Samstag, 15. Mai 2010

Bodycount: Was taugen eigentlich Meister und Lehrer?

Die Hingabe an den Lehrer ist nicht nur Bestandteil der Zen-Tradition, sondern ständiger Grund für den Missbrauch und die Ausbeutung von Schülern. Es stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, im Buddhismus a) einen Lehrer lediglich im Sinne eines Schullehrers oder Professors zu akzeptieren, als einen, der buddhistische Lehrinhalte vermitteln kann - da könnte man bereits die Spreu vom Weizen trennen, und b) unter den Übrigen nur solche Kontakte zu pflegen, die nicht-hierarchisch, sondern eher wie eine Freundschaft funktionieren oder bestenfalls dem Respekt ähneln, dem man Eltern gegenüber zeigen mag - womit viele Bedürfnisse von Schülern tatsächlich getroffen werden, da sie in ihren Lehrer(inne)n einen Elternersatz suchen. Das käme natürlich einem Bruch mit der Überlieferung gleich. Außerdem entspricht es nicht dem Bedürfnis vieler Schüler, die, das muss man klar sagen, meist aus emotionaler Unsicherheit und seltener aus Wissbegier einen Meister suchen. Wie wichtig ist es dabei doch, den Meister als einen ganz gewöhnlichen, fehlbaren Menschen wie Du und Ich zu sehen. Wer das nicht tut, tappt bereits in die Falle.
   Als Beispiel habe ich mal Maezumi Roshi  (1931-1995) herausgegriffen. Er gilt als sehr einflussreich in den USA und hatte Bestätigung aus mehreren Linien. Ich störe mich daran weniger als Muho, auf dessen Beitrag zur Dharma-Übertragung auf seiner Antaiji-Website ich kürzlich einging. Schließlich rezitiert man auch im Sôtô-Zen mit dem Gojûshichi butsu die Namen der Meister der eigenen Linie, und da steht nach Dôgen (Eihei Dôgen Daioshô) Koun Ejô Daioshô und dann Tettsu Gikai Daioshô vor Keizan Jôkin Daioshô. Tettsu Gikai war aber bereits zuvor von Ekan, dem Haupt der dem Rinzai zuzurechnenden Daruma-Schule, zum Nachfolger ernannt worden, weshalb demnach - würde man mehrere Bestätigungen ablehnen - bereits in der zweiten Generation nach Dôgen die Linie unterbrochen wäre. Mit solchen Gedanken will ich mich also nicht aufhalten, sondern mal die zahlreichen Nachfolger des - nach eigenem Bekennen  - Alkoholikers Maezumi auflisten:
Tetsugen Bernard Glassman
Dennis Genpo Merzel
Charlotte Joko Beck
Jan Chozen Bays
John Daido Loori
Gerry Shishin Wick
John Tesshin Sanderson
Alfred Jitsudo Ancheta
Charles Tenshin Fletcher
Susan Myoyu Andersen
Nicolee Jikyo McMahon
William Nyogen Yeo

Nun frage ich Euch: Wie kann man man den kommerziellen "Big Mind"-Merzel und den Straßenretreater Glassman mit Joko Beck in einen Topf werfen? Wie viele brauchbare Lehrer hat Maezumi also hervorgebracht, und welche von ihnen hatten denn Maezumi tatsächlich nötig, um das zu werden, was sie sind (wenn doch die anderen so ganz anders wurden)? Ohne dass ich Euch beeinflussen will, ist meine Beobachtung folgende: Die Mehrheit der Menschen, die begeistert sich einem (oder mehreren) buddhistischen Lehrer für lange Zeit anvertraute, hat einen an der Erbse. Nun mag das schon vorher so gewesen sein (davon gehe ich aus), aber es wurde ganz offensichtlich durch den engen Kontakt zum Meister (männlich oder weiblich) nicht besser. Was also bringt diese Verehrung des Meisters, wann gilt wirklich das wechselseitige: Meister und Schüler gehen füreinander in den Tod?

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