Donnerstag, 17. Mai 2012

Der Chan-Meister Ching-hung (I)

Ching-hung (1272-1352) wurde vor allem durch seine "Gedichte aus den Bergen" und Gathas bekannt. Red Pine alias Bill Porter hat diese in seinem Buch "The Zen Works of Stonehouse" (Berkeley 1999) ausgiebig gewürdigt. Ich möchte hier Auszüge aus den Reden des chinesischen Eremiten vorstellen. Im ersten Text kann man auch eine Spitze gegen Theravada-Mönche lesen, deren Ordensregeln (Vinaya) ihnen jeglichen Ackerbau untersagen.

„Wenn ihr nur schlummernd und selbstvergessen sitzt und so eure Zeit verschwendet, seit ihr nicht einmal dem gewöhnlichsten Farmer im ärmsten Dorf gleich. Hackend und pflanzend versorgt er sich wenigstens selbst und macht nichts falsch. Doch ihr Mönche und Söhne Shakyamunis nutzt den Schutz des Tathagata aus. Ihr esst Nahrung, ohne den Acker zu bestellen, tragt Kleidung, ohne Seidenraupen zu züchten. Ihr lebt in großen Hallen und riesigen Tempeln, eure Finger berühren niemals Dreck, alltägliche Angelegenheiten kümmern euch nicht. Für alles ist gesorgt, alles wird euch bereitgestellt. Aber weil dies so ist, gebt ihr euch der Faulheit und Gier hin. Ihr handelt nicht wie Mönche und befolgt nicht die Gelübde. Ihr versteht Ursache und Wirkung nicht und fürchtet keine Vergeltung. So häuft ihr unzählige Schulden auf und sät die Samen der Hölle.“

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„Bis ihr nicht vollständig den Geist losgeworden seid, werdet ihr drei Erklärungen für jeden haben, den ihr trefft.“

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„Warum geht ihr nicht einfach voran? Warum um alles in der Welt belästigt ihr andere Menschen? Haben Buddhas etwas, das sie besser als gewöhnliche Menschen macht? Haben gewöhnliche Menschen etwas, das sie Buddhas unterlegen sein lässt? Sie alle sind Menschen, genau wie ihr. Warum macht ihr euch selbst klein und handelt wie Diener?“

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„Ein Gast zu sein ist in Ordnung. Es kann aber nicht damit verglichen werden, arm und daheim zu sein.“

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„Wenn Körper, Mund und Geist eines Menschen rein werden, sagen wir, ein Buddha erscheine in der Welt. Wenn sein Körper, Mund und Geist unrein werden, sagen wir, ein Buddha trete in Nirwana ein!“

Kommentare:

  1. Einstmals weilte der Erhabene im Lande der Magadhas, zu Dekkhinagiri, einem Brahmanendorf. Zu der Zeit waren beim Brahmanen Kasibharadvaja fünfhundert Pflüge angespannt; es war die Zeit der Aussaat.

    Der Erhabene aber kleidete sich morgens an, nahm Almosenschale und Obergewand und ging hin, wo des Brahmanen Kasibharadvaja Feldarbeiten getan wurden. Beim Brahmanen Kasibharadvaja fand nun eben eine Speisung der Arbeiter statt. Da ging nun der Erhabene hin, wo die Speisung geschah und stellte sich zur Seite. Und der Brahmane Kasibharadvaja sah den Erhabenen, wie er zur Seite dastand, auf ein Almosen wartend, und sprach zu ihm: "Ich pflüge und säe, Asket. Und wenn ich gepflügt und gesät habe, esse ich. Pflüge und säe du auch. Und hast du gepflügt und gesät, dann iß".

    "Auch ich, Brahmane, pflüge und säe und esse, nachdem ich gepflügt und gesät habe".

    "Wir sehen beim Herrn Gotama doch kein Joch und keinen Pflug und keine Pflugschar und keinen Treibstock und keine Stiere, und trotzdem sagt der Herr Gotama: Auch ich, Brahmane, pflüge und säe und esse, nachdem ich gepflügt und gesät habe".

    Und der Brahmane Kasibharadvaja sprach zum Erhabenen diesen Spruch:

    "Du seist ein Ackersmann, sprichst du,
    doch daß du ackerst, sehen wir nicht,
    Wo ackerst du dein Feld, frag ich.
    Laß mich sehen den Acker dein."

    Der Buddha spricht:

    "Vertrauen ist mein Samen, strenge Zucht ist Regen.
    Mein Joch und Pflug ist weisheitsreiches Wesen,
    die Deichsel heil'ge Scheu, der Riemen Denken,
    Pflugschar und Treibstock ist des Geistes Wachsein.
    Des Körpers Tun, die Rede sorgsam hütend,
    knapp in der Nahrung, die dem Leib gewährt wird,
    jät' ich mit Wahrheit aus des Ackers Unkraut,
    ab spann ich meinen Pflug mit güt'ger Sanftmut—
    Kraftvolles Streben joch' ich an als Zugtier.
    Zur höchsten Friedensstätte geht die Fahrt hin,
    vorwärts beständig, nie zurück sich wendend,
    zum Ziel, wo alles Leid sein Ende findet.
    So tu' als Ackersmann ich meine Arbeit.
    Frucht des Todlosen ist's, was ich ernte.
    Und die gleich mir bestellen ihren Acker,
    Erlösung finden sie von allen Leiden".

    Da schöpfte der Brahmane Kasibharadvaja Reismilch mit einer großen Messingschale und bot sie dem Erhabenen dar: "Möge der Herr Gotama die Reismilch essen. Ein Ackersmann ist er, denn der Herr Gotama pflügt den Acker, der die beste Frucht, die der Todlosigkeit, trägt". Sutt. Nip.


    Ob Leute heute so viel Konzentration aufbringen können wie ein Bauer der damaligen Zeit ist natürlich eine andere Frage. Generell wird das wohl nicht sein, aber es gibt immer welche mit etwas weniger Staub auf den Augen.

    Das kommt daher, weil sie schon vor längerem erkannt haben, daß viel von dem Staub aus von ihrer eigenen Tugend, und vor allem von rechter Rede kommt.

    Wenn man an der Welt anhaften, weil man das Leiden darin nicht sieht, kann man über den Tellerrand seiner Gedanken nicht hinaus und wird Dharma immer falsch verstehen.

    Appamada mein Freund, Appamada!

    Das war die Abschiedsempfehlung Buddhas, sein letztes Wort.

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  2. Schöne Beiträge zu Shiwu. Vor einiger Zeit habe ich über Shiwu und die Sommerklausur in Chan-Klöstern geschrieben. Hier habe ich auch einige Passagen von Shiwu übersetzt:

    http://tsurezuregusa.de/anmerkungen-von-stonehouse-zur-sommerklausur-im-chan-kloster/

    Gruß
    Florian

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