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Posts mit dem Label "Angkor" werden angezeigt.

Der Körper lebt, die Seele stirbt

Die Terasse des Leprakönigs ist ein Bühnenstück von Yukio Mishima (1925-1970), benannt nach dem gleichnamigen Tempelkomplex in Angkor. Am Ende gibt es einen Dialog zwischen der Seele, die stirbt, und dem Körper. Mishima interpretiert den Bayontempel mit seinen Gesichtern des Buddha Avalokiteshvara als quasi ewige, spiegelbildliche Verkörperlichung des Khmer-Königs Jayavarman VII., der den Bau in Auftrag gab. Die Idee, dass nicht die Seele, sondern der Körper unsterblich sei, findet hier ihren in Stein gemeißelten Ausdruck. Der Körper spricht zur Seele in einem zennahen Duktus: "Stirb nun also, verlösche. Der frische Morgenatem, der Morgenwind, in die weiten Lungen inhaliert - auf diese Weise beginnt der Tag für den Körper. Dann badet der Körper, kämpft, rennt, liebt, betrinkt sich mit den besten Weinen der Welt, wetteifert, um zu sehen, welche Form die schönere ist, macht Komplimente usf. - bis er sich am Ende des Tages mit einem anderen Körper zur Ruhe bettet. Der Körper ei...

Monk-eee

"Schließlich bist du in der Lage, Affen zum Weinen zu bringen, indem du nur eine Augenbraue anhebst ..." (Zenmeister Tetsugen Dôkô in einem Brief an den Meisterbogenschützen Hoshino Kanzaemon) Wer mehr wissen will: Makaken und Männerfreundschaften.

Neues aus Kambodscha:
Dreck, Trekker, am dreckigsten

Hier spielen gerade ein paar Dutzend kreischende kambodschanische Jungs um mich rum im wahrscheinlich groessten Internetcafe Siem Reaps (nahe Angkor), das gleichzeitig auch ein Burgerladen ist, mit angeschlossenem Designercafe und ueberteuertem Supermarkt. Der Laerm ist unfassbar. Zwischen Maedchen und den Jungen der Khmer liegt eine charakterliche Entfernung wie zwischen Erde und Sonne. Die erwachsenen Maenner sind teils auch nicht viel besser. Von den Maedchen, die ich vor gut zehn Jahren hier kennenlernte, haben fast alle inzwischen geheiratet und mehrere Kinder. In vielen Faellen leben sie in den Doerfern rund um Angkor und bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Verkaeufe von T-Shirts und Souvenirs an Touristen. In vielen Faellen haben ihre Maenner einen Job in der nahe gelegenen Stadt Siem Reap gefunden und halten sich inzwischen eine Nebenfrau bzw. besuchen ihre eigentliche Ehefrau nur noch tageweise. In einem Fall laesst der Ehemann dann 15 Dollar fuer seine Gattin und die geme...

Angkor 2001

(Zwischen 1999 und 2001 wurde der Angkor Verlag gegründet, der seinen Namen den Erlebnissen in Kambodscha verdankt.) Mit 35 Kilogramm Brillenspenden im Gepäck flog ich diesmal direkt nach Siem Reap, auch wenn aufgrund eines Monopols von Bangkok Airways die Preise für die Flüge aus Bangkok völlig überzogen sind. Dafür hatte man mich das Übergepäck kostenlos in die Propellermaschine mitnehmen lassen. Wir flogen knapp über einer Wolkendecke, Blitze zuckten um uns herum. Ich fragte mich, warum dieser Fall nicht auf meiner Videokassette gegen Flugangst behandelt wurde. Bei der Landung bizzelte es plötzlich heftig an der Stelle, an der die Nase in die Stirn mündet. Später erklärte mir mein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, dass diesem harmlosen Phänomen mit Nasentropfen (nicht Meerwassersprays) vorzubeugen wäre, es aber in manchen Fällen auch auf eine Nervenreaktion von der Halswirbelsäule aus zurückzuführen sei, die durch die Veränderung der Druckverhältnisse im Flieger bewirkt würde.  ...

Angkor 1999 (IV)

   Als ich dem japanischen Filmteam begegnete, fiel mir ihr Dolmetscher auf, ein Khmer, der Japanisch konnte und den Namen einer Mangafigur trug: Akira. Er lud mich in sein im Aufbau befindliches Kriegsmuseum ein, dass er bald eröffnen wollte. Ich fuhr durch ein Gebiet neben der Straße nach Angkor, wo man vor allem Kriegs- und Minenopfer sowie ehemalige Bewohner von Flüchtlingslagern angesiedelt hatte. Die Lager befanden sich an der Grenze zu Thailand. Akira war Minenräumer gewesen und lange Zeit auch für die UN im Einsatz. Er hatte sich Land an dem kleinen Flüsschen gekauft, das nach Siem Reap führte, und damit vielen Einheimischen die Angst vor diesem Areal genommen, das als stark vermint galt. Noch schlief er in einem Wachturm, hinter Reissäcken und unter einem Maschinengewehr. Ebenerdig befanden sich seine Ausstellungsräume, entschärfte Minen unterschiedlichster Art, mit Hinweisschildern in verschiedenen Sprachen versehen. Akira konnte zu jeder eine Geschichte erzählen....

Angkor 1999 (III)

    In Siem Reap fragte ich eines Abends einen Khmer auf der Straße nach dem Weg zum Krankenhaus. Er erkundigte sich, ob mir etwas fehle. Nein, meinte ich, aber ich hätte einige Medikamente dabei, die von der Behandlung meines krebskranken und inzwischen verstorbenen Vaters übrig geblieben waren, darunter ein paar starke Schmerzmittel. Da stellte sich heraus, dass mein Gegenüber Arzt in einem Kinderkrankenhaus war. Dieses Hospital sollte ein paar Tage später offiziell eröffnet werden. Es war von einem amerikanischen Fotografen japanischer Abstammung mithilfe finanzkräftiger Freunde gebaut worden, weil sich die medizinische Versorgung des Provinzkrankenhauses in Siem Reap katastrophal darstellte. Nachdem zu Zeiten der Roten Khmer, besonders zwischen 1975 und 1979, die gesamte Intelligenz und Bildungsschicht Kambodschas ausgerottet worden war, herrscht nun extremer Nachholbedarf bei der Ausbildung von Medizinern. Das Angkor Hospital for Children (AHC) , so ...

Angkor 1999 (II)

   Mit Rain fuhren wir zum Thai-Boxen. Khmer gegen Thai, so sahen die aufregendsten Kämpfe aus. Ich schloss mit Rain Wetten ab, natürlich auf die Thais, die ich in ihrem Heimatland oft genug kämpfen gesehen hatte. Das war ein Fehler. Die Khmer-Kämpfer waren so voller Wut und Hass auf ihre Nachbarn, dass sie sie nach Strich und Faden verprügelten. Ich saß am Gang, wo die geschlagenen Thais von ihren Gehilfen weggeschleppt wurden. Der Kampfgeist der Khmer war also ungebrochen. Joy wollte nicht mehr zurück und schlief mit Rain unter dessen Moskitonetz, im Freien, vor den Zimmern des Gästehauses, wie viele Fahrer. Einige wohnten zu weit weg, um abends zu ihren Familien zurückzukehren, andere hatten kein Zuhause. Außerdem war das eine Schutzmaßnahme, denn schon einmal waren des Nachts Überfälle auf Gäste oder schlafende Fahrer verübt worden, deren Mopeds beliebtes Diebesgut darstellen. Rain düste nachts so schnell aus Angkor heraus, wie er konnte. Man hatte einmal einen Fahrer v...

Angkor 1999 (I)

Mein Visum für Thailand lief aus. Ich musste kurz aus dem Land heraus, um bei der Einreise ein neues zu bekommen. Darum flog ich nach Phnom Penh. Meinen Kambodscha-Reiseführer hatte ich vergessen, also schloss ich mich einem älteren Pärchen aus Neuseeland an, das ich beim Geldumtausch am Flughafen kennenlernte. Wir bestiegen ein Taxi und steuerten N.s Gästehaus an, eine typische Backpacker-Absteige, eigentlich das, was ich sonst meide, wegen des unvermeidlichen Geschwätzes und der Kifferei der Jugendlichen, die man dort regelmäßig antrifft. Man musste sein Zimmer mit einem Vorhängeschloss verriegeln, vor dem mehrstöckigen Haus warteten bereits aufdringliche Mopedfahrer, um einem die wichtigsten Ausflugsziele aufzudrängen. „Killing Fields, Mister?“, meinte einer, „I am policeman, you safe with me.“ – „Oh, fine, I am policeman myself, so you safe with me, too“, log ich radebrechend und stapfte zu Fuss einmal ums Karree, um mich später in der Nacht besser orientieren zu können. Mit dem...