Donnerstag, 11. Februar 2010

Die Schule der Feindlosigkeit (II): Inochi o suteru - Sein Leben verwerfen

"Sein Leben verwerfen hat die Bedeutung von: sein Dasein hingeben. Hierbei gibt es zwei Formen. Wenn gewöhnliche Menschen ihr Leben verwerfen, heißt dies, dass sie ihren Herz-Geist und ihre Energie töten, nicht jedoch ihren Körper. Weil der Herz-Geist derart verdunkelt ist, verlieren sie natürlich das Prinzip, und es sieht so aus, wie wenn sie sich selbst schaden. Sie sind wie Insekten, die im Sommer ins Feuer fliegen. Wir Einfältigen hingegen verstehen unter 'das Leben verwerfen' die Selbstlosigkeit. Selbstlosigkeit meint, dass es kein 'Ich' gibt. Dazu kommt das Verteidigen des Rechtschaffenen und das Nichtfürchten des Todes; weil der Herz-Geist derart klar ist, geht auch das Prinzip nicht verloren. Weiter heißt es, wenn der Körper getötet wird, nicht aber die Energie, nehme diese Energie zu und werde unzerstörbar. Wenn man um die Wahrheit des Ungeborenen und Todlosen weiß, dann gelangt man zum Nichtunterliegen."

[Quelle: Dr. Julian Braun: Texte aus der 'Schule der anhaltenden Feindlosigkeit' (Heijô muteki-ryû). Ein Beitrag zum 'gemeinsamen Weg von Schwert und Pinsel' der Samurai im Japan der Tokugawa-Zeit. Grin Verlag 2008]

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