Mittwoch, 19. Mai 2010

Kriegermönche auch in Korea: Hyujŏng

Hier ein Beispiel für freiwilligen militärischen Einsatz von Mönchen aus Korea. Es stammt aus dem bisher noch unveröffentlichten Manuskript von Heinrich Dumoulin über Zen in Korea, das in den Reprint der "Geschichte des Zen-Buddhismus" (erscheint im Juni) einfließen wird.

"Die Biographie erzählt, wie Hyujŏng (1520-1604) nach der Erleuchtung durchs Land wandert, für längere oder kurze Zeit in Klöstern und Einsiedeleien verweilt und „wie im Traum“ das reife Alter von dreißig Jahren erreicht. Inzwischen ist die Wiederherstellung des Sangha unter König Myŏngjŏng im vollen Gang. Hyujŏng wird vom Herrscher ins Richteramt für die Examina des Sutrenbuddhismus (Kyo) und wenig später des Meditationsbuddhismus (Sŏn) berufen. Die Stellung im öffentlichen Leben verschafft ihm Ansehen, doch ihn zieht es in die Einsamkeit. So legt er nach wenigen Jahren die Ämter nieder und sucht ein stilles Bergkloster auf, wo er als Lehrer Sutren erklärt (Kyo) und als Meister Jünger zur Erleuchtung führt (Sŏn). Die Harmonisierung von Kyo und Sŏn liegt ihm vor allem am Herzen.


Im 22. Regierungsjahr des Königs Sŏnjo erregt ein Aufstand, an dem auch buddhistische Mönche beteiligt sind, den Zorn des Königs und bringt Hyujŏng, der von Feinden der Unterstützung der Rebellen beschuldigt wird, für kurze Zeit ins Gefängnis. Der falsche Verdacht wird rasch aufgeklärt und Hyujŏng auf Anordnung des Königs freigelassen. Nun breitet sich sein Ruhm im ganzen Land aus. Er ist, so die Quellen, „die Bewunderung einer Generation“.

Den Höhepunkt erreicht Hyujŏngs Ruf wenig später, als zur Zeit des kriegerischen Einfalls Hideyoshis (1592) der König in äußerster Not seine Hilfe sucht. In einem Aufruf an alle buddhistischen Mönche Koreas mobilisiert Hyujŏng eintausendfünfhundert Mann. Die buddhistischen Mönche – im Ganzen fünftausend Krieger – bewähren sich im Kampf. Der dankbare König spart nicht an Gunsterweisen für den greisen Meister, dessen Lebensende nahe bevorsteht. "

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