Freitag, 26. März 2010

Wie man einen Kult schafft: Maharishi Mahesh Yogi und TM

Gestern konnte ich eine Preview von David Sievekings Doku "David Wants to Fly" sehen. Sehr gut für alle, die sich bewusst machen wollen, wie ein Kult/eine Sekte entsteht und funktioniert, woran man ihre Anhänger erkennt und worum es tatsächlich geht (dass ein paar wenige oder ein Einzelner damit reich werden und - oft heimlich - Sex haben können). Als Filmliebhaber war es für mich besonders erheiternd, wenn David Lynch, der von der Kritik so gern gefeierte Regisseur von Werken wie Blue Velvet und Twin Peaks, sich als  verblendeter Anhänger der Transzendentalen Meditation und ihres Begründers Maharishi Mahesh Yogi offenbarte. Auch Paul McCartney und Ringo Starr von den Beatles hielten große Stücke auf den Sektengründer, der wohl bei seinem Tod (2008) Milliardär war.  Weit über 2.000 Euro kostet ein Grundkurs bei den TM-lern, für eine Million könne man sich den "Maharaja"-Titel kaufen. 

Sieveking, der junge Filmemacher, der ganz nebenbei noch selbstironisch vom Ende seiner eigenen Liebesbeziehung erzählt und dessen jüdischer Humor den Film auch in der Bildauswahl bestimmt (etwa, wenn ein paar gealterte Dicke zum Ringelrein ins Meer hüpfen), hat das Glück, zu allen wesentlichen Veranstaltungen der Sekte rund um den Tod des Yogi eingelassen zu werden. Als erste Bedenken gegen Sievekings kritische Einstellung aufkommen und Drehverbote erteilt werden, schert er sich einen Dreck drum und verkleidet sich z.B. wie ein Anhänger, um Zugang zu einem mit Stacheldraht umzäunten Camp der Sekte in den USA zu bekommen. Ein hochrangiger deutscher Vertreter prophezeit  hierzulande die "Unbesiegbarkeit Deutschlands" durch Methoden der TM. Wie andere Maharajas trägt er eine seltsame Krone auf dem Haupt, die mich an eine Ex-Bekannte erinnert, die jahrelang mit einer McDonalds-Pappkrone durch die Gegend lief und gern als "Prinzessin" angesprochen werden wollte - allein, sie meinte es nicht ernst. Das "yogische Fliegen" erweist sich als Hüpfen im Lotussitz (oder ähnlichem) auf federnden Unterlagen.; in Schulen wird ein Wetthüpfen mithilfe der Stoppuhr ausgetragen. Eine ehemalige Anhängerin berichtet, wie der Maharishi sie zum Sex brachte ("Du darfst es aber niemandem sagen."). 

Ja, es ist wirklich alles drin, der gesammelte Wahnsinn, den die Verblödeten brauchen, die sich nicht selbst zu helfen wissen. Gerne wird ja kolportiert, der Maharishi sei ein Nachfolger des Swami Brahmananda Saraswati. Ein echter Nachfolger, an dessen Tempelmauern gleich zu lesen steht, dass man dort keine (!) Spenden annähme, klärt jedoch auf, der Maharishi sei bloß der Buchhalter des Swami gewesen. Dass Maharishis Nachfolger wiederum ein Neurophysiologe ist, macht mir richtig Kopfzerbrechen. Und dass der Maharishi aus der Ksatriya-Kaste stammte, in die man kam, wenn man die Kriegskunst beherrschte, macht es nicht leichter. Denn dieser Kaste entstammte ja auch unser Shakyamuni Buddha.

Die TM-ler bekommen übrigens ein "geheimes" Mantra zugeteilt - aus einer überschaubaren Liste, wie Sieveking amüsant aufzeigt. Der Buddha lehnte das Üben mit Mantras ab. Als ich zu meinem ersten Zen-Sesshin in einer bekannten buddhistische Übungsstätte (aller Traditionen) weilte, rezitierte man dort  - als eine Art Hausregel - beim Essen "Om Mani Padme Hum". Mir wurde dabei körperlich unwohl. Erst später erfuhr ich, dass der Buddha meinte, ein Erleuchteter würde nicht hum rezitieren (Vin I,3).

[Foto: Neue Visionen Filmverleih]

Kommentare:

  1. Hm, der Film hat Dich offensichtlich beeindruckt. War das Dein erster Kontakt mit "den TM-lern"? Erstaunlich find ich, das Du das alles so als wahr und echt annimmst, was Du in den Film gesehen hast. Da erzählt jemand eine Geschichte, so wie er sie gerne erzählen möchte - klar das alles schlüssig ist, sonst hätte er seine Arbeit schlecht gemacht.

    Ist nicht aber hinterfragen eine wichtige Sache? Nicht alles, was schlüssig zu sein scheint ist auch automatisch wahr.

    Ok, ich meine rauszuhören, das Dir zumindest aufgefallen ist, das es da scheinbar oder möglicherweise auch Menschen geben könnte, die noch bei trost sind und trotzdem hinter TM stehen, was finden die blos daran? Absolut alle total verblendet? Ist das möglich?

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  2. Das Erstaunliche ist ja, dass die Anhänger selbst z.B. die Kosten von TM bestätigten. Sie führen sich quasi selbst vor. Es wird alles in Bild und Ton gezeigt, auch die Art ihrer Sprache, ihr Gehabe. Der Film ist wirklich sehr überzeugend. Ich glaube nicht, dass jemand bei Trost ist, der Geld für TM ausgibt.

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  3. Es folgt ein Beitrag von Anonym, aus dem ich mangels Beweisen ein paar Stellen von Hand durch ... ersetzen musste (anders geht das hier nicht).

    "Ich habe TM seit 1992 praktiziert. Es ist nicht nur eine potentiell gefährliche "Technik" sondern systematisch persönlichkeits- und gesundheitszerstörend. Man macht einige "gute" Erfahrungen, einem Drogenrausch wohl ähnlich, aber dies sind reine Illusionen. Mit oben genannten, langsam voranschreitenden "Nebenwirkungen". Vor dieser Technik UND ihren Organisationen muss gewarnt werden, meiner Meinung nach intensivst. (...) Sucht mal das Netz ab nach TM Aussteigern, ihr lernt dort alles über das systematische Lügen, Deinformieren, Betrug, bis hin zu Gewalt und (...). Das müsste dort doch eigentlich der "Himmel auf Erden" sein...
    Gesunde Menschen fragen sich, wie man darauf reinfallen kann, und dann so lange daran hängen bleibt. Ich schäme mich heute dafür. Man wird unmerklich gehirngewaschen, erinnert sich an die "guten" Erfahrungen, glaubt man müsse nur mehr meditieren, neue Kurse besuchen, und während man weitermacht und sich selbst betrügt, rechtfertigt man die Lügen und die zerstörerischen Aktivitäten Maharishis und seiner Anhänger. Es ist äusserst beschämend aus diesem "Traum" aufzuwachen. Es ging bei mir nur langsam, über Jahre, bis ich mir den Betrug eingestehen konnte. Vielleicht wie ein alter Hitler-Anhänger, der irgendwann erkennt, wem er da aufgesessen ist. Und sich schämt, dass er sich so hat verblenden, so manipulieren lassen.
    Es tut mir wirklch leid. Ich habe Geld dorthin gegeben, Kurse besucht, mich weier manipulieren lassen. Geld für Maharishi- Ayurveda-Produkte ausgegeben, Geld an die "vedischen Pandits" gespendet, die ja schon seit Jahren den Weltfrieden erzeugen. Mahrishi, der "Mönch", der arme mit seinen geringen Bedürfnissen, soll mehrfacher Milliardär gewesen sein, seine Familie ist heute in Indien äusserst reich und einflussreich.
    Das wäre das Geringste, wenn es dem Meditierenden nicht seinen Verstand und seine Werte rauben würde, ihn vollkommen "umdreht", persönlich, sozial und finanziell (und geistlich, wenn einen das interessiert) den Bach runter gehen liesse.
    FM "

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