Mittwoch, 24. Februar 2016

Vor der Ehe noch schnell mal Mönch werden (103 kg)

"Tini erwiderte mit Entschiedenheit: 'Weil er ... seine Liebe heißt für mich Angst, Zweifel, Erstarrung; sie stürzt mich in Wirrnis und noch größere Leere ... ich habe doch nichts, was ich ihm geben kann außer bloßem Sand, einer ganzen Sandwüste ... ich habe keine Liebe, in die er sich flüchten kann - und gerade die braucht er! Liebe ... ich habe keine, bin ausgebrannt ...'" [Arminjn Pane: In Fesseln (Horlemann 1993)]

Ich bin einst im "wahren Leben" einer solchen Frau begegnet. Es war beim letzten Mal, als ich verliebt war - und das erste Mal, dass ich mit klarem Blick da durch ging, und mir, sehenden Auges, nichts ersparen wollte. Im Nachhinein stellte sich wie immer die Frage, ob es nicht vielleicht besser ist, sich überhaupt nicht in die damit verbundenen Illusionen zu verstricken und ohne solch tiefe Gefühle für eine bestimmte Person durchs Leben zu gehen. Ich habe diese Frage für mich verneint. Aber ich suche nach nichts, warte, was das Leben an Überraschungen für mich bereit hält. Was ich nicht tue, ist, Beziehungen aus Angst vorm Alleinsein einzugehen oder mich mit faulen Kompromissen zu begnügen. In meinem Bekanntenkreis sind relativ viele Männer, die immer wieder von Problemen mit ihren Partnerinnen erzählen. Ich kann manchmal nicht verstehen, weshalb sie sich für die falsche Partnerin entschieden haben oder sich dem ganzen Trouble aussetzen, zumal wenn keine Kinder da sind. Die bessere Alternative war für mich schon immer ein ungebundenes Leben. Und just in diesem Monat las ich das Fazit eines Mannes über die fünf Dinge, die er in seinem Leben bedauerte, darunter Bindungen aus Angst vor Einsamkeit und das Zusammensein mit Menschen, die man eigentlich nicht mag. Zeitverschwendung.
   In den letzten Jahren begegnete ich einigen Frauen, die ich mochte. In Anlehnung an häufig gezeigte Musikvideos auf MTV sprach ich von meiner "heavy rotation". Die Frau, mit der ich am häufigsten Sex hatte, habe ich bei ihrer letzten Schwangerschaft begleitet. Inzwischen übernachtet sie etwa eine Woche pro Monat bei mir, wenn sie in der Stadt zum Arbeiten ist. Unterdessen kümmert sich ihre Mutter um deren Kinder - wenn sie nicht gerade ihr 20 Jahre altes Motorrad mit den Fersen zu bremsen sucht.
   Zwei weitere junge Frauen aus meiner "heavy rotation" wollen demnächst heiraten. Änn, die ältere, kroch nach der Trennung von ihrem letzten Freund für eine Nacht bei mir unter. Wir hatten uns einst auf witzige Weise an einem Essensstand kennengelernt und waren gleich auf einer Wellenlänge gewesen. Sie ist von dem Typ, der nicht alleine sein kann. Bald lernte sie einen Mann über eine App kennen, der in einer Fabrik arbeitete und den relativ weiten Weg an Wochenenden auf sich nahm, um sie treffen zu können. Er holte seinen traditionellen Aufenthalt im Kloster nach und wurde Mönch auf Zeit. Mit Änn wird eine Frau davonziehen, die stets ihre Verabredungen einhielt und ihr Bestes gab. Sie ließ sich gern von mir massieren, aber wenn sie bemerkte, dass ich erschöpft war, fragte sie nicht danach. In ihrer thailändischen Lieblingstalksendung ging es für die Beteiligten darum, zu erraten, wer unter ihnen ein Polizist sei. Ich sage es ihr nach zwei Minuten, und es stimmte. Dann kam der Trailer für die Sendung der kommenden Woche. Auch anhand des Trailers konnte ich es ihr vorhersagen. Sie war fasziniert. Doch als ich behutsam ein paar Bedenken bezüglich ihres künftigen Ehemannes äußerte, schenkte sie mir natürlich kein Gehör. Wie auch immer, ich habe ein kleines Geschenk für sie in petto.
   Niu hingegen hatte seit Jahren einen europäischen Gönner, der ihr immer wieder Geld schickte, das sie nicht selten in die üblichen (inhalierten) Drogen steckte. Inzwischen fehlen ihr deshalb zahlreiche Zähne, und angeblich hat sie sogar die Kohle für den Zahnersatz verjubelt. Als ich sie tadelte, weil sie nicht mit ihrem Gönner, sondern mit einem thailändischen Mann in ihr Heimatdorf gereist war und das auch noch auf Facebook abfeierte, rückte sie mit der Sprache heraus. Der Europäer hätte sich eben nie zu einer konkreten Entscheidung durchringen können, der Thai hingegen ihr einen Antrag gemacht. Seine Eltern hätten sich schon mit ihren Eltern getroffen und alles arrangiert. "Diesmal meine ich es ernst." Wir werden sehen. Niu bot erstklassigen Oralsex, aber geküsst hat sie nicht einmal ihren Freund. Ich hoffe, ihr Mann bekommt alles von ihr.
   Wenn ich in Deutschland nach solchen Dingen gefragt werde, bemühe ich mich, die Vorurteile und Irrtümer abzubauen, die ideologisch gesinnte Interessengruppen und Boulevardmedien gegenüber Thailand pflegen und die sich im Otto Normalverbraucher festsetzen. Ich erzähle von Vertrautsein, dass meine Freudenmädchen teils miteinander befreundet sind, wir gemeinsam essen gehen und ich auch schon deren männliche Partner mit eingeladen habe. Manchmal greife ich sogar aktiv in ihre Beziehungen ein, so bei den Kontrollanrufen eines Eifersüchtigen. Ich sagte diesem, auf Thai, dass er sich keine Sorgen bei mir machen müsse, ich würde ihm seine Freundin nicht ausspannen und sie gut behandeln. Ein paar Monate danach war trotzdem Schluss zwischen den beiden. "An dir lag es nicht", sagte Eh, "aber es waren zu viele andere Männer für ihn, er störte dauernd meine Arbeit, und wenn er jemanden nicht so kannte wie dich, hat er sich immer Sorgen gemacht und wurde eifersüchtig." Als junger Kerl dürfte man schwer verstehen, dass eine Frau - wie ein Mann - mit mehreren Menschen Sex haben und doch einen auf besondere Weise gern haben kann. Vor ein paar Tagen rief ich sie an. Es war ihr Geburtstag, und sie freute sich wie ein Kind.

Die Humorlosigkeit und Ignoranz, mit der Außenstehende und Heuchler* auf dieses Thema blicken, wird noch bedauerlicher, wenn man die Unterschiede begriffen hat, die zwischen einer Akkordhure, wie man sie in vielen deutschen Bordellen antrifft, und einer "professionellen Freundin" in Südostasien bestehen.

[* 88 % aller deutschen Männer gehen zu Prostituierten, 47 % ein Mal pro Monat.]

"Nur in den Deutschen allein kann man keine Spur von Humor finden, und ihr Ernst wird von einer Empfindsamkeit begleitet, die oft jenseits der Vorstellungskraft ist." [Robert Louis Stevenson: A Footnote to History: Eight Years of Trouble in Samoa (1912)]




Mittwoch, 17. Februar 2016

Gedichte von Saigyô

 "Nun sind die Blüten überall,
und ich kann hingehen, 
wo ich nie zuvor gewesen bin."

Saigyô (1118-1190) war ein  Wandermönch und -poet der Shingon-Schule. Viele seiner Verse wurden eingeleitet von Angaben zu Ort, Zeit und Anlass der Gedichte. Er schrieb gern über die Kluft zwischen Wirklichkeit und Erscheinung und über Handlungen und Ansichten, die die gewöhnliche Gesellschaft aufgrund ihres Hangs zu Illusionen nicht begreifen konnte. Saigyôs Ablehnung dieser Gesellschaft ging einher mit dem Wunsch nach Anerkennung für sein poetisches Talent. Er brachte sowohl sein Vergnügen als auch sein Leiden am Leben eines Einsiedlers zum Ausdruck. Saigyôs Verse tragen zuweilen metaphysische Züge, die in einer tiefen ekstatischen Erfahrung gründen. Die Form des waka-Gedichtes (das aus 5-7-5-7-7 Silben besteht) verstand er als eine Art buddhistisches Mantra. Natürliche Schönheit war für ihn ein Ausdruck der Erleuchtung, und von ihr beeinflusst zu werden bedeutete die Übung des wahren Weges. Doch konnte er diese Schönheit auch in schlichten, farblosen Dingen sehen, wie es der späteren wabi (sabi)-Ästhetik Japans entsprach. Saigyô war insbesondere besessen vom Vollmond, dessen Erscheinung als Konzentrationspunkt ausgedehnter Meditationen diente. Er wollte aware bzw. mono no aware erfassen, die tiefgreifende Schönheit der Dinge gerade aufgrund ihrer Vergänglichkeit. Hier sind ein paar Beispiele seiner Dichtkunst.


shide no yama
koyuru taema wa
araji kashi
nakunaru hito no
kazu tsuzukitsutsu

Da ist keine Lücke, keine Unterbrechung
in den Rängen derjenigen,
die unter dem Hügel marschieren:
eine endlose Reihe sterbender Männer,
die vorwärts gehen, vorwärts, vorwärts ...

***

hana chirade
tsuki wa kumoran
yo nariseba
mono o omowan
waga mi naramashi

Eine Welt 
ohne Zerstreuen von Blüten
und ohne Bewölken des Mondes,
würde mich 
meiner Melancholie berauben.

***

hitokata ni
midaru to mo naki
waga koi ya
kaze sadamaranu
nobe no karu kaya

Mein Liebesleben
ist nicht so verwirrt,
dass es sich nur nach einer Seite neigte.
Ein Bündel Schilf beugt sich auch
vor jedem Wind, der es bewegt. 

***

omokage no
wasurarumajiki
wakare kana
nagori o hito no
tsuki no todomete

Ich werde nie ihren Anblick vergessen,
als sie Aufwiedersehen sagte,
besonders wo sie als Andenken
ihr sorgenerfülltes Gesicht 
auf den Mond da oben klebte.

***

yoshi saraba
namida no ike ni
mi o nashite
kokoro no mama ni
tsuki o yadosan

Es wird alles gut.
Mag mein Körper sich auch
in einen Tränenteich weinen,
so wird darin mein unverändert' Herz
dem Mond doch eine Herberge sein. 

***

toshitsuki o
ikade waga mi ni
okuriken
kinô no hito mo
kyô wa naki yo ni

Warum werden in dieser Welt,
wo einer, der gestern noch hier war,
heute fort in die Welt des Todes ist,
mir mehr und mehr Jahre
und noch mehr Monate gewährt?

***

ada naranu
yagate satori ni
kaerikeri
hito no tame ni mo
sutsuru inochi wa

Nichts ist verloren,
da im Satori alles, 
was abgeworfen wurde,
wiederkehrt: 
Leben, für ein "anderes" aufgegeben. 

***

yo no naka ni
nakunaru hito o
kiku tabi ni
omoi wa shiru o
orokanaru mi ni

Menschen vergehen
und die Tatsache der vergänglichen Welt
beeindruckt mich - hin und wieder. 
Ansonsten lässt mein träger Verstand
auch diese Wahrheit vorüberziehen.

***
 (Ein Wintergedicht)

yamagawa ni
hitori hanarete
sumu oshi no
kokoro shiraruru
nami no ue kana

In einem Bergbach
treibt still über das Kräuseln dahin
eine Mandarinente, nun allein
nach dem Verlust ihrer Gefährtin.
Ein Gemütszustand, den ich kenne.


[Literatur: William R. LaFleur: Awesome nightfall: the life, times, and poetry of Saigyô (Somerville 2003)]

                                            

Donnerstag, 11. Februar 2016

Flüchtlinge (104 kg)

"Die Grundlage jeder Regierung ist das Recht und nicht das Mitleid." (Woodrow Wilson)

"Es gibt Obergrenzen, wie viele Migranten ein Land integrieren kann. Eine offene Gesellschaft braucht Grenzen, um offen bleiben zu können in einem Umfeld voller Illiberalität." (Der niederländische Soziologe Paul Scheffer in der SZ vom 31.01.2016). 

In den vergangenen Wochen machte mich die Polizei mehrfach stutzig. Ja, die Polizei. In einem Video über eine Auseinandersetzung von offensichtlichen Ausländern mit Deutschen in der Münchner U-Bahn sah sie keine Straftat, obwohl ein Fahrgast in den Schwitzkasten genommen wurde.* Und auf die Bemerkung einer AfD-Politikerin, an der Grenze solle die Polizei notfalls von der Schusswaffe Gebrauch machen, hörte man aus deren Gewerkschaftskreisen, dies sei nur bei einem Verbrechen und Flucht möglich. Offenbar geht es hier um Wortglauberei. Während die AfD-Vorsitzende sich auf einen illegalen Grenzübertritt bezog, ist tatsächlich - nach Androhung - ein Warnschuss und mehr möglich, sollten sich Menschen durch Flucht ihrer Kontrolle entziehen. Wenn die Polizei sich Bewaffneten entgegensieht, geht das zuweilen auch schnell.
   Der oben erwähnte Migrationsexperte Scheffer bedauerte das monatelange Ausbleiben einer lebhaften innerdeutschen Debatte über Merkels Willkommensgestus. Eine bekannte deutsche Wochenzeitung habe sogar seine kritischen Bemerkungen mehrfach redaktionell relativiert. Erst am 3. Februar hörte man vom obersten Verfassungsschützer, der IS würde Kämpfer mit dem Flüchtlingsstrom einschleusen (noch vor wenigen Monaten war dies naiv aus Polizeikreisen verneint worden, mit der Randnotiz, diese Kämpfer würden eher den bequemeren Luftweg wählen). Dies wird freilich sofort relativiert mit dem Hinweis, dahinter stünde die Strategie des IS, den Flüchtlingsstrom diskreditieren zu wollen und so ein Aus- und Einwandern der unter dem IS Leidenden zu behindern. Es gibt neuerdings eine weit verbreitete Neigung, solche Gefahren herunterzuspielen, um an der großen Geste des deutschen Mitleids - das sich aus einer falsch verstandenen Schuld an der Vergangenheit speist - nicht rütteln zu müssen.
   Als die unsäglichen Riesenpapierbögen zu den Kommunalwahlen bei uns eingingen, schimpfte meine Mutter, sie würde ungültig wählen, und wir waren uns einig, dass sich zuletzt niemand geistig so hervorgetan hatte, dass er/sie sich als wählbar aufdrängte. Mein Bruder, der in einer Flüchtlingsunterkunft nach dem Rechten sieht (zunächst Syrer, nun eher Afghanen, und nur Männer), erzählte mir, dass dort die Mülltrennung nicht verstanden, in der Sporthalle geraucht würde und gewisse Ansprüche bei der Kleiderwahl zutage träten. Das ist an sich noch kein Drama. Wegen der Spannungen und der Gewalt in den Unterkünften selbst ist mein Bruder um den Job jedoch nicht zu beneiden.
   Wenn die Politik Merkels so fortgesetzt wird, ist dies nicht mehr mein Land. Also wird entweder sie gehen oder ich. Da ich schon mit einem Bein draußen bin, dürfte mir das leichter fallen. Allerdings bin ich gar nicht so pessimistisch. In einigen Ländern Südostasiens, in denen ich mich schon aufhielt, hätte Merkels Alleingang zwar möglicherweise zu einem Militärputsch geführt, und ein paar Vernünftigere hätten sie entmachtet. Deutsche haben oft eine lange Leitung, und so wird es also noch eine geraume Zeit brauchen, bis dann am Ende doch die Grenzen dicht sind und diesmal Deutschland eine hohe Mauer baut, weil ein Zaun es nicht tun wird. Ob das noch zu meiner Lebenszeit geschehen wird, weiß ich nicht. Doch: "Wir schaffen das." Nur ganz anders, als es sich Merkel vorstellt. Grenzen zu und Augen auf, wie Scheffer meinte. Mitempfinden in Grenzen statt grenzenloses Mitleid (Helfersyndrom). Und ja, es ist im Grunde Merkel selbst, die Europa in Gefahr brachte. Oft wurde darauf verwiesen, dass nun endlich eine Christdemokratin mit dem "C" im Namen ihrer Partei ernst machte. Und wie üblich sehen wir das Unheil heraufdämmern, wenn sich jemand durch seinen Glauben leiten lässt, wo Vernunft gefragt wäre. Ein Buddhist an ihrer Stelle würde auch bloß in seinem metta ersaufen, ohne je ein Schlauchboot bestiegen zu haben. Und sich nochmal drei Generationen in Geduld üben, bis die "Integration" funktionieren soll (was sie nicht tut, wie ich aus meinem einstigen "Asso-Block", einem sozialen Brennpunkt, ja hin und wieder berichete).
   Kommen die Ärmsten oder bereits Privilegierte? Könnte wirklich jeder die durchschnittlichen fünftausend Dollar für eine Flucht auftreiben? Ich bin dafür, die finanzielle Hilfe auf Flüchtlingslager und Unterkünfte in der Nähe der jeweiligen Heimatländer zu konzentrieren. Ein Flüchtlingslager sollte so aussehen, dass ein menschenwürdiges Leben darin möglich ist, aber sogleich ein Rückkehrwunsch in die Heimat umgesetzt wird, wenn in dieser wieder Friede einkehrt. Deutschland ist kein solches Lager für Flüchtlinge, sondern hat den Nimbus eines irgendwie heiligen Landes. Einem solchen Land kehrt vor allem derjenige den Rücken zu, der die Scheinheiligkeit durchschaut hat und den man seiner Heimat entfremdet. Der zuvor schon Entfremdete wird zum Bleiben neigen.

"Flüchtlingshilfe ist keine Lösung. Die Lösung ist: Gebt uns eine Waffe, und wir erledigen den Rest." (Ein Afghane zu William T. Vollmann im Jahr 1984)

"Levi erzählte, dass die Männer ihre Frauen manchmal wie Autos abstellen, wenn sie irgendwo hingehen, und sie zwei Stunden lang mit dem Gesicht zur Wand stehen lassen." (William T. Vollmann: Afghanistan Picture Show oder Wie ich die Welt rettete. Suhrkamp 2008)

* Einige Tage, nachdem ich diesen Beitrag verfasste, korrigierte die ermittelnde Polizei diese Ansicht.

[Selbst im World Wide Web gibt es harsche Ländergrenzen, sie folgen dem Prinzip des "Geoblocking". Daher nun mein zweiter Versuch, den folgenden Titel - wenn auch in einem schlechteren Video als zuvor - zu verlinken ... Das bessere Video sieht man mit dem Tor-Browser hier.]



[Natsume Mito:  Kyabesyuno Yatsunouta]

Mittwoch, 3. Februar 2016

Miet dir nen Mönch!

Dieser Tage ging durch die Presse, dass eine große buddhistische Organisation Japans gegen den Miet-Mönche Service protestierte, der über Amazon angeboten wurde. "Obo-san bin", so der Name des Dienstes vom Anbieter Minrevi, blieb nämlich bei diversen Leistungen (ab 300 USD), etwa für Beerdigungen, um ein Vielfaches unter dem, was Tempel üblicherweise an horrenden Gebühren verlangen. Zudem fehlt vielen Japanern inzwischen jeder Bezug zu einem bestimmten Tempel. 
   Der Fall ist nicht nur interessant, weil sich hier der übliche Futterneid auf dem kapitalistischen Markt offenbart - ohne Rücksicht auf die sakralen Inhalte, die angeboten werden -, sondern auch, weil damit eine Chance vertan wird, das Religionsgewerbe als solches transparent zu machen. Ganz so deutlich wollen viele eben nicht aufs Brot geschmiert sehen, worum es meistens geht. Aus diesem Grund habe ich mir mal so meine eigenen Gedanken gemacht, welche Angebote denn für einen Miet-Mönch Sinn machen würden. 

Miet Dir nen Mönch (oder ne Nonne)

Basisservice

Beerdigung incl. An- und Abfahrt: ab 300 € (bei Suizid Infamzuschlag von 50 €, Doppelselbstmord x 2)

Hochzeit: ab 400 € (bei Wiederverheiratung Ruchloszuschlag von 100 €)

Sonderleistungen

Wochendkurse für Manager/Führungskräfte  1000 €
(Einführung ins richtige Sitzen, Schweigen, Geschirrspülen, Fegen, Kloputzen; Rabatte für Freigänger n. V.)

Gewaltfreie Kommunikation  400 € (Tageskurs; es wird ausschließlich Tunumiutut gesprochen) 

Gewaltsame Selbstverteidigung  600 €  (Tageskurs; Ordinierte dürfen ausdrücklich geschlagen werden)

Small Mind*  400 € (Tageskurs; Instant-Erleuchtung für Kleingeister)

Bewusstseins-Weitspringen  400 € (Tageskurs, Tolle-Methode)

Zen-Gartenpflege  500 €/Tag (Umgestaltung von Nutzbeeten zu Steinflächen etc.)

Kassala-Initiation  Nur Fahrtkosten!  (Rohrstock und Pult werden gestellt)

MILF/NILF (Monks/Nuns I'd Like To Fuck)  n. V. (nur noch mit Kondom wegen Zicken-Virus)

Der Wochenendkurs "Den Weg des Herzens gehen" wird wegen häufigen Stillstands nicht mehr angeboten. 

Für das jährliche Sesshin im Yasukuni-Schrein werden noch ehemalige Zwangsprostituierte gesucht. Auch zwang-lose Prostituierte können zechegeprellthabende Freier weiterhin mithilfe unserer Anwälte haftbar machen (wegen demografischem Wandel jetzt bis 100 Jahre nach Penetration).