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Posts mit dem Label "Seung Sahn" werden angezeigt.

Verschiedene Ansätze zur Kôan-Übung im koreanischen Zen (Seon)

Der im Westen wohl bekannteste Lehrer des koreanischen Zen (Seon), Seung Sahn, adaptierte eine  japanische Methode des Kôan (gong’an)- Studiums mit dokusan , privaten Einzelgesprächen, und dem Abarbeiten zahlreicher Kôan. In Korea konzentriert man sich traditionell auf die entscheidende Phrase eines gong’an , das hwadu (chin. huatou ), und es finden nur selten Zwiegespräche mit dem Lehrer statt, der die Erleuchtungserfahrung seiner Schüler eher nach dem beurteilt, was dieser vorausging, nicht nach dem, was aus ihr folgt. Laut einem von Koreas angesehensten Lehrer, Songdam sunim (geb. 1929), ist das entscheidende bei der Arbeit mit dem hwadu der Zweifel und das Beobachten des Zweifels an diesem hwadu , bis dieser Zweifel so stark wird, dass er „das ganze Universum erfüllt“. Es gehe nicht, wie im Rinzai, um das Einswerden mit dem Kôan (jap. narikiru ) oder um eine passende Antwort darauf. Als Meditationstechnik empfiehlt Songdam sunim die Atemtechnik durch den Unterleib (kor. danj...

Der unklare Blick auf den Meister: Dae Gak und Seung Sahn

Irgendwann schrieb ich hier einmal von Zen-Schülern, die sozusagen beim falschen Meister waren bzw. in meinen Augen gar keinen nötig hatten. Wie das die Betroffenen sehen, verstehe ich nicht gut genug. Immerhin lässt sich aus den wiederkehrenden Aussagen von solchen Schülern, deren Lehrer in Skandale verwickelt waren, herleiten, dass sie häufig dennoch in deren Gemeinschaft Wertvolles gelernt hätten und auch deren Schattenseiten auf eine gewisse Weise hilfreich gewesen seien. Als Außenstehender dachte ich mir oft, dass diese nachträgliche Sinngebung verständlich ist, weil man von der Ernüchterung oder Enttäuschung nicht übermannt werden will. Ob eine solche Ernüchterung auch bei Dae Gak (Robert Genthner) eintrat und er sich deshalb - wie sein Kollege Georg (Bomun) Bowman - von der Kwan Um-Linie Seung Sahns lossagte, in der er Dharma-Übertragung erhalten hatte, weiß ich auch nicht. In jedem Fall scheint mir der Einfluss Joshu Sasakis, bei dem beide ebenfalls übten, deutlichere Spuren...

Antwort auf Seung Sahn

[Der folgende Briefwechsel mit Seung Sahn war natürlich nicht an mich gerichtet, sondern findet sich so ähnlich in "Nur weiß nicht" (Gießen 2010).] "Hallo Meister, (...) Alle Buddha-Statuen sind voller Stein. Alle Zen-Patriarchen sind voller Scheiße. Was kannst Du tun?" "Lieber Guido, wenn Deine Freundin Dich wirklich hundertprozentig liebt, wird sie wahrnehmen, warum Du Zen praktizieren willst und warum töten nicht gut ist. Dann wird sie zu angeln aufhören und wird Dir folgen. (...) Ich schneide Dir die Zunge ab - was kannst Du tun?" Ich lasse sie annähen, gehe aufs Klo und nutze meine Hand. Dann folge ich meiner Freundin an den Teich und erkenne, dass ein Fisch keine blöden Fragen stellt, wenn er an der Angel hängt.

Die Spuren Seung Sahns
und was Retreats bringen

Letzte Woche überraschte mich eine Pressemitteilung. Der US-Mönch Hyon Gak Sunim, Nachfolger von Seung Sahn und Yale-Absolvent, dem ich selbst mal begegnet bin, sprach an der Uni Regensburg vor angehenden Managern über "Zen und Leadership". Nun hat diese Modephrase also schon unsere Unis erreicht und wird sogar von Zen-Mönchen unterstützt, die sich nachsagen lassen, "drei intensive 100-Tage Solo-Meditations-Klausuren und circa 35 traditionelle 90-Tage Meditations-Klausuren zusammen mit anderen Mönchen" hinter sich zu haben. Wow, denkt sich da der Naive, dann muss da ja wohl was dahinterstecken. Ich hingegen weiß genau, was hundert Tage Einsamkeit so alles bedeuten können, deshalb kann mich das nicht blenden. Dass dann noch so etwas nachgeplappert wird, ist kaum verzeihlich: Der Hyun habe "als erster Westlicher seit der kommunistischen Revolution 1992 in China zum Mönch ordiniert." Und bereits ein Blick auf so etwas wie das folgende Video genügt, um gewar...

Der seltsame Seung Sahn

Im Johannes Herrmann Verlag sind inzwischen drei Bücher des koreanischen Zen(Seon)-Lehrers Seung Sahn erschienen. Zunächst versprach mir die Lektüre Vergnügen, als ich las: "Wenn du keine Art von Geist bewahrst und nur die Richtung hast, alle Wesen zu retten, dann sind Gelübde nicht notwendig ...", doch bei weiterem Lesen wurde mir dann etwas bange, und das unten stehende Filmchen mag belegen, wieso. Seung Sahn (1927-2004) gehörte dem  zölibatären Chogye-Orden an, von dem ich mal einen kleinen (Co-)Übersetzerpreis fürs "Jikji" erhielt, das Fragment einer Koan-Sammlung, das nicht nur Weltkulturerbe ist, sondern auch das älteste aus beweglichen Metall-Lettern gedruckte Buch. In letzter Minute brachten die Koreaner im Jahr 2005, damals Gastland, eine englischsprachige Jikji-Übersetzung auf die Buchmesse, nachdem ich meine deutsche aus eigener Tasche finanziert hatte. Der (Geld- und Sach-)Preis des Chogye-Ordens kam mir wie ein billiges Trostpflaster vor. Leser finde...