Samstag, 3. April 2010

Meister Dôgens Eihei Shingi:
Taitaiko Gogejarihô (III)

Das Verhalten gegenüber den Lehrern, 
die fünf Sommerübungsperioden vollzogen haben

41. Hat ein Lehrer sich noch nicht hingesetzt, dann setze dich nicht als Erster hin.
42. Triffst du unterwegs einen Lehrer, verbeuge dich mit geneigtem Körper und gehe dann hinter ihm. Wenn du vom Lehrer eine Anweisung erhältst, folge ihr einfach und wende dich dann wieder dem zu, womit du dich beschäftigt hast.
43. Wenn du bemerkst, dass ein Lehrer etwas vergessen hat, weise ihn höflich darauf hin.
44. Wenn du bemerkst, dass ein Lehrer einen Fehler macht, lache nicht laut.
45. Wenn du einen Lehrer in seinem Zimmer aufsuchst, schnippe zunächst drei Mal mit den Fingern, ehe du seinen Raum betrittst.
46. Wenn du das Zimmer eines Lehrers betrittst, dann tue es an den Seiten der Tür entlang, nicht durch die Mitte des Eingangs.
47. Wenn du das Zimmer eines Lehrers verlässt, dann benutze die Stufen für Gäste, nicht die des Gastgebers.
48. Wenn ein Lehrer noch nicht fertig gegessen hat, beende du das Mahl nicht als Erster.
49. Ist ein Lehrer noch nicht aufgestanden, stehe nicht als Erster auf.
50. Erläutert ein Lehrer einem Unterstützer des Tempels (danapati) den Dharma, sitze aufrecht und höre genau zu. Steh nicht abrupt auf, um dich zu entfernen.
51. Tadele, wenn ein Lehrer zugegen ist, niemanden, den du tadeln solltest.
52. Rufe in Gegenwart eines Lehrers nicht laut nach jemand anderem.
53. Lege dein Okesa nicht im Zimmer eines Lehrers ab.
54. Wenn ein Lehrer ein Sutra darlegt, berichtige mögliche Fehler nicht von einem niederen Sitzplatz aus.
55. Vor einem Lehrer hebe nicht die Knie an, um sie mit den Armen zu umfassen.
56. Wenn ein Lehrer sich unter dir befindet und du an erhöhter Stelle, solltest ihr euch nicht voreinander verbeugen.
57. Verbeuge dich auch nicht von einem erhöhten Sitz aus.
58. Wenn du an deinem Platz bist und einen Lehrer stehen siehst, verbeuge dich nicht in shashu (1).
59. Sei stets aufmerksam, wenn der Lehrer eines Lehrers anwesend ist.
60. Wenn Schüler eines Lehrers anwesend sind, achte auf ihr Benehmen gegenüber dem Lehrer und störe diesen nicht.
61. Trifft ein Lehrer einen anderen Lehrer, müssen sich beide nicht an diese Regeln halten.
62. Die Begegnung mit Lehrern ist endlos. Beim ersten Sommer-Ango treffen wir Lehrer; bei der letzten Verwirklichung (2) begegnen wir Lehrern.

Die Anweisung für die Begegnung mit Lehrern, die fünf oder zehn Sommer-Ango vollzogen haben, entspricht genau dem Körper und Geist der Buddhas und Vorfahren. Versäumt nicht, sie zu studieren. Wenn ihr sie nicht achtet, wird der Weg der alten Lehrer verkommen und der süße Tau des Dharma ausgelöscht. Am weiten Himmel des Dharma-Bereiches ist dies selten und nur schwer zu finden. Nur Menschen, die in früheren Lebensspannen günstige Bedingungen geschaffen haben, können davon erfahren. Dies ist wahrlich der höchste Gipfel des Mahayana.

Im Jahr 1244 der Mönchsversammlung am einundzwanzigsten Tag des dritten Monats im Tempel Yoshimine , Provinz Echizen, vorgetragen.
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(1) Der Daumen der linken Hand wird in die Handinnenfläche gebogen, dann eine Faust darum gemacht und diese vor der Brustmitte mit der rechten Hand bedeckt; die Ellbogen werden vom Körper weg parallel zum Boden gehalten.
(2) Gokuka, das „letzte Ergebnis“, die Frucht der Übung, die Buddhaschaft.  

1 Kommentar:

  1. Da weiß ich jetzt, warum ich mich von den Zen-Sanghas fernhalte und lieber daoistische Praktiken pflege. Eine absurde Regel nach der anderen...

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