Donnerstag, 15. April 2010

Der Traum von Dôgen

Heute morgen träumte ich zum ersten Mal von Dôgen. Ich wusste, dass ich Dôgen begegnete, obwohl ich sein Aussehen nicht beschreiben könnte. Zwischen uns herrschte Harmonie und Einigkeit.  Ich empfand so etwas wie Glück. Beim Aufwachen hörte ich eine Taube auf dem Dach gurren. Das Gurren war klar und rein. Plötzlich kam es mir vor, als würde ich mich sexuell mit dem Täubchen vereinigen, und ich musste lachen. Dann schlief ich wieder ein. In der Traumwelt ist das alles ganz einfach.
   "Wer könnte in der reinen Ozean-Gemeinschaft der Studienhalle als gewöhnlicher Mensch oder als Weiser angesehen werden? Das wäre so närrisch, wie jemanden aufgrund seines Aussehens zu beurteilen." Diese Worte Dôgens aus dem Eihei Shingi lassen sich vielleicht im Tempel und in der sozialen Arbeit mit entsprechendem Willen - oder einfach aufgrund einer tiefen Erkenntis - umsetzen. Was aber ist mit unserem Blick auf den anderen Menschen aus sexueller Lust? Wie steht es da mit dem "Beurteilen"? Ich fahre heute - wie zu Beginn der Zen-Übung - auf schöne Frauen ab. Wahrscheinlich noch mehr, weil das Zen meinen Sinn für Ästhethik geschärft hat, wie er sich  ja auch in all den vom Zen inspirierten Künsten ausdrückt. Da ist nichts zu machen. So wie der Schmerz im Körper sein Unwesen treibt, ohne sich um irgendeinen Grad des Erwachens zu scheren (nur wie ich damit umgehe, macht einen Unterschied), so kümmert sich meine Erregbarkeit und mein Schönheitssinn nicht die Bohne um die allgemein verbreitete und von Dôgen noch einmal betonte Erkenntnis, man solle niemanden nach seinem Äußeren beurteilen. Die Fähigkeit, nicht in Kategorien zu denken, verliert ihren Sinn, wenn es um die Wertschätzung von großen oder kleinen Brüsten, glänzendem oder stumpfem, kurzem oder langem Haar geht, oder um den Klang einer Stimme. Die Wissenschaft spricht von "male releasers". Wenn die passenden Reize nicht da sind, stirbt der Mensch aus.

[Foto: Keller (Kuba)]

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