Mittwoch, 22. September 2010

Die falschen Ansichten von Thich Nhat Hanh (III)

(Zum Todestag Dôgen Zenjis hier ein Podcast.)
 
9) S. 96: "Es gibt viele sichere Dinge, auf die wir uns stützen können - die Erde, die Luft, den Buddha, das Dharma, die Sangha."
   Ein Haitianer und ein Anwohner Tschernobyls würde da zurecht zweifel äußern. Auch der Zen-Buddhist soll dies tun: "Wenn du den Buddha triffst, töte ihn." DAS ist die Erziehung zu einer kritischen Haltung, auch Lehrern gegenüber, wie sie TNH nicht brauchen kann, weil er viele Menschen um sich scharen möchte.

10) "Die moderne Psychologie untersucht psychische Phänomene nur an ihrer Oberfläche." (S. 113) Hört, hört, das könnte Woody Allen sagen, der nach einer fast lebenslangen Tiefenanalyse zum Schluss käme, es habe nichts gebracht. Vorher bringt er uns aber alle nochmal kräftig zum Lachen.

11) Wie sichert man sich seinen Expertenstatus auf dem Buddhismus völlig frachfremden Gebieten? Hiermit: "Diese (buddhistischen) Grundsätze können auch angewandt werden, um unsere Umweltprobleme zu lösen, zum Beispiel den Treibhauseffekt und das Schwinden der Ozonschicht." Nein, mit TNHs Grundsätzen ist das unmöglich. Zum Treibhauseffekt trägt z.B. das Abholzen des Regenwaldes bei, das in großem Stil von Kriminellen begangen und unterstützt wird. Da helfe nur eine Armee, die die besseren Waffen hat. Wenn man jedoch meint: "Flüsse, Meere, Wälder, Berge, Erde und Steine - sie alle sind unser Körper" (S. 123), dann kann ich das nachvollziehen, so lange von Nieren- und Gallensteinen die Rede ist.

12) Und nun wieder der Klops des Tages. Im Diamant-Sutra heißt es:

   "'Was meinst du, Subhuti? Kann man über den Buddha meditieren mit Hilfe der zweiunddreißig Merkmale?'
   Subhuti sagte: 'Ja, Weltverehrter. Wir sollten die zweiunddreißig Merkmale benutzen, um über den Tathagata zu meditieren.'
   Der Buddha sprach: 'Wenn du sagst, du kannst die zweiunddreißig Merkmale benutzen, um den Tathagata zu sehen, ist dann der Cakravartin ebenfalls ein Tathagata?'
   Subhuti sagte: 'Weltverehrter, ich verstehe deine Belehrung. Man sollte NICHT die zweiunddreißig Merkmale benutzen, um über den Tathagata zu meditieren.'"

   Alles klar? Das "NICHT" wurde von mir hervorgehoben. Die Lehre der 32 Merkmale (u.a. wird da der - medizinisch als krankhaft angesehene - Rückzug des Penis in den Körper genannt, der Plattfuß, 44 Zähne und lange Affenarme bis zu den Knien) wird im Diamantsutra als Bullshit enttarnt. Was aber meint TNH: (S. 124) "Das bedeutet nicht, dass die Meditation über den Buddha vermittels der zweiunddreißig Merkmale falsch ist." Aber natürlich ist sie das. Aus welcher Zen-Überlieferung leitet TNH denn bitteschön die Meditation über Plattfüße ab?

Erst in der Zusammenfassung am Ende dieses Buches deutet sich eine korrekte Zen-Sicht an, als hätte TNH diese von irgendwo abgeschrieben, aber bei der Analyse der einzelnen Textabschnitte nicht adäquat umgesetzt (also nicht wirklich verstanden). Ironischerweise schreibt er selbst (S. 135): "Beobachten wir eine Person, die uns dieses Sutra vermittelt, können wir normalerweise ganz genau sagen, ob sie es im Geist der Zeichenlosigkeit tut. Wir können hören oder spüren, ob die Erklärungen von der Idee getragen werden: 'Ich bin die Person, die dieses Sutra lehrt, und du bist die, die zuhört.'"
   Ja, genau so wirken die Belehrungen TNHs auf mich.

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