Mittwoch, 23. Juli 2014

Juden nach Deutschland:
Eine Lösung für Palästina?

Wegen der jüngsten antisemitischen Ausschreitungen (die ein Teil der französischen Presse als gegen Juden UND Araber gerichtet ansah) ist der folgende Beitrag heikel. Anlass ist das überraschende Komplettzitat eines Ariel Sharon-Anhängers im Blog eines mir bekannten Buddhisten. Den dortigen "Fünf Irrtümern über den Israel-Hamas-Konflikt" hielt ich Fabian Köhlers lesenswerte Analyse im "Hintergrund" entgegen. Mir selbst stellt sich die Sache so dar, dass nach einseitigen Zusagen der Briten (der damaligen Besatzermacht) schließlich im Jahre 1947 - mit Berufung auf das Völkerbundmandat und die UN-Resolution 181 (II) - einseitig der Staat Israel ausgerufen wurde. Statt das Gleiche mit einem Staat Palästina zu tun, entschlossen sich sechs arabische Staaten damals sofort zum Angriff. In besagter Resolution waren zahlenmäßig halb so vielen Juden wie Arabern mehr als 50 % des Landes zugesprochen werden (die Araber besaßen zuvor 47 % des Landes, knapp die Hälfte, vor allem die unfruchtbare Negev-Wüste, gehörte keinem). Die Juden waren selbst in den ihnen zugesprochenen Teilen in der Minderheit. 
   Ganz abgesehen davon, dass es nach mancher Lesart einen "biblischen" Anspruch nicht geben kann, da ein Jude eigentlich nur ein Nachkomme desjenigen der zwölf Stämme sein kann, dessen Vater Jakob (Israel) war und der zugleich im Land Juda lebte, ist die Ablehnung der arabischen Mehrheit eines von westlichen Staaten aufgezwungenen Teilungsplanes nur allzu verständlich. Kurz nach dem 2. Weltkrieg waren sich ausnahmsweise die USA und Russland sogar mal einig in der militärischen Unterstützung Israels (die meisten Einwanderer waren bis dahin tatsächlich aus Russland gekommen), und die Angreifer wurden zurückgeschlagen. Bei den letzten Annäherungsversuchen der vergangenen Jahrzehnte erklärten sich PLO und sogar Hamas wiederholt bereit, die "Grenzen von 1967" zu akzeptieren. Israel hat unter fadenscheinigen Begründungen jedoch seine Besiedlungspolitik in palästinensischen Gebieten fortgesetzt und seine Grenzen noch immer nicht klar definiert. Das nenne ich Öl ins Feuer gießen. Umgekehrt sind die ständigen Raketenbeschüsse der von vielen als terroristisch eingestuften, aber demokratisch gewählten Hamas ein keineswegs besseres Zeichen der Hilflosigkeit. 
   Mit einem gehässigen Lächeln meinte ein Jude nach den Ausschreitungen in Paris zu einer jungen Araberin vor laufenden Kameras, es werde nie einen Staat Palästina geben. Diese Ansicht spiegelt also umgekehrt die vieler Muslime wieder, nachdem es keinen Staat Israel geben dürfte. Doch ist dieser bereits Realität. Es ändert auch nichts daran, dass Israel längst den Boden alltestamentarischer Ethik verlassen hat, denn wo scheinbar "Aug um Aug, Zahn um Zahn" gilt, werden durch die rechnerisch viel höhere Opferzahl auf Seiten der Palästinenser also für jedes verlorene Auge gleich ein Dutzend der anderen ausgeschlagen, und für einen verlorenen Zahn muss gleich ein ganzes Gebiss des Gegners dran glauben, um im Bild zu bleiben (laut einer Lesart der Thora bedeutet dieser Verstoß gegen die jüdische Maßhaltung bei der Vergeltung, dass man nicht mehr als Jude gilt). 

Was könnte eine internationale Staatengemeinschaft tun, um einen, wie mir scheint, auf weithin absehbare Zeit unlösbaren Konflikt weitgehend einzudämmen? 

1) Ein Weg wäre, aufgrund der Versäumnisse Israels, sich klare Grenzen zu geben und daran zu halten, der Enteignung von geflüchteten Arabern (denen dann sogar das Rückkehrrecht verweigert wurde) und anderen Rechtsbrüchen ihnen ihre rechtsstaatliche Anerkennung vorübergehend zu entziehen und das Land, wie einst vorgesehen, aufzuteilen ("Grenzen von 1967") und in die entsprechenden Grenzen zu zwingen. Dass sich an dem Unwillen, sich gegenseitig zu akzeptieren, nichts ändern wird, würde dann dazu führen, dass Israel weiter seine Grenzen und sich vor Terror schützen muss, während Palästina als souveräner Staat jedoch auch Grenzhoheit ausüben (und damit etwa den Handel verbessern) könnte und seine internationale Anerkennung nicht davon abhängig gemacht würde, ob es Israel vernichten will oder nicht. Tatsache ist, dass dies nicht möglich ist und ein solcher irrsinniger Traum damit belanglos. Man kann ihn schlichtweg bei der Frage übergehen, wie die Grenzen zu ziehen sind (so dass die Hamas zunächst Ruhe gibt) und ein Staat Palästina Fakt wird. Wenn den Palästinensern weltweit der nötige Respekt entgegengebracht wird, besteht womöglich eine Chance, dass ein wesentlicher Teil ihrer Bevölkerung den Hass auf Juden mit der Zeit ablegt und auch die nächste demokratische Wahl in Palästina anders ausgeht.

2) Die zweite Lösung würde einem wesentlichen Teil des Nahost-Terrors (auch des verbalen) die Grundlage entziehen und bestünde darin, den Staat Israel rückgängig zu machen, wobei ich voraussetze, dass es hierfür juristische Gründe geben kann. Den Juden, die in einem dann relativ homogenen Staat Palästina (der auch das heutige Israel umfassen würde) nicht bleiben wollten (was wohl für eine Mehrheit gälte) würde Deutschland ein Aufenhaltsrecht mit Arbeitsgenehmigung und allem drum und dran gewähren. Es gibt wahrscheinlich kein Land auf der Welt, wo Juden heute sicherer sind als hier, und keines, wo sie gefährdeter sind als in Israel. Die alternative Aufnahme von Palästinensern/Arabern würde eine sowohl soziologisch wie ökonomisch zu große Hürde darstellen. Die Tatsache, dass sich eine Mehrheit der sich als Juden bezeichnenden Menschen gar nicht in Israel niedergelassen hat, spricht zudem für die größere Assimilationsfähigkeit von Juden. Zu dieser Lösung fehlt es den Vereinten Nationen natürlich an Mumm, und es stehen die militärstrategischen Interessen des Westens im Weg. 
   Der Traum von einem gelobten Land, in dem man dem Antisemitismus entkommt, hat sich jedenfalls für die Juden nicht erfüllt, denn nirgendwohin projiziert sich dieser stärker als auf Israel - und wenn in Paris Juden angegriffen werden, dann vor allem wegen Israel. Der heutige Antisemitismus speist sich also vor allem aus der Abscheu, die Bilder wie die von einem bombardierten palästinensischen Krankenhauses hervorrufen können. Bei dieser zweiten Lösung geht es also nicht darum, ein Existenzrecht Israels zu bestreiten, sondern seine Existenz bis auf Weiteres aus humanitären Gründen zu vertagen. Einige orthodoxe Juden kennen sogar eine religiöse Begründung dafür, da das Ende des Exils den Juden nur durch Gottes Gnade und ohne jede Waffengewalt verheißen und darum abzuwarten sei.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Tiere essen oder leben wie die Bishnoi?

Auf ARTE sah ich kürzlich eine Doku über die kleine Gemeinschaft der Bishnoi, die nach fünfhundert Jahre alten 29 Regeln eines Guru lebt und nicht nur auf das Essen von Tieren verzichtet, sondern diese auch unter Einsatz des eigenen Lebens schützt. Ihre Naturverbundenheit dehnt sich sogar auf Planzen aus, das Fällen und Beschneiden von Bäumen ist untersagt und es sollen nur Kleiderfarben getragen werden, für deren Herstellung weder Tiere noch Pflanzen dran glauben müssen (von den genannten Regeln würde allerdings die gegen den Opium-Genuss vernachlässigt ...). 
  
                                     

Zu dieser Zeit las ich auch Jonathan Safran Foers "Eating Animals" (New York 2009, dt. "Tiere essen"), dessen Absicht es nach eigenem Bekunden keinesfalls war, die Leser zu Vegetariern zu bekehren, sondern investigativ unsere Massentierhaltung zu erforschen. Als jemand, der noch auf einem herkömmlichen Bauernhof groß wurde, wo die Hühner Auslauf hatten und die Bewirtschaftung der Felder ein ebenso großes Gewicht wie die Tierhaltung, kann ich der vehementen Kritik an der fabrikmäßigen Art, Tiere verwertbar zu machen, meist zustimmen. An dem Buch haben mich jedoch mehrere Argumente befremdet, so dass ich zum Schluss kam, dass der Autor letztlich doch den Leser manipulieren wollte, wofür auch sprechen kann, dass er inzwischen selbst Vegetarier ist (es könnte freilich bedeuten, dass er das Opfer seiner eigenen Analyse wurde).
   Am Anfang nämlich steht ein Zitat seiner Großmutter, das sich auf die jüdische Regel bezieht, kein Schweinefleisch zu essen. Bei einer Situation, wo es um Leben und Tod geht, wird in dieser Geschichte von der Oma geschlossen, dass nichts mehr Bedeutung hätte, wenn man bei einer solchen Frage klein beigeben würde. Diese dogmatische Einstellung kann schon an sich befremden. Leider beschließt Foer sein Buch dann noch damit, zu diesem Dogma zurückzukehren und es auch auf unseren Konsum von Tieren insgesamt anzuwenden. In der Zwischenzeit hat er seltsame Zahlenspiele aufgemacht, etwa dass 30 % der Schlachttiere einen langsamen Tod stürben (man frage sich hier, wie das aussähe, wenn sie auf natürliche Weise stürben). Er hat natürlich auf Antibiotika-Resistenzen verwiesen, aber nicht erwähnt, was eine Hauptursache einer solchen bei Menschen ist, nämlich die wahllose Verfügbarkeit von Antibiotika in vielen Ländern dieser Welt: In Südostasien z.B. werden zwar nicht nur von Apotheken, sondern auch von Privatkliniken und NGOs häufig immer die gleichen Medikamente für jeden Infekt verteilt, nämlich Amoxicillin und Paracetamol, aber man bekommt auch die meisten anderen rezeptfrei. Dort verdirbt man sich auch die Verdauung gerne mal mit nicht richtig gesäubertem Gemüse, während Infektionen durch Fleisch, vor denen Foer einen Horror entwickelt, seltener sind. Es ist darum auch ziemlich dämlich, zunächst die Spanische Grippe zu erwähnen, die noch vor jeder modernen Massentierhaltung Millionen dahinraffte, und heute eine ähnliche Gefahr durch dermaßen gehaltene Tiere als Überträger zu postulieren. (Ich weiß, wovon ich rede, da schon die x-te Tamiflu-Packung in meinem Besitz ihr Verfallsdatum überschritten hat.)
   Am Übelsten finde ich jedoch die Stelle, wo Foer das intelligente Schwein gegen den Eisbären ausspielt - nicht nur übersieht er, dass der Eisbär als gefährdet gilt, die Argumentation mit der Auffassungsfähigkeit (und letztlich Dressierbarkeit) eines Tieres erinnert peinlich an die rassisch motivierte Intelligenzforschung im Dritten Reich. Diese Parallele, zusammen mit dem religiösen Dogma des Judentums, das ihnen den Verzehr von Schweinefleisch (nicht aber Eisbärenfleisch) untersagt, lässt für mich den schalen Nachgeschmack eines letztlich religiös-rassistischen Pamphlets zurück, in dem ein Tier gegen ein anderes ausgespielt wird, damit auch der Glaube der Großmutter noch rechtfertigt ist. Es macht einen Unterschied, ob man, wie die Bishnoi, ein lebendes Tier vor Wilderern unter Einsatz des eigenen Lebens schützt oder sich aus Sturheit weigert, ein schon totes Schwein zu essen, weil einem der eigene Stolz wichtiger ist als das eigene Überleben.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Pico Iyer: Singende Nonnen und Hannya-Dämonen

Pico Iyer ist ein hierzulande noch zu wenig übersetzter, wohl etwas eitler englisch-indischstämmiger Autor vor allem von Reiseberichten. Er verfasste u.a. Bücher über den Dalai Lama (den er recht naiv darstellt) und Kuba. In The Lady and the Monk (Vintage 1992) beschreibt er detaillreich und vor allem mit präziser Wiedergabe und Analyse der Sprachbarrieren seine sich entwickelnde Beziehung zu einer verheirateten Japanerin. Wie der Titel schon andeutet, kam Iyer bei seinem Japanaufenthalt auch mit dem Zen in Berührung und traf einige andere Westler, die dort ihr Heil suchten. Ich erlaube mir, einige der interessantesten Erkenntnisse seiner Figuren ins Deutsche zu übertragen.

"Professionelle Frauen waren lange als Daruma bekannt, weil sie wie die beinlosen Daruma-Puppen bei Berührung erst taumelten und dann zurückprallten. Und 'dunkle Weiden, leuchtende Blumen' - eine Zen-Metapher für die Buddha-Natur - war lange ein Euphemismus für die Vergnügungsviertel, wie ich ... von einer Schriftrolle des Zen-Mönchs Gakkô aus dem achtzehnten Jahrhundert lernte." (p. 16)

"Das Problem war: Der arme Kerl war nicht bereit für die Welt. Das Kloster hatte ihn auf alles vorbereitet, außer auf die Welt." (p. 42)

"Eines Tages bat ich meine Schüler, aufzulisten, was sie für notwendig, was für nützlich und was für nutzlos hielten. Hundert Prozent gaben Sport als notwendig an, und bis auf einen hielten alle religiöse Erziehung für nutzlos." (p. 68)

"Der Kern japanischer Ausgeglichenheit, dachte ich da: sich einer Illusion zu unterwerfen und doch irgendwo in sich zu wissen, dass es bloß eine Illusion ist." (p. 136)

"Die japanischen Troubadoure des achtzehnten Jahrhunderts besangen die Tugenden der Freudenmädchen in der Form buddhistischer Parabeln: Prostituierte wurden 'singende Nonnen' genannt, und der Ausdruck 'Shimabara-Nutte' - saihô jorô - konnte leicht in sein Gegenteil verwandelt werden, das buddhistische Reine Land des Westens - saihô jôdo." (p. 179)

"Indem sie [die Amerikaner] sich dem Zen mit den Gedanken näherten, stellten sie ihr Versagen in einer Disziplin sicher, deren Ziel es letztlich war, den Geist kurzzuschließen. 'Du sollst nicht über das Koan nachdenken', sagte der Zen-Meister, 'du sollst das Koan werden.'" (p. 271)

"Ich denke, weil wir japanischen Frauen nach außen hin so machtlos sind, müssen wir im Geiste stark sein. Das äußert sich auch auf gewaltsame und verdrehte Art, so wie in Hannya, einer wiederkehrenden Figur im -Drama, oder auch in Dôjôji: die Frau, die im Rausch ihrer Leidenschaft einen Mönch verzehrt. Der Ausdruck Hannya wurde zwar zuerst von einem Mönch geschaffen und ist das erste Wort eines berühmten Sutras. Doch wenn man ihn heute benutzt, denken die meisten Menschen sofort an ein Dämonenweib." (p. 303)

Mittwoch, 2. Juli 2014

Die Zen-Übung nach dem Erwachen

Meister Munan (1603-1676):

"Obwohl unsere Schule Erwachen (satori) als wesentlich ansieht, bedeutet dies nicht, dass du alles erledigt hast, sobald du erwacht bist. Es ist unabdingbar, dein Verhalten gemäß der Lehre zu kultivieren, um den Weg zu vollenden. 'Gemäß der Lehre' heißt, die Grundlagen deines Geistes zu verstehen. 'Verhalten kultivieren' heißt, Einsicht und Wissen zu nutzen, um Hindernisse eingefahrener Verhaltensweisen zu beseitigen. Darum hält man es auch für verhältnismäßig leicht, zum Weg zu erwachen, während das Umsetzen in die Praxis als enorm schwierig gilt. Bodhidharma sagte: 'Es gibt viele, die den Weg kennen, aber nur wenige, die ihn praktizieren.'"

Hakuin (1685-1768):

"Sich auf Zen konzentrieren schmeckt bitter wie eine gelbe Pflaume. Nichts ist ohne Anfang, doch nur wenige gelangen ans Ende. Zen ist nichts, womit man aufhört, wenn man es verstanden hat, oder was man wegwirft, sobald es verwirklicht wurde. Je mehr du verstehst, desto mehr vertiefst du dich in sein Studium. Je mehr du verwirklichst, desto mehr nimmst du auf dich."

Torei Enji (1721-1792):

"Bei der Übung ist der rechte Zeitpunkt wichtig. Es ist wie mit dem Pflügen im Frühling, Unkrautjäten im Sommer, Ernten im Herbst und Lagern im Winter. Wenn dein Frühlingspflügen vollbracht ist und deine Setzlinge des Erkennens der Buddhanatur gut gewachsen sind, wird der Sommer am Wichtigsten, wo du in die Felder des Absoluten pflanzt, und dann dort jätest. 
   Die 'Felder des Absoluten' bedeuten, dass du deine fest gegründete Meditationskonzentration in angenehmen wie unangenehmen Situationen anwendest, in Aktivität und Ruhe, in Freude und Trauer. 'Jäten' bedeutet, gute wie schlechte Absichten, Verwirrung wie Klarheit zu durchschauen und das große Potential jenseits der Dinge zu verwirklichen, indem man zu einem fein geschliffenen Schwert wird.
   Die Beispiele der Alten, auch in Form von Kôan und dergleichen, sollten erst einmal beiseite gelassen werden. Es gab mal einen, der drei Tage und Nächte schlafen sollte, weil ihn die Freude über seine Ermächtigung so übermannt hatte. So etwas schadet nämlich deinen Möglichkeiten auf dem Weg, hüte dich also vor übertriebener Erregung im Angesicht der Geschichten von den Alten. Ein anderer bekannter Lehrer schrieb Empfehlungen für eine dreijährige Zeit des Rückzuges in Stille. Die Altehrwürdigen der Sôtô-Schule ließen ihre Schüler drei Jahre lang das Aufgehen im Relativen wie Absoluten kultivieren, nachdem diese ihre eigene Natur erkannt hatten. Dieses Aufgehen im Relativen und Absoluten nenne ich die Sommer-Übung."

[Quelle: Thomas Cleary (tr.): The Undying Lamp of Zen. The Testament of Zen-Master Torei (Boston 2011)]
  

Mittwoch, 25. Juni 2014

Warum so viele Kambodschaner aus Thailand flohen

Die fluchtartige Rückkehr von über 200.000 Kambodschanern in ihr Heimatland dürfte eine komplexere Ursache haben als die bloße Furcht vor harschen Maßnahmen der thailändischen Militärregierung gegen illegale Einwanderer. Dafür spricht zum einen, dass auch viele legale Einwanderer das Land verlassen haben, zum anderen, dass es keine Massenflucht von Arbeitern aus Myanmar und Laos gab, die unter den gleichen unterschiedlichen Voraussetzungen (mal mit, mal ohne Pass) in Thailand arbeiten. Es ist ja bekannt, dass der kambodschanische Premier mit dem im Nachbarland geschassten Thaksin Shinawatra befreundet ist, und leicht kann man sich ausmalen, wie die beiden einen Plan ausheckten, die momentane Thai-Regierung zu destabilisieren und in Misskredit zu bringen. Dazu wurde zum einen das Gerücht gezielt gestreut, dass Einwanderer misshandelt oder gar ermordet worden seien (damit auch die Legalen Angst bekämen), zum anderen ging etwa unter den Illegalen die Mär um, wer nach dem 25. Juni nach Kambodscha ohne Pass zurückkehren wolle, dem würde die Einreise verweigert (was sogar Bettler auf Pattayas Straßen in Unruhe versetzte). Wäre am ersten Gerücht etwas dran gewesen, müsste man sich fragen, warum nicht auch etwa Burmesen in massive Nervosität gerieten. Das zweite Gerücht bewahrheitet sich nun auf eine perfide Art. 

Ein Kambodschaner, der einen Reisepass beantragte, musste dafür bis vor Kurzem 124 USD hinblättern, also etwa das Doppelte von dem, was ein Thai dafür bezahlt, und wesentlich mehr als uns Deutsche ein solcher Pass kostet. Wer es irgendwie eilig hatte  (z.B. Ausländer, die ihre Frau mit in die Heimat nehmen wollten und für sie Dokumente benötigten), durfte mit massiven Zuschlägen rechnen. Nun wurden vierzig angeblich zertifizierte Agenturen in Kambodscha beauftragt, ein Komplettpaket für die ausreisewilligen Arbeiter zu schnüren, für je 49 USD. Es beinhaltet den nun nur noch 4 USD teuren Reisepass, 20 USD für die Thai-Arbeitsgenehmigung, 10 USD für die kambodschanische Behörde, die ihrerseits eine Arbeitsgenehmigung fürs Ausland erstellt (!) sowie 15 USD für Transport und Verpflegung nach Thailand. Wenn man nur davon ausgeht, dass von den Rückkehrern die Hälfte bisher ohne Pass war, dann bedeutet dies, dass die kamboschanische Regierung mit den Neuanträgen über eine Million USD in kurzer Zeit verdienen würde. Da ich selbst schon für 15 Dollar von Kambodscha bis weit nach Thailand reiste, und das auf halbem Weg in einem VIP-Bus, machen auch die vierzig Agenturen dabei ihren Reibach (wer mal auf der Pritsche eines Wagens mit stehenden Arbeitern war, kann sich vorstellen, wie der Massentransport dort organisiert wird). Fragt sich nur noch, wem diese Agenturen gehören, mit dem das so genannte "trafficking" nun also legalisiert wird.

So verständlich das Anliegen der thailändischen Regierung ist, so offensichtlich auch die Heuchelei auf kambodschanischer Seite, die zunächst die Gegenseite heftig für den Exodus kritisierte und doch durch die horrenden Forderungen für Reisepässe die Ausbeutung der Khmer im Nachbarland erst ermöglichte. Kürzlich war ich mal wieder auf mehreren Baustellen, um ein paar Geschenke zu verteilen, und wie es meine Gepflogenheit ist, erkundige ich mich nach dem jeweiligen Tageslohn. An einer Baustelle bekamen die Khmer nur 200 Baht (ca. 4,50 Euro, 300 Baht sind der gesetzliche Mindestlohn), und da ich schon beim Betreten von einem aggressiven, betrunkenen Thai, der dort die Security spielte, verfolgt und aufgefordert wurde, zu gehen (ich ignorierte ihn weitgehend, wie es die Khmer taten), war auch gleich klar, dass es sich hier um illegale Beschäftigungen handelte. Natürlich heißt das nicht, dass ich ins blanke Elend blickte - nebenan spielten etliche der Khmer am frühen Abend Ball, insgesamt war die Stimmung nicht anders als auf den besser bezahlten Plätzen. Wer seine Heimat für solch einen Tageslohn verlässt, der wählt wahrscheinlich auch nicht Hun Sen. Diesem ist tatsächlich zuzutrauen, dass er potentielle Oppositionelle eher aus ihrer Heimat aussperrt als ihnen dort Arbeit zu verschaffen. 

Wer nur mal eine Woche nach Angkor reist, vom Charme des Kulturerbes und der auch dort noch ländlich geprägten Khmer verzaubert wird, dem entgeht das Ausmaß der staatlich sanktionierten Dummheit Kambodschas. Einer der Höhepunkte aus den vergangenen Jahren bestand in einer Direktive, Ausländern über 50 Jahren das Heiraten von kambodschanischen Frauen zu verbieten. Ich erinnere mich noch gut, wie ein General sich im Jahr 1999 mir in den Ruinen Angkor Thoms vorstellte, umringt von seinen Bodyguards, und auf eine zwei Köpfe größere junge Schönheit an seiner Seite mit den Worten "She is my plaything" verwies. Der Anblick älterer Ausländer mit jüngeren Khmer hingegen hatte einen Politiker so abgetörnt, dass er jene rassistische Anordnung erließ, die es folglich sogar einem 51-jährigen Deutschen unmöglich machte, eine 49-jährige Khmer zu heiraten.

Dieser Blödsinn hat Methode, und wenn man sich die stundenlangen mit Schlangenzunge geführten Reden Hun Sens im Fernsehen anhört, kann man dann schon mal auf solche kruden Ideen verfallen wie der Abt der Tuol Krasaing-Pagode. In seinem Sportwagen fuhr er zur Beerdigung seines Vaters, als ihn unterwegs der Drang überkam, sich mit Bier vollaufen zu lassen. Dass nun ein paar Dinge nicht mehr zusammenpassten, war ihm klar. Gut vorbereitet zog er sich einfach eine Militäruniform über, die ihn als Leutnant auswies. Dann baute er einen Unfall und die Sache flog auf, er landete im Knast. Ein paar Gläubige wurden zitiert, sie würden seiner Pagode schon lange nichts mehr spenden. Ob das einen Mönch, der bereits einen Sportwagen fährt, kratzt? 

(Theravada-Mönche bei Bauarbeiten in einem Tempel Poi Pets; Foto: Keller)

Mittwoch, 18. Juni 2014

Best of ... Spam-Mail

(Ich hatte gerade Lust, mich zu amüsieren, und hab mir darum mal die Spam-Mails der letzten Wochen genauer angeschaut, die ich sonst einfach lösche. Bekanntlich findet man auch im Müll hin und wieder Perlen. Eigentlich sollte ich den Spam-Ordner umbenennen in: Realsatire. Hier mein Best of ...)

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I love casual dating, quickies in the park and pool sex ;)
I'm not too picky about guys so just message me and lets have some fun!

 

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I am happy to know you, but God knows you better and he knows why he has directed me to you at this point, so do not be afraid. I prayed and got you email id from your country's ministries of commerce and foreign trade departments. I am writing this mail to you with heavy sorrow in my heart, this massage mighty come to you as surprise but i chose to reach you through internet because it still remains the fastest medium of communication through this medium internet has been greatly abused.Please give me this little chance to explain myself to you, I would have like to meet you face to face before departing from this mother earth but due to the illness continue to deprive the chance but even if I die on the process of this operation I will still praise ALMIGHTY.

My name is Mrs. Esther Heidi i am a dying woman and i decided to donate what I have to you for charity work/assistance to less privileged people in the society. I am 63 years old I am suffering from a long time cancer of the lungs which also affected my brain (...)
 

 

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Bitte offnen Sie die Anlage.
Die angehangte Datei ist sicher pdf-Datei.

Dank
Verwaltung

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Es ist frustrierend, wenn wir unseren 40er erreichen und unsere Bemühungen plötzlich unbemerkt bleiben. Die Peinlichkeit, die man spürt, wenn man Liebe mit seiner Frau macht, und man unbeabsichtigt wieder zuerst kommt und den enttäuschten Blick seiner Frau sieht. Ich verstehe komplett, wie das ist, ich habe das gleiche Problem durchgemacht.

Ich heiße Ray und ich möchte Ihnen helfen, die Beziehung zu Ihrer Frau wieder aufflammen zu lassen. Ich möchte Ihnen helfen, mit unserer 100% pflanzlich und natürlich hergestellten Potenzpille Stay Up Much HARDER im Bett 10 x länger wie gewöhnlich durchzuhalten Mit dieser Pille können Sie im Bett nicht nur länger durchhalten, Sie steigern auch Ihr Selbstvertrauen!

 

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"You have more friends on Facebook than you think."

 

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   (Foto: Keller/Mülltrenner in Amlong Pi, Kambodscha)

Mittwoch, 11. Juni 2014

Blödiane

Heute will ich mal wieder was Frisches einschieben, in dem Tonfall, den man von mir gewohnt ist. Komme nämlich gerade von einem Kurztrip zwecks Visaverlängerung aus Pakse in Laos zurück und habe dann mit dem Zug noch eine kleine Reise durch die Reisfelderregion Thailands, einen Teil des Isaans gemacht. Dann kam eben was Interessantes in Sachen Unbuddhisten rein, offenbar ist mal wieder einer am dortigen Zensor hängengeblieben. Vorneweg, einige wollen es ja nicht glauben, dass man sich verbal aufregen und dabei gelassen bleiben kann - ich muss meinen Blutdruck regelmäßig messen, ärztliche Anweisung, und er ist gerade bei ... 135:86 (und das trotz Erkältungsmitteln). Am Ende wird es, versprochen, noch richtig buddhistisch.

1) Wie es die zwölfgliedrige Kette des Entstehens so will (hoho, ich komme gleich drauf zurück), hatte ich just vor meiner nötigen Visumreise, die auf einen runden Geburtstag fiel, eine Frau zu Gast, die ich gerade erst kennengelernt hatte, die mir das Kompliment machte, ich sei der beste Lecker, und der ich dann spontan anbot, sie mit auf die Reise zu nehmen (ach, diese Männer ...). Zuvor jedoch hatte ich mögliche Ziele genannt, und bei Pakse kurz hinter der laotischen Grenze (im Süden des Landes) erzählte sie mir, da lebe der Vater ihres Kindes, der einst illegal in Thailand arbeitete. Darum also entschied ich mich für Pakse, wollte ihr eine Freude machen und versuchte am folgenden Tag vier Stunden lang, die Tickets online bei Air Asia zu buchen, mit ständigen Fehlermeldungen, die man laut Hotline gleich abstellen wollte. Am folgenden Tag versuchte ich es zur Sicherheit nochmal im Internetcafe, mit dem selben Misserfolg, stieg auf Nok Air um, deren Tickets man sogar im 7 Eleven-Supermarkt bezahlen kann (und die, wie sich herausstellte, sogar einen Snack ohne Zuschlag servierten). Das Zeitfenster für die Buchung war jedoch klein, sonst musste man immer wieder von vorn anfangen. Man mag es nicht glauben, die Frau konnte ihr Glück immer noch nicht fassen und nervte mich minutenlang am Telefon mit "Ohs", "Ahs", Gelächter, "really?" und anderen Nachfragen, als ich ihr Geburtsdatum und ihren vollständigen Namen für die Buchung erfragte. Die Buchung drohte also zu platzen, bis ich entnervt aufgab. Das sollte ich nicht bereuen. Ich flog alleine nach Ubon auf der Thai-Seite, fuhr über die Grenze, Pakse stellte sich als staubige Baustelle heraus, das Thai-Imitat-Essen war teurer als im Nachbarland, versalzen und gemüsefrei (Chilli-Chicken), und dann kam ein Laote mit mir ins Gespräch, der sanitäre Anlagen in Dörfern initiierte und am Ende tatsächlich meinte, die Demokratie habe doch noch nie funktioniert. 
  Mag sein, dass einer, der im Auftrag einer sozialistischen Regierung in einem der korruptesten Länder dieser Welt unterwegs ist, so etwas sagen muss, für mich war das jedoch der Grund, sogleich nach Thailand zurückzukehren, das er fälschlich ebenfalls für demokratisch hielt, wo es sich doch offensichtlich noch immer um eine absolute Monarchie handelt. Es ist jedenfalls das Land, wo die Westler sein wollen, und zwar in erheblich größerer Anzahl als in dessen sozialistischen oder anarchischen Nachbarländern. Irgendetwas scheint der Laote nicht verstanden zu haben, als er in Australien studierte. Wie um die Sache zu kommentieren, spürte ich beim Warten auf den Minibus zur Grenze plötzlich ein Krabbeln über meiner Socke, und siehe da, die größte Kakerlake, die ich je sah, hatte sich an meine Wade geheftet. Was ich auch immer über Kakerlaken sagte, in Thailand und sonstwo hatte das noch keine gewagt. Dieser blöde Finne, der mal meinte, ich sollte es nochmal mit dem Süden von Laos probieren, wo mir schon im Norden ähnliches einst widerfahren war, das Land ärmer, aber alles teurer als in Thailand ...


(Foto: Keller)

2) Der nächste Blödian war dann der unvermeidliche Koberer oder Schlimmeres, der bei meiner Rückkehr aus dem Somdet-Park in Srisaket in Thailand (eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in bzw. bei der Stadt) auf seinem Moped neben mir hielt. Ich war verschwitzt, stundenlang marschiert (5 Liter Flüssigkeit an diesem Tag getrunken und nix abgenommen), da kommt mir der Typ so (ich übersetze): "Was haben Sie denn in dem Park gemacht? (Vögel gezählt ...) Sind sie alleine? (Nein, Aniki steht da im Busch und wartet nur auf ein Handzeichen von mir ...) Kann ich Ihnen helfen (d.h., wollen Sie nicht ein Stück mitfahren, damit ich sie ausrauben/in den Arsch ficken/ihnen eine Hure/meine Tochter verscherbeln kann)? (Nein, mein Arzt hat mir alles andere als Laufen verboten ...).
   Das ist die Krux mit dem Alleinreisen und -laufen. In Siem Reap, nicht weit von Angkor, kann man nach Einbruch der Dunkelheit damit rechnen, regelmäßig mit dem Spruch "You want marihuana, you want girls?" von der Seite angequatscht zu werden. Nichts geht mir mehr auf den Geist als wenn einer meint, ich bräuchte ihn, um gute Weiber zu finden, weshalb ich einem dort schon mal beim dritten Mal mit dem Tode drohte und den Touristenpolizisten in der Nähe gleich davon in Kenntnis setzte (das ist das Schöne, wenn man davon ausgehen kann, dass die Korrupten unter einer Decke stecken).

3) Gerade kam eine email rein, von einem "Bernd", der mit mir auf dem Unbuddhisten gleichgesetzt wurde (der "Unbuddhist" ist jener Idiot, der nicht kapiert, das man sich unter diversen Usernamen auf diversen Plattformen wie Google und Wordpress anmelden kann, ohne damit seinen bürgerlichen Namen verschleiern zu wollen/müssen). "Bernd" geht wie ich davon aus, dass seine Beiträge unabhängig von ihrem Gehalt und Bezug auf dortige Texte nicht erscheinen, wenn sie den wunden Punkt der Non-Buddhisten treffen. Er tat dies so, und ich ergänze das noch:

"Es folgt ein letzter Versuch, den in mehreren emails von Matthias geäußerten Vorschlag, auf die Thesen von ihm und seinen Genossen einzugehen, was er in meinen Beiträgen offenbar regelmäßig nicht erkennen kann. Das ist nämlich in aller Einfachheit und Verständlichkeit ganz einfach. Zitat aus dem obigen Beitrag:
   “Die kognitive Entscheidung des Buddhismus besteht aus dem Postulat der raumzeitlichen Wechselhaftigkeit (samsara) als bedingt Gegebenem und aus demjenigen der Kontingenz (paticcasamuppada) als dessen bedingender Tatsache. (Wallis, 228; unsere Hervorhebung)”
   Argument 1: Dieses Postulat ist in meinen Augen falsch, es handelt sich um eine falsche Prämisse. Richtig heißt es in der Art des Buddhismus, die die Genannten NICHT betrachten (da sie “pars pro toto” institutionellen und kommerziellen Buddhismus verallgemeinern) zum Beispiel:
   “Die kognitive Entscheidung des Buddhismus besteht aus dem Postulat, dass die Art, in der ein Mensch denkt, von diesem so zu durchschauen ist, dass er sich der Gedankenprozesse hochbewusst wird und seine an die Gedanken gebundenen Gefühle und Handlungsweisen von sich einst verselbständig habenden Gedankenketten unabhängig machen kann.”

Argument 2: Der Satz von Wallis macht logisch keinen Sinn, da “Kontingenz” in der Philosophie folgendes bedeutet: “die Nicht-Notwendigkeit potenzieller Ereignisse im Gegensatz zu metaphysischer, schicksalshafter Notwendigkeit”. Hingegen bedeutet “paticcasammuppada”: bedingtes Entstehen oder Entstehen in Abhängigkeit, es ist also von einer Notwendigkeit gekennzeichnet, was im Bild der zwölfgliedrigen Kette verdeutlicht ist.
  Glen Wallis hätte dann diese Begriffe gleichgesetzt, was keinen Sinn macht. An dieser Begriffsverwirrung wird das grundlegende Verständnisproblem für andere deutlich. Etwas nicht-notwendiges (Kontingenz) kann nicht “bedingende TATSACHE” sein. Es ist eigentlich unbegreiflich, wenn es sich hier nicht um eine unsägliche Übersetzung handelt, wie ein Akademiker, der selbst aus dem Palikanon übersetzt, solche Verdrehungen verursacht.
   (...) IHR habt nicht verstanden. Der Buddhismus ist eine Geistesschulung, kein Dogmen- oder Lehrgebäude."

Dem ist durchaus noch etwas hinzuzufügen. Hier bestätigt sich wieder meine These, dass es nicht so sehr um den institutionellen, sondern konkret um den Theravada-Buddhismus und seine Lehren bei den Projektionen des (kommunistisch/feministisch-misanthropen*) Unbuddhisten geht. Auch wenn Wikipedia das vielleicht nicht so sieht, ist etwa im Madhyamika und im Zen die zwölfgliedrige Kette des Entstehens, verstanden als Leerheit (shunyata), ein ganz anderes "Postulat" als die Bedingung von "Samsara". Sie ist vielmehr Kennzeichen der Dinge, der Existenz, und damit auch der Glieder dieser Kette wie Sinnesorgane, Bewusstsein etc. Ähnlich dem Taoismus sieht das Zen die geistigen Phänomene als Täuschungen oder als traumhaft an, im Erwachen zur Erkenntnis deren Leere (und eben nicht der Erkenntnis einer logischen Ereigniskette, die nur eine vorübergehende LeHre darstellt) ist Samsara als solches aufgelöst (weshalb auch "Samsara und Nirwana sind eins" gesagt wird). Diese Erkenntnis ist ganz wesentlich anders und hat andere Folgen als ein Festhalten an einem uralten Dogma, das nur im Theravada (wie die edlen vier Wahrheiten) als unverrückbar zentraler Glaubensinhalt gilt. Im Zen ist diese zwölfgliedrige Kette bereits dekonstruiert. Wie so oft auch in buddhistischen Foren wird hier also eine Anfänger- oder schulspezifische Sicht verallgemeinernd als wesentliche Erkenntnis (Postulat) aller buddhistischen Lehrer und Praktizierenden angesehen. Und das ist dann mein Geburtstagsgeschenk an die Leser dieses Blogs. Buddhismus wird interessant, wenn man ihn akademisch untersucht oder vom Standpunkt tieferer Erkenntnis betrachtet und nicht von dem derjenigen, die am Anfang ihres Weges schon genau das Gleiche behaupten und nachplappern, was ihnen ihre Theravadalehrer am Ende ihres Weges nur beibringen können. 

Natürlich gibt es Wichtigeres. Vor allem das Knie von Luis Suarez.

Oder sein Gebiss ... **

(* Ergänzung vom 23.6.)
(** Ergänzung vom 24.6.)