Dienstag, 27. April 2010

Mappô, das Zeitalter des Dharma-Verfalls, ist jederzeit

"Solche, die sich entfernte Enkel des Lin-chi nennen, sind auf ihr Ich bedacht und handeln unrecht. Sie besuchen angesehene Meister, bitten um deren Bildnis oder um die Kalligraphie eines Dharma-Wortes und benutzen diese als Beweisstücke der Dharma-Überlieferung. Wie Hunde umgeben sie berühmte Meister, um von diesen Dharma-Worte und Bildnisse zu erlangen. So verschaffen sie sich eine Menge. Wenn sie alt werden, bestechen sie Beamte, um die Befugnis für den Bau eines Tempels und dessen Vorsteheramt zu erlangen, obgleich sie weder durch eine Kalligraphie noch durch das Bildnis eines Meisters als Dharma-Erben ausgewiesen sind. Dharmasiegel geben sie Königen, Ministern, nahen Freunden, Älteren usw. Unbekümmert um das Erlangen des Dharma, suchen sie nur Ruhm. Wie beklagenswert! In dieser bösen Zeit des letzten Dharma (mappô) herrscht solche verwerfliche Sitte. Von diesen Leuten kann keiner auch nur im Traum den Weg der Buddhas und Patriarchen wahrnehmen." (Manzan-Menzan Zen-goroku) 
   Der bekannte Zen-Reformer Manzan Dôhaku (1636-1714) erkannte in seiner Zeit die Kennzeichen des Verfalles, von denen Dôgen im Shôbôgenzô sprach. Kürzlich sprach eine Bekannte mal wieder davon, dass sie uns heute in dieser Zeit sieht. Für mich ist mappô jedoch keine Beschreibung eines historischen Abschnittes. Dies würde auch gar nicht dem eigentlichen Zeit-Begriff bei Dôgen entsprechen. Vielmehr ist und war mappô stets gegenwärtig. Auf einer gedachten Zeitachse werden wir immer wieder Beispiele dafür ausmachen, und ein paar aktuelle und hier immer mal wieder anzureißende bestehen etwa in  den Sekten Phat Hues und "Lama" Ole Nydahls. Der Autor Dang Van Nham berichtet auf seiner Website (und in einem Buch) z.B. davon, dass der Altabt der Pagode in Hannover bevorzugt First Class flöge und dass Thich Nhat Hanh in Wirklichkeit von Anfang an den kommunistischen Kadern in Vietnam nahe gestanden habe und letztlich deren Interessen im Ausland zugespielt haben soll, als er für die Friedensbewegung eintrat. Ein vietnamesischer Buddhist in Deutschland erzählte mir kürzlich, es sei unter seinen Landsleuten weithin bekannt, dass TNH und "Sister" Chan Khong schon sehr lange in einer Beziehung leben würden. Und eine andere vietnamesische Bekannte meinte - obwohl selbst religionskritisch eingestellt -, es würde sich doch für einen hohen Mönch oder Abt gehören, stilgemäß zu fliegen. Tatsächlich sind all dies aber Beispiele von mappô, vor allem weil es sich im Grunde doch keiner der Genannten leisten könnte, diese Sachverhalte offen auszusprechen. Weder die Heuchelei noch der Luxus haben in der Zen-Tradition etwas zu suchen. Gerade wer sich auf das chinesische Chan beruft, dem sei das Wort Pai-changs gesagt: "Disziplin bedeutet die makellose Reinheit des Nicht-Anhaftens."

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Artikel. Ich denke, dass auch aus Richtung des Nichiren-Buddhismus und Amithaba das Mappô-Konzept überdacht werden muss.

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  2. Ich möchte noch weiter gehen, wissend, dass ich bei einigen auf Unverständnis stoßen mag. Für mich setzt der Verfall viel früher ein (sowohl "linear zeitlich" also auch früher im nicht zeitlichen Sinne. Ich bin selbst seit 20 Jahren Schüler des Soto-Zen. Man beruft sich auf lineare Weitergabe von Shakyamuni Buddha über Dogen bis heute. Während aber Buddha z.B. dan Genuss jeglicher berauschender Substanzen auch in kleinen Mengen selbst für Laien konsequent ablehnte, heißt es heute im Zen, trinken sei völlig ok, wenn man nicht haftet und überhaupt, es gäbe ja schließlich so eetwas wie trinken oder nichttrinken genau so wenig wie jemanden der trinkt, insofern sei es in Ordnung. Abgesehen davon, dass dieses beireits in der hinduist. Bhagavat Gita zu findende Argument jeglicher Tugend/losigkeit (und auch dem Töten) die Relevanz abspricht, war es gerade der Hausheilige des Zen Dogen Zenji, der im Shobogenzo Zuimonki diese Haltung aufs Schärfste kritisierte und als "Ausrede, um sich daneben zu benehmen" bezeichnete. Er hielt die ursprünglichen Sila, wie Buddha sie aufgestellt hatte noch für unabdingbar. Heute saufen sich Mönche die Hucke voll und finden sich toll dabei.

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  3. Schon die Tatsache, dass Alkohol Mönchen durchaus erlaubt sein kann, nämlich in Form von Medizin (und ja auch dann berauschend wirken mag), zeigt, dass man aus den Schriften keinen eindeutigen Schluss ziehen kann. Mit modernen wissenschaftlichen Methoden könnte man sogar aufzeigen, dass Meditierende in rauschähnliche Zustände (Ausschüttung von Endorphinen usf.) durch buddhistische Übungen gelangen. An keiner Stelle im Palikanon ist meines Wissens außerdem der Genuss bestimmter Pilzarten verboten, die berauschend sind und zur damaligen Zeit in Buddha Lebensumfeld bekannt gewesen sein müssen. Die Frage ist: Wieso wurden diese dann nicht explizit erwähnt? Die Antwort: Weil man noch nicht so viel wusste wie heute.

    Heute wissen wir, dass früher mangels Ethanolgehalt der Alkohol längst nicht so stark war wie heute. Heute wissen wir, dass reife Früchte selbst Ethanol enthalten (auch diese wurden nicht explizit verboten). Mein Eindruck ist, dass diese Regel heute eher von Dogmatikern missbraucht wird. Und Dôgen war natürlich auch einer.

    Rauchen war übrigens auch erlaubt (Vin.I,204).

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  4. Nun, ich sehe das ein wenig anders. Alkohol war vom Buddha lt. Palikanon nur als Beigabe zur Halbarmachung von Medizin erlaubt, wenn man ihn "weder riechen, noch schmecken, noch spüren kan" also in minimaler Dosierung. Dass Pilze nicht explizit erwähnt werden ist m.E. kein Argument, denn die Sila heißt ja generell "keine berauschenden Substanzen konsumieren oder andere dazu ermutigen" bzw. keine Substanzen, die den Geist trüben. Dass sich Erfahrungen wie Pitti o.ä., auch stärkere , die bei intensiver Meditation und beim Eintreten in die Jhanas möglich sind sehr vom Rausch durch Alkohol und andere zugeführte Substanzen unterscheiden weiß jeder, der beides wirklich kennt.
    Dogen mag ein Dogmatiker gewesen sein, ich maße mir da kein Urteil an.
    Fest steht, dass der sittliche Verfall unter den heutigen Mönchen (ich kenne einen Zen-Mönch, der betreibt eine Brauerei...), und das schließt Geschwätzigkeit, Lebenserwerb durch Geldspekulation u.a. mit ein, eklatant ist. "Im Sittenlosen... ist die rechte Sammlung ohne Grundlage. Ist aber da keine rechte Sammlung da... so ist der wirklichkeitsgemäße Erkenntnisblick ohne Grundlage. Ist aber kein wirklichkeitsgem. Erkenntnisbl. da, so sind ihm Abwendung und Loslösung ohne Grundlage. Ist aber keine Abwendung und Loslösung da, so ist in ihm der Erkenntnisblick der Erlösung ohne Grundlage" (A V/24)
    Natürlich werden gern alle möglichen Argumente herangezogen, die Tugendregeln aufzuweichen. Meiner Meinung nach von Leuten, die nicht den Mumm haben, sich gegen den gesellschaftlichen Sog des schlechten Benehmens zu behaupten. (Damit meine ich nicht die hier Diskutierenden).

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  5. Eigentlich sollte ich dazu einen Extra-Blogeintrag machen, aber der Blog läuft ja aus ... Tatsächlich lautet das Gebot anders, als es gemeinhin übersetzt wird, es bezieht sich nämlich auf "fermentierte Getränke", die einen unachtsam werden lassen!:"Surāmerayamajjapamādaṭṭhānā veramaṇī sikkhāpadaṃ samādiyāmi."
    Es werden folgende Getränke genannt: sura (aus Reis oder Getreide gebraut, Vin.I,205), meraya (aus Zucker oder Früchten destilliert und ggf. gewürzt, M.I,238) und majja (aus Honig). Bekannt war auch noch der Palmwein (Vin.II,294).

    Entscheidend ist der Zusatz der Folge, die diese Getränke auslösen müssen, denn ansonsten wäre ja schon eine Bionade (da fermentiert) untersagt - es geht darum, nicht unachtsam zu werden. Ryokan, der bekannte Zen-Dichter, war dafür bekannt, dass er stets so viel trank wie seine Gastgeber, aber nie exzessiv. Statt des Dogmas wird hier der Sinn einer Regel betont, und der liegt daran, nicht mehr zu trinken, als man seiner Achtsamkeit schuldet.

    Versteht man das Gebot wie Du, dann wäre eine Schmerztherapie mit Morphium bei Krebskranken nicht möglich, da sie den Geist vernebeln kann. Eine solche Einstellung halte ich für unvertretbar, da sie den eigentlichen Sinn des Dharma - die Beseitigung von Leiden (wenn hier auch geistiger Natur) - nicht mehr widerspiegelt.

    Was nun die Auslassungen angeht, das ist zumindest ein interessantes Forschungsthema. Es gibt Hinweise darauf, dass man schon zu Buddhas Zeiten in Indien Betel (die Acaria-Nuss) kaute. Es wäre demnach durchaus selektiv, wenn in dem Gebot lediglich bestimmte Alkoholsorten namentlich genannt werden, jedoch andere Drogen nicht. Daraus könnte man schließen - wenn man wiederum den SINN der Regel in den Vordergrund stellt, nicht unachtsam zu werden -, dass (wie ich schon sagte) eine wörtliche Lesart des Palikanons nichts bringt, da sie Widersprüche auslöst oder von Auslassungen bestimmt ist.

    Was die jhana angeht, so muss ich dir widersprechen. Die Schilderungen sind sowohl im Palikanon wie auch bei Erweckungserlebnissen im Zen durchaus so, dass hier Menschen für eine Zeit lang - so kurz diese auch dauern mag - aus dem Kontext der Alltagswahrnehmung enthoben sind. Einige Zenadepten haben sich z.B. danach erst mal drei Tage ins Zimmer eingesperrt. Würde man eine solche Erfahrung in der Rush Hour erleben, ist es durchaus denkbar, dass man dabei in einen tödlichen Unfall verwickelt wird.

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  6. Ich stimme Dir zu im 1. Teil. Es geht bei dem Verbot um die Folgen, also um die Tübung des Geistes oder das Schwinden der Achtsamkeit. Und genau darum: diese schwindet bereits nach einem Bier.
    Zu den Jhanas: es gibt einen entscheidenden Unterschied zum Drogen-Rausch (da schließe ich Alkohol ein): bei letzterem bleibt nämlich das Verstricksein in Dualismus bestehen, selbst unter starkem Kiffrausch und unter LDS (Und ich gebe zu, dass ich hier aus eigener,früherer Erfahrung spreche....). Außerdem schwinden bereits beim 1. Jhana die unheilsamen Tatabsichten während unter Einfluss von Drogen derartiges weder bei geringer noch bei hoher Dosierung geschieht. Im Gegenteil. Ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat, aber ich stimme dem Zitat zu: "Alkohol ist zu vermeiden, da in Folge von Alkoholkonsum alle anderen Silas zu leicht verletzt werden." Das Gleiche gilt m-E. für andere Drogen.
    PS: wusste nicht, dass der Blog ausläuft. Ich nehme an, Du willst die Zeit lieber in eigene Praxis stecken und wünsche Dir dafür alles Gute.

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  7. PS: Natürlich ist es nicht akzeptabel, Schmerztherapie zu "verbieten". Es geht ja auch bei dem Gebot nicht darum, allen Leuten zu sagen, was sie tun sollen, sondern zu zeigen, wie man den "Heilsweg erlangt". der Ehrw. Bhante Dhammaviro, der vor kurzem gestorben ist, hat übrigens sehr wohl eine bewustseinstrübende Schmerztherapie trotz schwerer Krankheit bis zu letzt verweigert und konnte dies dank seiner enormen Verwirklichung und meditativen Fähigkeiten auch durchhalten. Ich könnte das sicher nicht.

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  8. Zunächst: Der Blog IST eigene Praxis. Der Grund, warum er - zumindest vorläufig - ausläuft, ist schlicht, dass ich denke, das Wesentliche erst mal gesagt zu haben. Und für Neues ggf. eine andere Form wählen will. Außerdem erscheint eine Reihe von Übersetzungen in meinem Verlag, die natürlich auch Zeit beansprucht.

    Ich halte persönlich "Achtsamkeit" für überschätzt. Wenn einer aufgrund seines Vollrausches einschläft, kann er auch nix mehr anrichten. Es liegt am Typen. Einige tauen auf und werden richtig angenehme Gesellen unter Alkoholeinfluss. Keine Regel ohne Ausnahme, weswegen ich letztlich eine solche Regel für falsch halte. Zudem gibt es Hinweise auf gesundheitlich erwünschte Wirkungen bei moderatem Weinkonsum. Nicht, dass wir uns da falsch verstehen, für mich kommt das alles nicht mehr in Frage, weil ich es nicht vertrage. Ich erinnere mich aber gut an meine früheren Cocktaillaunen, und die waren eindeutig eine Bereicherung, ganz abgesehen von den Geschmackserlebnissen. Die wissenschaftliche und empirische Ausgangslage in Bezug auf Alkohol ist für mich eine andere als zu Zeiten Shakyamunis. Wenn ER ein Problem nach einem Becher Alkohol hatte, muss das nicht für alle anderen Menschen gelten. Ich musste heute z.B. schmerzbedingt eine Tramadol einfahren und habe nicht nur einen schnelleren Lauf bei meinen Einkäufen hingelegt, sondern auch eine erhöhte Aufmerksamkeit gespürt. Genau diese ist letztlich ja heutzutage sogar gezielt mit Medikamenten steuerbar.

    Was Dhammavaro (welcher ist da genau gemeint?) angeht, so müsste das präzisiert werden. Woran litt er denn? Da sollte man mal direkt mit seinen Ärzten kommunizieren und Zeugen hören. Ich gehe z.B. davon aus, dass es kein Bauchspeicheldrüsenkrebs war. Die gerade publizierten CIA-Berichte über die Folter hartgesottener Terroristen (die Unschuldigen lasse ich mal beiseite) zeugen auch davon, dass es auf das Ausmaß der Pein auskommt, ehe ein wie auf immer auf Resistenz Trainierter zusammenbricht (denn man muss gar nicht "verwirklicht" sein, um starke Schmerzen wegstecken zu können). Ich rate ausdrücklich davon ab, gerade schon Verstorbene als Beispiele möglicher Totalignoranz von stärksten Schmerzen herzunehmen. Man muss, wenn man das verstehen will, diese Leute unbedingt selbst beim Sterben begleiten und den Schmerzgrad fachmännisch einschätzen lassen. In einem anderen Forum habe ich gerade geschrieben: Der Buddha selbst hat in MN 53 sich sogar über seine Rückenschmerzen derart ausgelassen, dass er sich um sie extra zu kümmern habe. Ansonsten hatte er offenbar leicht reden, da es ihm gut ging, bis er an einer verdorbenen oder vergifteten Mahlzeit wohl starb. Das ist kein Maßstab. Gesunde machen sich gern Illusionen, genau wie Menschen, die keine Gewalt und keinen Krieg kennen.

    Körperliche Einschränkungen sind laut Palikanon auch ein Hinderungsgrund für die jhana. Es ist keinesfalls umgekehrt, dass mit der Erleuchtung jeder Schmerz daherkommen kann, sondern es ist so, dass man, wenn man Pech hat, vom Körper am Erwachen des Geistes gehindert wird. Von daher ist es also in meinen Augen sogar dumm, wenn Buddhisten meinen, sie sollten ohne Schmerztherapie ins Sterben gehen, da ihnen möglicherweise genau das dann im Weg steht. Beispiel Ghodika in SN 4.23, der offenbar krank war und der nach einem weiteren Kommentar schließlich Befreiung in seiner Selbsttötung (!) erlangte, bzw. der sich befreit selbst töten konnte - und nicht etwas bewusst und achtsam alles weiter aushielt.
    http://www.accesstoinsight.org/tipitaka/mn/mn.022.nypo.html (Kommentar 36)

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  9. Danke Guido für Deine weitere ausführliche Antwort. Wieder: vielem stimme ich zu oder kann es nachvollziehen, einiges sehe ich komplett anders. Nun könnte ich also wieder weiter schreiben und wir würden mit unterschiedlichen Zitaten oder Sutren-Verweisen hin- und her-diskutieren, so wie jene, über die der Buddha meinte, sie lieben das Debattieren über die Lehre, das sei aber eben nicht der Weg selbst.Und auch darüber ließe sich nun sicher schon wieder debattieren :-))
    Allerdings kann ich, nach allem was ich im Palikanon gelesen, von Lehrern gehört und durch eigene Praxis erfahren habe nicht nachvollziehen, wie man Achtsamkeit (sofern man sie nicht fälschlich als westliche "kon-Zentration" im Sinne vo- "wenn ich nur konzentriert bin, geningt mir auch alles"-Kontrollwahn versteht) überbewerten kann.
    Das ist eine Aussage, die mich veranlasst zu glauben, dass wir allgemein eine völlig andere Auffassung von der Lehre haben. Deshalb werde ich nicht noch einmal ausführlich meine Meinung zu den einzelnen Punkten darstellen.
    Nur so viel: sicher kann man nicht alle Schmerzen "weg-meditieren", das hab ich auch nicht gemeint. - Für Deine wünsche ich übrigens gute Besserung oder zumindest keine weitere Verschlimmerung in Zukunft. Ich bin selbst mit Bandscheibenvorfall und Scoliose und etlichem anderen gesegnet und weiß also wovon ich spreche. Auch, wenn ich sage, dass es bei mir duchaus funktioniert, die Schmerzen durch Meditation zumindest für einige Zeit (auch über's Sitzen hinaus) dämpfen oder lösen zu können. Auch die Stelle in M53 kenne ich (In der Übersetzung vom Ehrw, Mettiko allerdings nur ein kleiner Satz) und natürlich die Geschichte von Ghodika. Man kann das alles so oder so betrachten.
    Und eine Bitte noch: Im Vinaya Pitaka 1 findet sich in den mir zugänglchen Übersetzungen im Patimokhan nur die Nidana, die geht bis Vers 33 Du schreibst von Vin. 1/204 -
    Wo finde ich diesen Vers? Für einen Link oder Aufklärung wäre ich Dir dankbar.
    Alles Gute für Deine Praxis, Gesundheit und Verlag !

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  10. Auf S. 407 die Regel im Wortlaut: http://www.accesstoinsight.org/lib/authors/thanissaro/bmc2.pdf
    Hier unter II. "Observanzen" im Kommentar die Erklärung für sura: http://www.palikanon.com/khuddaka/khuddaka.htm

    Hinweise auf Sura (Branntwein) gibt es auch in den Jataka: http://www.palikanon.com/khuddaka/jataka/j466.htm#r11 (Kommentar 11). Die andere Stelle verifiziere ich noch.

    Sura wurde aber von dem Arzt Susruta etwa zu Shakyamunis Zeit bereits als Anästhetikum bei Operationen benutzt, hatte also bereits in seiner - vom Buddha ja in solcher Dosis untersagten - Verwendung offenbar Menschen Nutzen gebracht.

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  11. Ich hatte Vin I, 205 von Bhante Dhammika, der die Ausgabe der Pali Text Society benutzt (Original) und mir hier noch eine äquivalente Stelle in der engl. Übersetzung von I. B. Horner nannte: "Vin. IV,110, i.e. page 385 of Horner’s translation, i.e. Pacittya LI,2, the supplement, mentions sura being made out of raw rice, cooked rice, cakes, probably stale ones, and yeast."

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  12. Danke für Deine Mühe und die genauen Hinweise. Den von Dir erwähnten Hinweis, Rauchen sei erlaubt gewesen (außer zu medizinischen Zwecken als Inhalation) finde ich allerdings nirgends. Ist auch egal, ich rauche eh nicht und denke generell, jeder Verzicht auf wie auch immer geartete Genussgifte ist heilsam. (D.H. nicht, dass ich selbst völlig auf Tee oder Kakao verzichten kann....)
    :-))

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  13. Wieder aus Vin. I, 205 hat Bhante Dhammika in seinem Blog mal die Stelle zitiert, in der der Buddha sogar den Cannabis-Genuss gestattet, als Mittel gegen Rheumatismus (angavata). Dazu sollte der Patient in einen kleinen Raum sein, der vom Dampf heißen Wassers, in dem sich Cannabisblätter (bhangodaka) befinden, angefüllt ist. Der Patient atmet diesen Dampf ein und reibt ihn auf die Haut. Es ist nicht anzunehmen, dass bei dieser Behandlung eine Aufmerksamkeit-verändernde Wirkung ausbleibt.

    In MV.VI.13 sieht man klar, wie der Buddha mehrfach nachkorrigieren muss, da der Rauch z.B. "im Hals brennt", also offenbar als medizinischer Laie um eine Lösung ringt, die dann u.a. erlaubt, Elfenbein für die Pfeifenherstellung zu benutzen! Von solchem Wert ist es, wenn man auf dem Wortlaut des Palikanon beharrt. Ganz offensichtlich handelt es sich nicht um eine inhalative Verneblung wie bei Asthma-Kranken, sondern um immer noch schädliches Rauchen, da es ja zunächst im Hals brennt. Über die anderen schädlichen Auswirkungen von Zigaretten kann der Shakyamuni ja noch nichts gewusst haben, darum fehlt es an dieser Differenzierung.

    Aus T22, no. 1421, p. 176, c1-3 (Mahīśāsaka Vinaya) fand ich das zitiert.
    "彌沙塞部和醯五分律》卷26:「舍利弗患風波斯匿王語言。應以乾蝦蟇薰鼻。不敢用。佛言。聽用。." Demnach litt Shariputra unter Winden und der König Prasenajit empfahl ihm, den Rauch einer getrockneten Kröte (alternative, aber seltenere Lesart: Walnuss- oder Pfirsichkern) in die Nase zu bringen. Der Buddha erlaubte dies.

    Ich denke, ein Lungenfacharzt würde das anders sehen.

    Wie schließt man aber logisch aus der Erlaubnis des Rauchens für medizinische Zwecke (das aus heutiger Sicht diese Zwecke nicht einmal erfüllen dürfte) auf ein Verbot allen anderen Rauchens?

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  14. Nochmals danke. Vin I, 205 erwähntest Du ja schon und genau darauf zielte meine Frage: kanst Du mir einen Link sagen? Es ist nämlich so, dass die Zählung unterschiedlich ist? Jedenfalls ist im Teil 1 des Vinaya Pitaka hier http://www.palikanon.com/vinaya/patimokkha/patimokkha.pdf weder eine 205 zu finden noch die Wörter bhangodaka oder angavata, desgleichen auch nicht "rauch" oder "dampf".Ebenfalls nicht in der Übersetzung von Bhikkhu Nanadassana....
    Die Schlussfolgerung, nach der Du fragst ist für mich diese: Wenn Rauchen ohnehin erlaubt gewesen wäre, hätte er es nicht zu medizinischen Zwecken (wie Du ja richtig schreibst in MV VI,13) extra erlauben müssen, und dies auch erst, nachdem die anderen Versuche (Einträufeln etc) gescheitert waren.

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  15. Da hilft wohl nur, die I.B. Horner-Ausgabe zu besorgen, um die Stelle wie weiter oben angegeben zu finden.

    Ich denke, genau das - ein Rauchverbot - kann man nicht aus MV.VI.13 schließen. Denn zunächst ging es um Öl als Mittel gegen Kopfschmerzen. "Ich erlaube, ihr Mönche, Öl für den Kopf." Dann müsste man nach deiner Logik schließen, was der Buddha nicht ausdrücklich erlaubt hat, war verboten, also z.B. auch Öl für den Kopf (bis er es erlaubt hat). Alles Erlaubte müsste demnach im Palikanon stehen, und wenn es nicht da stünde, wäre es verboten. Das ist ja total absurd. Vielmehr gibt es genau deshalb eine ganze Liste von Verboten, damit diese klar definiert sind. Ganz abgesehen davon, dass sich die besagte Stelle nur an Mönche richtet, nicht an Laien, die das also halten können, wie sie wollen.

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  16. Habe Horner online gefunden, am Besten über Google "i b horner book of discipline" und dann volume soundso suchen, Band IV ist hier: http://archive.org/stream/bookofdiscipline14hornuoft/bookofdiscipline14hornuoft_djvu.txt
    Suchen nach dem Wort "bhattgodaka" (so ist es hier geschrieben) oder "hemp leaves", darüber steht die Stelle.

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  17. Danke. Dein Einwand bezügl. des Öls scheint natürlich erst einmal logisch. Da Öl für den Kopf nun aber mal nicht zu den berauschenden Mitteln gezählt werden kann, wiederum auch nicht. Und: Mönchen war es tatsächlich nicht gestattet, Körperöle für kosmetische Zwecke zu benutzen, insofern, musste dies ausdrücklich erlaubt sein.
    "i b horner book of discipline" hab ich gefunden und unter vol. 1 geschaut, um die von Dir genannte Stelle Vin 1.205 zum Rauchen zu finden: Suchbegriff smoke - kein Resultat, Suchbegriff inhale - kein Resultat. Suchbegriff 205 - 3 Resultate, die alle nichts mit Rauchen zu tun haben. Allerdings weiß ich nicht, ws"na kkhamamyo hoti" bedeutet und konnte es auch im Netz nicht finden. Wie auch immer, allein die Tatsache, dass man wohl Stunden danach suchen muss um eine Stelle zu finden, in der Rauchen angebl. auch zu nicht medizinischen Zwecken erlaubt sein soll 8selbst wenn es diese gibt) ist schon bezeichnend und ich höre jetzt auch auf, Dich zu fragen und da weiter zu bohren.
    Noch eine Anmerkung: ich bin nicht bestrebt, den Palikanon "auszulegen" und schon gar nicht "wörtlich", wie Du sagst. Ich vergleiche nur verschiedene Aussagen und mache mir dann, prüfend und meine Erfahrungen hinzuziehend, mein Bild, wie es der Buddha im Kalama-Sutta empfohlen hat. Und ich glaube halt, dass berauschende Mittel, so sie nicht medizinisch nötig sind, nicht heilsam im Sinne des Buddha-Weges sind.
    Alles Gute und Grüße aus Berlin

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  18. PS: Ja, die Stelle über Hanf habe ich gefunden, - zu medizinischen Zwecken eben.... nicht als Genussmittel.

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  19. Anm.: Bei Horner ist die Stelle in Band 4, wie von mir verlinkt. Man kann die Bände besser über scribd.com einsehen, indem man nach "i b horner" oder "vinaya pittaka" sucht, da ist es leserlicher. Wenn man was Gescheites hochlädt, darf man sie auch runterladen.

    In Band 1 sind auch zig Todesarten genannt, einige besonders absurde, und immer heißt es: Einmal hat ein Mönch ... z.B. sich auf jemanden, der nicht zu erkennen war, draufgesetzt, so dass dieser zu Tode kam. So geht das immer weiter, und man kann sich vorstellen, dass so viele Fälle gar nicht in Shakyamunis Orden möglich waren, genauso wenig wie je ein Arzt so viele Ausnahmefälle wie Dr. House in der TV-Serie eingeliefert bekommt. Das Ganze ist also recht fantasievoller Humbug. Und darum geht es folglich mir:

    Es ist vollkommen sinnlos, aus dem Palikanon durch Beachten all dieser Details den "Buddha-Weg" zu definieren. Eigentlich kann nur ein Neurotiker so einen Kram zusammenschreiben, genauso wie nur ein Kranker einen Mikropenis, Plattfüße UND 40 Zähne im Mund hat, was ja angeblich alles einen Buddha kennzeichnet. Ganz abgesehen davon, dass die Dinge weiter oben NUR für Mönche formuliert sind, also den Laien gar nicht interessieren müssten, sind sie deshalb für mich interessant, weil sie deutlich machen, warum man kaum geistig gesund bleiben kann, wenn man ein Theravada-Mönch wird (oder als Laie meint, man müsse sich auch noch an die Regeln von Mönchen halten). Gerade sah ich wieder bei Bhante Dhammika selbst, wohin das führt. Weil der Palikanon behauptet, Tiere würden ja ständig auf der Lauer liegen, um andere zu töten, und so das Tierreich herabwürdigt, um seine Existenzbereiche zu rechtfertigen, wird von Wortgläubigen übersehen, was für ein Unsinn das ist. Es gibt schließlich Tiere, die sich vegetarischer ernähren als die meisten Menschen. Die ganze Vorstellungswelt, auch die medizinische, beruht im Palikanon auf Wissenslücken. Aus diesem Grund wohl musste der Shakyamuni schließlich auch an einer Lebensmittelvergiftung sterben.

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