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Posts mit dem Label "Dalai Lama" werden angezeigt.

Die Jonangpa und der Bogd Khan
(Benkeis Gastbeitrag zum mongolischen Buddhismus)

Weil es aus meiner Sicht recht interessant ist und zeigt, dass der tibetische Buddhismus keineswegs immer so friedlich und tolerant war, wie er sich heute darstellt, heute ein kurzer Überblick zur Jonang-Schule des tibetischen Buddhismus und zum damit verbundenen Bogd Khan, dem höchsten Lama der Mongolei, dessen letzte Inkarnation  (seltsamerweise) ein Gelugpa-Lama war. [Anmerkung: Ich sehe sie als eigenständige Schule an und nicht, wie der Wikipedia-Autor, als Sakyapa-Linie, da sie de facto auch eigenständig ist, mit eigener Philosophie, eigenen, speziellen Schutzgottheiten und Riten, und da sie auch nicht dem Sakya Trizing untersteht, dem Oberhaupt der Sakyapa-Tradition]. Die Jonangpa-Tradition geht auf den indischen Meister Somanatha zurück, der aus Kaschmir stammt und dem Tibeter Yumo Mikyö Dorje im 12. Jh. den Dharma übertrug. Benannt ist die Schule nach dem Kloster Jonang in Südtibet, welches von dem Lama Künpang Thugje Tsöndrü (*1243 +1313), einem Dharma-Ahnen von...

Der Dalai Lama ruft zum Appell!
(106 kg)

Im März diesen Jahres schoss der Dalai Lama (DL) einen Friedensappell ab, der offenbar verpuffte. Ich bekam davon erst jetzt mit. Es zeigte sich mal wieder, dass wir teils auf einer Wellenlänge liegen (böse Zungen behaupten sogar, der DL schriebe neuerdings vom "Asso-Blog" ab ), und dann auch wieder nicht. Wie ich hier selbst schon sagte, müssten Religionen überwunden werden und es ginge der Erde im Grunde ohne uns Menschen besser. Allerdings braucht der Dalai Lama für solche Einsichten offenbar vier Stunden Meditation pro Tag und ich nur noch vier Minuten. Wo das doch Binsenweisheiten sind. Und davon ist auch sein Appell voll: Achtsamkeit, Gewaltfreiheit, Mitgefühl. Große Schlagworte des Populärbuddhismus. Es scheint ihm zu entgehen, dass andere Kulturen und Religionen, mit denen er die Versöhnung sucht, nicht unbedingt in diesem Vokabular denken. Was mich auch befremdet ist, warum sich der Dalai Lama überhaupt zu solch einem Appell berufen sieht. Daran an schließt sich ei...

Sterben mit Kikifax Roshi

Kürzlich erwiderte ich eine Kritik in einem Kommentar, es gäbe eben kaum Zenlehrer im Westen, die nicht von anderen Traditionen beeinflusst oder verwirrt worden seien. Sogleich stieß ich auf ein Beispiel: Joan Halifax. In ihrem Wiki-Eintrag werden als "Vorgänger" Bernhard Glassman und Thich Nhat Hanh genannt, als Lehrer Seung Sahn. Auf dem Foto ist sie da mit dem Dalai Lama zu sehen. Schon haben wir alle Pappnasen beisammen (in Bangkoks größter Buchhandlung Kinokinuya füllen TNHs Bücher drei Regale, die des DL ein halbes, manchmal stehen sie auch nebeneinander).     Wir bekommen eine Idee davon, was einige Zenlehrer daran fasziniert, Hospize zu betreiben und zu betreuen (in Japan beschweren sich Zenlehrer eher mal, dass man sie nur für die Toten braucht). In Buddhist Care for the Dying and Bereaved (Wisdom 2012) schreibt Halifax: "Wir nutzen [bei der Betreuung von Sterbenden] tonglen , die neun Kontemplationen des Atisha" und noch was von Lama Yeshe. Auch dess...

Was der Dalai Lama angeblich so meint

Aus aktuellem Anlass verschiebe ich die "Weisheiten von Zen-Meistern" (Teil II) auf später und verliere ein paar Worte über den Disput zwischen Matthias Steingass und Tenzin Peljor beim  Unbuddhisten.  Ich sehe mich dazu veranlasst, da Tenzin den Duktus von Matthias offensichtlich mit meinem vergleicht (warum er mich nicht namentlich nennt, weiß ich nicht, das wäre am einfachsten). Zunächst einmal: Matthias' Anfrage an karmagläubige Buddhisten, die das Leid von Menschen allein in deren Verantwortung (und gegebenenfalls Vorleben) begründet sehen, ist berechtigt. Ähnlich wurde hier auch schon gelästert, und das gilt sicher ebenso im Hinblick auf den Dalai Lama, insofern auch Tenzins Unterstellung stimmt, Matthias und ich hätten da was gemeinsam. Wenn wir das Leiden von Menschen verringern wollen, müssen wir auch Machtunterschiede eliminieren, wir müssen die Strafverfolgung unterstützen usf. Nun geht es Matthias schwerpunktmäßig eher um eine Gesellschafts- und Kapitalismusk...

Gewinnspiel: Wird der Dalai Lama 90?

In einer Verlautbarung vom 24.11.2011 verkündete der Dalai Lama auf seiner Website unter der Überschrift "The next incarnation of the Dalai Lama": " Wenn ich etwa neunzig Jahre alt bin , werde ich mich mit den hohen Lamas der tibetischen Traditionen, der tibetischen Öffentlichkeit und anderen, die dem tibetischen Buddhismus folgen und davon betroffen sind, beraten und neu bewerten, ob die Institution des Dalai Lama fortdauern sollte oder nicht." Mit diesem Satz hat der Dalai Lama noch einmal bewiesen, was ich hier immer wieder betonte: Es ist völlig unnötig, dass er mit Bodyguards und in gepanzerten Fahrzeugen durch die Welt gurkt. Jedenfalls nach seiner eigenen Auffassung - denn er meint ja, 90 zu werden. Außerdem hat er damit auch gesagt, dass es lebenden Menschen frei steht, die Einrichtung Dalai Lama abzuschaffen, dass es also gar nicht der Heilige ist, der wiederkehrt, sondern es sich hier nur um eine Glaubensübereinkunft handelt, keine de facto Inkarnation...

Dalai Lama erhoert Asso-Blog

Endlich! Der Dalai Lama will, wie von mir mehrfach in diesem Blog und in einem Brief an ihn gefordert, die (seine) Wiedergeburt abschaffen. Allerdings scheinen hier eher politische Ueberlegungen eine Rolle zu spielen, was noch einmal die unsaegliche Verquickung von (ehemaligem) Amt und religioeser Funktion des DL belegt. Andererseits unterstreicht dies, wie leicht es ist, mit der Wiedergeburt als Bestandteil der buddhistischen Lehre Schluss zu machen. Ich freue mich jedenfalls, dass der DL zur Einsicht gekommen ist.  Nein, so einfach ist es natuerlich nicht. Wie man in dem Artikel der F.A.Z. lesen kann, glaubt der DL noch immer, ""die einzige legitime Verfügungsautorität über den Ort und die Art und Weise einer Wiedergeburt" habe die zu reinkarnierende Person selbst", was zweierlei wesentlichen Lehrinhalten und Erkenntnissen des Zen widerspricht: 1) shunyata, 2) der einzig existenten Gegenwart. Amuesiert hat dieses Possenspiel wohl auch Michael Filzinger, der hi...

Noch ein Fundstück

Ein Fischer und ein Wiedergeborener Einmal hörte ich den Dalai Lama, das Oberhaupt der Tibeter, am Ende eines Vortrags, in dem es auch um Wiedergeburt ging, sinngemäß sagen: „Vielleicht täusche ich mich. Es könnte auch alles anders sein.“ Das ist sympathisch und geschickt, mit solchen Tricks sichert man sich gleich noch ein paar Anhänger mehr. Nun fand ich in einer buddhistischen Zeitschrift einen Brief vom 12.11.2001 an US-Präsident Bush mit Bezug auf die Terroranschläge aufs World Trade Center. Dort wirft der Dalai Lama ein, er glaube, Gewalt würde nur den Teufelskreis der Gewalt verstärken. Am Ende meint er jedoch zu Bush: „Ich bin sicher, dass Sie die richtige Entscheidung treffen werden. Mit meinen Gebeten und besten Wünschen    HH Der Dalai Lama“ (Lotusblätter 4/2001, S. 63). Ich frage mich, ob der Dalai Lama wirklich für den US-Präsidenten gebetet hat. Dann hätten wir den Beweis, dass es nichts nutzt, wenn Seine Heiligkeit solches tut. Ich bin nämlich sicher un...

Die Kalachakra-Folklore

Kalachakra wird u.a. mit "Rad der Zeit" übersetzt. So nannte auch Werner Herzog seinen Film aus dem Jahre 2003, der zunächst das gleichnamige Ritual in Bodhgaya zeigen sollte, das der Dalai Lama damals aber wegen Krankheit absagen musste. Kurz danach fand es in Graz statt. Werner Herzog drehte dort auf Initiative von Anhängern des DL und mit dessen Einverständnis. Schließlich sah man nicht viel mehr als das Erstreuen und Verwischen eines Sandmandalas, der Rest blieb nebulös. Herzog enthielt sich eines kritischen Kommentars, auch wenn manche Bilder für sich sprachen. Beim Verteilen von geweihten Gerstenkügelchen und anderen Fressalien beispielsweise gab es ein Gerangel und Gedrängel wie unter Hungernden in Haiti, absolut kein Benimm. Die Gläubigen schnappten sich auch Grashalme, weil sie glaubten, darin könnten ihre Träume "gespeichert" werden. Ein Buddhist aus der Mongolei in tibetischer Robe ließ ein paar Vögel frei, weil sie, um Buddha werden zu können, frei sein ...

Stephen Batchelors Bekentnisse

Vor ein paar Tagen hatte ich etwas Zeit, die in buddhistischen Kreisen viel diskutierten Bekenntnisse eines ungläubigen Buddhisten von Stephen Batchelor intensiv querzulesen. Das heißt, ich habe mir einen Überblick verschafft, ohne jede Zeile gelesen zu haben. Der Autor lässt sein Leben als Buddhist und verschiedene Lehrer Revue passieren. Einige Passagen hätten von mir sein können, will ich mal unbescheiden behaupten, in denen er nämlich logisch herleitet, was seine Zweifel an der Karma- und Wiedergeburtslehre begründet. Im Unterschied zu mir hat Batchelor sich in zehn Jahren als Mönch auch den Frust angetan, die eigenen Lehrmeister in ihren beschränkten Gedankengebäuden gefangen zu sehen. Einer davon war Geshe Rabten, der den "Beweis" für die Wiedergeburt in die subjektive Erfahrungsebene verwies. Batchelor fragte sich damals zweifelnd, wie ohne Wiedergeburt ein Kreislauf von Geburt und Tod möglich sei, man könne doch ohne Wiedergeburt "mit Mord davonkommen". Ra...

Der Dalai Lama spricht ... Unsinn

Da hatten mich schon einige Aussagen im Interview des Dalai Lama (DL) mit der Bild-Zeitung überrascht, z.B. dass er neun Stunden schläft und Kindererziehung nur als Belastung ansieht (kurz danach jedoch u.a. die Familie als einen "wirklichen Wert des Lebens" bezeichnet). Am dümmsten war seine Aussage, er läse keine Romane, sie seien "nur Fiktion". Zwei Stunden nach meiner Lektüre dieses Interviews - bei dem ich ihm entgegnet hätte, auch der Pali-Kanon sei schließlich nur ein Märchenbuch, genau wie der Koran, die Thora und das Neue Testament, es käme halt drauf an, was man daraus macht - erkannte ich dann in Tobias Wolffs Roman "Alte Schule" , wie sehr das Lesen von "Fiktivem" das Leben von Menschen beeinflussen kann, und wie stark ein authentisches Leben die Schreibe. Es ist wirklich traurig, dass der DL der ihm von Kindesbeinen eingetrichterten Weltsicht keine anderen Horizonte beifügt. Hat er wirklich nicht verstanden, dass auch die Schreibe...

Missverständnisse im Buddhismus (II): Zölibat

Zu seinem 75. Geburtstag meinte der Dalai Lama kürzlich, der Zölibat sei etwas, was ihn "von gewöhnlichen Tieren unterscheidet". Und: "Sex macht den Menschen gemein mit allen anderen Tieren." Im Gegensatz zum Dalai Lama kann sich jedoch so manches Tier auch ohne Sex per Jungfernzeugung fortpflanzen und würde sich deshalb gewiss vom "gewöhnlichen Dalai Lama" unterscheiden wollen, so zum Beispiel die Tigerpython, die Truthenne, der Hammerhai, die Honigbiene, der Komodowaran und die Pechlibelle (wieso "Pech"?). Damit haben sie nicht das Problem des zölibatären Dalai Lama, durch ihr Verhalten zum Aussterben ihrer Art beizutragen - und dass, wo doch der Buddha sagte, dass es eine besondere Gnade sei, als Mensch geboren zu sein. Durch den Zölibat wird die Wiedergeburtslehre (vom Menschen) gleich mit ad absurdum geführt.    Dass der Sex den Menschen nicht mit Tieren gemein macht, liegt aber vielmehr daran, dass er bei uns Menschen nicht primär zur Fort...