Freitag, 25. Juni 2010

Wie Buddhisten sich für den Tierschutz
einfangen lassen

Heute erreichte mich eine email, vielleicht unabsichtlich, weil ich im Adressbuch eines Zen-Zentrums bin. Oder hat sich da jemand erhofft, dass ich aus dem Thema einen Blog-Eintrag mache? Wie auch immer, man schaue sich zunächst mal folgende "Bilder des Grauens" an:



In besagter email fanden sich ähnliche Fotos mit der Aufforderung, die email zu unterzeichnen und an Addressaten des eigenen Adressbuches weiterzuleiten. Ich mache das nicht. Wer mich mit Plattheiten wie "Das Meer färbt sich rot" ködern will, löst nur meinen Recherchereflex aus. Und siehe da, bei dem beanstandeten Abschlachten von Delfinen handelt es sich schlicht um die traditionelle Grindwaljagd auf den Faröer Inseln, die dort strengen Bestimmungen unterliegt und kaum noch eine Jagd ist, eher eine Einkesselung der Grindwale, die sich in Küstennähe herumtreiben, und das sind nicht besonders viele. Getötet werden sie üblicherweise auf die schnellstmögliche Art, mittels Durchtrennung des Rückenmarkes und Öffnen der Halsschlagader, so dass sie zügig sterben. Die email will etwas anderes glauben machen. Wenn diese Grindwale, die zur Familie der Delfine gehören, so intelligent wären, wie sie Menschen manchmal machen, dann würden sie natürlich rechtzeitig abhauen und den Braten, nein: Haken, riechen. Tiere, denen die Flucht gelingt, dürfen im Übrigen tatsächlich nicht verfolgt werden. Die Getöteten werden freilich nach einem Schlüssel auf die Haushalte verteilt. Beneiden muss man niemanden um den Delfinfleischgenuss, denn die Tiere sind inzwischen oft hoch mit Quecksilber belastet.
   Das Ganze sieht zweifellos grausam aus. Aber für einen Bauernjungen wie mich, der auch mal beim Schlachten zusah, lässt sich leicht erkennen, was wir auch im Wiki-Eintrag zur Grindadráp lesen können: wie die meisten von uns längst den Notwendigkeiten der Jagd und des Tötens von Tieren zum Nahrungserwerb so entfremdet wurden, dass sie reflexartig etwas ablehnen, was Alltag im Leben der meisten Tiere ist - das Gejagt-, Gefangen- und Getötetwerden. Eine Unterschriftenaktion wird natürlich auch nicht viel bewirken und wird der Komplexität des Themas gar nicht gerecht. Ich möchte den Faröern nicht ihre Tradition absprechen. Am Ende stehen sie noch bei mir auf der Matte, wenn ich meine Lederschuhe anziehe oder irgendwelche Moskitos kille. Wären die so groß wie Grindwale, sähe das noch schrecklicher aus, denn die hätten auch in XXX-Large nichts Attraktives an sich, außer für einen Insektenforscher.

1 Kommentar:

  1. Und wenn hier in Durban (Sued Afrika) die kalte Jahreszeit einzug haelt,( so im Juni/Juli wenn das Meer kalt wird,) dann kommen auch die Sardinen in ganzen schwaermen angeschwommen, nachts werden die Hai-Netze vor der Kueste eingerollt und Morgens wieder runtergelassen. Waehrend die Haie Nachts jagt auf den kleinen Silber Fisch machen, dann macht es der Mensch am Tage, zu hunderten stehen sie mit Netzen, Koerben, Containern, Kuebeln, im Wasser und holen den Silberling raus und lassen sie elendlich verrecken . Jahr fuer Jahr !
    Ich habe noch kein Mail gesehen, das gegen dieses Morden ist ! Nicht mal der Tierschutz hier reklamiert, also wo ist denn das Problem?

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