Samstag, 20. Februar 2010

Die Schule der Feindlosigkeit (VII): Friedfertigkeit

   Die Friedlichkeit besitzt weder Form noch Körper. Das Bewusstsein hat keinen Gegner. Die Haltung ist unbewegt.
   Die Friedlichkeit hat weder Name noch Form. Darum ist sie Selbstlosigkeit. So kann einen der Gegner nur schwer durchschauen.
   Die Friedlichkeit ist in ihrer Gestalt weit und grenzenlos. Sie wird von nichts übertroffen; darum ist sie auch das Nichtunterliegen. Es ist wie mit dem absichtslosen Handeln von Himmel und Erde.
   Die Gestalt der Friedlichkeit ist Nicht-Handeln und Nicht-Dinglichkeit. Sie wird von nichts übertroffen; darum ist sie auch das Nichtunterliegen. Es ist wie mit dem absichtslosen Handeln von Himmel und Erde.
   Die Gestalt der Friedlichkeit ist Nicht-Streiten und Nicht-Widersetzen. Daher kämpft sie nicht gegen die Dinge, und darum kann sie auch nicht unterliegen.
   Das Wesen/der Körper der Friedfertigkeit ist Nicht-Neigen und Nicht-Nähern [d.h. zentrales Ausgewogensein]. Daher ist sie frei von Feinden und frei in ihren Wandlungen. So unterliegt sie nicht. Allein durch Selbstlosigkeit wird man frei von dem Verlangen nach Gegnern und der Begierde nach Kämpfen.


[Quelle: Dr. Julian Braun: Texte aus der 'Schule der anhaltenden Feindlosigkeit' (Heijô muteki-ryû). Ein Beitrag zum 'gemeinsamen Weg von Schwert und Pinsel' der Samurai im Japan der Tokugawa-Zeit.]

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