Samstag, 24. April 2010

Religion ist keine notwendige Bedingung für moralisches Handeln

Vor einigen Wochen erschien in der SZ ein Artikel über "Das Gute im Kopf". Darin wird z.B. von der Arbeit des Primatologen Frans de Waal berichtet, der Schimpansen dabei beobachtete, wie sie Menschen einen Stock brachten, an den diese nicht heranreichen konnten. Der Anthropologe Pascal Boyer hält Religion nur für ein "Nebenprodukt der Evolution", da dem Menschen das Unerklärliche und Bedrohliche Angst mach(t)e. Der Atheist Richard Dawkins meint, da Kinder gelernt hätten, Eltern als Autoritätspersonen zu akzeptieren, würden sie auch bereit sein, an einen Gott zu glauben. Der finnische Religionswissenschaftler Pyysiäinen und der Psychologe Marc Hauser von der Harvard University veröffentlichten gerade in Trends in Cognitive Science ihre Erkenntnis, dass sich bei schwierigen Entscheidungssituationen moralischer Art kaum Unterschiede zwischen Atheisten und Gläubigen feststellen lassen. Die Wissenschaftler meinen zwar, Religion könne die "Kooperation zwischen Gruppen stabilisieren", habe sich aber als Nebenprodukt "von früher existierenden kognitiven Funktionen" entwickelt, die nicht-religiöse Aufgaben hatten.

Diese Thesen bestätigen meine Ansicht, dass auf dem Buddha-Pfad die sila, das Befolgen von moralischen Regeln, weit unterhalb der Weisheit (prajna) als wahre Verwirklichung der Buddha-Natur anzusiedeln sind. Das moralische Handeln ist an sich "nichts Besonderes". Man sollte darum kein allzu peinliches Gedöns machen - genauso wenig, wie es ein Affe tut.

[Copyright Foto: Kabir Bakie ("At the Cincinnati Zoo", September 5, 2005)]

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