Dienstag, 18. Mai 2010

Die Zukunft des Buddhismus im Westen

In einer Musiksendung auf ARTE erzählte kürzlich der Musiker James Murphy (LCD Soundsystem), dass er nach der Einfuhr von Ecstasy sein Leben änderte - und ganz andere und erfolgreichere Musik machte. Ich muss hingegen nicht auf Drogen sein, um diese Vision für den Buddhismus im Westen zu haben:

In fünf bis zehn Jahren wird ...

1) der Dalai Lama tot sein. Es wird keinen gleichwertigen Nachfolger geben, der so medienwirksam die Interessen der Tibeter und des tibetischen Buddhismus vertritt. In der Folge können esoterische Rituale und der Glaube an die Wiedergeburt eingedämmt werden;

2) Thich Nhat Hanh und seine strategische Beraterin Chan Khong tot sein. Es wird keinen Nachfolger geben, der aufgrund seiner biographischen Anleihen an das Flüchtlingschicksal eines Vietnamesen sozialistischen ("engagiert" genannten) Buddhismus unter dem marketingwirksamen Label "Zen" propagiert. In der Folge kann erkannt werden, dass Achtsamkeit und Atemübung VOR jedem Erwachen liegen und in der authentischen Zen-Tradition gar nicht genügen;

3) Ole Nydahl tot sein. Damit verliert eine zweite große Sekte (nach der von TNH) ihren Einfluss in Europa und insbesondere Deutschland. In der Folge wird die Karma-Lehre nicht mehr als individuelle Allmacht in Verbindung mit Ansprüchen ans Glück betrachtet (eine Krankheit, die auch den DL und TNH befallen hatte).

4) die besonders auf das Einfangen der Jugend spezialisierte Sekte Phat Hue um ihren Abt Thich Thien Son (alias Thay) aufgrund wiederholten sexuellen Fehlverhaltens auseinandergebrochen oder zu einem primär homosexuell orientierten Wellnessclub umformiert worden sein. In der Folge fordern die Vietnamesen selbst, weder von regierungsnahen noch von luxus- oder anderswie geilen Äbten unterrichtet zu werden.

5) Zen-Management-Coaching mit dubiosem buddhistischem Hintergrund (siehe Polenski und Konsorten)  keinen Zulauf mehr haben, weil die Manager selbst nicht mehr so gut bezahlt werden und sich deshalb weniger Sorgen machen müssen, aber klarer denken, bevor sie eine Stange Geld dafür ausgeben, sich auf ihren eigenen Arsch zu hocken. In der Folge bedeutet Zen-Management tatsächlich, alles loslassen zu können - auch Kohle und Macht.

Oder war es nur ein Traum? Wenn ich selbst tot bin, ganz sicher.

Kommentare:

  1. Sitzen ist ja eine tolle natürliche Sache-ganz ohne Zweifel. Und ich habe selber auch grosse Sympathien für Sawaki, Muho und wie sie alle heissen. Ich lese euer Zeugs auch-und habe mitunter meinen Spass daran.

    Einige verstehen hier aber gewisse Dinge falsch.Damit meine ich konkret die permanenten Seitenhiebe auf "Andersdenkende"-sprich Rinzai-Schule-White plum Linie, Nichtbuddhisten sowie Personen die ausserhalb ausgetretener Fade arbeiten.Versteht mich nicht falsch: dieser Blog ist nicht schlecht-aber auch hier schleicht sich mitunter eine fundamentalistische Attitude ein.Warner ist noch tausendmal schlimmer.

    Merkt euch mal eins Leute:Diejenigen die Glauben "Zazen" oder irgendwas ist der supreme way bloss weil Dogen das vor 800 Jahren mal gesagt hat sind gewaltig auf dem Holzweg. Wir sind hier nämlich nicht in der Bibelschule. Und Dogen hat etwaiges auch nie in Planung gehabt.

    Und ich sehe in vielen Zen Blogs-isb aus der Nishima Ecke auch viel Frustration. Welcher ev möglicherweise aus unbewusstem Neid und Starrsinn sowie Dogmatismus entstanden sein könnte.

    Also bitte. Open your mind. Für die Zukunft des Buddhismus wird gesorgt sein. Die Dinge werden nicht so bleiben wie sie sind-nicht zuletzt den Glassmans und Genpos wegen. Gott sei Dank!

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  2. Hallo cecil250,

    Deinen Ansatz in Ehren (meine ich wirklich), aber denkst Du tatsächlich, dass Genpo "ich mach auf alles ein Trademarkzeichen" Merzel (ich nehme an, Du meintest ihn) ein passendes Idealbeispiel ist, wenn ich Dich richtig verstanden habe? Ich sehe BigMind nicht halb so kritisch wie z.B. Brad Warner...aber immer noch sehr kritisch. Ist es nicht gerade diese ultramaterialistische Vermarktung, die in letzter Konsequenz dem Buddhismus im Westen mehr schadet als so mancher zwischenmenschlicher und oft bedauerlicher - aber natürlicher Disput?

    Guidos Stil ist z.B. ganz sicher nicht mein eigener Stil, aber wenigstens weiß man hier, woran man ist....im Gegensatz zu den unzähligen Lächlern in der Buddhismusszene, die 24/7 den Klischee-Erleuchteten geben.

    Gassho und Grüße,

    Hans

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  3. Da bist du bei mir richtig. Ich war über 10 Jahre Schüler von Merzel und kenne ihn persönlich. Auf eine grundlegende Verteidigung verzichte ich hier mal,das würde sicher zu umfangreich werden- möchte aber klarstellen das er keinen Pfennig in seine eigene Tasche steckt und ein sehr facettenreicher Lehrer ist der keinesfalls auf Big Mind und Kommerz zu reduzieren ist-sondern im Gegenteil mit Sawakis Stil sehr vertraut ist. Noch 1999 bezeichnete er Sawaki als grössten Lehrer des Jahrhunderts

    Was die Vorwürfe von der Warner Fraktion angeht so sind sie nicht nur zu einem erheblichen Teil unwahr sondern oftmals bewusst diffus und vage formuliert-insbesondere wenn es um Geld geht. Dabei ist es für wirklich jeden der Genpos persönliche Verhältnisse kennt absolut evident das bei ihm keine finanziell eigennützige Korruption irgendeiner Art stattfindet.

    Sowas interessiert viele vermeintliche "Kritiker" aber gar nicht da sie ohnehin nur an ihren eigenen kleingeistigen Meinungen interessiert sind. Und sich im übrigen auch keinem öffentlichen oder zumindest irgendwie ernsthaften Diskurs zum Thema stellen möchten.

    Merzels auf Buddhistgeeks geäusserter Vorwurf das man in der spirituellen Szene oftmals mehr "narrow minded people" trifft als in anderen Bereichen des täglichen lebens würde ich darüber hinaus sofort unterschreiben. Wer entscheidet eigentlich was richtig und was falsch ist? "Dogen Zenji hat aber gesagt..." Wer so argumentiert hat den Punkt nicht verstanden. Genpo hat Übertragung in Dogens Linie & hat 30 Jahre formelles Zen ohne Big Mind Process gelehrt-so what? Das unterschlagen die Warner Typen dann mal eben. Liegt ja nicht auf ihrer Linie. Oder auf der von Sock-Monkey...Sehr ernsthafte Auseinandersetzung die die da führen-ehrlich.

    Ich sehe aus meiner Perspektive ganz klar das da bewusst nicht genau hingesehen wird. Und das ist Fundamentalismus was die da machen. Keiner von denen hat jemals ein Wort mit Genpo geredet. Dabei gibt es genug Gelegenheit Fragen zu stellen. Hat aber keiner interesse dran.

    Zum Schluss ein Zitat von Fumon Nakagawa: "Wir tun nie etwas bloss weil es irgendwo geschrieben steht oder weil es irgendwer gesagt hat". Word.

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  4. Hab voller Grinsen deine Vision gelesen.

    Trotzdem ein wenig Kritik.
    Die Ole Nydahls sind nicht die zweitgrößte buddh. Sekte nach TNH. Die NKT (Neue Kadampa Tradition) ist wesentlich größer als die Nydahlisten, vielleicht sogar größer als TNH. Und ich glaube auch besser gerüstet für einen Tod ihres Gurus, weil er zwar im Kult eine große Rolle spielt (3. Buddha nach Shakyamumi und Tsongkhapa) aber nicht so eine persönliche missionarische Präsenz hat wie Herr Nydahl.

    Des weiteren fehlt mir jede positive Vision für den Westen. Für mich liegt sie in den Ansätzen eines Unabhängigen Buddhismus, wie er in den Ansätzen der Independent Nichiren- und Shin-Gruppen und auch im Graswurzelzen präsent sind/waren da ein interessanter Ansatz, obwohl ich mir bewusst bin, daß gerade im Zen und im tibet. Buddhismus der Lehrer eine übergroße Rolle spielt.

    Die weitere Frage wäre zu schauen, warum sind diese Sekten so attraktiv? Also auch zu schauen, haben sie abgesehen von ihren ideologischen und menschlichen Fehlern auch positive Ansätze?

    _()_
    Giri

    Namu Amida Butsu

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