Samstag, 11. September 2010

Ordnung halten:
Der Film "Das Schreiben und das Schweigen"

In alten japanischen Filmen hat mich oft die Inneneinrichtung von Wohnungen fasziniert. Karg, aufs Nötigste reduziert, dennoch schön. An meiner einen Wand klebt hingegen noch eine übertriebene Fototapete, auf der eine Insel zu sehen ist. Mit einem Umzug sollte sich das ändern. Vor einiger Zeit habe ich mithilfe einiger Menschen meine Notizen teilweise ausgewertet (darunter z.B. Übersetzungen wie zu den "10 Schülern Buddhas", die ich demnächst hier nochmal einstellen werde). Meine Bücher wurden alphabetisch geordnet (mein Zen-Regal ist etwa so umfangreich wie das meiner Romane).
   Heute sah ich in einer Pressevorführung "Das Schreiben und das Schweigen", eine Doku über Ernst Jandls Lebensgefährtin, die Lyrikerin Friederike Mayröcker. Man merkte ihrem Gesicht ihr Alter (sie wurde 1924 geboren) nicht an. Doch ihre Wohnung sah aus wie die eines Messies. Da ihre Werke von Wilhelm Genazino empfohlen wurde, ist es naheliegend, ein von ihm immer wieder genanntes Gefühl zu zitieren, das mir beim Anblick ihrer Papierstapel und -wüsten kam: Ekel. Mayröcker legt Ideen in Wäschekörben ab. Sie schreibt von Hand und auf mechanischen Schreibmaschinen. Sie kann dies am ehesten bei Regen, die Sonne mag sie nicht im Zimmer haben, dann zieht es sie jedoch raus in die Natur. Solche Gefühle kann ich nachvollziehen. Was jedoch den Kult der Staatsbibliothek und des Literaturarchivs Wien angeht, die jedes Papierstück der Dichterin wie schon den Nachlass Jandls sammeln und dazu noch die Schallplattensammlung, Koffer und naive Zeichnungen archivieren - da hört mein Verständnis für den Personenkult auf. Ich erinnere mich an den Filmemacher Vlado Kristl, der in Happenings nach einem Screening seine Filme vernichtete. Das hatte mehr von einer Zen-Haltung.
   Der Film kommentiert nicht. Mehrfach spricht Mayröcker davon, wie schnell sie hohen Blutdruck bekäme. Als sie ihn einmal gemessen hat, meint sie, sie müsse Medizin einnehmen. Das Display zeigt jedoch 148 zu 83.
   Manchmal ist es besser, man weiß nicht zu viel Privates von Autoren, deren Werk man schätzen könnte.

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