Dienstag, 16. Februar 2010

Canisius und Phat Hue: Sex und Missbrauch in Kirche und Buddhismus (Teil 3)

 Boat people ...            (Foto: Keller)
Ein paar Dinge gilt es klarzustellen. Ich habe nichts gegen Jesuiten. Mein Religionslehrer in der Oberstufe war Jesuit, er hatte zusammen mit dem damaligen Papst studiert, kam aus Polen und war sicher einer meiner besten Lehrer. Sein Lieblingsausdruck: "Das ist ja haarströmend." Bald reprinte ich außerdem das Zen-Standardwerk eines verstorbenen Jesuiten, und die Genehmigung kam, recht unproblematisch, vom Orden selbst. Ich stand immer gut mit den Jesuiten. Und ich will nicht den Teufel an die Wand malen - wenn ich vom Handbetrieb in tibetischen Klöstern sprach, dann weil ich kürzlich einige Details aus dem Manuskript einer Insiderin lesen durfte. Natürlich gibt es so etwas auch in Thailand und anderen buddhistischen Ländern. Warum? Weil die meisten Menschen Sex brauchen. Habe ich denn was gegen Sex von Buddhisten in Roben? Nein, ich bin vom japanischen Zen geprägt, wo sie sogar heiraten dürfen. Das halte ich für gesund. Warum also auf einer Pagode rumhacken, in der es Sex gibt? Weil sie nach außen so tut, als gäbe es ihn nicht. Weil sie behauptet, ihre Ordensmitglieder würden sich zur Sexlosigkeit verpflichten. Weil das Heuchelei ist. Und wem schadet Heuchelei am meisten? Einem Menschen, dessen Wertvorstellungen sich an Vorbildern erst orientieren und herausbilden müssen. Einem jungen Menschen, erst recht einem Kind. Darum hat ein Kind nichts in einem Tempel verloren, dessen Abt ein Heuchler ist und sich nicht beherrschen kann.

Es ist nicht der Mönch, welcher Sex haben will, den ich angreife. Es ist seine Unfähigkeit, einer buddhistischen Schule beizutreten, die das auch Ordinierten erlaubt - um der Heuchelei zu entgehen, der Manipulation, der Irration von Gut-Gläubigen. Es ist seine Unfähigkeit, die Robe auszuziehen, so lange er nicht den Regeln seiner Gemeinschaft folgen will, wenn diese Sex untersagt. Denn er hat sie freiwillig angezogen, er darf sie freiwillig aus- und, wenn er die Regeln wieder befolgen will und kann, wieder anziehen. Er könnte in Schwulen-Discos gehen und junge Männer haben, wahrscheinlich mehr als in seinem Tempel. Er könnte auch dafür bezahlen, wenn es ihm noch immer nicht reicht. In all diesen Fällen wären die Spielregeln klar. Durch schlechte Erfahrungen haben sich Ehemalige aus Phat Hue jedoch schon enttäuscht gänzlich vom Buddhismus abgewandt. Man muss die Verantwortung, einen Tempel zu leiten, auch tragen können. Wenn nicht, soll man sie abgeben.

Was würde ein Leser dieses Blogs eigentlich tun, wenn er hoffnungsvoll in einen Tempel geht und einen Abt beim Ansehen von Schwulen-Pornos ertappt?

Ein Tempel, der von seinen Ordinierten u.a. fordert:

Durch sexuellen Umgang – in welcher Form auch immer - stimulieren wir unser Verlangen. Wir gewöhnen uns daran, unser Verlangen auszuleben und kreieren somit mehr und mehr die Anhaftung an sinnliche Befriedigung und damit gleichzeitig die Anhaftung an ein Selbst."

und der meint, dass dieses Gelübde zusammen mit drei anderen so grundlegend sei,

"dass ihr Bruch den sofortigen Ausschluss aus der Klostergemeinschaft zur Folge hat",

der setzt sich hohe Ziele. Und wenn der Abt daran scheitert, dann muss er dementsprechend ausgeschlossen werden. Thich Thien Son ist nach Meinung des Vinaya Kamma, der "alten" Ordinierten - auch wenn sie sich nicht regelkonform getroffen haben dürften - daran gescheitert. Er wurde aber nicht ausgeschlossen. Das ist ein Skandal. Man sollte der Pagode das Vertrauen vollständig entziehen.

Was tatsächlich geschieht, sehen wir hier: In einem Ableger der Pagode namens Phat Dao im Odenwald wird der gleiche selbstgebraute Unsinn weitergetrieben. Auf 12 abgestufte Zen-Kurse (als eine Voraussetzung) folgen nun offenbar noch einmal so viele "Bewusstseinskurse" für 235 € pro Wochenende. Die Kursbeschreibung spottet jeder Kenntnis der Zen-Tradition und faselt esoterisch wie eh und je - da ist von der "Landkarte des Geistes" die Rede, von einer "Art geistigen Kurzschluss" (!) als Lehrmethode des Patriarchen Lin-chi (den die Pagode einst in einer Pressemitteilung gar als "Lichi" - wie die Frucht - bezeichnet hatte). Das Ganze wird mit Tai Chi und Wellnessprogrammen gemischt. Vergessen wir nicht, wie ein Zeuge berichtete, dass völlig unausgebildete Mönche in Phat Hue auf Patienten losgelassen wurden, die zur Massage gekommen waren. Mein eigener Orthopäde berichtete mir, dass er solche Patienten dann schon mal nachbehandeln durfte. Soll das "Buddhas Weg" sein, wie sich das Zentrum nennt?

Kommentare:

  1. Ich tippe darauf, das Frankfurt in die DBU aufgenommen wird. Wenn nicht, schick ich dir ein Kilo Marzipanschoki frisch von Niederegger hier aus Lübeck und wenn doch, dann behalt ich die Hälfte und wir futtern zusammen. *g*

    AntwortenLöschen
  2. ja ich (mönch) wurde auch auf leute losgelassen um sie zu massieren, ohne das ich ahnung davon hatte... und die leute bezahlen dafür nicht gerade wenig geld...

    AntwortenLöschen

Das Sichten und Freischalten der Kommentare kann dauern.