Dienstag, 2. Februar 2010

Wenn Zen-Meister irren

Wie amüsant, einen verehrten Meister bei  einem Irrtum zu ertappen.  Vor mir liegen Deshimaru Roshis Kommentare zum Plattform-Sutra, die er im Dojo Paris kurz vor dem legendären Sesshin in Val d'Isère gab:

Frage: "Das Plattform-Sutra des 6. Patriarchen, das für das Verständnis von Zen im Westen wesentlich wurde, wurde so interpretiert, dass der 6. Patriarch Eno [Hui-neng] gelehrt hätte, der wahre Weg würde durch die rechte Haltung des Geistes gefunden, nicht durch die des Körpers - also nicht durch die Praxis des Zazen. Können Sie das bitte kommentieren?"

[Hier kündigte Deshimaru an, am folgenden Morgen einen ausführlichen Kommentar abzugeben, was er dann tat.]

Deshimaru: "Das Dankyo [Plattform-Sutra] enthält viele erfundene Geschichten ohne ein Körnchen Wahrheit (...) Sie wurden für Professoren und Intellektuelle erfunden. (...)

Eno (638-718) erhielt die Robe und die Schalen von seinem Meister Konin, als er noch nicht Mönch war. Er wurde erst im Daibon-Tempel in Südchina ordiniert, praktizierte Zazen, gab Kusen [mündliche Unterweisungen] , hatte viele Schüler und Besucher. Er übte nichts als Zazen, besonders mit seinen Schülern Seigen und Nangaku. (...) Als Yoka Daishi zu ihm kam, saß Eno in Zazen (...) Ebenso, als er starb.

Das Plattform-Sutra ist von geringem Interesse für Soto, Rinzai und Obaku. Im Soto ist es verboten [sic!], es zu lesen. Auch wenn es nicht völlig in die Irre geht, verfehlt es doch die Essenz des wahren Zen. (...) Es konzentriert sich auf Weisheit. Westler sind verrückt, besonders die Intellektuellen. Sie suchen nur nach Weisheit."

Dann verweist Deshimaru darauf, dass nur die Fassung des "Daikan Shingi" die korrekte Überlieferung von Eno enthalte: "1228 brachte Meister Dogen eine Kopie des Plattform-Sutras mit nach Japan. Er erwähnte es nie, schrieb jedoch darüber. Im Kapitel 'Shizenbiku' des Shobogenzo sagt er: 'Das Dankyo enthält nicht die Worte Enos. Es ist eine Imitation, darum sollten wahre Nachkommen der Übertragung es nicht benutzen. Dieses Buch stellt eine Gefahr für das Versändnis des wahren Zen dar.'

Zu glauben, das Plattform-Sutra stamme vom 6. Patriarchen, ist ein großer Fehler."

Diesen Fehler sollten wir alle machen. Er könnte heilsam sein.

Kommentare:

  1. Hallo Gui Do,

    dass die Soto-Schule verbietet bestimmte Schriften zu lesen, lässt mich doch sehr an die Katholische Kirche, ihre zusammen gewürfelte Bibel und die restlichen "Apogryphen" denken.

    Vielleicht sollten wir mal eine ZEN-Richtung gründen, in der das Lesen des Shobogenzo mit 100 keisaku Hieben korrigiert wird - in diesem Fall die geistige Haltung und nicht die Körperliche ;-)

    Aber noch mal zurück zu Deinem Artikel oben. Nachdem Du darin von so vielen Fehlern geschrieben und so weit ausgeholt hast, habe ich nun nicht mehr eindeutig mitbekommen, auf welchen Fehler sich nun Dein letzter Satz bezieht ...

    Grüsse
    michael

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  2. Hallo Michael - ich wollte damit nur sagen: Machen wir doch den "Fehler" und studieren wir das Plattform-Sutra - und vertrauen Hui-neng. Und den Kommentaren von Sokei-an, die man vielleicht noch antiquarisch bekommt.

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