Mittwoch, 27. Juli 2016

Zum Abschied des Unbuddhisten: Transzendenz
... am Beispiel "Lucky Strike"

Der letzte Beitrag des "Unbuddhisten" klingt, als habe er fertig. Kann ich gut verstehen. Im Hinblick auf das, was er kritisierte, ist das Meiste gesagt und die Hoffnung auf Besserung bei den Religiösen gering. Da geht es mir wie ihm. Was meine Kritik im Wesentlichen von der des Unbuddhisten unterscheidet, ist meine Einstellung zur "Transzendenz". Ich habe bei ihm (gelegentlich zu seinem Missfallen) und hier ein paar Mal versucht, aufzuzeigen, welchen sinnvollen und interessanten Aspekt der Buddhismus in diesem Bereich haben könnte. Heute tue ich es, gewissermaßen auch aus Respekt vor dem Anliegen des Unbuddhisten, mit einer Geschichte, die ich im Blog wohl noch nie erzählt habe.

In den Jahren 1999 und 2000 hatte ich ein paar einschneidende Erlebnisse. Seltsam kamen mir, erst recht durch die Häufung, ein paar "Zufälle" vor, die mich drei Mal fast das Leben gekostet hätten. In zwei Fällen hätte mich beinahe ein Auto überfahren (ich rettete mich in beiden Fällen durch geistesgegenwärtige Sprünge zur Seite), im ersten Fall ein Behördenfahrzeug mit abgeschaltetem Licht mitten in der Nacht. Dazwischen lag der mit einer Überdosis Drogen vermischte Joghurt in Siem Reap (davon hatte ich mal berichtet). In der Folgezeit hatte ich Verantwortliche der o.g. provozierten "Unfälle" ausfindig machen und ihnen erklären lassen können, welche Konsequenzen weitere Versuche dieser Art hätten. 

In die gleiche Zeit fiel ein Rechtsstreit, den British American Tobacco (B.A.T.) wegen meiner Nutzung der Webseite luckystrike.de (in dieser Schreibweise) gegen mich angestrengt hatte. B.A.T. betrieb auf lucky-strike.de (mit (!) Bindestrich, [korrigiert]) über eine Agentur einen Webshop mit einschlägigen Artikeln, ich hatte mir die Seite im Hinblick auf eine geplante Gewinnspielsammlung gesichert, da "lucky strike" im Englischen "Glückstreffer" bedeuten kann. Bis dahin war die Seite jedoch mit einer filmkritischen verlinkt, die ein Freund unkommerziell von mir übernommen hatte. Ich ging daher von einer frei bleibenden Nutzungsmöglichkeit aus und lehnte die Unterlassungserklärung ab, was zu einer Klage der Gegenseite führte. Inzwischen hatte ich die Seite auf ein gemeinnütziges Krankenhaus umgeleitet, um ganz klar zu machen, dass ich keine kommerziellen Absichten damit verfolgte. 
   Als es in Hamburg zur Verhandlung kam - ich stand damals mit meinem Verlag am Anfang, hatte Schulden und war mittellos - hatte mein Anwalt bereits die Ablehnung der Prozesskostenhilfe auch schon der nächsthöheren Instanz (dem OLG) bekommen, da man auch im Falle einer Revision keine Erfolgsaussichten für mich sah. Ich wollte das Risiko dennoch tragen (ca. 25.000 DM), mich bewegte vor allem der Wunsch, Sprache - lucky strike ist ja kein Kunstwort, sondern eines, das man im Wörterbuch findet - vor ihrer totalen Vereinnahmung durch Kommerz zu schützen. Im Markenrecht gibt es ferner einen Passus, der sich gegen die Täuschung über die "Beschaffenheit" eines Produktes durch seinen Markennamen richtet. Ich sah das hier erfüllt, denn wer ein potentiell Krebs erregendes Produkt als "Glückstreffer" (Lucky Strike) benennt, der scheint mir da über etwas hinwegtäuschen zu wollen. Dies spielte jedoch zunächst keine Rolle. Ich versuchte zwar, über diese Schiene bei Konkurrenten des Unternehmens Interesse für meinen Fall zu erregen, aber es war abzusehen, dass denen ihr Hemd am nächsten war. Der Richter am LG Hamburg ging gar nicht auf die Verlinkung auf das Kinderkrankenhaus ein, er sprach nur von der Filmseite (dem Link, der vor Ablauf des Ultimatums für die Unterlassungserklärung bereits geändert war) und behauptete - trotz einer gegenteiligen Aussage des Seitenbetreibers - ein reines Dankeschönbanner für den Provider dieser Filmseite (der sie kostenlos zur Verfügung stellte) sei ein Hinweis auf deren kommerzielle Nutzung. Wie auch immer, der Prozess ging verloren, die nächste Instanz wäre es wahrscheinlich auch gewesen, die Kosten wären explodiert und ich hätte für eine Verhandlung vor dem BGH selbst eine Riesensumme vorschießen müssen. 
   Nun fing die Gegenseite (die damals zuständige Kanzlei, eine der größten in Deutschland, scheint die Marke heute nicht mehr zu betreuen) auf teils etwas unbeholfene Weise an, Pfändungsversuche durchzuführen. Ich einigte mich jedenfalls mit einem Gerichtsvollzieher auf Ratenzahlung, was dann auch die Verjährungsfristen aussetzte bzw. verlängerte. Dies sollte noch interessant werden, denn kurz vor Ablauf der Verjährung, die erst dann beginnt, wenn ein möglicher Schaden endete (d. h. mit meiner letzten Ratenzahlung) strengte ich - wegen der Unterschlagung der o.g. Aussage des Filmseitenbetreibers, dass ein Dankeschönbanner ein reiner Akt der Loyalität ohne kommerzielle Interessen sei - ein Verfahren wegen Prozessbetruges gegen den damaligen Richter an. Es wurde abgelehnt mit Hinweis auf die Verjährung, wobei man aber entgegen gängiger Rechtskommentare den Termin der Urteilsverkündigung zugrunde legte. 
   Dies war, wie so vieles zuvor, Teil einer umfassenden Strategie (u. a. hatte ich zwischenzeitlich sogar Markenrechte für "luckystrike" in Bereichen wie dem Internet beansprucht und dafür eine Urkunde vom Patentamt erhalten - bis zum Prozess, wo sie mir aberkannt wurden; außerdem gab es Gewinne mit B.A.T.-Aktien). Eine Strategie, die mich nicht die Bohne interessiert hätte, wäre ich nicht durch den Rechtsstreit in meiner Existenz bedroht worden. Ich hatte meinem Anwalt noch nach der Verhandlung bei einem Kaffee erklärt, dass man manchmal auch für Gerechtigkeit mit anderen Kräften sorgen muss, wenn ein Gericht sie nicht herstellen kann. Ich glaube, das hat ihn etwas beunruhigt. Aber ich beschreibe ja nun etwas genauer, was ich meinte.
   Als ich kurz vorm Offenbarungseid stand, gab es zwei nennenswerte Ereignisse. Der erste Gerichtsvollzieher, der mir auf die Pelle gerückt war und einen Offenbarungseid nahelegte und dem ich vorgeworfen hatte, ein Handlanger der Bösartigen zu sein, wurde von einem Kampfhund gebissen und berufsunfähig. Dies erfuhr ich von seinem Nachfolger, der sich mit mir wie gesagt auf Ratenzahlung über viele Jahre einigte. Der zweite seltsame "Zufall" war eine Einladung zur Quizshow "Glücksrad", für die ich mich schon ein Jahr zuvor beworben hatte und die längst bei einem kleinen Sender war und offenbar kurz vor dem Aus stand. Dass ich von denen nochmal hörte, war schon komisch, vor allem aber, wie die Show ablief. Die beiden anderen Kandidatinnen schienen mir die Bälle zuzuspielen, und ich hatte am Ende u. a ein Auto gewonnen, das ich später für praktisch genau die Summe verkaufen konnte, die mich der Rechtsstreit mit B.A.T. kostete. Nur bei der Endrunde, als es um Bargeld ging, hatten die beiden Frauen sich nicht auf meine Analyse der Buchstabenhäufigkeiten eingelassen, mit der wir auch diese Kohle - gemeinsam - hätten abräumen können. Auffällig war, dass der Umschlag, den ich aus dreien wählen musste, um das Auto zu gewinnen, zwar den Gewinn enthielt, die beiden anderen aber nicht vor meinen Augen geöffnet wurden, wie man das aus der Sendung (die aufgezeichnet wurde) kennt. 
   Ich dachte mir jedenfalls: Mal gewinnt man, mal verliert man. Ich hatte viel Geld mit einem stressigen Rechtsstreit verloren, dem ich aus dem Weg hätte gehen können. Und ich hatte ebenso viel auf leichte Weise wieder gewonnen. Da ich bereits Ratenzahlung vereinbart hatte, blieb ich handlungsfähig und konnte meinen Verlag aufbauen. 



Aus dem todesnahen Erlebnis infolge der Vergiftung in Kambodscha einerseits und dem - von mir so empfundenen - konkreten Unrecht, das mir beim oben geschilderten Rechtsstreit widerfahren war, andererseits (mit der Einstweiligen Verfügung, die am Anfang stand, war die Drohung von sechs Monaten Gefängnis oder bis zu einer halben Million DM Ordnungsgeld verbunden, und das wegen einer kaum besuchten Webseite) speiste sich eine enorme Energie in mir. Zur gleichen Zeit hatte ich ja den Erfolg mit der Übersetzung und Publikation des Hagakure, einem zenbuddhistisch inspirierten Samurai-Werk. Und ich begann, sukzessive einige dort und anderswo gelernte Ratschläge in die Tat umzusetzen. Das geschah nicht zuletzt durch Kontakt zu den Interessengruppen, die sich gegen die Zigarettenindustrie zusammengetan hatten. Sie waren u.a. durch meine Darstellungen einiger Untaten derselbigen etwa unter einer Militärdikatur in Südamerika auf mich aufmerksam geworden, die ich ebenfalls vor meiner Verhandlung zeitweise unter luckystrike.de veröffentlicht hatte. In Japan hatte man zur Kenntnis genommen, wie ich die Änderung des einst eher grünen Lucky Strike-Logos während des Zweiten Weltkrieges zu einem, das der japanischen Nationalflagge ähnelte, interpretiert hatte. Kurzum, ich wurde als Ideengeber angefragt, seit die Zigarettenindustrie zu meinem Feind geworden war.

Wenn man mich fragte, worin mein eigentlicher Beitrag in dieser Geschichte besteht, so müsste ich dennoch antworten: in der Transzendenz.

Sicher gibt es im strategischen Bereich logisch nachvollziehbares Geschehen. Es ist z.B. erkennbar, wo noch heute die Zigarettenlobby ihre Fürsprecher und Blockwarte sitzen hat, die es momentan verhindern, dass in Deutschland strengere Verbote (etwa bezüglich der Kinowerbung) eingeführt werden, wie sie anderswo in Europa schon existieren. Dessen ungeachtet weiß nun jeder, auch die Holzköpfe in juristischen Foren, die damals großmäulig nur die Kosten meines Verfahrens sahen, dass meine Prognose, es würde demnächst (nach 2000) wegen des Werbeverbotes eh keine Webseite der alten Art mehr geben, mit dem damaligen Online-Shop usw., nicht falsch war. Großformatige Schockbilder auf Zigarettenpackungen und einige andere Extreme gehen sogar weiter, als ich es mir in meinen Träumen ausmalte. 
   Als mir klar wurde, dass diese Geschichte einem Auftrag gleichkam, der mit dem Ausmaß meiner Konzentration und meines eigenen Willens Ergebnisse offenbar begünstigen konnte, die die Zigarettenindustrie und B.A.T. ein Vielfaches von dem kosten würden, was sie mich gekostet hatten, nahm ich diese Aufgabe an und brachte mich auf die gleiche Weise in den Kampf ihrer Gegner ein (einem Kampf vor allem für die Gesundheit der Menschen), wie ich mein eigenes Verfahren angegangen war. Und was im Kleinen scheinbar misslungen war, das gelang im Großen um so besser. Heute hat die Zigarettenindustrie weltweit Schaden genommen, auch wenn sie sich, wie hier schon beschrieben, zunehmend in ärmeren und korrupteren Ländern engagiert, wo selbst Kinder ungehindert Zugang zu Glimmstängeln haben können. Und obwohl es sich immer noch lohnen kann, den Kampf gegen diese Industrie durch Partizipation an Aktiengewinnen ihrer Unternehmen zu finanzieren ...

Da ist also eine unfassbare Wut, die Menschen so kanalisieren können, dass am Ende z.B. Verbote und Einschränkungen für Zigarettenwerbung stehen, wie wir sie heute sehen. Doch inwiefern ist das "transzendent"? Es ist ein bisschen wie mit der Frau, die man so sehr liebt, dass man ihr immer wieder an den unmöglichsten Orten über den Weg läuft. Es ist mysteriös und doch unausweichlich, solange man nicht davon lässt, solange man sich also auf das, was einen tief bewegt hat, verlässt. Es bedarf keines geheimen Mantras, keines Sitzens, keiner unlauteren Mittel. Es ist die schlichte Konzentration des Gesetzes von Ursache und Wirkung. Es ist richtig, zu lieben. Und es ist richtig, das Bösartige zu bekämpfen. Und so wie etwas unfassbar "Gutes" seine eigene Dynamik im Kausalgesetz entfaltet, so ist auch die transzendente Dynamik des unfassbar "Schlechten" abzusehen. Wenn Wut und Ärger als Motivationskräfte von recht motivierten Menschen sublimiert werden, ist vieles möglich. In manchen Kampfkünsten nutzt man die aggressive Energie des Gegners, um sie gegen ihn selbst einzusetzen. So kann man sich das auch hier vorstellen.
   Ich hatte den Richter, der die Glimmstängel als unmittelbar nach dem Krieg bekannte Zahlungsmittel beinahe zu loben schien, nach seinem Urteil um eine Entschuldigung gebeten, doch er wusste mir nur mit Ordnungsgeld zu drohen. Mein Vater hatte seine Kriegsgefangenschaft in Frankreich und seine Zwangsarbeit unter Tage u.a. dadurch überlebt, dass er die Zigaretten gegen Kaugummis tauschte und damit seinen Magen füllte. Womöglich hat jener Richter nie begriffen, wie er damit ein Andenken beschädigte und mich erst auf Trab brachte.

All das ist Karma. Und all das ist so wenig fassbar, dass ein gewöhnlicher Richter, ein gewöhnlicher Anwalt, ein gewöhnlicher Vorstandsvorsitzender die Folgen nicht absehen können. Und darum ist es auch eine Lektion in Transzendenz für mich. Denn ich kann einige Ereignisse nicht besser erklären. Vielleicht ist es aber für andere einfach nur "Immanenz"? 

Es ist jedenfalls vollbracht. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen. Und jetzt ist der Zeitpunkt, meine Version davon zu offenbaren. Es ist Teil meines eigenen Lebenswerkes. 

Servus sage ich trotzdem erst ein andermal. Vielleicht meldet sich ja auch der Unbuddhist wieder zurück. Es gibt immer wieder neue Aufgaben. Das Rad dreht sich weiter. Oder, wie es im deutschen Volksmund heißt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und wer das versteht, der legt seinen Willen nicht ab und kann auch auf dem Weg der Wut Gutes vollbringen. Dies ist also eine Lektion für all diejenigen, die nicht wissen, dass man mit der ganzen Gefühlspalette Sinnvolles bewirken kann. Wer Wut und Ärger sinnvoll kanalisieren kann (und sich vielleicht ein paar strategische Tipps bei den Samurai holt), dürfte die Welt eher zum "Besseren" verändern als diejenigen, die nur noch in Geistesruhe verharren wollen. 



[Dieser Beitrag führte heute, am 27. Juli, offenbar zu verstärkten Zugriffen aus den USA. Vor einer Woche gab es ganz erhebliche Besucherzahlen aus Russland. Ich fand heraus, wieso. Ole Nydahl war dort ein paar Tage zu Besuch ...]

Dienstag, 19. Juli 2016

Die Selbstschutzrhetorik von Brad Warner
und dem Zenmonki (103 kg)

Auf der Antaiji-Webseite habe ich mir in den letzten Jahren ab und zu einen Clip vom Zenmonki angesehen, der offensichtlich mal dort Zazen gemacht hat, als Spezialist für Akupunktur und Familientherapie in Australien praktiziert (und von seinem Arbeitgeber seltsamerweise unter seinem Mönchsnamen Dr. Seikan Čech vorgestellt wird), mit einem Zendôjô in Melbourne verbunden ist und seit einiger Zeit wohl intensiv die Welt bereist und an unterschiedlichen Orten Zazen macht. Eine kleine Spitze gegen diese Art Showsitzen, die er gern auch an ästhetisch ansprechenden Orten betreibt und filmisch ganz gut aufbereitet, hab ich mir im Blog schon einmal erlaubt. Nun stieß ich auf sein Youtube-Konto, schaute mir fünf weitere Clips an, die interessant zu sein schienen, und habe dann bei vier davon kritische Kommentare hinterlassen. Zenmonkis Reaktion darauf macht vielleicht klar, was schief laufen kann, wenn man es mit dem Zazen übertreibt. Der Antaiji-Tourist "bel", der sich auch "Shoko Nosen" oder "Reiner Bilsing" nennt, schrieb im Forum Buddhaland am 14. Juli Folgendes zum Zenmonki (und sprach dabei m. E. auch über sich selbst): "Es war ganz sicher seine Intention, wie toll er Zazen sitzen kann, und ein anderer nicht und was das "bringt"." 
   In einem der Clips trinkt Zenmonki Urin und empfiehlt dies anderen. Meine Geschichte, wie ich durch öffentliches Trinken von Urin (aus einem Bierglas, dessen alkoholischen Inhalt ich zuvor getrunken hatte) einen Freund von seinem Fetisch des Anpissenlassens heilen wollte, könnt ihr im Kommentar lesen. Daneben habe ich auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse verwiesen. Schon stärker brachte mich sein Gehampel im nächsten Clip auf, wo er gerade eine Zahnarztpraxis besucht und sich ohne Betäubung eine Füllung hatte machen lassen. Ohne dass wir Genaueres zum Schaden seines Zahnes zu hören bekamen, überschrieb er das Ganze mit "Schmerz muss nicht wehtun", weder chronischer noch akuter. Ich will hier vorausschicken, dass ich mit Akupunktur Erfahrungen machte und die Ergebnisse deutscher Krankenkassen unterstütze, dass es in den meisten Fällen egal ist, wo man hinsticht, es also bestenfalls um Placebo-Effekte geht (oder eben nur um seltene Einzelfälle, die z. B. bei Migräne profitieren, oder dem, was sie dafür halten). Deshalb funktionierte die Akupunktur bei mir auch nicht. 
   Bezeichnend sind hier Zenmonkis Antworten. Obwohl der Clip wie eine kleine Prahlerei wirkt (Seht her, ich kann das Bohren ohne Spritze aushalten!) wirft er mir gleich vor, ich wolle wohl in einen Wettstreit treten. Was er mir dann rät - meine Meinung als "personal model" zu erkennen -, hätte er mal lieber selbst besser herausgearbeitet. Das Problem ist nämlich, dass er in Robe diese Sachen von sich gibt und damit einen anderen Autoritätsanspruch vorgibt oder beansprucht als ich. Das halte ich für hinterhältig. Es ist einer der Gründe, warum ich der Robe so skeptisch gegenüber stehe. Den Zuschauern fällt es womöglich schwerer zu erkennen, was der Zenmonki ihm da eigentlich auftischt.
   Dann schlug es dem Fass den Boden aus, als Zenmonki sich zu Lob und Tadel von Barack Obama bemüßigt fühlte, aber auch zum Sprechen mit den eigenen Krebszellen riet. Ich konnte es nicht fassen, dass all seine Jahre in Zazen und ein gewisser Einfluss, der von einem eher bodenständigen Kodo Sawaki zumindest indirekt hätte ausgehen können, ihn nicht nur zu seiner Zurschaustellung des Zazen brachte, sondern auch noch zu esoterischen Anleihen wie bei dem von ihm erwähnten Lipton. Zenmonkis Antwort: Ob ich eine Referenzfigur bräuchte (nein, aber einer in Robe schon, sonst sollte er sie ausziehen, denn die Robe gibt's nur über Referenz), ob ich in einem Raum ohne Zentrum existieren könne (fragt er mich, wo er so ein Gedöns um sein Sitzen macht). Wenn es um medizinische Erkenntnisse geht, habe ich jedenfalls eine Allergie gegen Zen-Heilschwafler, die in anderen Bereichen amüsant sein mögen.

Eine ähnliche Rhetorik benutzte zuletzt auch wieder Brad Warner, aber einen eigenen Beitrag erspare ich mir diesmal. Hier könnte man ihn selbst zitieren: "Indem man eine Handlung jeden Tag wiederholt, verändert man sich auf subtile Weise." Deshalb hat Brad wohl zuletzt auch die Kommentarfunktion lahmgelegt. 
   In Beiträgen zur Frage, ob Zazen einen moralisch vervollkommnen könne und wie jeder eine Meinung zum Tod des Gorillas Harambe hätte, verfällt er nämlich in den gleichen Zen-Duktus wie der Zenmonki. Gebote würden dann erfüllt, wenn man Zazen macht (also nicht durch aktives Tun, weshalb ihm zu Harambe auch nicht viel einfällt), man würde durch Zazen zu einer Person, die die Gebote nicht brechen könne. Und vor allem meint er: "Es sind deine Gebote." Womit er sich grundlegend täuscht, denn man muss nicht alles annehmen, was andere toll finden. Aus diesem Grund macht es auch Sinn, diejenigen, die solche Gebote zu ihren machten, daraufhin anzuschauen. Mit dem Hinweis, dass es doch "ihre" Gebote (die der anderen) seien ("they only ever apply to you, never to other people") will sich Brad genauso vor Kritik schützen wie der Zenmonki, wenn der die eigenen verengten Blickwinkel auf andere ausdehnt ("eng" ist für ihn offenbar, wenn man nicht seinen Urin trinkt oder mit seinen Krebszellen zu reden bereit ist, während für mich eine Verengung des Denkens eintritt, sobald man nicht mehr mit klarem Kopf medizinische Präferenzen abwägen kann). Eine bestimmte Zenrhetorik dient hier Brad und Seikan dazu, sich nicht mehr dem eigenen Tun kritisch stellen zu müssen. Deshalb sollte man nochmal über die Frage nachdenken, die Brad stellt: "Was wäre denn aus all diesen Spinnern wohl geworden, wenn sie kein Zazen gemacht hätten?" 

  

Sonntag, 17. Juli 2016

Wie Erdogan sich selbst putschte ...
oder: Verschwörungstheorien

"Gott segne dich! Die eigene Schuld beim Nachbarn suchen. Diese Lehre beherrscht Europa. Heute aber habe ich erfahren müssen, dass sie auch unter Moslems und Türken ihre Anhänger hat." *

Wer in Thailand lebt, versteht ganz gut, wie ein richtiger Militärputsch abzulaufen hat, und sieht, wenn etwas daran "unstimmig" ist.

Wer mit strategischen Kriegsratgebern vertraut ist, kennt auch den Trick, einen Coup gegen sich selbst zu inszenieren, um dann nach Wunsch den Staatsapparat zu säubern. Erdogan hat - so der momentane Stand - gerade den Austausch von knapp dreitausend (!) Richtern und Staatsanwälten in seinem Land angekündigt und etwa ebenso viele Soldaten festnehmen lassen. Mit den Worten eines Macho hat er bereits angedeutet, dass diese ganz übel bestraft würden. In seiner relativ schlechten Show, bei der auf ihn angeblich erst ein Angriff gestartet wurde, als der Coup längst auf allen Nachrichtenkanälen lief (und er sein Hotel verlassen hatte) und der Schuldige gleich ausgemacht war (ein Prediger in den USA, dessen Auslieferung er bei der Gelegenheit verlangte, der aber seine Beteiligung sofort dementierte), wurde ich allerdings einen Gedanken nicht los, den ich einmal zu Michael Schumacher geäußert hatte: Dieser Mann wirkt auf mich todgeweiht. Ich sehe natürlich keine Ski-Abfahrtsläufe vor mir, wenn ich so etwas sage. Aber eben eine Todessehnsucht.

Verschwörungstheorie? Na klar. Und hier z.B. wird sie diskutiert.

Einen Tag zuvor hatte ich das Glück, als offenbar einer der ersten ein Video zu sehen, das zu diesem Zeitpunkt erst 82 Zugriffe hatte und die Festnahme eines Mannes an der Rückseite genau des Truckes zeigt, der durch die Menschenmenge in Nizza gepflügt war. Was danach geschah, könnt Ihr in den Kommentaren zum unteren Video nachlesen (das ich allerdings von jemand anderem eingestellt gesehen hatte und in dieser Form nun nicht mehr finde). Nachrichtenagenturen und Zeitungen rissen sich geradezu um die Veröffentlichungsgenehmigung. Die "Daily Mail" fragte, wer denn dieser mysteriöse Mann sei. [Nachtrag: Bezeichnend ist auch, wie sich die Einschusslöcher in der Windschutzscheibe verteilen und einen Hinweis auf die Zielgenauigkeit französischer Polizisten geben, vor allem da sie den Truck angeblich schon während der Fahrt zu stoppen suchten, die Fahrerseite aber praktisch nichts abbekam].

Interessant ist, wie lange die einschlägigen Terrororganisationen sich nicht zu dem Attentäter bekannten, bis ihnen dämmerte, dass sie die Sache des schon einmal als Straßenrowdy Aufgefallenen besser für sich reklamieren sollten. Denn was wäre, wenn einer aus eigenem Antrieb mehr Schaden anrichtete, einen höheren "body count" erzeugte als der gewöhnliche IS-Terrorist oder russische Kampfjet, der Syrien bombadiert? Hmm. Das würde wohl selbst die islamistischen Spinner beunruhigen, denn es könnte ja gut sein, dass nun einfach jeder daherkommen und mit seinem Auto in eine Menschenmenge fahren kann, die aus IS-Getreuen besteht. 

Verschwörungstheorie? Na klar. Und hier wird sie diskutiert.

"Versöhnung? Auch dies ist nur ein leeres Wort der Weltklugen. Auf Erden gibt es keine Versöhnung. Wir leben hier im Zerfall und in der Selbstbehauptung." *

(* Franz Werfel: Die vierzig Tage des Musa Dagh)



Die letzten drei Tage waren wirklich seltsam. Denn nach Nizza und Istanbul wurde mir die nächste Verschwörungstheorie vermeldet, an der die Welt jedoch kein Interesse haben dürfte (ich spukte mal wieder in einem Forum herum, ohne wirklich da zu sein ...). Ich kann sonst nicht viel dazu sagen, da mein staatlich kontrollierter Provider seit Monaten offenbar den Zugang zu "Buddhaland" gesperrt hat (Verschwörungstheorie? Na klar. Hier in Thailand wird gerade im Buddhismus aufgeräumt, eine bessere Erklärung habe ich nicht.) Erinnert euch einfach daran, dass ich diese Paranoia der Forumsmoderatoren, einiger beleidigter Userinnen und eines geistig und moralisch beschränkten "Affen" vorausgesagt habe. Ich werde dank eines Screenshots ein Zitat aus der betreffenden Diskussion beim nächsten regulären Update verwenden können.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Die arme Chan Khong,
der reiche Thich Nhat Hanh
und die Glücksuchenden in Plum Village

Arrghh! Was tue ich nicht alles, um weiter die Poser im Mönchsgewand zu entlarven. Kürzlich sah ich mir eine vierteilige Doku auf Youtube an, die ich unten verlinkt habe. Darin werden Thich Nhat Hanh, seine Lebensgefährtin Chan Khong und Plum Village abgefeiert. Hier ein paar der üblichen Phrasen, nach denen ich erst mal wieder mein Otowaxol auspackte und kräftig die Lauscher durchspülte.

Anhänger Phap Lin, ehemaliger Mathe-Student an einer renommierten Uni, will nun musizierend "allen Menschen in der Welt helfen". Anhänger Phap Dung, [ehemals?] prominenter Architekt (ja, Klüngeln gehört zum Handwerk) gibt sich ganz dem "Unternehmen des Glücks" (enterprise of hapiness), das von Thich Nhat Hanh (Thay) gegründet wurde, hin. Dieses Unternehmen befähigt angeblich Menschen, "anderen zu helfen, das Glück zu suchen". 

Wie der Herr, so's Gescherr. "Wenn dieser Körper nicht mehr da ist, setze ich meine Arbeit durch sie fort", droht uns Thay mit Hinblick auf seine Getreuen. In einer Gesellschaft von Asketen (merke, der Buddha selbst hat die Askese als den falschen Weg verworfen und einen "mittleren" Weg gepredigt), werde Konsum nur angestrebt, "um das Leiden zu vergessen, um das Leiden nicht zu konfrontieren". Hmm, ein bisschen mehr Vergnügen in Plum Village, und es gäbe vielleicht nicht mehr so viel zu konfrontieren, wie Dichnarrthan glaubt. 

Da TNH nach seinem Schlaganfall filmisch nicht mehr so viel her macht, wird Mistress, pardon, Sister Chan Khong zum eigentlichen Star dieser Doku. Sie hat sich einfach mal ein paar Sachen vom Autogenen Training abgeschaut, und "nach all den Jahren bei Thay drei Dinge erlangt: "ein guter Buddhist sein praktizieren, die Praxis genießen ..." und ... und ... Waren wohl doch nur zwei Sachen (ab Min. 12:45 in Teil 4).

Gegen Ende sorgte diese unfreiwillige Komik für Entschädigung. Ab Min. 17 kann man, wenn man sich ein paar Tipps von Jack Nasher geholt oder online bei Paul Ekman geübt hat (keine Bange, mit Letzterem hab ich auch noch ein Hühnchen zu rupfen), Cao Ngoc Phuong (so ihr bürgerlicher Name) beim Schwindeln ertappen, wenn sie sagt: "Ich lebe ein armes, demütiges Leben. Ich habe kein Geld. Ich habe keins ,,,", dabei aber den Kopf schüttelt, was auf das Gegenteil hindeutet, wie wir gelernt haben. Ein paar Phrasen zum "Hier und Jetzt" wiederholt die Alte dann auch noch, obwohl sie's ebenso mit dem Später hat und offensichtlich an Wiedergeburt glaubt. In Plum Village ist schließlich alles möglich, da werden sogar "Vikare, Priester, Muslime" vorstellig, und "alle transformiert", auch psychisch Kranke. Fragt sich nur, zu was.

Irgendwie tut sie mir leid (nein, das ist gelogen). Denn wenn man bei Thich Nhat Hanhs Verlag Parallax Press auf seine Lehre verweist und eine kostenlose Lizenz für eines seiner Bücher haben will, bekommt man nicht mal eine Antwort. Ich würde mir an Sisters Stelle noch mal genau anschauen, wer all die Buchverträge unterschrieben hat und wo die weltweiten Einnahmen hingingen.

Die Filmemacher zeigten jedenfalls ihren Sinn für Ironie, indem sie beim Einblenden chinesischer Schriftzeichen diese einfach in Rauch aufgehen lassen.

Dienstag, 5. Juli 2016

Ole Nydahl über ertrinkende Flüchtlinge ...
und der Preis für Monolog, Inkontingenz und Unruhe

Im unten stehenden Video hört und sieht man ab etwa Minute 19:40 folgenden Dialog:

"Frage: Was sagen Sie ihren Schülern zu den Terroranschlägen wie jüngst in Brüssel?

Ole Nydahl: Ja ich denke das ist ... ja das ist im Koran drin. Das ist alles drin, also das, was man tun soll und ... das alles, also man kriegt einen Befehl von ganz oben, von irgendeinem Allah oder so was einem und dann hört ... dann verstärkt man sich da drin, nicht ... Ungläubige zu töten und alles was da ist und dann am Ende, ja was haben wir dann ... dann haben wir na, dann haben wir Brüssel, nicht? Und Paris und alles ... Großes Problem das wir uns da angehalst haben, nicht? Leute hätten einfach nur das Koran sehen, lesen müssen und verstehen müssen, dass das wirklich für uns, als für Alle gilt  ... gegeben wurde. Und dann hätte man vielleicht nicht so viele über die Grenze geholt, nicht? Oder aus dem Wasser geholt sogar (lacht)." 

Ich fragte mich, ob man dem Ollen wohl für eine solche Aussage seinen "UNESCO-Preis", wie vollmundig die Schlagzeile auf seiner Webseite nahelegt, wieder aberkennen könnte. Der "erstmals vergebene Preis für Dialog, Koexistenz und Frieden der UNESCO-Assoziation für interkulturellen Dialog", wie dann später präzisiert wird, der ihm und seiner verstorbenen Frau Hannah "für ihren Beitrag zur Förderung von Meinungsfreiheit, Mitgefühl, Frieden und Güte verliehen" wurde, ist jedoch gar "kein UNESCO-Preis. Er wurde von einem Verein verliehen, der der UNESCO-Kommission in Malaga nahe steht, aber eigenständig agiert." 

Fettsatz und Unterstreichung von mir, die Aussage stammt jedoch von der Pressestelle der deutschen UNESCO-Kommission. 

Dieser olle Aufschneider. Von mir gibt's dann für den folgenden Schwachsinn noch den "UNESCO-Preis für Monolog, Inkontingenz und Unruhe". Herzlichen Glückwunsch!