Mittwoch, 23. Juni 2010

Bestes buddhistisches Schimpfwort gesucht

Angeregt durch die Empfindsamkeiten auf einer Mailingliste und anderswo im Netz rufe ich nun einen Wettbewerb aus: Gesucht ist das härteste buddhistische Schimpfwort. 
   Ich geb mir hier in diesem Blog seit Anfang des Jahres Mühe, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen, z.B. auch dem, dass der Buddha nie aus der Haut gefahren wäre oder nie Leute runtergeputzt hätte (was ich  bzw. Bhante Dhammika am 21.02. widerlegte). Immer wieder verfallen Buddhisten in eine Art "Gesinnungsschnüffelei", wenn sie mit dem Hinweis auf die Rechte Rede Diskusssionen abwürgen wollen, die ihnen selbst Unwohlsein bereiten (und damit den Stand ihrer Entwicklung von Gleichmut dokumentieren). Statt nämlich zu begreifen, dass die Gesinnung eines anderen, zumal in Online-Foren, nicht ohne Weiteres erschließbar ist, haften sie am Buchstaben, an den Worten, wie Schriftgelehrte, die den Sinn dieses Satzes nicht verstehen:
   "Was da aber bei einem, der mit heiligem, ungetrübtem Herzen auf dem heiligen Pfade verweilt und den heiligen Pfad entfaltet, an Gedanke besteht, an Gedankenfassung, Denken, Beobachtung und Gerichtetsein der Gedanken, an Zielbewusstsein des Geistes, an sprachlicher Tätigkeit (des Geistes, vací-sankhāra): das ist eine rechte Gesinnung, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört." (M. 117)
   Dies heißt nichts anderes, als dass die Gesinnung über die Worte entscheidet, und nicht umgekehrt. Darum konnte der Buddha jemanden wie Devadatta als "Schleimfresser" bezeichnen. Ich bin jedoch der Meinung, dass icchantika das schlimmste Schimpfwort ist, das man - Buddha zitierend - als Buddhist benutzen könnte. Je nach Version/Überlieferung des Mahaparinirvana-Sutra kann es sich hierbei um einen noch rettbaren oder einen völlig hoffnungslosen und ggf. sogar "karmafrei vernichtbaren" Ungläubigen handeln. Wie auch immer man sich entscheidet, den icchantika wird man nicht aus den Schriften verbannen können, ebensowenig wie den Schleimfresser.
   Wer also Vorschläge für geeignete Schimpfworte aus dem Munde eines Buddhisten hat, der möge sie in den Kommentar schreiben (und dabei auch gleich heilsam ein paar Aggressionen abbauen, wenn gewünscht). Mag sein, dass ich nicht alles freischalte. Was mir am Besten gefällt, gewinnt jedenfalls ein Shrimala-Sutra.  Dort sind übrigens auch die besseren Bodhisattvagelübde drin (als im Brahmanetzsutra).

Kommentare:

  1. icchantika ist die Einsicht in die Nicht-Erlösungsfähigkeit des Ich. Schliesslich fängt das Wort ja wie Ich - icch- an. Eine sehr wichtige Einsicht.
    Ich sehe nicht ein, wo das ein Schimpfwort sein soll.

    Nicht Schimpfworte, aber Beinamen von Tätigkeiten kenn ich:
    Wenn jemand besonders sanft und achtsam tut, dann thicht er rum.
    Wenn jemand sexuell ausgenutzt wird, dann war er zur Nydahlyse.
    Wenn nichts genaues gesagt wird, dann spricht man von DBUisieren.

    Icchantika Giri

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  2. Dann helf ich mal selbst aus, mit einem Ausruf in der TV-Serie "John from Cincinatti", mitentwickelt von David Milch (Hill Street Blues, Deadwood):
    "Holy God, Great Tao and the fucking Dalai Lama ..."

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  3. Samsara-Scheißer
    Erleuchtungssurfer
    Nirvananutte

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  4. Bitte schickt mir Eure Adressen, Giri und Anonym, dann sende ich Euch den Gewinn, ein Shrimalasutra.

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  5. Das "Gewinnspiel" ist hiermit beendet.

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  6. Da nicht für. Zudem ist es nicht von mir. Schenk es jemandem, der's braucht.

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