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Meister Ippen (III)

Neuer japanischer Film über Ippen Kurz vor Ippens Geburt im Reinen Land wurde berichtet, lila Wolken hätten sich am Himmel zusammengeballt. Ippen sagte: "Also brauche ich meinen Tod heute oder morgen noch nicht zu erwarten. Denn am Ende sollte es keine Spuren solcher Zeichen geben."

Meister Ippen (II): Sterben, Selbsttötung, Tugend

Geburt ist der erste Gedankenmoment an die Zufluchtnahme (in den Namen). Der Ausdruck 'erster Gedankenmoment' beinhaltet jedoch noch die Perspektive des Übenden. Namu-amida-butsu ist von Beginn an selbst Geburt. Diese Geburt ist Nicht-Geburt. Der Punkt, an dem ein Mensch dieser Lehre des Namu-amida-butsu begegnet, wird behelfsweise ein Gedankenmoment genannt. Wenn ein Mensch zum Namen zurück- und in ihn eingekehrt ist, der jede Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft abschneidet, dann ist Geburt ohne Anfang und ohne Ende.    Die Abgrenzung zwischen dem Augenblick des Sterbens und gewöhnlichem, fortdauerndem Leben wird wiederum im Hinblick auf Übende gelehrt, die in falscher Unterscheidung feststecken. Im Namu-amida-butsu gibt es weder einen Augenblick des Sterbens noch gewöhnliches Leben. Es ist stetiges Dharma in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Da ein ausgehauchter Atemzug keine Gewähr bietet, dass ein Einatmen folgt, kann es keinen anderen Zeitpunkt geben, dem Tod ins ...

Meister Ippen (I)

Meister Ippen (1239-1289) war ein wandernder Hijiri -Mönch des Reine-Land-Buddhismus. In vielen seiner Texte und Gedichte des Ippen Shônin Goroku taucht daher das "Namu-amida-butsu" auf. Wenn man als Zen-Buddhist etwaige Berührungsängste mit dieser Schule überwunden hat, gibt es immer wieder Schönes zu entdecken. Wer Englisch kann, wird in Dennis Hirotas "No Abode. The Record of Ippen" (Berkeley, Kyoto 1986) auf seine Kosten kommen. Das zweite Zitat könnte auch als Motto hinter diesem Blog stehen ... *** "Ihr müsst sorgsam zwischen den beiden Toren des Dharma unterscheiden, dem Weg der Weisen und dem Weg des Reinen Landes. Der Weg der Weisen sagt: 'Blinde Leidenschaften sind selbst Erleuchtung', 'Geburt-und-Tod sind Nirwana'. Auch ich hätte zweifellos diese Lehre weitergeben können, doch liegt sie jenseits der Auffassungsgabe heutiger Menschen, die doch nur wieder zum grundlegenden Anhaften an die Wurzel blinder Leidenschaften zurückke...

Frühes Chan zu Angst, Karma, Nicht-Denken und Nirwana

"Dieser Weg ist vollständig von falschen Gedanken geschaffen. Wie sieht die Schöpfung durch falsche Gedanken aus?"    "Der Dharma kennt kein groß oder klein, kein hoch oder niedrig, keine Formen und Charakteristika. Es ist, als gäbe es an deiner Wohnstätte einen großen Stein im Garten; würdest du auf diesem einschlafen oder sitzen, hättest du dabei doch keinerlei Angst. Plötzlich bekommst du die Idee, ein Bild zu erzeugen. Du heuerst jemanden an, ein Buddhabild auf den Stein zu malen. Nun hat dein Geist eine Deutung Buddhas erschaffen und du fürchtest, eine 'Sünde' zu begehen, und kannst nicht länger auf dem Stein sitzen. Da ist noch der ursprüngliche Stein, doch die Buddha-Deutung wurde von deinem Geist erschaffen. Wie ist dieser Geist? Es ist stets der Pinsel deines Geist-Bewusstseins, der solche Deutungen schafft. Du bringst selbst Furcht über dich. In Wirklichkeit gibt es im Stein weder 'Sünde' noch Verdienst." *** "Wie kann das K...

Der Zen-Wald: Auszüge aus dem Zenrin Kushu

In diesem Buch finden sich aus dem Chinesischen überlieferte Redewendungen. Sie dienen Zen-Schülern als mögliche Antworten auf die von ihren Lehrern in Form von Koan gestellten Aufgaben, werden im Japanischen jakugo genannt und entstammen dem Zenrin Kushu . Zenrin Lewis hat sie ins Englische übersetzt und durch die literarische Übersetzung ins Japanische (bungo) sowie Kommentare von Zenkei Shibayama Roshi ergänzt. Wir haben hier seine zunächst als „The Book of the Zen Grove“ erschienene Auswahl zum größten Teil ins Deutsche übertragen. Erhältlich im Buchhandel, auch online und als eBook. Auszug: 路逢劒客須呈劒不是詩人 莫獻詩  585.  Michi-ni kenkaku-ni awaba subekaraku ken-o tei-subeshi, kore shijin-ni [arazumba] shi-o kenzuru-koto nakare. Wenn du auf dem Weg einen Schwertkämpfer triffst, musst du ihn dein Schwert schmecken lassen; solange es kein Dichter ist, darfst du ihm kein Gedicht anbieten. Wenn man jemanden trifft, der den Dharma darlegt, kann man sich frei mit ihm unterh...

Warum frühes Chan den säkularen Buddhismus vorwegnimmt

"Ein Sutra sagt: 'Schneide alles Böse ab, kultiviere das Gute, dann wirst du zum Buddha.'  Das sind falsche Gedanken, die dein eigener Geist erzeugt." Ich möchte nun die versprochene Entgegnung auf einige neuere Blogs und Bewegungen formulieren, in der Hoffnung, dass diese auf ihrem Weg davon inspiriert sein mögen. Der Einfachheit halber fasse ich unter dem "Säkularem Buddhismus" der Überschrift hier mal all die Bestrebungen zusammen, abseits von etabliertem Buddhismus (ob er nun vornehmlich Religion oder Spiritualität ist) eine moderne, aufgeklärte, kritische Praxis der Buddha-Lehre zu etablieren. Ich werde natürlich den erheblichen Unterschieden in Blogs, die ich zeitweise hier verlinkt hatte, so nicht gerecht. Aktiv sind vor allem Stephen Batchelors "Secular Buddhism", in Deutschland etwa "Der Unbuddhist", dann international Glen Wallis "Speculative Non-Buddhism" und weitere, die sich - meist mit akademischem Hintergru...

Der Chan-Meister Ching-hung (II)

Meister Ching-hung hat uns wirklich einige überraschende Sprüche hinterlassen. Im ersten Zitat stellt sich mal wieder die Frage, die für einige Leser derjenigen ähneln mag, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Ist moralisches Verhalten die Voraussetzung für Meditation und Weisheit, oder entsteht rechtes Verhalten erst aus der Weisheit? „Wie ist das, Tao zu kultivieren und Zen zu üben, wenn du noch nicht deinen Geist ergründet, deine Augen geöffnet, dich von deiner Leidenschaft befreit und dein Anhaften am Leben abgeschnitten hast? Es ist wie mit einem, der sehen kann und einen Raum betritt, der tausend Jahre lang dunkel war. Auch wenn alle Arten von Dingen vor ihm auftauchen, er hat keine Ahnung, ob sie blau oder gelb, rot oder weiß, lang oder kurz, eckig oder rund sind. Er ist sich dessen überhaupt nicht bewusst. Wenn so jemand eine Mönchsrobe trägt, verdient er die Unterstützung von Göttern und Menschen nicht.“ *** „Wer andere lobt, erntet ein gewisses Maß an Verd...

Der Chan-Meister Ching-hung (I)

Ching-hung (1272-1352) wurde vor allem durch seine "Gedichte aus den Bergen" und Gathas bekannt. Red Pine alias Bill Porter hat diese in seinem Buch "The Zen Works of Stonehouse" (Berkeley 1999) ausgiebig gewürdigt. Ich möchte hier Auszüge aus den Reden des chinesischen Eremiten vorstellen. Im ersten Text kann man auch eine Spitze gegen Theravada-Mönche lesen, deren Ordensregeln (Vinaya) ihnen jeglichen Ackerbau untersagen. „Wenn ihr nur schlummernd und selbstvergessen sitzt und so eure Zeit verschwendet, seit ihr nicht einmal dem gewöhnlichsten Farmer im ärmsten Dorf gleich. Hackend und pflanzend versorgt er sich wenigstens selbst und macht nichts falsch. Doch ihr Mönche und Söhne Shakyamunis nutzt den Schutz des Tathagata aus. Ihr esst Nahrung, ohne den Acker zu bestellen, tragt Kleidung, ohne Seidenraupen zu züchten. Ihr lebt in großen Hallen und riesigen Tempeln, eure Finger berühren niemals Dreck, alltägliche Angelegenheiten kümmern euch nicht. Für alles i...

Han Shan über Erleuchtung und Übung

Meister Hanshan (1546-1623) schrieb [1] :    „Es gibt Übende, die zuerst erleuchtet werden und dann mit der Kultivierung beginnen, und andere, die zunächst üben und dann Erleuchtung erfahren. Dabei gibt es zwei Arten von „Erleuchtung“: die eine durchs Verstehen, die andere durch Erfahrung. Wenn jemand den Geist erkennt, indem er den Lehren Buddhas und der Patriarchen folgt, wird dies Einsicht durch Verständnis genannt. Diese führt nur zu einem konzeptionellen Verständnis, der Übende wird machtlos sein, da sein Geist nicht mit der Umwelt eins wurde, und er wird vielen Hindernissen begegnen. Dies wird simulierte Weisheit  genannt und entstammt nicht echter Übung.    Andererseits halten diejenigen, die durch Übung erleuchtet werden, geradlinig an ihren Methoden fest, bis sie sich an einen Ort getrieben haben, wo „Berge und Flüsse vollständig erschöpft sind“. Plötzlich fällt ihr letzter Gedanke ab und sie erkennen gründlich den Geist. Es ist, wie wenn man sei...

Der große Zweifel und die Nachfolge

Zu den wichtigen Eigenschaften eines guten Zen-Lehrers gehört, den "Großen Zweifel" zu wecken. Damit ist die allgemein unter Menschen verbreitete Frage gemeint, die uns nach dem Woher und Wohin unserer Existenz suchen lässt: Was war ich vor meiner Geburt, wie wird es nach meinem Tod sein? Dem Zweifel wird in einer Schule des Zen durch Kôan oder Huatou Rechnung getragen, Geschichten, Aussprüche oder Worte, die über ein rein logisches Antworten auf eine existentielle oder Sinn-Krise hinaushelfen sollen, hin zum Vorgedanklichen. Bleibt man jedoch dabei stehen, sich moralisch "einwandfrei"  zu verhalten, Gedankenaufruhr zu beherrschen und nicht mehr ständig unterscheidend zu werten, kann man doch noch wie "ein Toter auf Bodenhöhe" sein: Die Meditationsmethode hat sich nicht restlos der "Großen Angelegenheit von Leben und Tod" hingegeben, und im Dornengestrüpp des Daseins, wenn echte Prüfungen kommen, kann ein so Übender zu Fall kommen. Chanmeister ...

Weisheiten Suzuki Roshis (III)

Ein völlig aufgelöster, weinender Schüler fragte: "Warum gibt es so viel Leid?" Shunryu Suzuki erwiderte: "Kein Grund." *** Als sich ein Schüler in der Tempelhalle des Sokoji aufhielt, näherte sich Suzuki Roshi und sagte: "Nur am Leben zu sein ist genug." Dann drehte er sich um und ging weg. *** Ein Schüler fragte: "Ist die Erleuchtung ein umfassendes Heilmittel?" Suzuki Roshi sagte: "Nein." *** Ein Schüler gestand Suzuki Roshi, er würde während des Zazen ständig denken. Der Roshi fragte: "Ist Denken denn ein Problem?" *** "Die Hölle ist keine Strafe. Sie ist ein Übungsort." *** "Wenn es nicht paradox ist, ist es nicht wahr." *** Die Rechtmäßigung eines Mönches wurde angezweifelt, weil er nicht die üblichen Zeremonien und Bettelgänge mitgemacht und nicht sein Haar geschoren hatte noch Roben trug. "Bin ich nun ein Mönch oder nicht?", fragte er Suzu...

Tang Hoi und
Thich Nhat Hanhs Entstellungen

Auf der Suche nach interessanten buddhistischen Fundstücken bin ich in meinem Regal auf "Master Tang Hoi" von Thich Nhat Hanh (Berkeley 2001) gestoßen. Hier lässt sich noch einmal im Detail aufzeigen, was von Neulingen auf dem Weg gern übersehen wird, wie nämlich TNH unnötige Dualismen schafft und sich alles für sein eigenes Sektenverständnis zurechtbiegt. In den Fußnoten finden sich außer Querverweisen auf den Palikanon praktisch nur Hinweise auf ca. ein Dutzend weiterer Bücher TNHs. So dreht sich da alles im Kreis. Zunächst versucht TNH aufzuzeigen, dass der Buddhismus in Vietnam ankam, bevor er in China Fuß fasste. Dann führt er Tang Hoi, der im 3. Jh. n. Chr. lebte, als Meditationsmeister ein und widmet sich dessen Schrift "Sammlung über die sechs Paramita" (T 152), die zunächst übersetzt wird. Bereits in dieser Vorlage zeigen sich einige Auffälligkeiten:     - Es wird von einer Meditation gesprochen, die sich damit beschäftigt, wie Menschen in die Welt d...

Was ist Meditation im Chan?

Verehrte Zuhörer, Meditation (ding) und Weisheit (hui) sind die Grundlagen meiner Lehre. Zunächst denkt nicht, dass Meditation und Weisheit verschieden seien. Sie sind von gleicher Gestalt, d. h. Meditation ist der Körper der Weisheit und Weisheit ist die Anwendung der Meditation. Wenn Weisheit gegenwärtig ist, dann ist darin Meditation; wenn Meditation gegenwärtig ist, dann ist darin Weisheit. Der Kampfkunstlehrer Wong Kiew Kit schreibt in seinem "Complete Book of Zen" (Cosmospress 2010)  zu diesen Sätzen des sechsten Patriarchen Huineng etwas Interessantes: "Viele missverstehen dies, weil sie denken, ding müsse etwas anderes als Meditation sein, da es ja schon die Ausdrücke chan (dhyana) und jing-zuo (schweigendes Sitzen) dafür gäbe. Professor Wing-Tsit Chan hat das Wort beispielsweise mit "Seelenruhe" (calmness) übersetzt. Ding steht hier jedoch als Kurzform von chan ding (dhyana-samadhi). Die üblichen chinesischen Ausdrücke für die drei buddhisti...

Der Zen-Meister Taego (III)

Wie man Zen studieren soll "Tage und Monate vergehen wie ein Blitz, beachtet die Vergänglichkeit. Wir gehen vom Leben in den Tod über in der Zeit, die es benötigt, ein- und auszuatmen. Es ist schwer, sich auch nur eines Morgens oder Abends sicher zu sein. Ob ihr geht, steht, sitzt oder liegt - verschwendet nicht eine Minute. Werdet immer mutiger und unerschrockener. Seid wie unser ursprünglicher Lehrer Shakyamuni, der energisch voranschritt.     Ist der Geistgrund gleichmütig, wach und still, werdet ihr tiefgründige Gewissheit über die Absicht der Buddhas und Patriarchen gewinnen. Ihr müsst dies auf die rechte Weise erreichen. Geist ist der natürliche Buddha, warum also woanders danach suchen? Legt eure zahllosen Angelegenheiten ab und erwacht. Am Ende des Weges ist es wie vor einer Eisenwand. Falsche Gedanken sind ausgelöscht, und sogar das Auslöschen ist fortgewischt. Körper und Geist scheinen in der Leere zu ruhen. In der Stille reicht das Strahlen eines Licht...

Der Reichtum der Ole Nydahl-Sekte

Auf Seite 3 (ehemals Seite 4) der Satzung der "Stiftung Diamantweg" wird uns offenkundig die Alleinverfügungsgewalt Ole Nydahls erklärt. Ist ganz ähnlich gemacht wie bei der Sekte Phat Hue, wo auch in Sachen Geldausgeben gewisse große Freiheiten herrschen (heißt bei Ole "unverhältnismäßig hohe Vergütungen", was auch immer das sei - Aktualisierung vom 11.08.2014: Dieser Passus wurde in der Fassung der Satzung vom Dezember 2012 nicht mehr gefunden! ). ... amtiert auf Lebenszeit, allein weisungsbefugt, benennt/ernennt und entlässt Geschäftsführer und Beiratsmitglieder ... In den Vorstand hatte er zunächst nur noch seine zwei Lebensgefährtinnen aufgenommen. Eine solche Struktur stinkt natürlich zum Himmel. Auf Seite 18 eines Jahresberichtes ( Aktualisierung vom 11.8.2014: Seite 18 ist nicht [mehr] vorhanden, siehe also Seite 11 )  finden wir das Kapital, über das Nydahl verfügen kann (Stand 2009): 12,5 Millionen Euro! ...

Der Zen-Meister Taego (II)

Wieder und wieder schau dir an, welche Form es hat. Plötzlich wirst du die Schranke der Buddhas und alten Patriarchen überwinden: Sie ist nur ein Lachen wert. *** Der Augenblick, bevor ein Gedanke geboren wird, ist bereits falsch. Versuchen, mehr darüber zu sagen, ist verfänglich. *** Wenn du auf natürliche Weise eins mit dem Geistgrund geworden bist, erreichst du den Ort, an dem du nichts weißt, nichts verstehst. Versuch nicht darüber nachzudenken, was dies ist, sei einfach aufmerksam und klar und halte dies allzeit aufrecht, was immer du tust, ob du dich bewegst oder stillstehst, redest oder schweigst.  *** Dieses Reich hat mich geboren, so wie in einem Senfkorn zehn Milliarden Länder verborgen sind. Pah! Wie roh und derb dieser Dorfmönch ist! Dem Herrscherwillen folgend, enthülle ich überflüssigerweise die Hässlichkeit meiner Familie. Die Buddhas und Patriarchen tadelnd, schaffe ich karmisches Leiden. Ha ha ha!    Von nun an werde ich nicht...

Geburtsfehler der Religion

Fundamentalisten gibt es auch im Buddhismus zuhauf. Nicht nur Theravadins, die am Wortlaut des Palikanon kleben, auch solche, die das Wort ihrer Lehrer und Überlieferungen - welcher Tradition auch immer - wie als gottgegeben ansehen. Stefan Weidner verglich das in seiner Islambetrachtung "Mohammedanische Versuchungen" (Frankfurt 2008) so: "Wie jede Religion die Mängel ihres Anfangs bis zu ihrem Verblühen mit sich herumschleppt und manche an diesen Mängeln verblüht ... Keine Religion ist frei davon, und die Aufgabe der Theologen besteht häufig nur darin, diese Mängel in Vorteile umzudeuten, sie wegzudiskutieren oder auf günstige Weise zu begründen und zu rechtfertigen. Sie gleichen damit den Chirurgen, die Geburtsfehler nachträglich operativ korrigieren, und wie ein Erwachsener nach einer solchen Operation von seinem ursprünglichen Gebrechen kaum etwas spürt und man es ihm nicht ansieht, erkennt der unbefangene Gläubige bei einer theologisch gut verarzteten Religion ...

Der Zen-Meister Taego (I)

Taego (1301-1382) verkörperte koreanisches Zen und wetterte gegen minderwertige Lehrer und die allgemeine Dummheit. Ich möchte hier ein paar seiner stärksten Sätze aus dem Taego Hwasang Orok vorstellen. *** Hier ist ein gutes Zimmer für den König der Leere. Früher nannte man es Glückswolkenhöhle. Heutzutage lebt hier nur ein verarmter Mann des Weges. Mögen auch Buddhas und Patriarchen vorbeikommen, er wird sie nicht empfangen. Klaräugige Berobte können sich ihm nicht nähern. Doch sag mir, wer kann ihn sofort abschneiden?  Die Lehre gemäß des Buddha verbreiten, Wesen gemäß ihrer Fähigkeiten empfangen: Pah! Was für ein eitles Geschwätz! *** Der ganze Kanon der schriftlichen Lehren, die auf Worte Buddhas zurückgehen, ist nur ein geschicktes Mittel, um die innewohnende erleuchtete Natur der Menschen aufzuzeigen.  *** Geist ist Buddha, Buddha ist Geist. Außerhalb des Geistes kein Buddha, außerhalb Buddhas kein Geist. *** Nun, wo du dein Zuhause...

Daitô Kokushi: Reden ist Zen

Wie öde, untätig auf dem Boden zu hocken, nicht meditierend, ohne Durchbruch. Schau da die Pferde am Kamo-Fluss galoppieren! Das ist Zazen! Daitô alias Myôchô Shuhô (1282-1334) war in China ein Schüler Hsü-tangs (jap. Kidô) und in Japan ein Schüler vor allem Daiôs. Aus der Linie von Daitôs Nachfolger Tettô Gikô stammen prominente Meister wie Ikkyû und Takuan. Daitô ist vor allem als wichtiger Interpret der Kôan-Tradition bekannt. Einst stellte er klar: "Das Herz (heart) selbst ist wahrlich der Buddha. Was 'die eigene Natur sehen' genannt wird, bedeutet, den Herz-Buddha zu erkennen. Legt wieder und wieder eure Gedanken ab und entdeckt den Herz-Buddha. Man könnte annehmen, dass er nur in der Sitzmeditation erkannt würde. Dies ist jedoch ein Fehler. Yung-chia sagte: 'Gehen ist Zen, Sitzen ist Zen. Redend oder schweigend, den Körper bewegend oder nicht, ist er in Frieden.' Dies lehrt uns, dass Gehen, Sitzen und Reden allesamt Zen sind. Nicht nur Zazen und das Unterd...

Der Alte im Turban

"Irgendwo in der Steppe saß mit untergeschlagenen Beinen ein Alter im Turban und meditierte. Als er aufsah, fragte ich ihn: Worauf zielt dein Gebet? Der Alte erwiderte: Auf das Nicht-Denken; wenn du verstehst, was ich meine. Und weiter fragte ich: Wie könnte einer ins Reich des Nicht-Denkens gelangen? Darauf der Alte: Halte die Zunge im Munde, auf dass du nichts berührst.    Unterwegs im fremden Land, auf dem Bettrand sitzend morgens im Hotel, machte ich einmal das Experiment. Bald schlossen mich flackernde Flammen ein, oder der Nordwind umwirbelte mich mit Geheul, ein eisiger Regen strich über mich hin. Jetzt war ich Fudo-myoo, jetzt Han-shan oder Shih-te. (...)    Indessen schwebte mir das Gesicht des Alten im Turban herauf. Ein einsames Gesicht. Gesicht eines Mannes, der fahnenflüchtig war seit Jahrzehnten." [Yasushi Inoue: Eroberungszüge. Berlin 1982. Fudo-myoo, der "Unbewegliche", ist der Vernichter allen Übels, Han-shan und Shih-te waren Dichtermönche im Chi...

Wie das Selbst das Selbst abwirft

"Sieger bin ich über alles, das ich kannte, aber ungebunden bin ich an alles, das erobert und bekannt ist. Indem ich alles aufgebe, bin ich frei durch die Zerstörung des Begehrens. Nachdem ich so alles unmittelbar selbst verstanden habe, wen soll ich meinen Lehrer nennen?" Edie Meidav erzählt in ihrem Epos "Henry Goulds magische Reise" (München 2003) von einem, der auszog, um ausgerechnet auf Sri Lanka (Ceylon) in den 30er-Jahren eine ideale Gesellschaft zu errichten. Viele Kapitel werden durch buddhistische Ideale wie im obigen Zitat eingeleitet. An einer Stelle siegt jedoch die Sinnlichkeit über den religiösen Pfad ( fette Hervorhebung von mir): "Als sie und Henry sich lieben an diesem windigen Nachmittag (...) geschieht eine Preisgabe, wie Henry sie niemals zuvor erfahren hat. Nicht bei der Meditation und niemals beim Erfolg. (...)    Es ist vielleicht, weil er sich endlich gestattet, mit ihr zusammen zu sein - an dem Angelpunkt, an dem er nicht mehr sag...

Warum Fremdgehen gut sein kann

Im Blog des Theravada-Mönchs Sujato findet sich ein Plädoyer für die Ehe von Partnern gleichen Geschlechts. Dabei wird auf die Regel/das Gebot gegen sexuelles Fehlverhalten eingegangen. Wie üblich, wird es so interpretiert, dass Ehebruch untersagt sei. Im Einzelnen wird dem Mädchen und der jungen Frau Schutz durch Familienmitglieder zugesagt, so lange sie also unter der Obhut anderer stünde, sei sie gewissermaßen tabu. Sujato meint, was explizit über die Frau bzw. das Mädchen im Palikanon gesagt wird, könne auch für den Mann gelten. Und dann: "Homosexuality is not an issue", der Buddha habe nicht die Person, sondern die Tat beurteilt, und er habe stets auch das Mitempfinden für die Ausgegrenzten gezeigt, was sich also auf sexuelle Minderheiten beziehen ließe. Seltsamerweise sagt Sujato jedoch auch: "Rape, paedophilia, adultery: these and many other problems are clearly mentioned in the early texts, and the Buddha made it clear that he didn’t approve of them." Er ne...

Wollt ihr ewig leben?

Im letzten Kapitel von Julian Barnes Roman "Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln" (Reinbek 2000) führt er einen interessanten Gedanken aus: Was, wenn die Menschen ewig leben könnten? Hier kommen sie alle ins Himmelreich und können sich aussuchen, wie sie es gerne hätten. Am längsten halten auf diese Weise die Religiösen durch, die sich am Gottesdienst ergötzen. Von den Nicht-Religiösen sind es z.B. Gelehrte und Juristen, die so viel zu untersuchen und zu streiten haben, dass sie jahrhundertelang damit beschäftigt sind. Schließlich wollen aber auch sie nicht mehr. Dann genügt es, einfach sterben zu wollen, und es geschieht ...    "Und wie sterben sie? Bringen sie sich selber um? Bringt ihr sie um?" (...)    "Gottes willen, nein. Wie gesagt, heutzutage geht es demokratisch zu. Wenn man wegsterben will, tut man es. Man muss es nur lange genug wollen, dann klappt es schon, es geschieht einfach. Der Tod hat nichts mehr mit Zufall oder düsterer Unvermeidlichk...

Verse des Zen-Mönches Shôtetsu (1381-1459)

Wie natürlich sie einander zur rechten Zeit begegnen: Das Wasser, das nicht denkt: "Komm, nimm dir hier deine Herberge!" Der Mond, der nicht nach einer Unterkunft fragt. *** Da niemand zu Besuch kommt,  habe ich keinen zum Quatschen, was mein Haus zu einem Ort macht, wo ein Mensch ohne Sorgen lebt. *** Mit jedem neuen Frühling sprechen die Blüten kein Wort und legen doch den Dharma dar. Sie wissen um dessen Kern von den sich zerstreuenden Sturmböen. *** Hier bin ich nun, fort von der grausamen Welt, auf einer Insel, und vertraue den Faden meines Lebens einer Leine ohne Haken an! (Steven D. Carter: Unforgotten Dreams. New York 1997)

Der Körper lebt, die Seele stirbt

Die Terasse des Leprakönigs ist ein Bühnenstück von Yukio Mishima (1925-1970), benannt nach dem gleichnamigen Tempelkomplex in Angkor. Am Ende gibt es einen Dialog zwischen der Seele, die stirbt, und dem Körper. Mishima interpretiert den Bayontempel mit seinen Gesichtern des Buddha Avalokiteshvara als quasi ewige, spiegelbildliche Verkörperlichung des Khmer-Königs Jayavarman VII., der den Bau in Auftrag gab. Die Idee, dass nicht die Seele, sondern der Körper unsterblich sei, findet hier ihren in Stein gemeißelten Ausdruck. Der Körper spricht zur Seele in einem zennahen Duktus: "Stirb nun also, verlösche. Der frische Morgenatem, der Morgenwind, in die weiten Lungen inhaliert - auf diese Weise beginnt der Tag für den Körper. Dann badet der Körper, kämpft, rennt, liebt, betrinkt sich mit den besten Weinen der Welt, wetteifert, um zu sehen, welche Form die schönere ist, macht Komplimente usf. - bis er sich am Ende des Tages mit einem anderen Körper zur Ruhe bettet. Der Körper ei...

Verse von Kenji Miyazawa

Wenn du so sehr am Frieden leidest, werde ich dir die Familie ins Haus schicken, die jene Exekution überlebt hat. *** Und es muss sein, dass ich bald sterben werde, doch was auf Erden ist das, was man Ich nennt? Ich dachte, überdachte es mehrere Male, las und las, hörte, es wäre dies, wurde gelehrt, es wäre jenes, doch am Ende ist es noch nicht klar, was Ich genannt wird ... (Kenji Miyazawa, Lyriker, 1896-1933, Anhänger des Nichiren-Buddhismus und der Kokuchûkai .)

Nicht-Gier

So heißt eines der zehn "Gebote" von Jiun Sonja (1718-1804), einem gelehrten Mönch der Shingon-Schule des Buddhismus: "Wenn du mit der Regel der Nicht-Gier lebst und Farben betrachtest, dann sind alle - ob blau, gelb, rot oder weiß - hinreichend, um deine Augen zu nähren; und all die Winde in den Kiefern und das Murmeln des Wassers - wie Saiten- und Flötenmusik - sind deinen Ohren genug."

Wessen Gedicht steckt dahinter?

Den ganzen Tag höre ich die Worte der Freudenmädchen. Es ist, wie alte Bekannte zu treffen. Sag nicht, dass immer wieder Zweifel aufsteigen - jedes Mal, wenn es aufgebracht wird, ist es neu. (Tipp: Gesucht wird eine Frau, die an Ta-hui schrieb. Nur ihre erste Verszeile wurde hier geändert. [Ein Preis war ausgelobt, wurde aber abgelehnt.])

Das Ultrabuch des Zen-Meisters

Der am Ende des Spots zu sehende Phil Jackson war ein bekannter US-Basketballcoach, der mit den Chicago Bulls und Los Angeles Lakers elf Mal den NBA-Titel holte. Sein holistischer Trainingsansatz brachte ihm den Beinamen "Zen-Meister" ein, da er sich nach eigenen Angaben in seinem Leben vor allem an Robert Pirsigs "Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten" orientierte. 

Was Günter Grass gesagt werden muss

Es war eigentlich strategisch falsch, weil gegen einen ehemaligen Waffen-SSler die Vorwürfe nur aus dem Setzbaukasten der politisch Korrekten geholt werden mussten. Aber da Günter Grass ein Literatur-Nobelpreisträger ist und ich nicht, hat man weltweit seine nur lachhaft als Gedicht verkleidete politische Botschaft abgedruckt, und mein nun gleich entstehendes wahres Gedicht wird bloß eine Hundertschar wahrnehmen, obwohl ich nie was mit den Nazis zu tun hatte. Immerhin hat der mich zuvor oft durch eher verwirrte Botschaften nervende Grass für einen erheiternden TV-Abend gesorgt, an dem noch einmal das blödeste Märchen aller Zeiten auf allen Kanälen erzählt werden durfte: Dass ein muslimisches Land wie der Iran, das mit den muslimischen Palästinensern sympathisiert, die - wie wir alle wissen - in Israel Tür an Tür mit den Israelis leben, durch einen atomaren Erstschlag Israel auslöschen könnte. Also seine eigenen Glaubensbrüder notgedrungen gleich mit. Etwas Dümmeres wurde seit der Biow...

Enni Ben'en: Selbsterwachen und Zen

Enni Ben'en (1202-1280) fuhr 1235 nach China und wurde nach sieben Jahren von einem Nachfolger in der Yang-ch'i-Linie des Lin-chi, Wu-chun Shih-fan (1177-1249) authorisiert. In Japan genoss er im Vergleich zu seinem Zeitgenossen Dôgen, der ihn folglich attackierte, einen besseren Ruf in den Herrschaftskreisen. Enni begründete das im chinesischen Stil errichtete Tôfuku-ji-Kloster, in dem er auch Hallen für die Tendai- und Shingon-Praktiken zuließ. Interessant ist seine Sicht auf Bodhidharma, den er als Selbsterwachten bezeichnet und der für ihn offenbar nicht als Metapher für die Sitzmeditation steht. Vielmehr seien nach dem Selbsterwachen das Zazen und direktes Zeigen (auf den eigenen Geist) als (weitere) anleitende Techniken dazugekommen. "Ihr sollt verstehen, dass es Methoden gibt, zu helfen und anzuleiten: eine ist die Technik der Sitzmeditation, die andere die Technik des direkten Zeigens. Sitzmeditation ist die große Ruhe, direktes Zeigen ...

April, April,
ich bin gar nicht tot!

Wenn ich auf den Seiten von Buddhismus heute der Diamantweg-Sekte (Karma Kagyü) surfe, kommen mir Ideen für eine Glosse nach der anderen. Kürzlich wurde der Tod Tenga Rinpoches vermeldet, und auf der englischen Wiki fand sich folgender Abgesang: "Rinpoche has entered the after-death-meditation, called Thugdam." Der Rinpoche ist also in die Nachtodmeditation namens Thugdam eingetreten. Wie ihr auf obigem Link sehen könnt, erscheint ihm beim Sterben für einen Augenblick die "wahre Natur des Geistes". Halt!, denkt da der Zenbuddhist, was kann denn daran Besonderes sein, wo sie sich bei einem "fortgeschrittenen Praktizierenden", dem allein sich solches offenbaren soll, doch längst im Laufe seines Vorlebens gezeigt haben müsste - sonst wäre er ja nicht erwacht. Ein schönes Beispiel tibetischer Logik, und dafür trainieren die Adepten zwanzig Jahre lang eifrig das Debattieren ...  Viel lehhreicher ist freilich die Einleitung zur Erklärung von Thugdam. ...

Kurzer Ausblick
(war: Auf der Suche nach Samurai)

Miyamoto Musashi-Doku (mit Mark Dacascos) Der obige Filmhinweis sollte im Grunde alles für heute sein. Die Beiträge der letzten Wochen wie auch die der folgenden habe ich lange im Voraus zusammengestellt, um mich eine Weile konzentriert meiner nächsten Übersetzung (von Kôan-Antworten) widmen zu können, die demnächst erscheint. Regelmäßigen Lesern wird dies aufgefallen sein. Ein Blog lebt natürlich in erster Linie - neben (gegenseitigen) Verlinkungen - von selbst verfassten Beiträgen, und im Allgemeinen habe ich hier die kürzere Form bevorzugt, um Anregungen zu hinterlassen. Da ich nun jahrelang, erst in Foren, dann vor allem hier im Blog, diverse Themen diskutierte und aufrollte, bin ich an einem Punkt, wo das Wesentliche gesagt ist. Einige buddhistische Foren scheinen mir tatsächlich regelrecht zu erlahmen und stillzustehen. In den vergangenen Monaten sah ich noch einmal einen kleinen Hoffnungsschimmer in den rechts (kürzlich noch) verlinkten Blogs, aber bei näherer Beschäftigung ...

Buddhadasa Bhikkhu

"Alle Aktivitäten sind Dharma." Buddhadasa Bhikkhu: Biography Part 1 Buddhadasa Bhikkhu: Biography Part 2 Buddhadasa Bhikkhu: Biography Part 3 (alles in Englisch, mehr und Copyright Foto hier )

Der Buddhismus wäre ein kleiner Kult geblieben ...

... hätte ihn der König Ashoka nicht schon als Instrument der Macht benutzt. So der wunderbarste Kritiker des Zen ... und zugleich seine Verkörperung (meine Ansicht). Heute ist der fünfte Todestag von Uppaluri Gopala (U.G.) Krishnamurti (9.7.1918-22.3.2007). Hier die Worte, die er nach seinem "Erwachen", seiner "Wandlung" oder "Einsicht", einem offenbar besonders körperlichen Ereignis, mit knapp fünfzig Jahren sprach. Dieser Krishnamurti - nicht zu verwechseln mit dem Jiddu - gab nichts auf besondere Essgewohnheiten, Sport oder Medizin. Im zweiten Video sieht man ihn kurz vor seinem Tod. Als er seine Zeit für den Abgang gekommen sah, nahm er keine Nahrung mehr zu sich. "Ich weiß nicht, was Glück ist. Darum bin ich nie unglücklich."