.]

 (Foto: Keller, Klo in Ayutthaya)

Mittwoch, 24. September 2014

Todesschwadronieren mit Ole Nydahl

Die Zugriffe auf meine wenigen Beiträge zu Ole Nydahl haben zugenommen. In den letzten Jahren hatte man auf meine Kritik offenkundig u. a. mit einer Satzungsänderung und dem Löschen eines Videos reagiert, siehe hier und hier. Da nehme ich ihn doch einfach noch mal ganz aktuell auseinander. (Beeilt Euch, bevor die Belege wieder gelöscht, verändert oder manipuliert werden!) Zuerst dachte ich, der Ole Nydahl hätte hier im 2. Video gesagt, er danke seinen Eltern dafür, dass sie ihm ein paar gute Jeans gegeben hätten. Aber nein, er sagte: "Genes" (Gene). Er meint, da er schnelle Motorräder fahre und Fallschirm springe würde er kein bewusstes Interesse an einem langen Leben haben. Er würde "so viele gute Eindrücke in diesem Leben zu sammeln suchen", dass er im nächsten "die Kraft habe, mehr Wesen zu nutzen".

Hier ist natürlich ein Widerspruch. Da der Ole gerade noch eingestanden hat, sein Leben mit eher risikoreichen Betätigungen zu gefährden, kann es ihm folglich nicht zuallererst darum gehen, möglichst viele gute Ursachen zu akkumulieren, denn das bedingt ja den Faktor Zeit. Jedenfalls glaubt er tatsächlich nach Dumpfbackenart, dieses "Gute" (das nach regelmäßiger Meinung seiner Jünger wie auch ständig wiederholten Aussagen von ihm selbst offenbar vor allem darin besteht, weltweit zu missionieren) sei die Voraussetzung für eine konkrete neue Existenz, in der "er" ("I") sich selbst dann noch im Missionseifer toppen könnte. Dies ist also offenbar die Verständnisebene des Ole Nydahl: Da ich ansammle, werde ich folglich wiedergeboren (also dem Kreislauf nicht entrinnen und weiter in Samsara gefangen sein). Herzlichen Glückwunsch! Genau dazu rät er übrigens auch im 1. Video, nämlich Eindrücke bewusst im Geist zu verankern, damit sie sich im nächsten Leben verwirklichen. Im Palikanon hingegen wird uns schon gelehrt, dass wir uns von solchen geistigen Verklebungen besser befreien sollten.

Der Ole ist in Wirklichkeit ein Komiker. Ab etwa Min. 0:45 des 1. Videos erzählt er, wie vielen Leuten er ein Loch in den Kopf machte (rein gedanklich natürlich), fragt dann in die Runde, wie viele der Zuhörer ein solches Loch im Schädel hätten, und wow, da gehen aber die Finger hoch! Ich habe übrigens gleich mehrere, durch die ich z.B. atme und fresse. Doch durchs Oles Loch kommt nix rein, es geht was raus, nämlich der Geist. Auch zu dieser Erkenntnis: Herzlichen Glückwunsch!

Eine kleine Randbemerkung noch zum vom Lama zitieren Kardiologen Pim van Lommel, der zwar zum Nahtod schrieb, aber über Leute, die einen Herzstillstand hatten und nicht solche, die hirntot waren: Als ich meine eigene Nahtod-Erfahrung machte (oder das, was ich dafür halte), sah ich mich auch von oben, und seitdem weiß ich, wie blöd das aus dieser Perspektive aussieht, wenn sich das Übergewicht in einem Bäuchlein wie bei einer Schwangeren sammelt. Und ich hatte womöglich nicht mal einen Herzstillstand, aber eine Überdosis Drogen in mein Lassi-Yoghurt gemischt bekommen (um mich auszuschalten). Mit uns allen ist es das Gleiche - wir waren nicht tot und können darum nichts über den Tod aussagen.

In diesem Video hält der Ole die tibetische Lehre vom Sterben für die tollste und begrüßt Meditationen, mit denen man sich darauf vorbereiten kann. Allerdings glaubt er das selbst nicht, wie man daran erkennt, dass er bei seiner Rede permanent den Kopf schüttelt. Beim Ole ist es also wohl derart, dass er die Leute zumindest nicht immer veralbert, sondern sich selbst an der Nase herumführt. Er merkt nicht, dass er gar nicht glaubt, was er sagt! Hierzu mein metta!

Ebenfalls aus dem vergangenen Jahr stammt dieser Ausschnitt über eine Phowa-Veranstaltung. Hier meint der Ole, wir wüssten nicht, wann wir stürben, also: "Prepare!" (Bereitet euch vor!). Mein Standardeinwurf ist hier: Wieso sollte man sich auf etwas vorbereiten, von dem man nicht mal weiß, wann es eintritt, geschweige denn, dass es sich wiederholt, mit anderen Worten, von dem man nicht wissen kann, wie es ist und folglich auch nicht, wie man sich vorzubereiten hat? Man nehme einfach mal an, man müsste ein einziges Mal im Leben den Pilotenschein machen, wüsste aber nicht, wann der Prüfungstermin ist, nur dass man auf jeden Fall danach tödlich abstürzt. Palim-Palim! Aber halt, nach Ole geht die Vorbereitungsübung so (ab Min. 0:35): Ein weißes Licht geht von der Fontanelle runter in den Körper, und ratet mal, wo das herkommt? Richtig, vom Sperma unserer Väter! (Und ich hielt das bis heute noch für Schuppen!) Aber es wird noch besser. Wenn einer tot ist, aber nicht genug meditiert hat, dann übermanne ihn das "immens klare Licht" und er werde für 3 Tage und Nächte (!) bewusstlos (!!). Danach kämen die "unterbewussten Unterdrückungen" (subconscious suppressions) hoch (!!!). Nach 10 Tagen merke aber auch er, dass er wirklich tot ist und trete hernach ins "Bardo" ein.

Herrjeh, hört dass denn nie auf - Tag und Nacht, Bewusstlosigkeit, Unterbewusstsein, Zeit? Wenn man nach der Ole-Methode stirbt, sollte man wirklich eine Uhr dabei haben! Übrigens sehen wir hier, dass er sich das alles angelesen hat und ein bisschen durcheinanderbringt, denn dieses spezielle (Tschönyi-)Bardo  dauert der Überlieferung nach symbolische 14 Tage an. Auch die Zustände davor sind eine andere Art von Bardo (Gegebenheiten des Geistes), sowohl nach dem Tibetischen Totenbuch wie auch nach Naropa.

So kann das nicht weitergehen! Ich rufe hiermit zu einer neuen Ice Bucket Challenge auf, und zwar soll jeder, der mitmacht, einen Beitrag zur Wurzellama-Behandlung spenden. Hier sind die drei, die ich nominiere: Dalai Lama, Dschihadi Hadschi und SoLa Aoi (Samenspende okay).


(Foto: Keller, aufgenommen mit Kindle Fire)

Mittwoch, 17. September 2014

Sterben mit Kikifax Roshi

Kürzlich erwiderte ich eine Kritik in einem Kommentar, es gäbe eben kaum Zenlehrer im Westen, die nicht von anderen Traditionen beeinflusst oder verwirrt worden seien. Sogleich stieß ich auf ein Beispiel: Joan Halifax. In ihrem Wiki-Eintrag werden als "Vorgänger" Bernhard Glassman und Thich Nhat Hanh genannt, als Lehrer Seung Sahn. Auf dem Foto ist sie da mit dem Dalai Lama zu sehen. Schon haben wir alle Pappnasen beisammen (in Bangkoks größter Buchhandlung Kinokinuya füllen TNHs Bücher drei Regale, die des DL ein halbes, manchmal stehen sie auch nebeneinander). 
   Wir bekommen eine Idee davon, was einige Zenlehrer daran fasziniert, Hospize zu betreiben und zu betreuen (in Japan beschweren sich Zenlehrer eher mal, dass man sie nur für die Toten braucht). In Buddhist Care for the Dying and Bereaved (Wisdom 2012) schreibt Halifax: "Wir nutzen [bei der Betreuung von Sterbenden] tonglen, die neun Kontemplationen des Atisha" und noch was von Lama Yeshe. Auch dessen Wiki-Eintrag ist aufschlussreich, wird dort doch nicht nur von einer "celibate marriage" im Sinne einer Scheinehe gesprochen, die er eingegangen sein soll, um mit australischem Pass nach Tibet reisen zu können (haha, wie unauffällig!), nein, er habe auch nach seinem Studium den Geshe-Titel abgelehnt. Da fällt mir ein, was bitteschön in meinem Wiki-Eintrag einmal stehen sollte, dass ich nämlich stets meine farbigen Gürtel nach den Kampfkunst-Prüfungen ablehnte und mir vor zwei Monaten dann doch ehrenhalber ein falscher schwarzer (Leder-)Gürtel in einem Touristenneppladen verliehen wurde (den ich freilich wegen seiner zahlreichen Löcher schätze, da ich unter Gewichtsschwankungen leide). 
   Was aber nun den Yeshe von mir unterscheidet ist, dass er sich bereits - vom Dalai Lama bestätigt - bei Bekannten reinkarnierte (ich denke noch drüber nach, wen ich damit mal belasten werde), nämlich als Tenzin (D)Ösel der Eheleute Hita-Torres, beide natürlich ehemalige Schüler des Yeshe, was schließlich jedoch zu deren Scheidung beitrug (so ist das mit den guten Absichten). Als Senor Hita, nach abgebrochener Geshe-Ausbildung (wohl ein Hinweis auf seine Vorexistenz), nach Spanien zurückgekehrt, gab er kritische Kommentare dazu ab, als Kind aus seinem Elternhaus auf den Thron einer fremden Kultur verpflanzt worden zu sein. BBC Radio porträtierte ihn. Unten ist ein missratener Film zu sehen, den er selbst drehte.
   Doch zurück zu Joan Halifax. Man verstehe mich nicht gleich wieder falsch, ich sehe in ihrem TED-Auftritt das emotionale Ringen um eine "Wahrheit". Doch kann die im Zen nicht so aussehen: "Mitempfinden (compassion) hat Feinde, zum Beispiel Mitleid, moralische Entrüstung und Furcht." Dies nennt man "in Dualismen denken". Und man kommt, außer bei TNH, nicht davon, wenn man so daherschwurbelt: "Wir sollten unsere Gesundheitsdienstleister in Mitempfinden ausbilden, damit sie das tun, wozu sie da sind, nämlich das Leiden transformieren (sic!)." Wir sollten unsere Zenlehrer eher zum Erwachen bringen, damit sie das tun, wozu sie da sind, nämlich eine klare Sprache pflegen und die Dinge so erkennen, wie sie sind. Wenn nämlich, wie Halifax meint, in uns allen das Mitempfinden weile, dann wissen wir doch angesichts solcher Burschen, wie sie gerade einem Journalisten namens James Foley den Kopf abschnitten, dass es sich dabei um eine äußerst selektive Eigenschaft handeln kann. Und die ist nun mal nicht der Weisheit letzter Schluss. Witziger hat Robert Thurman, Ex-Mönch, Sanskrit-Gelehrter, Vater von Uma und DL-Schüler, auf der gleichen Plattform übers Mitempfinden geplaudert, kam jedoch zu ähnlich irrsinnigen Trugschlüssen, etwa dem, der Dalai Lama würde jeden Schlag auf den Kopf einer Nonne in einem chinesischen Gefängnis spüren, und Mitempfinden bedeute, zu fühlen, was andere fühlen. (Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, könnte das mit den Schlägen so einiges erklären ...)
   Halifax hat übrigens einen Doktortitel. Die Frage ist, ob sie nicht weniger durch das anthropologische Studium des Sterbens in verschiedenen Kulturen als durch die LSD-Experimente ihres Ex-Ehemannes Stanislav Grof beeinflusst wurde, aus denen sie schon in den 70er-Jahren auf Wiedergeburtserlebnisse schloss. Was kommt jedenfalls heraus, wenn man sich von all denen eine Scheibe abschneidet, von denen dieser Blog als Lehrer abrät? Eben.

Womit ich noch eine Anekdote aus einem gelöschten Kommentar nachschieben möchte, weil sie zu schade ist, in dessen Versenkung zu verschwinden. Als ich gerade der dreijährigen Tochter eines Freudenmädchens das Fahrradfahren beizubringen suchte und sie das Rädchen über eine kleine Regenfurche heben musste, ermutigte ich sie, statt auf meine Hilfe zu bauen, dies selbst zu tun. Als sie es geschafft hatte, zeigte ich ihr zufrieden meinen erhobenen Daumen. Es war einen Tag vor ihrer und der schwangeren Mutter Abreise zu einer christlichen Hilfsorganisation, die sie die nächste Zeit betreuen sollte. Da zeigte mir das kleine Kind plötzlich kommentarlos eine Mudra (Daumen berührt Mittelfinger). Wie ich so darüber nachdachte, kam ich zum Schluss, dass es sich bei ihr um die Reinkarnation von Kodo Sawaki handeln muss, denn wie er (als Kind) hat sie ein ansonsten recht ungehöriges Benehmen. Am folgenden Tag legte ich ihr also testweise ein Sawaki-Buch (auf Deutsch), einen Manga (thailändisch), einen Nasenpopel, eine Rolle Menthos, einen Chupa Chups-Lutscher und eine Schachtel Zigaretten vor die Nase. Und siehe da, sie schnappte sich das Sawaki-Buch!

Mittwoch, 10. September 2014

Achtsames Essen mit Jan Chozen Bays

"Ts'ao-shan ist frei, alles zu essen." 

(Ts'ao-shan Pen-chi, 840-901)

Kürzlich schrieb ich noch in einem Kommentar, mir würde langsam der Stoff für diesen Blog ausgehen, was gezielte Polemiken angeht, bzw. ich würde mich wiederholen. Auf der anderen Seite geschieht es immer wieder, dass ich, um Thesen zu überprüfen (z.B. bestimmte Lehrer brächten keine sie übertreffenden Schüler hervor [Peter Matthiessen hatte Bernie Glassman nicht nötig, sondern umgekehrt]), mich wal wieder an einigen "Roshis" entlang durchs Netz klicke.
   Was macht z. B. Jan Chozen Bays, die Kinderärztin, authorisiert vom verstorbenen Alkoholiker Maezumi Roshi, der mehrfach verheiratet war und mit dem sie eine Affäre gehabt haben soll? Sie lehrt achtsames Essen, und sie gilt auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs als Expertin. Da steigt mir natürlich gleich ein diebisches Grinsen ins Gesicht, wird doch im Palikanon sexueller Missbrauch in erster Linie als Ehebruch verstanden.
   Achtsames Essen? Gerade habe ich von meinem Kardiologen die thailändische Aufschrift meines Glucerna-Pulvers, das ich fälschlicherweise für ein Diätprodukt im Sinne unseres Almaseds in Deutschland hielt, entziffert bekommen: "Das ist für Menschen, die nicht mehr normal essen können", sagte er, "zu viel Zucker und Kalorien. Kein Wunder, dass Sie wieder zugenommen haben ..." Ich Depp! Immerhin, ich habe gerade die magische 108 (kg) erreicht.
   Achtsames Essen, wie es moderne Zenlehrer erfinden (so viele sind ja auf dem Trip, sie müssten da was Kreatives raushauen: Achtsames Atmen, Achtsame Geistbasierte Stressreduktion - Achtung, möglicherweise Copyright-geschützt! etc. pp.)? Auf Jon Chozen Bays Infoblatt heißt es, dass jedem seine eigenen Gewohnheiten gelassen werden, es ginge um eine Erziehung zum bewussten Essen mit Gewahrsein der Folgen für die Umwelt. Da wird also versucht, dem klassischen Zen treu zu bleiben (Nicht-Werten), aber insgeheim ist klar, dass eine gewisse Position vonnöten ist.
   Ich habe mich kürzlich mal wieder seltsam an der eigenen Spucke verschluckt, ohne überhaupt gegessen zu haben, und kam dem "trockenen Ertrinken" nahe, als der Stimmritzenverschluss einsetzte. Na sowas, dachte ich, ganz ohne Essen, wäre das nicht ein wirklich köstlicher Witz, so zu verrecken? (Es war freilich gar nicht so witzig.) Ab und an gehe ich zum Burgerladen und esse achtsam und genussvoll den Fischmäc oder den McMuffin mit Speck. Dabei kann ich mir durchaus die ganze Herstellungskette vorstellen, da ich ja beim Töten von Tieren mit Bolzenschussgerät schon als Kind dabei war (wir lebten und arbeiteten auf einem Bauernhof). Nicht-wertend geschieht überhaupt nichts, außer dass mir der Burger mal wieder saugut oder rindsgut oder kabeljaugut schmeckt.
   Nun stellt sich die Frage nach der Empathie. Was, wenn ich mir vorstelle, wie das Tier starb? Ich denke, so möchte ich auch sterben, mit einem kurzen Dong und aus ist. Was ist mit dem Leben davor? Nehmen wir an, ich imaginiere das Huhn in einem engen Käfig, wo es sich mit anderen hackt. Meine Vorfahren haben noch Tiere in der Wildnis erlegt, die damit rechnen mussten, von anderen verletzt oder aufgefressen zu werden. Das Tierleben ist eben mal kein Zuckerschlecken (außer für die kleinen Ameisen in meiner Bude, die gerade über einen Krümel am Boden herfallen). Ich esse Wild wegen des intensiven Geschmacks lieber als Haustiere, aber die Tiere auf dem Burger gab es ja so in der Wildnis gar nicht, die wurden ja quasi für den Burger erfunden und gezüchtet. Im Grunde ist ihr Leben nicht viel tragischer als das in freier Natur. Isst einer z.B. eine Schildkrötensuppe, so ist die aus einem Tier gemacht, das eine minimale Überlebenschance hatte - die meisten frisch geschlüpften Schildkrötchen überleben die ersten Tage nicht, sondern landen in den Verdauungstrakten anderer Lebewesen. Es ist also schwer möglich, durch rationale Überlegungen auf das Mitempfinden zu kommen, das die Fleischkonsum-Gegner oft geltend machen. Es dürfte sich durch "Achtsamkeit" wenig an den Essgewohnheiten ändern, da hierdurch nur rationale Gedankengänge ausgelöst werden. Das Nicht-Wertende ist vorgeschoben, denn ohne Wertung wird man weder von den Chips noch von der Cola noch vom Burger lassen.
   Im Palikanon gibt es keine Grundlage für diese Dinge, sie haben also gar nichts mit Buddhismus zu tun. Auch damals hielt man schon Haustiere, die Tötungsarten dürften eher dem Schächten geähnelt haben, die Mönche bekamen Fleisch gespendet, Butter, Zucker und Honig wurden ausdrücklich als "Medizin" empfohlen, alles Dickmacher, und Theravada-Mönche werden noch heute nach Mittag damit in den Häusern verköstigt, in die sie eingeladen werden. Überall auf der Welt sieht man dicke Mönche, sicher auch, weil die buddhistischen Essensregeln nicht hinreichend mit modernen Erkenntnissen übereinstimmen.
   Neulich zitierte ich aus einem Roman, dass Tiere nur unsere Nähe suchten, wenn wir ihnen zu essen geben. Umgekehrt ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir gerne auch von Tieren zu essen bekommen, und da keinem von uns, wie in einer Zen-Geschichte, die Vögel Nüsse beibringen, nehmen wir es uns von den Tieren selbst. Darin steckt eine gewisse Logik, zumal, wenn ich achtsam den Lauf der Natur betrachte. Würden wir keine Haustiere schlachten, dann gingen wir wieder hemmungslos auf die Jagd, und da das Wild nicht ausreichte, würden wir wieder Haustiere züchten. 
   Die Achtsamkeit wird manchmal durch sehr individuelle Tatsachen erzwungen. Ich vertrage seit einigen Jahren das geschätzte scharfe Essen nicht mehr (Reflux). Kürzlich lief ich zufällig in ein Gebäude, das hellstes Entzücken in mir auslöste, es war voller japanischer Restaurants (sogar eines im Maiko-Stil, wo junge Frauen in sexy Manga-Maid-Outfits bedienen und zu Fotoshootings gegen Entgelt bereits sind), es gibt da japanischen Melonenkuchen, Grüntee-Eis; Omu-Omeletts und sahnegefülltes Gebäck (Chou Cream). Meine Achtsamkeit gebot mir, von den meisten der fetten und scharfen Speisen Abstand zu nehmen, jedoch war ich mir auch meiner Sinnenlust gewahr und der Vergänglichkeit meines Lebens und habe genau deshalb (!) sogar mein Kimchi-Schälchen aufgefuttert. In der Nacht brauchte ich dann Galviscon, was es hier glücklicherweise zu kaufen gibt. Mein Tipp also: Gateway Ekamai in Bangkok, nahe der Bushaltestelle. Wieso sollte man, wenn man achtsam ist, seine Bedürfnisse ignorieren?
   Was "Achtsamkeit" (mindfulness) im Zen bedeutet, habe ich kürzlich durch Zitate aufgezeigt. Es ist ein weiterer Begriff aus der Tradition, den manche Zenlehrer einseitig für ihre persönlichen Überzeugungen und ihre Spendenbüchsen missbrauchen. Die von Chozen Bays geforderte "Freiheit von gewohnheitsmäßigem Verhalten und Denken" würde dann also auch umfassen, dass ich frei vom reflexartigen Verzicht auf Genussmittel bin. Das lässt sich alles in sein Gegenteil verkehren, weil es letztlich gar nicht wertfrei ist. Wer irgendwelche Zweifel hat, dass die übliche Essens-Ideologie sich hinter dem Konzept der Zenlehrerin verbirgt, kann ja mal in das folgende Video reinschauen (Motto: Chicken Nuggets können keine Medizin für unseren Körper sein - "dies ist keine Nahrung, dies ist etwas anderes" - ich hingegen wette einen Tausender, dass jemand sich ein Jahr von Chicken Nuggets und Cola ernähren kann, ohne zu krepieren).
   Wie sehr sich die Menschen der naheliegenden (nicht-verschwenderischen) Ernährung entfremdet haben, zeigt sich dann auch in den Anmerkungen eines Berichtes im Stern, wo die (vermutete) Verarbeitung von Hühnchenknochen und -füßen als eklig bezeichnet wird. Nicht nur habe ich schon als Kind gerne an den abgebissenen Enden von Hühnerknochen das Mark herausgesaugt, Hühnchenkrallen sind noch immer eine beliebte und schmackhafte Suppenbeigabe in Asien. Der Westen zeigt mal wieder allen seine Scheuklappen, und Jozen Bays, wo sie nicht loslassen will.
   Dies ist keine geistige Nahrung, dies ist etwas anderes ...
  


Wer Englisch versteht, kann sich hier an einer Studie zum achtsamen Essen beteiligen, damit auch diesen Leuten vielleicht ein Licht aufgeht. 


Dienstag, 9. September 2014

Zazen mit krummem Rücken ...

[Nachtrag zur letzten Buddhaland-"Affäre": "Defamation as a criminal act in Thailand is defined by the Thai Criminal Code as a statement made by a person who imputes anything to another in a manner which is likely to impair the reputation of the latter or to expose him to hatred or contempt. Under the same Code, such person is liable for an imprisonment up to two years or he can be ordered by the court to pay a fine of 200,000 Baht or may be both. (...) Under Section 423 of the said Code, any person liable under the same shall compensate the victim for any damages that the latter may suffered."]

Got it?

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Diese Doku über das Eiheiji und seinen 104-jährigen Abt Miyazaki Ekiho Zenji lief kürzlich auf ARTE, die deutsche Version wurde auf Youtube leider gelöscht. Dort hörten wir die Worte: "Wenn dein Körper geradlinig ist, wird auch dein Geist geradlinig." Das ist witzig, denn nach über 90 Jahren Sitzmeditation hat sich der Körper des Abtes, wie um ihn zu verspotten, verkrümmt! Sympathisch ist, dass er nicht sterben - und zuvor bettlägerig - werden wollte und darum angeblich darauf verzichtete, am Tag zu schlafen. Gegen Ende lag auch er im Krankenhaus.