Mittwoch, 27. Januar 2010

Wie Dogen seinen Meister verklärte

Auf dem Zennist-Blog, den ich rechts verlinke, ist eine interessante Analyse von Carl Bielefeldt (der u.a. das Übersetzungsprojekt des Shobogenzo in Stanford betreut) zusammengefasst. Ich erlaube mir, diese hier kurz auf Deutsch wiederzugeben.

Dogen erwähnt vor 1240 seinen chinesischen Lehrer Ju-ching nur spärlich. Sein Tsao-tung (jap. Sôtô)-Erbe beanspruche auch keine besondere Stellung im Chan (Zen). Das "Shôbôgenzô" sei hingegen - als überlieferte Lehre - Bestandteil aller Chan-Traditionen.

Nach 1240 versuchte Dôgen offenbar, seine eigenen Anschauungen durch Rekurieren auf Ju-ching zu legitimieren. (Das ist ein bisschen so, wie wenn manche Zen-Lehrer heute beiläufig erwähnen, dass sie bei Sawaki Roshi waren und von dem und dem die Dharma-Übertragung bekamen - schwupp, schon identifiziert man das, was sie sagen, mit allen Genannten).

Bielefeldt stellt fest, dass Ju-ching in China jedoch kein herausragender Meister gewesen sein kann. Außer Dogens Zeugnissen gibt es nur zwei weitere kürze von chinesischen Schülern Ju-chings, die erst Jahrhunderte später in Japan auftauchten. Dieser Ju-ching hat demnach weder je von einem Äquivalent zu shikantaza (Nur-Sitzen) oder shinjin-datsuraku (Körper und Geist abfallen lassen) gesprochen noch das Zazen so betont wie Dôgen. Auch findet sich kein Hinweis darauf, dass Ju-ching etwa Lin-chi oder andere Meister wie Yuen-men abgelehnt habe.

Derart sind die Unterschiede zwischen chinesischem Chan und japanischem Zen. Nachzulesen komplett in Dogen Studies von W.R. La Fleur.

1 Kommentar:

  1. Wieso sollten sich - mal abgesehen davon, daß das heutige Fehlen von schriftlichen Überlieferungen von/über Ju-ching nicht viel darüber aussagt, was er tatsächlich war - auch genaus das, und nicht mehr, bei Dogen zu finden sein?

    Als Analogie: Was ist heute über den Lehrer Sawakis bekannt? War er ein "herausragender Meister" oder was?
    Klar ist doch, daß Sawaki später nicht der sein konnte, als den wir ihn heute sehen, wenn er nicht in diese Tradition (so) eingebunden gewesen wäre.
    Auch sind die Irrungen und Wirrungen der AZI wohl nicht unabhängig davon, daß Deshimaru vor der Zeit - entgegen der Tradition - in Europa lehrte, andererseits hinterließ er wohl so viel, daß sich darin auch eine echte Sawaki-Linie aufschwingen konnte (über Kojun Kishigami und Reiryu Philippe Coupey).
    Abzusehen ist ja auch, daß in 10-20 Jahren zwar jedermann weiß, wer Muho Nölke ist, von seinem Lehrer Miyaura Shinyu aber nur das, was Muho über ihn berichtet.
    War Miyaura Shinyu ein herausragender Meister?
    Ja, war er, denn er übergab Muho den Dharma.

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