Sonntag, 17. Januar 2010

Muslime im buddhistischen Tempel


In den vergangenen Tagen bin ich in einige finanzielle Härten eines burmesischen Tempels eingeweiht worden, und in die Zerstrittenheit der Gemeinde. So etwas gäbe es auf der ganzen Welt nicht unter Burmesen, nur hier in Deutschland, sagte man mir. Auf meine Frage nach dem Warum meinte man, es läge wohl "am Stress" hierzulande. Ja, in Deutschland lernt man das Neiden und Intrigieren schnell.


Das Gebäude, das vor ein paar Jahren zu ihrem Tempel geworden war, sollte eigentlich von den Burmesen gekauft werden, der Eigentümer will es loswerden. Nun ist die Frage, ob rechtzeitig die Kohle zusammenkommt. Als ich vom Vermittler (V.) in dieser Sache angerufen und gefragt wurde, ob ich ihn nicht als Zeuge für ein dringendes Gespräch mit dem Abt begleiten wolle, dachte ich an die Liste mit all meinen geplanten Buchprojekten für dieses Jahr, die ich gerade fertiggestellt hatte, damit ich keines vergesse (ich muss mir ja nur selbst in den Arsch treten). Hmm, hatte ich dafür denn überhaupt Zeit? Schließlich meinte V. am Telefon, wenn das Gebäude nicht von der burmesischen Gemeinde gekauft würde, dann nähmen es die Muslime. Da zog ich meine Jacke an und machte mich mit gespannten Muskeln auf den Weg.

So hockten wir uns dann vor den Theravada-Mönchen hin. Es ist immer wieder befremdlich, denn sie sitzen da so erhöht. Ich hab trotzdem den Lotussitz eingenommen, wenn auch nur den halben, ein anständiger Kompromiss, fand ich, und wusste ja auch nicht, wie lange die Sache dauern würde. Mit der Zeit kam ich dann mit anderen anwesenden Burmesen ins Gespräch, und die erzählten doch, dass auch Christen und Muslime unter ihnen seien, die den Tempel aufsuchten. Ich fragte, ob die nur zum Essen bei den Festen kämen, aber es hieß, sie würden teils sogar spenden und auch das persönliche Gespräch mit den Mönchen suchen. Nur bei den rein buddhistischen Zeremonien seien sie nicht anwesend. Das fand ich sehr interessant.

Heute krakeelte dann wieder einer der minderjährigen Türken bei mir im Haus im Flur herum. Neurdings macht er das auch schon mal nach Mitternacht. Kurz danach schrie eine kleine Türkin aus einer anderen Familie durchs ganze Treppenhaus, obwohl ihr schon mehrfach gesagt worden war, das solle sie lassen. "Ja, ja", sagt die Mutter dann. Und kurz darauf schickt sie ihre Tochter wieder in den Flur, um zu krakeelen. (Ach übrigens, Aiko, bezugnehmend auf Deinen Kommentar: Wo ist da das charakteristische menschliche "Wir"-Gefühl, wo die Empathie?)

Das ist der Grund, warum mich V. gern anrufen kann, wenn es darum geht, den Muslimen ein potentielles Gebetshaus vor der Nase wegzuschnappen - äh, so Gott will. Ich habe begriffen, dass recht viele Angehörige dieser Kultur (sofern sie aus dem Nahen Osten stammen) ein besonderes Bedürfnis haben, wahrgenommen zu werden - und das geht nur, indem sie in möglichst vielen Siedlungen als Störer auffallen und nicht, wenn sie in Gebetshäusern unsichtbar werden und sich am Ende noch benehmen müssen. Allah ist (nämlich) groß!

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