Mittwoch, 2. Juni 2010

Die Haltung des Zen zum Schriftenkanon

Und noch einmal Chan-Meister Zhuxian (1292-1348). Wenn man sich anliest, wie immer wieder gerade im Internet sogar Zen-Schüler sich mit ihren kruden Schriftinterpretationen herumplagen, weiß man, warum die Chan-Lehrer so sprachen:

"Worüber sollen wir reden? Die buddhistischen Schriften? Bodhi und Nirvana? Wahre Soheit und Befreiung? Über all das, worüber Generationen von großen Weltenlehrern bereits auf jede erdenkliche Art gesprochen haben?
   Dies alles sind Essensreste zahlloser Opfergaben, wiedergekauter Brei, der etliche Male hochgewürgt wurde. Nur hungernde Hunde würden davon kosten, Menschen sich aber ihre Nasen zuhalten. 
   Wir sagen, dass dies nicht 'Worte unserer Zeit', dass sie fürs Heute irrelevant und wie Gift seien.
  Wenn ihr wahre Gewissheit habt, dann könnt ihr die Buddhas und Patriarchen den ganzen Tag lang erschlagen, wann immer ihr ihnen begegnet - und wenn ihr euch selbst begegnet, dann erschlagt ihr euch selbst. Erst danach liegt alles an euch, was immer ihr tut. So wie es heißt: 'Um Leben zu erhalten, muss man es (das falsche Selbst) töten. Erst dann kann man in Frieden verweilen.' Wenn ihr es nicht tötet, könnt ihr euch nicht einen Zentimeter bewegen, ein Grashalm wird schwer zu beugen und ein Wassertropfen kaum zu verdauen sein."

1 Kommentar:

  1. Schriftstudium und Meditation gehen Hand in Hand. Meditation ohne Lehrwissen ist blind. Schriftstudium ohne Nachdenken, Umsetzung und Meditation ist dumpf. Solche Zen-Äußerungen sollte man nicht als Generalaussage verstehen, sondern als Korrektiv zu einer monotonen Schriftgelehrsamkeit. In Deutschland ist jedoch buddhistische Bildung und Wertevermittelung zu nächst mal sehr wichtig.

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